Fünf Tage im Jahr verbringen wir also im Stau. Wer an 180 Tagen im Jahr morgens und abends zur Hauptverkehrszeit zur Arbeit und nach Hause fährt, braucht für den Weg fünfzig Prozent mehr Zeit als außerhalb der Rushhour.
Wenn man davon ausgeht, dass jemand bei staufreier Straße 30 Minuten für den Weg braucht, braucht er/sie im abendlichen und morgendlichen Berufsverkehr dafür grob gerechnet 45 Minuten. Auf 180 Tage hochgerechnet sind das 90 Stunden Stauzeit, also immer noch fast vier volle Tage, die Nacht mit eingerechnet (oder 11 Arbeitstage), die er oder sie in einem Auto sitzt, das nur sehr langsam vorankommt. Vier oder fünf Tage und Nächte im Jahr sind ein kurzer Urlaub.
Schnelligkeit und Zeitgewinn ist alledings kein Wert an sich. Auch wenn wir immer so tun, als hätten wir es eilig und müssten für irgendetwas Zeit einsparen, ist gerade für Autofahrende der Zeitfaktor offensichtlich unerheblich. Das klingt zwar paradox, versuchen doch die meisten Autofahrenden, so schnell wie erlaubt (gern auch schneller) zu fahren und rechnen wir uns doch immer vor, das Autos sei unser schnellstes Verkehrsmittel. Auf 5 km ist man mit dem Rad in der Stadt aber immer schneller, und das ist manchen zu schnell. Untersuchungen zeigen, dass vielen Menschen die Pausen zwischen Arbeit und Zuhause allein im Auto sehr wichtig und Staus deshalb ziemlich egal sind. Es kommt darauf an, wie lange wir unterwegs sind. Früher ging man fünf Kilometer zu Fuß, mit dem Fahrrad kam man weiter, aber die Zeit, die wir als angemessen für einen Weg zur Arbeit empfinden, blieb gleich. Heute kommen wir in dieser Zeit, die wir investieren wolle, um woandershin zu gelangen, halt einfach weiter. 45 bis 80 Minuten am Tag dürfen es ruhig sein, und wenn ein Stau dazu beiträgt, dann scheint das okay. Wäre den Leuten das zu lang, würden sie anderes Verkehrsmittel wählen, wenn der Arbeitsweg um die 10 Kilometer beträgt. Das Fahrrad erscheint diesen Leuten nicht als Alternative.
Sie fordern gern mehr und breitere Staßen und Grüne Wellen, Autobahnen und Umgeheungsstaßen.
Aber - das wissen wir schon lange - der Bau von neuen oder breiteren Straßen ist kein Gewinn. Eine neue Straße füllt sich rasch, und dann steht man dort auch wieder im Stau. Straßen erzeugen Autoverkehr. Jede Umgehungsstraße führt dazu, dass noch mehr Menschen das Auto nehmen, die einen nutzen die Umgehungsstraße, die anderen fahren durch den Ortskern, der ja jetzt leerer sein müsste, was er aber bald nicht mehr ist. Aber selbst dann, wenn das Verkehrsaufkommen gleich bleibt, kann eine neue Straße dazu führen, dass sich für alle Autofahrenden die Fahrdauer erhöht und die Situation verschlechtert (Braess-Paradoxon). Straßenbau hilft überhaupt nicht, um Stau zu vermeiden. Dagegen kann die Sperrung einer Straße Stau und Verkehrschaos verringern. Wir dürfen nämlich davon ausgehen, dass wir etliche Straßen in unserem Verkehrsnetz haben, die dem Braess-Paradoxon unterliegen. In Stuttgart war das beispielsweise die Königstraße, die heute Fußgängerzone ist. Und hilfreicher als Grüne Wellen für den Autoverkehr, die ja immer nur eine Richtung bevorzugen, ist Tempo 30 in der ganzen Stadt. Das verbessert den Verkehrsfluss und mindert Stau, verlängert aber nicht die Reisezeit in einer Stadt.
Stau entsteht durch Autofahrende, die den schnellsten Weg suchen.
Wer im Stau steht, ist der Stau und ein Grund dafür, dass es ihn gibt. Grund für Steh- und Wartezeiten in der Stadt sind nicht die Ampeln (die werden zur Hauptverkehrszeit von der Verkehrsleitzentrale angepasst), sondern jeder Autofahrer und jede Autofahrerin, der/die selbst am schnellsten durchkommen möchte. Das Schleichwegfahren erscheint dann als Verkürzung, ist es aber nicht. Denn der Schleichverkehr staut sich dann an Ampeln, die nur drei Autos durchlassen.
