25. September 2023

Ein Rottweiler aus Plastik soll Radler:innen abschrecken

Apple-Maps mit reinmontiertem Rottweiler
In Esslingen hat einer einen Plastikrottweiler an den Gehweg gestellt, der per Knopfdruck bellt, wenn ein Radfahrer oder eine Radfahrerin auf dem Gehweg kommt. So wehrt sich ein Fußgänger gegen den unerlaubten Radverkehr auf dem Gehweg. 

Gehwegradeln ist eine Pest, finde ich auch. Aber so wie Autofahrende sagen: "Irgendwo muss ich doch parken" und das Auto dann auf den Gehweg stellen, so sagen sich Radfahrende: "Irgendwo muss ich doch radeln." Der Autoverkehr scheucht Radfahrende auf verbotene Gehwege, dort stressen sie Fußgänger:innen. Das ist fatal. 

Schaut man sich die Maille-Straße und die Maille-Kreuzung mit der Kiesstraße in Esslingen an, wo diese  Aktion stattfindet oder stattfand, dann sieht man: Hier ist gar nichts für Radfahrende gemacht. Die Straße hat schmale Gehwege und je zwei Richtungsfahrbahnen, die sich vor der Kreuzung in viele Spuren auffächern. Eine Busspur gibt es auch. 

Was es nicht gibt, sind Radfahrstreifen, nicht einmal sogenannte Schutzstreifen. Es gibt nichts. 

Es mag ja sein, dass die routinierten Vielradler von früher sich auf den Fahrbahnen durchgeschlagen haben, wie der Mann im Artikel der Stuttgarter Zeitung (StZ+), der den Plastikrottweiler aufgestellt hat, von sich erzählt. Aber die vielen Radfahrenden, die heute unterwegs sind, gehören nicht zu den 1-5 Prozent der Furchtlosen, die überall radeln. Sie gehören zu denen, die auch mal Bedenken haben, wenn die Fahrbahn von teils unduldsamen und eng überholenden Autofahrenden beherrscht wird. Würde man hier eine 12-Jährige auf die Autospuren schicken, damit sie sich auf dem Rad über diese Kreuzung kämpft? Nein.  Auf dem Gehweg aber dürfte sie auch nicht radeln. Sie müsste schieben und das über viele hundert Meter. 

Die Aktion ist ein Beispiel, wie die Autogesellschaft die Radfahrenden und Gehenden erfolgreich aufeinander hetzt, weil sie sich weigert, Radfahrenden auf den Fahrbahnen Platz zu schaffen. Feixend schaut die Autogesellschaft (in der Regel ein von Bürger:innen gewählter Gemeinderat) zu, wie die Menschen zu Fuß zu einer Art Selbstjustiz greifen, um endlich die Gehwege für sich zu haben, ohne Radfahrende. Sie freut sich, dass Fußgänger:innen dann so ausführlich auf die Radfahrende schimpfen, statt auf den Autoverkehr, der ihnen den Platz weggenommen hat, der sie auf schmale Gehwege pfercht und den Radverkehr zur Flucht auf den Gehweg hupt. Und so mancher Fußgänger, der auf die Radler auf dem Gehweg schimpft und die Aktion toll findet (endlich wehrt sich mal einer!) sitzt zwei Stunden später im Auto und ärgert sich über den Radler vor sich auf der Fahrbahn, fährt zu dicht auf, überholt zu knapp oder hupt sogar und brüllt: "Fahr doch auf dem Radweg!" (Gemeint ist der Bürgersteig.)  

Radfahrende befinden sich in einem Dilemma. Ortskundige werden die Maillestraße vermutlich meiden, aber in der Umgegend dieser Maillestraße, samt Kanalstraße oder Fabrikstaße gibt es eigentlich gar nichts für Radfahrende. Ich sehe auf der Karte keine Ausweichstrecke. Radfahren ist gut und umweltschonend, andererseits will man auch nicht in Angst radeln. Und oftmals sind Gehwege ja auch freigeben, hier aber nicht. Schieben geht ja auch - und kurioserweise sieht man auf dem Apple-Maps Foto eine Frau das Rad an genau der Stelle schieben - aber nicht über die vielen hundert Meter entlang dieses Netzes von mehrspurigen Autostraßen. Eine solche Verkehrspolitik schürt Hass auf Radfahrende, und der entlädt sich dann halt auch gelegentlich mal gewalttätig

31 Kommentare:

  1. Es ist einfach:

    Autos haben Straßen, wer zu Fuß geht, hat einen Gehweg. Das wird gesellschaftlich und planerisch in Deutschland als selbstverständlich vorausgesetzt.

