15. November 2018

Wo bleibt die Radinfrastruktur für die vielen Radler?

Rund 1 211 000 Radfahrende passierten bis zum 14. November die Zählstellen. Bis zum Jahresende dürfte das eine Zunahme von 20 Prozent sein. Aber die Infrastruktur hinkt hinterher. 

Das stellt die Stuttgarter Zeitung fest und kommentiert es auch. Der Radverkehr in Stuttgart liegt auf Rekordhoch. Mitverantwortlich dürfte der lange Sommer sein. Aber viele, die das Fahrrad für sich neu entdeckt haben, fahren auch jetzt noch und werden den Winter über fahren. In Stuttgart steigt der Radverkehr unaufhaltsam. Auch das Budget für den Radverkehr ist auf Rekordniveau gestiegen. Allerdings vermissen wir, wenn wir auf unsere täglichen Wege gucken, den Fortschritt beim Ausbau der Radinfrastruktur. Viele Projekte, die ich als Pläne aus den Bezirksbeiräten und dem UTA kenne, sind weder letztes Jahr noch in diesem Jahr angegangen worden. An der Umsetzung hapert es enorm in Stuttgart.


Wohingegen die Gelder für all das abgeflossen sind, die nichts mit dem konkreten Ausbau der Infrastruktur zu tun haben, wo also in den Verkehr auf der Straße nicht eingegriffen wird: das Leihfahrradsystem, die Förderung von Lastenrädern für Familien und die Einstellung neuen Personals in den zuständigen Ämtern (Stadtplanung und Tiefbauamt).

Nur gebaut wird nicht. Von der Hauptradroute 2, Wangen-Hedelfingen, wissen wir, dass sie an den Mehrheitsverhältnissen (dem Veto des Stadtisten und der CDU, FDP und Freien Wähler) im UTA bislang gescheitert ist. Auf die (und eine neue Planung) warten wir nun schon zwei Jahre. Genauso wie zum Beispiel auf die Radstreifen Filderstraße, auf die Radstreifen Olgastaße nach links auf die Neue Weinsteige zur Etzelstraße Richtung Bopser, auf die Radwege in Sillenbuch (da gab es an der Tuttlinger Straße, Ecke Kirchheimer Straße kürzlich einen Unfall zwischen Fahrrad und Auto). Über neue Fahrradstraßen auf der HRR 1 und im Westen haben wir auch viel gehört, entstanden ist keine. Im Haushalt gefordert und beschlossen, die Planung eines Radwegs zwischen Degerloch und Sillenbuch und entlang der Epplestraße zwischen Degerloch und dem Pressehaus Möhringen, scheint noch nicht angegangen zu sein. Die Hauptradrouten durch den Westen gibt es auch noch nicht. Ob die Einbahnstraße Reuchlinstraße in Gegenrichtung für Radler freigegeben wird, wurde vor zwei Jahren überlegt. Auch in Zuffenhausen sehen sich Radler einem Netz von Einbahnstaßen gegenüber. Da ist kein Schild mit Rad-frei ergänzt worden.

Das einzige, was in diesem Jahr passiert ist, ist der Abbau der langsamsten Ampel Stuttgarts am Tagblattturm (wobei man den Autos die Vorfahrtsstraße gelassen hat, statt Radfahrenden den Vorrang zu geben) und ein höchst fragwürdig verlegter Radsteifen über den Stuttgarter Wilhelmsplatz hinweg mit einer Ampel, an der Radler bis zu 7 Minuten warten. (Der wiederum wurde anscheinend keinem Bezirksbeirat, zuständig wäre Mitte gewesen, vorher vorgelegt.) Ach ja, und wir haben jetzt eine ordentliche Abbiegespur von der Marktstraße auf den Radweg Holzstraße.

Von der Verbesserung der Ampelschaltungen für Radler am Charlottenplatz zwischen Altem Waisenhaus und Akademiegarten spürt man nichts. Entweder weil sie ist noch nicht geschehen ist (sollte aber mit Start der X-Buslinie passieren), oder weil sie hat eben doch nicht die versprochene Einzügigkeit gebracht.

