27. Januar 2024

Warum die Verkehrswende nicht gelingt

Fahrradstraße von Autos beherrscht
Es gibt einen allgemeinen Konsens in Deutschland. Er lautet: Es soll sich nichts ändern. Die Verkehrswende ist für Politiker:innen kein Thema, mit dem man Wahlen gewinnt. Wer in Deutschland anfängt, wirklich was zu verändern, wird nicht wiedergewählt. 

Das scheint insbesondere für Straßen zu gelten. Da muss alles so bleiben, wie es ist. "Wir haben alle das Auto im Kopf", sagt der Sozialwissenschaftler Andreas Knie in einem sehr sehenswerten Beitrag von Panorama, auch die, die gar kein Auto haben. Die denken an die Autoindustrie. Jeder Fahrradbügel anstelle eines Parkplatzes sei für viele eine Bedrohung der Autoindustrie, von der sich viele Deutsche abhängig fühlen. Das ist gewissermaßen das Narrativ der Deutschen: Ohne Autoindustrie sind wir nichts und enden in Armut. Das ist natürlich falsch, aber es steckt in vielen Köpfen fest. 

Zwar will eine Mehrheit weniger Autos in der Stadt, doch kaum jemand will dabei aufs eigene Auto verzichten. Der Klimawandel soll zwar aufgehalten werden, aber von den anderen, nicht von mir.

Einen Paradigmenwechsel in der Verkehrspolitik kann es vermutlich erst geben, wenn die konservativen demokratischen Parteien wie CDU und FDP kapiert haben, dass es nützlich, wirtschaftlich sinnvoll und wünschenswert ist, den Autoverkehr besonders in den Städten zu reduzieren. Dann könnte sich das Narrativ auch mal ändern, das in Deutschland Autofahren mit Freiheit verbindet und Radfahren und zu Fuß Gehen für armselig hält. Es würde lauten: Wer unseren Städten wirtschaftlich helfen will, fährt Rad oder öffentlichen Nahverkehr. 

Bislang gilt die Beschränkung des Autoverkehrs als Angriff auf die Freiheit des Einzelnen. 
"Ich möchte mich in meinem Recht der Fortbewegung nicht einschränken lassen", sagt einer der im Film befragten Männer. Er merkt gar nicht, dass sein Recht, mit seinem Auto überall hin zu fahren und überall zu parken, das Recht der Kinder, der Menschen zu Fuß, der Radfahrenden, der Anwohnerschaft ruhig zu wohnen, extrem einschränkt. Wenn Parkplätze wegfallen oder Straßen für Autos gesperrt werden, fühlen sich diejenigen, die Auto fahren, sofort bevormundet. In dem Panorama-Film beschwert sich eine Frau darüber, dass anstelle des Autolärms Kinderlärm getreten ist, weil sich auf dem Parkplatz vor ihrer Tür ein Sandkasten eingerichtet wurde (vorübergehend). So bevormunden die Autofahrenden alle anderen. Sie sagen: Ihr sollt nicht da sein. 

Dass die Organisation unserer öffentlichen Straßen im Dienst des Autos die Freiheit aller anderen massiv beschränkt, scheint schwer zu erkennen zu sein. Nicht nur, dass viele gar keine Wahl haben, als sich ein Auto zuzulegen, um die Arbeitswege zu bewältigen, weil der öffentliche Verkehr mangelhaft ist, ist eine Beschränkung der Freiheit. Auch die, die Rad fahren oder zu Fuß gehen oder die Kinder, die spielen wollen, müssen sich dem Flächen-Diktat des Autos anpassen, letztlich unterwerfen. Sie dürfen sich nur auf schmalen Gehwegen bewegen, die oft auch noch zugeparkt sind. Kinder dürfen nicht rennen, wenn Gefahr besteht, dass sie auf die Fahrbahn geraten. Alte Menschen mit Rollator oder Rollstuhlfahrende kommen manchmal gar nicht mehr voran, weil alles zugeparkt ist. 