    Radfahrerinnen und Radfahrer aber, weden mal dem einen und mal dem anderen dieser beiden Systeme zugeordnet. In beiden Systemen löst das naturgemäß das Gefühl einer Störung auf Seiten der 'Hauptnutzung' aus.

    Was (auf gefühlt 95% aller Strecken) fehlt, ist eine eigene Infrastruktur für Räder.

    Für mich gibt es nur zwei politische Optionen: entweder man schafft diese fehlende Infrastruktur oder man reduziert das Tempo auf allen Straßen ohne Radweg auf 30 km/h und macht (sonit) klar, dass die Straßen für alle Fahrzeuge gedacht sind.

    Es könnt 'alles so einfach sein, isses aber nicht....

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  2. "Würde man hier eine 12-Jährige auf die Autospuren schicken, damit sie sich auf dem Rad über diese Kreuzung kämpft? Nein."

    Einspruch! Ja, das würde ich. Ich würde es aber nicht wie du Autospuren nennen und auch nicht Autostraßen (es sei denn, es handelt sich um Kraftfahrstraßen). Fahrzeuge gehören auf die Fahrbahn. Und Fahrräder sind Fahrzeuge.

    Ich würde einer 12jährigen Mut machen, die Fahrbahn zu benutzen. Das ist gar nicht so schlimm, wie du es darstellst. Und wenn sie dann älter ist, wird auch sie zu den - wie du es nennst - Furchtlosen gehören, von denen es sicher deutlich mehr als 5% gibt. Einfach Mut statt Angst machen, aber selbstverständlich auch auf die Gefahren hinweisen.

    Ich bin als 12jähriger 1976 quer durch Dortmund und Münster geradelt. In Münster schon damals viele Radwege. An jeder Einmündung eine rote Fahrradampel. Ständiges Anfahren und Abbremsen. Als ich da durch war, war ich platt., In Dortmund nur wenige Radwege und schwach motorisierte überholende LKW mit Anhänger, die regelmäßig mit Seitenabstand den Überholvorgang gestartet haben, mich dann aber an den Rand gedrängt und zum Bremsen gezwungen haben. Eine Erfahrung, die man heute nicht mehr so häufig macht.

    Die Erfahrung mit den überholenden LKW hat auch meine Mutter schon in den 1950er Jahren gemacht. Trotzdem hat sie mir damals diese Fahrt erlaubt.

    Danke Mama!

    Deine damalige Entscheidung hat dazu beigetragen, dass ich heute und nicht nur heute mit dem Rad zur Arbeit gefahren bin.

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    1. Du sagst es doch selber: "Mut machen". Wieso sollte jemand für etwas, das ungefährlich ist, Mut brauchen? Auch in deiner weiteren Schilderung lieferst du genug gründe, warum man 12Jährige Kinder nicht mit KFZlenkern auf eine Straße schickt.

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  3. Damals waren deutlich weniger Autos unterwegs als heute. Ich bin als Jugendliche in den Siebzigern auch überall geradelt. Ich weiß aber halt auch, dass viele Eltern ihre Kinder heute nicht einmal gern zu Fuß in den von Autos dominierten Straßenverkehr schicken, geschweige denn mit dem Fahrrad. Sie haben Angst, dass Autofahrende sie nicht sehen und tot fahren. Ich weiß selber, dass es unkomplizierter ist, auf Fahrbahnen zu radeln als auf Gehwegen. Aber auch mich stresst die Aggressivität mancher Autofahrenden auf solchen breiten Straßen. Und ich habe nicht immer Lust auf Stress! Und die meisten haben keine Lust auf Stress und Scheckmomente.

