26. November 2018

Nicht das Opfer bestrafen, bitte!

Ein Vorschlag der Dekra geht an der grausamen Wirklichkeit vorbei. Sie möchte erreichen, dass Radfahrer nicht mehr rechts von Autos zur Ampel vorfahren dürfen.  

Die Dekra meint, das rechts von stehenden Autos Vorfahren sei die Ursache für die fürchterlichen Abbiegeunfälle, bei denen Radfahrende viel zu oft sterben oder schwerst verletzt werden. Das ist aber nicht so. Das ist der falsche Ansatz.



Diese Warnung an Lkw-Fahrer entspricht der
Wirklichkeit mehr. Der Radler ist
hier auf dem Radweg unterwegs.
Es trifft eben nicht hauptsächlich die Radfahrenden, die auf der Fahrbahn unterwegs sind und dort beispielsweise rechts von stehenden Autos zur Ampel vorfahren, sondern es trifft in der überwiegenden Mehrheit der Fälle Radfahrende, die auf Radwegen unterwegs sind. Radwege sind von der Fahrbahn getrennt. Radfahrende fahren auf solchen Radwegen (auch Radstreifen) auf eigenem Weg vor bis zur Ampel. Und sie fahren, wenn sie Grün haben (meist mit Fußgängern zusammen) geradeaus weiter, im vollen Vertrauen darauf, dass der abbeigende Lkw-Fahrer sie sieht. Und oftmals haben auch Radfahrende den abbiegenden Lkw nicht gesehen, weil sie geradeaus gucken und der Lkw sich somit in ihrem eigenen optischen toten Winkel befindet. (Das Blickfeld eines Menschen ist nicht ganz 180 Grad). Es ist nämlich nicht so, dass ein Radfahrer absichtlich das Risiko eingeht, von einem abbiegenden Lkw überrollt zu werden. Er würde das immer vermeiden.

Der Nachteil von Radwegen ist, dass sie so fern vom Autos verlaufen, dass auch Radfahrende den Autoverkehr nicht gut genug sehen, um dessen Verhalten vorhersehen zu können oder ihr eigenes Verhalten an ihm auszurichten. Wer geradeaus radeln will, guckt geradeaus. Wenn man vermeiden will, von über einen Radweg rechts abbiegenden Autos angefahren zu werden, muss man sich als Radler auf dem Radweg bewusst nach links hinten umsehen. Anders geht es nicht. Das machen aber viele nicht, die vertrauensvoll und gemütlich auf Radwegen unterwegs sind. Sie glauben an ihre Wegführung und halten sie für sicherer als die auf der Fahrbahn.

Übrigens hat sich die Dekra offenbar auch nicht überlegt, wie sich diese Empfehlung oder ein Verbot des rechts neben Autos Vorfahren auf Radstreifen auswirkt. Hier besteht eine Gefahr, dass der rechts abbiegende Autofahrer den Radler, der von hinten herankommt, während alle Grün haben, nicht sieht. Wenn wir Radfahrenden mit dieser Situation nicht umgehen könnten, würde es zum Beispiel hier an der Filderstraße zum Marienplatz ständig Radler auf den Asphalt hauen. Natürlich bremse ich, wenn ich nicht sicher bin, ob der Autofahrer mich hat sehen können. Und einem riesigen Lkw lasse ich da gern auch den Vortritt. Ich lasse mich doch nicht absichtlich umfahren, auch dann nicht, wenn ich im Recht wäre.

Die einzige Möglichkeit, solche schweren Abbiegeunfälle zu vermeiden, sind Ampelschaltungen, die den Abbiegern nicht gleichzeitig mit Radfahrenden, die auf Radwegen oder Radstreifen unterwegs sind, Grün geben. Oder Abbiegeassistenten für Lkw(eigentlich auch für Pkw)-Fahrer. Oder der Wille der Autofahrenden, solche Unfälle zu vermeiden und sich ordentlich umzuschauen, bevor man abbiegt.
Quelle: NDR.de Bike flash
In Garbsen (Region Hannover) stellte die Gemeinde kürzlich einen Bike-flash vor, eine Blinklichtanlage, die Autofahrende warnen soll, wenn Radfahrende ebenfalls auf die Kreuzung zufahren, und zwar an dem Tag, als eine 16-Jährige in Burgdorf (Hannover) von einem Lkw überrollt und getötet wurde. Der Leuchtmast erscheint zunächst sinnvoll. (Bewegungsmelder im Boden zeigen Radfahrende an. Wobei man nur hoffen kann, dass sie immer funktionieren.) Aber man stelle sich solche  Blinklichter nun an jeder Kreuzung vor, wo eine Hauptstraße den Radweg kreuzt ... Diese Abbiegeunfälle passieren nämlich nicht ständig an derselben Kreuzung, sondern sie passieren an jeder, und es ist völlig unvorhersagbar, an welcher sich der nächste ereignen wird.

