17. November 2017

Stuttgart kann Fahrradstraße

Positive Bilanz nach einem Jahr Fahrradstraße. Die Tübinger Straße zwischen Marienplatz und Paulinenbrücke wird so bleiben.  Die Vorfahrtregelung für Radfahrende hat sich bewährt. 

Die Sorge des Ordnungsamts vor auf der Vorfahrtstraße rasenden Radlern  hat sich als unbegründet erwiesen. Die Fahrradstraße Tübinger Straße ist ein Erfolg. Es fahren sehr viel weniger Autos und viel mehr Fahrräder dort als vorher. Die Straße ist ruhiger geworden. Das gefällt auch den Anwohnern und Laden- und Restaurantbetreibern. Ein paar Mängel gibt es noch, aber es muss und kann auch nicht alles perfekt sein in einer quirligen Stadt wie Stuttgart Süd.

2009 gab es hier so viele Radlerunfälle (bei deutlich weniger Radfahrern als heute), dass der Bezirksbeirat und die Politik die Notwendigkeit erkannten, hier eine Fahrradstraße in Angriff zu nehmen. Seit den Sommerferien vergangen Jahres gibt es sie als Vorfahrtstraße für Radfahrende mit Anlieger frei für Autofahrer.

Anradeln Juli 2016,
v.l.n.r. Köhnlein, Pätzold, Schairer, Grieb
Am Dienstag, den 14. November, kamen aus dem Ordnungsamt Frau Scherz zusammen mit dem Fahrradbeauftragten Köhnlein, um zu berichten. Demzufolge fuhren 2010 täglich fast 4.500 Autos auf der Tübinger Straße. Heute zählt man dort nur noch rund 750. In der Silberburgstraße sank die Zahl der Autos von 5.200 auf 1.600. Der Radverkehr stieg in diesem Zeitraum von rund 1000 auf über 3.000 Radler täglich.

12 Unfälle mit Radfahrenden gab es in im Versuchsphasenzeitrum, darunter 3 Dooringunfälle (was erstaunlich ist, dürfen Radler hier doch mitten auf der Fahrbahn fahren) und 5 Abbiegeunfälle (Autofahrer missachtet Radler beim Abbiegen). Dass Autofahrer aus den Seitenstraßen Radlern (und Autos) die Vorfahrt nehmen, kommt zwar vor, aber weniger als gedacht, und es führt auch nicht zu schweren Unfällen. Für Autofahrer scheint diese Regelung leichter als die vorherige mit ihren Rechts-vor-Links-Kreuzungen.

Die Pläne zur Tübinger Stadt, 2016
Die im Bezirksbeirat vertretenen Parteien zeigten sich im Großen und Ganzen zufrieden. Die Straße sei ruhiger geworden, es sei angenehmer auch für Anwohner und Fußgänger, es entwickle sich eine hochwertige Gastronomie, es gebe Aussicht auf einen schönen urbanen Raum. Der Radverkehr habe zugenommen, so gelinge Fahrradförderung.

Dennoch fielen auch Mängel auf. Nicht allen Autofahrern scheint klar zu sein, was eine Fahrradstraße ist (da sind Autofahrer nur zu Gast, die Radler bestimmen das Tempo, das gefahren wird), auch missachten viele die Tatsache, dass die Straße nur für Anlieger frei ist. Und immer wieder fahren Autos auch bei Dinkelacker durch die Schleuse gegen die Einbahnstraße Richtung Marienplatz hinein. Das nimmt aber ab. Außerdem fühlen Fußgänger immer noch von Radlern auf dem Gehweg gestresst. Offenbar fahren einige auch auf dem Gehweg bei der Außengaststätte Dinkelacker durch. Vermutlich, wenn sich auf der Straße gerade mal wieder die Autos stauen.