Eine Verkehrswende wie in Paris oder den Niederlanden oder Dänemark ist in Deutschland nicht nur deshalb kaum möglich, weil es die Koalitionen der Willigen nicht gibt, sondern auch weil bei uns die StVO von vor dem Zweiten Weltkrieg gilt. Und die garantiert allein die Flüssigkeit des Autoverkehrs, Straßen dürfen für Autos nicht gesperrt werden (außer aus einem besonderen Anlass), und es gilt immer noch die Regelgeschwindigkeit von 50 km/h. Die kleine StVO-Reform ist gerade am Bundesrat gescheitert. Am Auto in den Köpfen der Entscheidungsträger:innen.



20 Kommentare:

  1. Der Satz:
    "dass es nützlich, wirtschaftlich sinnvoll und wünschenswert ist, den Autoverkehr besonders in den Städten zu reduzieren."
    ist m.E. erklärungsbedürftig.
    Das Gros der Fahrleistung kommt definitiv nicht durch städtischen Binnenverkehr zustande. Trotz der sehr signifikanten Klimarelevanz der MIVFahrleistung ist für eine wirksame Fahrleistungsreduktion (ländlicher Verkehr und vor allem Umland <-> Stadt Verkehr) also offenbar dann kein Schwerpunkt zu setzen?
    Warum?
    Und sorry:
    ES GIBT IN DEN NIEDERLANDEN KEINE 'VERKEHRSWENDE' !
    Im Gegenteil:
    der Autoverkehr in NL wächst (Coronazeit ab 2020 ausgeklammert) beständig an.
    Ich halte das beliebte Postulat von einer angeblichen 'Verkehrswende in NL für ausgemachte Desinformation.
    Auch hier:
    Warum?
    Seit wann ist eine 'Verkehrswende' bei gleichzeitigem Wachstum des Autoverkehrs in Dichte und Fahrleistung möglich?
    Wann wurde die begriffliche Verbindung von Verkehrswende mit 'weniger Autoverkehr' eigentlich über den Haufen geworfen?
    Und auch hier:
    warum?
    Alfons Krückmann

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    1. Kleine Ergänzung:
      Spannend wäre die Frage "Warum die Verkehrswende nicht gelingt" in Bezug auf zB die Niederlande.
      Da kämen dann auch möglicherweise für Klima und Ökologie relevante Erkenntnisse heraus.
      Alfons Krückmann

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    2. Vielen Dank für den geraderückenden Beitrag von Alfons Krückmann! In der Tat passt auch mir das in Deutschland immer wieder verbreitete und viel beschworene Narrativ von einer vermeintlich gelungenen Verkehrswende in den Niederlanden oder gar in Dänemark überhaupt nicht.

      Die Erzählung ist schlicht und ergreifend falsch und heroisiert die Nachbarstaaten zu unrecht zu Ikonen der Mobilitätswende. Selbst in Kopenhagen beträgt der Anteil des MIV am Gesamtverkehr satte 43% ( https://www.vdv-dasmagazin.de/story_03_kopenhagen.aspx ), im niederländischen Utrecht sind es ebenfalls knapp 37%.

      Zum Vergleich: In Hamburg spielt das Auto nur in 32% aller Wege eine Rolle bei der Fortbewegung, in Berlin sind es sogar lediglich 27%. Und beide Städte sind trotzdem ganz sicher kein Kandidat dafür, als Kfz-arme Zone in die Geschichtsbücher einzugehen.

      Die Wahrheit ist vielmehr, dass in Regionen wie Dänemark oder den Niederlanden die Radinfrastruktur zwar besser als hierzulande ausgebaut ist, oftmals allerdings zulasten des ÖPNV oder des Fußverkehrs geht. Der Wettbewerb der Verkehrsmittel findet ergo innerhalb des Umweltverbundes und nicht zwischen dem Automobil und der Ecomobility statt, wie es eigentlich sein müsste.