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    1. Ja damals waren weniger Autos unterwegs, trotzdem gab es damals mehr Verkehrstote, auch mehr getötete Radfahrer, im Jahr 1980 waren es 619, falls ich mich nicht verrechnet habe, siehe
      https://www.gbe-bund.de/gbe/pkg_isgbe5.prc_menu_olap?p_uid=gast&p_aid=91279556&p_sprache=D&p_help=3&p_indnr=652&p_indsp=&p_ityp=H&p_fid=
      Und auch gefühlt war der Verkehr damals gefährlicher, siehe mein Beispiel mit überholenden LKW.

      Jetzt kömmen wir unseren Kindern erzählen, dass das immer noch ganz schlimm ist und dass wir unbedingt breite Radwege brauchen, ohne parkende Autos, ohne Scherben, ohne Schäden, gut beleuchtet mit Straßenlaternen mit gepolsterten Masten. Oder wir hoffen darauf, dass nichts passiert und machen uns klar, dass die Gefahren von Bewegungsmangel unter- und die von Radfahren überschätzt werden.

      Was meinst du, womit kann man besser die insbesondere von deiner Partei geforderte Verkehrswende erreichen? Radinfrastruktur kann man ja trotzdem ausbauen, aber solange immer nur die Gefahren des Radfahrens betont werden, bleibt Radfahren eben etwas für Mutige und nicht für Feiglinge äääh für alle.

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    2. Wir haben das hier ja oft diskutiert: Radwege versus Fahrbahradeln ohne jegliche Infrastruktur. Egal, welche persönliche Meinung ich habe: Eine nennenswerte Zunahme des Radverkehrs kriegt man nur hin, wenn man Autos und Räder und Räder und Gehende separiert, nicht aber, indem man den Leuten sagte, sie wollen keine Angst haben und auf vierspurigen Straßen radeln, wo Tempo 50 gefahren werden darf. Ich weiß auch, dass Unfälle im Längsverkehr selten sind. Und ich behaupte auch nicht ständig, Radfahren sei gefährlich, ich schreibe immer wieder, dass das ein Märchen ist. Aber die Leute sind halt meistens nicht so rational wie du, sie wollen sich auch sicher fühlen und sie wollen nicht unter Stress radeln. Meine Idealvorstellung wäre, dass auf den Fahrbahnen so viele Radler:innen unterwegs sind, dass Autos gar nicht mehr schneller fahren können, aber so viele sind wir halt nicht. Vereinzelte Radler:innen auf von Auto viel befahrenden Fahrbahnen werden wie Sonderlinge behandelt, die da nicht hingehören. Wie man das ändern könnte ohne Radwege anzulegen, wüsste ich nur zu gerne.

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    3. Was sind denn die Grundprobleme dieses Jahrhundertes?

      Zu wenig Radverkehr auf städtischen Kurzstrecken?
      oder
      Viel zu viel Autoverkehr?

      Die hier anempfohlene Niederländische autogerechte Separationspolitik, die ja offenbar zunehmend konsequent hier im Blog favorisiert wird, hat das zentrale Problem jedenfalls nicht gelöst, sondern verschärft.
      Es wäre also redlich das de facto Plädoyer für radbefreite 'Autofahrbahnen' wenigstens mit dem sachlich/fachlich korrekten Zusatz zu versehen, dass damit das Wachstum des Autoverkehrs in Dichte und Fahrleistung nicht zurückgedrängt werden kann, sondern im Gegenteil weiterer Autoverkehr induziert wird, wie sich zB in der Randstad (NL) und in der Metropolregion Kopenhagen, um mal zwei prominente 'Vorbilder' zu nennen, während der letzten Jahre und Jahrzehnte der 'erfolgreichen' Rad-Separationspolitik gezeigt hat.
      Übrigens sind auch die Rad-Unfallgefahren im maximal separierenden Autoland-Niederlande signifikant höher (ca. >Faktor 1,5), was das Todesrisiko pro gefahrenem Radkilometer angeht.
      Also bitte:
      dann wenigstens ehrlich machen was die nicht vorhandene Positiv-Verbindung von Rad-Separation und ökologischer 'Verkehrswende' angeht.
      Dass die Separationsmethode mit ihrem immanenten 'Wasch mir den Pelz aber mach mich nicht nass' in der Realpolitik leichter durchsetzbar ist als das ökologisch und sozial notwendige 'push&pull' ist natürlich ebenso richtig wie die Tatsache, dass Separation bei den 'Auch-Radfahrer:innen' bestens ankommt, ist so doch die Vorherrschaft des Autos auf weitere Jahrzehnte ('Vorbild Holland') gesichert.
      Alfons Krückmann

