14. August 2017

Von der Schwierigkeit mit dem direkten Weg

So manche Quer- oder Längsverbindung durch Stuttgart ist für Radler nicht vorgesehen.  Dieser Radler nimmt den direkten Weg auf der Fahrbahn. 

Er kommt von der Wolframstraße her, ist unter dem Eisenbahntunnel durchgeradelt (vielleicht auf dem linksseitigen Radweg und dann über die Fußgängerampel auf die Fahrbahn, vielleicht durchgehend auf der Fahrbahn.) Er will zur Neckarstraße. Über die Radwege des Schlossgartens schafft er das nur über sehr lange Umwege. Vielleicht kennt er sich auch so gut gar nicht aus, dass er diese Wege finden würde.

Also ist er auf der Cannstatter Straße geblieben und fährt mit den Autos bei Grün über die Kreuzung in die Heilmannstraße.

Da offenbart sich eine Schwäche der Radstreckenführung durchs Grüne fern der Autostraßen. Vielen lieben die Fahrten durch den Schlossgarten (die Fußgänger hassen es), aber nicht alle wollen spazierenradeln. Manche wollen auch ganz direkt fahren, den kürzesten Weg. Finde ich sogar sehr verdienstvoll, denn sie ersparen den Fußgängern im Schlossgarten damit den Radlerstress. Radstreifen aber bietet man ihnen nicht an. Dabei wäre Platz genug da.

Gefährlich ist so eine Radfahrt übrigens nicht, jedenfalls nicht gefährlicher als das Radeln durch den Schlossgarten mit seinem Fußgänger und teils chaotischem Radverkehr. Im Längsverkehr wird der Radler von Autofahrern gut gesehen.

Auf der Karte rechts unten sieht man weiß den direkten Weg und grün einen Umweg, der so weit ist, dass er von der Karte verschwindet. Man kann sein Fahrrad übrigens noch über die Fußgängerbrücke am Neckartor (wo die Messstation ist) schieben. Manche radeln da auch, aber es ist kein bequemer Weg für Radfahrende, man landet an einer Z-Sperre und schließlich wie ein Fußgänger am Fußgängerüberweg an der Neckarstraße. Ich staune immer wieder, wie viele Radler, die Brücke dennoch nehmen. Ein Zeichen dafür, dass die direkte Verbindung als Radspur auf der Fahrbahn fehlt.

Übrigens sagen immer viele, die entweder nicht Fahrrad fahren oder eher am Wochenende oder die für sich praktikable Grünwege zu Verfügung haben, es wolle doch niemand neben den Autos radeln, deshalb brauche man entlang der Hauptstraßenachsen auch keine Radstreifen, Radwege oder Angebotsspuren (Sicherheitsspuren). Aber Radler sind verschieden, und manche wollen den direkten Weg radeln, weil er am Kürzesten ist. Vor allem Radler, die fremd in der Gegend sind und die Geheimtipps nicht kennen. An Autofahrbahnen stehen nämlich wenigstens Wegweiser.

Kommentare:

  1. Radwegebenutzungpflicht besteht, wenn ein Radweg vorhanden ist und erkennbar in die Richtung führt, in die man fahren möchte. Das ist es oft dort nicht, wo der Radweg irgendwo rechts auf den Gehweg geführt wird und man dann suchen darf.

    Wie komme ich hier geradeaus?
    https://goo.gl/maps/jAmscYoHNpp

    Der Blick in die Ferne zeigt, dass es in der Riebeckstr. gar keinen Radweg gibt, also runter vom Radweg, auf die Geradeausspur und gut isses. So fahre ich oft auch, wenn es auf der anderen Seite zwar einen Radweg gibt, aber die Führung über die Ampel nicht erkennbar ist. Es ist zudem oft gefährlicher, wenn Rechtsabbieger den geradeaus fahrenden Radverkehr kreuzen, als wenn Radfahrer die Richtungsspur mitbenutzen.

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  2. Zu argumentieren, dass man Radstreifen viel besser an Hauptverkehrsstraßen führt statt Nebenstraßen, ist mit diesem Beispiel natürlich sehr plakativ möglich. Nur passt das nicht, denn es geht darum, dass dass man Radwege nicht auf Hauptverkehrsstraßen führen soll, wenn er passende Nebenstraßen gibt (siehe Wangener Straße/Nätherstraße, wo der Weg über die Nebenstraße gleich weit ist).

