5. April 2021

Radwegweiser nach dem Wanderwegprinzip

Bei Wegweisern gibt es eine klare Hierarchie. 

Oben und groß die Schilder für Autofahrende, darunter kleiner die für Radfahrende, darunter winzig die für Fußgänger:innen. 

Klar, Autos fahren schnell, ihre Insassen müssen die Schilder auf weite Entfernung sehen können. Fahrräder fahren langsamer. Allerdings so viel langsamer fahren sie auf vielen Straßen auch nicht als Autos. Und wer sich nicht schon auskennt, muss anhalten und die Wegweiser studieren, denn im Heranrollen ist die Schrift nicht so schnell lesbar. Wanderer/innen können anhalten um den Schilderbaum herumgehen und dann ihre Richtung einschlagen.

Zur Hierarchie gehört hauch: Wegweiser für Radfahrende werden, anders als die für Autofahrende, nicht konsequent sichtbar gehalten. In sie hineinwachsendes Baumgrün wird nicht zurückgeschnitten. (Da muss man dann erst recht anhalten.) 

Wenn man sich diesem und dem drunterstehenden Schilderbaum anschaut, stellt sich auch die Frage, warum die Wegweiser für Radfahrende so aufgehängt werden, dass man sie nicht alle aus der Richtung, aus der man kommt, sehen kann, sondern nur die Hälft sieht. Das ist eher das Wanderweg-Prinzip: Anhalten, gucken, in die andere Richtung gehen als mach zuererst dachte.
Radfahrende bekommen auch Wegweiser, auf denen man nur einen grünen Pfeil sieht. Man weiß aber nicht, auf welches weiter entfernte Ziel sich dieser Pfeil bezieht, auf welcher Route man also gerade ist. 

Das kann man nur deshalb so machen, weil man davon ausgeht, dass es für Radfahrende immer nur eine einzige Route gibt, während Autofahrende an einer Gabelung oder Kreuzung entsprechend viele Alternativen haben.  Und weil man davon ausgeht, dass Radfahrende immer anhalten können, egal wo sie sind. Bei dem Schilderbaum vor dem gelben Haus (in Degerloch) fehlt übrigens an der Sackgassenausschilderung der Hinweis, ob Radfahrende noch durch kommen oder nicht. 

Diese kleinen Pfeilchen hängen auch gern irgendwo, wo man sie gar nicht vermutet, etwa wie hier (in Zuffenhausen) an einem Masten ganz links oben mit dem Hinweis, dass man nach rechts radeln soll. Auch das enspricht dem Wanderwegprinzip: Folge dem gelben Streifen oder dem roten Dreieck, folge dem Pfeil. Und wo die Markierung an Weggabelungen oder Kreuzungen nun steckt, diese Frage kennen wir alle von Wanderungen. Welche Freude, sie nach längerer Suche zu entdecken! 

Wieder einmal werden Radfahrende wie Fußgänger:innen behandelt und nicht wie Menschen, die ein Fahrzeug fahren.  

Gut ist allerdings, dass in Stuttgart die Zahl der Wegweiser zügig zunimmt. Man kan sich auf vielen Routen vergewissern, wo man hin muss, auch wenn nicht an jeder kleinen Ecke alles Missverständnisse ausgeräumt werden. 

Kommentare:

  1. Du hast noch einen wichtigen Punkt vergessen: Wenn man der Radwegweisung folgt, wird man öfters mal auf für Radfahrer z.B durch Z.250 gesperrte Wege geführt.

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  2. Ganz toll auch der Richtungspfeil, der einen in den Weinbergen zwischen Mettingen und Esslingen bergab über Kopfsteinpflaster und im Anschluß zu einer Treppe führt.

