23. April 2018

Kriegsrhetorik gefährdet Radfahrer

Wir haben uns angewöhnt, die Konflikte zwischen Auto- und Radverkehr als Krieg zu beschreiben. Das rechtfertigt gewissermaßen unser Verhalten.

Ist der andere mein Feind, dann darf ich zur Selbstverteidigung greifen. Ich darf mich gewissermaßen in eine aggressive Grundhaltung bringen und dann gewalttätig und strafend verhalten.

Opfer sind in jedem Krieg die Schwächeren. Also die Radfahrer. In Deutschland stirbt alle 22 Stunden ein Radfahrer, schreibt Thomas Hummel in der Süddeutschen Zeitung, der ein Interview mit Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer geführt hat. Alle 36 Sekunden wird einer schwer verletzt. Wir haben offenbar entschieden, unsere Verkehrstoten stumm hinzunehmen, sagt Brockmann. Dieselbe Süddeutsche Zeitung lässt aber auch einen Autor Radfahrende als "Strampelnazis" titulieren.

22. April 2018

Per Rad nach Asien

Meine Ruderkollegin Veronika hat sich aufs Fahrrad gesetzt und fährt mit ihrem Mann nach Kasachstan.

Das Foto zeigt beide mit den Visen in den Händen. Veronika hat einen Blog eingerichtet, dem man folgen kann, wenn man will. Los ging es am eisigen und verregneten Ostersonntag. Inzwischen dürfte das Wetter für die beiden besser geworden sein.

Ich wüsche ihr eine gute Reise.




21. April 2018

Stuttgart hat einen Radentscheid

Die Gruppe Zweirat und ihr Sprecher Thejs Lucas haben am vergangen Dienstag der Öffentlichkeit ihr Vorhaben vorgestellt. Auch Stuttgart wird wahrscheinlich einen Radentscheid bekommen.

Es geht um Sicherheit für alle (auch Kinder, Mobilitätseingeschränkte und Ältere), um gute Alltagsrouten, Pflege der Radwege, Öffentlichkeitsarbeit, geeignetes Personal und Radabstellanlagen. Hier die Internetseite.

Untersdchriften werden ab Ende Mai gesammelt. Es geht  darum, 20.000 Unterschriften zu sammeln, um den Volksentscheid beantragen zu können. Wer selber Unterschriften sammeln will, melde sich beim Radentscheid: hallo@radentscheid-stuttgart.de

20. April 2018

Radfahren zwischen Zukunft und Gegenwart

Endlich mal ein echt sachkundiger Artikel übers Radfahren in Stuttgart und Esslingen. Umfangreich recherchiert und mit vielen gesprochen hat Dietrich Heißenbüttel für seinen Artikel "Schöner Radeln in ferner Zukunft" für Kontext. 

Da fährt einer Rad und analysiert unaufgeregt und mit radpolitischem Verstand die Realität. Begleitet wird der Artikel von Fotos von Joachim E. Röttgers, die tatsächlich auch passen und zeigen, was sie zeigen sollen. Heißenbüttel richtet den Blick auf die Infrastruktur zwischen Zukunftsreden und Realität. Sie ist ja da, aber sie ist lückenhaft und fällt auch mal kurz einer Umleitung für Autos zum Opfer wie die Tübinger Straße im Sommer.

19. April 2018

Das stylische Stuttgarter Fahrrad von Kruschhausen

Da bastelt einer und nach zwei Jahren ist der Prototyp eines eleganten Klapprads fertig. Und weil der Konstrukteur, Tobias Kruschhausen, in Stuttgart lebt, konnte ich mich mit ihm treffen und das Teil Probe fahren. 

Tobias kam mit der U-Bahn zum Marienplatz und hat vor meinen Augen das Fahrrad in Sekunden aus dem Transportmodus in den Fahrmodus gebracht. Tobias Kruschausen ist Produktdesigner und hat sich mit diesem Projekt selbstständig gemacht. Er möchte das Fahrrad  produzieren und sammelt dafür über Startnex Geld. Das Fiiz von Kruschhausen Cycles besteht aus zwei Teilen, die zusammengefügt einen super stabilen zweifarbigen Diamantrahmen bilden und sich wie ein urbanes Sportrad fährt. Ziemlich cool!

