16. Juni 2026

Wofür Fußgänger:innen Radfahrende hassen

Menschen zu Fuß mögen den Radverkehr auf ihren Wegen nicht, manche hassen ihn regelrecht. Und viele fühlen sich unsicher oder haben Angst, wenn Radfahrende eng an ihnen vorbeipfeifen. 

Heute wird es also ernst für uns selbst. Ich möchte einen kritischen Blick auf das Verhalten von Radfahrenden werfen. Leute, die viel zu Fuß gehen, haben mich schon gefragt, ob es denn nicht auch für Radfahrende einen Mindestabstand beim Passieren von Fußgänger:innen gibt, so wie für Autofahrende beim Überholen von Fahrrädern. Und ich vermute, wir alle haben schon mal den Kopf geschüttelt über Radler:innen, die ellbogeneng an Fußgänger:innen vorbei witschen. Die meisten von uns nehmen natürlich Rücksicht, so wie die meisten Autofahrenden auf uns Rücksicht nehmen. Aber ein paar verderben ja immer die Stimmung. Ich kenne Leute, die nicht mehr durch den Schlossgarten spazieren, weil die Radler:innen sie nicht nur stressen, sondern ihnen regelrecht Angst machen. 

Im Grunde gilt für uns Radfahrende: Was ich nicht will,  das mir ein Autofahrer antut, sollte ich auch dem Fußgänger nicht antun. Das heißt, wir sollten ihn oder sie nicht erschrecken, ängstigen und wegscheuchen

Schlossgarten (Geh- Radweg)
Wenn wir vom Autoverkehr mindestens 1,5 Meter Abstand bei Überholmanövern fordern, sollten wir zu Fußgänger:innen selbst ebenfalls einen Sicherheitsabstand halten. Und auch da ist mindestens ein Meter angeraten. Beispielweise auf gemeinsamen Geh- und Radwegen wie im Schlossgarten, auf denn wir ohnehin zur Rücksichtnahme auf Fußgänger:innen verpflichtet sind. Auf nur freigegebenen Gehwegen dürfen wir ja sowieso nur Schrittgeschwindigkeit radeln, und wenn wir das aus guten Grünen ignorieren, so müssen wir doch unbedingt Fußgänger:innen freundlich und rücksichtsvoll behandeln, an denen wir vorbei fahren wollen. Bimmeln und dann mit 20 km/h vorbei heizen geht gar nicht. Wenn wir als Radfahrende so was tun, benehmen wir uns nicht besser als Autofahrende, die uns anhupen und dann strafend eng überholen. Wir radeln mit der Autofahrermentalität, die wir als Radfahrende auf den Fahrbahnen fürchten und kritisieren. 

Natürlich halten wir uns bei solchen Manövern für ungefährlich. Wir beherrschen unser Fahrrad, wir sehen voraus, wohin sich Fußgänger:innnen bewegen, wir sind überzeugt, dass wir für sie keine Gefahr darstellen, auch wenn wir mal schnell eine Lücke zwischen den Fußgängerströmen ausnutzen. Das mag auch sein, denn Zusammenstöße zwischen Fahrrad und Fußgänger:in sind sehr selten, aber die Menschen zu Fuß wissen nicht, wie gut und sicher wir radeln. Für sie kommen wir oft unhörbar von hinten und sausen in vierfacher Gehgeschwindigkeit an ihnen vorbei, und das vielleicht noch so eng, dass sie den Luftzug spüren. Und sie haben das Gefühl, das war jetzt knapp, und fragen sich, was passiert wäre, wenn sie einen Schritt zur Seite gemacht hätten. (Foto: Radler in der Fußgängerzone von Wangen im Allgäu.) 

Ich erlebe es oft, dass eine Mutter ihr kleines Kind an sich reißt, wenn sie bemerkt, dass ich mit dem Fahrrad komme, auch dann, wenn ich extrem langsam fahre. Dahinter steckt oft auch das Bedürfnis, mich als Schnellere nicht aufhalten zu wollen. Wer nicht viel Fahrrad fährt, kann die Geschwindigkeiten eines Fahrrads nicht beurteilen und hält uns immer für sehr viel schneller als wir tatsächlich fahren. Wir wissen, dass wir das Fußgängergewusel vor uns sehen und abschätzen können, die Menschen zu Fuß aber wissen nicht, was wir wissen, und fühlen sich bedroht, zumindest gestresst, also unwohl. Genauso wie wir uns erschrecken und bedroht oder auch nur unwohl fühlen, wenn ein Autofahrer (oder eine Fahrerin) auf der Fahrbahn schnell dicht an uns heranfährt und dann schnell und eng überholt. Auch der Autofahrer hält sein Manöver für ungefährlich für uns Radfahrende, auch er glaubt an sein Fahrkönnen. Er weiß, dass er mich gesehen hat, während ich auf dem Fahrrad das eben nicht weiß und erschrecke, wenn es knapp für mich wird

Ich kenne recht viele Fußgänger:innen, die dem Radverkehr ablehnend gegenüberstehen, manche sogar sehr leidenschaftlich bis hasserfüllt. Sie wollen uns mit unseren Fahrrädern nicht auf ihren Gehwegen haben. Schon gar nicht auf denen, auf denen wir keine Radfahrerlaubnis haben (Foto: Degerloch). Manche von ihnen hatten vielleicht Hüftoperation (von der wir nichts wissen)  oder sie haben Knieprobleme und sind unsicher beim Gehen. Sie wollen nicht plötzlich einem Fahrrad ausweichen müssen und haben vor solchen Begegnungen Angst. Etwas, was niemand nachvollziehen kann, der oder die nicht einmal selbst mit Krücken unterwegs war und die eigene Unsicherheit erfahren hat. Genau deshalb sollten wir uns bewusst machen, welche Sorgen, Ängste und welchen Hass wir auslösen, wenn wir auf Gehwegen radeln oder auf gemeinsamen Geh- und Radwegen schnell, wendig und knapp unterwegs sind (wie etwa im Schlossgarten). 

Wenn Fußgänger:innen dann noch die Erfahrung machen, dass sie wüst angepampt werden, wenn sie sich beim Radler oder der Radlerin direkt beschweren, trägt das nicht gerade dazu bei, den Hass auf uns zu mildern. Auch wir Radfahrende neigen dazu, aggressiv und böse zu werden, wenn wir bei einem eigenen Fehler oder Unrecht ertappt werden. Der Wunsch sich zu rechtfertigen erzeugt bei den meisten Menschen eine ziemliche Rechtfertigungsaggression. Es wäre schön, wenn wir das reflektieren und uns bei nächster Gelegenheit freundlich entschuldigen, wenn wir für uns in deiner Situation keine andere Möglichkeit sehen, als einen Gehweg zu benutzen. Und wir könnten uns bedanken, wenn ein Mensch zu Fuß nett und nachsichtig zu uns ist. Fußgänger:innen sind nämlich meist sehr friedfertig und nett und machen uns auch dort Platz, wo sie es gar nicht tun müssten. (Auch sie werden nur dann böse, wenn wir sie auf einem Radweg ertappen und darauf hinweisen.) 

Jetzt könnte man sagen, wir müssen nicht auf alle Ängste Rücksicht nehmen (was nicht meine Ansicht ist, ich finde wir müssen alle Ängst im öffentlichen Raum ernst nehmen), das wäre dann allerdings ähnlich zynisch wie die achselzuckende Bemerkung, wer mit dem Fahrrad auf unseren Straßen Angst hat, soll halt nicht Rad fahren (sondern Auto). Dass wir Radfahrende zuweilen um unser Leben fürchten, Schrecksekunden erleben und uns manchmal nur durch eigene Voraussicht vor einem Zusammenstoß mit einem Auto retten können, das beklagen wir (und auch ich hier im Blog) immer wieder. Wir fordern zu Recht, dass sich Autofahrende uns Radler:innen gegenüber rücksichtsvoll verhalten, denn mit ihrem Auto können sie einen Radfahrer oder eine Radlerin leicht töten. Und weil das mit der Rücksicht bei manchen nicht so recht klappt, fordern wir eine vom Autoverkehr getrennte sichere Radinfrastruktur, auf der niemand mehr Angst haben muss. Genau deshalb fordern wir auch eine von Fußgänger:innen getrennte Radinfrastruktur, denn auch die sollen vor uns keine Angst haben müssen.  

