14. Juli 2020

Es ist zum k... Ehrlich.

Wer die Johannesstraße hoch radelt, stößt unerwartet an der Schlossstraße auf eine Durchfahrtsperre.

Ich kann mich nicht erinnern, auf der Johannestraße ein Vorwarnung gesehen zu haben. Ich war überrascht, plötzlich erkennen zu müssen, dass ich nicht mehr geradeaus über die Schlosstraße fahren darf. Nach rechts abbiegen bedeutet 1 km Umweg. Was macht der Radler und die Radlerin hier also? Beide fahren bei Grün geradeaus, Lücken gibt es ja. Die einen fahren dann über den Gehweg weiter, die anderen auf der Fahrbahn. Da kommt zwar Verkehr entgegen, aber es ist Platz genug.

Gelinde gesagt, kurios ist aber die Beschilderung, wenn man von der anderen Seite kommt und Richtung Süden radelt.
Da sieht man ein Umleitungsschild. Für wen auch immer. (Bisher durften nur Bus und Fahrrad geradeaus über die Schlosstraße, alle anderen nicht.) Man sieht, dass Fußgänger auf der anderen Seite gehen sollen und man sieht links das Einfahrt-Verboten-Schild. Wir sehen aber auch zwei Autos, einen Laster und einen Pkw, die in die Straße hineingefahren sind und an der Ampel warten.


Als Einfahrtverbot für Autos und Fahrräder wird die Beschilderung jedenfalls nicht verstanden (das Verkehrzeichen steht ja auch nicht rechts, sondern links, ist mithin nicht wirklich gültig).

Ich finde, für Radfahrende hätte man die Durchfahrt  ermöglichen können und müssen. Es ist, höflich gesagt, ziemlich unfreundlich, sie hier aus dem Süden ranfahren zu lassen und sie dann - ätsch-bätsch! - zum Rechtsabbiegen zu zwingen. Bis zur Silberburgstraße sind es 150 Meter und dort ist es nicht erlaubt, einen U-Turn zu machen. Und bis zum Berliner Platz sind es fast 500 Meter, und auch dort können wir nicht legal wenden. Wer das weiß (also wer sich gut auskennt), weiß, um legal unterwegs zu sein, muss er oder sie  hier absteigen, das Rad auf die Gewhegecke schieben (also hochheben, denn der Bordstein ist hoch) und mit den Fußgänger:innen die Schlosstraße queren, das Fahrrad an der Baustelle entlang auf dem Geweg schieben und kann erst an der Breitscheidstraße wieder aufsteigen.

Wieder mal nicht an Radfahrende gedacht. Abgesehen von, dass die Beschilderung inkonsistent ist und Autofahrenden alles erlaubt, was sie bisher durften, und Radfahrenden gar nichts.  Und, ehrlich, irgendwie finde ich es jetzt auch ziemlich ärgerlich, dass wir uns an beinahe jeder Baustelle fragen müssen, wo wir Radfahrenden eigentlich bleiben sollen.

21 Kommentare:

  1. Permanentes Missachten und Übersehen (klassisches "SMIDSY", hier sinngemäß seitens der Stadtverwaltung (AfÖ): "'Tschuldigung liebe Radfahrer, an euch habe ich nicht gedacht!".

    Das ist die altbekannte Verhaltensmuster - Ausspielen von Macht gegenüber einer Randgruppe und Minderheit.

    Radfahren ist in Stuttgart eben noch längst nicht etabliertes oder gar gefördertes Verkehrsmittel.

    Siehe https://dasfahrradblog.blogspot.com/2017/07/die-uneingeschrankte-macht-der-strae.html

    Wer hätte denn erwartet, dass sich die Stadtverwaltung an wacklige politische Beschlüsse zu Inhalten vom Radentscheid hält? Beim Abschmettern des Radentscheids stützte sie sich auf ein Gutachten, das 11 Fehler enthält, um dem Radentscheid 4 formale Fehler vorzuwerfen. Machtdemonstation.

    Desinteresse bei Unfällen? Machtdemonstation.

