7. Februar 2020

Unfallursache Falschparken

Der ruhende Verkehr verursacht viele Unfälle. Nach Angaben des Verkehrsministeriums Baden-Württemberg waren es 2018 im Land 1.745 Unfälle mit Personenschaden oder schwerem Sachschaden, 14 Prozent mehr als 2015.

Die Dunkelziffer leichterer Unfälle dürfte erheblich sein, bis zu zwei Drittel höher. Statistisch machen die erfassten Unfälle durch Falschparker etwa 5,4  Prozent aller Verkehrsunfälle mit Personenschaden in Ba-Wü aus. Deshalb informiert das Verkehrministerium auf seiner Seite über die Gefahren.

Zum einen  nehmen Autos Kindern die Sicht auf den Verkehr und Autofahrenden die Sicht auf Menschen, etwa an Zebrastreifen. Besonders gefährlich für Kinder sind am Zebrastreifen oder direkt an Gehwegecken abgestelle Autos, wo eigentlich zehn beziehungsweise fünf Meter Abstand gehalten werden müsste. Kinder sind klein, sie können über die Autos nicht hinwegsehen. Herankommende Autofahrer sehen sie ebenfalls nicht hinter den geparkten Autos, bevor auf die Straße treten. Und leider neigen etliche Autofahrende dazu, auch noch viel zu schnell durch Tempo-30-Zonen oder an Zebrastreifen heranzufahren.

Parken Autos auf Gehwegen, müssen Fußgänger oft runter auf die Fahrbahn, unter ihnen auch Kinder, alte Menschen mit Rollatoren, Rollstuhlfahrende, Eltern und Großeltern mit Kinderwagen. Manchmal schlendern Leute gleich auf der Fahrbahn einer Wohnstraße weiter, weil der Gehweg auf größerer Länge zugeparkt ist. Meistens geht das gut, aber es kann auch schief gehen, wenn es dunkel oder glatt ist, oder wenn der Autofahrer abgelenkt war und mit freier Fahrbahn rechnete.


Zum andern aber sind es auch Unfälle beim Aussteigen, etwa wenn ein Fahrer oder Beifahrer die Tür aufstößt, ohne auf Radfahrende zu achten. Dooring-Unfälle verlaufen in der Regel schwer. Dabei kann man auch eine ganze Kaskade von Unfällen auslösen. Die Tür geht auf, der Radfahrer weicht aus, der nachfolgende Autofahrer ist überrascht und weicht ebenfalls aus und knallt mit einem entgegenkommenden Auto zusammen oder erwischt einen entgegenkommenden Radler.

Gefährlich wird es für Radfahrende aber auch, wenn sie um ein auf dem Radstreifen abgestelltes Auto herumfahren müssen und ein Autofahrer (eine Autofahrerin) von hinten ihn nicht sieht oder nicht sehen will. Auch wenn die Bußen dafür in diesem Jahr höher werden und auch auf Schutzstreifen kein Auto mehr halten darf, sind der Verfolgungsdruck und das Schuldbewusstsein von Autofahrenden gering. "Sie können doch drum herum fahren!", höre ich dann oft. Die Straße erscheint frei, wo ist das Problem? Es kann aber auch schief gehen, etwa, wenn ein Autofahrer, der entgegenkommt, um ein in zweiter Reihe abgestelltes Auto herumfährt und mich auf den Kühler nimmt, weil ich gerade um ein Auto auf dem Radfahrstreifen herumfahre.

Falsches Parken macht Situationen im gefährlichsten öffentlichen Bereich unserer Städte, der Fahrbahn, unübersichtlich. Wenn ein Ausweichen Stress macht, dann können die meisten Menschen nicht mehr auf weitere Gefahren achten, die sich gleichzeitig aufbauen. Je jünger die Radfahrenden, desto riskanter wird es für sie, wenn sie ihre Radstreifen oder Radwege verlassen müssen, weil dort ein Auto steht. Und auch für Seniorinnen wird es dann wieder gefährlich, denn sie können nicht so schnell reagieren.

Und lieber Autofahrer, liebe Autofahrerin, Sie wollen kein Kind überfahren und nicht für den Tod einer 14-jährige Radfahrerin verantwortlich sein. Davon erholen sie sich Ihr ganzes Leben nicht mehr, auch wenn Ihnen selbst nichts passiert ist. Und das nur, weil Sie einen in Ihren Augen winzigen Regelverstoß begangen haben haben und sich auf eine Gehwegecke gestellt, eine Tür zu schnell aufgestoßen, vor einem Zebrastreifen nicht abgebremst haben oder auf einen Gehweg hochgefahren sind, um dort zu parken.

Kommentare:

  1. es ist technisch möglich, falschparken dadurch zu verhindern dass sich z.b. das kfz nicht abschließen lässt, sich automatisch alle türen öffnen buw. sich ein einmal falsch geparktes kfz nicht mehr öffnen lässt, sondern in einem aufwändigen, kostspieligen und sozial ächtenden verwaltungsprozess freigeschaltet werden muss.
    auch das sog. dooring wäre derart zuverlässig in den griff zu bekommen.
    als low-tech variante wäre aber auch eine regelung denkbar, bei der falschparkende gefährder das recht auf schutz des eigentuns verlören und deren wirkmittel manuell und unbürokratisch in einenregelkonformen zustand überführt oder gänzlich aus dem verkehr genommen werden könnten.

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    1. All das ist halt nicht in unserer StVO und im Gesetz verankert. Ich finde es auch nicht so geschickt, wenn man falsch geparkte Autos durch Wegfahrsperren an dem Ort fixiert, wo sie falsch stehen. Allerdings ist das woanders recht erfolreich.

