19. Januar 2019

Ein bisschen Radstreifen auf der Schwarenbergstraße

Die sollen in diesem Jahr kommen. Auch wenn Anwohner um - in diesem Fall illegale - Parkplätze kämpfen. 

Die Stuttgarter Zeitung hat von einer eher ablehnenden Bezirksbeiratssitzung berichtet, aber auch vom unbefriedigenden Stückwerk an Rad- und Schutzsstreifen im Stuttgarter Osten.

Wie der Autor, Jürgen Brand, bemerkt, wird in Stuttgart Radinfrastruktur immer nur dort gebaut, wo ohnehin was an  der Autofahrbahn gemcht werden muss. Und dieses Jahr ist die Schwarenbergstraße zwischen Wagenburg- und Hausmannstraße dran.

Hier sollen bergauf Schutzstreifen hin, bergab nur, wo es Platz hat. Von den 160 legalen Parkplätzen fallen nur vier weg. Allerdings gab es im Bezirksbeirat offenbar Widerstand wegen der nicht legalen Parkplätze vor der Einfahrt der eigenen Garagen, die damit auch wegfallen. Kein Auto darf dort parken, wo der Bordstein abgesenkt ist.

Und auch hier sind die Schutzstreifen wieder schön für hartgesottene Radler und eher abschreckend für weniger Routinierte. Denn es gibt zwar Streifen und einen vorgezogenen Aufstellplatz an der Kreuzung Wagenburgstraße, aber der Steifen wird über die Rechtsabbiegespur für Autos gezogen und zwischen Rechtsabbiegespur und Geradeauspur angelegt (das heißt: Autos queren in normalem Fahrtempo den Radfahrstreifen nach rechts, wenn sie auf ihre Abbiegespur wollen). Ich kann damit gut umgehen, ich radle das, aber eine 12-Jährige Tochter oder einen 11-jährigen Sohn würde man auch hier wieder mal nicht radeln lassen.

Der Streifen führt über die Wagenburgstraße hinweg, aber dahinter nicht weiter.  Da lässt man sich dann von überholsüchtigen Autofahrenden den Berg hochscheuchen. Von der Wagenburgstraße bis zur Aspergstraße klafft dann wieder eine Lücke in der Radinfrastruktur, eine von den vielen Stuttgarter Lücken.

Ohnehin ist auch auf dem geplanten Abschnitt die Gegenwehr der Autolobbyisten in der Lokalpolitik schon groß genug. Sie kämpfte für die illegalen Parkplätze vor den Einfahrten, weshalb eine weitere Prüfung durch das Statdtplanungsamt notwendig wird.

Wir machen es uns in Stuttgart echt schwer mit der Radförderung. Dabei entlasten Radler den Autoverkehr. Wer auf dem Rad fährt, braucht nur ein Fünftel des Platzes und steht nicht im Stau der Autos. Wann werden diejenigen kapieren, die selber nur Auto fahren, wie sehr ihnen ein reger Radverkehr hilft? Hätten wir den in den vergangenen Jahren mit schöner Infrastruktur besser angekurbelt, wären Fahrverbote für Diesel in Stuttgart nicht notwendig geworden.






Kommentare:

  1. Sprache bestimmt das Denken:

    Autofahrbahn

    Warum lese ich diesen Begriff immer wieder? Das sind keine "Autofahrbahnen" - sondern "Fahrbahnen". Und die gehören allen gemeinsam, also auch Radfahrern.

    hartgesottene Radler und eher abschreckend für weniger Routinierte.

    Warum immer diese abwertenden Spitzen gegen Radfahrer, die das machen, was eigentlich das Normalste auf der Welt ist?

    Ich kann damit gut umgehen, ich radle das, aber eine 12-Jährige Tochter oder einen 11-jährigen Sohn würde man auch hier wieder mal nicht radeln lassen.

    Warum? Wären sie bspw. auf einem versteckten Hochbordweg rechts der Rechtsabbieger "sicherer"?

    Da lässt man sich dann von überholsüchtigen Autofahrenden den Berg hochscheuchen.

