Vor sieben Jahren habe ich schon mal über diese Stelle und deren Beschilderung geschrieben. Es hat sich nichts geändert und die Fragen bleiben dieselben. Dieser Ampelmast mit seinen Verkehrszeichen steht an der Johannesstraße, wo es über die Schlossstraße geht. So sieht es an beiden Seiten der Einmündung Johannesstraße aus. Wir sehen einen Schildermast mit dem Vorfahrtachten-Schild und darüber dem Vorschriftszeichen "nach rechts abbiegen". Das heißt, alle, die hier fahren, müssen rechts abbiegen, sie dürfen weder geradeaus noch nach links fahren. Jetzt dürfen hier Radfahrende, Taxis und der Bus aber auch gerade aus fahren. Die Ausnahme wird aber nicht in einem Zusatzschild unter dem Rechtsfahrgebot geregelt. Es gibt vielmehr ein Geradeausfahrgebotsschild mit dem Zusatzzeichen "nur für Bus, Taxis und Fahrrad". An den Bahngleisen jenseits der Fahrbahn steht dann das Schild für "Busspur" mit einer Freigabe für Taxis und Fahrräder darunter.
Und jetzt stellt sich die Frage für uns Radfahrende, aber auch für Taxifahrende: Dürfen wir auch rechts abbiegen? Schließlich sehen wir den Geradeauspfeil (als Gebot) für uns, Taxis und den Bus.
Und es gibt keine zwei Richtungsfahrspuren, für die gesonderte Zeichen gelten könnten, sondern nur eine.
Für alle, die nicht Fahrrad, Bus oder Taxi fahren, ist das Ganze eindeutig. Sie müssen hier rechts abbiegen. Genauso deutlich ist eigentlich auch das Verkehrszeichen für uns auf Rädern, im Bus oder im Taxi: Nur wir müssen geradeaus fahren. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass ein Taxifahrer hier nicht nach rechts abbiegt, wenn er dorthin muss. Und warum eigentlich sollten Radfahrende nicht auch nach rechts abbiegen können sollen, wenn sie dorthin müssen?
Für uns Radfahrende widersprechen sich die beiden Gebotsschilder. Das ist vertrackt. Die meisten werden die Schilderkombination so interpretieren, dass man mit Rad, Taxi und Bus überallhin fahren darf (nur nicht nach links), mit dem Pkw aber nicht geradeaus fahren darf. In sich logisch ist die Beschilderung jedoch nicht. Mich haben schon Radfahrer angeschrieben und gefragt, ob sie hier rechts abbiegen dürfen oder nicht. Hinzu kommt: Ein Zusatzschild mit dem Wörtchen "nur" gibt es in dem
Katalog der Zusatzschilder, die Fahrschüler:innen lernen, auch nicht.
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Normalerweise hängt man an solchen Stellen nur ein einziges blaues Schild mit dem Pfeil auf und darunter das Zusatzzeichen, das die Ausnahme regelt, hier also "Busse, Taxis, Radfahrer frei". Das heißt, die dürfen dann auch von der gebotenen Richtung abweichend anders fahren. Der Vorteil: Alle Autofahrenden sehen nur dieses eine runde blaue Schild und nicht noch ein zweites, das woandershin zeigt und dessen Zusatzschild man lesen muss. Das allerdings würde an dieser Kreuzung nicht reichen, denn man will ja das Linksabbiegen verbieten. Das Verkehrszeichen, dass das verbietet (rund, weiß, roter Rand, rot durchgestrichener Pfeil, siehe Fotomontage rechts) haben wir leider seit der großen Verkehrszeichenreform in den siebziger Jahren nicht mehr. Deshalb muss man nun für die, die geradeaus fahren "dürfen" das Schild mit dem Geradeausfahren "Müssen" wählen.
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| Fotomontage |
Ich kann mir richtig vorstellen, wie sich die Verkehrsbehörde hier den Kopf zerbrochen hat, um das Problem zu lösen. Es ist aber leider nicht gelöst, denn der innere Widerspruch zwischen den beiden Geboten ist nicht aufgelöst. Was auch zeigt, wie begrenzt eine Kommunikation ist, die nur auf wenigen Piktogrammen und Farben mit so wenig Text wie möglich beruht. Eine Lösung für diesen Ampelmast fällt mir auch nicht ein. Allerdings könnte man vielleicht den Widerspruch auflösen, indem man an der Ampel unter das Rechts-Abbiege-Gebot das Zusatzzeichen "Bus, Fahrrad, Taxi frei" setzt, womit denen das Fahren geradeaus über die Schienen erlaubt wird. An den Gleisen, wo die Busspur beginnt, könnte man dann über dem Busspurschild mit der Freigabe für Taxis und Fahrrad das Geradeausfahrgebot anbringen (So wie auf der Fotomontage rechts.) Das könnten dann allerdings wieder Autofahrer, die die Verkehrszeichen nur ungenau sehen, missverstehen. Also auch vertrackt.