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    4. Zitat des Bundesverfassungsgerichts:
      "Es läuft den Grundsätzen rechtsstaatlicher Zurechnung zuwider, wenn Maßnahmen zur Abwehr drohenden rechtswidrigen Verhaltens nicht vorrangig gegen die Störer, sondern ohne weiteres - und in Grundrechte eingreifend - gegen den von solchem rechtswidrigen Verhalten potentiell Betroffenen ergriffen werden."

      Meine Meinung: Die Fahrradverkehr-Befürworter hätten einiges in der Hand, einigen sich aber lieber demokratisch auf die Kapitulation vor den Störern.

      Stefan, Fürstenfeldbruck, Bayern

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    5. Die Separation in den Niederlanden hat viel erreicht, vor allem hat sie den Verkehr aus Innenstädten und Wohnvierteln rausgebracht, und auch über Land kann man stressfrei radeln. Die Lebensqualität ist signifikant höher, Kinder haben frühzeitig eine immense Autonomie, und Ältere können ebenfalls ohne Probleme am Radverkehr teilnehmen. Auch durch Behinderungen u. dgl. in der Mobilität Eingeschränkte können sich ohne große Nachteile im öffentlichen Raum bewegen. Die Integration mit dem öffentlichen Verkehrsmitteln ist beispielhaft. Die könnten morgen schon den Autoverkehr weitgehend unterbinden, ohne dass das Land zusammenbräche. Wir nicht.

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    6. Insofern hat die im und für das 20. Jahrhundert entwickelte Verkehrspolitik der NL (zu Fuß gehen und Radfahren und ÖPNV und Auto/MIV) die für das 21. Jh (Fuß, Rad, ÖPNV aber kaum noch Auto/MIV) vorbereitet, während wir 50 Jahre vrrpennt haben.

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    7. Ja, nach dem Motto 'Innen hui und außen pfui' sind etliche Kernstädte auf Liveability getrimmt worden (was allerdings auch Treiber für noch höhere Mieten darstellt), von Vorbereitungsbedingugen für eine 'Verkehrswende' auszugehen scheint mir aber (bislang?) ohne Faktengrundlage zu sein.
      Der Autobahnausbau geht voran, MIV bleibt das Rückgrat der ökologisch relevanten interregionalen Mobilität, ebenso wird auf Steigerung beim Flugverkehr etc. hingearbeitet.
      Das ist leider Umweltzerstörung at its best im NL Verkehrssektor (wie auch in anderen Sektoren), ohne dass Ansätze für eine Trendwende zu erkennen sind.
      Was Inklusion angeht läuft es in der Tat teils besser als in D, aber das Gewimmel etwa beim Radverkehr in Amsterdam ist doch längst für die Mehrzahl der Älteren zu hektisch, da reichr die Reaktionsschnelligkeit längst nicht mehr aus um sicher unterwegs zu sein (siehe auch die Unfallzahlen gerade der Älteren in NL). Auch und gerade der Fußverkehr ist ziemlich schlecht aufgestellt in NL.
      Und nicht zu vergessen:
      durch das sehr professionelle ÖPP-Marketing des 'Markenkerns Fahrradland' gibt es - im Gegensatz zB zu D - fast überhaupt keine Proteste gegen die Autoflut oder gegen die teils schlechten Bedingungen des Fußverkehrs in NL.
      Die von Dir genannten Vorteile im teuren Kernstadtbereich und in den Konsumbereichen existieren natürlich, sind aber in globalem Maßstab irrelevant, da die von mir oben genannten zentralen Problemfelder davon nicht tangiert werden.
      'Lets go dutch' und 'Copenhagenize' heisst praktisch leider eher:
      die reichen Industrieländer machen sich's in den Wohnzimmern gemütlich, während die Verbrechen der Umweltzerstörung ungebrochen zu Lasten der unschuldigen und für die Probleme nicht verantwortlichen Menschen im globalen Süden weiterlaufen.
      Auch ist der Ausbau und sind die Nutzungszahlen des ÖPV in NL nicht geeignet die Mobilitätsbedarfe bei Wegfall des allgegenwärtigen Autoverkehrs aufnehmen zu können. Nicht mal in den neuen Planstädten (zB Almere)
      Insofern sind die damals ja durchaus berechtigten Hoffnungen der NL-Methode des pull&pull in der Praxis weder eingetreten, noch ist da eine Änderung zu erwarten.
      Wär ja schön, wenn's anders wär, und wär schön, wenn ich falsch läge.
      Alfons Krückmann

