26. Juli 2017

Radwegweisung - wer hat's erfunden?

Das war die Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen ('FGSV) Ende der Neunziger Jahre. 

Heute würden viele Radler sich wünschen, man hätte auch mal die Alltags-Radler/innen gefragt.

Diese Schilder entspringen einem "Merkblatt zur wegweisenden Beschilderung für den Radverkehr", an das sich zwar nicht alle Bundesländer halten, Baden-Württemberg und einige andre große Bundesländer aber schon. Dies ist sozusagen die einheitliche Beschilderung für den Radverkehr. Damit müssen wir auf absehbare Zeit leben. Hilft nix.


So richtig zufrieden kann man damit aber nicht sein. Anders als im Autoverkehr kann man die Wegweiser für Radrouten oft nicht im Fahren lesen. Zu klein die Schilder, zu klein die Schrift, zu viel steht drauf und sie werden, anders als im Autoverkehr, auch nicht noch mal wiederholt. Sie stehen mal vor dem Abzweig, mal dahinter, mal irgendwo mittig in einer Wegespinne, sie zeigen manchmal ins Grüne oder in die Gegenrichtung oder sind fehlerhaft beschriftet. Und Radler, die sich auskennen, fahren sowieso ganz anders, weil es anders geschickter ist.

An Radrouten befinden sich auch diese kleinen grünen Pfeilchen, die mal sehr konsequent hängen, mal fehlen. Die meisten Radfahrenden haben schon die Erfahrung gemacht, dass sie genau dort fehlen, wo man sie bräuchte, weil die Wegesituation nicht eindeutig ist.


Kommentare:

  1. Erstens: Die Beschilderung von Radrouten in Deutschland wurde in den vergangenen Jahren intensiviert und ist sehr viel besser geworden. Dafür bin ich sehr dankbar, wenngleich es noch sehr, sehr viel Luft nach oben gibt, sowohl konzeptionell als auch operativ.

    Zweitens: Die Beschilderung ist insgesamt für Wanderer gemacht, nicht für Radfahrer. Die „Forscher“ der FGSV verstehen oder akzeptieren nicht, dass es sich bei einem Fahrrad um ein Fahrzeug handelt.

    Drittens: Oft sind unverständliche Situationen nicht auf die verbesserungsfähige Konzeption der Radrouten und der getarnten Beschilderung zurückzuführen, sondern es hapert schlicht an der handwerklichen Umsetzung vor Ort. Wenn sich beispielsweise ein Weg gabelt nach links und nach rechts, sehen sich manche kommunal Bediensteten nach reiflicher Überlegung dazu gezwungen, den Richtungspfeil nach geradeaus ins Nichts quer über den Acker zu positionieren. Offenbar weil sie sich zwischen links und rechts nicht entscheiden können oder wollen oder eine übermäßige Trunksucht ihre Wahrnehmung vernebelt hat.

    Viertens: Im Gegensatz zu beispielsweise der Schweiz ist es in Deutschland nicht möglich ohne umfangreiches Kartenmaterial, ein präzise ausgearbeitetes Roadbook und ggf. ergänzende GPS-Navigation eine längere Radroute einigermaßen zielorientiert zu befahren. Das größte Problem und der größte Zeitfresser beim Radfahren ist und bleibt die Orientierung in Gegenden, in denen der Pilot nicht über umfangreiche Ortskenntnisse verfügt.

    Aber, wie gesagt, insgesamt ist die Beschilderung besser geworden, und das ist zu begrüßen, trotz der vielen und teilweise unverständlichen Mängel. Viele Grüße.

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  2. Die Schilder hängen halt auch alle viel zu hoch. Sie sind zu klein. Und unvollständig. Man muss anhalten, um sie lesen zu können.

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  3. Man muss anhalten, um sie lesen zu können. Man muss auch mal den Pfosten umwandern, um sie lesen zu können. Man muss auch mal anhalten und die Gegend absuchen, um die Beschilderung überhaupt zu entdecken. Und man muss auch mal Pausen machen, um darüber nachzudenken, wie die Beschilderung zu interpretieren sein könnte. Nicht zuletzt muss man jede Beschilderung auf Plausibilität prüfen. :-))

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  4. @ Holger: ich kriege deinen Kommentar zwar zugeschickt, aber er erscheint hier nicht. Woran das liegt, kann ich gerade nicht sagen.