Schon über 40 Abbiegeunfälle (Todesfälle und schwerste Verletzungen) habe ich bereits für dieses Jahr gefunden und aufgelistet. Meistens trifft es Frauen oder ältere Menschen, oft auch Jugendliche und Kinder. Also alle die, die niemand unter Kampfradler und risikobereite Radfahrenden einordnen würde, sondern die eher die Sicherheitsbedürftigen und Vertrauensvollen.

Liebe besorgte Autofahrenden und Autolobbyisten: Bitte spart euch Vorschläge, die darauf abzielen, die Vorteile des Radfahrens gegenüber dem Autofahren zu reduzieren, nur weil Autofahrende sich nicht an die Regeln halten wollen. Man engt nicht die Mobilität von Opfern ein, sondern zwingt die Täter zu einem besseren Verhalten.


Kommentare:

  1. Helme sollen ja angeblich vor solchen Unfällen schützen...

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  2. Jörg
    Sind die Radfahrer nicht doch Schuld? "es trifft in der überwiegenden Mehrheit der Fälle Radfahrende, die auf Radwegen unterwegs sind." Die tollen Hechte auf der Fahrbahn mit PKW und LKW auf der Pragstraße, der Heilbronner Straße, der Hauptstätter Straße sind also nicht so gefährdet. Aha.
    Holländer machen an den Kreuzungen etwas anderes. Der Fahrbahn für Radfahrende ist mehrere Meter von der Fahrbahn für die Autos weg. Die Kurve ist eine Ecke so dass das Auto langsam fahren muss. Als Radfahrer kann ich nun unterscheiden, ob ein Auto geradeaus fährt oder abbiegt. Wenn mir das Auto die Vorfahrt nimmt kann ich noch handeln. Auf dem Bild oben merke ich es zu spät, wenn mir jemand die Vorfahrt nimmt. Da habe ich keine Handlungsoption mehr.
    Helme, Sicherheitsschuhe, Schutzbrillen, Schutzhandschuhe, Protektorenjacken usw. verhindern keine Unfälle, sie mildern die Folgen.


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  3. Liebe Christine,

    bitte vermeide es, Legenden zu verteilen und halte Dich bitte an Deine eigenen Regeln, was irreführende Formulierungen angeht.

    1. "Der Nachteil von Radwegen ist, dass sie so fern vom Autos verlaufen, ...":
    Es gibt zwar (noch) viele Radwege, die dermaßen gefährlich gestaltet sind. Das Konzept von Radwegen ist aber nicht die Ursache. Ordnungsgemäß gestaltete Radwege haben diesen Nachteil nicht. Wenn die Sichtachsen nicht freigehalten wurden (Haltesicht, Anfahrsicht, Sicht an Überquerungsstellen), dann haben Gemeinderat und Ordnungsamt bei Planung und Genehmigung geschlampt und einen potentiell tödlichen zukünftigen Unfallschwerpunkt anlegen lassen.

    2. "Man muss sich als Radfahrer auf dem Radweg bewusst nach links hinten umdrehen": Hier stimmst Du in den Chor der Stimmen ein, die die Verantwortung auf die Radfahrer schieben. Warum forderst Du das nicht auch bei Fußgängern, die auf einem (gemeinsamen) Radweg laufen? Da sind die Fußgänger die schwächeren, also müssen sie aufpassen, dass sie nicht unter die Räder kommen. Logisch - oder klingt das unsinnig? Wenn es unsinnig ist, warum soll dieses Prinzip dann für Radfahrer gelten?

    Viele potentielle Radfahrer wünschen sich einen geschützten Bereicht (wie ihn die Fußgänger auf Gehwegen haben). Wenn ihr (Gemeinderat) ihnen das nicht anbietet, steigen sie nicht auf das Rad. Darum sind getrennte (baulich angelegte) Radwege mit kreuzungsfreier Streckenführung das, was ihr mit höchster Priorität anlegen lassen müsst.