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    8. Ich behaupte nicht, dass die Politik in NL ideal sei, aber schon der Ist-Zustand in NL ist um Welten besser als in D, und damit auch die Voraussetzungen für eine echte Verkehrswende, sobald diese politisch gewollt ist.

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    9. Das wäre natürlich gut, wenn sich in NL dann doch noch ein verkehrspolitischer Paradigmenwechsel mit dem Ziel der Reduktion des MIV vollziehen würde.
      Zu den von Dir genannten Vorausssetzungen gehört aber auch der bereits vollzogene Multimilliarden € schwere Ausbau der Autobahnen (mittlerweile fast durchgängig 6-spurig), die gebaute Infrastruktur im Rahmen der Anti-Staupolitik ('Autostraßen'-Ausbau im Interregionalverkehr und autogerechte Radseparation zur Entschärfung der Schnittstellenstaus incl. solcher Bauwerke wie dem 'Hovenring'), und der konstant zunehmende Autobesitz nebst steigenden Entfernungen zwischen Arbeit und Wohnen in Verbindung mit steigenden Mieten in den Zentren.
      Ich frage mich, wo denn da unter diesen Voraussetzungen eine plötzliche 180° Kehrtwende in Richtung einer Reduktion des Autoverkehrs herkommen soll?
      Etwaige Steigerungen des Radverkehrs sind ja dank Separation vollkommen von jeder Einschränkung der Erreichbarkeitsradien des Autoverkehrs entkoppelt, was ja in den NL auch genauso intendiert war und ist.
      Im Gegenteil reduzieren ja sogar steigende separierte Radverkehre die staubedingten Reisezeitverluste des MIV, was sich stets ('konstantes Reisezeitbudget') in durchschnittlich steigende MIV-Streckenlängen übersetzt.
      Ich sehe da bislang wenig Licht am Ende des Tunnels.
      Alfons Krückmann

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    10. @ Dr. Christine Lehmann
      "Meine Idealvorstellung wäre, dass auf den Fahrbahnen so viele Radler:innen unterwegs sind, dass Autos gar nicht mehr schneller fahren können, aber so viele sind wir halt nicht. Vereinzelte Radler:innen auf von Auto viel befahrenden Fahrbahnen werden wie Sonderlinge behandelt, die da nicht hingehören. Wie man das ändern könnte ohne Radwege anzulegen, wüsste ich nur zu gerne."

