13. September 2018

Radwege ohne Benutzungspflicht sind möglich

Endlich können Radwege und gemeinsame Rad- und Fußgwege so ausgewiesen werden, dass für Radfahrende nicht automatisch eine Benutzungspflicht entsteht und sie auch nicht zu Schrittgeschwindigkeit gezwungen werden wie bei einer Radfreigabe des Gehwegs. 

Darauf hat Bernd Sluka (VCD Bayern) auf seiner Internetseite hingewiesen. Seinem Bericht zufolge hat man sich zwanzig Jahre nach der Aufhebung der Benutzungspflicht für Radwege, die aber fast nirgendwo vollzogen wurde, im Bund-Länder-Fachausschuss StVO auf eine Bodenmarkierung geeinigt, die es Radlern erlaubt, auf einem Fußweg zu fahren, ohne dass sie es müssen. Das sieht so aus, dass auf den Asphalt oben ein Fußgänger und unten ein Fahrrad mit waagrechtem Zwischenstrich gemalt werden. Dann muss kein Schild mehr aufgestellt werden, und allen ist klar, was hier fährt und geht. Sluka verweist auf diese Broschüre, wo das auf Seite 40 beschrieben wird.

Hier das Foto der Seite in der Broschüre:



Das wäre beispielsweise für den Neckardamm endlich eine Lösung, der ja zwischen König-Karls-Brücke und Hofener Straße nur ein Gehweg mit Radfreigabe ist. Theoretisch müssen die Tausenden Pendler, die hier lang radeln alle Schrittgeschwindigkeit fahren, was aber kaum jemand tut. Es würde sich nichts ändern, aber die Radfahrenden währen nicht mehr in regelwidrigem Tempo unterwegs, sondern führen konform mit den Verkehrsregeln.

Foto: VCD Bayern
Auch der Gehweg mit Radfreigabe am Kräherwald könnte so gekennzeichnet werden. Dann können Radler ihn befahren, müssen es aber nicht (so wie jetzt auch), müssen aber nicht mehr mit 5 km/h unterwegs sein (was niemand ist), sondern können regelkonform ihr Tempo fahren.

Also bitte, liebes Land, liebe Stadt, liebe Ordnungsämter in den Städten von Baden-Württemberg, prüft das und übernehmt es. In Passau hat man damit schon 2017 begonnen.



Kommentare:

  1. Das Schwierige an diesen nichtbenutzungspflichtigen Radwegen ist, dass viele Autofahrer den Unterschied zu benutzungspflichtigen Radwegen nicht kennen und dann Radfahrer "erziehen" wollen. So ein Radweg war der Ausgangspunkt eines Unfalls von mir im Frühjahr des Jahres.Im Kern hast du recht wenn man Radfahrern diese Wahl lässt, in der Praxis kann das aber aus den obengenannten Gründen kritisch sein.

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    1. Ich fürchte, Autofahrende neigen dazu, Radfahrer zu erziehen, egal, wie ein Weg markiert ist. Das ist eine Frage des Miteinanders, wo wir alle Reformbedarf haben.

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    2. Der Autler sieht dieses Piktogramm, denkt und handelt nach seiner Schlussfolgerung: Fahrrad? Radweg! Hupen und Nötigen. Wie es besser geht, sieht man in Zuffenhausen, auf dem Stückchen zum Kelterplatz oder bei der Gelbe-Sack-Verbrennungsanlage in Münster. Dort sind die Piktogramme auf der Fahrbahn MITTE aufgebracht und suggerieren: Hier Radelt man auf der Fahrbahn, nicht in der Gosse oder auf dem Gehweg. Radfahrer gehören nämlich grundsätzlich nicht auf den Gehweg.

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    3. Das eine hat doch aber nichts mit dem anderen zu tun. Autofahrer sehen die Fußgänger-/Radlerpiktorgramme eher nicht, denn sie befinden sich auf Radwegen im Gehwegbereich, und sie dienen ja nur dazu, dass Radler nicht mehr Schrittgeschwindigkeit fahren müssen, wenn man sie unter die Fußgänger mischt, sondern, dass man zeigt, dass sie gleichberechtigt sind, aber dort auch nicht fahren müssen, sondern eben auch die Fahrbahn nehmen können. Die Piktorgramme rund um den Kelterplatz sind wiederum ein Zeichen an Autofahrende und Radler und haben mit Fußgängern nichts zu tun.