    Die Brücke an der Messstation ist übrigens ein reiner Fußweg.

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    1. Es ist nur in den seltensten Fällen sinnvoll die RadlerInnen in Nebenstraßen zu verbannen. Sie sollten im Zentrum des Geschehens sein und dort wo Läden & Cafés sind.

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  3. Welche Strecke empfiehlst Du eigentlich einem radfahrenden Schüler, der vom Königin-Katharina-Stift Gymnasium zur Stadtbibliothek und zurück fahren will?
    Ich kenne da eine Radweg-Strecke vor der Bahnhofshalle. Die Idee, eine schmale Zweirichtungsradroute auch noch durch einen Taxistand aufzuwerten, ist zwar originell, ein Beitrag zur Sicherheit ist das nach meiner Einschätzung nicht. Ich finde es sehr anspruchsvoll, da zu fahren. Aber vielleicht gibt es eine gute Empfehlung via Wolframstraße.

    Eine zweite Frage: ich bin neulich von der Lautenschlagerstraße gekommen und wollte weiter zur Hauptradroute im mittleren Schloßgarten (für radfahrende Pendler längs durch Stuttgart das Gegenstück zur B14). Grüne Wegweiser zeigten zuvor zwar geradeaus, über den Arnulf-Klett-Platz habe ich aber keine Radampeln gesehen, nur welche für Fußgänger. Also mit den Autos nach rechts auf den Arnulf-Klett-Platz abgebogen (lieber im Strom mit dem MIV als im Gegenverkehr zu Taxis und haufenweise querenden Fußgängern). Dann in die Einfahrz zur Schlossgarten-Tiefgarage (güner Wegweiser, scheint also so gewollt zu sein) und dann den Bordstein hoch Richtung Ferdinand-Leitner-Steg. Ist das schon die optimale Streckenführung?

    Die Radroutenführung rund um den zentralen Verkehrsknotenpunkt Hauptbahnhof wirkt - freundlich ausgedrückt - reichlich improvisiert und unterdimensioniert.

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    1. Lieber Kollege Holger, die Radroutenführung rund um den zentralen Verkehrsknotenpunkt Hauptbahnhof ist weder improvisiert noch unterdimensioniert, denn sie verfolgt doch wohl ganz offensichtlich den Zweck, dem urbanen Velonauten einen vergleichsweise anspruchsvollen Trainingsparcours zur Überprüfung und Verbesserung seiner Fahrtechnik anzubieten. Ich bin der städtischen Planungselite jedenfalls sehr dankbar für die Einrichtung dieser Anlage. Anderswo wird für Fun und Bike viel öffentliches Geld versenkt … ähem … in puncto innerstädtischem Kurzstreckenverkehr denke ich zunehmend über die Anschaffung eines BMX-Rades nach, denn damit lassen sich in unserem schönen Bahnhofsumfeld die vielen rumstehenden Motorhauben auch als Sprung- und Landebahnen benutzen. Merke: Ein regelmäßiges Training der Fahrtechnik dient der verkehrspolitischen Ertüchtigung :-))

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    2. @Holger: Bist Du aus Richtung Rotebühlplatz gekommen? Ich wäre gar nicht die Lautenschlagerstraße rein gefahren sondern Richtung Schloßplatz und dort in den Park.

      Von Katzenstift zur Bibliothek würde ich rechta am Hotel und der Toutist-Info vorbei geradeaus bis zum Maredo und dort die Straße überqueren (s.i.w. ist das frei gegeben?)

      Oder durch den Park und links die Wolframstraße entlang bis zum Milaneo und dort links bis zur Bibliothek (das geht ja jetzt), oder alternatiiv über die neue Stadtbahnbrücke.

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    3. @ Steffen: Ja, ich bin vom Rotebühlplatz gekommen. Normalerweise fahre (prompt geoutet...) ich via Schloßplatz, da war aber das Sommerfest.