    Du redest den Leuten somit doch selber ein "schlechtes Gewissen" ein, weil sie den Autofahrern - auf ihren "Autofahrbahnen" - im Weg rumfahren...!? Das trieft alles förmlich vor den üblichen Minderwertigkeitskomplexen. Doch anstatt daran zu arbeiten, dass jene abnehmen, wird das auch noch bedient. Und den Leuten ganz allgemein Angst vorm Radfahren gemacht und ihnen eingeredet, wie unangenehm das doch sei.

    Tolle "Radverkehrsförderung"...

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    1. Den verwende ich bewusst, um zu sagen, dass diese Fahrbahn den Autos vorbehalten ist, was sie ist, wenn es einen Radfahrsteifen gibt, auf dem Radler fahren müssen. Ist ein Behelf, gebe ich zu, denn die Straßen (Gehweg und Fahrbahnen) sind für alle da, wobei unsere deutsche Gesetzgebung aufteilt: Gehwege nur für Fußgänger, Fahrbahnen nur für Fahrzeuge, Radfahrstreifen nur für Fahrräder, Schutzstreifen für Fahrräder und ein bisschen auch für Autos. Es tut mir leid dass du "hartgesottene Radler" als anwertend empfindest ("hartgesotten" ist eigentlich keine Abwertung, bei Krimis gilt das Wort sogar als aufwertend), auch hier habe ich eine einfache Formulierung gesucht, um zu unterscheiden zwischen denen, die Fahrbahnradeln (auf den Stellen der Straße, die von Autos beherrscht wird und die Autofahrende als ihre betrachten) gut finden und dabei keine Angst haben und jenen, die es abschreckt, wenn sie sehen, dass sie sich zwischen Autos durchschlängeln müssen oder Autos ihnen zu nahe kommen. Und ja, du hast Recht, auf Radwegen sind die Jugendlichen nicht sicherer, aber es gibt Eltern, die würden ihre Kinder eben nicht auf Radstreifen und Schutzstreifen radeln lassen, wenn sie auf diesen Spuren den Autoverkehr kreuzen müssen oder der Autoverkehr solche Spuren kreuzen. Da geht es nicht um "schlechtes Gewissen", sondern um die leider oft ein wenig irrationale Angst von Eltern und Radfahrenden. Die Infrastruktur muss vor allem erst einmal für diese Leute passen, denn die anderen, beispielsweise du, fahren ja schon Fahrrad, weil ihnen die lückenhafte und von Autos dominiert Radinfrastruktur (oder die fehlende) nichts ausmacht. Ich denke übrigens ja für dich mit und für die anderen, die anders radeln als du oder ich. Menschen sind verschieden, und das zu beachten, finde ich wichtig. Ich glaube, deine Analyse ist nicht ganz richtig. Und hinzu kommt, dass auch ich nur ein Mensch bin, der versucht, die Vielfalt zu erfassen und dabei nicht immer die besten Worte findet.

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  2. Werdet ihr einen Gemeinderatsantrag stellen, gegen Verzicht auf einen Großteil der Stellplätze richtige Radstreifen zu markieren?
    Auch die Planung in der Jahnstraße bleibt ja weit unter den Möglichkeiten, die sich dort anbieten, auch hier der Radstreifen nur ein Nebenprodukt der einer geplanten Sanierung.

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  3. Die Schutzstreifen sind 1,50 m breit mit 50 cm Abstand zu den Parkplätzen. Auch dort, wo keine Fahrzeuge parken, gibt es Schutzstreifen auf beiden Seiten derselben Breite, die Fahrbahn für Autos ist dann noch 5,19 m breit. Ein Radfahrstreifen müsste 1,85 m sein, dann würde die Fahrbahn (mit 3,84 m) für die Autos zu schmal, die laut ERA über 4,50 zwischen zwei Streifen liegen sollte, so wie ich das verstehe. Man könnte also keine Radstreifen fordern, auch nicht dort, wo keine Autos parken. Aber vielleicht reden wir mal, Frank. An den Stellen, wo jetzt Autos parken (übrigens mit vorgezogener Gehwegnase im Straßenverlauf), wäre natürlich Breite für einen Radfahrsteifen zu gewinnen.

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