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  3. Problematisch sind auch die "vergessenen" Wegmarken, die auf eine aufgelassene Wegführung leiten oder von Spaßvögeln verdreht wurden. Vermutlich wurden einige bei der Wegweisungsaktion der letzten Jahre nicht entfernt, weil sie niemand auf dem Schirm hatte. Die aktuellen Wegweiser müssten ja zentral erfasst sein (und dann auch einen Aufkleber mit QR-Code haben)

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  4. Bei den neuen Wegweisern gibt es teilweise auch Varianten, die "frontal" lesbar sind - also ohne Anhalten und/oder Halsverdrehen - diese stehen dann vor der Kreuzung bzw. vor dem Kreisel. Nach welchen Kriterien diese an ausgesuchten Standorten so realisiert wurden würde mich schon mal interessieren ;-)

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  5. Ich hab schon mehrfach falsch aufgestellte Wegweiser bei der zuständigen Stelle angezeigt- passieren tut da aber wenig. Auch das Anbringen von bloßen Richtungspfeilen ohne Ortsabgabe sind wenig Zielführend.

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  6. Ich finde auch gut, dass es immer mehr Wegweiser werden und auch verschiedene Ziele genannt werden, nicht nur der nächste Ort. Über Land ist es aber oft noch so, dass nur der Nachbarort genannt ist, bei längeren Strecken muss man sich dann von Ort zu Ort hangeln und wissen, wie der nächste Ort heisst.

    Ein grundlegendes Problem bleibt aber: die Schilder stehen meist nur auf den Routen. Hat man einen Abzweig übersehen, was bei der oft versteckten Anbringung der kleinen Zwischenschilder leicht passiert, braucht es Karte oder Navi um wieder auf die Route zurückzufinden.
    Gruss, Michael

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  7. Vielen Dank für die vielen Kommentare, unser Radwegweisertystem ist ganz offenischtlich noch recht verbesserungsbedürftig. Im Grunde müssen eben eigentlich so wie bei Autostraßen an allen Abzweigungen WEgweiser stehen, die einen auch wieder zurück auf die Radroute führen. Ich sag ja, es ist das Wanderwegprinzip, der Wanderer muss halt auch umdrehen, enn er die Wegmarken verloren hat.

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  8. Ein grundlegendes Problem ist, das diese ausgeschilderten Radrouten in der Regel um die Orts- bzw. Stadtviertelkerne herumführen. Woran man auch wieder merkt, der gedachte Radler ist recht langsam und zu seinem Vergnügen unterwegs, fährt vielleicht 10 oder 20 km weit (was dann am Abend groß erzählt wird) und kennt sich in der Gegend aus, bzw. wenn nicht, hat er Zeit zu suchen.

    Dass es auch Radfahrer gibt, die zur Arbeit oder zu Terminen 20, 30 oder 40km fahren, in der Freizeit 100, 150 oder 200km am Tag fahren, die zu Besorgungen, z.B von Verpflegung, in den Ort wollen oder aber im Durchfahren dessen Schönheiten, und nicht die Neubaugebiete, entdecken wollen, Pustekuchen. Denn dann müsste man ja im Ortskern dem Autoverkehr Platz wegnehmen und den Radlern geben. Um Himmels willen!

    Und auch außerorts kann man mit solcher Infrastruktur die Radler immer mehr von den direkten, gutausgebauten und -geschilderten Strecken auf irgendwelche abseitigen Wegelchen verdrängen.

    Und dann kann man sich dann das Fahrrad immer weiter als ein Spielzeug repräsentieren, das man nicht ernst nimmt und nicht ernstzunehmen braucht, und dessen Benutzer keine vollwertigen Mitglieder der (Verkehrs-)gesellschaft sind. Sonst wären sie doch auch nicht in solche Radfahrerghettos verbannt, oder?

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  9. Die Wegweiser one Zielangabe mit dem grünen Pfeil zeigen den weiteren Verleuf der Route an Abzweigen, Kreuzungen oder Einmündungen an.
    Wenn man das erstmal gelernt hat, ist es einfach.