      Hauptradroute habe ich auch versucht, bin dann aber zwischen ein paar Car2Go-Gefährten auf dem Radweg an der B14 steckengeblieben.
      Das Gehoppel mit den Bordsteinkanten auf der Tübinger Str. und diesen unentschlossenen Kompromiss zwischen Radschnellweg, Radstraße, Tempo-20-Zone und verkehrsberuhigtem Bereich mag ich nicht. Das einzig schöne an der Strecke ist die Radfahrer-Pförtnerampel für die Blockabfertigung am Beginn der Eberhardstraße. Da bin ich noch jedes Mal beim Warten mit anderen Radfahrern ins Gespräch gekommen. Bei den dortigen Rotphasen reicht das für mehr als Smalltalk. Meist will ich als Pendler aber schnell vorankommen und nicht Leute kennenlernen.

      Danke für die Tipps, Stadtbahnbrücke probiere ich mal aus.

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    4. @ Stefan: BMX ist eine super Anregung. Mein Marken-MTB-Fully hatte nach 5,5 Jahren Radrouten-Benutzung in Stuttgart einen Rahmenbruch - Totalschaden. Genial die Idee, die Autos auf den Fahrradspuren in das Techniktraining einzubeziehen. Als Anfänger bin ich bisher immer drumherumgefahren bzw. (in der Tübinger Str.) dem PKW-Fahrer, der mir die Vorfahrt genommen hat, über die Motorhaube gestürzt. Über Bordsteinkanten komme ich mit einem kleinen Hüpfer mittlerweile so leidlich, da wird es Zeit für anspruchsvollere Ziele. ;-)

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    5. Oha - das Stadtfest ist natürlich ein schlagendes Argument :D

      Ich glaube ich wäre dann am Ende der Lautenschlager Straße zum HbF rüber und weiter Richtung Milaneo (auch Baustelle, aber man kommt ganz gut durch) und weiter über die neue Stadtbahnbrücke und unter der Eisenbahn hindurch in den Park. Außer der Ampel am Bahnhof gehts ampelfrei und man kommt relativ gut durch und da ich dort nicht oft fahre freue ich mich auch mal über Abwechslung).

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  4. Der Radfahrer auf den Fotos folgt dem Herdentrieb. Seine Kleidung passt farblich hervorragend zu den tonnenschweren Fahrzeugen der Abfallwirtschaft Stuttgart. Er sich zwischen denen auch so wohl, weil sie ihn von anderen Verkehrsteilnehmern abschirmen.

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  5. ...aus der Verlautbarung einer Stuttgarter Bundestagskandidatin:
    "MOBILITÄT IST FREIHEIT: FÜR EIN WELTOFFENES STUTTGART"

    Ich interpretiere das mal so: kurzer Weg - 1st. Bedenken - 2nd.
    Gut gemacht anonymer Radler auf den Bilder!

    #KEINERECHTEKEINEPFLICHTEN

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  6. @ Anonym:
    ... und aus der Presseinformation "Die Region Stuttgart präsentiert sich auf der CMT 2017":
    "Die touristische Vermarktung legt ihren Schwerpunkt auf neue Produkte und Angebote aus den Bereichen Mobilität und Automobil, Kunst und Kultur, Wein und Feste sowie Freizeit und Natur.
    (...)
    Heute ist Stuttgart die weltweit einzige Stadt mit zwei Automobilmuseen
    (...)
    Mit der Motorworld Region Stuttgart ist das touristische Angebot rund um das Automobil komplett.
    (...)
    Am Stand der Regio Stuttgart Marketing- und Tourismus GmbH ist die E-Bike-Region Stuttgart als Newcomer erstmalig vertreten.
    (...)
    Das Porsche Museum und die Motorworld Region Stuttgart machen das Thema Automobil erlebbar
    (...)"

    Aha, auch für touristische Radrouten in Stuttgart gilt offensichtlich, dass sie so gestaltet werden, dass das Thema Automobil immer unmittelbar und unvergesslich erlebbar gemacht wird.

    Der Radfahrer ist Trendsetter.
    Als Pionier und Vorreiter in Sachen "security by numbers" lebt er allerdings überdurchschnittlich gefährdet. Das wurde in Christines Blog auch schon ausgiebig diskutiert (ich weiß leider gerade nicht wann; es war ein ausführlicher Kommentar eines Bloglesers basierend auf Zahlen einer wissenschaftlichen Untersuchung).

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