Viele der Autofahrenden könnten mit dem Fahrrad fahren.
Nicht alle, darum geht es nicht, aber viele, deren Weg zur Arbeit nur fünf bis zehn Kilometer beträgt. Sie nützen dann immer noch ein Individual-Verkehrsmittel, nur eben eines, das weniger Platz einnimt, überall durchkommt und mit dem man sogar schneller und immer pünktlich ankommt. Die meisten fahren aber nicht mit dem Fahrrad, obgleich sie es könnten.
Gewohnheits-Autofahrende müssen eine hohe Hürde überwinden, um das Fahrrad zu nehmen.
Die meisten kennen das Radfahren von Freizeitaktivitäten. Offenbar fühlt man sich da gelassener und eher bereit, Wegsuche und Komplikationen in Kauf zu nehmen. Der Weg zur Arbeit darf aber keinerlei Hindernisse und Irrfahrten vorhalten. Dazu muss man ihn jedoch kennen. Radstrecken aber sind vom Auto aus meist nicht sichtbar. Man kennt sie nicht. Den Weg zur Arbeit müsste man also erst einmal an einem Sonntag abgefahren sein und ausprobiert haben. Aber will man am Sonntag zum Arbeitsplatz radeln? Und so verschiebt man die Wegsuche immer wieder. Und dann trifft man am Morgen eben auch nicht spontan die Entscheidung: Heute nehme ich mal das Fahrrad. Während die Autofahrt Routine ist, sind die ersten Radfahrten zur Arbeit ungewohnt und ein neues Abenteuer.
Selbst versierte Freizeit- und Sport-Radfahrer/innen müssen sich überwinden, zur Arbeit zu radeln, wie Andrea im Jahr 2020 erzählt (wobei ihr Weg 20 km beträgt). Radfahren zur Arbeit ist nämlich ein grundlegender Wechsel im Alltagsmodus, eine ziemlich tiefgreifende Verändung des Lebens: Aus dem warmen Kasten mit Radio hinaus ins Wetter und unter Leute. Man braucht auf einmal ganz andere Kleidung. Man wird anderen Reizen und Gefühlen ausgesetzt. Man ist plötzlich mitten in der Welt, nicht mehr von ihr abgekapselt. Wer die Kapsel Auto als Pausenraum zwischen sich und er Arbeit schätzen gelernt hat, kann sich nur schwer vorstellen vorstellen, dass die Radfahrt ein Kurzurlaub zwischen Arbeit und Zuhause ist. Wer sich nach der Arbeit fallen lassen möchte (in den Fahrersitz), kann sich nicht vorstellen, dass das aktive Radfahren viel entspannender und erholhsamer ist als das Autofahren. Er/sie sieht nur die Anstrengung (und redet sich mit den Gefahren des Radfahrens und Regentagen raus). Es ist eine unsichtbare aber sehr hohe Hürde, die zwischen gewohnheitsmäßigem Autofahren und der Freiheit des Radfahrens steht. Wer sie nicht überwunden hat, kann nicht beurteilen, welche Vorteile das Radfahren auf diesen typischen Berufs-Pendlerstrecken von 4 bis 10 km hat.
Ich erlebe es oft, dass ich notorischen Autofahrenden nicht vermitteln kann, dass meine kleinen Strecken durch die wirklich nicht große Stadt Stuttgart viel netter mit dem Fahrrad sind als mit dem Auto, dass Regen nicht schlimm ist und dass man bei unseren meist eher sanften Wintern auch nicht erfriert. Mnache bedauern mich, wenn sie zu ihren Autos gehen und ich mir den Helm aufsetze. Sie können sich nicht vorstellen, dass ich Spaß habe. Oder dass ich noch schnell Nahrung für drei Tage einkaufe (die meisten Autofahrende denken in Großeinkäufen und Sprudelkisten).
Ich glaube, dass die Aussicht auf die Freiheit vom Auto eher erschreckt als verlockt.
Leider ist unsere Radinfrastruktur immer noch sehr mangelhaft und macht Ungeübten keinen Mut, das Fahrrad zu nehmen.