17. April 2018

Die Fahrradstraße hat verloren

Die Fahrradstraße Tübinger Straße wird im Sommer für sechs Wochen zwischen Cotta-Straße und Feinstraße für den Umleitungs-Autoverkehr freigegeben, den die Sanierung am Österreichischen Platz erzeugt.

Es bleibt beim ursprünglichen Konzept. Im UTA, dem zuständigen Ausschuss im Gemeinderat, hat das Ordnungsamt, das sich viele Gedanken gemacht, viele Vorschläge erwogen und uns lange zugehört hat, klargestellt, dass egal, was wir wünschen, Sicherheitsaspekte Vorrang haben und das Ordnungsamt hier entscheidet. Die Anträge von Grünen und SÖSLi-Plus, die Sperre an der Feinstraße beizubehalten, wurde mit 6 zu 8 von den anderen Parteien (CDU, SPD, Freie Wähler, FDP und Ultrarechts) überdies abgelehnt. Aber auch, wenn es anders ausgegangen wäre, es hätte nichts geändert.
Das bedeutet:

Musik und Wein anstelle von Radfahrern

Mehrere Wochenenden lang sind Radfahrende am Rosensteintunnel um dieses Schild herumgefahren. Vor allem am Wochenende wird es hier eng, weil sich viele Radler entgegenkommen. 

Vermutlich steht das Schild immer noch. Mal sehen, wie lange. Um es ganz klar zu sagen: Werbeplakate dürfen nicht so aufgestellt sein, dass sie den Verkehr behindern. Aber Radfahrende sind ja geduldige Hindernis-Umfahrer. Mit denen kann man alles machen. Gell?

16. April 2018

So beschenken wir Radler den Autoverkehr

Der Autoverkehr kostet die Kommunen das Dreifache des Öffentlichen Nahverkehrs und der Radverkehr bekommt die geringsten Zuschüsse. 

Das ist das Ergebnis einer Forschungsarbeit über die Kosten von Mobilität für den Steuerzahler, die der Kasseler Verkehrswissenschaftler Carsten Sommer bereits 2015 unternommen hat. Er liefert zugleich eine Grundlage für die Berechnung der realen Kosten in jeder einzelnen Stadt für die verschiedenen Verkehrsarten. Wird ein Radweg gebaut, redet die Öffentlichkeit vor allem über die Kosten. Auch der Öffentliche Nahverkehr wird bei uns in der Regel als Kostenfaktor wahrgenommen, doch die  eigentlichen Kosten werden von Autos und Lastwagen verursacht, wobei die Schäden durch den Lkw-Verkehr für die Gemeinschaft am teuersten sind. Das wissen wir eigentlich schon lange.

14. April 2018

Alte Weinsteige - mehr Kontrollen sollen den illegalen Autoverkehr verringern

Am vergangen Dienstag hat der Bezirksbeirat Süd einen Antrag der Grünen diskutiert, die Alte Weinsteige wirkungsvoller als bisher vor Schleichverkehr und rechtswidrig hinunter fahrenden Autos zu schützen. 

Den Grünen ging es dabei nicht nur um die Ruhe der Anwohner, sondern auch um mehr Schutz der Radfahrenden, die von rechtswidrig herab kommenden Autofahrer/innen gerne mal bedrängt, ausgebremst, ins Kiesbett der Zacke gekippt oder angeschrieen werden, sie sollten doch gefälligst auf dem Gehweg hoch radeln. Der Bezirksvorsteher las vor der Diskussion eine Mitteilung der Stadtverwaltung vor, die besagte, man wolle verstärkt kontrollieren. Aus einer kontroversen Debatte ging dann, wie ich mir von einem Teilnehmer habe berichten lassen, der einstimmige Beschluss des Bezirksbeirats hervor, man wolle der Verwaltung drei Monate Zeit geben, mit Hilfe verstärkter Kontrollen das Verbot der Runterfahrt und das der Bergauffahrt am Nachmittag für Autofahrer durchzusetzen und dann zu berichten, gegebenenfalls auch mit Vorschlägen, wie die Verkehrsregeln ansonsten wirkungsvoll durchgesetzt werden können.