24. September 2018

Wer macht eigentlich die Beschilderung in Stuttgart?

Also, mal ehrlich: Was soll das eigentlich? Blogleser Martin schickt mir diese Foto von der Robert-Koch-Straße, nach der Kreuzung mit der Vollmöllerstraße, Richtung Möhringer Landstraße.  Baustelle. Umleitung durch den Stadtpark. Okay.

Über diese Sperrung des Radstreifens und Gehwegs habe ich vor ein paar Tagen schon geschrieben. Ich frage mich jetzt: Was bedeuten diese Schilder eigentlich wirklich?

Hier dürfen keine Fußgänger mehr laufen, soweit alles klar, wenn auch unverschämt den Fußgänger/innen gegenüber, für die Umwege anstrengend sind (im Gegensatz zu Autofahrenden, für die Umwege nicht anstrengend sind.) Aber hier sollen auch keine Radfahrenden mehr fahren.
Wo denn? Auf dem Gehweg, wo das Schild rechts steht? Oder ist jetzt der Radstreifen gemeint, wo das Schild aber nicht steht? Oder ist etwa die ganze Fahrbahn gemeint?

Ist ein Radstreifen mit dem Rad nicht befahrbar (was dann hinten an der Baustelle der Fall ist), dann können und dürfen Radfahrende auf die Autospuren ausweichen. Das kann man hier auch machen. Man kann nicht einfach mal kurz einen ganzen Straßenabschnitt für Radfahrende sperren, nur weil der Radstreifen nicht befahrbar ist. Da muss eine andere Warnung hin. Beispiel das Schild "Radweg-Ende" mit dem Umleitungshinweis. Aber kein Fahrverbot für Radfahrer, die ansonsten auf der Straße ja fahren dürfen. Das ist nicht angemessen.

So eine Beschilderung wie oben gezeigt wirft auf jeden Fall mehr Fragen auf als sie klarstellt, und sie ist zudem Auslegungssache. Bitte gebt euch mehr Mühe mit uns Radfahrenden. Seid nett zu uns, denkt freundlich an uns, wenn ihr Baustellen einreichtet. Und denkt auch freundlich an die Fußgänger. Wozu müssen Autos hier Spuren ohne Ende haben, die Fußgänger und Radler aber schickt man zum Teufel.

In Kopenhagen sieht eine Baustelle so aus. Die beiden Fotos hat mir Blogleser Hubert geschickt, nachdem er meine Posts zu unseren Baustellen gelesen hatte. Vielen Dank.

Kommentare:

  1. Ich fädele dort in den Autoverkehr ein. Ja, wenn man das Schild genau nimmt, darf ich da nicht durchfahren. Aber im Ernst? Bei zwei Spuren für den Autoverkehr darf da innerorts kein Fahrrad lang? Sehe ich nicht ein, das Knöllchen rahme ich mir ein wenn ich eins bekomme.

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    1. Klar weichen Radler da auf die Straße aus. Dummer ist´s für Fußgänger, die - ihre Kleinen an der Hand - zur Kita wollen. De jure müssten sie nach gegenüber, dann durch den Hundekotstreifen und quer über die Straße. Die Zuständigen könnten in der Tat mehr Sorgfalt üben bei der Beschilderung. Wie wäre es hier ganz ohne Schilder? Besser.

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  2. Sagt mal in wie weit ist denn der auf dem sonderangefertigtem Schild (Kosten??!) vorgeschlagene Stadtpark überhaupt für Radler freigegeben oder auch mit den Schienen im späteren Verlauf sinnvoll?
    Der Eingang nahe der Baustelle zeigt doch gar keine Reglung an und der Weg vom Pullmannhotel hat nur eine Rad Frei-Option, daher Schrittgeschwindigkeit - wie passend für eine Hauptradroute.

    Ach ja guter Punkt wie kommt man mit den Kids zur Kita? (Tipp für die Baustellensicherung/Administration: es gibt ja auch Zusatz-Schilder "Nach 100 m")

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    1. Stimmt, das ist auch eine Frage: Ist der Stadtpark eigentlich für Radler freigegeben?
      Wobei ich vielleicht noch darauf hinweisen sollte, dass die Stadt unter chronischem Personalmangel leidet und Baustellenkontrollen kaum vorgenommen werden können. Das liegt jetzt nicht an der Stadt, sondern am allgemeinen Mangel an Menschen, die bei der Stadt arbeiten wollen. Jetzt könnte man sagen, die Stadt solle halt mehr Gehalt zahlen, aber das ist so eine Forderung, die uns letztlich alle mehr kostet (über unsere Steuern), und worüber wir uns bei anderer Gelegenheit dann auch wieder beschweren. Ist halt alles sehr kompliziert.