Ich beobachte immer wieder, das Autofahrende deutlich zu schnell durch eine 30-Zone ballern, um den "Zeitgewinn" an der nächsten Abbiegung nach rechts trotz Vorfahrt wieder zu verschenken, weil man es nicht rafft, dass man Vorfahrt hat und nicht ewig nach links schauen braucht! 🤔🤦
AntwortenLöschenDa stimmt so vieles nicht. Autofahrer kaufen tatsächlich sehr oft nur Kleinigkeiten im Supermarkt. Das können sie in der Hand tragen oder in einer Tasche.
AntwortenLöschenDie zweite Ausrede mit dem Regen - oft kann man das Tröpfeln als Radfahrer einfach ignorieren. Aus Autofahrersicht mit der schrägen Windschutzscheibe ist da schon fast Weltuntergang.
christo.
Die Mär, dass Radfahren in Städten bis 5 km immer schneller ist als Autofahren, wird hier gern wiederholt. Das mag für diverse Strecken stimmen, bei weitem aber nicht für alle. „Immer“ ist schlicht falsch.
AntwortenLöschenDoch, es stimmt wirklich fast immer, sogar bei längeren Strecken. Ich bin mal nachts - kaum Autoverkehr - gleichzeitig 4 km entfernt mit dem Rad zu einem Ziel gestartet, habe mich mit den Rad auch noch verfahren und bin gleichzeitig mit dem Auto, das mit mir gestartet war, am Ziel angekommen und hatte mein Rad abgestellt, als die aus dem Auto ausstiegen. Ich bin mal von einem Porschefahrer beim Ausparken ausgebremst worden, bin meines Wegs gefahren - 6 km - und hatte in der Neckarstraße denselben Porsche wieder vor mir. Er bog später in eine Seitenstraße ab und stieß die Fahrertür auf, just, als ich vorbeifahren wollten, und wieder musste ich bremsen. Und ich bin vom Zentrum zum Hafen Stuttgart mit dem Rad gleichzeitig mit anderen in Autos aufgebrochen und war lange vor denen dort, noch länger übrigens vor denen, die die Stadtbahn nahmen.
LöschenIhre Beispiele zeigen, dass Radfahren auf vielen Strecken schneller sein kann als Autofahren – das bestreite ich überhaupt nicht. Sie belegen aber weder die Aussage „Auf 5 km ist man mit dem Rad in der Stadt immer schneller“ noch die nun von Ihnen verwendete Abschwächung „fast immer“.
LöschenAus meiner persönlichen Erfahrung kenne ich allerdings auch Beispiele, die zeigen, dass es keineswegs immer so ist. Erst heute: weniger als 3 km zum Baumarkt – meine Frau mit dem Auto, ich mit dem Fahrrad. Raten Sie, wer zuerst da war. Ich war’s nicht.
Vielleicht sollte jeder für seine eigenen Strecken selbst ausprobieren, ob Rad oder Auto tatsächlich schneller ist, statt einer vermeintlichen Wahrheit blind zu folgen. Und selbst wenn sich dabei ein Zeitvorteil für das Auto ergibt, kann anschließend immer noch jeder selbst entscheiden, ob er diesen überhaupt nutzen möchte.
Mit Verlaub: Was für ein unsinniger Schluss – Autofahrende lieben den Stau, denn sonst würden sie ja Fahrrad fahren. Wer eine bestimmte Situation nicht vermeidet, muss sie offenbar lieben. Eine bestechende Logik.
AntwortenLöschenDu vermeidest sie ja nicht. Wenn du sie vermeiden wolltest, könntest du Fahrrad fahren. Allerdings ist ein anonymer Kommentar abwertend, weshalb ich ihn demnächst lösche. Hier gilt die Regel, dass wir wertschätzend miteinander reden.
LöschenDass jemand eine Situation nicht vermeidet, bedeutet noch lange nicht, dass er sie liebt. Genau diesen logischen Sprung kritisiere ich. „Du könntest Fahrrad fahren“ setzt zudem voraus, dass das Fahrrad für die betreffende Person nicht nur praktisch geeignet und zumutbar ist, sondern dass sie überhaupt Fahrrad fahren möchte. Selbst wenn all das gegeben wäre, folgt aus der Entscheidung fürs Auto lediglich, dass man dessen Nachteile in Kauf nimmt – nicht, dass man den Stau liebt. Nicht jede Entscheidung gegen eine Alternative ist schließlich eine Liebeserklärung an die gewählte Option.