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    3. Ich glaube Sie machen da einen Äpfel-Birnen-Vergleich.
      Die Zahlen für Hamburg (und vermutlich auch Berlin) sind der Modalsplit des Binnenverkehrs. Die hohen Zahlen für Kopenhagen und Utrecht werden inklusive des Durchgangsverkehrs sein.
      In Kopenhagen lag der MIV-Anteil 2021 bei 26%
      https://www.kk.dk/sites/default/files/2023-06/Mobilitetsredeg%C3%B8relsen%202023.pdf
      In Utrecht bei 18,7%, wenn nur der Binnenverkehrs betrachtet wird.
      https://web.archive.org/web/20210126123003/https://www.cbs.nl/-/media/_pdf/2020/14/modal-split-2018-gemeente-utrecht-maart-2020.pdf

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    4. Die Zahlen für NL sind nicht so schlecht, wie behauptet wird. Aber selbst wenn es trotzdem nicht unrichtig ist, dass eine *echte* Verkehrswende auch in diesen Ländern noch aussteht, so sind dort doch die wirklich autofreien Räume wesentlich verbreiteter, sind die Begenungszonen wesentlich angenehmer für die Nicht-Motorisierten, ist der ÖPNV integriert und flächendeckend, ist echte Autonomie für Kinder, Älter, Behinderte möglich, ist ein autofreies Leben tatsächlich nicht nur möglich, sondern sogar ohne Abstriche möglich, kurz, die Lebensqualität deutlich höher.

      Und vor allem ist der öffentliche Raum nicht mehr nur um das Auto strukturiert und ed wäre eine echte Verkehrswende dort schon morgen möglich. Nicht bei uns!

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    5. Naja,
      es ließe sich formulieren, dass in NL der steigende Autoverkehr für die Bewohner:innen der dichter besiedelten Räume sozusagen besser kommod gemacht wird, also weniger als störendes Element den Alltag durchkreuzt.
      Das gilt für viele verdichtete Kerne und etliche der 'Suburbs', führt allerdings zugleich zu deutlich höherer Akzeptanz eines weiter steigenden Autoverkehrs (was nicht stört darf protestfrei weiter wachsen), und spiegelt sich auch in fast vollständig fehlendem Problembewußtsein der Bevölkerung wider.
      Es werden dort im Kern Aspekte stadtverträglicher Einhegung des Autos mit Konzepten der 80er Jahre auf Basis eines weitgehenden Wirtschaftsliberalismus realisiert ('freie' Wahl der Verkehrsmittel mittels Push&Push), wobei die zentralen Problemlagen des 21.Jhd. wie Klima, Böden, Artensterben, soziale Spaltung, etc. (Stichwort Multikrise) weder mit Maßnahmen adressiert, noch überhaupt nennenswert kommuniziert werden.
      Im Gegenteil: der Automobilismus als einer der Haupttreiber bleibt mit all seiner Destruktivität vollkommen aus dem Fokus gerückt und erfährt in NL quasi eine 'heimliche' kollektive und praktisch gelebte Wertschätzung bei gleichzeitiger kollektiver Überzeugung, dass die NL ja DAS Fietsland sei, und Verkehrsprobleme infolgedessen gar nicht vorhanden sein können.
      (Problematisiert wird nur der lästige Stau infolge des steigenden Autoverkehrs, was dann mit noch mehr Autobahnspuren und Verlagerung der Binnenverkehre auf flächensparsame Radwege zu korrigieren versucht wird).
      Kein Wunder, dass auch und gerade CDU Politiker:innen gern mal nach Utrecht pilgern und mit 'Vorwärts zurück in die 80er' zurückkehren. Resultat ist das bekannte 'innen hui und außen pfui' mit hochpreisigen autoarmen Zentren und parallelem Zubau von 6-spurigen Autobahnen, Schnellstraßen und Autoverkehr induzierenden Umgehungsstraßen mit P&R als Standard'lösung'
      Das Wilders-NL gehört in etlichen Umweltbereichen zu den EU Schlusslichtern bei der gleichzeitigen Überzeugung doch zu den 'Guten' zu gehören.
      Im Verkehrsbereich sieht das in DK ähnlich aus, wobei DK allerdings in allen anderen umweltrelevanten Bereichen immerhin sehr weit vorn aufgestellt ist.
      Alfons Krückmann

