13. August 2019

Für Fußgänger ist das Auto gefährlich, das Fahrrad nicht

Die Unfallforschung der Versicherer hat für die Verkehrsarten, Fahrrad und zu Fuß Gehen, die Unfallhäufigkeit untersucht. 

Demnach ist das Kfz für Fußgänger und Radfahrende am gefährlichsten und das Risiko für einen Fußgänger, von einem Radfahrer angefahren zu werden, am geringsten.

Die Statistik der UDV zählt in Berlin im Zeitraum von 2006 bis 2010 34.000 Unfälle, die Radahrende oder Fußgänger erlitten haben. An 56 Prozent der Fahrradunfälle waren Autos beteiligt, bei den Fußgänger/innen war das bei 28 Prozent der Fall, wobei unter den Opfern überproportional Kinder und Jugendlich waren. Nur 6 Prozent der Unfälle, die Fußgänger hatten, geschahen durch einen Zusammenstoß mit einem Fahrrad. Generell würde regelkonformes Verhalten im Straßenverkehr und regelkonforme Gestaltung des Straßenraums so, dass alle einander sehen können, viele Unfälle verhindern. Und das gilt für alle Verkehrsteilnehmer/innen gleichermaßen. Jedoch sind Radfahrende für Fußgänger/innen lange nicht so gefährlich wie sie empfunden werden.


Abbiegeunfälle machen bei Radlern einen großen Prozentsatz aus (36), meistens übrigens durch rechts abbeigende Autofahrer verursacht. Siebzig Prozent solcher Abbiegeunfälle geschahen der Studie zufolge an Kreuzungen ohne Ampelanlage, und zu 90 Prozent hatte der Autofahrer den Radfahrer nicht gesehen, auch weil die Sicht behindert war. In 20 Prozent dieser Fälle fuhr der Radler aber auch zu weit links oder sonstwie auf der falschen Fläche. Wo Ampeln den Verkehr regelten, waren Radfahrende zu fast 80 Prozent mitschuld, weil sie ihr Rotlicht missachtet hatten.

Fußgänger sind dieser Untersuchung zufolge zu 60 Prozent an ihren Unfällen mitschuld, weil sie bei Rot über eine Fußgängerfurt gingen oder die Straße überquerten, ohne auf den Verkehr zu achten. Der UDV analysiert übrigens sehr treffend und mit aussagekräftigen Bildern die Infrastruktur, die Unfälle begünstigt. Die Sicht auf Radfahrende und Fußgänger ist oft versperrt, es parkt zu viel an den Ecken oder Radwege werden hinter Mauern oder Büschen geführt. Fußgängern werden Umwege zugemutet, wenn sie über eine Straße kommen wollen, weshalb sie sie dort überqueren, wo sie gerade sind. Besonders riskant wird es, wenn sie einen Bus oder eine Straßenbahn erreichen wollen.

Was allerdings für Fußgänger kaum eine Rolle spielt, ist das, was ich am häufigsten höre: Rasende Radler. Am meisten beschweren sich Menschen mir gegenüber über Radfahrer, nie beschweren sie sich über Autofahrende. Ich vermute, es hängt damit zusammen, dass wir das Risiko Autoverkehr in unser Leben so eingepreist haben, dass wir es nicht mehr wahrnehmen. Es erscheint uns beherrschbar. Dagegen fällt uns jeder Radler auf und ärgert uns, der auf dem Gehweg fährt (egal, ob erlaubt oder unerlaubt). Er erscheint immer zu schnell unterwegs, denn er ist schneller als ein Fußgänger. Radfahrende scheinen nicht beherrschbar. Sie sind überall und zugleich immer noch ein Sonderfall in unserem Verkehrssystem und eine Minderheit. Und Minderheiten gegenüber urteilen wir grundsätzlich anders als Mehrheiten gegenüber, auch wenn ihr Verhalten lästig, ärgerlich oder gefährlich sein mag.

Kommentare:

  1. 70% der Rechtsabbiegerunfälle finden an Kreuzungen ohne Ampeln statt. Da fallen dann auch die von Radwegbefürwortern geforderten "sicheren Ampelschaltungen" flach, die dazu dienen sollen , Radwege auf das Sicherheitsniveau von Fahrbahnen zu heben.

    AntwortenLöschen
  2. das passt nicht zu den vielen geposteten Nachrichten über Rechtsabbiegeunfälle, wo die Radlerin (meist Frau) grün hatte. Oder betreffen die 80% andere Situationen?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Die Frage ist immer, ob die Einschätzungen der Verkehrssituation immer so ganz stimmen. Auch Rechtsabbiegeunfälle an Kreuzungen ohne Ampeln sind schwere Fehler der Autofahrer/innen. Für mich ist es nicht immer ganz leicht, azuschätzen, ob es eine Ampel gab oder nicht. Vorrang hatte der Mensch auf dem Fahrrad in jedem Fall meist.

      Löschen
  3. Jörg
    interresante Studie, die Analyse der Ursachen bleibt leider im heutigen Rechtssystem stecken. Die Fußgänger sind schuld, da sie bei Rot gehen. Aber warum haben sie rot? Damit der Autoverkehr leistungfähig über den Verkehrsknoten fließt. Und deshalb haben sie häufig länger als 60 sec rot. Dabei steht in der RAST06, dass so lange Wartezeiten zum Rotgehen anregen. Die Regeln sind so definiert das Autos schnell durch die Stadt fahren dürfen.
    Bei geringerer Geschwindigkeit wären viele Unfälle vermieden worden und die doch passarien wäre nicht so folgenschwer.
    Beim Abbiegen ist es wichtig die Autos langsam zu machen. Da helfen enge Ecken und abgesetze Radwege mit klarer Vorfahrt. Dann sehe ich als Radfahrer wenn mir einer die Vorfahrt nimmt, mit Glück kann ich ausweichen.
    Wir müssen die Primissen ändern. Sicherheit vor Leistungsfähigkeit. Lebenswerte Plätzen anstelle leistungsfähiger Knoten um jeden Preis.

    AntwortenLöschen