    Mal wieder keine Umleitung ausgeschildert? Klar, ist nicht überlebensnotwendig, aber dennoch: Machtdemonstation.

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    1. Ich halte das für eine Überinterpretation, die böse Absichten unterstellt. Mit Sicherheit spielen weder die Stadtverwaltung, noch die Bauarbeiter, die die Schilder aufstellen, ihre Macht uns Radfahrenden gegenüber aus. Und in der Regel sind die Planungen von Beschilderungen richtig und genehmigt, die Schilder sehen dann bloß nicht so wie genehmigt oder verändern ihre Position im Verlauf der Bauarbeiten, weil sie hin und her geschoben werden. Mein Artikel, "Die uneingeschränkte Macht der Straße" beschäftigt sich nicht mi der Haltung von Verwaltungen, sondern mit der Frage, warum Autofahrende Radfahrende nicht sehen und auch gar nicht sehen wollen.

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    2. Liebe Christine, Du hast mich offensichtlich fundamental missverstanden.

      Nein, ich unterstelle ausdrücklich nicht böse Absichten. Ich spreche von Desinteresse. Das ist nun wirklich was anderes.

      Und ich spreche davon, dass sich auch in Desinteresse Machtausübung manifestiert und äußert. Dazu stehe ich.

      Den Hass von Autofahrern, den Du in "uneingeschränkte Macht" Autofahrern zuschreibst, ist sicher in Einzelfällen vorhanden, aber auch dort nicht die Regel. Und der Verwaltung unterstelle ich genauso wenig Hass und böse Absicht, wirklich nicht! Gegen solche Unterstellungen verwahre ich mich vehement.

      Das, was die Behörden (und der GR als Gesamt-Gremium) zeigt, werte ich tatsächlich als das gleiche wie bei den meisten Autofahrern, die nicht blinken, die auf den Schulterblick verzichten und die zu schnell fahren. Denen unterstelle ich auch nicht, dass sie andere Verkehrsteilnehmer töten wollen.

      Sie sind einfach nicht interessiert und unterlassen dann, sich an manche Pflichten zu halten.

      Genauso übrigens auch die (nach Studien ca. 20%) der Radfahrer, die rote Ampeln missachten oder der ersthelfende Arzt beim Unfall an der neuen Weinsteige, der (wie ich auch) offen bekennt, dort nicht wie vorgeschrieben auf der Straße zu fahren sondern auf den Gehweg auszuweichen. Ihm und mir unterstelle ich auch nicht böse Absicht, mit einem Fußgänger zusammenstoßen zu wollen. Nur, die Möglichkeit des Zusammenstoßes mit einem Fußgänger nehmen wir in Kauf, ohne uns darum zu kümmern, was der Fußgänger davon hält.

      Ich habe mich in meinem Kommentar auf den psychologischen Aspekt in Deinem alten Blog-Beitrag konzentriert und ich greife Deine Verallgemeinerung dort auf. Du schreibst selbst "in unserer Gesellschaft", "bis weit in die Polizei und Staatsanwaltschaften hinein" und "Wir leben also in einer Gesellschaft, die das Autofahren als berechtigte Machtdemonstration allen anderen gegenüber akzeptiert und unterstützt."

      Dann nimmst Du die Kurve zu "aber die Gestaltung des Straßenraums kann von der Politik (wenn sie es denn endlich mal wollte) schnell geändert werden."

      Diese Gedanken habe ich fortgeführt.

      Ob ich allerdings beim AfÖ an der richtigen Adresse bin oder beim GR, der sich ja massiv einmischt, ob bzw. an welche Vorschriften sich die Behörden halten sollen und welche sie ignorieren sollen, da bin ich mir - ehrlich gesagt - auch nicht sicher. Das Zusammenspiel ist für mich als Außenstehenden extrem intransparent.

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    3. Ist es nicht hoheitliche Aufgabe des AfÖ als Verkehrsbehörde, die Aufstellung der Schilder anzuordnen? Ist es nicht Aufgabe des AfÖ, das Einhalten der Anordnung zu kontrollieren und durchzusetzen?