Missachtung der Freigabe nur für Anlieger
Die Abbiegung zur Cotta-Straße ist der ärgerlichste Teil, nicht nur für Autofahrer, sondern vor allem für Radfahrer. Die Ecke wird oftmals abends, wenn Autofahrer die Silberburgstraße hinunter kommen, in die Tübinger einbiegen und sich vor Dinkelacker um die Kurver herum in die Cotta-Straße stauen, für Radfahrer zum Slalom-Parkour. Rechts ist kein Zentimeter Platz für Geradeausradler. Sie müssen links an der Schlange vorbei und sich zwischen Heck und Kühler der gestauten Autos hindurchschlängeln, um Richtung Marienplatz weiter zu kommen. Es ist offensichtlich, dass dieser Weg vielen, die nach Böblingen weiter wollen, als Schleichweg dient, obgleich all diese Abschnitte nur für Anlieger frei sind. Eine Lösung für die Blockade der Fahrradstraße durch Autos hat die Stadt nicht angeboten. Sie hat sich nicht einmal auf die Frage eingelassen.
Ich werde hier im Blog in einem anderen Post die Stelle mal ausführlicher analysieren. Vielleicht mag der eine oder die andere von euch Blogleser/innen mir dabei helfen.

Ein weiteres Problem hat ein anwesender Anwohner geschildert und mit einer akkuraten privaten Verkehrszählung zu verschiednen Tageszeiten belegt. Die Römerstraße wird nämlich jetzt als Abkürzung zum Marienplatz missbraucht. Von 100 Fahrzeugen, die von der Hauptstätter Straße in die Römerstraße einbiegen, fahren 74 durch die Tübinger Straße bis zum Marienplatz (auch diese Strecke ist nur für Anlieger frei), 22 von ihnen biegen in die Kolbstraße ab (erlaubt), um so zum Reweparkhaus zu kommen, und nur 4 haben in der Tübinger Straße geparkt. Er wünscht sich, dass der Abschnitt zwischen Marienplatz und Kolbstraße zur Einbahnstraße Richtung Gerber wird, damit das aufhört.

Andere wiederum wünschen sich, dass es auf der Tübinger Straße einen Abschnitt gibt, der Richtung Marienplatz Eibahnstraße ist, damit nicht mehr so viele Autos vom Marienplatz durch die Tübinger Straße zur Silberburgstraße und die hinauf fahren. Auch das ist eine gebräuchliche Missachtung der Anlieger-frei-Regelung. Und so mancher Autofahrer hat noch nicht verstanden, dass er dabei nicht Radler mit jaulendem Motor jagen darf, sondern langsam fahren muss.

Lieferwagen und Autos stehen in zweiter Reihe
Auch die in zweiter Reihe abgestellten Lieferfahrzeuge schaffen Probleme, vor allem dann, wenn Autofahrer den Radlern auf einer Fahrspur entgegendrängeln, auch wenn sie eigentlich warten müssten (wenn das Hindernis auf ihrer Seite ist). Aber die Fahrradstaffel (und Polizeifahrzeuge) sind unterwegs (habe ich selbst gesehen) und beschäftigen sich auch mit falsch abgestellten Fahrzeugen. In zweiter Reihe parken (und halten) ist immer verboten, auch für Lieferwagen. Parkplätze gibt es tagsüber in der Tübinger Straße wirklich genug, der Straßenrand ist teilweise über dreißig Meter lang frei. So mancher Lieferwagen könnte sich auch dort hinstellen, statt neben geparkte Autos.


Parkplatzsuchverkehr und Wendemanöver
Viele Radfahrende empfinden den Abschnitt zwischen dem Gerber und der Schleuse Feinstraße als schwierigsten Teil, weil hier der Parksurchverkehr, das Rangieren von Parkplatzsuchern und in zweiter Reihe abgestellte Lastwagen zum Slalom-Fahren und Bremsmanövern zwingen. Dies ist der einzige Teil der Fahrradstraße, der für den KfZ-Verkehr freigegeben ist. Würde man hier die Straßenrandparkplätze beseitigen und Aufenthaltsraum für Menschen schaffen, wäre das Problem gelöst. (Parkhäuser gibt es ja genügend.)