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  5. Besonders fatal sind die "Wegweiser" über Land. Neben den o.g. Themen wie Unklarheit, Unvollständigkeit, oder Unlesbarkeit ergibt sich insbesondere für Sportradler das Problem der Wegqualität:

    Radler werden, was die Beschaffenheit der Wege angeht, auf z.T. abenteuerliche Strecken geschickt. Da gilt weder die 2 m Regel noch ein halbwegs an moderne Zivilisation erinnernder Standard.

    Das ist grundsätzlich in Ordnung. Nur darf man sich dann nicht wundern oder gar hupen, wenn wir auf der Straße fahren.

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    1. Das Problem über Land ist eben, dass diese Wegweiser auch auf Feldwegen & Co. stehen, die nicht als Radwege ausgewiesen sind und demnach dort auch keine Benutzungspflicht gilt bzw. diese Wege nicht derem Standard entsprechen müssen. Wundern und hupen kann man also getrost ignorieren, denn auf Feldwegen und Trampelpfaden muss ich als Radfahrer nicht fahren. Derletzt wurde ich doch tatsächlich bei diesem Sachverhalt von der Polizei angehalten, die meinten, ich dürfe auch auf dem Feldweg (kein Radweg!) nebendran fahren, weil ich solle ja Rücksicht auf die Autofahrer nehmen, die dort mit 70+ entlangbrausen. Dass "dürfen" nicht "müssen" bedeutet und die Autofahrer auch keine Rücksicht auf mich als Radfahrer (schwächerer Verkehrsteilnehmer) nehmen - Radweg hin oder her -, wollte er als Gegenargument nicht begreifen.

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  6. Mein Reden.

    @ Stefan K.
    In der Schweiz ist das alles noch keiner von der Schrift. Gruselig.

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    1. Hallo Norbert, in der Schweiz gibt es für Radfahrer nationale Routen - ähnlich wie bei uns für Autofahrer die Autobahnen - die haben eine einstellige Nummer - sowie regionale Routen - ähnlich wie bei uns die Landstaßen - die haben eine zweistellige Nummer. Eher selten gibt es örtliche Hinweisschilder, weil die logischerweise ohnehin überflüssig sind. Das kapieren bei uns die "Forscher" aber nicht. Wenn ich also in der Schweiz von Zürich nach Genf fahren will, folge ich einfach den Schildern der Route "x oder y". Die haben keine Kilometerangaben und sind auch nicht in Tarnschrift ausgeführt. Es steht an wirklich jeder Ecke einfach ein Schild mit der Kennzeichnung "Route x oder y. Wenn wir dieses System hier in Deutschland übernehmen würden, könnte ich problemlos von Stuttgart nach Frankfurt, München oder Berlin fahren. Geht aber nicht, weil die Deutschen erstens kleinkariert sind, zweitens an sich alles besser wissen und drittens vieles schlechter machen als andere. Wir Deutschen möchten nicht von anderen lernen und hängen uns lieber an juristischen Fragen auf als praktikable Lösungen einfach mal umzusetzen. Das ist aber eher ein kulturelles Problem.

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    2. Stimmt. Schweizer können übrigens auch zwischen Geröllpisten und rennradtauglichen Wegen unterscheiden.

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    3. Stimmt. Das nationale Verkehrsnetz für den in der Schweiz dezidiert geförderten und dort so genannten "Langsamverkehr" unterscheidet Velorouten, Mountainbikerouten, Wanderrouten und sogar Kanurouten. Abgesehen davon lässt sich natürlich auch in der Schweiz auf der Straße fahren. Nichtsdestotrotz jammern die Schweizer nicht darüber, dass ihr Land wegen der vielen Berge zum Velofahren nicht geeignet sei :-) Aber wegen der vielen Viertausender in der Stuttgarter Hochgebirgsumgebung haben wir es umso schwerer, ein Farrad zu benutzen Tss..... :-) Ein paar Meter den Rhein aufwärts zu radeln, würde manchen Forschern den Horizont jedenfalls ungemein erweitern. Und zwar in ganz vielen Dingen, nicht nur das Radfahren betreffend. Gleiches gilt für eine Radtour den Rhein ein paar Meter abwärts in Richtung Mündung. Ich würde unseren Forschern mal ein paar Exkursionen ... aber lassen wir das, sie sind mit "Blödsinn" befasst, währenddessen sie den Blick für das Wesentliche längst verloren haben.

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  7. Ich finde diese Beschilderung überflüssig. Falls ich mal irgendwo fahre wo ich mich nicht auskenne, nutze ich das Navi.