Wohlgemerkt, die meisten Radfahrenden benehmen sich absolut zivilisiert, rücksichtsvoll und vorausschauend auf diesen Mischflächen mit Fußgänger:innen (wir und ihr natürlich auch), es sind auch bei uns - wie bei den Autofahrenden - die gefühlt zwanzig Prozent, die das Verkehrsklima vergiften. 

Anders als bei Autofahrenden, wird bei uns Radfahrenden allerdings sofort pauschalisiert und für die Fehler Einzelner die gesamte Rad-Community in Haftung genommen. Das heißt, rast einer zu eng an einer Fußgängerin vorbei, dann sind alle Radler:innen "rasende Radler" und der Radverkehr eine Gefahr für den Fußverkehr. (Autounfälle sieht man dagegen immer als Einzelfälle.) Und ich soll in Gesprächen übers Radfahren oft das Verhalten anderer Radfahrender verurteilen, die dies oder jenes angestellt haben. Was der einzelne Radler oder die Radlerin macht, wird allen Radfahrenden angelastet. 

Und noch einen Unterschied gibt es. Mit dem Auto kann man sogar mehrerer Fußgänger:innen auf einmal töten und das, ohne als Fahrer:in selbst verletzt zu werden. Und nicht selten sind die Getöteten Kinder. Dass Autofahrende mit ihren schweren Fahrzeugen auf Gehwege fahren und dort Menschen töten, passiert leider nicht so selten. Wir alle kennen solche Unfälle aus den Medien. Mit dem Fahrrad kann man nicht mehrere Menschen gleichzeitig töten. Schwerwiegende Zusammenstöße von Radfahrenden mit Fußgänger:innen sind vergleichsweise selten. 

Autofahrer töten etwa 300 bis 400 Fußgänger:innen pro Jahr in Deutschland und verletzen 25.000 bis 30.000 Menschen zu Fuß. Bei Crashs zwischen Rad und Fußgänger sterben etwa 10 bis 15 Menschen Pro Jahr und verletzen sich etwa 700 Menschen schwer. Bei den polizeilich gemeldeten Crashs zwischen Fußgänger:innen und Radfahrenden waren in 6 von 10 Fällen die Radfahrenden schuld, so die statistische Auswertung. In 54 Prozent der Fälle ereigneten sie sich auf Radverkehrsflächen, vor allem dort, wo sie durch Haltestellenebereiche führen und besonders eng sind. Begegnungen mit dem Fußverkehr können dann auch mal für Radfahrende schlimm ausgehen, sogar tödlich, wenn ein Ausweichmanöver misslingt. Ein Risiko entsteht auch dort, wo Fußgänger:innen falsch geparkten Autos auf Radwege ausweichen. (Fußgänger:innen weichen in Tempo-30-Straßen auch auf die Fahrbahn aus, sie tun es aber nie auf der B14 oder B27 und zwingen dort Autofahrende nicht zu Vollbremsungen, so wie im vergleichbaren Fall den Verkehr auf Radwegen.) Für Fußgänger:innen ist also der Autoverkehr 27 bis 35 mal gefährlicher. Dass der Radverkehr Fußgänger:innen gefährlich wird, liegt übrigens daran, dass er - anders als der Autoverkehr - sehr oft mitten durch die Fußgänger:innen führt, also im Mischverkehr mit dem Fußverkehr.

Statistische Aussagen (die übrigens ziemlich ungenau sind), auch mit kleinen Zahlen über Zusammenstöße zwischen Radfahrenden und Fußgänger:innen führen schnell zu einer generellen Gefahrenvermutung gegen den gesamten Radverkehr. Und dann diskutieren Verkehrsexpert:innen (wenige Frauen darunter) auf einmal über die Gefahren des Radverkehrs statt über die viel größeren Gefahren, die vom Autoverkehr für uns alle ausgehen.  

Das Fahrrad ist langsamer, leichter und schmaler

Auf der Seite Rechtsanwälte (recht-energisch.de) stellt der Autor Olav Dilling die Gefahren, die vom Radverkehr für Fußgänger:innen ausgehen, ins Verhältnis zu denen, die vom Autoverkehr ausgehen. Das Auto hat Masse und Geschwindigkeit. Lässt man schwere Autos langsamer fahren, beispielsweise Tempo 30, dann werden weniger Menschen bei Crashs schwer verletzt und es sterben weniger. Fahrräder erreichen selten 30 km/h (und auch nur bergab mal 40 km/h), meist fahren sie langsamer. Und Radfahrende wiegen mit ihrem Rad nicht ein bis zweit Tonnen, sondern vielleicht 100 bis 150 kg (Lastenrad). Ihre kinetische Energie ist ein winziger Bruchteil der eines Kleinwagens. Damit ist auch der Bremsweg eines Fahrrads meist kürzer. Hinzu kommt, dass Fahrräder schmaler sind als Autos, also Radfahrende weniger Platz brauchen. Autos sind zwei Meter breit, Fahrräder zwischen 75 cm und einem Meter. Deshalb ist die Wahrscheinlichkeit, mit einem Fahrrad auf begrenztem Raum ausweichen zu können, größer. Nach Dillings Einschätzung sind Radfahrende an etwa 5 Prozent aller Crashs im Straßenverkehr beteiligt. Er schreibt: "Dabei tragen Fußgänger und Radfahrer entgegen einer verbreiteten Meinung mit jeweils 50% Wahrscheinlichkeit die Schuld", wie die UdV 2013 selbst festgestellt hat.

Trotzdem, so der Autor weiter, könne man die Gefahren von Fahrrädern für die Sicherheit von Fußgänger:innen nicht vernachlässigen. Viele Konflikte zwischen Fußgänger:innen und Radfahrenden lließen sich durch eine geeignete Radinfrastruktur vermeiden. Das heißt: Trennung von Rad- und Fußverkehr. Das hilft dann allen. Jede Verkehrsart habe ein Recht, ausreichend Platz zur Verfügung zu bekommen. Radfahrende müssten eine angemessene Geschwindigkeit fahren können, ohne dabei Fußgänger:innen zu gefährden. Und dafür sind die Städte und deren Straßenverkehrsbehörden verantwortlich. 

Bleibt noch die Gefahr, dass Menschen zu Fuß gedankenverloren (oder vom Handy absorbiert) auf Radwege treten, Kinder unversehens beiseite springen oder sehbehinderte Menschen das Fahrrad nicht kommen sehen, wenn sie den Radweg zur Bushaltestelle überqueren. Auch das passiert, und wir Radfahrende sind als Fahrzeugführende dazu verpflichtet, aufzupassen und vorausschauend zu fahren.  Viele Fahrräder nähern sich beinahe lautlos, und da hilft bei unaufmerksamen Fußgänger:innen bimmeln oder - was ich gerne mache - sprechen. Denn Klingeln verstehen viele Fußgänger:innen als Aufforderung, Platz zu machen, oder als Tadel. Und Menschen mögen nicht gern gemaßregelt werden. Ein gerufenes "Achtung Fahrrad" oder die Frage, "darf ich mal links an Ihnen vorbei fahren" löst weniger Negativgefühle bei den Fußgänger:innen aus. 