Es scheint nicht so sehr die Frage zu sein, ob wir Radfahrenden die Anweisungen hier missverstehen könnten. Sie dienen vor allem dem Autoverkehr (also allen, die hinter dem Lenkrad sitzen und nicht Bus, Fahrrad oder Taxi fahren). Die sollen verstehen, dass sie bei Grün nicht geradeaus über die Gleise in die Johannesstraße rauschen dürfen. Und die meisten scheinen das auch zu kapieren. Für uns Radfahrende stellen sich jedoch Fragen, die wir in der Situation selbst nicht beantworten können. Es mag ja sein, dass das Rechtsabbiegen für uns hier verboten ist (weil wir ja geradeaus sollen), es mag aber auch sein, dass es nicht so gemeint ist. Entscheiden können wir das nicht, also biegen wir eben rechts ab (Radfahrende halten sich ja sowieso an keine Regeln). Aber ist es auch regelkonform? Dass man über diese Beschilderung verschiedener Meinung sein kann, zeigen die Kommentare unter meinem Post vor sieben Jahren. Es mag sogar auch mal einen Polizisten oder eine Polizistin geben, die den Radfahrer anhält, der hier rechts in die Schlossstraße abbiegt, und auf das Verkehrszeichen verweist. Polizist:innen können bei uneindeutigen Regelungen leicht auch mal den falschen Pfad einschlagen.
Das alles bekräftigt unseren Eindruck, dass man der Beschilderung, die für den Radverkehr gilt, nicht allzu sehr auf den Zahn fühlen und sie nach der Regelkonformität nach der StVO befragen darf. Wir müssen uns mit einer gewissen Vagheit oder auch Interpretierbarkeit der Anordnungen für den Radverkehr abfinden, die uns damit auch permanent in einer rechtlichen Unsicherheit oder rechtlichen Grauzone hält. Das hat System.
Wobei man halt nier vergessen sollte, dass es ohne den Autoverkehr die Schilder, Ampeln usw. nicht bräuchte.
AntwortenLöschenIch kann Deinem Problem nicht folgen. Für mich ist die Beschilderung eindeutig. Alle müssen rechts abbiegen. Busse, Taxis und Radfahrer dürfen auch Geradeaus fahren. Hier MUSS niemand geradeaus fahren. Die erste Fotomontage wäre auch eine Möglichkeit zu Beschildern. Die zweite Fotomontage zur Beschilderung finde ich persönlich schlechter, weil die Freigabe hinter der Kreuzung steht. Das ist für Ortsfremde schlechter. Es gibt mitunter verschiedene Möglichkeiten dieselbe Situation zu beschildern, aber die aktuelle Beschilderung zum Abbiegen ist meiner Meinung nach eindeutig.
AntwortenLöschenKarin
Runde Schilder sind Gebote.
LöschenDie blauen Schilder sind halt Gebote. Und die widersprechen sich hier für den Radverkehr (und Taxi- und Busverkehr).
LöschenWenn nun das Gebot geradeaus in ein Gebot geradeaus und rechts gewechselt wäre hätte ich kein Verständnisproblem mehr gefunden, außer dass die Kreuzung mit einem Bus nach rechts abbiegen echt nicht wirklich funktioniert.
LöschenZunächst: Unklar ist die Anordnung nicht. Busse, Taxis und Radverkehr müssen geradeaus fahren, jeder sonstige Fahrverkehr muß rechts abbiegen. Etwaige Überlegungen, ob das wirklich so gemeint sei oder nicht, ändert an der konkreten Anordnung nichts.
AntwortenLöschenUm eine Änderung, beispielsweise für den Radverkehr, zu erreichen, empfiehlt sich das Widerspruchsverfahren zuerst bei der zuständigen Straßenverkehrsbehörde. Am besten finde man dafür einen Radfahrer, der das Verkehrszeichen noch kein Jahr kennt.