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    1. Und wenn dieser Wegweiser ohne Zielangabe der erste ist, den ich sehe, bin ich verraten. Diese grünen Schilder sind ne Pest. Die führen bisweilen richtig in die Irre.

      Ich verlasse mich nur auf die richtigen, die gelben Schilder

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    2. Und bei zwei Schildern mit grünem Pfeil in verschiedenen Richtungen? Welcher ist der Richtige?

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    3. Und es kann auch ohne Weiteres sein, dass man einen Knotenpunkt mit Richtungsangaben nicht sehen konnte und sich gar nicht mehr auf der richtigwn Route befindet....
      Außerdem fehlen die Pfeile oft an den entscheidenden Stellen.

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    4. Oder wenn es nur ein Schild gibt, das ausgerechnet noch weg von der Hauptradroute weist? Gestern gesehen auf der Remstalroute. Ohne vorherige Planung und Fahrradnavi mache ich mich nicht mehr auf. Die einzige Ausnahme ist, wenn ich eine Vorzeige-Touristenroute fahre. So etwas wie Jagst/Kocher, Donautalradweg, rund um die Müritz, rund um den Neusiedler See.

      Im Alltagsverkehr ist Stuttgart ist man doch ziemlich aufgeschmissen. War es nicht so, dass selbst Du, Christine, als Fahrradaktivistin lieber nicht das Rad genommen hast, um nach Waiblingen zu fahren? Von Stuttgart aus ist das eine der hochoffiziellen Alltagsrouten des RadnetzBW. In Fellbach ist die Ausschilderung noch ok (wenn auch der Ausbau der Strecke gruselig-gefährlich ist). In Waiblingen lässt Dich die Wegweisung dann ziemlich alleine.

      Die schlechte Wegweisung ist auch ein Sicherheitsproblem. Wer vor und auf einer Kreuzung in allen Richtungen nach Wegweisern sucht, ist ziemlich vom Verkehrsgeschehen abgelenkt. Wenn man dann im letzten Moment sieht, wo man lang soll, dann noch sucht, ob es eine passende Radverkehrsführung gibt und entsprechende überraschende Haken schlägt, Kehrtwenden macht usw., trägt zu dem schlechten Bild von Radfahrern bei.

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  10. Noch ein Aspekt: Bei Dunkelheit ist es übel. Die Wegweiser hängen höher als der Fahrradscheinwerfer leuchten darf.

    Viele Radwegweiser sind nicht einmal retroreflektierend. Die reflektierenden geben sich wenigstens im Streulicht ein wenig schimmernd zu erkennen.

    Das in Kombination mit den geschilderten Problemen (Größe, unvorhersehbare Plazierung) macht die Orientierung nachts wirklich extrem schwierig.

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  11. Jörg
    Gerade bei unserer eher nicht vorhandenen Infrastruktur braucht es brutal viele Wegweiser um die Route zu finden. In der Osterstagen sind ein unbekanntes Stück geradelt. Dank Vorbereitung und Fahrradnavi kein Ding. In Realität war die Strecke unauffindbar.
    Das hollänische Nummernsystem kommt mit kleineren Schildern aus. Nur benötigt man eine Schulung um es nutzen zu können. Das wäre hier im Schwabenland zu kompliziert.

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  12. Radfahren auf der Straße löst auch dieses Problem (Ja @Holger, es ist ja so gefährlich...).
    Und weil sie hauptsächlich ein Mittel ist, mich von da zu verdrängen, hasse ich unsere "Radinfrastruktur".

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    1. Wir sind uns darin einig, dass auch ich jegliche unzureichende und unterdimensionierte Radinfrastruktur hasse. So fahre ich dann auch ziemlich viel im Mischverkehr auf der Fahrbahn. Dort genieße ich, dass der Belag in der Regel viel besser ist. Dort genieße ich, dass ich seitlich Platz habe, um auszuweichen (wenn sehr wenig Verkehr ist). Nur hatte ich am Samstag in Schorndorf mal wieder ein einschlägiges Erlebnis: im Kreisverkehr sehr eng halb überholt und eine Ausfahrt zu früh zum Ausfahren gezwungen worden, um den Zusammenstoß zu vermeiden. Dann eine Diskussion mit dem Autofahrer, weil ich angeklopft habe. Das macht schlechte Laune und bestärkt mich darin, dass ich nicht mit Autofahrern zusammengepfercht sein will.