Und ich denke manchmal auch so für mich: Warum kann der oder die nicht einfach mal abbremsen? Einfach mal langsamer tun. Wir wundern uns bei Autofahrenden doch auch über deren Hast. Sie überholen uns und an der nächsten Ampel treffen wir uns wieder. Als ob die sogenannte Zeitersparnis ein echter Wert sei. Was fange ich denn mit den 3 Sekunden an, die ich gewonnen habe, wenn ich Fußgänger:innen ungebremst überhole, obgleich mir ein Fahrrad entgegenkommt und es für alle saueng wird? Ja, ich weiß, wieder antreten nach einem Bremsmanöver ist anstrengend (vor allem für Normalradler:innen), wieder Gas geben nicht. Dennoch ist bremsen und lächeln manchmal unendlich viel mehr wert als der Flow. 

Und noch einmal: Nein, es sind nicht alle, es ist nicht einmal die Mehrheit, die sich im Straßenverkehr rücksichtslos verhält, und auch ihr, die ihr das  hier gelesen habt, müsst euch nicht angesprochen fühlen und auch nicht verteidigen für die kleinen Regelverstöße. Aber ihr redet ja auch mit anderen Radelnden, und da kann man ja mal eine Lanze für den Fußverkehr brechen. Und Fehler kommen vor. Mir ist es auch schon passiert, dass ich zu knapp an einem Fußgänger vorbeigefahren bin, weil sich plötzlich die Verkehrssituation geändert hat oder ich vor mich hin geträumt habe. Wir machen alle Fehler. Verkehrsinfrastruktur muss deshalb auch fehlertolerant sein. Ich wollte hier nur mal den Perspektivwechsel hin zu Fußgänger:innen vollziehen, vor allem zu jenen, die ein bisschen Angst haben oder sogar große Angst. Wir können die Menschen zu Fuß auch nett behandeln, statt uns über sie zu ärgern (vor allem, wenn sie Fehler machen). 

39 Kommentare:

  1. Sehr guter und wichtiger Artikel! Als Alltagsradler habe ich inzwischen viele Mit-Radfahrenden als die problematischsten Verkehrsteilnehmer wahrgenommen. Auch deshalb, weil ich für ihre Rücksichtslosigkeit gleich mit in Pauschalhaftung genommen werde.

    Eine Kleinigkeit ist übrigens nicht ganz richtig. Die kinetische Energie wächst nicht proportional zu Masse und Geschwindigkeit, sondern im Quadrat der Geschwindigkeit. Ein Auto von 1,5 Tonnen und einer Geschwindigkeit von 10 m/s (36 km/h) hat eine kinetische Energie von 75.000 Joule, ein Fahrrad mit 100 kg hat bei 7 m/s (25,2 km/h) eine Energie von 2.450 Joule. Das ist Faktor 30 weniger. (https://de.wikipedia.org/wiki/Kinetische_Energie)

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    1. Der jetzige Satz "Das Auto hat Masse und Geschwindigkeit und zu beidem wächst die kinetische Energie im Quadrat" ist leider auch nicht richtig. Proportional zur Masse, im Quadrat mit der Geschwindigkeit. E = 0,5 * m * v².
      S. https://de.wikipedia.org/wiki/Kinetische_Energie

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  2. Gefühlte Sicherheit des Schwächeren hat viel mit Abstand zum Stärkeren zu tun.
    Zwischen Fußgängern und Radfahrern gibt es da oft das Problem , das die bauliche Gestaltung des Verkehrsweges es gar nicht hergibt, das ein Abstand eingehalten werden kann, bei dem sich Fußgänger sicher fühlen.
    Es gibt aber auch meines Wissens keine Untersuchungen darüber, wie sich Abstand objektiv auf das Unfallrisiko auswirkt. Weder zwischen Rad und Fußgänger noch zwischen Auto Und Rad

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    1. Ich habe auch nichts gefunden, kenne allerdings Berichte über enge Überholmanöver durch Autofahrende, bei denen Radfahrende gestreift oder zum Sturz gebracht wurden.

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  3. Nach den letzten beiden Unfällen zwischen Fußgänger (m/w/d) und Radfahrer (m/w/d), von denen ich in der hiesigen Zeitung gelesen habe, ist jeweils die Radfahrerin im Krankenhaus gelandet.
    Fußgänger sind für Radfahrer mindestens genauso gefährlich wie umgekehrt, da eine kleine Berührung des Lenkers durch einen Fußgänger schon zum Sturz des Radfahrers führen kann. Und der Radfahrer kann einen Sturz aufgrund des Fahrradrahmens nicht gut abfangen und hat zudem seine Fahrgeschwindigkeit sowie seine Sitzhöhe zu verarbeiten.
    Aber ja: Radfahrer haben auf Gehwegen absolut nichts verloren. Fahrzeuge gehören auf die Fahrbahn, schließlich werden sie gefahren (und nicht gegangen).
    Nebenbei: Wie kann es sein, dass 54 % der fraglichen Unfälle auf Radfahrinfrastruktur verursacht werden und dabei zu 60 % die Radfahrer Schuld sind?
    Thomas

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    1. Schöne Frage. Die habe ich mir auch gestellt. Es handelt sich aber um unterschiedliches Datenmaterial, das sicherlich sehr lückenhaft ist.

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    2. Hallo
      Die Frage stelle ich mir, seit ich die Studie der Unfallforscher gelesen haben.
      Leider ist das nicht so ohne weiteres ergründbar, nur ein Hinsweis, dass Bushaltestellen und STellen wo Fußverkehr RAdwege quert besondere Gefahrenstellen darstellen, lässt vermuten, dass die Unfälle dort passieren.
      Radfahrer scheinen hier den schwarzen Peter zu bekommen, weil sie nicht auf eine "unklare Verkehrssituation" reagieren. Daher der Apell zu bremsen statt zu klingeln.
      Leider alles nicht wirklich nachvollziehbar. Denn wenn meine Interpretation der Studie richtig ist, dann sind nicht die Radfahrer schuld, sondern die Planer, und einige Radfahrer schaffen es nicht die Situation zu entschärfen.
      Leider ist auch nicht aufgeführt wie sehr die Radfahrer hätten bremsen müssen. Denn wenn man auf Radwegen die Hauptschuld an einer Kollisoin mit einem Fußgänger hat, nur weil man nicht auf Schritttempo verzögert hat als man gesehen hat dass der Fußgänger eventuell den Radweg betreten könnte, bedeutet das in normalen Städten, dass Radwege nur noch mit Schritttempo befahrbar sind.

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    3. Theorie zu den Prozentzahlen. "Gehweg/Radfahrer frei" wird als Radfahrinfrastruktur gezählt. Aber Radfahrer sind da ja praktisch immer Unfallverursacher.

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  4. Die kinetische Energie eines Radfahrers ist nicht ein Zehntel, sondern ein Hundertstel der eines Autos, weil ja wie richtig bemerkt die Kurve exponentiell ist.

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    1. Auto 1,5t 50km/h, Radfahrer 85 kg, 20km/h

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    2. Bei der kinetischen Energie geht die Masse linear ein, die Geschwindigkeit quadratisch.
      Für die Belastung bei einer Kollision ist der Impuls (beziehungsweise die Impulsänderung der beiden Unfallbeteiligten) relevant. Und da sieht es ab einem Gewichtsverhältnis von 10 zu 1 schlecht für den leichteren der beiden aus, denn dessen Geschwindigkeitsänderung ist fast komplett (beim plastischen Stoß auf die Geschwindigkeit des anderen) und das ändert sich dann auch nicht mehr signifikant, egal ob der Gegner 10 oder 50 mal so viel wiegt.
      Daher ist es wichtig die Geschwindigkeiten in den Bereichen wo Kollisionen stattfinden können, auf 30 km/h zu begrenzen.