      Ja genau, das ist quasi eine der Preisfragen für eine ökologischen Verkehrswende bzw. beim potentiellen Beitrag des Radverkehrs zu dieser.
      Eine universelle Antwort gibt es mE nicht.
      Es hat sich gezeigt, dass der bloße Appell 'Fahrt auf der Fahrbahn!" unter den gegebenen autogerechten Bedingungen nicht genügend Menschen 'mitnimmt', wenngleich auch signifikante Zunahmen des Radverkehrs ohne infrastrukturelle Veränderungen und ebenso Radwegebau ohne Radverkehrszunahmen bekannt sind.
      Initiierung eines am Boden liegenden Radverkehrs scheint ohne separierte 'Radwege' i.d.R. nicht gut zu funktionieren, wie das Beispiel in Sevilla aufzeigt (erfolgreiche Wiederbelebung des Radfahrens durch schnellen Aufbau eines kleinen Radwegenetzes).
      Andererseits hat sich aber auch gezeigt, dass die Separierung des Radverkehrs stark dazu beiträgt das allgemeine Fahrbahnnetz in ein reines Autonetz umzuwandeln (wer das bezweifelt möge mal in NL testweise versuchen auf der 'Autofahrbahn' mit dem Rad zu fahren ...), was dann zum bekannten autogerechten 'pull&pull' führt mit den zu beobachtenden weiteren Steigerungen des Autoverkehrs.
      Was tun?
      Ein wesentliches Element hin zur Abkehr der MIV-Dominanz könnte mE die ausreichend intensive Verwendung von 'Fahrradstraßen' darstellen.
      H.Monheim schlug (aus guten Gründen) vor einigen Jahren die Einrichtung von - wenn ich das richtig erinnere - 1.000(!) Fahrradstraßen für Köln vor.
      Sowas kann durchaus ein gamechanger sein, da damit ein 'Neues Normal' etabliert werden kann und die Steigerung beim Radverkehr sich automatisch in sinkende MIV-Kapazität und sinkende MIV-ERreichbarkeitsradien übersetzt.
      Das scheint mir deutlich vielversprechender zu sei als die Lehre autofreien Fahrradstraßen, die dann nahezu zwangsläufig seltene Ausnahmeerscheinungen bleiben.
      Ebenso kann die Umwandlung von 'Autofahrbahn'-Kapazität in Kapazität für den Umweltverbund ein wirksames Element sein, wobei - so denn die MIV Kapazität oder der MIV-Üarkplatz signifitank reduziert wird - dann durchaus auch separiert werden kann, da dann Reboundeffekte nicht zu erwarten sind.
      Bei alledem zentral:
      Radverkehr allein kanns nicht richten.
      Der Umweltverbund muss zwingend immer als Ganzes gedacht und geplant werden, also integriert mit Fuß, ÖPV und Rad, da nur so die 'Vorhaltenotwendigkeit' des Autos sichtbar und praktikabel negiert werden kann, also kein 'push' ohne begleitendes 'pull' im Umwelt-Verbund, wobei immer das 'push' wichtiger ist als alle Pull-Maßnahmen.

      Aber insgesamt stimmt's natürlich:
      der Zauberformel zur Zurückführung der Auto-Metastasierung ist noch nicht gefunden.
      Ist ja auch kein Wunder, da viele ökonomische, gesellschaftliche und psychologische 'Bremser' gegen eine Verkehrswende beteiligt sind.
      Alfons Krückmann

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  4. Auf Streetview sieht man ein paar Meter vorher einen Geh/Radweg (Wehrneckarstr.) auf den Gehweg der Maillestr. einmünden. Das Schild das man dabei sieht ist natürlich abgewandt, https://www.google.com/maps/@48.7382109,9.3089982,3a,75y,79.34h,88t/data=!3m6!1e1!3m4!1sI1cjYcYCGeHZxJNKK4nkcw!2e0!7i16384!8i8192?entry=ttu
    Weiß wer, welches Schild sich dort versteckt? Ich wüsste allerdings nicht, ob sich die Wirkung (falls es ein Geh/Radweg wäre) nach der Einmündung auf die Maillestr. fortsetzt. Eine "richtige"(Haha) Einmündung in die Fahrbahn ist es ja auch nicht.

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    1. Ich sehe auf Apple-Maps-Street-View, wenn ich in die Werhneckstraße reingucke links ein Schild für einen gemeinsamen Geh-/Radweg stehen, das Schild auf der anderen Seite dieses Schildes, sieht man nicht. Da müssen wir jetzt Esslinger:innen mal fragen, ob auf der anderen Seite der Radweg aufgehoben wird.