      Da bremse ich doch lieber gelegentlich auf einem Wirtschaftsweg bis Stillstand ab, weil ein kleines Kind beim Fahrradfahren-Lernen ziemliche Schlangenlinien fährt. Fährt es mich dann doch über den Haufen, ist es wenigstens kein lebensgefährlicher Unfall.

      Eine zu enge Radinfra halte auch ich für ein no-go. Deshalb hatte ich auch z.B. beantragt, die Benutzungspflicht für den unterdimensionierten einseitigen Zweirichtungsradweg an der Hofener Straße aufzuheben. Da ist es besser, auf der Fahrbahn runterzurollen. Ideal wäre es natürlich, für die ängstlichen Radfahrer und für langsame Berauf-Fahrer als Wahlmöglichkeit einen Gehweg (in vorschriftsmäßiger Breite) weiterhin freizugeben.

      Wahlmöglichkeit ist das Zauberwort für die Passagen, an denen der Platz für eine ordentliche Trennung *tatsächlich* nicht reicht und wo das Verkehrsaufkommen niedrig genug ist, um Mischverkehr zulassen zu dürfen.

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  13. Das Radknotennetz ist eigentlich eine belgische Erfindung aus den 80er Jahren und wurde ab 1995 in NL übernommen. Mittlerweile wurde es auch in diversen deutschen Kreisen von mehreren Bundesländern eingeführt. In BaWü bisher nur im Schwarzwald-Baar-Kreis (2019), und in mehreren Kreisen von Brandenburg, Nds, NRW und RP. Wenn man einmal das Prinzip verstanden hat ist es sehr einfach. Eine App für die Niederlande ist fietsknoop, sie kann auch deutsch, englisch und französisch.

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  14. Ich würde es befürworten wenn die Radwege bzw. Schilder außerorts markiert wären ob der Radweg durchgehend asphaltiert ist. Das ist ziemlich nervig wenn man mit dem Rennrad unterwegs ist und man auf Radwege ausweicht die dann nach einigen Kilometern in eine Buckelpiste übergehen.

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  15. wie alle Diskussionen hier und in anderen Beiträgen zeigen taugt die uns zur Verfügung gestellte Radinfrastruktur nichts. Angefangen von unzureichenden Radwegen (oder Wegen, die diesen Namen nicht im Ansatz verdienen) bis hin zur Ausschilderung.
    Bin auch viel mit dem Rennrad unterwegs und zwischenzeitlich ignoriere ich die sog. Radinfrastruktur. Habe keine Lust, an jeder Kreuzung Pfadfinder zu spielen und zu suchen, ob, wie und wo es für Fahrräder weitergehen könnte. Ich bleibe eben auf der Straße. Klar ist das für schwächere Radler nicht die ideale Vorgehensweise, aber ich komme trotzdem immer mehr zur Erkenntnis, dass eigentlich nur ein Boykott der uns zur Verfügung gestellten Radinfrastruktur Verbesserung bringen könnte.
    Ansonsten sehe ich kommen, dass wir mit immer mehr freigegebenen, zu schmalen Gehwegen, Schotterpisten und kurzen Radwegen von einigen hundert Metern abgespeist werden. 10 mal 100 Meter sind auch ein Kilometer. Schön für die Statistik, aber unbrauchbar zum radeln. Wieviel nutzbaren Radweg am Stück haben wir denn in Stuttgart und Umland? Ich bleibe dabei, ich ignoriere die Radinfrastruktur. Will ja radeln und vorankommen.

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