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  5. Sehr starker Kommentar, unterschreibe ich und erinnert mich dran auf dem Rad auch wieder mehr drauf zu achten.

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  6. Die Hauptschuld am heutigen Chaos auf den Gehwegen trägt die verfehlte Strategie des ADFC. Mit der ewigen Forderung nach separaten Radwegen wurde eine Mischverkehr-Kultur in Deutschland im Keim erstickt. Weil diese Luxus-Infrastruktur niemals flächendeckend kommt, flüchten die Menschen weiter auf die Bürgersteige. Die Kommunen nutzen das als billige Ausrede, um dem Autoverkehr keinen Zentimeter wegnehmen zu müssen.Das bittere Resultat ist ein unerträglicher Krieg „Jeder gegen Jeden“ auf Kosten der verängstigten Fußgänger.

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    1. Anonyme generalisierte Schuldzuweisungen sind nicht hilfreich. Und Radstädte wie Paris, Kopenhagen oder Amsterdam zeigen, ohne eine seprate (vom Fuß- und Autoverkehr separierte) Radinfrastruktur geht es in Europa nicht. Die Forderung nach separaten Radwegen ist richtig, wenn es darum geht, deutlich mehr Menschen aufs Fahrrad zu bringen als heute in Deutschland radeln.

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    2. ... der ADFC ist zwar von dem Credo dass Mischverkehr besser ist als ein Radweg, der in Knotenpunkten oft extrem blöd ausgefürht ist, abgerückt. Ich finde das auch schade, aber die Vorschläge, dass man Radfahrer doch auf den Gehweg schicken könnte, oder 1,5m Buckelpiste als verpflichtenden Rad / Fußweg ausweisen könnte, kommen bei uns hier im Münchner Umland grundsätzlich von der CSU und werden von den Vertretern des ADFC kritisiert.
      Überland finde ich oft keine Radwege besser als benutzungspflichtige Rad / Fußwege, besonders weil diese immer nur auf einer Seite der Fahrbahn verlaufen und damit für Radfahrer in der falschen Richtung an jedem Ort zwei Querungstellen entstehen, und das sind Anlagen gegen die der ADFC nichts hat.
      Aber innerhalb geschlossener Ortschaften sind die Forderungen nach Radwegen oder Tempo 30, zumindest bei uns, nachvollziehbar.
      Tempo 50 und Radfahrer auf den Fußweg schicken findet nur eine Mehrheit im Gemeinderat wenn da zu wenig Vertreter der Grünen sitzen und gegen die Enwände der RAdfahrer, oft vertreten durch den ADFC, entschieden wird.

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  7. ich würde oft gerne mehr Abstand zu Fußgängern halten, daher ärgere ich mich oft über Fußgänger die auf gemeinsamen RAd / Fußwege exakt mittig laufen und über die die auf dem Bordstein zwischen Rad und Fußweg laufen und mit den Armen schon über dem Radweg sind.
    Ich kann nicht mehr als an den äußersten Rand fahren und wenn dann statt der möglichen 1,5m auf einem 2,5m breiten Rad / Fußweg nur noch 70cm übrig bleiben tut mir das leid aber ich habe mein möglichstes getan, ich fahre mit der Schulter bereits im Gebüsch und den Reifen weniger als eine Hand breit von der Kante des asphaltierten Bereichs.
    Ich mache mich bemerkbar und manche der Fußgänger kommen mir sogar entgegen. Es ist zwar juristisch korrekt wenn Fußgänger keinen Raum für Radfahrer lassen, aber ein Großteil schafft das und macht einem das Leben leichter, da muss ich dann viel weniger Tempo raus nehmen und keiner der Beteiligten fühlt sich bedrängt oder behindert. Und weil es viele schaffen ärgere ich mich über die, die es nicht schaffen. Wege die so schmal sind, dass Abstandhalten gar nicht möglich ist, meide ich. D.h auf meinen Alltagswegen gibt es nur sehr kurze solcher Abschnitte. Überall sonst wäre genug Platz.
    Witzigerweise wurde ich in den letzten 10 Jahren von genau zwei Fußgängern beschimpft und in einem Fall sogar mit einem Stockschirm angegriffen. Beide dieser Vorfälle fanden auf reinen Radwegen statt, und die Fußgänger waren wohl schon von den vielen rücksichtslosen Radfahrern genervt.


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    1. Auf gemeinsamen Geh- und Radwegen müssen Fußgänger:innen Platz machen und Radfahrende mit großer Rücksichtnahme, also gegebenenfalls langsam fahren. Deshalb ist das auch keine gute Lösung. Auf Gehwegen, die für den Rad verkehr nur freigegeben sind, müssen sie überhaupt keinen Platz machen und wir müssen Schrittgeschwindigkeit radeln, allemal bei Begegnungen. Und ich ärgere mich nicht mehr über Menschen zu Fuß. Sie haben es in unserem Verkehrssystem nicht leicht, zumal wenn auf den Wegen, die sie entspannt nutzen wollen, auch noch genervte Radler:innen unterwegs sind. Ich frage mich auch immer, wie eilig ich es denn wirklich habe. Ich plädiere für immense Nachsicht Fußgänger:innen gegenüber. Wir Radfahrenden wollen ja auch, dass Autofahrende uns nicht mit Ungeduld begegnen und uns Raum geben.

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    2. ... die Formulierung "Gegenseitige Rücksichtnahme" ist bei der letzten Novelle der StVO aus der Beschreibung der Rad / Fußwege verschwunden. Es sind nur noch die Pflichten der Radfahrer aufgelistet die ggf auch auf Schritttempo verzögern müssen.
      hier der aktuelle Wortlaut: "Der Radverkehr darf nicht die Fahrbahn, sondern muss den gemeinsamen Geh- und Radweg benutzen (Radwegbenutzungspflicht). Dabei ist auf den Fußverkehr Rücksicht zu nehmen. Der Fußverkehr darf weder gefährdet noch behindert werden. Erforderlichenfalls ist die Geschwindigkeit an den Fußverkehr anzupassen."

      D.h Platz machen ist hier nicht mehr gefordert, zumindest nicht ohne massive Behinderung der Radfahrer, die das explizit hinnehmen müssen, denn an anderer Stelle wurde ja schon öfters festgestellt das das Tempo von Fußgängern nicht zur typischen Bewegung von Radfahrern passt.
      Wie das hier angeordnet werden kann und mit einer Benutzungsplicht zusammenpasst ist mir ein Rätsel
      Leider trifft man gelegentlich (also wie immer wenige die einem in Erinnerung bleiben) Menschen die meinen diese Vorschrift würde sie quasi verpflichten jeden Radfahrer erstmal auf Schritttempo verzögern zu lassen, auch wenn der von vorn kommt und schon seit geraumer Zeit gesehen wurde.

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    3. Die gegenseitige Rücksichtnahme von allen, die am Straßenverkehr beteiligt sind, steht ja in §1 StVO. Die gilt deshalb wohl auch für Fußgänger auf gemischten Fuß/Radwegen, egal ob das in der Novelle nochmal explizit auftaucht.

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  8. ... noch ein Fehler.
    Der Bremsweg hängt nicht in erster Linie von der Fahrzeugmasse ab. Die maximal übertragbare Kraft vom Reifen auf den Untergrund und dann weiter im Straßenaufbau reicht für PKW, leichte LKW gleichermaßen wie fürs Rad.
    Der Bremsweg eines Zweirads ist im Zweifelsfall länger als der eines PKW. Das liegt daran, dass bei üblichen Motorrädern und Fahrrädern die Position des Schwerpunkts (Höhe und Abstand zum Auflagepunkt des Vorderrades) kaum Verzögerungen > 6m/s^2 zulassen ohne dass das Hinterrad abhebt.
    Beim PKW sind auch 10m/s^2 drin. Lastenräder haben aufgrund der Bauart hier sogar Vorteile. Selbst normale Pedelecs haben Vorteile gegenüber Rennrädern, denn deren Schwerpunkt ist durch Accu und Motor meist günstiger angeordnet.
    Dazu kommt, dass jeder D** im Auto mit ABS eine Vollbremsung hin bekommt, eine Gefahrenbremsung mit dem Rad will gut geübt sein, wenn man nahe an das theoretisch Mögliche kommen will.
    Physik scheint nicht das Hobby der Rechtsanwälte zu sein

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  9. ... was fange ich mit den 3 Sekunden an?