Der rote Stadtbus fährt durch die Tübinger Straße
Ja, der Sight-Seeing-Bus hat eine Durchfahrtbgenehmigung. Man will den Stuttgart-Gästen ja die Fahrradstraße zeigen, so die Antwort der Stadtverkreter. Vermutlich will man den Touristen auch die Brauerrei Dinkelacker zeigen, die in der Tat etwas ist, worauf wie stolz sein können in Stuttgart: eine privat betriebene Brauerei mitten in der Stadt.

Nett miteinander umgehen hilft
Insgesamt gewöhnen sich die Autofahrend allmählich daran, dass die Tübinger Straße nicht mehr ihnen, sondern den Radfahrern und Fußgängern gehört. Es zeigt sich, mit kleinen Maßnahmen (wie blauen Zeichen auf der Fahrbahn und einer Vorfahrtsregelung für Radler) lässt sich ein große Wirkung zugunsten des Radverkehrs und einer verkehrlichen Beruhigung erzielen, die auch für Anwohner, lokale Geschäfte und Cafés gut ist.
Frau Scherz machte deutlich, dass dies zwar eine Fahrradstraße ist, aber keine Fahrradautobahn. Es kommt auf ein ruhiges Miteinander an. Auch andere Verkehrsteilnehmer, Autofahrer (Lieferanten) und Fußgänger, haben ihre Rechte. Fußgänger sollen sich in der Tübinger Straße eben auch wohlfühlen. Wobei sich Fußgänger wohl bisher nicht sonderlich beschwert haben, Autofahrer aber sehr wohl, die die Tübinger Straße nicht mehr befahren können wie früher, nämlich als Schleichweg bei Stau auf der Hauptstätter Straße.

Ein Blick zurück


Wenn ich mich an die Schleuse an der Feinstraße erinnere, wo wir Radler Richtung Gerber auf die linke Straßenseite fahren mussten und uns aus allen Richtungen Autos entgegenkamen, die da nicht fahren durften ...

Und an unsere Stoppschild-Partys, weil die Stadt nach der Durchfahrtsperrung für Autos die Stoppschilder für uns Radler aufgestellt hatte ...

Witzig war's und ernst war es auch.
Denn die Tübinger Straße liegt halt auf der Hauptradroute 1, sie ist die Hauptradroute längs durchs Tal. Hier musste etwas gelingen, hier musste Stuttgart zu erst zur Fahrradstadt werden, ganz klar.

Wir Radfahrenden (unter ihnen Bezirksvorsteher, Bezirksrät/innen, Stadträt/innen und Bürgermeister) haben dafür argumentiert, gestritten und gekämpft, dass wir hier Vorfahrt bekommen und nicht unnötig ausgebremst werden, nur damit Autos rollen. Dafür, dass das Auto nicht überall dominiert. Es ist uns gelungen. Das haben wir gut gemacht, alle miteinander.

Autofahrer domestizieren 
Was hat die Stadt herumgepollert, um Autofahrer wirklich daran zu hindern, durch die Sperre an der Feinstraße zu fahren (und kürzlich habe ich wieder mal einen getroffen, der in seinem Auto da durch kam). Was muss man nicht alles tun, damit sich Autofahrende an die Regeln halten und Durchfahrtsperren akzeptieren!

Bei Dinkelacker konnte es deshalb auch nicht so bleiben, wie es zu Anfang aussah. Und die Autofahrer bretterten hier reihenweise geradeaus aus weiter gegen die Einbahnstraße. Deshalb kamen da Baken hin, die die Fahrbahn optisch verengt hat und Radfahrer benachteiligt, kommen ihnen in der schmalen Schleuse doch oft Fußgänger entgegen.
Und auch auch heute noch sieht so manche verpeilte Autofahrerin oder ein telefonierender Autofahrer die Einfahrt-verboten-Schildern nicht und denkt sich auch nichts dabei, gegen einen weißen Pfeil auf der Fahrbahn zu fahren ... aber es nimmt ab.