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    6. Korrektur: es muss oben bei der 'freien Wahl der Verkehrsmittel' natürlich 'pull&pull' heissen, nicht 'push&push'
      sorry

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    7. Zu dem Einwand, es handle sich bei den von mir bemühten Zahlen des Modal Splits im Falle von Hamburg und Berlin um den Binnenverkehr: mitnichten! Beide Kenngrößen sind Resultate des Gesamtverkehrs im Rahmen des SrV!

      Das Thema ist trotzdem relevant, weil die Verkehrswendeapostel nämlich hierzulande genau an dieser Stelle gern in die „Trickkiste“ greifen und beim Rühren der Werbetrommel für das angebliche Erfolgsmodell aus den Niederlanden bzw. Dänemark - dort insbesondere Kopenhagen - auf jenen Binnenverkehr bei der Verkehrsmittelwahl verweisen.

      Dadurch allerdings entsteht ein verzerrter Eindruck, der spätestens beim Besuch vor Ort wie ein Kartenhaus in sich zusammenbricht.

      Zumindest dann, wenn man sich mit ALLEN Verkehrsmitteln des Umweltverbundes fortbewegt, merkt man sowohl in den Niederlanden als auch Dänemark, dass den Preis für die gute Radinfrastruktur in den allermeisten Fällen zu Fuß Gehende und der ÖPNV bezahlen.

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    8. Der ÖPNV in den Niederlanden ist exzellent und voll integriert mit der OV chipkaart, getakteten Fahrplänen, Fahrradabstellplätzen an den Bahnhöfen etc. pp. Endlose Verspätungen wie in D sind mir von dort nicht bekannt.
      Und Fußgänger sind benachteiligt?Warum? Weil sie beim über die Straße gehen auf Radfahrer achten müssen?Keine Sorge, das hört man nur von Touristen, die ihre Pro-Auto-/Anti-Fahrrad-Vorurteile bestätigen müssen, in Wirklichkeit ist es so, dass auch und besonders besonders Fußgänger (sowie Behinderte) von guter Radinfrastruktur profitieren, auch deshalb weil Radverkehr 5-mal platzeffizienter ist als MIV.

      Behauptungen werden nicht unbedingt richtiger, weil man sie mehrmals macht.

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    9. Gerade die Chipkaart ist es doch, die vor allem beim so genannten Systemeinstieg in den ÖPNV eine hohe Hürde darstellt, wie wir übrigens nicht zuletzt auch in Deutschland feststellen durften, als Hamburg und Berlin die Barbezahlung in Bussen abschaffen und gegen eine Prepaid-Karte austauschen wollten. Die BVG musste nach massivem Widerstand von Fahrgastverbänden und Politik wieder zurückrudern.

      Die spontane Nutzung des ÖPNV wird nämlich erschwert. In den Niederlanden gipfelt das darüber hinaus mit den OV-fiets in einem Leihradsystem, das wegen dieser grundsätzlichen Struktur für Touristen auf Anhieb quasi nicht mietbar ist bei zugleich keinem alternativen Bike-Sharing.

      Ganz generell lässt aber auch die Qualität des ÖPNV zu wünschen übrig. Selbst in einer Stadt wie Amsterdam fährt nahezu kaum eine Straßenbahnlinie in einem dichteren Takt als alle 10 Minuten. Hinzu kommt die aus der Zeit gefallene Besetzung mit Schaffnern und ein Vordereinstieg wie bei einem Dorfbus. Ausfälle werden in der Fahrgastinfo genauso schlecht kommuniziert wie in Berlin, die Metro hat eine sehr schleppende Beschleunigung und fährt wie die Tram zu selten.