    Das erinnert fatal an den Vorschlag doch lieber mal auf seinen Vorrang zu verzichten wenn man sieht, dass neben einem ein Fahrzeug ist, dass rechts abbiegen könnte.
    Es sind nicht 3 sekunden! Es ist der Unterschied in der Stadt mit 15 bis maximal 20 km/h höchtsgeschwindigkeit und viel Abschnitte mit < 8 km/h zu fahren im Vergleich zu guten 25 km/h die auf einem ordentlichen Radweg oder der Fahrbahn möglich wären.
    Im Einzelfall heißt das: Abbremsen, klar denn der Einzelfall kostet einen ja wirklich nicht so viel Zeit und Sicherheit aller (auch die eigene) geht vor, wenn das aber Standard ist, dann braucht es einen anderen Weg, entweder man hat die Gelegenheit bessere Routen zum Zielpunkt zu wählen oder man muss politisch aktiv werden.
    Ich fahre 25 km einfach in die Arbeit, und als ich damit angefangen habe, hatte ich erstmal Strecken auf denen aus unterschiedlichen Gründen keine ordentlichen Reisegeschwindigkeiten möglich waren. Wenn ich nicht ein paar Tips von Kollegen bekommen hätte, hätte ich damals vor mehr als 15 Jahren aufgegeben.
    Jetzt bin ich nicht langsamer als ich an der hälfte der Tage mit dem PKW wäre, immer schneller als S und U Bahn und deutliche zuverlässiger als beide.
    Aber das funktioniert nur, weil ich die Stellen, an denen nicht richtig fahren kann fast vollständig vermeiden kann. Und dann sind wir wieder bei den 3s denn wenn die Infrastruktur schlecht ist, sind das eben 50 mal die 3s weil da wirklich Fußgänger sind und zusätzlich eine um ca 30% geringere Reisegeschwindigkeit weil das ja ein Fußgänger sein könnte. Vor daher halte ich die Frage, was man von dem einen Überholmanöver hat für unzulässig, denn es geht nicht um eines sondern darum dass man nicht richtig fahren kann wenn Fußgänger und Radfahrer gemeinsam eine relativ begrenzten Fläche nutzen müssen.

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    1. Ja, ich finde es auch schlecht, wenn wir gezwungen werden, unsere Fläche mit Fußgänger:innen zu teilen. Nur: die Fußgänger:innen können nichts dafür, sie haben sich das genauso wenig ausgesucht wie wir. Deshalb führt nichts an einer anständigen Radinfrastruktur vorbei, die zügiges Radeln erlaubt. Allerdings müssen wir in einer wueseligen Innenstadt eben auch mal langsam machen, so wie Autofahrende auch, denke ich. (Auch Autofahrende werden auf Straßen, auf denen sie wenig Ampeln haben, in die Innenstädte gebracht, und dort geht es für sei langsamer und ampelreicher weiter.)

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    2. genau das meinte ich: in Einzelfällen oder wenn es nicht anders geht: langsam
      Wenn aber langsam (also irgendwas im Bereich von < 15 km/h) auf 90% der ausgewiesenen (Haupt-) Radrouten einer Stadt oder Region notwendig ist, dann ist das ein echtes Problem für Alltagsradler, die längere Strecken fahren würden.
      Ich fahre durch München, und da auch durch den Olympiapark. Im Sommer schaue ich mir immer die Veranstaltungskalender an, damit ich nicht dort durch muss wenn ein größeres Konzert eine Sportveranstaltung oder ähnliches ist.
      Das geht weil es nur einige Tage im Jahr betrifft und es dort meistens brauchbare Alternativwege gibt.
      Wenn ich in die Innenstadt will, hab ich kein Problem damit dort angepasst zu fahren, ich will solche Wege aber nicht als Radhauptrouten auf der Werbeseite der Stadt sehen.

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    3. Ja genau, es sind nicht einfach nur die 3 sec. !
      'Unser' Verkehrssystem ist systematisch darauf ausgelegt die Erreichbarkeitsradien für den Autoverkehr auszuweiten und die Radien für den Rad und Fußverkehr über Raum, Regel und zB auch Oberflächenqualitäten zu beschränken.
      Das geht ja mittlerweile soweit, den Radverkehr als Verkehrsmittel 'bis 5km' (ADFC und Co.) zu definieren und Entwurfsgeschwindigkeiten beim Radverkehr entweder gar nicht, oder viel zu gering anzusetzen. Von systematischen Umwegigkeiten durch eine 'autoarme Führung' mal ganz abgesehen ...
      Die Implikationen der 'Marchetti Konstante' (konstantes Reisezeitbudget) werden absurderweise gerade auch von den 'Radaktivisti' und Rad-Lobbyorganisationen ausgeklammert, obgleich das aus wissenschaftlicher Perspektive ein Kardinalfehler ist, der einer ökologischen/sozialen Verkehrswende diametral entgegen steht.
      Der reale und der empfundene Reisezeitvorteil des MIV müsste für eine 'Verkehrswende' von oben durch den Schienenverkehr, und von unten durch den Radverkehr beschnitten werden, wobei für Klima und Umwelt die mittleren und längeren Distanzen das zentrale Problem darstellen, weshalb Fußverkehr und ÖPV das inklusive Rückgrat einer Basismobilität darstellen müssten.
      Auch und gerade der Fußverkehr könnte von einem Reisezeitshift profitieren, zumal sich bei reduziertem MIV auch die für den Fußverkehr so wichtige Qualität des öffentl. Raumes verbessern würde (Akustik(!) und Gestaltung).
      Stattdessen wird propagiert mehr Kurzstreckenverkehr platzsparend auf schmalen separaten Radwegen und/oder separierten Rad/Gehwegen abzuwickeln (entstaut/beschleunigt den MIV) und so die Erreichbarkeitsradien des MIV noch zusätzlich auszuweiten. Die Tatsache stetig steigenden Autoverkehrs in den beworbenen 'Vorbildern' NL und DK, (und dort sogar ausgerechnet in den Radwege-Vorbildregionen Randstad und Metropolregion Kopenhagen) wird mit sturer Standhaftigkeit ebenso ignoriert wie unfallträchtige Radwege-Notlage in Amsterdam Utrecht und Co., wo teils schon T20 auf den Radwegen eingeführt werden muss, um die auf vergleichsweise hohem Niveau weiter steigenden Unfallzahlen in den Griff zu bekommen.
      Wir müssen davon weg kommen, dass infrastrukturell der Radverkehr den Fußverkehr belästigt und der Fußverkehr die Erreichbarkeitsradien des Radverkehrs beschränkt, wobei ja zugleich als übergeordnete Problematik der sorgsam gepamperte Autoverkehr den gesamten Umweltverbundverkehr nebst der Kommunikationsräume belästigt, gefährdet, verlangsamt und in seiner Qualität flächendeckend degradiert und entwertet (Lärm, Todesdrohung, Raumusurpation, Abgase, etc.).
      Alfons Krückmann