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    4. Autofahrer haben einen Spürsinn dafür, wenn es darum geht, "Radwege" zu finden und Radfahrer über rote Ampeln fahrend zu sehen.

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  2. Am Neckardamm geht auch das gewohnte Schild "Geh- und Radweg". Die Frage der Benutzungspflicht stellt sich hier ja nicht. Aber für straßenbegleitende Wege könnte damit endlich das umgesetzt werden, was eigentlich schon lange in der StVO steht.

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  3. Ich finde das mit den Markierungen auch super. Ich meide die Fußgängerwege mit Radfahrer frei auch wo es geht, weil ich so langsam halt nicht fahre. Aber manchmal hätte ich auch gerne eine Alternative, da ich auch mal langsam fahre oder aber für weniger zuversichtliche Radfahrer. Insbesondere kann man dann ein paar blaue Lollipops abschrauben, die von Leute aufgehangen worden sind, die schlicht und ergreifend wohl nicht lesen können oder gemeingefährlich sind und sofort ihren Job verlieren sollten.

    Gerade am Kräherwald finde ich es sogar gut, das bergab es sich um einen Fußweg handelt. Jedenfalls war es so noch das letzte Mal, dass ich da lang gefahren bin. Auf der Straße kann man nämlich sein Rad gut bergab mit 50-60km/h rollen lassen, was auf einem gemeinsamen Fuß- und Radweg schlicht gemeingefährlich ist.

    Vielen Dank für das Aufmerksammachen über diese Möglichkeit und den guten Artikel. Das war auch eine Sache, die mir schon lange auf dem Magen lag als eine Lücke in der StVO. Eine andere Idee, die ich schon mal gesehen hatte, waren eckige blaue Schilder. Aber weniger Schilder tun dem deutschen Straßenverkehr definitv auch nicht schlecht.

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    1. Deshalb habe ich bei der Strecke Kräherwald auch vehement dafür gekämpft, dass dies kein verpflichtender Radweg wird. Hätte mir aber eine andere Bezeichnung gewünscht als dieses Radfrei eines Gehwegs.

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  4. Ich finde die Lösung am Neckardamm Mist!
    Radfahrer sind hier fast immer zu schnell. Ich möchte da nicht mit meinem Kind entlanglaufen. Wenn ich mit dem Rad dort fahre, drängeln viele Radler von hinten oder überholen gefährlich. Ein gewisser Sicherheitsabstand ist nicht nur für uns Radler schön. Auch Fussgänger freuen sich darüber.
    Mit dem Betrieb am Biergarten ist auch niemand wirklich happy.

    Es gibt dort einfach nicht genug Platz um den Radverkehr vernünftig drüberzuleiten. Ganz zu schweigen davon, dass die Weiterleitung für Radler zur Rosensteinbrücke/Badstraße gefährlich und für Ortsunkundige völlig undurchsichtig ist.
    Eine "radikalere" Lösung den gesamten Radverkehr auf die Überkinger Straße zu leiten, fände ich wesentlich besser.

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    1. Simon, dann setzt dich mit uns allen dafür ein, dass Radfahrende endlich eine angemessen Radinfrastruktur bekommen, die ihrer Lebenswirklichkeit auch entspricht. Man kann sie nicht auf Strecken verweisen, die abgelegen von ihren Zielen liegen, und der Neckardamm auf der Cannstatter Seite braucht dringend eine Alternative auf der Fahrbahn, die Radler ebenfalls als bequem empfinden. Übrigens sind dort viel mit Kleinkindern unterwegs und die Angst hält sich in Grenzen. Radfahrende haben die Augen vorn im Kopf und sehen, was die Fußgänger/innen vor ihnen machen. Ich fahre da notgedrungen oft und habe noch nie gesehen oder erlebt, dass ein Radler einen Fußgänger auch nur touchiert hätte. ich verstehe aber, dass Fußgänger das als unangenehm und stessig empfinden. (So stressig ist es für uns Radler oft, auf der Fahrbahn zu fahren, wenn Autofahrer knapp überholen und hupen). Leider verschiebt die Stadt seit Jahrzenten den Radverkehr von der Fahrbahn in die Fußgängerbereiche, und diese Entwicklung muss man umdrehen. Nicht, indem man auf Radler schimpft, sondern in dem man sich den Stadträt/innen gegenüber dafür einsetzt und ausspricht, dass endlich die nötigen Radwege und Radrouten gebaut werden.