Auch haben Autofahrer zunächst nicht verstehen wollen, dass sie nicht bis an die Radlerschleuse an der Feinstraße heran parken dürfen, sondern sich ans Halteverbot halten müssen. Der eigentlich für eine Fahrradstraße (und Tempo-30-Straße) nicht erlaubte rote Schutzstreifen hält die meisten Autofahrer jetzt davon ab, sich dorthin zu stellen. Es passiert zwar, aber selten und vereinzelt. Und ganz zugeparkt habe ich den Streifen in diesem Jahr nicht gesehen. Meistens werden die Autofahrer, die dort stehen, sofort von Radlern angesprochen. Einmal habe ich sogar beobachtet, wie ein Fußgänger so einen dort ansprach und ihm erklärte, dass er auf Radstreifen auch nicht halten und auf seine Freundin warten dürfe.

Ganz almählich lernen wir in Stuttgart, mit Radfahrerinnen und Radfahrern zu leben. Schließlich verhelfen sie der Stadt zu weniger Autoverkehr.


Kommentare:

  1. ich habe bisher das Radeln unten im Kessel vermieden, war aber durch die Critical Mass jetzt ein paarmal unten und habe die Fahrradstraße erlebt.... und mich schließlich sogar entschlossen mal aus Richtung Cannstatt in die Stadtmitte zu wagen. Es ist noch viel Zickzack zu fahren, unzusammenhängende Radstreifen, die mal auf dem Gehweg mal auf der Straße sind und plötzlich ganz verschwinden - im Gegensatz zu vor ein paar Jahren finde ich, hat sich aber schon ein bisschen was getan und das ist ein guter Start. Danke für's Engagement!
    in ein paar Jahren ist es vielleicht auch möglich, sich auch ohne Ritterrüstung in den Straßenverkehr zu werfen...

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    1. Lieber S.K. Vielleicht findest du aus Cannstatt heraus bis zur König-Karls-Brücke doch noch einen geschickteren Weg, der dich nicht über Gehwege führt, sondern durch Nebenstraßen. Ich finde mittlerweile das streckenweise Fahrbahnradeln gar nicht so schlimm. Gefährlich ist es auch nicht. Es kommt uns nur so vor. Ich rüsste mich auch nicht ein, trage keine Warnweste oder so, ich habe eine gute Beleuchtung am Fahrrad. Ich finde, dass ma im Kessel sogar ganz gut Rad fahren kann. Es reut mich, dass du den Weg nach Stuttgart hinein gefunden hast. Bist du dich da richtig gut auskennst, dauert es eine Weile, aber dann macht es auch Spaß.

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  2. Zu den Dooring-Unfällen: Das ist kein Zufall. Zu sehr ist Radfahrenden eingeimpft, dass sie sich absolut rechts zu halten haben.

    Selbst in der Fahrradstraße signalisiert der gewählte Verlauf der roten Schutzstreifen an der Radlerschleuse Feinstraße den Radlern, dass "ihr" Platz auf der Straße GANZ am Straßenrand ist bzw. DIREKT neben parkenden Autos. Die rote Streifen führt die Radler nicht etwa einen halben/ganzen Meter entfernt vom Bordstein (und damit auch mit Sicherheitsabstand zu herumtollenden Fußgängern oder Kinder) durch die Schleuse. Nein, direkt am Bordstein entlang muss er verlaufen. Und auch beim Hineinführen in die "Mitte" der Straße liegt die vom Amt bzw. vom roten Schutzstreifen vorgegebene Ideallinie direkt neben der parkenden Autos. Auch quasi alle übrigen Radstreifen werden an den parkenden Autos entlang geführt. Aber in der Fahrradstraße wäre tatsächlich Raum ohne Ende, diese Streifen mittiger zu führen und einen Anfang zu machen — für ausreichend Abstand zu parkenden Autos und fahrenden Autos.
    Die offizielle Empfehlung signalisiert aber leider: Als Radfahrer halte Dich unbedingt am Rand, mach Dich klein. Und nimm Dooring-Unfälle in Kauf.