LöschenZu Ihrem Hinweis „Allerdings ist ein anonymer Kommentar abwertend“: Auf dieser Seite finden sich mehrere andere anonyme Kommentare. Werden diese nun ebenfalls gelöscht, oder gilt diese Regel nur für anonyme Kommentare, deren Inhalt der eigenen Position widerspricht?
Ja, der Untergang des Abendlandes ist alternativlos.
LöschenUnd das nur, weil wir, was wir nicht lieben, nicht aufgeben können.
christo.
Entschuldigung, Christine.
"wertschätzend miteinander reden" bedeuted also dir zuzustimmen? Eine bestechende Logik!
LöschenLiebe Christine,
LöschenDu beschreibst in Deinen Beiträgen viele wahre und gute Dinge.
Allerdings bin ich auch nicht immer 100%ig Deiner Meinung. Ich denke, das ist ja auch gut so, dass jeder seine eigene Sichtweise auf bestimmte Dinge hat und dadurch unterschiedliche Meinungen entstehen.
Und darüber zu schreiben und zu diskutieren ist wichtig. Dass dies alles in einem ordentlichen Rahmen bleiben muss, muss selbstverständlich sein.
Kommentare lässt Du grundsätzlich auch anonym zu - das ist gut. Aber ich finde es doch kritisch, wenn man einen anonymen Artikel pauschal als abwertend "abstempelt" und ihn daher "demnächst löschen" wird.
Ich sehe jedoch keinerlei Anfeindung, Beleidigung oder Abwertung in dem obigen anonymen Kommentar.
Solch eine Aussage - egal ob richtig oder falsch- muss man aushalten können und man kann ja im Zweifel auch etwas gegenschreiben. Aber einfach löschen, weil dieser Kommentar nicht den Artikel "unterstützt" halte ich für kritisch.
Dann sollte man eher konsequent die Möglichkeit der anonymen Kommentarfunktion abschalten. Das geht ja nämlich auch.
Liebe Grüße
Markus
Lieber Markus, ich versuche, es so zu machen, dass sich meine Kommentator:innen hier nicht zu sehr über - sagen wir mal - feinselige oder auch nicht qualifizierte und dabei auf Radfahrende schimpfende Kommentare ärgern. Ein Abwertung ist immer dann gegeben, wenn jemand schreibt "das ist Schwachsinn" oder "das ist dummes Zeug" oder "was für ein unsinniger Schluss", weil - das ergibt sich ja aus der Wortwahl das Urteil "dumm", "schwachsinnig", "unsinniger Gedanke" etc ja keine anerkennende oder neutrale Worte sind, sondern pauschal abwertende. Ich habe manchmal den Eindruck, dass es Leute gibt, die der geschriebenen Sprache nicht recht trauen. Sie würden mir nie ins Gesicht sagen: "So ein Schwachsinn, was du da schreibst", weil sie dabei sehen, dass ich unangenehm berührt oder verärgert reagiere. Ich finde, wir können unsere unterschiedlichen Meiniungen auch freundlich austauschen, so wie du es hier gerade getan hast. Und die Möglichkeit, die anonyme Kommentarfunktion abzuschalten, kenne ich. Aber das würde viele meiner regulären Kommentator:innen ausschließen, die sich nicht über Google angemeldet haben.
LöschenIch finde, hier sollte zwischen einer persönlichen Abwertung und der Kritik an einer Aussage unterschieden werden. Mein „Was für ein unsinniger Schluss“ bezog sich auf die Argumentation, nicht auf Sie als Person.
LöschenGerade bei unterschiedlichen Meinungen sollte es möglich sein, eine Argumentation auch einmal deutlich als falsch, unlogisch oder eben unsinnig zu bezeichnen, ohne damit den Gesprächspartner persönlich abzuwerten.
Etwas verwundert bin ich allerdings darüber, dass Sie selbst in Ihrem Blog von „unsinnig“ sprechen, etwa bei „unsinnig abgestellten Schildern“ oder einem „unsinnigen Schrittgeschwindigkeitsgebot“. Wenn „unsinnig“ bereits als persönliche Abwertung gilt, müsste das dann nicht auch für die eigene Wortwahl gelten?
Im Beitrag wird die minimal provokante Formulierung der Überschrift ja relativiert: aus "lieben den Stau" wird, scheint nicht so krass zu stören, dass man sich Alternativen überlegt.
LöschenDas stimmt so auch nicht mehr immer. aber es stimmt bei vielen eben doch.