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    2. Danke für die Antwort. Ich denke da sind wir einer Meinung.
      Der Nekardamm für Fussgänger und eine funktionierende Radinfrastruktur parallel dazu wäre ein Traum.

      Ich möchte trotzdem noch was zum Thema Angstempfinden loswerden.
      Ich halte es für schwierig zu argumententieren, dass Radfahrer die Fussgänger nicht touchieren. Das stimmt wohl, aber genauso könnten die Autofahrenden argumentieren.
      Im Normalfall passiert nichts. Aber für uns Radler ist der zu eng ausgeführte Überholvorgang trotzdem sehr unangenehm.
      Ebenso kann es für Fussgänger sehr unangenehm sein, wenn wir Radler eng und schnell an ihnen vorbeifahren.
      Oder liege ich da komplett falsch? Eventuell bin ich auch da überängstlich und ganz allein mit meiner Meinung.
      Woran machst Du Deine Aussage fest, dass sich die Angst in Grenzen hält?
      Dabei ist ganz klar, dass Radler aufmerksamer mit ihrer Umwelt sind, allein schon aus Selbstschutz. Das Gefahrenpotential eines Autos ist natürlich ungleich höher.

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  5. Vielen Dank insbesondere auf den Verweis auf die AGFS-Broschüre, ich habe gerade bei der Stadt Aachen mal angeregt, eine bestimmte Stelle so zu markieren. Momentan soll man da außerorts 400 m lang Schrittgeschwindigkeit fahren, obwohl der Gehweg breit und wenig frequentiert ist.

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  6. Für so eindeutig halte ich diese Pinsel-Notlösung nicht. Sie betrifft eh nur Wege innerorts, außerorts könnten die Behörden stets das Z 260 ("Verbot für Kfz") anordnen, welches im Grunde die gleiche Wirkung hat.

    Bezeichnend, dass sich das Verkehrsministerium weiterhin weigert, einfach drei quadratische Z 237, 240 und 241 in die StVO mit aufzunehmen. Stattdessen so ein Quark. Interessant wird es im Zweifelsfall (Unfall) dann, ab wo und für wie lange diese Pinseleien denn eigentlich gelten...?

    Außerdem habe ich nie verstanden, was eigentlich gegen ein Z 240 mit Zz 1022-10 ("Radverkehr frei") spräche? Jenes Zz nimmt den Radverkehr von bestehenden Ver- oder Geboten aus. Also in dem Falle der Pflicht der Benutzung bzw. dem Verbot der Fahrbahnnutzung.

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  7. Stellt sich die Frage, was sich dann tatsächlich ändert. Eine Änderung, die nur Radler betrifft und die ansonsten von weiten Teilen der Bevölkerung nicht wahrgenommen wird.


    Ich hatte im August das Vergnügen, in Stuttgart mit dem Rad unterwegs zu sein. Und ich habe mir den Spaß gemacht, von Cannstatt in die Stadt (und auch wieder zurück) die HRR1 zu nehmen. Hier kann man schön erkennen, wie ernst Regelungen für Radler von anderen genommen werden.


    Teile der HRR1 sind als reine Gehwege ausgeschildert. Die Stadt nimmt Radler ganz offensichtlich nicht ernst. Man stelle sich vor, die "Hauptautoroute HAR" B14 wäre in Teilen nur für Fußgänger oder gar nur für Radler freigegeben.


    Fußgänger nehmen Regelungen für Radler auch nicht ernst. Auf meinem Rückweg nach Cannstatt am frühen Nachmittag durfte ich mich auf der HRR1 durch Unmengen Fußgänger schlängeln. An einer Stelle kommen mir 4 Erwachsene und zwei Kinder im Pulk entgegen. Nichts gegen Familienausflüge, aber hier wurden ca. 75% der Wegbreite einer sogenannten Hauptradroute durch Fußgänger blockiert.


    Auf der B14 sieht man solches Verhalten von Fußgängern eher selten. Im Gegenteil: Viele Fußgänger sind auch Autofahrer. Und als solche hupen sie den einzelnen Radler, der auf der Straße unterwegs ist, wüst von selbiger.


    Ein weiteres Zeichen, dass Radler in Schwierigkeiten bringen wird. Denn: Was ist angepasste Geschwindigkeit? Fußgänger werden im Zweifel immer von rasenden Rüpel-Radlern sprechen. Die bestehenden Gräben werden nur vertieft.

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