28. Juni 2026

Ampeldrücker - Fake oder nicht?

Immer wieder, wenn ich mich an die Ampel Lehenstraße bergab Richtung Tübinger Straße an der Hauptstätter Straße komme, sehe ich Radfahrende, den Drücker betätigen. Kürzlich bat mich eine Radlerin hinter mir sogar extra, zu drücken. 

Ich konnte ihr sagen, dass das völlig unnötig ist. Egal, was wir tun, wir kriegen Grün im regulären Umlauf der Ampelschaltung an dieser Kreuzung. Sie ist an die Ampelanlagen am Marienplatz und am Österreichischen Platz gekoppelt, um den Autoverkehr flüssig zu halten. Immerhin aber gibt es hier eine kleine Radampel mit Gelbphase. 


In der Innenstadt gilt tatsächlich für die meisten Bedarfsampeln für den Rad- und Fußverkehr, dass die Drücker nur Attrappe sind. Sie haben keinerlei Funktion, sie dienen lediglich der Beruhigung der Wartenden. Egal, ob man tatenlos daneben steht, drückt oder drei Mal drauf schlägt, es wird nicht schneller Grün. Man weiß es aber halt nicht, man sieht es den Drückern und Ampeln nicht an. Also wird man in Bewegung gehalten und zum Drücken animiert. (Foto: Ampel am Marienplatz, wo es für uns nur Fußgängerampeln ohne Radzeichen gibt.)

Die Ampel auf der Hauptradroute 1 in Heslach bei der Tankstelle, wo es über die Böblinger Straße geht, ist hingegen eine echte Bedarfsampel. Aber sie hat nicht nur Drücker, sondern auch Induktionsschleifen, die herannahende Radler:innen registrieren und ihnen sehr schnell grün geben. 
Für den Fall, dass die Induktionschleifen ein leichtes Karbonrad nicht erkennen, gibt es den Drücker. Er hat noch eine Funktion, verschafft aber auch allen, die nicht bemerkt haben, dass es diese Induktionsschleifen gibt, eine erfreuliche Erfahrung der Selbstwirksamkeit. Denn es wird für den Radverkehr wirklich schnell grün. 

Es handelt sich hier um einen Überweg mit Radampeln, die auf unserer Straßenseite hängen. Leider aber hängt die große Radampel so hoch oben, dass man nach dem Drücker drücken und beim Festhalten am Ring am Mast, den Kopf in den Nacken legen muss, um zu sehen, wann sie grün wird. Das ist schon ziemlich befremdlich und überhaupt nicht - und zwar nicht mal ansatzweise - radfreundlich. Das ist mit dem Gehirn von Planer:innen für den Autoverkehr gedacht. Die sitzen zurückgelehnt in ihren Sitzen und schauen schräg nach oben. Die Haltelinie ist so weit von der Ampel entfernt, dass man sie sitzend gut sehen kann. Radfahrende gucken aber nicht nach oben, sondern vor sich, schräg nach unten. (Unsichtbare Fahrradampeln gibt es immer wieder mal, wie mir Bloglesende berichten.) 

Mag sein, dass man die kleine Radlerampel für herannahende Radfahrende für zu klein gehalten hat, aber dann hätte man wenigstens unten an den Mast zusätzlich noch eine kleine Radampel in Sichthöhe hängen können. 

Dass ein Drücker bei Induktionsschleifen-Ampeln sinnvoll sein kann, zeigt sich, wenn die Ampel nie grün wird, bevor sich nicht ein Auto auf der Fahrbahn zu mir gesellt hat. In so einem Fall kann man der Stadt schreiben (Gelbe Karte), damit die Empfindlichkeit der Induktionssschleife für Fahrräder tauglich gemacht wird. Das geschieht in der Regel ziemlich schnell. 

Keine Chance hat man dagegen an der Ampel auf der Hauptradroute 1 am Erwin-Schoettle-Platz für die Überfahrt über die Schreiberstraße auf grün, wenn man nicht drückt. Immerhin gibt es hier Drücker für den Radverkehr sowohl direkt auf dem Radstreifen. also für uns, als auch auf der Seite für den Fußverkehr. Und für uns ist der Drücker sogar leicht zu erreichen. Die Ampel ist eine Fußgängerampel mit Radzeichen in der Streuscheibe, die auf der gegenüberliegenden Straßenseite zählt. Der Nachteil: Sie hat keine Gelbphase, wird also unversehens rot. Und ich muss überlegen, ob ich eine Vollbremsung mache (ob mir das reicht) oder ob ich vom Bordstein runter bei schon rot radeln darf. 

Damit haben wir einen Anhaltspunkt, wenn wir uns fragen, ob der Drücker Fake ist oder eben nicht. Wenn eine Radroute eine Straße überquert, wo es nicht zugleich ein keine Kreuzung für den Autoverkehr gibt, können wir  davon ausgehen, dass wir mit dem Drücker tatsächlich Grün anfordern müssen, damit der querende Autoverkehr für uns gestoppt wird. 