    Das ist ein Zustand, den man übrigens leicht ändern könnte. Ein paar Eimer Farbe, ein paar Poller umstellen und evtl. noch ein, zwei Bordsteine absenken. Fertig wäre die Verbesserung der Schleuse.

    Und an alle Radler: Nimm Dir den Raum, den Du zu Deinem Schutz brauchst.

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    1. Ich wäre an der Stelle ohnehin für einen Geradeausverlauf der Fahrbahn, die man leider durch Poller und Farbmarkeirungen leider immer noch so gestalten müsste, dass Autos nicht durchfahren. Der Rote Streifen vom Gerber her zur Schleuse dient ja nur den Autofahrern als Signal, da nicht zu parken. Wir müssen so viel tun und Radlern so viele Ubnbequemlichkeiten bereiten, weil Autofahrer es nciht akzeptieren, wenn sie irgendwo nciht fahren oder parken dürfen. Das ist die Krux. Wir müssen weiter daran arbeiten, dass unsere Fahrradstraßen besser werden, aber das sind langwierige Umdenkungsprozesse, an denen wir da argumentierend teilnehmen. Radfahrende dürfen natürlich auch lernen, wo die realen Gefahren liegen, und welches nur gefühlte Gefahren sind.

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    2. Das ist mir neu, dass man Autofahrern mit rotem Straßenbelag ein Parkverbot signalisiert. Da kommt meiner Erfahrung nach im Maximalfall ein aufgemaltes Parkverbotszeichen zum Einsatz.

      Die Unbequemlichkeiten und Risikoerhöhung für Radfahrer an der Schleuse gehen definitiv über das Nötige hinaus, dass zur Abwehr der Autofahrer erforderlich ist. Sowohl was die Wegeführung also auch die Breite beider Rad-Durchfahrten angeht.
      Die Autofahrer können für vieles verantwortlich gemacht werden. Hier ist es aber eindeutig die gewählte bauliche Umsetzung.

      Dass die Verbesserung natürlich ein Prozess ist, während dessen gelernt werden muss und gelernt werden darf, ist klar. Aber das Ordnungsamt wird auch von niemandem daran gehindert, ein Beratergremium aus aktiven Radfahrern zu bilden, das in solcherlei Hinsicht sachdienlich Stellung bezieht.

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    3. Es steht aber dick und fett ein Halteverbotsschild dort, und zwar genau dort, wo der rote streifen beginnt. Die Fahrbahnmalerei bekräftigt das jetzt sehr deutlich. Und es wirkt viel besser als vorher.

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  3. Gibt es eigentlich Dooring-Unfälle Auto gegen Auto? Gibt es Autofahrer, die beim Aussteigen ihre Tür verloren haben, weil der "fließende Verkehr sie abrasiert hat?

    Ich kenne solche Unfälle nicht. Aufsteigende Autofahrer achten offensichtlich auf den motorisierten Verkehr, weil er eine Gefahr darstellt. Radler stellen keine Gefahr war und werden deshalb nicht wahrgenommen.

    Deshalb sind Radler gut beraten, ausreichend Abstand nach rechts zu halten. Egal, was Behörden auf die Straßen pinseln lassen. Dooring-Unfälle in einer Fahrradstraße unterstreichen dies.

