22. Mai 2019

Wie geht es weiter mit der Hauptradroute 2?

Es bleibt spannend bei der HRR2 Wangen, Hedelfingen. 

Nachdem die Bezirksbeiräte wie hier umfassend geschildert die Planung zuerst in einer nicht-öffentlichen Sitzung gut geheißen und in einer öffentlichen wenige Monate später abgelehnt hatten, war sie Montag und Dienstag gerneut Thema in den Bezirksbeiräten, verbunden mit einer Mitteilung des Baubürgermeisters, warum sie entgegen dem Votum der Ortsvertretungen gebaut werden muss.

Nachtrag, Freitag, 24.5.: Die HRR2 wurde vom Gemeinderat am Donnerstag (23.5.) mit 31 Stimmen Mehrheit beschlossen. Für sie stimmten Grüne, SPD und SöSlinke-Plus, ohne den Exstadtisten. Ich als Rednerin für die Grünen und Christoph Ozasek für die Linke wiesen darauf hin, dass sie ein Kompromis ist und nicht dem Standard entspricht, den wir im Zielbeschluss für ein fahrradfreundliches Stuttgart beschlossen haben.
Am Dienstag davor war sie noch mal Thema im UTA (Ausschuss für Umwelt und Technik). Es ging darum, dass über die HRR2 am Donnerstag im Gemeinderat abgestimmt werden soll und kann. Die CDU stellte den Antrag, die Abstimmung darüber bis nach der Kommunalwahl zu verschieben. Man brauche mehr Zeit.
Diesem Antrag schlossen sich aber die Grünen, die SPD und SÖSLinkePluS nicht an. Also wird am Donnerstag im Gemeinderat abschließend darüber entschieden, ob die Radstreifen, die Kreisverkehre und alle Maßnahmen drum herum nun umgesetzt werden. Nachdem auch die SPD zugesagt hat, sie werde dafür stimmen, sollte es eine knappe Mehrheit dafür geben.

Die CDU hat sich übrigens in Gestalt der Betreuungsstadträtin für Wangen und Hedelfingen bei Talkshows öffentlich für diese Hauptradroute ausgesprochen, kann sich nun aber doch nicht zur Zustimmung im Gemeinderat durchringen.

Das jahrelange Ringen um diese Hauptradroute auf dem direkten Weg von Stuttgart Ost (wo die Hinführung noch mangelhaft ist) nach Hedelfingen (wo die Weiterführung auch noch mangelhaft ist) zeigt, wie unendlich schwierig es ist, in Stuttgart fürs Fahrrad Politik zu machen, wenn es konkret wird und angewogen werden muss zwischen Platz fürs Fahrrad und Platz fürs Auto. Kritik gibt wegen wegfallender Parkplätze und einer Rechtsabbiegespur. Als Argumente werden auch mangelnde Fortführungen angeführt, so als müsse man erst einmal die anlegen, bis man hier weiter mache. Was aber in letzter Konsequenz bedeutete, dass man gar keine Radstreifen anlegen kann, denn irgenwo fehlt immer noch ein Anschluss. Es muss aber eben stückweise gehen, denn alles auf einmal geht halt nicht.

Die immer wieder hochgehaltene Parallelstrecke über die Nätherstraße würde zwar noch viel mehr Parkplätze kosten, wird aber immer noch für geeigneter gehalten. Übrigens auch von einigen Radfahrenden. Aber  die Nätherstraße ist ja dann nicht weg für alle, die lieber durch Nebenstraße radeln (und sich auch nachts vor einsamen Strecken nicht fürchten). Gut so, denn warum sollen Radfahrende immer nur eine Straße und eine Strecke haben, während Autofahrende auf vielen verschiedenen Straßen zum Ziel rollen dürfen? Die HRR2 schafft auch kurze und direkte Verbindungen zu den Brücken über den Neckar hinweg, die von der Nätherstraße aus nur dann erreicht werden können, wenn man sich gut auskennt.