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    4. Meiner Meinung nach sollten die Entwurfsgeschwindigkeiten > 30 km/h sein,
      Das erreichen Pendler und sportliche Fahrer.
      Was aber wichtiger ist, sind Überholmöglichkeiten, denn ich will schneller fahren als die Flanierradler dir oft grad so an den 10 km/h knapsen und das ohne dass die einen Grund haben über die bösen Radlrambos zu schimpfen.
      Wer Radverkehr mit Umwegen und dafür mit maximal 20 km/h Reisegeschwindigkeit plant, der verhindert dass Radeln für Strecken > 10 km attraktiv ist. Wenn ich mir was wünschen dürfte, dann wäre das die komplette Aufhebung der Benutzungspflicht durch die blauen Lollies. d.h Fahrbahnenradeln ist ok solange es nicht duch ein Verbotszeichen untersagt ist, und natürlich nicht auf Autobahnen und Kraftfahrstraßen.
      Dann noch 30 als Regelschwindigkeit innerhalb geschlossener Ortschaften.
      Die schnellen Radler fahren dann auf der Fahrbahn, die langsameren und weniger sicheren auf den Rad oder Rad / Fußwegen. Das wird immer noch die Mehrheit sein, aber eben die die lieber langsamer voran kommen als sich im Mischverkehr mit den KFZ zu bewegen. Schnelle Pendler können bei angeordnetem Tempo 30 oft gut im KFZ Verkehr mitschwimmen, nicht an Steigungen aber sonst schon.
      Pendler würden dann aber nicht ausgebremst nur weil sie keinen Motor haben. Ich habe mir ernsthaft überlegt ob es irgendwie möglich ist ein normales Rad mit Versicherungskennzeichen zum S Pedelec zu machen um aus der Radwegbenutzungspflicht zu kommen. Leider fehlt dem Rad ein so dickes Tretlager oder ein Pinion Getriebe, dass man es für ein motorisiertes Rad halten könnte.
      ... man darf ja träumen

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  10. Ich muss mich da manchmal auch an die eigene Nase fassen. Auch ich nutze manchmal "das beste aus zwei Welten", wenn ich dadurch schneller vorankommen. Wobei ich mir bisher nur einmal ein "Sch***E-Bikes" anhören musste, aber da habe ich aber wiederum nichts Illegales gemacht, soweit ich mich erinnern kann. Die meisten Begegnungen Dritter Art habe ich übrigens meist mit anderen Radfahrern, die manchmal meinen, eher den Autoverkehr verteidigen zu müssen. Was Unfälle angeht gibt es leider nichts, was es nicht gibt. So wurde dieser Tage ausgerechnet eine Katze für einen Radfahrer zum tödlichen Verhängnis. Und der trug sogar einen Helm.

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    1. Das mit der Katze habe ich auch gelesen. Ein tragischen Beispiel dafür, wie schnell uns etwas zu Fall bringen kann, weshalb wir Crashs vermeiden. Ein Autofahrer hätte die Katze überfahren.

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  11. Ich finde positiv, dass Du das Thema Radverkehr und Fußverkehr einmal etwas ausführlicher aufgreifst. Gerade die Perspektive von Fußgängerinnen und Fußgängern kommt in Radverkehrsblogs oft zu kurz.
    Was mir allerdings schon bei früheren Artikeln aufgefallen ist, hatte ich sinngemäß bereits unter Deinem Beitrag „Tausend Meter in Stuttgart und ‚Halt die Fresse!‘“ angemerkt: Nach der Feststellung, dass ein bestimmtes Verhalten von Radfahrern problematisch ist, verschiebt sich die Diskussion häufig auf die Frage der relativen Gefährlichkeit verschiedener Verkehrsmittel. Dann stehen plötzlich Fragen im Raum wie: Sind Autos nicht viel gefährlicher? Wie viele Tote verursachen Fahrräder? Warum wird über Radfahrer gesprochen und nicht über Autos?
    Das sind alles berechtigte Fragen, und die Einordnung der unterschiedlichen Gefährdungen gehört selbstverständlich dazu. In diesem Artikel sollte sie meiner Meinung nach aber eher eine Randnotiz sein. Denn sonst gerät leicht aus dem Blick, worum es eigentlich geht: Ist das konkrete Verhalten gegenüber Fußgängern akzeptabel oder nicht?
    Mein Eindruck ist, dass eine solche Überlagerung es auch denjenigen leichter macht, sich ihrer Verantwortung zu entziehen. Dadurch tritt die eigentliche Verhaltensfrage insgesamt in den Hintergrund. Dass eine Kollision mit einem Auto in der Regel schwerere Folgen hat als eine Kollision mit einem Fahrrad, ist unstrittig. Für Fußgänger folgt daraus aber nicht, dass Zusammenstöße mit Radfahrern deshalb akzeptabel oder belanglos wären.
    Etwas skeptisch bin ich auch bei der Formulierung: „Anders als bei Autofahrenden, wird bei uns Radfahrenden allerdings sofort pauschalisiert und für die Fehler Einzelner die gesamte Rad-Community in Haftung genommen.“ Pauschalisierungen begegnen mir nicht nur gegenüber Radfahrenden, sondern auch gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern.
    Wo Du allerdings meine volle Zustimmung hast, ist bei dem Satz: „Was ich nicht will, das mir ein Autofahrer antut, sollte ich auch dem Fußgänger nicht antun.“ Ich würde ihn sogar noch allgemeiner formulieren: „Was ich nicht will, dass mir jemand antut, sollte ich auch keinem anderen antun.“ Der Gedanke gilt nicht nur für das Verhältnis zwischen Rad- und Fußverkehr, sondern genauso zwischen Auto- und Radverkehr, Auto- und Fußverkehr sowie innerhalb der einzelnen Gruppen selbst.
    Vielleicht wäre das sogar einmal einen eigenen Artikel wert: Wie gehen wir Radfahrer eigentlich miteinander um? Auch innerhalb des Radverkehrs erlebe ich regelmäßig Situationen, in denen Rücksichtnahme und Regelakzeptanz zu wünschen übrig lassen.

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    1. Danke für deine Einwände. Ich habe mir dabei überlegt, dass es leider so einen Verkehrs-Bias gibt, also eine Verzerrung der Wahrnehmung, die den Autoverkehr als Schicksal und seine tödlichen Folgen als gegeben und unabänderlich darstellt, während das Verhalten von Radfahrenden beinahe sofort problematisiert wird, auch dann, wenn er oder sie keinerlei Schuld an einem Zusammenstoß hatte. Es ist wichtig, dass wir - wenn wir die Situation von Fußgänger:innen in unserer Verkehrswelt betrachten - nicht dabei stehen bleiben, dass der Radverkehr ein Problem ist. Das eigentliche Problem ist der Autoverkehr. Er ist gefährlicher, er nimmt dem Radverkehr Platz, der dann wiederum den Fußgänger:innen Platz wegnimmt.

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    2. Mir ging es nicht darum, die Bedeutung des Autoverkehrs oder die von Dir beschriebene Wahrnehmungsverzerrung in Frage zu stellen. Mein Punkt war eher, dass die Frage, wie sich Radfahrende gegenüber Fußgänger:innen verhalten sollten, aus meiner Sicht auch dann eine eigenständige Diskussion verdient, wenn der Autoverkehr für viele Konflikte ein wichtiger Hintergrundfaktor ist.