Man kann natürlich versuchen, bei der StVB einen Austausch des Gebots "nur geradeaus" durch Zeichen 214 ("nur geradeaus und rechts") anzuregen. In aller Regel sind die deutschen Amtsstuben aber zu träge, um auf solche Anregungen adäquat zu reagieren. Und kompliziert könnte es werden, wenn die StVB dort aufgrund irgendwelcher Gegebenheiten tatsächlich ein Rechtsabbiegeverbot für Busse anordnen will.
Spätestens im Widerspruchsverfahren bzw. vor dem zuständigen Verwaltungsgericht ist die StVB aber im Begründungszwang, warum dort das Rechtsabbiegen für Radverkehr verboten ist.
Meine Lieblingserfahrung an dieser Kreuzung:
AntwortenLöschenEin Autolenker fährt an diese Kreuzung heran, will offensichtlich verbotenerweise Links abbiegen, und stellt sich dazu auf den linken Fahrstreifen auf - also direkt an der Bushaltestelle als Geisterfahrer in den Gegenverkehr.
Ich komme mit dem Fahrrad von aus der Gegenrichtung über die Kreuzung und ernte auf meinem verblüfften Blick nur sehr genervtes Händegewedel. Was ja im Grunde genommen korrekt ist. Die Verkehrszeichen um die es in diesem Beitrag gelten ja eigentlich nur für die rechte Spur. StvO ausgedribbelt.
Aber gut, ich habe mir vorgenommen im Straßenverkehr für mein eigenes Seelenheil ein bisschen freundlicher zu sein, und fuhr in Bewunderung für die Tiefe der menschliche Kreativität weiter an den Feuersee anstatt einen mehr oder weniger höflichen Hinweis zu geben...
Saj
Es gibt keine linke Fahrspur.
LöschenDas hab ich vielleicht nicht klar genug schriebe:. Die gibt es natürlich nicht.
LöschenDas hat diese Person aber nicht daran gehindert die *Gegenfahrbahn* als linke Fahrspur zu verwenden.
Kann man sich nicht ausdenken...
Saj
Okay, kapiert. Allerdings der Autofahrer nicht. Aber Autofahrende halten sich ja eh an keine Regeln.
LöschenKlar. Autofahrende halten sich eh an keine Regeln. Punkt.
LöschenDamit ist ja alles geklärt. Ermittlungsarbeit überflüssig, Statistik kann weg, Einzelfälle interessieren nicht mehr. Urteil steht fest.
Komisch nur, dass der Straßenverkehr trotzdem jeden Tag funktioniert. Viele Menschen fahren regelkonform, halten an roten Ampeln, lassen Fußgänger rüber, fahren nicht einfach in alles rein, was sich bewegt. Aber das zählt natürlich nicht. Passt nicht ins Weltbild.
Mit exakt derselben Logik könnte man sagen: „Radfahrende halten sich eh an keine Regeln.“
Aber das wäre dann plötzlich eine unzulässige Pauschalisierung.
Vielleicht liegt das eigentliche Problem ja weniger am Verkehrsmittel als am Menschen dahinter. Fehler machen nämlich alle. Manche im Auto, manche auf dem Rad, manche zu Fuß.
Aber einfache Feindbilder sind halt bequemer als differenziertes Denken.
PS: Ich freue mich schon auf den Klassiker: „Aber vom Auto geht die größere Gefahr aus.“
Hallo Anonym, wenn Du regelmäßig hier wärest würdest Du wissen, dass das Ironie war mit Bezug auf das vielfache Radfahrerbashing, dass diese sich nie an Verkehrsregeln halten.
LöschenGenau an der Stelle habe ich meine Zweifel: Woran genau soll ich erkennen, dass es Ironie ist und nicht doch ernst gemeint?
LöschenIm geschriebenen Wort fehlt Tonfall und Mimik. Wenn da einfach steht: ‚Autofahrende halten sich ja eh an keine Regeln‘ – ohne Anführungszeichen, ohne Smiley, ohne Kennzeichnung – dann gibt es objektiv keinen sicheren Anhaltspunkt dafür, dass es ironisch gemeint ist. Man kann es so lesen, man muss aber nicht.
Und spannend ist ja, dass eine solche Zuspitzung gegenüber Autofahrenden als zulässige Ironie gilt, während die umgekehrte Aussage über Radfahrende sofort als unzulässige Pauschalisierung gebrandmarkt wird.