    Dein Schlusssatz trifft genau den Punkt. Das ergibt sich eigentlich auch aus der allgemeinen Betriebsgefahr, die grundsätzlich vom KfZ-Verkehr ausgeht.

    Was auch klar ist, die DEKRA ist parteiisch. Die verdienen Geld mit Autofahrern als Anbieter von "TÜV"-Prüfungen, nicht mit Fahrradfahrern. Kunde ist König.

    Viele Grüße,
    Holger

    P.S. Schau' Dir mal den "Amazing Quotes" post an und wirf' ihn raus, wenn Du ihn auch für SPAM hältst.

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    1. Das sind keine Legenden, Christine gibt den Stand der aktuellen Wissenschaft wieder. Subjektive Sicherheit entspricht halt in der Regel nicht der objektiven Sicherheit. Wenn man Radwege als "sicher" anbiete, und unerfahrene Radfahrer drauf schickt, werden das sehr bald nicht-mehr-Radfahrer, nach den ersten Erfahrungen, die man auf Radwegen so macht. Je weiter weg von der Fahrbahn desto schlimmer.

      Martin

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    2. Natürlich ist es das "Prinzip Radweg" (also geradeaus Fahrende rechts von Rechtsabbiegern zu führen) der Hauptgrund für diesen Unfalltyp.

      Was diejenigen, die sich einen "geschützten Bereich" wünschen offenbar einfach nicht verstehen ist, dass es jenen nicht gratis gibt. Fußgänger haben in der Tat einen Solchen (ich würde es eher als Schutzhaft bezeichnen): sie bezahlen das im Grunde damit, dass sie inzwischen quasi überall Nachrang vor dem Fahrzeugverkehr haben (das gilt z. B. auch für Grünzeiten an Ampeln). Geschützte Bereiche enden spätestens an der nächsten Einmündung oder einer Grundstückszufahrt. Da Längsverkehrunfälle wesentlich seltener sind als Querungsunfälle, sollte man eher seine kognitiven Dissonanzen auflösen.

      Es gehört nämlich zum Erwachsenwerden, dass man nicht immer das kriegt, was man sich wünscht und sich arrangieren muss. "Das Leben ist kein Ponyhof" - heißt es doch sonst überall. Das Mobilitätsbedürfnis bleibt aber; und wer keine Kohle oder Zeit für ein Auto oder quälend langsamen ÖPNV (vor allem auf dem Land) hat, dem wird wohl nix übrig bleiben, als seine eingetrichterten Ängste zu überwinden. Dann würde er mit der Zeit merken, dass es problemlos möglich ist, auf der Fahrbahn zu fahren.

      Zu deinem Folgeposting (27.11. / 08:24):

      In der Tat ist es problematisch, wenn nicht wenige Radfahrer immer wieder zurückstecken. Das tun sie aber leider in der Mehrzahl der Fälle auch dadurch, dass sie "geschützte Bereiche" fordern oder auch auf Gehwegen rumfahren.

      "Safety by Numbers" halte ich eh für eine Legende. Ich fahre in einer Region, in der der Radverkehrsanteil quasi bei Null liegt - und fühle mich grade nicht gefährdet. Man kann Radverkehr auch aus gut gemeinten Gründen gefährlich reden...

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    3. @ Martin: leider gibst Du nicht an, welche Studien Deiner Meinung nach "den aktuellen Stand der Wissenschaft" darstellen. Könntest Du das bitte nachholen und konkret daraus zitieren?

      @ DS-pektiven: der Vorwurf einer kognitiven Dissonanz, d.h. ich würde meine Argumente nicht schlüssig auf die Kette bringen, trifft mich hart. Die Einschätzung dagegen, ich würde noch mit den Konsequenzen des Erwachsenwerdens kämpfen, werte ich als Ü50'er als Kompliment. Das geht runter wie Öl. Meine studierenden Kinder vermitteln mir regelmäßig ein anderes Altersgefühl ;-) .

      Ich bitte Dich dagegen, lies noch mal mein Argument: ich habe durchaus absichtlich "mit kreuzungsfreier Streckenführung" geschrieben. Damit meinte ich Brücken oder Unterführungen, denn mir ist schon klar, dass Rechtsabbieger den Hauptgrund von Unfällen bilden. Querungsunfälle sind das größte Problem, und zwar sowohl bei Führung auf als auch neben der Straße. Ein Kollege mit Schlüsselbeinbruch weil ihn der Spiegel gestreift hat und ein eigener Sturz im Acker, in den ich einmal von der Straße herunter ausweichen musste, um Gegenverkehr auszuweichen, sind subjektive Einzelfälle, die mich dennoch nachdenklich machen.