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    3. Die Betrachtung auf der Ebene individueller Verhaltensverantwortlichkeit ist zwar im Generellen m.E. berechtigt (Kant, usw.), allerdings vollzieht sich bei Beschränkung auf diese individuelle Ebene eine grundlegende Depolitisierung der Randbedingungen dieses Verhaltens, welches sich ja notwendigerweise innerhalb des konkreten öffentlichen Raumes und seiner Nutzungsoptionen vollzieht.
      Das Gesamt von Strukturierung der öffentlichen Räume über Gestaltung (Infrastruktur) und Regelwerk (StVO, DOs und DONTs) ist immer auch ein Spiegel der jeweils gültigen historisch gewachsenen Herrschaftsstrukturen, stellt also den Rahmen dar, innerhalb dessen sich die Freiheiten und Beschränkungen des individuellen Verhaltens vollziehen kann und definiert zugleich Wertung und Sanktionierbarkeit des je individuellen Verhaltens.
      Das Stehenbleiben und Disputieren irgendwo auf der Straße, sei es Fahrbahn oder Gehsteig, war vor dem Siegeszug des Automobilismus Normalität. Heute dagegen ist die exakt gleiche Verhaltensweise ein Eingriff in den Straßenverkehr, und wird zB über das Nötigungsdelikt mit hohem Strafmaß versehen.
      Das Queren der allgemeinen Fahrbahn vom Pferdemist-freien Gehwege aus vollzog sich zunächst bei freier Streckenwahl mit Vorfahrt der Fußgehenden, bis das sich etablierende Regime des 'Automobilismus' mit Primat des MIV zunächst die Vorfahrt umkehrte, und sodann dem Fußverkehr sogar jegliche Aufenthaltsrechte jenseits der schnell und auf kürzestem Wege (90°) zu bewerkstelligen Querung entzog.

      Anschlie0end verbreiterten sich - über den Entzug der Fahrbahnnutzung (bzw. der generellen Straßennutzung) hinaus - die Fahrbahnen und verschmälerten sich die Fußwege, so dass die Verhaltensoptionen der vielen Gehenden, Stehenden und Schwatzenden sukzessive geschmälert und die Verhaltensoptionen der (wenigen aber reichen) Automobilisten drastisch erweitert wurden.
      Man kann auch von einer Usurpation der ehemals allgemeinen öffentlichen Räume durch das Automobil, durch seine Fahrer und Hersteller sprechen. Zugleich wurde damit ein gesellschaftlich wichtiger Kommunikationsraum zerstört, die Menschen begannen ihre Nachbarn nicht mehr zu kennen, das öffentliche Disputieren zog sich in die Wohnstuben zurück, später dann in die Single-Appartements und die virtuellen 'Räume'.
      Der öffentliche Raum 'Straße' war seit dem Siegeszug des Automobils nicht mehr Agora und allgemein zugängliche Verfügungsfläche, sondern wurde zum restriktiven von Lärm und Abgas dominierten Verkehrsraum degradiert, mit extremem Freiheitsentzug gegenüber allem Nicht-Automobilen.
      Vormals 'normale' Verhaltensweisen des immer noch weitaus majoritären(!) Fußverkehrs wurden zur Regelübertretung, ein Regelverstoß entweder mit dem Tode durch Rammen/Überfahren (vormals Mord durch Automobilisten, dann selbstverschuldeter 'Unfall' dreister Fußgänger) oder mit Ordnungsstrafen versehen.
      Das individuelle Verhalten ist also sinnvollerweise nicht ohne die Einbettung in ein jeweiliges Dispositiv von Raum und Regel beurteilbar.
      Raum und Regel bieten, als Spiegel von Herrschaftsverhältnissen, den vielleicht auch als 'politisch' zu charakterisierenden Rahmen von Verhalten und Verantwortlichkeit. Das Ausblenden dieser die Herrschaftsverhältnisse repräsentierenden und sichernden Randbedingungen ist im Kern eine herrschaftsstabilisierende auf Status-Quo Erhalt zielende Argumentationstaktik, die statt Verantwortlichkeiten auf den unterschiedlichen Ebenen zu analysieren, diese über die Ausschließlichkeit von Individualisierung verschleiert und weitgehend unkenntlich macht.
      'Raum' ist nicht nur auf geostrategischer Ebene ein Feld von Herrschaft, Verfügungsgewalt und Usurpation, sondern auch im Mikrokosmos unserer städtischen Strukturen und überregionalen Verbindungswege.
      Herr/Knecht, Gewalt/Gegengewalt, Kollektivität/Vereinzelung, Usurpation/Rückzug sind geeignetere Zugriffe, als der Verweis auf individuelle Verantwortung unter Gleichen.
      Ungleiches ist nicht als Gleich zu behandeln oder als solches zu analysieren.
      Alfons Krückmann

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    4. Wie meist treffend charakterisiert. Allerdings bewegen wir uns alle in diesem Rahmen und den wenigsten dürften die zugrunde liegenden Bedingungen bekannt und bewusst sein. Was also tun, den MIV verdammen? Im Kapitalismus der Beschleunigung nicht machbar - zumindest für die Massen. Also arbeiten wir uns an Symptomen ab - zur Linderung und nicht zur Heilung.

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    5. "den wenigsten" ?
      Grundlegende Änderungen bis hin zu regelrechten Revolutionen wurden meist von 'wenigen' angeregt und durchgeführt.
      "verdammen" ?
      Autoverkehr und LKW/Lieferverkehr erfüllen m.E. zu einem gewissen Prozentsatz durchaus wichtige Funktionen. Knoflacher schlägt vor den privaten Autoverkehr auf ein verträgliches Level von 5-10% von heute abzusenken. Dann werden, neben der Entlastung für Umwelt, Klima, Gesundheit auch die öffentlichen Räume wieder sozial angemessen, quasi 'artgerecht' gestaltbar.
      Der Lärm, und damit zugleich das Stresslevel in der Bevölkerung, sinkt ab, was auch ein nicht zu vernachlässigender Faktor ist.
      Neben der ja von allen Seiten seit Jahrzehnten in Sonntagsreden geforderten Verringerung muss der MIV aber vor allem domestiziert werden und kollaborativ statt usurpatorisch-aggressiv in das Mobilitätssystem eingepasst werden.

      Das Fass 'Kapitalismus' möchte ich an dieser Stelle eher nicht aufmachen.
      Auch unabhängig vom jeweiligen Wirtschafts- Gesellschaftssystem ist die Massenautomobilisierung ja extrem kontraproduktiv. Um viele Menschen kosteneffektiv und in hoher Kapazität flott zu transportieren sind schienengebundene Systeme plus letzte Meile ÖPV/Rad dem Autoverkehr extrem überlegen, wie sich zB in den dichten Zentren von Japan und China längst gezeigt hat. Lässt sich auch gut mit Ansätzen von zB 15-minuten Stadt kombinieren, da der zersiedelnden 'grünen Wiese' der Nährboden entzogen wird.
      Nicht ohne Grund erlebt der Schienenverkehr in Frankreich - trotz Kapitalismus- vielerorts eine neue Blüte.
      Funktioniert halt deutlich besser und ist insgesamt viel kostengünstiger als der disfunktionale Massenautomobilismus. Von den Gesundheitskosten usw. mal ganz abgesehen ...
      Alfons Krückmann

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  12. Kleine Ergänzung:

    Ich meine damit natürlich nicht die Einzelnen aus der Verantwortlichkeit ihres Verhaltens zu nehmen, insofern ist das keine direkte Gegenrede.