Es gab sogar Rückschritte. Der Radweg Holzstraße ist in einer Baustelle versackt und bis heute noch nicht wieder als Radweg ausgewiesen, die Fahrradstraße Tübinger Straße wurde für anderthalb Monate teilweise aufgehoben und in eine Ampelstopp-Strecke verwandelt, ohne dass dies nötig war. Wir haben durch das Dorotheenquartier eine Fahrradstraße (Münzstraße) verloren. Der Wilhelmsplatz in Cannstatt ist für Radler, die auf der Busspur fahren sollen, noch schwieriger geworden, weil das reihenweise X-Busse stehen. Auf der Heilbronner Straße unterbricht eine Baustelle den Radweg stadtwärts und zwingt Radler eine Fußgängerampel zu benutzen, an de sie 4 Minuten warten müssen. Die Tübinger Straße ist wegen eines Wasserrohrbruchs ersatzlos untrbrochen, obgleich Platz für Rädler wäre. Überhaupt sind es immer wieder Baustellen, die uns ratlos machen, ob die Stadt ihre Radler eigentlich gern hat. (Ihr könnt die Liste der Rückschritte sicher noch ergänzen.)

Was wir aber eigentlich brauchen: eine Lösung für den Charlottenplatz, für den Marienplatz, für die Verbindung Hauptbahnhof zum Pragsattel, einen Weg am Bahnhof vorbei, einen Cityring für Radfahrende, eine Paralellstrecke zum Schlossgarten, mehr Radübergänge über den Neckar, ein Radweg auf der Neuen Weinsteige, Radwege entlang aller Hauptstraßen, die die Stadteile verbinden und und und ... wir sind so furchtbar hinterdrein mit den Essentials.

Warum fällt es Stuttgart so schwer, beim Ausbau der Radinfrastruktur große Schritte zu machen? Im Gegensatz zu Kopenhagen, wo der Ausbau seit Jahrzehnten vorangetrieben wird, fehlt bei uns der parteiübergreifenden Konsens, dass Radverkehr in der Innenstadt besser ist als Autoverkehr. Wir sind uns im Gemeinderat eben nicht einig, dass der Radverkehr zügig und vorrangig ausgebaut werden muss, um Autostaus zu mindern (und Fahrbeschränkungen für Diesel zu umgehen). Die Hälfte des Gemeinderats glaubt ungebrochen ans Auto als Verkehrsmittel, das überall präsent sein muss, überall parke und überall fahren, und das mit grüner Welle und so schnell wie möglich.

Deshalb gibt es jedes Mal ein zähes Ringen um jeden Meter Radweg oder Radstreifen, wenn dabei der Autoverkehr Fläche abgeben muss. Projekte für Radinfrastruktur scheitern aber auch regelmäßig in den Bezirksbeiräten, wo sie zunächst vorgestellt werden. Entweder weil zu viele Parkplatze wegfallen oder weil die selbst viel Rad fahrenden Bezirksbeiräte sich eine andere Route wünschen als die vom Stadtplanungsamt vorgeschlagene entlang der Hauptstraße oder weil ihnen die vorgestellte Radverkehrsplanung nicht konsequent genug erscheint. Das verzögert die Entscheidungen oder verändert sie im Gemeinderat dann wieder, es verhindert den Bau oder verzögert ihn über Jahre.

Augen zukneifen hilft aber nicht. Der Radverkehr ist da und nimmt zu. Man kann ihn nicht wegdiskutieren. Es ist Aufgabe der Politik, für ein geregeltes Miteinander zu sorgen und Sicherheit zu schaffen. Wenn die Politik, also der Gemeinderat, sich weigert, für den Radverkehr die Rahmenbedingungen und die Struktur festzulegen und zu schaffen, dann sucht sich der Radverkehr seine Wege und ist überall, etwa so wie sich Wasser immer seine Wege sucht und überall fließt. Das hat auch was, das führt hier und dort zu Chaos, das bringt die Radfahrenden auf die Fahrbahnen, wo sie den Autoverkehr ausbremsen. Es führt aber auch zu Konflikten mit Fußgänger/innen, die von zu vielen Radlern umschwärmt werden. Schon jetzt fahren immer mehr Radler auf der Fahrbahn vor den Autos her, und die Autofahrenden müssen langsam hinter ihnen bleiben. Eine gute Radinfrastruktur nützt nämlich nicht nur Radfahrenden (und lockt noch mehr aus Fahrrad), sie ist kein Luxus für Radfahrende, sie hilft auch dem Autoverkehr, weil sie die Geschwindigkeiten auf den Fahrbahnen trennt und weil sie vorhersehbar macht, wo die Radfahrer fahren.

