7. September 2023

KI kann Rad- und Fußverkehr sicherer machen

Kameras an Autos übersehen nichts, der Mensch hinterm Steuer übersieht aber schon gern mal was. Autonom fahrende Autos können die Verkehrswelt auch für Radfahrende und Fußgänger:innen also sicherer machen. 

Allerdings weiß man noch gar nicht, wie Autofahrende, Gehende und Radfahrende im Gewusel des Straßenverkehrs eigentlich kommunizieren. Um herauszufinden, auf welche Signale die Autokameras achten und wie sie sie interpretieren müssen, hat das Institut für Verkehrssystemtechnkik des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt vor zwei Jahren in Braunschweig eine VRU-Simulation mit in Gang gebracht. VRU steht für "Vulnerable Road Users", also für diejenigen, die bei Zusammenstößen mit Autos immer im Nachteil sind. Bei den Forschungen zum autonomen Fahren wurden sie bisher wenig berücksichtigt, müssen aber im Zentrum stehen. Um zu untersuchen, wie sich Radfahrende und Gehende im Straßenverkehr verhalten wurde eine Plattform mit VR-Brillen entwickelt, die das Radfahr- und Gehverhalten abbildet. So kann erforscht werden, wie es aussieht, wenn ein Fußgänger wirklich über einen Zebrastreifen will oder aber nur herumsteht und auf dem Handy daddelt oder abgelenkt wird und doch nicht geht und so weiter. 

Kameras sind zuverlässiger als Menschen, denn sie sind nicht abgelenkt und übersehen nichts. Würde man die Sicherheit von Fußgänger:innen und Radelnden ernster nehmen als wir das bisher tun, dann könnten jetzt schon, lange bevor wir autonom fahrende Autos haben, Sicherheitstools an Autos die VRUs vor Kollisionen schützen. Was man alles überlegen kann und muss, hat die Deutsche Gesellschaft für Verkehrspsychologie zusammengetragen. Ein sehr lesenswerter Artikel. KI-Detektoren können außerdem heute besser helfen, das Verhalten der Verkehrsteilnehmenden an unfallträchtigen Kreuzungen zu untersuchen oder auch den Verkehr zu überwachen. Wie die Seite Vitronic schildert, wird KI in Dubai eingesetzt, um die Sicherheit an Fußgängerüberwegen zu erhöhen. Missachtet ein Autofahrer die Wartepflicht am Zebrastreifen, wird sein Verstoß dokumentiert, und natürlich kann die Fußgängerampel auch an einer Fußgängerfurt auf Grün springen, wenn sich Menschen zu Fuß nähern. 


9 Kommentare:

  1. Leider habe ich das Gefühl, dass es leider auch immer mehr notwendig wird, solche Systeme in Fahrzeuge einzubauen:
    Bei ("luxuriösen") Neuwägen habe ich immer mehr das Problem, dass die Fenster nach hinten raus immer kleiner werden, wogegen die A- / B- Säulen immer größer werden, was die Umsicht schwieriger macht (Privat vergleiche ich da Opel Astra / Corsa / Toyota Yaris vom Stadtmobil mit Mercedes A250e / E300e T-Modell / BMW X1). Der SUV-Boom verstärkt dieses Problem nur weiter, wobei hier zusätzlich Kinder, wenn nicht sogar ganze Fahrzeuge hinter der Motorhaube verschwinden können.

    Ich habe eine Ausbildung als Elektroniker gemacht, in der man mir "eingebrügelt" hat, dass die Person mit dem gefährlichen Werkzeug (z.B. Winkelschleifer) die Sicherheit aller anderen gewährleisten muss, selbst wenn diese sich falsch verhielten (z.B. eine Absperrung übertreten, was relativ häufig vorkommt). Ich denke, beim Auto ist es nicht anders.

    Dieser heute erschiene Kommentar vom SWR über die IAA spiegelt exakt meine Gefühle wieder: https://www.swr.de/swraktuell/neue-auto-generation-auf-der-iaa-mobility-kolumne-100.html

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  2. früher habe ich zu sowas immer gesagt:
    "dem russen wird's egal sein"
    mache ich seit februar 22 nicht mehr.
    stattdessen lieber einstein:
    "with sticks and stones"