      Natürlich gehe ich bei meinen Argumenten nicht (nur) von persönlichen/subjektiven Erfahrungen aus.
      (meine heutige Gefahren-Statistik würde streng genommen gegen meine Argumentation sprechen, gebe ich offen zu:
      1 x beschimpft worden, weil ich auf der Hofener Straße gefahren bin, es gäbe doch Radwege: unangenehm, nicht gefährlich;
      7 x mit deutlich zu geringem Seitenabstand auf L1140 überholt worden: extrem unangenehm, nicht gefährlich;
      1 x Rechtsabbieger-Beinaheunfall in Fellbach - der Lieferwagenfahrer hat mich abgedrängt, ich bin eben zwangsabgebogen, um den Zusammenstoß zu vermeiden. Dem Fahrer schien es peinlich gewesen zu sein und er zeigte sich erleichtert, dass ich mich nicht verletzt habe. Straßenbegleitender Radweg, freie Sicht (Fortführung der HRR1): ernsthafte Verletzungsgefahr;
      1 x im Kreisverkehr überholt und vom ausfahrenden Autofahrer geschnitten worden (Waiblingen, Winnender Straße): extrem unangenehm, nicht gefährlich.)

      Du siehst, ich fahre seit über 40 Jahren sowohl Straße als auch Radwege, Wirtschaftswege, Gehwege. Das volle Programm ist Basis meiner persönlichen Bewertung.

      Meine Argumentation stützt sich u.a. auf die Studie "Unfallrisiko und Regelakzeptanz von Fahrradfahrern" der Bundesanstalt für Straßenwesen (Heft V184, publiziert 2011), siehe "https://nationaler-radverkehrsplan.de/de/aktuell/nachrichten/studie-zu-unfallrisiko-konfliktpotential-und". Die halte ich für wirklich fundiert (Herr Alrutz ist eine bekannte Koryphäe auf dem Gebiet). Sie kommt zu folgendem Fazit:

      "Die mittlere Unfallrate Rechtsfahrender ist bei nach den technischen Regelwerken anforderungsgerechten Radwegen (...) niedriger als bei nicht anforderungsgerechten Radwegen (...). Die Unfallbelastung anforderungsgerechter Radfahrstreifen ist annähernd mit der bei anforderungsgerechten Radwegen vergleichbar."

      "Folgerungen für die Praxis -
      Angepasster Einsatz jedes Anlagentyps -
      Eine generelle Präferenz für einen der hier untersuchten Anlagentypen kann wegen der insgesamt geringen Unterschiede der Unfallbelastung und der hohen Akzeptanz nicht getroffen werden. Sowohl Radwege als auch Radfahrstreifen und Schutzstreifen können bei Beachtung wesentlicher sicherheitsrelevanter Entwurfsmerkmale und betrieblicher Anforderungen verkehrssicher gestaltet werden. Zugleich können einzelne gravierende Entwurfsmängel ansonsten anforderungsgerecht gestaltete Radverkehrsanlagen die Sicherheitsbilanz nachhaltig beeinträchtigen."

      D.h., objektiv macht es keinen Unterschied, sodass die Akzeptanz aufgrund des höheren Sicherheitsgefühls zum wesentlichen Argument wird.

      Ein Satz zum Thema "Fußgänger": ich nehme wahr, dass viele Fußgänger sich ganz ungeniert viel Verkehrsfläche erobern. So viele, die mir auf Radwegen begegnen oder auf Kreuzungen einfach in den Weg laufen (extrem: Kreuzung Marienstr/Sopienstr) ...

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  4. Eine Gefahr geht von denjenigen Radfahrern aus, die grundsätzlich erkennbar zurückstecken und vorsorglich auf ihre Rechte, insbesondere Vorfahrt, verzichten. Daran haben sich viele Autofahrer gewöhnt und erwarten das von allen Radfahrern. Ist ja auch bequem, wenn einem immer der Weg freigemacht wird.

    Daher die dringende Bitte: bitte tut im Straßenverkehr so, als ob ihr Kampfradler wärt, haltet euch aber natürlich "heimlich" bereit, bremsen oder ausweichen zu können.