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    1. Matthias, die gibt es! Viel mehr, als man denkt. Alle zwei Monate bei uns am Bäcker, Esslingen Hohenkreuz. Zumeist Kleinwagenfahrer der Generation 70+ oder 70++, die beim Aussteigen nicht schauen, weil der Körper einfach nicht mehr so gelenkig ist und sie es auch von der eigenen Garage/dem eigenen Stellplatz so gewohnt sind.
      Gut zu erkennen sind solche Unfälle an der senkrechten Beule zwischen Hinterkante Radlauf und Vorderkante der Vordertür in der Gegend des Seitenblinkers.

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    2. Diese Dooringunfälle in Fahrradstraßen zeigen auch, dass es nicht an Schutzstreifen liegt, die zu dich an Autotüren entlang führen, und man die nur wegnehmen müsste, um das Risiko solcher Unfälle zu verringern. Die Fahrradstraße ermuntern Radler, mittig zu fahren, und einige tun es dennoch nicht. Die fahren auch in Nebenstraßen zu dicht an geparkten Fahrzeugen entlang. Da finde ich: auch Radfahrer müssen dazu lernen und überhaupt etwas lernen. Auch wenn sie die Schuld an solchen Unfällen nie haben (der Autofahrer hat die Schuld), sollten sie trotzdem klüger im Straßenverkehr unterwegs sein. Autofahrer müssen aber auch dringend lernen, besser auf den Verkehr zu achten, vor allem den Radverkehr.

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    3. Dooring von Autos gibt es. Ich habe einen neuen rechten Aussenspiegel dadurch. Es ist aber längst nicht so spektakulär wie einen Radfahrer zu "dooren", da es normalerweise nur Blechschaden gibt. Deshalb liest und hört man wahrscheinlich nur wenig davon. Das zu-weit-rechts-fahren ist einfach in den Köpfen der Radfahrer drin. Man will die Autos nicht behindern, ihnen Platz zum Überholen geben. Bei mir war/ist es ein ganz bewußter Lernprozess. Ich musste immer wieder selbst zu mir sagen, "zu weit rechts ist nicht gut, ich bin selbst Verkehr, ...also shut up"! Das ist ein Lernprozess bis es ins Blut übergeht. Wenn einem 30 Jahre beigebracht wird, die Straße ist für Autos, Radfahren ist eine schöne Freizeitbeschäftigung am Wochenende, im Grünen, ist das kein Wunder. Die CM hat da auch bei mir eine ganz wichtige Rolle gespielt mein Radverhalten zu ändern.

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    4. Es ist auch offensichtlich in vielen automobilen Köpfen verankert, dass Radler möglichst weit rechts fahren müssten. Schließlich stehe das so in der StVO.

      Dieser Passus taucht tatsächlich dort auf, allerdings mit der Absicht, eine Gefährdung des Gegenverkehrs zu vermeiden. Und nicht, um Schwächere an den Rand zu drücken.

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    5. @ Matthias17. November 2017 um 09:33

      "Gibt es eigentlich Dooring-Unfälle Auto gegen Auto? Gibt es Autofahrer, die beim Aussteigen ihre Tür verloren haben, weil der "fließende Verkehr sie abrasiert hat?"

      Ja klar gibt es die, siehe:

      https://www.youtube.com/watch?v=xgrEUbBkqTo

      ;-)

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    6. "Auch wenn sie die Schuld an solchen Unfällen nie haben (der Autofahrer hat die Schuld)"

      Leider sieht das so mancher Richter anders.

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    7. Na klar, wie könnte ich den vergessen. Dabei ich den "Unfall" so oft gesehen. Ich Schussel ich 😁

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    8. Na, das dürfte heutigen Richtern schwerer fallen als früher, denn sie haben alle gesehen, dass Radler dabei zu Tode kommen können. Falls man so einen Prozess verliert, holt man sich beim ADFC juristischen Beistand und geht in Berufung.

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    9. Sorry, aber das muss jetzt sein.:-)..Kennt ihr Kottan?
      https://www.youtube.com/watch?v=vCkouDUnAOY

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    10. Ja, der Kottan - lange ist es her.