    karl g. fahr

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  3. Ki und Mobilität ist ein recht komplexes Thema, da da viele unterschiedliche gesellschaftliche/politische Bereiche reinspielen.
    Jüngst etwa wurde bekannt in welchem Umfang die Automobile bzw. die Herstellerkonzerne die Autonutzer mittlerweile ausspionieren:
    https://www.heise.de/news/Mozilla-Autos-sammeln-Daten-zum-Einwanderungsstatus-und-zur-sexuellen-Aktivitaet-9295153.html
    Auch bei Ki-Verkehrsinfrastruktur besteht stets die leider sehr realistische Gefahr von privater und/oder staatlicher Massenüberwachung.
    Schon vor über 10 Jahren gab es das 'Indect' EU-Projekt, das leider wohl richtungsweisend für den Fortgang der Kontrolle öffentlicher Räume zu werden droht.
    https://de.wikipedia.org/wiki/INDECT
    Da sind wir - wenns so weitergeht - nicht mehr allzuweit entfernt von Dystopien wie 'minority report' und Orwellschen Totalüberwachungsvisionen.
    Von daher ist mE den nicht unmittelbar personalisierbaren Systemen der Vorzug zu geben.
    Zudem ist in den Blick zu nehmen inwieweit Ki-Verkehrssysteme im Kern die Kapazitäten und Reisezeiten des MIV weiter erhöhen, was dann untere dem Aspekt von Umweltzerstörung und Klimaumbruch wieder negativ zu Buche schägt.
    Gut funktionierende LSA Priorisierungen für den Umweltverbund mit nicht personenscharfen Ampelanlagen wären natürlich ein sozialer und ökologischer Gewinn, der zudem wohl ohne negative Nebenwirkungen auskäme.
    Auch automatische ortsscharfe Gschwindigkeitsdrosselung als Auflage im Rahmen der StVZO zB würde einen grossen Teil der schweren Unfälle vermeiden helfen ohne dass zusätzliche Überwachungsmaßnahmen damit verbunden sein müssten, und ohne dass andere negative Seiteneffekte auftreten.
    Aber das faktische Recht auf Tempoüberschreitungen und auf 'unangemessene Geschwindigkeit' steht in automobilen Gesellschaften allemal über solchen Petitessen wie dem Recht auf Leben und Gesundheit.
    Alfons Krückmann

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    1. Zu den Eingriffen in die Privatsphäre kommen noch die schier unglaublichen Datenmengen, die produziert werden und der damit einhergehende Energieverbrauch....

      Wie immer ist die technologische "Lösung" eines Problems wesentlich komplexer, als das vorher Dagewesene, und die Probleme werden nicht gelöst, sondern nur verlagert.

      "Man kann ein Problem nicht mit der Denkweise lösen, die es erst hervorgebracht hat." (Einstein)

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    2. wieder mal sehr treffend, liebes murmeltier.

      und (selbst) welzer weiss es in der aktuellen futur2:
      " Culture is the mind! Und so betrachtet ist es eine fossilkulturell entstandene Verkürzung zu glauben, dass Wissenschaft, Technik, die richtige Steuerung von Kapital und am besten noch die überbewertete KI uns schon aus dem Schlamassel herausführen würden. "

      karl g. fahr

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    3. Die Datenmengen werden jetzt schon in modernen Autos gesammelt. Die Aussage ist nur die, dass autonome Autos die vielen Fehler nicht machen, die Menschen machen, das ist für Leute, die nicht in Autos sitzen, sicherer. Nur muss die KI ihr Verhalten halt erst verstehen lernen.

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    4. Ergänzung: Über uns werden ohnehin Unmengen von Daten gesammelt, es sei denn, wir nutzen kein Smartphone und keine Computer und fahren mit einem uralten Auto oder mit einem Standardfahrrad, benutzen nie die Kreditkarte und bezahlen nie mit Karte. Ja, ich sehe das auch so, dass die Daten von autoritären Regimes missbraucht werden können. Im Moment werden sie aber auch schon von nicht demokratisch legitimierten amerikanischen und chinesischen und vermutlich auch russischen Konzernen gesammelt, um damit Missbrauch zu treiben. Wir wehren uns - habe ich oft den Eindruck - an den falschen Stellen, gegen KI oder Datenverarbeitung, nämlich dort, wo sie offen gelegt wird oder offensichtlich zum Einsatz kommt. Im Verborgenen aber haben wir uns schon alle ausgeliefert.

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  4. Jörg
    KI kann sicherlich helfen. So ist mir bei einer Autofahrt nochmal bewußt geworden, dass an einer für uns bekannten gefährlichen Stelle nicht immer Radfahrer sind. Es geht hier um das Rechtsabbiegen, jedesmal wenn ich mit dem Rad dort vorbei komme ist ein Radfahrer dort (ich) manchmal noch jemand anderes. Nun bin ich dort mit dem Auto vorbei gefahren. Die Fahrerin vor mir hat den Kopf nicht nach rechts geschwenkt, nur ihr Auto nach rechts gesteuert. Tatsächlich war weder ein Fussgängy noch ein Radfahry in der Nähe. Bei dieser Aufmerksamkeit hoffe ich schon auf Autos die schauen, ob die Strecke frei ist.
    Wenn man Daten sinnvoll nutzt wird der Anteil des Missbrauchs kleiner. Also warum nicht nutzen, der Missbrauch ist ja schon da.

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  5. Ja.
    Bei solchen Abbiegeassistenten sind, so weit ich weiss, problemlos datenschutzkonforme Lösungen machbar. Zwar hat das 'System' anhand großer Datenmengen gelernt, aber es müssen dabei im Prinzip keine neuen Daten geschaffen werden. Eigentlich.
    Wie und ob wir erfahren was die Hersteller und IT-Dienstleister mit den Sensordaten (Gesichtserkennung, ethnische Zuordnung, etc....) tatsächlich anfangen steht auf einem anderen Blatt, aber das ist ja kein special von Abbiegeassistenten.
    Alfons Krückmann

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