    Die "eigenständige Diskussion" sollte sich allerdings m.E. nicht unter Ausblendung der Randbedingungen (Automobilismus) vollziehen, da man sonst allzu leicht in Gefahr gerät nicht über die wohlfeilen Empfehlungen von Polizei/ADAC/Verkehrswacht usw. nach 'gegenseitiger Rücksichtnahme' innerhalb der bestehenden (falschen) gewalthaften Hierarchie hinaus zu kommen.
    Ich sehe das Verhältnis Rad/Fuß in erster Linie durch sowas wie eine 'Opfergemeinschaft' charakterisiert. Beide Gruppen wurden in Bezug auf Raum und Recht marginalisiert, und nicht nur das, sie wurden und werden durch die Teilung der Gehwege in Rest-Gehweg und Hochbordradweg zum Nutzen des Autoverkehrs quasi aufeinander gehetzt.
    In diese Kategorie gehört auch das Eindringen des quirligen und immer stärker motorisierten und an Breite zulegenden Radverkehrs in die öffentlichen Flanier- und Debattenräume, die Gehwege, Parks und Wanderwege, wie es ja von den Stadtplanern und Planerinnen so regelmäßig und bereitwillig, womöglich unter dem Label von 'Verkehrswende', vollzogen und verordnet wird.
    Die Perspektive 'von unten', vom physisch schwächsten Glied aus, etwa dem spielenden und erkundenden Kind, den Flaneuren, den Blinden, den Händchen haltend schlendernden Liebenden, den Rolli-Fahrer:innen, den gebrechlich zur Bushaltestelle oder zum Einkaufen, zum Arzt laufenden älteren Menschen ist am geeignetsten um den Charakter von Raum als Herrschaft vor Ort erfassen zu können, und um Gespür und Perspektiven für eine Verkehrswende nach menschlichem Maß zu entwickeln.
    Es braucht eine umweltgerechte und soziale (-> Einsamkeit als neue Epidemie? -> destruktive Polarisierung durch Nicht-Kommunikation? -> Öffentlichkeit als Angstraum?) Verkehrswende, die nicht, wie so oft, den Radverkehr halbherzig priorisiert OHNE dabei die heutigen oft grundlegend problematischen Verkehrs- und Raum-Verhältnisse besser, menschlicher, gedeihlicher, fairer zu gestalten.
    Der Entzug der kommunikativen und sozialen Funktion des öffentlichen Raumes, die Zerstörung funktionierender Nachbarschaftlichkeit, geschieht ursächlich und am radikalsten durch den Autoverkehr, aber auch zB ein Radschnellweg zerstört, falsch geplant, potentiell kommunikative freie Räume, bringt also Menschen in Konflikt statt in Kommunikation.
    Ob die im Artikel vorgeschlagene weitgehende Trennung von MIV, Rad und Fuß eine one-size-fits-all Lösung ist?
    Ich habe da Zweifel.
    In NL-Städten zeigt sich, bedingt durch die erwartbar stark ansteigenden Unfälle und Todesfälle im Radverkehr, längst, dass die Diversifizierung des Radverkehrs innerhalb der 'Denke' von Separation schnell eine weitere Separation nötig macht:
    - Muskelradverkehr mit T20 auf langsame Radwege
    - Schneller und motorisierter Radverkehr auf eine weitere Kategorie von Radwegen ohne Tempolimit
    Das ergibt dann bereits drei bis vier Separtionsräume mit jeweiligen Mindestbreiten für den Fahrverkehr:
    - MIV
    - Rad schnell
    - Rad langsam
    - ggf. ÖPNV
    Was bleibt in unseren bebauten Städten für den Fußverkehr und den entspannt plauschenden 'Stehverkehr' (Kommunikation)?
    Unsere alternde Gesellschaft braucht auf den Gehwegen längst viel mehr Sitzbänke und nicht etwa noch mehr Radverkehr!
    Es sollte viel stärker in Richtung eines vom Fahrverkehr befreiten Geh/Kommunikationsraumes, sowie eines dualen Systems für den Radverkehr gedacht werden, auch wenn dann bei domestiziertem MIV die Geschwindigkeit, die Reisezeit und damit der Erreichbarkeitsradius des MIV absinkt.
    Die Randbedingungen von Raum und Regel müssen geändert werden. Viele Fehlentwicklungen müssen rückabgewickelt werden.
    Genau das, sinkender Erreichbarkeitsradius für den MIV, ist doch eh zwingend notwendig, wenn in Richtung einer funktionierenden umweltgerechten Verkehrswende geplant werden soll.
    Die Konzepte sind ansatzweise da, zB Straßen konsequent von außen nach innen planen. Wird mittlerweile fast überall gelehrt aber nirgendwo angewendet.
    Alfons Krückmann

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  13. Zum Kampf um den öffentlichen Raum:
    https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.gewalttat-in-esslingen-radfahrerin-touchiert-fussgaenger-mann-schlaegt-brutal-zu.b6533fce-eece-43db-a12f-ba0f080612ed.html

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  14. Meiner Erfahrung nach ist das meistens ein Platzproblem. Der Radverkehr wird oft sehr lieblos irgendwo zähneknirschend in den Verkehrsraum mit rein gesteckt. Das macht den Alltag Radverkehr nervig - und zwar für alle Beteiligten. Man stelle sich vor, Autos und Fußgänger müssten sich die Wege teilen und der Radverkehr hätte den exklusiven Teil des öffentlichen Raumes. Das würde auch nicht wirklich gut funktionieren - auch wenn die schweren Unfälle dadurch enorm zurück gehen würden.

    Dabei wäre der Platzbedarf, der dafür notwendig wäre, um einen sicheren Radverkehr zu ermöglichen, viel kleiner als der für Autos. Eine wirklich sinnvolle Lösung wäre es deshalb, Innerorts alle Straßen zu Fahrradstraßen umzugestalten und diese, wenn möglich, für Autos und Motorräder zur Mitbenutzung frei zu geben.
    Dann hat der Radverkehr genügend Platz und rückt niemandem mehr zu sehr auf die Pelle - außerdem würde das viele Milliarden Euro jährlich einsparen, weil die externen Kosten, die der PKW-Verkehr durch Personenschäden verursacht, zu einem Großteil Innerorts entstehen. Hier reden wir über 50 bis 80 Milliarden Euro im Jahr. Ganz zu schweigen von den Schicksalen, die dahinter stehen.

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  15. Die Diskussion hat sich inzwischen recht weit vom Ausgangspunkt des Artikels entfernt. Inzwischen wird sehr viel über Ursachen und Rahmenbedingungen gesprochen. Das ist sicher nicht falsch und gehört auch dazu, wurde in dieser Tiefe aber schon mehrfach im Blog thematisiert.

    Die eigentliche Frage des Artikels gerät dabei etwas aus dem Blick. Er begann damit, warum sich Fußgänger über Radfahrer ärgern. Inzwischen geht es vor allem um den Autoverkehr und seine Folgen, mit allen Facetten von physikalischen Exkursen bis hin zu Herrschafts- und Raumtheorien.

    Ich finde es aber wichtig, dass die Frage der individuellen Verantwortung dabei nicht in den Hintergrund gerät.

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    1. Die individuelle Verantwortung reduziert sich innerhalb eines Systems der Umverteilung von Raum, von Zugang und Möglichkeiten, von Status etc. von unten nach oben, wie es bes. A. Krücknann detailliert beschreibt, auf ein absolutes Minimum.
      Natürlich möchten die Profiteure eines solchen Systems, und diejenigen die sich zumindest dafür halten, auch wenn sie in Wahrheit selbst zu den Opfern gehören, glauben machen, die individuelle Verantwortung sei der entscheidende Punkt. Um diese individuelle Verantwortung selbst dann bei nächster Gelegenheit aus dem Fenster zu werfen, nach dem eigentlichen Grundprinzip dieses Systems "Regeln für dich aber nicht für mich".

      Dergleichen hört man ja auch auch Zusammenhang mit der Bekämpfung anderer Krisen. So haben die großen Emittenten von Klimagasen es besispielsweise lange geschafft, dem kleinen Bürger einzureden, seine individuellen (Kauf)Entscheidungen seien verantwortlich für die Krise (das was G. Monbiot so treffend als micro-consumerist bollocks bezeichnet), und damit zugleich auch noch den Widerstand und die Demotivation ausgelöst, die ihnen noch zusätzlich in die Karten spielt.

      Gerade darum geht es bei diesen und ähnlichen Themen, die systematischen Zusammenhänge aufzuzeigen, in denen sich individuelles Verhalten abspielt, und die dieses konditionieren. Dieses ständige "Ja, aber..." ist nicht zielführend.

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