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    2. Wenn man auf Google Streetview (Daten von Apr. 2022) die Perspektive ändert, kann man erahnen, dass auf der anderen Seite ein weisses "Ende" unter dem blauen Schild steht.
      https://www.google.com/maps/@48.7380327,9.3089658,3a,15y,46.24h,89.47t/data=!3m6!1e1!3m4!1sYtQ0s1-U4QiwvVxPCjBQEw!2e0!7i16384!8i8192?entry=ttu
      Angenommen, es wäre so: Vielen wird vielleicht nicht klar sein, dass es dann rechts ein reiner Gehweg ist, den man nicht mehr weiter befahren darf, sondern auf die Strasse muss. Zumal die dreispurige Kreuzung im weiteren Verlauf auch eher was für hartgesottene ist. Übrigens folgt weiter im Verlauf nach rechts plötzlich wieder ein Schild Fussgängerzone mit Rad frei.

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    3. Ja kann man so erahnen. Das hieße auch, die 5m nach dem Schild gehen zu müssen. Dann brauchen wir (bei der Einfahrt) noch

      Zu Zeichen 357 Sackgasse
      1I.Das Zeichen ist nur anzuordnen, wenn die Straße nicht ohne Weiteres als Sackgasse erkennbar ist.

      Auch völlig unklar wo die Fußgängerzone mit Rad frei wieder endet :)

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  5. Jörg
    Wenn die Fläche für die Autos Fahrbahn genannt wird ist das korrekt. Wenn wir sonst auf Beamtendeutsch schimpfen werden im Verkehrsbereich viele umgangssprachliche Wörter eng definiert verwendet. Siehe z.B. Radweg er ist durch Zeichen xyz angezeigt, er ist klar definiert nur Radfahren, Rollstühle sind nicht erlaubt etc. pp..

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    1. Neiiiin!

      Wenn die Spur Autospur und die Fahrbahn Autostraße genannt wird, dann wird das zwar umgangssprachlich verstanden. Es verfestigt aber den Eindruck, dass dieser Verkehrsraum ausschließlich den Autos zusteht.

      Von mir aus nennt die Fahrbahn Straße, auch wenn zur Straße auch Geh- und Radwege und sogar die Häuser dazu gehören. Ich will da nicht überkorrekt sein. Aber bitte bitte gebt nicht freiwillig den Anspruch darauf auf, indem ihr Auto davor setzt.

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    2. Jörg
      Nach der gesetzlichen Lage hat ein Radweg keine Fahrbahn. Fahrräder sind keine Kraftfahrzeuge.
      Du kannst natürlich sagen wo ein Fahrrad fährt ist eine Fahrbahn. Die Position habe ich aufgegeben da die StVO Definition so verbreitet ist.

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    3. Es geht eher darum, dass man nicht "Auto"spur sagt...oder "Auto"fahrbahn. Denn Fahrbahnen dürfen auch von Radfahrenden benutzt werden. Speziell Kraftfahrzeugen vorbehalten sind sie nur, wenn es sich um Kraftfahrtstraßen und Autobahnen handelt. Oder wenn die Beschilderung das Radfahren darauf explizit verbietet.

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    4. Jörg
      Den Fahrbahn kann definieren wie man will, nur gibt es dann Missverständnisse. "Feste Fahrbahn" ist z. B. für Eisenbahnzüge.
      Es stört mich wenn Gesetze normale Begriffe okupieren.

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  6. Jörg
    "Autos haben Straßen, wer zu Fuß geht, hat einen Gehweg. Das wird gesellschaftlich und planerisch in Deutschland als selbstverständlich vorausgesetzt."
    Da muss man die Einschränkung, wenn genug Platz vorhanden ist, dazu schreiben. Aber klar die Mindestmaße mit Verkehrsmasten drauf werden da geplant wo viele Fussgänger sind (S-Vaihingen Hauptstraße vor Schwabengalerie) . Wo wenige Fusgängerinnen sind, kann man das als Parkstreifen nutzen.

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  7. Esslingen ist zum Radfahren gar nicht so schlimm, wie die Maille-Kreuzung schließen lässt.
    Ich finde sogar, dass die räumliche Enge und die faktische Unmöglichkeit von Radwegen an vielen Stellen das Fahrbahnradeln fördert. Seit Corona sind gefühlt doppelt so viele Radelnde auf der Straße und die Autofahrer haben sich durchaus schon daran gewöhnt. Natürlich gibt es immer noch die unsäglichen Gehwegradler, aber in der Mehrzahl auch die andern, die selbstverständlich auf der Straße fahren.
    Zudem sind 3/4 des Altstadtrings mit Tempo 30 versehen, da kann man super im Verkehr mitschwimmen.
    Wenn ihr mich fragt: ich möchte da gar keine Radwege. So ist es definitiv sicherer, und schneller zudem.