An der Siemensstraße, Kreuzung Maybachstraße bleibt die Frage für mich ungeklärt, denn es gibt eine Kreuzung mit Umlauf für den Autoverkehr, aber auch einen Drücker. Der befindet sich allerdings mehr als einen Meter vom Radweg entfernt im Fußgängerbereich. Wer dass nicht gleich checkt, muss absteigen und mit dem Fahrrad dorthin gehen. Wer die Situation kennt, radelt gleich auf den Gehwegbereich, was aber eigentlich verboten ist. 

Als ich mit meinem Blog 2013 begann, habe ich mich noch gewundert, wieso man Drücker dorthin hängt, wo Radfahrende sie nicht umstandslos erreichen können, etwa fürs indirekte Linksabbiegen. Klar ist, für uns Radfahrende stellt man nicht immer einen kleinen Ampelmast (mit Drücker) dort auf, wo wir sind oder hingucken. Das bedeutet, absteigen und mit dem Rad zwischen den Beinen oder es schiebend, dorthin gehen. Danach muss man das Rad in die richtige Richtung drehen, wieder aufsteigen und sich Abfahrbereit machen, falls es grün wird. Schon ziemlich krass, was man Radfahrenden so zumutet. 

Und dann gibt es noch die Drücker, mit denen wir gar kein Grün anfordern können, sondern nur Rot für den querenden Autoverkehr. So eine gibt es in Möhringen an der Balinger Straße über die Vaihinger Straße, aber auch am Königsträßle, wo es über die Jahnstraße geht oder im Westen in der Forststraße an der Schwabstraße. Wir müssen auf die parallele Fußgängerampel schauen und gucken, ob die grün wird, oder abwarten, bis wir die Autos anhalten sehen. Grün, also Fahrrecht, haben wir damit allerdings nicht. Der Autoverkehr auf der Vorrangstraße, die wir queren wollen, hat immer noch Vorrang. Und fährt ein Autofahrer bei schon Rot weiter, während wir die Fußgängerampel schon auf Grün haben springen sehen, dann sind wir bei einem Zusammenstoß mit dem Auto zumindest mitschuldig. 

Solche Drücker stehen übrigens mehr als fünf Meter vor der Kreuzung. Deshalb müssen wir zwei Mal anhalten, einmal am Drücker, das zweite mal vorn an der Querstraße, um überhaupt sehen zu können, wann die Fußgängerampel grün wird und wann für uns frei ist. Allerdings muss man den Drücker auch gar nicht betätigen, man kann auch  gleich vor radeln und eine Lücke im Querverkehr abwarten. 

Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht? 

Für Leute, die Rad fahren, gibt es in unserem Verkehrssystem viele geistige Herausforderungen. Das hält geistig fit, wie übrigens die Ampelstopps selbst auch. Zu diesen Herausforderungen gehören auch diese Bedarfsampeln, bei denen wir nie wissen können, ob wir sie betätigen müssen oder ob sie Attrappen sind. Dabei könnten wir uns allerdings ein wenig verhonepiepelt fühlen. Kein Autofahrer muss körperlich aktiv werden, um Grün zu bekommen, wir aber schon und zuweilen auch völlig unnötig. 

Zudem gibt es wieder mal für uns nicht nur ein System, sondern zwei Varianten, eine mit Grün für uns, die andere, gefährlichere, wo nur der Querverkehr Rot bekommt. Und es gibt drei Ampelsysteme: kleine Radlerampel mit Gelbphase auf unsere Straßenseite, große Ampel mit Radzeichen in der Streuscheibe auf unserer Seite, aber sehr hoch hängend, und Fugängerampeln mit Radzeichen in der Streuscheibe zusätzlich zum Fußgängerzeichen ohne Gelbphase, die auf der gegenüberliegenden Straßenseite stehen. Wir sollten im Heranfahren blitzschnell erfassen, welches System an dieser Stelle gilt, und sofort die richtige Ampel finden. Und das gelingt nicht immer gleich, weil die Radampeln zuweilen nicht in unserer Blick- und Fahrrichtung hängen. Außerdem gibt es noch Übergänge für eine ausgewiesene Radroute, die reine Fußgängerüberwege sind, also keine zusätzlichen Radzeichen in den Streuscheiben haben. Und die gelten seit 2016 nicht mehr für den Radverkehr. Es empfiehlt sich aber, sie zu beachten. 

Dass diese wechselnden Systeme auch mal bei weniger geübten Radler:innen zur Verwirrung oder zu falschem Verhalten führen, verwundert nicht. Diese ungeheure Varianz der teils lebenswichtigen Signale im Straßenverkehr mutet man nur dem Radfahrenden zu, aber weder Autofahrenden noch zu Fuß Gehenden. Das zeigt, dass wir in Deutschland immer noch kein wirkliches Konzept für die Organisation des Radverkehrs haben. Vielmehr wird er situationsabhängig (und mit pragmatischen Ad-hoc-Lösungen versehen) irgendwie zwischen den Fuß- und Autoverkehr hin- und her geschoben. 