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    1. Es muss eine Orientierung ohne Navi möglich sein. Ich möchte auch sonstige Straßenschilder haben, ohne ein Navi zu benutzen, das mir sagt, wo ich bin. So wie ich ins Museum gehen möchte und auch ohne Audioguide eine gute Führung durch eine Sammlung genießen will mit einem Mindestmaß an geschriebenen Infos am Objekt.

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    2. Mit dem Outdoornavi habe ich es auch schon probiert. Ich finde die Routingfunktion ziemlich schlecht, bei weitem nicht so wie beim Auto. Navigationssoftware und Karten können individuelle Fahrgewohnheiten (z.B. nächster Weg vs. Vermeidung von Steigungen), Wegbeschaffenheit usw. nicht berücksichtigen, im Gegensatz zum Auto, das einfach über die Straße bewegt wird.

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    3. Ich verwende die Garmin Cycle Map für spontanes navigieren, die war 2014 noch sehr bescheiden und ist inzwischen brauchbar gut. Längere Touren plane ich vorher mit dem kostenlosen Komoot, und bin mit dem Kartenmaterial dort sehr zufrieden. Welche hast du denn versucht?

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  8. Bei uns im Main-Taunus-Kreis hat die Beschilderung ein Ehrenamtlicher aus den ADFC in Rücksprache mit der Verwaltung ausgearbeitet. Das wurde dann vom Kreis an die Gemeinden zur Umsetzung weitergegeben. Die Gemeinden haben das dann noch angepasst, also Sachen gestrichen oder geändert die ihnen so nicht passten und teilweise auch Ziele hinzugefügt was dann dazu führte das an manchen Masten Beschilderung für 10+ Ziele hängen. Manche Gemeinden haben das zeitnah umgesetzt, manche auch nach Jahren noch nicht. Ist alles nicht so einfach...

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  9. Bei uns hier Mannheim/Heidelberg gibt es nur Standalone-Schilder. Eine richtige Wegweisung Fehlanzeige. Manche Schilder sind dann auch noch so angebracht, dass der Weg für Radfahrer direkt auf einen Gehweg weist (einziger Weg). Die Bitte, dem Schild wenigstens noch ein "Radfahrer frei" zu verpassen, hat über ein Jahr gedauert. Aber da waren die Heilberg noch schneller als die Mannheimer, da hat die Bitte Zweirichtungsradwege mit einem Gegenverkehrsschild auszustatten 3 Jahre gebraucht und wurde dann auch nur für zwei Radwege gemacht, der Rest blieb unbeschildert.
    Ich fahre prinzipiell nur nach Hinweisschildern für Autoverkehr, da weis man wenigstens dass man ankommt.
    Navi geht auch nicht, da habe ich mir mal eine Route rechnen lassen, die führte dann über Stock und Stein und durchs Gestrüpp.
    Der Radroutenplaner Baden-Württemberg ist genauso ungeeignet, der kennt in Mannheim noch nicht einmal die wirklichen Radwege, will einen über Straßen leiten, wo es selbst für Fußgänger keinen Übergang gibt, geschweige denn für Radfahrer, hat eine Route mitten durch den Hauptfriedhof vorgeschlagen (Radfahren dort streng verboten) und leitet einen regelmäßig entgegen der Fahrtrichtung in nicht freigegebene Einbahnstraßen, also vollkommen ungeeignet.
    Also bleibt nur entweder Pfadfinderqualitäten zu entwickeln, oder einfach konsequent die Autobeschilderung nutzen und alles Hupen und Schimpfen einfach zu ignorieren.
    Viele Grüße
    Karin

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  10. In meiner Heimat hat man das Knotenpunktnetz aus den Niederlanden übernommen. http://www.rad-nr.de/2015/04/03/radeln-nach-zahlen
    Ich habe dieses System jedoch noch nicht live genutzt, daher keine Bewertung zur Praktikabilität.

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  11. Auf Fahrradrouten über Feldwege fehlen eigentlich immer die Ortsschilder. So kann ein ortfremder Radler nicht wissen wo er eigentlich ist.

    Gruß, Christoph.

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  12. Für mich sind diese Schilder für "Radrouten' genau so bedeutend wie die Hinweise auf Hotels, die mit wachsender Begeisterung aufgestellt werden. Nämlich völlig unbedeutend.

    Ich bin zu oft in die Irre geleitet worden, inkl. Wegweiser mit der Aufschrift "R7", "rrh. Stadtteile" oder eine Treppe, die meine Fahrt unterbricht.

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