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    2. Ralph Gutschmidt8. Februar 2020 um 17:19

      Wenn sich ein falsch geparktes Auto nicht mehr öffnen lässt, kann man es auch nicht weg fahren. Es steht also noch länger an der gefährlichen Stelle. Zum Glück sind Parkkrallen daher bei uns nicht erlaubt.

      Es gibt doch schon eine Lösung: Abschleppen.

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    3. Der erste Teil der vorgeschlagenen Geofencing-Maßnahme könnte noch legal umsetzbar sein: der Schlüssel lässt sich nicht abziehen (ok, altmodisch...), das Auto lässt sich nicht abschließen und der Kofferraum klappt auf und verriegelt nicht.

      Das mit verriegeln und sperren halte ich auch für schlecht. Und technische Maßnahmen, die zusätzlich Verwaltungsaufwand kosten, sind ganz schlecht. Das Ordnungsamt sollte nicht von fleißigen Kontrollen abgehalten werden.

      Nennst Du mit der StVO das richtige Gesetz, was die Sanktionen und Gegenmaßnahmen angeht? Hier geht es doch eher um Verwaltungsvorschriften und die Zulassungsverordnung.

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  2. Dooring Unfälle ließen sich durchg den "Dutch Reach" (weiß nicht, ob's da einen deutschen Ausdruck gibt) verringern. In den Niederlanden wird Autofahrern beigebracht nur mit der gegenübeliegenden Hand die Tür zu öffnen, damit sie automatisch über die Schulter schauen.

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    1. In der Fahrschule wird den Fahrschülern auch die Bedeutung der Ge- und Verbote beigebracht. Selbst $ 1 der Straßenverkehrsordnung ist in der Ausbildung ein Thema.
      Wie viele halten sich daran?
      Als jemand der seit nunmehr 44 Jahren Auto fährt und das bei 25.000 km im Jahr weiß ich, dass sehr viele Autofahrende sich nur dann an die Regeln halten, wenn ein entsprechende Kontrolldruck besteht. Und der ist leider viel zu gering.
      Auch FußgängerInnen und Radfahrende können sich wehren. Viele Ordnungsämter nehmen Anzeigen auch per Mail oder von der entsprechenden Handy-App entgegen. Das sorgt schon für einen gewissen Lerneffekt. Damit kann jeder Einzelne das Verhalten zumindest der rücksichtslos Parkenden sanktionieren lassen.
      Aus eigener Erfahrung weiß ich auch, dass das funktioniert. In der Einfahrt zu unserer schmalen Sackgasse ist eine kurze Halteverbotszone, Die wird zu Beginn eines jeden Schuljahres regelmäßig von Berufsschülern zugeparkt. Doch ein paar Wochen später haben fast alle notorischen Falschparker ihr Ticket bekommen und ihre Lehren gezogen.

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  3. In den vergangenen sechs Jahre habe ich in meinem Wohngebiet Egeria in Tübingen Folgendes erlebt: Das Wohngebiet neu erschlossen, also von Grund auf neu geplant. Ursprünglich sollte es im Wohngebiet keine oberirdischen Parkplätze geben und jede Wohneinheit sollte mindestens einen TG-Stellplatz nachweisen. Während der Bauphase wurde sichtbar, das wenige durch diverse Tricks (z.B. Zweifamilienhaus als Einfamilienhaus deklariert) sich an der Pflicht vorbei mogelten. Deutlich mehr eine Ablösesumme zahlten und mehr als die Hälfte nur einen Stellplatz kauften, obwohl sie schon damals 2+ Autos besaßen.
    Nach der Fertigstellung parkten dann überall die Vorher nicht existenten Autos auf den Wohnstraßen. Im Jahr 2 wurden 3 Wochen konsequent Verwarnungen (10 € im Vergleich zu 30 T€ für den TG-Platz) verteilt. Danach lies sich der Ordnungsdienst nicht mehr sehen, denn wie es hieß es hat jemand gegen die Verwarnung geklagt.
    Im Jahr 5 dann kam man zur Erkenntnis, dass die Beschilderung nicht juristisch wasserdicht war und investierte in einen entsprechenden Schilderpark. Darauf hin wurden wieder Verwarnungen für 10 € verteilt. Ein ansässiger Oligarch, dessen Riesen SUV und Cabriosportwagen wieder Erwarten doch nicht zusammen in die Garage passten, parkte demonstrativ permanent auf dem Gehweg und erhielt darauf hin zwei mal pro Woche eine Verwarnung. Nach drei Wochen endete dieses Spiel jedoch wieder und nun heute im Jahr 6 wird absolut sporadisch nur noch kontrolliert.
    Was zeigt das: Es liegt an der Kompetenz der lokalen Behörden und an dem Willen, Parksünder zu verfolgen. Ist beides wie im hier geschilderten Fall nicht vorhanden, dann stehen überall die Autos im Weg. Ist doch irgendwie klar.
    Wenn es im Edeka keinen Ladendetektiv gäbe und sich jeder Dieb aufgrund von Rechtsunsicherheit mit einem guten Rechtsanwalt aus der Affäre ziehen könnte, dann würde ich beim Einkaufen auch keinen Geldbeutel mehr mitnehmen ;-)

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    1. Ralph Gutschmidt8. Februar 2020 um 22:14

      Ja, die fehlende Kontrolle ist ein Problem, aber mit dem neuen Bußgeldkatalog wird sich das hoffentlich bessern.

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    2. Nicht, solange Polizei und Ordnungsamt untätig bleiben.

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