    Noch gilt in Stuttgart nicht "security by numbers". Wir heutigen Radfahrer sind noch die Pioniere und sollten uns entsprechend verhalten: den Weg für die "Normalos" bereiten und auf die eigene Sicherheit achten.

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  5. Kurz zusammengefasst: Radeln auf der Fahrbahn ist gefährlich. Das ist amtlich bestätigt. Deswegen werden ja Radwege ausgewiesen.

    Die Radwege werden entgegen aller Vorgaben unsicher, gefährlich, unstetig, ... gebaut. Um diese Mängel auszugleichen, wird der Nutzer in die Pflicht genommen.

    Wenn es nicht so traurig wäre...

    Die DEKRA hat ja jetzt dankenswerterweise auf die Risiken von parallel geführten Radwegen hingewiesen. Heißt das jetzt, dass ich grob fahrlässig handele, wenn ich so einen Weg nutze?

    Ich bleibe dann doch lieber auf der Fahrbahn - vor dem KFZ, nicht daneben.

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    1. Vor den KfZ ist leider auch so eine Sache. Autofahrer übersehen regelmäßg sogar Busse, LKWs, Stadt-/Straßenbahnen und normale PKWs. Nach Umfragen geben 70% der Autofahrer zu, dass sie sich beim Fahren gelegentlich dem Handy widmen. Wenn Dich so ein Blindflieger anschiebt, wird's unangenehm. Ist mir ehrlich gesagt als Radfahrer noch nie passiert, beim "mittig" fahren (die empfohlenen 80-100 cm Abstand vom rechten Rand) ist mir schon nicht mehr ganz wohl und beim Ausschwenken, um die Bordsteinkante an der Hofener Straße beim Einbiegen in den Skiclub-Parkplatz im steilen Winkel zu überwinden, hasse ich die Windschatten-fahrenden KfZ wie die Pest.

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  6. "Fahre niemals rechts vorbei" ist eine super Aktion, sie ermuntert uns auf unser gutes Recht gemäß StVO zu verzichten. Ich empfehle eine Folgeaktion "Verzichte auf die Vorfahrt", mit einer ähnlich sinnvollen Begründung wie "dann kann Dich der Autofahrer nicht übersehen falls er gerade mit dem Handy daddelt". So stehen wir Radfahrer dem DEKRA-geprüften Kraftfahrzeug möglichst wenig im Weg. Alles Plakette?

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  7. Eher praktikabel als "bike flash" sind "Trixi-Spiegel".
    S. auch unter https://de.wikipedia.org/wiki/Verkehrsspiegel

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  8. Dieses Bild zeigt die "Todeszone" um einen LKW sehr realistisch: https://www.radlobby.at/sites/default/files/styles/large/public/thumbnails/image/toter_winkel_info_radlobby.png?itok=vL4pw3dp
    Der rechts neben dem LKW fahrende Radler verschwindet genau in dem Moment im toten Winkel, wenn der LKW etwas zum rechts abbiegen einschwenkt. Ab dann ist "Blindflug" angesagt, weil die "Todeszone" mit einschwenkt und der Radler dann rechts im roten Bereich verschwindet. Nicht weil der LKW-Fahrer das will, sondern weil es mit LKWs gar nicht anders geht. Je nach Schwierigkeit des Abbiegevorgangs kann sich das über viele lange Sekunden hinziehen.
    Hier eine korrekte Darstellung bei schon eingeschwenktem LKW: http://www.bystricykel.sk/files/images/mrtvy-uhol-nakladaku.gif

    Für einen Abbiegevorgang nach rechts in eine Seitenstraße mit einem richtigen LKW (2,5 m breit; 3,8 m hoch; 10 - 16 m lang) sind vom Fahrer ungefähr folgende Lageeinschätzungen und Kontrollblicke erforderlich:

    - frühzeitiges Einschätzen der Platzverhältnisse in der Seitenstraße
    - wieviel Platz brauche / habe ich zum links ausholen
    - wieviel Platz brauche / habe ich zum gerade weiterfahren vor dem "Reinziehen" (um das Ende des LKW auch um die Ecke zu bekommen = Schleppkurve)
    - welche Hindernisse sind ggf. für die hinten innen rechts nachlaufenden Räder im Weg
    - welche Hindernisse sind auf dem Außenbogen im Weg (für die vordere linke Ecke des Fahrerhauses)
    - wie spitz kann ich rumziehen, ohne dass das ausscherende LKW-Heck in den Gegenverkehr/links parkende Autos haut;
    - ist der "Luftraum" bis in passende Höhe frei (Lampen, Dachvorsprünge, Werbeschilder, Baumäste etc.)
    - rechten Rückspiegel beobachten (wg. Radfahrer, Fußgänger - aber auch !!, um die Hinterräder des Aufliegers im Blick zu haben, ob sie schon frei innen durchkommen würden)
    - Gegenverkehr zum links ausholen beobachten
    - Fußgänger-/Radweg von vorne beobachten,
    - linke vordere Fahrzeugecken im Blick behalten, ob das unten und oben tatsächlich passt beim Rumziehen
    - etc.
    Ganz nebenbei sollte man dann auch noch Lenken, Bremsen, Gangwahl und Gasgeben mitkoordinieren, das bimmelnde Handy ignorieren, etc. .....

    Wie man unschwer erkennen kann, ist der Blick in den rechten Rückspiegel zu irgendwelchen Radfahrern nur ein geringer einzelner Aspekt in einem hochkomplexen Vorgang - und funktioniert nur, solange der Zug noch in vollständiger Geradeaus-Position" steht. Alle genannten Aspekte können während des Abbiegevorgangs ständig gegengeprüft und meist notfalls noch korrigiert werden. Nur der Spiegelblick wg. Radfahrern rechts nach hinten funktioniert nicht mehr, sobald das Fahrzeug geringfügig eingelenkt ist - und das passiert schon relativ früh im Abbiegevorgang.

    Beide vorgenannten Probleme mit rechts abbiegenden LKW sollten Eltern erstens selbst beherrschen, und zweitens ihren Kindern beibringen, damit die sicher auf dem Rad am Straßenverkehr teilnehmen können, und in die Lage versetzt werden, eine Gefahrensituation selbst zu erkennen und / oder zu vermeiden. Und nicht nur im pflichtschuldigen Gehweg-Radeln unterweisen und irgendwas von "rechts vorbei hat Vorfahrt" erzählen.

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    1. Siehe auch mein Artikel: https://dasfahrradblog.blogspot.com/2017/10/der-tote-winkel.html

      Es gibt übrigens auch einen Toten Winkel für Radfahrende. Sie sehen den einbiegenden Lastwagen auch nicht, wenn sie gerade geradeaus übe die Bordsteinkante auf die Fahrbahn fahren, den Blick auf die grüne Fußgängerampel gerichtet.

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  9. "Es gibt übrigens auch einen Toten Winkel für Radfahrende."
    Nein, gibt es nicht. Eine einfache Kopf- Rumpfdrehung genügt, um sein Umfeld nach Gefahren abzuscannen. Außerdem sind LKW deutlich zu hören und am Gräusch kann man auch erkennen, was da gerade abgeht: Beschleunigung, Bremsen, lockeres Rollen - hört sich alles anders an (wenn man nicht gerade HeavyMetall im Kopfhörer laufen hat). Was vom KFZ-Nutzer verlangt wird, nämlich sich in der Fahrbewegung notfalls auch nach anderen Verkehrsteilnehmern umzuschauen (z. B. Schulterblick), gilt auch für Radfahrer.

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    1. Lieber Anonymus, ja, wenn man sich umguckt, sieht man den Lkw, aber wenn man gerade auf die Fußgängerampel gegenüber guckt, um abzuschätzen, ob sie auf Rot springt, während man heranradelt, dann guckt man sich halt nicht um und sieht den Lkw nicht. Manche Straßenübergänge erfordern auch reichlich Aufmerksamkeit wegen Asphaltaufschüttungen und Schlaglöchern, da schauen die meisten Radler vor sich. Ich habe nicht nur selbst erlebt, dass ich den knapp hinter mir einbiegenden Transporter nicht bemerkt habe, ich habe auch bei anderen beobachtet, wo sie hinschauen, wenn sie vom Radweg aus über eine Fußgängerfurt radeln. Man muss sich, was ich inzwischen tue, immer aktiv umschauen, um den von halb hinten links einbiegenden Transporter oder Pkw zu sehen. Fährt man an einer Straße mit hohem Verkehrsaufkommen entlang, hört man auch den einzelnen Pkw oder Lkw nicht mehr. Man muss ich der Gefahr stets gewärtig sein. Das ist die trügerische Sicherheit der Radwege.

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