      Ja, wir nehmen vorrangig das wahr, was falsch läuft. Bringe im Blog doch einfach häufiger Beispiele, wo Baustellen im Sinne des Radverkehrs perfekt eingerichtet wurden. Das motiviert die Zuständigen sicher auch eher, als wenn sie immer nur wegen der wenigen Ausnahmen kritisiert werden.

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    4. Ist Deiner Meinung nach die Frage nicht sehr ähnlich gelagert, warum Behörden und Bauarbeiter Radverkehr nicht sehen und auch gar nicht sehen wollen, wie die Frage, warum Autofahrende Radfahrende nicht sehen und auch gar nicht sehen wollen?

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    5. Es sollte im ersten Kommentar natürlich "Machtdemonstration" heißen...

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  2. In Feuerbach hat man eine Baustellenampel mitten auf dem Radweg platziert (Wiener Str.). Nachdem ich die Stadt wegen §315b angezeigt habe, war es plötzlich möglich, die Ampel an die Seite zu stellen- nicht optimal aber besser als vorher. Das zeigt doch ganz klar, dass der Verwaltung der Radverkehr egal ist.

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    1. Noch schlimmer scheint es derzeit auf den Neckardämmen zwischen Cannstatt und Esslingen zu sein, die sind beide gesperrt und Radfashrende verirren sich in Umleitungen und auf Treppen.

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    2. Ralph Gutschmidt14. Juli 2020 um 21:23

      Super, das mit der Anzeige. Das ist die einzige Sprache, die die Straßenverkehrsbehörde versteht.

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    3. Super, aber auch traurig.

      Eine Mitarbeiterin des Bauunternehmens hätte es selbst merken und für Abhilfe sorgen können, ohne dass noch eine Behörde hätte beschäftigt werden müssen.

      Eine AfÖ-Mitarbeiterin hätte es selbst bemerken und für Abhilfe sorgen können, ohne dass noch eine weitere Behörde beschäftigt hätte werden müssen (z.B. bei einem der Kontrollgänge des ruhenden Verkehrs).

      Eine Polizistin hätte es selbst bemerken und dem AfÖ melden können, ohne dass noch ein Bürger beschäftigt hätte werden müssen.

      So hat die Baufirma dafür gesorgt, dass mindestens 3 Personen unnötig beschäftigt wurden (vermutlich noch weitere für das Controlling der Verwaltungsakte und für die Kommunikation Polizei-Stadt und Stadt-Baufirma), die in der Zeit anderes hätten erledigen können.

      So wurde für eine Selbstverständlichkeit maximaler Aufwand betrieben. Die Baufirmen scheinen keinen ausreichenden Anreiz dafür zu bekommen, das regelmäßig richtig zu machen (z.B. als Vertragsstrafe, Knöllchen und Kostenerstattung).

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  3. Über diese Stelle bin ich letzte Woche auch gestolpert. Die Johannesstraße wird einigermaßen rege vom Radverkehr genutzt, da das sonstige Verkehrsaufkommen sehr niedrig ist und man nicht mit vielen Autos rechnen muss. Mit mir haben ca. 6 - 7 andere Radfahrer versucht diese Kreuzung zu überqueren. Dass der Radverkehr hier komplett vergessen wurde ist ein Armutszeugnis der Verkehrsplanung. Mir persönlich hätte ja schon ein nicht regelkonformes "Radfahrer bitte absteigen und Fußgängerüberweg benutzen"-Schild gereicht. Das wäre auch nicht schön, aber zumindest würde es zeigen, dass irgendwie entfernt an den Radverkehr gedacht wurde, statt einfach vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden.

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    1. Es verblüfft mich auch immer wieder, wie schwierig es zu sein schein, den Radverkehr liebevoll mitzudenken.

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    2. @ Andre, warum so bescheiden?

      Ein Autofahrer würden sich vermutlich auch nicht zufrieden geben mit "Auto bitte abstellen. Ab hier geht es nur zu Fuß weiter."