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    2. Im Stadtpark ist "Radfahrer frei", also Schrittgeschwindigkeit.

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  3. Was dabei gern vergessen wird:
    jedes dieser ganzen Z.254 Schilder kann bei Missachtung u.U. gravierende Folgen im Falle eines Unfalls haben.
    Gerade bei Arbeitswegen kann da versicherungsrechtlich (BG) Fahrlässigkeit angeführt werden, was im Extremfall zum finanziellen Ruin bei Arbeitsunfähigkeit führen kann.
    Wer da bei Vorhandensein von Z.254 irgendeinen Teil der Strasse Fahrrad fahrend benutzt, sollte sich dessen bewußt sein.
    Die Dinger vermehren sich in letzter Zeit ja wie die Fruchtfliegen im August und bestätigen einen schon länger anhaltenden Trend:
    unser ehemals "allgemeines" Verkehrsnetz wird systematisch "autobahnisiert", also mit MIV-Nutzungsprivileg versehen.

    Umgehungsstrassen etwa werden fast immer mit Z.254 versehen, wobei Radfahrende dann durch die (liveable City) "verkehrsberuhigten" Ortskerne holpern dürfen und im Zweifelsfall bei Schrittgeschwindigkeit einen Pfad zwischen den Freiburger Kegeln und dem Gegenverkehr suchen dürfen.
    Im Resultat wie immer:

    1. Reisezeit für MIV verbessert sich, was die Verkehrsleistung des MIV signifikant weiter erhöht

    2. Reisezeit fürs Rad verschlechtert sich, was die Erreichbarkeitsradien des Fahrrades auf die ökologisch völlig irrelevanten Kurzstrecken einschrumpft

    3. Das Fahrbahnprivileg für den ansteigenden Automobilismus wird im Zuge der autogerechten Verkehrswegeseparation weiter verfestigt.

    Dass diese Grotesken des alltäglichen Irrsinns dann irgendwann auch an Baustellen praktiziert werden ist nicht weiter verwunderlich.

    Vermutlich wird die Radwege-bau-Lobby um Stork und rund um die Radentscheide ja sogar Beifall klatschen, weil solche Fahrbahnverbote immerhin verhindern, dass Kinder und SeniorInnen in den "gefährlichen" Autoverkehr auf der "Autofahrbahn" "gezwungen" werden ???

    Alfons Krückmann

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  4. "Sollen die halt alle Auto fahren, da braucht es keine Radwege und keine Gehwege". Wir sollten das alle mal durchziehen. Dann gäbe es keine Stoßzeiten mehr, dann würde der Verkehr zu jeder Zeit "stehen".

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  5. Ja.
    So paradox es klingt, ein konsequenter Streik im Umweltverbund wäre ökologisch vermutlich ein klarer Schritt nach vorn.
    Motto:
    "Wenn Dein starkes Bein es will, stehen die Pedale still"

    Bei Verweigerung von intelligenten Beschränkungen der Autoflut wie Pförtnerampeln, Zufahrtbeschränkungen, Obergrenzen bei der Autodichte, Parkplatzredktion, etc. hilft als letztes Mittel gegen den Klima Gau im Verkehrssektor wohl nur noch ein eskalierende Autostau als 'Begrenzer' des weiteren automobilen Wachstums.
    Sollen die Blechkisten doch an sich selbst ersticken, anstatt immer mehr davon zu profitieren, dass Radfahrende mit ihren Kurzstrecken auf separaten Wegelchen die 'freie Bahn' auf unseren automobilisierten Fahrbahnen erstrampeln.
    Aber nein, statt der überfäligen intelligenten Beschränkiung des Autoverkehrs wird wohl weiterhin die autogerechte Fahrradförderung als klimaschädliche Standardkost serviert werden.

    Mit Vollgas dem Klimakollaps entgegen, und nebenan die vollseparierten Radwegenetze, die endlich wieder für mehr 'flüssigen' Autoverkehr sorgen.

    Fakt am Rande:
    die Verlagerung der vielen "überflüssigen" Autofahrten im Entfernungsbereich von 0-5 KM bringt wieviel % Einsparung bei Vollständiger Verlagerung in den Umweltverbund?

    Auflösung schreibe ich hier nicht, sondern empfehle dringend die Lektüre einer Untersuchung des Umweltbundesamtes zu diesem Thema.
    Die %-Zahl wird für viele der gegenwärtigen Radwegaktivistinnen vielleicht ein 'Augenöffner' sein.
    Alfons Krückmann

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