17. Mai 2019

Eine gute Radinfrastruktur hilft gegen Regelverstöße

Rotlichtverstoß
Autofahrende missachten sehr viel häufiger die Regeln als Radfahrende. Und wo es keine Radinfrastruktur gibt, verletzen auch mehr Radler die Verkehrsregeln.

Das ist das Ergebnis einer Studie im Auftrag der dänischen Regierung. Demnach verletzten nur 5 Prozent der Radfahrenden die Verkehrsregeln, während das 66 Proznet der Autofahrenden taten. Wie kommt es dann, dass man nur uns Radlern ständig vorhält, wir hielten uns an keine Regeln? Die Vermutung: Die Verstöße von Radfahrer/innen sieht man halt gut, auf dem Gehweg radeln, zum Beispiel. Die von Autofahrenden dagegen sieht man meistens nicht, beispielsweise zu hohe Geschwindigkeit, Handy am Steuer oder noch schnell bei Rot über die Haltelinie fahren.



Rotlichtverstoß, Umfahren über den Gehweg
Für die Studie wurden wichtige Kreuzungen mit Videokameras beobachtet. Und sehr interessant, es hat sich (übrigens jetzt schon in der zweiten solchen Studie) auch gezeigt: Sind Radler auf Radwegen unterwegs, fuhren nur 4,9 Prozent regelwidrig, zumeist übrigens auf Gehwegen. Gibt es hingegen keine Fahrradinfrastruktur, dann stiegen die Regelverstöße der Radler/innen auf 14 Prozent.

Also: Will man Radfahrende, die sich an die Regeln halten, muss man ihnen Radwege und Kreuzungslösungen geben, die es ihnen auch möglich machen, sich an die Regeln zu halten. 

Ähnliches zeigen dem Bericht zufolge auch Studien in anderen europäischen Ländern. Das Bild des Kampfradlers, der immer bei Rot fährt, ist falsch. Eine Studie in London widersprach der Behauptung, dass die meisten Radler bei Rot an Ampeln weiterfahren. 84 Prozent der Radler hielten brav an. Das wären dann 16 Prozent, die bei Rot fuhren.


14 oder 16 Prozent Regelverstöße sind übrigens nicht viel im Vergleich zu den 66 Prozent dänischer Autofahrer/innen, die auf ihrer Fahrt die Verkehrsregeln missachten. Wie viele das wohl in Deutschland sind? Ich kenne keine ähnliche Studie für Deutschland, ich weiß nur von Hamburg, wo die Polizei mal stundenlang Radler (22) und Autofahrer (226) zählten, die bei Rot über die Ampeln fuhren. Sie kamen auf ein Verhältnis von 1 zu 10.  Die Zahlen nützen aber nicht viel, wenn wir nicht wissen, wie viel Prozent das jeweils waren. Dass in Dänemark deutlich über die Hälfte aller Autofahrenden auf ihrer Fahrt die Verkehrsregeln verletzen, finde ich schon bestürzend. Bei uns ist das mit Sicherheit nicht anders, vielleicht eher noch schlimmer, vor allem, wenn man Parkverstöße mitzählt und das Reinfahren in verbotene Straßen oder in Fußgängerzoenen.

Autos sind groß, schwer, schnell und können bei Kollisionen tödlich für Radfahrende und Fußgänger/innen sein. Von ihnen geht eben eine erhebliche Betriebsgefahr aus, und trotzdem sind ihren Fahrern die Regeln egal. Von uns Radlern geht kaum Gefahr für andere aus, schon gar keine tödliche. Und dennoch stilisieren viele unser Verhalten zur großen Gefahr hoch.

Der Artikel zitiert einen Verkehrspolizeichef von West Mitlands mit der Feststellung, dass die "Auswirkungen des Verhaltens, über das die Menschen schimpfen, vernachlässigbar sind. Wenn man sich die Statistiken ansieht, wenn man die tatsächliche Gefahr von Schäden betrachtet, stellen Radfahrer für niemanden ein Risiko dar."

1 Kommentar:

  1. Liebe Christine,

    Danke für den interessanten Beitrag. Wahrnehmung und Statistik liegen ja oft außeinander. Gut, dass man das immer mal wieder vor Augen geführt bekommt.

    LG
    Sebastian

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