Das Fahrrad ist übrigens der von der Politik am meisten unterschätze Helfer gegen Luftverschmutzung und Lärm. Wer Fahrrad fährt, sitzt nicht im Auto und auch nicht in der Stadtbahn. Wären wir schneller gewesen mit dem Ausbau des Radverkehrs, stünden wir jetzt nicht vor Fahrbeschränkungen für ältere Dieselfahrzeuge. Wir wären nämlich unter den Grenzwerten geblieben und würden drunter bleiben.



Kommentare:

  1. Christine, du hast es wieder auf den Punkt gebracht! Ich empfinde es auch so, alles was irgendwie mit Radverkehr zu tun hat, ist zäh und dauert und dauert und dauert. Eine Radleihstation am Leipziger Platz sollte zum 1. Mai, zum Start von RegioRad entstehen. Auch ist diese Station auf allen Flyern mit Karte von RegioRad eingezeichnet. Bis heute, genau: nix.
    Auch der angekündigte Ausbau der Radabstell-Anlagen kommt nicht in Gang. An den S-Bahnhöfen stapeln sich die Räder und es stehen teils lächerliche 5 Bügel zur Verfügung. Und es ist kein Platzproblem. Der wäre da. Nur de Bügel fehlen. Auch das Gehweg-Parken auf den Gehwegen z.B. Bismarck-/Seyfferstr oder Bismarck-/Rötestr. könnte man spielend in den Griff bekommen, wenn dort Radbügel (idealerweise überdacht) aufgestellt würden. Zwischen den Anlagen mit genügend Abstand für Zwilligskinderwägen aber zu wenig Abstand für Smarts währe das überqueren deutlich einfacher und vor allem Sicherer. So würde man zwei Probleme lösen. Aber die Gehwegparker scheint man ja zu tolerieren. (Irgendwie ist die Kommentarfunktion gestört, sobald man es absendet erscheint es nicht!?)

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    1. Dein Kommentar ist erschienen. Danke, lieber Anonymus. (Es gibt aber manchmal Schwierigkeiten mit den Kommentaren. Woran es liegt, weiß ich nicht.) Zum Glück haben wir viele Radler/innen ,die da sind und durch ihre Anwesenheit Druck machen. Und das wird auch so weitergehen. Und wir haben ja auch einen Radentscheid, den wir allerdings nicht verlieren dürfen, wenn er zur Abstimmung kommt.

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  2. Das Schöne an deinem Blog ist, dass die meisten Texte sinngemäß auch für viele andere Städte taugen.
    (Oder ist es das Schlimme an deinem Blog? Bin verwirrt...)

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  3. Die Infrastruktur für viele Radfahrer ist bereits da: Sie nennt sich "Fahrbahn". Man sollte auch als Radfahrer irgendwann mal erwachsen werden und sich der Stützräder entledigen. Dann merkt man, dass einen der "Laufstall" (in Form von gesonderter Infrastruktur) in aller Regeln mehr behindert und benachteiligt, als er einem bringt.

    Nur mal angenommen, es würden von heut auf morgen plötzlich alle Radfahren - dann währen die Fahrbahnen leer - und alle würden auf den Wegelchen im Fahrradstau stehen. :P

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    1. Du bist ein ganz Starker was, mit deiner Kampfradler-Mentalität gefällst du nur dir selber. Ich möchte eine Infrastruktur, auf der ich Angstfrei auch Kinder radeln lassen kann. So schön sich die Fahrbahnen für uns Berufspendler auch radeln lassen- Sie ist nicht Alltagstauglich. Autos und Fahrräder gehören baulich getrennt und da gibt es nichts zu rütteln. Wo kein Platz ist, haben die Schwächeren Vorrang und Autos sind nur zu Gast. Ein wichtiger Punkt wäre hierbei die Aufklärungsarbeit der Stadt. Es nützt nichts, eine Fahrradstraße auszuweisen, diese dann aber vom Parkplatzsuchverkehr verstopfen zu lassen.