      Ebenfalls erschließt es sich weder mir noch Menschen wie Roland Stimpel vom Berliner Fuß e. V., wo zu Fuß Gehende in den Niederlanden ausgerechnet von der Radinfrastruktur profitieren sollen.

      Hier eine kleine Zusammenstellung aus Amsterdam, Rotterdam und Maastricht: https://lh3.googleusercontent.com/pw/ABLVV85aXbHH6eFkQDlgtquJk729eOufvj8B9NzMSJx7pCelx4vFwgfH_bDgs2pBWhx17n2kF2HtIrpNb04MS9vuF9nSF08gKsJI0yC2btMNbc2qik-2Y1MPWUYj6cFQrhe54c--mRAboTh09hokY28A-f8j=w945-h945-s-no-gm?authuser=0

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    10. Christian Linow: "Zu dem Einwand, es handle sich bei den von mir bemühten Zahlen des Modal Splits im Falle von Hamburg und Berlin um den Binnenverkehr: mitnichten! Beide Kenngrößen sind Resultate des Gesamtverkehrs im Rahmen des SrV!"

      Das lese ich beim SrV-Standard anders:

      "Da die Grundgesamtheit der SrV-Untersuchung aus den Einwohnerinnen und Einwohnern einer Stadt oder Gemeinde besteht, stellt die Mobilität der Wohnbevölkerung den zentralen Untersuchungsgegenstand dar. Es wird davon ausgegangen, dass der durch die Wohnbevölkerung erzeugte Verkehr maßgeblich zum Verkehrsaufkommen eines Untersuchungsraumes beiträgt. Weitere relevante Verkehrsarten wie insbesondere die Einpendler-, Touristen- und Besucherverkehre werden im SrV nicht berücksichtigt. Vom Wirtschaftsverkehr wird nur in begrenztem Umfang der Personenwirtschaftsverkehr erfasst, wenn er als Komponente des Einwohnerverkehrs auftritt."

      https://tu-dresden.de/bu/verkehr/ivs/srv/das-srv/srv-standard

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    11. Mod.Split Zahlen sind eher geeignet um Binnenentwicklungen in Zeitreihen der jeweiligen Städte zu betrachten, als Vergleiche auf internat. Ebene zwischen Städten anzustellen, da nicht einheitlich erhoben wird. Es gibt zwar Bestrebungen das EU weit vergleichbar zu machen, das ist aber bei den vorliegenden Zahlen (noch?) nicht der Fall.
      Zudem gibt es oft lokale Besonderheiten. Beispiel:
      In Kopenhagen kommen die 'guten' Zahlen beim Einbezug der Pendler vor allem dadurch zustande, dass die 'Gemeinde' Kopenhagen zugrunde gelegt wird, wodurch die intensiven Verkehre von und zu der kleinen in der Mitte der donutförmigen Gemeinde Kopenhagen gelegene Gemeinde Frederiksberg zum auswärtigen Verkehr zählt, auch wenn das oft nur ein paar hundert Meter sind.
      Hier bietet es sich für eine Beurteilung eher an sich die Verkehrszählungsdaten des Kerns der Metropolregion Kopenhagen getrennt nach binnendominierten Straßen und Ringstraßen anzuschauen, wobei sich herausstellt, dass im Zeitverlauf der Kurzstrecken MIV-Binnenverkehr sinkt, die längeren Pendel-Fahrten auf dem Ring aber stark ansteigen.
      Es liegt da eine Scherenbewegung vor:
      im Innern mehr Rad, weniger MIV, beim Pendeln Stagnation bis Rückgang beim Rad und deutlicher Anstieg beim MIV.
      Aus mod.Split Daten ist sowas nicht zu entnehmen, wie sowieso einzelne städt. mod.Split Daten recht wenig aussagen über Dichte und Fahrleistung des jeweiligen Gesamt-MIV und in Bezug auf Klima/Ökologie nur mit sehr spitzen Fingern angefasst werden sollten.
      Relevanter, und leider i.d.R. nicht erschlossen, sind Daten zur Gesamtverkehrsentwicklung (also nicht nur einwohnerbezogen) als Fahrleistungs-modal-Split (statt als Wege-modal-Split) und getrennt in Fahrer - Mitfahrer oder als PKM/Besetzungsgrad.
      Alfons Krückmann