Die Autofahrer sind wie immer das Problem, weil sie mit so tötlichen Dingern unterwegs sind, weil praktisch alle Menschen Fehler machen und keine Ahnung von der genauen StVO haben, wird eher so geregelt, dass die gefährlichsten Teilnehmer es einfach und klar haben, damit die gefärhlichsten nichts dummes tun.
AntwortenLöschenDie Verwaltung hat teils selbst keine Ahung, ist wenig kreativ und argumentiert gegen gewünschte Schilder für die Einfachheit und Klarheit von Regeln für Radfahrer gerne ablehnend, aber für Autofahrer ist eben Schilderwald möglich. Düsseldorf hat auch viele Beispiele dieser Art. Die Verkehtsbehörde, Herr G.-H. weigert sich Fehler zu korrigieren und für Radfahrer klar und eindeutig zu beschildern.
Das ist teils so absurd, wiel Fehler von Autofahrern zu Unfällen führen, werden Schilder aufgestellt, aber eine Ausnahme für Radfahrer NICHT aufgestellt, weil diese Verkehrsteilnehmer "ja eh" illegal z.b. die Fußgängerfurt nutzen und daher "kein Problem" besteht. Wehe es kommt jetzt zu einem Unfall.
Irrsinn wohin man schaut. Danke für den Blogpost.
Danke für diese Darstellung, die das, was ich mit dem ersten Kommentar oben sagen will, verdeutlicht.
LöschenDas grundsätzliche Problem ist die schiere Existenz, immer und überall, des Autoverkehrs, und zwar an und für sich!
Ohne den gäbe es diese Problem sämtliche nicht
Die logische, politische Konsequenze muss daher die Rückführung, ja -drängung, des Autoverkehrs auf ein absolutes Minimum sein. Mit allem was das beinhaltet, bis hin zur Abschaffung des Kapitalismus!
„Die Autofahrer sind wie immer das Problem …“ immer. Ohne Ausnahme. Am besten schon, bevor überhaupt klar ist, was passiert ist.
LöschenInzwischen sind wir aber einen Schritt weiter: Das eigentliche Problem ist gar nicht mehr das Verhalten einzelner, sondern die bloße Existenz des Autoverkehrs. Autos als metaphysisches Grundübel. Ohne sie gäbe es offenbar keine Konflikte, keine Regelverstöße, keine Unfälle, keine schlechten Entscheidungen. Der Mensch wäre plötzlich vernünftig. Logisch.
Die politische Konsequenz ist dann auch klar: Autoverkehr zurückdrängen, am besten gleich verbieten und wenn wir schon dabei sind, schaffen wir den Kapitalismus auch noch ab. Sicher ist sicher.
Danach herrscht vermutlich ewiger Frieden im Straßenverkehr und alle halten sich freiwillig an Regeln.
Was mich dabei wirklich wundert: In Düsseldorf gibt es unzählige Stellen, an denen der Verkehr auch für Radfahrer völlig eindeutig geregelt ist. Und trotzdem wird regelmäßig zum Beispiel falsch herum durch nicht freigegebene Einbahnstraßen gefahren oder der Gehweg benutzt, obwohl ein Radfahrstreifen vorhanden ist.
Aber klar: Das liegt bestimmt nicht am Verhalten, sondern am System. Oder am Auto. Oder am Kapitalismus. Irgendwas Strukturelles wird es schon sein.
Ja, der Autoverkehr ist das Problem. Lesen Sie etwa Ivan Illich dazu.
LöschenAh, Ivan Illich. Natürlich.
LöschenEin philosophischer Verweis genügt also, und schon ist alles geklärt: Autoverkehr = Grundübel. Diskussion beendet.
Gesellschaftskritik kann spannend sein. Aber ein Essay, womöglich aus den 70ern wie bei Illich, erklärt weder konkrete Verkehrssituationen noch rechtfertigt er pauschale Schuldzuweisungen im Hier und Jetzt.
Denn selbst wenn man Illich folgt und das Auto als Symbol eines kranken Systems sieht, bleibt die banale Realität: Menschen sitzen drin. Und Menschen machen Fehler. So wie sie es auf dem Rad tun. Zu Fuß. Mit dem E‑Scooter. Mit Kinderwagen.
Strukturelle Kritik ist bequem, weil sie Verantwortung abstrahiert. Dann ist nicht mehr der Einzelne verantwortlich, sondern „das System“. Sehr praktisch – niemand muss mehr über eigenes Verhalten nachdenken.