Auch hörten wir das Argument: Wer fährt denn auf den Radstreifen auf der Hauptstraße? Da fahre doch niemand. Abgesehen davon, dass ich auf dieser Hauptverbindung zwischen Hedelfingen und Stuttgart Ost immer wieder auch verirrte Radler treffe, die den Absprung in die Näther-Straße nicht geschafft haben, weil sie ortsunkundig sind, und nun auf der Hauptstraße weiter rollen, wird die Radinfrastruktur nicht für den Jetz-Zustand geplant, sondern auch als Ermunterung, anstelle des Autos das Fahrrad zu nehmen, weil es geht und weil die Infrastruktur da ist. Radinfrastruktur erzeugt Radverkehr. Und dafür muss sich auch vom Auto aus sichtbar sein. Wenn man die Radler immer nur in die Wälder und in Nebenstraßen verbannt, dann haben die Autofahrenden immer den Eindruck, in Stuttgart radle ja niemand, man könne da ja auch gar nicht Rad fahren.

Dass mehr Radler unterwegs sind, als Autofahrende oft denken, zeigen auch Zählungen auf der Waiblinger Staße, wo seit Jahren Radstreifen liegen, die die CDU gerne wieder abschaffen würde, weil sie meint, dort radle ja niemand und der Autostau habe damit zu tun. Es radeln dort aber mehr, als man immer denkt.

Der Radverkehr hat Zukunft und an dieser Zukunft müssen wir arbeiten. Der Status-Quo ist nicht der Maßstab. Und solange nicht auf jeder Hauptverbindung zwischen den Ortsteilen Radwege oder Radstreifen liegen, sind wir noch gan zweit weg von der Fahrradstadt, die wir laut Zielbeschluss des Gemeinderats werden wollen.


Kommentare:

  1. Brücken über Flüsse für Autos werden doch auch erst gebaut wenn man einen Bedarf sieht, also wenn man jede Menge Autofahrer dort sieht die sich ihr Auto auf den Rücken geschnallt haben und den Fluss an der Stelle durchschwimmen...

    Was wegfallende Parkplätze angeht verstehe ich nicht was es da überhaupt zu diskutieren gibt. Der fließende Verkehr geht klar vor, wenn dann noch Platz vorhanden ist kann man über Luxus wie Parkmöglichkeiten auf öffentlichen Strassen nachdenken.

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    1. In der Schweiz ist es nicht erlaubt einfach am Straßenrand zu parken, aber leider denken hier viele sie hätten ein Anrecht auf Parkraum für ihre diversen KFZ direkt vor ihrer Haustür. "Die Anderen" sollen dann halt sehen wo sie bleiben - egal ob es Radfahrer mit der Forderung nach einem Radweg sind, oder "auswärtige" die ihr Auto Parken möchten.
      Meiner Ansicht nach ist das Management und die bewußte Verknappung von Parkraum die einzige Möglichkeit für eine Kommune, den Verkehrsstrom soweit abzumildern das der Dauerstau sich auflöst.

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    2. Da wird der Weg hingehen, aber er ist eben derzeit noch sehr mühsam. Es wird morgen im Gemeinderat wieder flammende Reden geben, fürchte ich. Dabei ist das eine so kleine Maßnahme, eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Teuer wird es ja nur wegen der Kreisverkehre für den Autoverkehr. Und wir streben ja immer noch an, die Innenstadt autofrei zu kriegen und innerhalb des Cityrings alle Straßenrandparkplätze wegzunehmen. Ist ja so beschlossen. Muss jetzt endlich mal in Gang kommen.

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  2. Danke für Ihren ausführlichen Bericht über die HRR2.

    Dass es mit manchen nicht geht, haben mittlerweile auch andere festgestellt https://www.youtube.com/watch?v=4Y1lZQsyuSQ

    Möglicherweise entsteht hier ja gerade was Größeres.
    Zu hoffen wär's.

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