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    2. "Kampfradler"? Und "Autos und Fahrräder gehören baulich getrennt"!? Bin ich hier im Forum der Autobild gelandet!? :P Du solltest allerdings auch zur Kenntnis nehmen, dass die Kinder, die du auf dieser separierte Infrastruktur schickst, eben weiterhin in großer Zahl an den unvermeidlichen Schnittpunkten mit dem Kraftverkehr über den Haufen gefahren werden.

      It's not a bug - it's a feature!

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    3. Ich bin nun wirklich kein Kampfradler nud ich fahre auch lieber auf der Fahrbahn. Das ist wesentlich weniger Stress. Ich muss nicht an jder Einmündung nach links (biegt einer ab und sieht micht?) und rechts (kommt einer an und hält?) sehen. Muss nicht auf Fußgänger, sich öffnende Türen parkender Autos, rennende Kinder, freilaufende Hunde und -vor allem- Geisterfahrer, achten. Ich kann auf der Fahrbahn einfach nur meine Strecke fahren, zu Auto ausreichend Abstand halten, im Dunkeln Licht anmachen und entspannt in die Stadt fahren. Radweg in der Stadt ist Stress pur. Dann kommen gerne so nette Dinge wie parkende Autos (im 5m Bereichm quer vor dem Radübergang, mitten auf dem Gehweg), plötzlich auftauchende Baustellen, Schlaglöcher etc. dazu. Auf der Fahrbahn alles nicht zu finde; Baustellen werden angekündigt, Fahrbahnführung ausgeschildert, Schlaglöcher (in Mannheim na ja)
      Also alles einfacher und schneller und, meiner Meinung nach, sicherer.
      Gruß
      Karin

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    4. AUch hier, die Fahrbahn ist nun mal für Fahrzeuge. Jegliche Separation hat bisher nur zu mehr Unfällen geführt. Der neuste Schrei, Protected Bike Lanes, werden da auch nicht helfen, denn gerade an den Unfallpunkten, wo Querverkehr zugelassen werden muss, kann nicht "protected" werden. An den anderen Stellen wird dann aber das Queren der Straße mindestens erschwert, wenn nicht verunmöglicht.

      Zur Situation in Wangen: die Hauptradroute 2 könnte schon lange gebaut werden, wenn man die Einwände gegen den Radstreifen auf der Ulmer Straße bis zum Wangener Marktplatz mal ohne politische Scheuklappen ansehen würde, sondern sachlich darauf eingehen würde, anstatt immer wieder auf Herrn Schertlen mit den Fingern zu zeigen. Aber wenn einem sonst nicht einfällt...

      Martin

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    5. Ein Gedanke zur Anregung: es gibt nach den Statistiken etwa gleich viele schwere Unfälle an Kreuzungen mit Radfahrern AUF der Fahrbahn und mit Radfahren NEBEN der Fahrbahn (Radweg oder freigegebener Gehweg, darunter auch die besonders gefährlichen linksseitigen Radwege). Nur die schweren erscheinen in der Statistik, weil die leichten typischerweise nicht gemeldet werden.

      Nun wissen wir, dass die Radinfra NEBEN der Fahrbahn total veraltet ist und den aktuellen Sicherheitsnormen nicht entspricht, also auch die vorgeschriebenen Sichtachsen selten eingehalten werden.

      Die Radwege NEBEN de Fahrbahn sind also systematisch benachteiligt, da AUF der Fahrbahn bekanntlich perfekte Sichtverhältnisse herrschen. Trotzdem genau so viele Unfälle an Kreuzungen AUF der Fahrbahn wie bei Radführung NEBEN der Fahrbahn. Und auch viele Unfälle auf Kreisverkehren, und dort herrschen perfekte Sichtverhältnisse, die sind so gut wie nie zugeparkt.

      Müssten dann nicht AUF der Fahrbahn die Autofahrer viel seltener Radfahrer umfahren und töten als wenn die Radfahrer auf Radwegen nach 70-er Jahre-Norm fahren? Wären dann nicht Radwege nach aktuellen Sicherheitsstandards und Mindest-Normen nach RASt und ERA doch viel besser?