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    1. Radinfrastruktur braucht man nach meiner Erfahrung tatsächlich nur, wenn die Autos schneller als 30 km/h fahren, sonst nicht. Entweder man reduziert das Tempo auf der Maillestaße oder man legt eine Radfrastruktur an. Sonst hat man immer Radler:innen, die auf den Gehweg ausweichen.

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    2. Ich oute mich mal als Migranten aus Norddeutschland, wohne aber seit einigen Jahren im Ländle. Und habe vorher in verschiedenen Gegenden Deutschlands gelebt, in Bayern, NRW und SH.
      Die Unsitte mit den Gehwegfahrern gibt es so extrem nur im Heilix-Blechle-Land. Soll heißen, nirgendwo in Deutschland haben die Autofahrer ihren Claim rücksichtsloser abgesteckt. Ich finde, dafür haben sie es jetzt auch verdient, daß wir wie selbstverständlich die Fahrbahn benutzen.
      Wie gesagt, Esslingen ist ein interessantes Pflaster, wie sich die Mobilität verändert, wenn alles durcheinandergeht, Shared Space by doing.
      Die Stadtverwaltung inklusive OB Klopfer sagt es nicht so deutlich, weil sonst Shit Storms losbrechen, aber die Richtung geht deutlich gen Verlangsamung und Rückeroberung des Straßenraums durch Radfahrer und Fußgänger.
      Ein gutes Beispiel dafür ist die Neuordnung der Straße zwischen dem ES und dem QBus, das ist der Neubau auf dem ehemaligen Busbahnhof. Da ist eine komplette Spur weggefallen und auch ohne Geschwindigkeitsbegrenzung fährt niemand schneller als 30, weil es schlicht nicht geht. Und die Fußgänger gehen über die Straße, als wäre es ein Shared Space.
      Ist also nicht alles so schlecht in Esslingen :).

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    3. Lieber Matthias, das ist interessant, was du erzählst. Hättest du nicht Lust, mir ein paar Fotos von dieser Straße zu schicken und ein paar Worte zu schreiben. Dann könnte ich das hier für alle darstellen. (Meine E-Mail-Adresse findest du im Impressum.)

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  8. "Gehwegradler sind die Pest" - nein, ganz deutlich nein. Gehwegradler sind ein Symptom, die Pest ist der motorisierte Terror, der das Gehwegradeln überhaupt erst schafft. Wer sich über Gehwegradler beschwert, der schimpft auch über Obdachlose und Bettler, ohne über die Ursachen nachzudenken.

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  9. Genau richtig analysiert: da fehlen Verbindungen für Radfahrende, vor allem vom Neckartalradweg zur Fahrradstrasse. Es gab Mitte 2022 eine Vorlage der Stadtverwaltung im Mobilitätsausschuss für einen Zweirichtungsradweg. Beschluss: „... wird wegen der erheblichen Auswirkungen auf das Verkehrsnetz nicht weiterverfolgt“. Die aktuellen Wege sind auf frei gegebenen Fusswegen garniert mit "Radfahrer bitte absteigen"-Schildern. Dem Gemenderat, selbst dem fortschrittlicheren Teil davon, scheint das seither nicht wichtig genug und zu sein und OB Klopfer (SPD), der mit seiner Stimme die Mehrheit machen könnte, hält sich raus. Übrigens wird da, wo Tempo 30 vorgeschrieben ist (und nun auch geblitzt wird) kurz davor zügig gefahren und dann die Radfahrenden auf dem Schutzstreifen an den Rand gedrängt. Das hält man als geübter Radler aus, einem Kind wird man das nicht empfehlen ...

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  10. Die Aktion wird immer lächerlicher- jetzt schon als dpa-Meldung bundesweit: https://www.zvw.de/stuttgart-region/plastikhund-bellt-für-ein-besseres-radwegenetz-in-esslingen_arid-719647

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