Natürlich ist der Autoverkehr das Grundübel. Wer das leugnet, betreibt einfach Besitzstandswahrung. Wieviel Tote hätten wir wohl im Straßenverkehr, wenn es weder PKW, noch LKW (und keine Motorräder) gäbe? Vermutlich in Deutschland < 20 im Jahr. Die (natürlich rein theoretische) Frage wäre also: Wieviel Verkehropfer ist uns der motorisierte Verkehr wert? Gesellschaftlich gefragt: Gäbe es in Deutschland eine Abkehr vom Auto, wenn wir jährlich 20-, 30- oder 50.000 Verkehrtote hätten? Wer weiß.
LöschenJa natürlich ist das System verantwortlich.Und diejenigen die es verteidigen, weil sie vom Status Quo profitieren.
LöschenDie Rechnung ist zunächst einfach:
LöschenKeine Autos, keine LKW, keine Motorräder = deutlich weniger Verkehrstote.
Das ist grundsätzlich richtig.
Jedoch sterben auch durch Radverkehr Menschen, wenn auch sehr viel seltener. Aber offenbar zählen Opfer nur dann, wenn sie ins jeweilige Narrativ passen. „Nur verletzt“, genötigt, bedrängt oder in gefährliche Situationen gebracht – all das spielt in der Debatte meist keine Rolle, weil es statistisch weniger spektakulär ist.
Die eigentliche Frage lautet: Wollen wir reale Gesellschaften gestalten oder theoretische Nullrisiko-Modelle? Denn konsequent zu Ende gedacht müsste man dann sehr viel mehr abschaffen als nur Autos. Die „Wie viele Tote sind uns das wert?“-Frage ist berechtigt.
Nur wird sie selektiv gestellt. Warum nicht auch bei Alkohol, Sport, Bauarbeit oder Haushaltsunfällen?
Eine drastische Reduzierung von Autos und LKW bedeutet nicht, dass „gar nichts mehr funktioniert“, aber vieles würde nur noch eingeschränkt oder mit deutlich höherem Aufwand möglich sein. Lieferketten würden langsamer und teurer, Supermärkte könnten nicht mehr in der heutigen Form versorgt werden, Handwerksbetriebe kämen schwerer zu Einsatzorten, Müllabfuhr wäre in dicht besiedelten Gebieten organisatorisch deutlich komplizierter. Auch im Rettungswesen gäbe es Grenzen: Krankentransporte, Notärzte, Feuerwehr und Unfallhilfe lassen sich nicht flächendeckend durch Lastenräder oder Fußwege ersetzen. Das mag im Einzelfall funktionieren, aber nicht als tragfähiges System. Und bevor der Einwand kommt, es gehe ja „nur“ um private Autofahrten: Auch diese sind Teil des Alltags. Menschen fahren zur Arbeit, bringen Kinder weg, pflegen Angehörige, versorgen sich. Das ist kein Luxus, sondern gelebte Realität.
Wer vom grundsätzlichen „Weg mit dem Auto“ spricht, sollte deshalb ehrlich benennen, welche konkreten Einschränkungen für Versorgung, Sicherheit und Alltag damit verbunden wären, statt so zu tun, als ließe sich unsere heutige Infrastruktur ohne größere Folgen einfach abschalten.
Natürlich kostet Mobilität Leben. Das ist tragisch und muss weiter reduziert werden. Aber daraus folgt nicht automatisch: Autoverkehr ist grundsätzlich moralisch illegitim.
Noch ein Wort zur angeblichen „Systemverantwortung“: Natürlich prägen Strukturen unser Verhalten. Aber wer jede individuelle Verantwortung vollständig an „das System“ delegiert, macht es sich sehr einfach. Dann sind immer nur abstrakte Kräfte schuld, nie das eigene Handeln.
Und die Behauptung, Kritik an pauschalen Schuldzuweisungen sei automatisch „Besitzstandswahrung“, ersetzt Argumente durch Moraletiketten. Nicht jeder, der differenziert diskutiert, verteidigt den Status quo. Man kann Veränderungen wollen, ohne in Schwarz-Weiß-Kategorien zu denken.
Was ist denn der Grund, dass man nicht links abbiegen darf ?
AntwortenLöschenDamit kein Rückstau über die Gleise stattfinden kann?
LöschenIst für das Thema des Artikels aber nebensächlich.
Löschengute frage, wuerde mich auch interessieren, wieso man ueberhaupt als autofahrer hier auch nicht geradeaus fahren darf.
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