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    6. @ Karin: fährst Du nicht ein Lastenrad? Dann bist Du privilegiert, weil Du mehr Rücksicht seitens der Autofahrer erfährst als "einfache" Radler. Lastenräder nötigen Autofahrern Respekt ab, weil sie die nicht so kennen und weil sie bei Lastenradfahrern sich nicht grundsätzlich darauf verlassen, dass sie leicht bremsen und ausweichen können. Deshalb verhalten sich die Autofahrer Lastenradfahrern gegenüber weniger aggressiv und machthungrig. Etwas mehr Abstand halten sie auch.

      Komplette Separation hilft durchaus. Wie gesagt, Kreisverkehre sind Radfahrer-Unfallschwerpunkt. Nun gibt es in Stuttgart einen stark befahrenen Kreisverkehr, an dem nicht ein einziger Unfall und nicht einmal eine kritische Situation mit Radfahrern aufgetreten ist. Wie kommt das, und um welchen Kreisverkehr handelt es sich? Einfache Lösung, der Schattenring. Bei dem fahren die Radfahrer unten durch. Ist dort zwar ein besch...ener Fahrbahnbelag - Lehm mit Schottersteinen, aber der Radetat lässt vielleicht eine Asphaltierung zu.

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    7. @ ds-pektiven: Deine Untopie "keine Autos auf den Straßen" tritt nicht ein. Es gibt laut Bundesverkehrsministerium einen Sockel von ca. 7% unvermeidlichem KFZ-Verkehr: Müllabfuhr, Krankenwagen, ÖPNV und MIV von Leuten, die zu gebrechlich, reaktionsschwach, krank, in der Sinneswahrnehmung eingeschränkt, unter Drogen/Medikamenten oder einfach nicht mutig genug sind, um auf öffentlichen Verkehrsflächen zu laufen oder Rad zu fahren. Die müssen das Auto nehmen. Ein Großteil davon ist Liefer- und Schwerlastverkehr. Mit denen willst Du Dich nicht anlegen.

      Ich bin gestern auf der Rückfahrt nach Teilnahme an einer Veranstaltung zur Verkehrswende voller Euphorie nach Hause geradelt. Puh, was für ein Praxisschock nach den Reden von Herrn Kühn und Herrn Hermann, in denen sich alles toll und problemlos angehört hat. Gebrüll eines Autofahrers (ich hatte ihn nur darauf hingewiesen, dass er "meinen" Radweg mitnutzt) und gleich danach 4 Taxis hintereinander im Gegenverkehr.

      Zur Erläuterung:
      Vor dem Hauptbahnhof hat man einen Taxistand auf den Radweg gelegt, eine sehr spezielle Art der gemeinsamen Fahrbahnnutzung. Wahrscheinlich ist das die hiesige Antwort auf die Frage, wie man die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum verbessern kann.
      So ganz kapiere ich die Stuttgarter Strategie zum Vermeiden von KFZ-Fahrverboten noch nicht. Welcher Stadtplaner glaubt, dass diese Verkehrsführung den Umstieg auf das Fahrrad attraktiv macht?

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  4. Herzlichen Dank für diesen mitreißenden Artikel. Ich wäre sehr neugierig, was unser Oberbürgermeister dazu sagen würde. Denn immerhin ist das Thema „nachhaltige Mobilität“ Chefsache und gehört in seinen Zuständigkeitsbereich.
    https://www.stuttgart.de/item/show/275611/1

    Zum Thema Radfahren in Kopenhagen sowie dem Vergleich zwischen Frankfurt und Kopenhagen habe ich jüngst einen sehr guten und sehr ausführlichen Bericht eines Alltagsradlers gelesen, den ich hiermit dem interessierten Publikum empfehlen möchte.

    https://www.zukunft-mobilitaet.net/168677/analyse/kopenhagen-radverkehr-gute-und-schlechte-elemente-reportage/

    Viele Grüße

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    1. Er sagt (am 16.11.), dass er gerne eine Mehrheit im Gemeinderat hätte und dass er die Autoindustrie als wichtigen Arbeitgeber in der Region nicht vergrätzen kann. Er hat ein Referat für nachhaltige Mobilität eingerichtet und an das darf man sich mit seinen Anliegen wenden. Sinnvoller sei es aber, die Stadträte der anderen, häufig ablehnend agierenden Fraktionen anzuschreiben und anzusprechen. An deren Vorgaben ist er im Rahmen der Mehrheitsverhältnisse gebunden. Daher gibt es gelegentlich einen neuen teuren Strassentunnel, der mehr Autoverkehr induziert, aber keine substantielle Verbesserung der Radinfrastruktur. Das Budget ist zwar vorhanden, die notwendigen Beschlüsse werden aber nicht gefasst. Aber es gibt Ersatz: der ÖPNV macht Wahnsinns-Fortschritte durch die Tarifreform.