      Der hier:

      https://www.youtube.com/watch?v=psEfIi-_lWw

      ist auch ganz gut ;-)

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    11. Ich wurde als Autofahrer auch schonmal "gedoort". Es hat eine komplett neue rechte Seite beim Golf gegeben. Der Typ der die Tür geöffnet hat, hat gemeint, er hätte mich nicht gesehen (ROTER GOLF). Mein Bruder ist schon als Radfahrer gedoort worden. Es ist ihm nichts passiert, aber der Benz hat seine rechte Tür verloren und den rechten Kotflügel.
      Und mein Vater hat beim unaufmerksamen Öffnen der Autotür direkt bei uns vor dem Haus auch schon die Tür verloren, richtig ab. Nichts passiert sonst.
      Also gar nicht so selten. Und bei Kottan war das der absolute Running Gag. Jede Sendung hats eine Tür gekostet.
      Viele Grüße
      Karin

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    12. Siehe auch hier: https://dasfahrradblog.blogspot.de/2016/10/radfahrer-mussen-sich-vor-kottan.html

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  4. "dürfen Radler hier doch mitten auf der Fahrbahn fahren"

    Dürfen wir hier das wirklich, mehr als auf sonstigen Straßen? Wieso?

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  5. Ja, sie dürfen mitten auf der Fahrbahn fahren, sie dürfen auch gemütlich nebeneinander radeln. Allerdings unterscheidet sich das nicht so wirklich von dem, was Radler auch auf jeder anderen Fahrbahn einer Nebenstraße praktisch dürfen: Mittig radeln und nebeneinander radeln, sofern sie dabei den Autofahrer nicht am Überholen hindern, das heißt, solange der Autofahrer auf die linke Fahrspur wechseln muss und somit ohnehin den Gegenverkehr abwarten muss, bis er vorbei kann. Das ist nur manchen Autofahrern nicht ganz klar, vielen Radfahrern allerdings auch nicht. Lies mal ein bisschen hier auf meinem Blog unter dem Stichwort Verkehrsregeln herum.

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    1. Ich dachte eigentlich ich kenne die Regeln, denn zum VZ244 steht nur dass wir nebeneinander fahren dürfen. Ich sehe keinen Grund, warum das Rechtsfahrgebot aufgehoben sein sollte - klar, entsprechend Abstand von parkenden Autos und co halten, aber das darf man ja auch auf normalen Straßen.

      "Allerdings unterscheidet sich das nicht so wirklich von dem, was Radler auch auf jeder anderen Fahrbahn einer Nebenstraße praktisch dürfen"

      Darauf wollte ich hinaus.

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  6. Insgesamt eine sehr positive und sehr erfreuliche Geschichte. Yippie. Ich freue mich wirklich über Fortschritte, seien sie manchmal auch noch so klein. Das amtlich positiv beschiedene Ende der Versuchsphase sollten wir ausgiebig bejubeln und feiern. Vielleicht regelmäßig mit einem Fahrradfest in der Fahrradstraße? :-)

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  7. Und eines möchte ich noch ergänzen: Ich glaube, ohne dein Engagement, liebe Christine, wäre es in diesem Teil der HRR nicht so weit gekommen, wie es heute ist. Steter Tropfen höhlt halt doch den Stein, auch wenn es machmal ein paar tausend Jahre dauern sollt. :-) Ein herzliches Bravo und Dankeschön an Dich und deine Mitstreiter.

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  8. Nur eine kleine Anmerkung: es hilft nur begrenzt immer darauf zu rekrutieren was wir dürf(t)en. Wichtiger ist was die vorhandene Infrastruktur "sagt", wie richtigerweise hier auch schon angemerkt würde.

