3. September 2018

Radfahren mit Lastenrädern - unsere kleine Sommertour

Am vergangenen Donnerstag war ich mit dreißig Radlern, darunter etlichen mit Lastenrädern und Kinderanhängern in Stuttgart unterwegs.

Das Thema dieser Sommertour war: Das Fahrrad war gestern, heute ist Lastenrad, Kinderanhänger und Dreirad. Aber die Radinfrastruktur ist darauf noch gar nicht vorbereitet.
Mit von der Partie waren drei Polizist/innen der Fahrradstaffel. Die ist heuer viele Kilometer geradelt, erzählten sie mir, die Dienstpedelcs waren jeden Tag im Einsatz, und zwar in ganz Stuttgart, darunter  in Weilimdorf, Feuerbach, Zuffenhausen.
Wir radelten vom Rathaus durch den so genannten Mischverkehrsbereich, gegen den Einbahnverkehr zur Marienstraße und auf den Radstreifen über die Paulinenbrücke. Bei der Klärung des Wegs zurück über die Autoampel konnte die Polizei helfen. Wir stellten fest, dass wir uns rechts auf der Linksabbiegespur für Autos aufstellen müssen, weil das Geradeausfreigabeschild für Radler unter dem Linksabbiege-Gebotsschild für Autos angebracht ist (und nicht unter dem Rechtsabbiege-Gebotsschild). Auf der anderen Seite, an der Einfahrt in die Marienstraße hängt eine Schwarzampel, die eine Weile Rot zeigt, obgleich wir mit den Autos schon Grün bekommen haben und rüber radeln. Dass diese Ampel meist übersehen wird, weil sie zu hoch hängt, notierte sich auch die Polizei, verbunden mit der Frage, ob sie wirklich nötig ist. (Wie problematisch diese Kreuzung ist, habe ich hier ausführlich beschrieben. Wobei die Engstelle, die durch die Klemmbarrieren entstanden ist, inzwischen beseitigt wurde.)

Dann ging es zurück und durch den Oberen Schlossgarten zur Ampelanlage am Neckartor. Die ist mühsam für Radfahrende, wenn sie in der Neckarstraße weiterfahren wollen, denn man muss mehrmals auf kleinen Verkehrsinseln halten und lange auf Grün warten. Weder für eine größere Menge an Radfahrenden, noch für Lastenräder oder Räder mit Kinderanhängern reichen die Aufstellplätze. Es dauerte lange, bis der Tross sich über die einzelnen Stationen gequält hatte, denn die Grünphasen für Radler sind auch blitzkurz.

Über die Neckarstraße (recht angenehm zu radeln, wie wir feststellten) ging es bis zum SWR. Dort steht eine Ampel mit Grünpfeil für Autofahrer, die in die Tiefgarage abbiegen wollen. Darf ich als Radler hier nach rechts abbiegen und über die Fläche der Ausfahrt zur Fußgängerampel vorfahren, so meine Frage an die Polizei. Auch die musste überlegen und hatten keine schnelle Antwort parat. Noch komplizierter: Die Fußgängerampel hat kein Fahrradzeichen auf der Streuscheibe, allerdings geht dort eine Radroute weiter. Ich darf als Radler hier bei Fußgängerrot drüber fahren. Dass die Stadt ziemlich säumig ist, was das Ersetzen der Steuscheiben betrifft, registrierten auch die Polizisten der Fahrradstaffel mit Unbehagen. Sie nahmen nach eigenen Angaben ein paar Anregungen mit, bedankten sich für die Einblicke und wurden von uns mit Applaus verabschiedet.

Wir fuhren dann noch zur Stadtbahnhaltestelle Leuze und sprachen über die beiden Z-Übergänge. Der eine ist für Lastenradler zu eng und gefährlich, weil auch Normalradler beim Durchwinkeln, anders als Fußgänger, zu spät in die Richtung blicken, aus der die Bahn kommt. Der andere, über den die offizielle HRR 1 führt, hat dagegen eine angenehme und ungefährliche Geräumigkeit. Leider aber fährt man dann durch den Biergarten des Flora und Fauna. Und dabei wird es schon für zwei Räder zu eng, für lange Räder, Lastenräder oder Dreiräder aber sehr eng und kompliziert.

Dass das Thema Lastenräder, Kinderanhänger, Tandems und Dreiräder ein Zukunftsthema für alle Städte ist, die bislang womöglich kaum eine Infrastruktur für Normalräder und Pedelecs hingekriegt haben, zeigt auch der Fahrradklimatest des ADFC, an dem wir bis zum 30. November alle teilnehmen können.