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    2. Danke, lieber Holger. Ich werde versuchen, nicht nur Vertretern der "anderen" Parteien einen Brief zu schreiben, sondern auch Herrn OB Kuhn. Ich finde, er macht sich die Sache zu einfach und setzt zu wenig Impulse. Viele Grüße

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  5. Jedenfalls die Tübinger Straße ist seit gestern irgendwann im Bereich des Wasserrohrbruchs für Fahrradfahrer wieder frei gegeben. Wenn auch nicht gut zu erkennen, aber bis jetzt sind ja sowieso fast alle Radfahrer durch die Sperrung geradelt.

    Viele Grüße
    KaivK

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  6. In kaum einer Großstadt in Deutschland gibt es einen derart großen verkehrsberuhigten Bereich wie ihn die Stuttgarter Innenstadt zu bieten hat! Den Anlieferverkehr in den Morgenstunden kann man und sollte man nicht vermeiden, schließlich wollen die Geschäfte Ware zum Verkauf anbieten. Das "Lastenrad-Märchen" braucht erst gar nicht zur Sprache kommen. Man sollte jetzt wirklich mal die Faust in der Tasche lassen und allen Verkehrsteilnehmern den nötigen Respekt angedeihen lassen. Das gilt für Fußgänger in einem besonderen Maße, schließlich ist diese Fortbewegungsart die natürlichste.

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    1. "Man sollte jetzt wirklich mal die Faust in der Tasche lassen und allen Verkehrsteilnehmern den nötigen Respekt angedeihen lassen"
      Exakto ist es. Willkommen im Club. Exakt diesen Respekt fordern wir für Radfahrer und Fußgänger. Leider im Wesentlichen bislang vergeblich. Grüße

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  7. Das kann ich alles unterschreiben, vor allem dass die Fußgänger als natürlichste, platzsparendste, umweltfreundlichste und sowieso notwendige Fortbewegungsart ihren angemessenen Platz erhalten müssen. Leider ist die Reichweite des Fußgängerverkehrs in der Praxis auf ganz wenige km beschränkt und es sind entsprechend schnellere Fortbewegungsarten mit größerer Reichweite notwendig, als da primär sind Fahrrad und ÖV und wegen der unzähligen Nachteile als letztes der MIV.

    Aber könntest Du, Franz-Peter, bitte als Märchenonkel auftreten und uns das "Lastenrad-Märchen" erzählen? Ich kenne das nicht und weiß nicht, worauf Du heraus willst.

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    1. Hallo Holger,
      das Lastenrad-Märchen erzählt davon, dass sämtlicher aktueller An- und Zulieferverkehr in Innenstätten durch Lastenräder vollständig erledigt werden kann und man deshalb keinerlei motorisierte Lieferwägen/PKWs zukünftig benötigt.

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    2. Wenn das so extrem konsequent dargestellt wird, ist das natürlich ein Märchen.

      Lastenräder haben ihre Grenzen. PKWs können sie dabei tatsächlich nahezu vollständig ersetzen.

      Bei einem Stückgut über 200 kg und einem Kubikmeter Volumen ist dann allmählich Schluss. Das packen dann beispielsweise auch die kräftigen DHL-Radler nicht mehr über die Brücken im Schlossgarten. Da sind 250 Watt Elektromotor-Unterstützung zu wenig und sie müssen sich gegenseitig beim Schieben helfen. Für einen Eindruck: https://dasfahrradblog.blogspot.com/2017/12/dhl-fahrt-express-pakete-mit.html#more

      So groß und schwer ist aber nur ein Bruchteil der Güter, d.h., das Potential ist immens.

      Wenn dagegen ein PKW oder Transporter halbleer durch die Gegend fährt und - breit wie er ist - beim Anliefern dumm in der Gegend herum steht, dann fährt das Lastenradkonzept massiv Vorteile ein.