      Als schiebender Möchtegern-Radfahrer bin ich eben Fußgänger, kein Radfahrer mehr. Der Verweis darauf, dass es doch eine Lösung für Kfz und für Fußgänger gibt, hilft mir als Radfahrer nicht wirklich weiter. Meine Klickpedalplatten werden durch Laufen auf Asphalt ziemlich schnell abgenutzt, es ist unbequem und wackelig.

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  4. Gibt es in Stuttgart sowas wie einen Fahrradbeauftragten (m/w/d)?

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    1. Ralph Gutschmidt14. Juli 2020 um 21:24

      Ja, der die das heißt Anonym, genau wie du.

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    2. Per Google-Suche findest Du leicht raus: Ja, Frau Ádám (w) ist seit 1,5 Jahren im Amt und hat nach ca. 15 Jahren Amtszeit ihres Vorgängers frischen Wind nach Stuttgart gebracht. Sie hatte vorher in Leonberg die Radinfrastruktur auf Vorderfrau gebracht.

      Laut der ersten Ergebnisseite der Google-Suche hat sie in Stuttgart erreicht:
      1. Ein Fernsehinterview im SWR
      2. Fahrradparkanlagen am Hauptbahnhof (laut Interview)
      3. Miteröffnung der Fahrrad-Popup-Lanes (laut Zeitungsartikel)

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    4. Jetzt wäre noch interessant, etwas mehr über Dich, anonyme(r) Fragesteller:in (m/w/d) zu erfahren.

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  5. Für mich ist Stuttgart eine 'failed City'- in allen Belangen. Eine Stadt ohne Seele- die völlig heruntergekommen ist und wo nichts mehr funktioniert. Die einzige Daseinsberechtigung: Künstlich aufgeblasenes Spekulationsobjekt. Mehr nicht.

    Zur Rechtstreue von Beamten & Amtsträgern in den Stuttgarter Ämtern von OB Kuhn, den beauftragten Baufirmen, dem Gemeinderat ist alles gesagt. Wir drehen uns seit Jahren im Kreis und auch hier im Blog. Das führt zu nichts mehr. Waste of time.

    Die Stelle der Fahrradbeauftragten in Stuttgart sehe ich zwischenzeitlich sehr, sehr kritisch. Vorgänger Köhnlein hat einiges auf den Weg gebracht. Jetzt ist diese Stelle nur noch eine reine Placebo-Veranstaltung. Ein blick ins Organigramm wo diese Stelle angesiedelt ist, sagt alles. Ich plädiere dafür, diese Stelle sofort abzuschaffen und das Geld einzusparen.

    Zudem hat sich die jetzige Amtsinhaberin mit einem 'äußerst fragwürdigen' STZ/StN-Interview selbst diskreditiert: Sie hat als Stuttgarter Fahrradbeauftragte das Radkonzept von Fellbach öffentlich 'als Privatfrau bewertet'. Und das in einer Art und Weise, die faktisch unglaubwürdig war. (Sie vergab ein 'gut'. ADFC Index 3,7) Der Artikel wirkte auf Viele als 'gekaufter-PR-Gefälligkeitsartikel'. Die Verantwortlichen der Stadt Stuttgart waren davon wenig begeistert.

    Klaus Schwarz

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  6. äußerst schwaches Interview im SWR....eine Frage, ich finde die Dame gar nicht im Organigramm der Stadt Stuttgart?
    Ich kann mich nur noch erinnern, dass die Dame hier im Blog am Anfang über den grünen Klee gelobt worden ist...Wie ist da jetzt die Einschätzung?

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  7. @ EF Der Fahrradbeauftragte ist beim 'Amt für Stadtplanung und Wohnen' angesiedelt

    Stimmt. Kann mich an die Lobeshymnen auch noch erinnern. Auch Christine Lehmann hat Frau Adam (persönlich befreundet?) sehr hervorgehoben. Meine Einschätzung habe ich kundgetan. Klaus Schwarz

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