Der Stau wird als unvermeidbares Ereignis wie der abendliche Sonnenuntergang angenommen, obwohl es Alternativen gibt. Und mach einer führt dann seltsame Argumente an, warum z.B Radverkehr keine Alternative ist. (Transport großer Gegenstände die man ehrlicherweise selten transportiere muss und eben schlechtes Wetter) und oft werden diese Agrumente nicht nur als Grundlage der eigenen Entscheidung sich doch lieber den Stau zu stellen formuliert, sondern werden als allgemeingültig dargestellt. So, dass alle die trotzdem mit dem Rad fahren irgendwie seltsam sein müssen oder eben der Meinung die Welt retten zu müssen.
Also stimmt zwar die Aussage der Überschrift nicht, aber es bleibt, dass die Entscheidung für das Auto eben keinesfalls so rational ist wie viele immer tun.
Autofahren ist teuer und oft nicht schneller,
„Minimal provokante Formulierung“ – netter Versuch.
LöschenIch habe den logischen Sprung kritisiert, aus der Entscheidung fürs Auto abzuleiten, man würde den Stau lieben. Dieser Schluss wird durch Ihre Ausführungen nicht plausibler.
... dann ist es eben so, dass man im Stau stehen nicht so unangenehm findet, dass man darüber nachdenkt wie es sich vermeiden ließe im Stau zu stehen.
LöschenIst evlt keine Liebe aber eben offensichtlich kein Hass, denn es gibt ja in den meisten Fällen Alternativen. Regelmäßiger Stau ist sehr selten etwas was man auf Strecken erlebt, für die es keine Alternative gäbe. zumindest wenn man P&R mit als Möglichkeit betrachtet.
Die Formulierung kann man ja mal als Motivation verstehen darüber nachzudenken ob man selber evlt seine Stauzeit reduzieren könnte, wenn man schon nicht gern im Stau steht.
Wobei ich sogar nachvollziehen kann, dass man zwischen Bürozeit und Familienzeit so ein bisschen Zeit alleine im Auto durchaus genießen kann.
Ich fahre halt Rad, nicht immer Schneller auf meiner Strecke aber im Schnitt auch nicht langsamer und sehr gut als Regenerationszeit geeignet, auch bei schlechtem Wetter.
Ivan Illich hatte schon vor über 50 Jahren ausgerehchnet, dass der Autofahrer sich alles in allem mit ca. 6 km/h fortbewegt.
AntwortenLöschenUnser eines Auto hat sich auf den letzten 6000 km im Schnitt mit 42 km/h bewegt.
LöschenEs wird im Umland für kurze und Mittlere Strecken eingesetzt, Langstrecken kann der kleine nicht ( zu wenig Reichweite ist ein älterer E )
In die große Stadt fahren wir so gut wie gar nicht mit dem Auto (München)
Du bietest ein tolles Beispiel fürs Schönrechnen der eigenen Karre. Oder wie kommst du auf die 42?
LöschenEs handelt sich bei Illich nicht um eine banale Durschnittsgeschwindigkeit, sondern um das, was er effektive oder soziale Geschwindigkeit nennt.
Löschenwie ich auf 42 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit komme: Statistikfunktion des Bordcomputers, gleich neben dem durchschnittlichen Energieverbrauch und der insgesamt gefahrenen Strecke seit Reset.(aktuell ca 6000 km)
LöschenWie gesagt: Fahrzeug wird im Umland, nicht in der Großstadt bewegt, bei uns ist Stau wenn man bei der zweiten Ampelphase nicht hinter der Kreuzung ist, und zähfließend wenn man im radfahrenden Schülerpulk bis zum Schulcampus fährt. Allerdings sind wir schon lange in der Arbeit wenn die Schüler durch den Ort radeln. Die Hauptstrecken sind zwischen den Orten die öffentlich schlecht verbunden sind aber der Ort der Sportstätte für eines der Kinder sind, also 7km durch den Wald statt 1:30 mit dem Bus der nur stündlich fährt.