      Dass Kurierfahrer in Punkto Rücksichtnahme und Verkehrsregeltreue nicht den besten Ruf haben (auch Fahrradkuriere nicht), daran wird sich nichts ändern. Egal welches Fahrzeug, die Lieferdienste parken und fahren nach Wildwestmanie. Das wird bleiben. Christine hat das auch schon bei Lastenfahrrädern beobachtet, Logisch, das liegt ja nicht am Fahrzeug, sondern am Fahrer bzw. dessen Arbeitgeber. Solange keiner mit offizieller Autorität (Polizei, Ordnungsamt) durchgreift, müssen wir damit leben. Lastenrad-Lieferdienste begehen ihre Verstöße gegen die StVO aber wenigstens über 20 mal so umweltfreundlich wie ihre MIV-Kollegen (Abgase und Lärm) und bleiben gesünder.

      Die Hubs zum Umladen kann man auch nicht j.w.d. bauen. Bis dahin fährt dann immer noch der (Schwer)Lastverkehr.

      Ein weiterer Aspekt:

      Räder mit Anhängern und Lastenräder bilden eine Herausforderung an die Radwegeplanung. Der Bestand aus den 70'ern ist viel zu mickrig, die Normen von 2010 und älter (ERA, RASt etc) haben auch noch keine Pedelecs berücksichtigt und sogar das Verkehrsministerium sieht die Mindestmaße der Regelwerke heutzutage noch als Luxus für das RadNETZ BW.

      Für solche Räder reichen die Mindestbreiten jedenfalls nicht aus. Das KFZ-Vorrang-Straßennetz ist für Radfahrer tabu und in Stuttgart insgesamt noch die heilige Kuh, davon was abzuzweigen. Es wird also noch dauern, bis Deine Befürchtung eintritt.

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  8. Danke Holger fuer die Weiterleitung von Herrn Kuhns Antwort. Ich sehe einen grossen Punkt eindeutig in seiner Hoheit und der ist nicht adressiert. Die mangelnde Sensibilisierung der von der Stadt angestellten Menschen (ob direkt oder als MA einer beauftragten Firma) beim Thema Rad lässt m.E. das größte Potential ungenutzt. Sind es parkende Stadtfahrzeuge am Radweg, Rasensprenger vorm Landtag (morgens um 6Uhr) wässern den 'Radtrail', der super schmale Radstreifen nahe Nürnberger Strasse stadteinwärts, etc.. Im beispielhaften Kopenhagen sind alle auf Rad- & Autofahrer sensibilisiert. Die Menschen versuchen die beste Lösung für Fussgänger, Radler und Auto hinzubekommen und zwar im Alltag und nicht in Gemeinderats (dort Senats-) Debatten oder Podiumsdiskussionen.

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    1. Ein guter Hinweis. Das Ordnungsamt hättest Du noch erwähnen können.

      Dazu kommt, dass die einzelnen Ämter und Eigenbetriebe nicht miteinander, sondern gegeneinander arbeiten. Da hat Stuttgart ein echtes Management-Problem auf Führungsebene, weil sie die Kooperation und Zusammenarbeit bestrafen.

      Beispiel: der Fahrer der Kehrmaschine (von der AWS) darf nur eine Schneise in der Mitte des Weges reinigen, da der Mitarbeiter des Garten- und Friedhofamtes die Bäume und Hecken nicht zurückgeschnitten hat und keine "Wildkrautentfernung" vorgenommen hat (was sie eigentlich sowieso tun müssten, Lichtraumprofil bis 250 ch hoch freihalten). Beauftragt er ihn allerdings, muss das AWS den Einsatz zahlen. Reinigt er trotzdem bis zum Rand und die Kehrmaschine hat Kratzer im Lack von den Ästen, macht ihn sein Chef rund.

      Zwischen den Dienstellen eines Amtes wird auch peinlich genau darauf geachtet, für welchen räumlichen Bereich jeder zuständig ist. Da hilft keiner kurz mal auf der anderen Straßenseite aus.

      Löblich muss man hier das Land BW erwähnen! Die Wilhelma-Leute, die die Wege unten im Schloßgarten reinigen, drehen auch mal voller Mitleid eine Runde, wo die AWS zuständig ist. Am Berger Festplatz wären die Wege sonst komplett verlottert.

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