8 Kommentare:

  1. wir haben in Degerloch auch so eine Ampel, es handel sich meiner Ansicht nach um eine Nachtfunktion, wo der die Ampel für den Autoverkehr ausgeschaltet wird und wenn man als Fussgänger drückt, wird sofort die Ampel für rot für Autos und grün für Fussgänger geschaltet. Tho

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  2. "Bedarfsampel"? In den meisten Fällen dürfte Bettelampel die treffendere Bezeichnung sein. Bedarfsampel ist für mich eine Ampel , die man legal ignorieren kann, wenn kein Bedarf besteht. Weil z:B. kein "feindlicher" Verkehr, der durch diese Ampel angehalten wird, existiert.
    Im schlimmsten Fall Fall sorgt so ein Drücker ja dafür, das in einem Ampelumlauf die Grünphase für Radfahrer bzw. Fußgänger nicht komplett gestrichen wird.
    An Kreuzungen , wo dem Autoverkehr in einer Richtung eine "grüne Welle" versprochen wird , ist es sehr wahrscheinlich das der Drücker keine Funktion hat

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  3. Die "Drücker" haben immer eine Bedeutung!
    Es ist korrekt, dass meistens im Umlauf trotzdem das Signal geschalten wird. Aber mitunter kann man auch schneller grün bekommen, wenn man drückt.
    Nämlich dann, wenn man z. B. in "Nebenzeiten" an so einer Ampel steht und die einzelnen Schaltungen bedarfsabhängig (vom Verkehr) geschalten wird.
    Beispiel ist die König-Karl-Brücke Einmündung Mercedesstraße.
    Wenn man hier drückt, wird man häufig zwischenrein "geschoben" und der Rechtsabbieger von der KKB Richtung Mercedesstraße muss länger warten bzw. hat eine verkürzte Grünphase.
    Die Erfahrung mache ich dort häufig sowohl als Radfahrer als auch mit der rollenden Blechkiste namens Auto.
    Gruß
    Markus

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    1. Ich vermute auch, dass dann, wenn die Ampelanlage an einer Kreuzung ganz abgestellt ist, der Drücker für den "Nebenverkehr" nötig ist. Nach meiner Erfahrung an den Ampeln, die ich so passiere, in Stuttgart ist, dass das Drücken die Grünphase für den Fuß- oder Radverkehr nicht beschleunigt, wenn das Ganze an eine Kreuzung gekoppelt ist. Auch die Drücker unter dem Ampeldrücker, der meist ein akkustisches Signal für Blinde aktiviert, beschleunigt Grün nicht. Aber es mag ab und zu natürlich mal der Fall sein.

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  4. Die Ampel am Gaskessel über die B10 ("Fahrradseite") wird nach meiner Beobachtung tagsüber von alleine grün, nachts jedoch nicht, da ist es eine Bettelampel.

    Was auch immer der "richtige Ampeltyp" ist - blöd ist es immer, wenn man nicht weiß wo man dran ist. Bei besagter Ampel sind nämlich die Drücker so unerreichbar, dass man die nicht freiwillig drücken möchte.

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  5. Schön ist auch die Fußgängerampel, die über die Olgastraße führt, Höhe Abzweig Neue Weinsteige.
    Über viele Jahre hinweg wurde diese Ampel grün, sobald der Autoverkehr rot hatte.
    Das war sehr bequem und man konnte schnell queren und mit dem Rad drüberrollen.

    Vor einigen Jahren dann wurde irgendetwas "modernisiert". Warum auch immer und mit welchem Ziel auch immer.

    Seitdem schaltet die Fußgängerampel nur dann auf grün, wenn man drückt.
    Vorausgesetzt natürlich, die Autoampeln haben rot.

    Sehr ärgerlich, so eine Verschlechterung.

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  6. " ... wenn die Ampel nie grün wird, bevor sich nicht ein Auto auf der Fahrbahn zu mir gesellt hat. In so einem Fall kann man der Stadt schreiben (Gelbe Karte), damit die Empfindlichkeit der Induktionssschleife für Fahrräder tauglich gemacht wird."
    Das ist ein Phänomen, das mir rätselhaft bleibt. Man sollte doch annehmen, dass beim Einbau der Elektronik diese auch getestet worden ist, oder? Dass sich hinterher ein Potentiometer oder ein Drehkondensator verstellt, ist ja heutzutage ziemlich unwahrscheinlich.
    Klar, vielleicht geht das ganz kaputt. Na dann könnte das doch dem Verkehrsrechner auffallen. Wenn seither 200 Anforderungen pro Tag erfolgten und jetzt weniger als 10, dann könnte doch bei irgendjemand eine gelbe Leuchte angehen: "kann eigentlich nicht sein" (ausser da wurde gerade eine Baustelle eingerichtet). Meinetwegen darf sich die Elektronik auch selbst eine Gelbe Karte schicken. Das wäre Qualitätssicherung ... aber ist vielleicht zuviel verlangt, nur für Radler:innen.

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    1. Wenn so eine Ampel mit Induktionsschleife auf der Fahrbahn aber dort ist, wo mehr Autos anhalten, selten jedoch Radfahrende, dann fällt das nirgendwo auf. (Ich kannte zwei solcher Ampeln.)

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