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  9. Noch einen Kommentar zu dem Anliegerthema. Solange es nirgendwo niemals sanktioniert wird, wie soll sich etwas ändern? Eberhardstrasse, Blumenstrasse, egal wo, es wird minütlich serienweise durchgebrettert. Kontrolle? Nie. Die Polizei sagt gerne "Anliegerstrasse ist für alle die ein Anliegen haben"! Da scheinen Adam und Eva schon wie Oberstufe 😿

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  10. Aus gegebenem Anlass: "Anlieger frei" hat genau gar nichts mit einem Anliegen zu tun. Erläuterungen dazu gibt es bei jeder gängigen Suchmaschine ;-) Kann sich die zitierte Polizei ja auch mal durchlesen.

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  11. Ich finde es ja schon toll, dass in Stuttgart inzwischen einiges ausprobiert wird, wie man Fahrradinfrastruktur bauen kann. Bei dem massiven Gegenwind ist es ein riesiger Erfolg, dass überhaupt Fahrradstraße-Schilder aufgestellt werden dürfen.

    Das Ergebnis ist ehrlich gesagt aber doch ziemlich skurril aus völliger Hilflosigkeit den rücksichtslosen Autofahrern. Stuttgart insgesamt (Verwaltung, Politik und Bürger) können Fahrradstraße eben noch nicht.

    1. Man dürfte nebeneinander fahren, kann es aber nicht wegen der Absperrungen und schmalen Durchfahrten.

    2. Schmale Blutstreifen müssen auf eine Fahrradstraße aufgemalt werden. Das habe ich sonst nirgendwo gesehen. Das ist nur noch peinlich.

    3. Bezogen auf die Gesamtlänge der HRR 1 sind die paar hundert Meter mal ein erster Anfang im Sinne einer Machbarkeitsstudie.

    4. Wo sie (unter der Paulinenbrücke) aufhört, fehlt das Radstraße-Ende-Schild. Auf der Fahrbahn ist zur Irreführung noch groß Fahrradstraße aufgemalt, dann geht die HRR 1 aber in eine Art verkehrsberuhigten Bereich über (mit 20 km/h-Experiment) und Bordsteinen zur Eberhardstraße hin, die man rauf und runterrumpelt, dann (am Tagblattturm) in eine faktische Straßensperre mit der quasi immer roten Ampel, danach dann in einen KFZ-Zweite-Reihe-Parkplatz (ok, als Fahrradstraße ausgeschildert). Als HRR sollte das eine leistungsfähige Schnellverbindung sein.

    Noch mal zum letzten Abschnitt der Tübinger Straße zwischen Paulinenbrücke und Eberhardstraße: Sorry, Christine, aber "Hauptroute" beisst sich mit "Aufenthaltsqualität für Fussgänger". Das klappt schon auf der B14 nicht (der Vergleich klingt erst mal abwegig, 20% Radverkehrsanteil heisst de facto aber, fast so viele Radfahrer wie KFZ im Tallängsverkehr). Und es widerspricht den Verwaltungsvorschriften zur Straßenverkehrsordnung.

    Zum Drama im weiteren Verlauf (Holzstraße) brauche ich mich ja nicht auszulassen.

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    1. Na ja, immerhin kann man einen km lang nebeneinander radeln. Und es ist ja klar, dass der Blutstreifen regelwidrig ist, allerdings verhindert er, dass Autos bin an die Schleuse ranparken. Die Frage ist ja, wie könnte man das auf andere Weise verhindern, ohne dass man dort einen Polizisten als Dauerwachposten hinstellt? Was für all diese blöden Schleusen gilt. Wie erreicht man es denn, dass Autofahrer sich an die Verkehrsregeln halten und nicht durch Straßenabschnitte fahren, die für sie nicht erlaubt sind? Wollen wir denn den Polizeistaat auf der Straße, den wir hätten, wenn wir fordern, dass die Polizei hier abräumt? Ich habe keine Antwort auf diese Frage. Sie ist es wert, unemotional diskutiert zu werden.

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