Wenn ich z. B. auf dem Weg von der Arbeit täglich noch ein Kind kurz vor Schluss in der Kita xy abholen muss und z.B. die A81 Teil der Pendelstrecke ist, könnte ich erleben, was es heisst, wenn mir die Zeitsouveränität abhanden kommt. Aber hey, ich habe Radio, Podcasts, Sitzheizung und Klima und allen erdenklichen Schnickschnack - und die Karre hat untenraus ein Drehmoment... Die Zeitverzögerungen durch den täglichen Verkehrsinfarkt haben die meisten längst unbewusst mit eingepreist. Warum sollte man es ihnen verdenken, dass sie das immersive Erlebnis Auto um nichts in der Welt in Frage stellen. Industrie und Teile der Politik tun viel dafür, dass das genau so bleibt. Platons Höhle ist heute der Innenraum eines Autos. Signale von außen, die auf eine (andere) Wahrheit hindeuten könnten, dringen nicht durch oder machen aggressiv. Drinnen die sog.Technologieoffenen, draußen die sog. Ideologen. Mein Lebenszeitverlust durch Stau in diesem Jahr: 0.00 Stunden. Parkplatzsuche: dito. Die Leitwährung ist m. E. nicht Zeitersparnis sondern Zeitsouveränität. Aber was weiß schon ich. Klar: Autos sind schneller als Fahrräder. Leider geil. Hajö.
AntwortenLöschenDie Zeit in der ich meinte Tochter zum KiGa bringen musste, war die Zeit als ich angefangen habe mit dem Rad in die Arbeit zu fahren.
LöschenKindergarten hat um7:30 geöffnet, ich war frühestens um 7:45 auf dem Weg in die Arbeit und musste am Schulkampus vorbei. Dann auf die A99 um München rum wo ich öfters mal in der Blockabfertigung vor einem der Tunnel stand, Fahrzeit für 25km (Radstrecke, Auto über Autobahn länger): bis zu zwei stunden
Also: Kind in Radanhänger zum KiGa gefahren, Anhänger dort gelassen für den Heimweg (den meine Frau erledigt hat) und mit dem Rad nach München:
Fahrzeit immer zwischen 55 und 65 Minuten außer bei Schneetreiben.
Die Zuverlässigkeit des Rads hat den Unterschied gemacht, Fahrzeit ist planbarer als mit allen anderen Verkehrsmitteln und damit muss ich keine Puffer einbauen.
Die „gähnend leeren weiten Flächen“ außerhalb der Hauptverkehrszeit sind mir auch schon aufgefallen. Kein Mensch im Auto unterwegs! Man könnte sich direkt in die Corona-Zeit zurückversetzt fühlen, wenn nicht gleichzeitig rund um die Uhr Massen von Menschen per Fahrrad auf Radstreifen oder Radwegen unterwegs wären.
AntwortenLöschen„Stau entsteht durch Autofahrende, die den schnellsten Weg suchen.“ Wie heißt dann eigentlich das Phänomen, das manchmal hinter einem langsam fahrenden Fahrzeug, nach einem Unfall, an einer Baustelle oder bei Glatteis zu beobachten ist? Stau kann es ja offenbar nicht sein, wenn man dieser Aussage folgt.
AntwortenLöschendas ist langsam fließender Verkehr, Stau ist es erst wenn man sich im Schnitt mit Schrittempo fortbewegt und gelegentlich steht. Das tut man hinter Langsamfahrern nicht
LöschenJede Person, die sich entscheidet, kein Auto zu nutzen, REDUZIERT zudem den Stau.
AntwortenLöschenDenn alle anderen Formen der Mobilität sind dem Auto bei weitem überlegen, was den Verkehrsfluß betrifft. Verkehrswissenschaftlich belegt.
Es stimmt also NICHT, daß Autofahrer länger unterwegs sein würden, wenn man ihnen eine ihrer vielen Fahrspuren wegnimmt. Im Gegenteil. Fuß-, Fahrrad-, Bus- und Straßenbahn machen Städte nicht nur lebenswerter und grüner, sondern helfen auch dem Autoverkehr, nicht an sich selbst zu ersticken.
Verkehrsdurchsatz einer Straße:
PKWs – 600 bis 1600 Personen pro Stunde
Busse im Autoverkehr – 1000 bis 2800 Personen pro Stunde
Fahrradfahrer:innen auf geschützter Zwei-Wege-Radspur – 7500 Personen pro Stunde
Busse & Straßenbahnen mit eigener Spur – 4000 bis 8000 Personen pro Stunde
Fußgänger auf dem Gehsteig – 9000 Personen pro Stunde
Schnelle Busse, Trams und Züge – 10000 bis 25000 Personen pro Stunde
Zahlen aus einer Studie der National Association of City Transportation Officials, USA
Die meisten Kritiker hier kennen noch nicht mal den Unterschied zwischen Straße und Fahrbahn, von daher ist es nicht überraschend, dass die Aussage "Autofahrer stehen nicht im Stau, sie sind der Stau" nicht verstanden wird.
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