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  2. Der Panoramabeitrag ist sehr aufschlussreich. Bemerkenswert, dass Autofahrende gleich von "Beschneidung von Rechten", "Bevormundung" und "Einschränkung der Mobilität" sprechen, wenn sie eine Straße nicht mehr mit dem KFZ nutzen können und mal 100m zu Fuß laufen müssen.
    Zur Zeit ist der Bahnverkehr massiv eingeschränkt (6-Tägiger Arbeitskampf innerhalb der Bahn). Mich wundert, dass Bahnfahrer hier nicht von "Einschränkung der Mobilität" sprechen. Automobile Mobilität ist völlig überschätzt.

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    1. Ergänzend m.E. empfehlenswert:
      https://www.klimareporter.de/verkehr/ohne-barrierefreiheit-keine-verkehrswende

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    2. Sehr gute Analyse der schleppendem Verkehrswende

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    4. In der Tat eine brillante Analyse, die vor allem auch die Probleme benennt, die sich genauso aus dem Stadtraumumbau heraus ergeben können, mit dem die Verkehrswende gelingen soll.

      Ich selbst durchquere beinahe täglich den Graefekiez mit dem Rad. Durch die Entsiegelung der Parkstände und die im weiter gefassten Areal flankierenden Maßnahmen hat sich für mich als Radfahrer qualitativ leider nichts verbessert. Im Gegenteil: In der Böckhstraße parken jetzt diejenigen, die keinen Parkstand mehr finden, aus Trotz auf der ohnehin schmalen Fahrbahn - ungeachtet des verkehrsberuhigten Bereichs! Die maßnahmenbegleitend angebrachten Modalfilter am Maybachufer hinter der Friedelstraße werden alle eineinhalb Tage von Autofahrenden zerstört, die sich zu ihrem eigenen Recht verhelfen.

      All das zeigt zwar auf der einen Seite, dass das Automobil der Knackpunkt schlechthin beim Thema Verkehrswende ist. Auf der anderen Seite wird jedoch ebenso deutlich, dass die nötigen Eingriffe auf eine breite Akzeptanz bei allen Betroffenen stoßen müssen, was im Graefekiez bereits im Vorwege ignoriert wurde. Fast hegemonial wurde den Leuten vor Ort eingetrichtert, dass es ohne diese Radikalität beim Flächenumbau nicht gehen würde. Das rächt sich nun. Leider auch für diejenigen, die eigentlich Profiteure sein sollten wie beispielsweise die Radfahrenden.

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  3. Jörg
    Mir würde als ein erster bzw. als ein Schritt eine Parkwende gefallen. Keine Kostenlosen Parkplätze auf öffentlichen Grund. Parkplätze in Ortschaften müssen explizit ausgewiesen sein. Ansonsten herrscht Abschleppzwang für die Kommunen.
    Ein zweiter Schritt wäre die Fördergelder des Bundesverkehrministeriums mindestens zu 33% einem freien Verkehrsbudget der Gemeinden zu uebergeben. Der Schlüssel ist die Einwohnerzahl. Was heute für Blödsinn geplant wird um Fördergelder zu kriegen.

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    1. 1. alle Kfz-Abstellplätze im öffentlichen Straßenraum müssen bepreist werden(die Geschäftsmodelle von Autoverleihern wie Carl&Carls, die auf kostenlosem Parken beruhen, sind dann erledigt) 2. die Zulassung eines Kfz muss zukünftig an den Nachweis eines Stellplatzes gekoppelt werden; nur so gelingt Verkehrswende!

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