Kommentare:

  1. In der Hinsicht seid ihr in Stuttgart uns in Karlsruhe voraus. Hier gibt es keine Fahrradstaffel bei der Polizei und keinen direkten Dialog. Dein Post zeigt aber doch sehr deutlich auf, dass sich Karlsruhe das definitiv auch leisten sollte!

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    1. Falls Du glaubst, die Fahrradstaffel arbeitet für die Radfahrer, hast Du Dich getäuscht! Die sind nach meinen Beobachtungen eher Radfahrer-Jäger. Lichtkontrollen, Rotlichtkontrollen (Tagblatturm und Dinkelacker) etc.
      Sich verkehrswidrig verhaltende KFZ-Fahrer bleiben meist unbehelligt (falsch aus der Eberhardstr. ausfahren, Roller, die in der Fahrradstrasse trotz Verbot durch die Sperrung fahren, etc.). Sicher ist es richtig, was sie tun, aber sehe sie nicht als 'Freund' der Radler.

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    2. Das wird mit Sicherheit keine Selbstverständlichkeit und ich sehe das gleiche Problem. Hier in Karlsruhe wurden kürzlich Radler am hellichten Tag kontrolliert, ob sie Licht am Rad haben. Autos wurden tagsüber auf so etwas bestimmt noch nie kontrolliert.
      Aber die Kommunikation, wie sie hier passiert ist, kann man ja auch als positiven Ansatz sehen, dass sich etwas ändert. Zwar sehr sehr langsam nur, aber...

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    3. Ich hatte eher das Gefühl, die drei Kollegen in Blau haben beim Pokern verloren und mussten sich nun mit unseren Lappalien rumschlagen...

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    4. Ich kann die Polemik einiger Kommentatoren bezgl. der Polizisten auf Rädern nicht nachvollziehen. Das Fehlverhalten/technische Mängel beim MIV ggf. unzureichend kontrolliert werden kann doch kein Argument gegen derartige Kontrollen beim Radverkehr sein, oder? Ich radel 6000 km im Jahr in Stg. Rund 1/3 meiner persönlichen Gefahrensituationen werden durch andere Radler ausgelöst, danach folgen direkt zu Fuß Gehende. Meines Erachtens sind Kontrollen des ruhenden und rollenden Radverkehres durchaus (auch) nötig.

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    5. Autofahrer ohne Licht haben nachts schnell gemerkt, dass dieses fehlt. Mir kommen seit einigen Tagen abends in der späten Dämmerung oftmals Radfahrer in die Quere, die ohne Licht unterwegs sind. Wenn dann ein Kommentar abgegeben wird, wird zurückgeblafft, man solle sein "Maul" halten. Ist mir beim Autofahren deutlich weniger passiert, dass heftigst Lichthupe zurückgegeben wird, wenn der andere darauf aufmerksam gemacht wird, das LICHT angebracht wäre.
      Warum rabiate Radler meinen ohne Licht abends oder nachts durch Stuttgart Straßen radeln zu können, entzieht sich meinem Verständnis. Ich finde es richtig, dass deshalb die Polizei kontrolliert und hoffe, dass bald weniger Radfahrer ohne Licht unterwegs sind. Es sind schließlich nicht nur die gefährdet, die kein Licht anhaben, sondern alle Verkehrsteilnehmer! Rücksicht ist anscheinend für etliche dieser lichtlosen (+ hirnlosen) Radler in Stuttgart üblich?

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  2. Hallo Christine,
    ... wie schon mehrfach beschrieben fällte es auch auf der Strecke nach Hedelfingen extrem schwer mit Kinder- oder Lastenanhänger der eigentlichen Fahrradroutenempfehlung zu folgen, denn die Querung der Z-Übergänge an der Kreuzung Inselstraße-Wasenstraße ist nicht möglich.
    Die einzige Möglichkeit ist eben auf die Linksabbieger-Spur der PKW auszuweichen, aber da muss man eben erst mal hinkommen ??? und eine Aufstellfläche für Radler gibt es auch nicht ... dies mal nur als Hinweis das es auch in den Außenbezirken klemmt!

    Gruß Jahn

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  3. Lieber Jahn, ja, und das Schlimme dabei, in den Außenbezirken würden mehr Eltern mit Kindern im Anhänger radeln, weil sie da auch wohnen, aber gerade dort ist die Infrastruktur oft noch schlechter als im Kessel. In Degerloch ist das auch so und woanders auch. Eigentlich könnten wir mal anfangen Touren auch gezielt in den Außenbezirken zu machen.

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