16. Juni 2022

Die Mär vom starken und schwachen Verkehrsteilnehmer

Begriffe beeinflussen Weltverständis. Eine Begrifflichkeit im Zusammenhang mit der Organisation unseres Verkehrs, die mir falsch vorkommt, ist die vom "starken und schwachen Verkehrsteilnehmer".  

Stärke ist in unserer Gesellschaft ein positiv besetzter Begriff, Schwäche ein negativ besetzter. Schwache brauchen Nachsicht und meistens auch Hilfe. Starke brauchen gar nichts. Sie können  nett und hilfsbereit sein, müssen es aber nicht. Schwache haben keine Wahl, sie sind die Opfer des willkürlichen Handelns anderer.

Als schwach werden im Straßenverkehr diejenigen bezeichnet, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs sind, eigentlich alle, die nicht im Auto sitzen. Als stark bezeichnet man Autos oder deren Fahrer:innen oder beides zusammen. Nun sind Autofahrende ja nicht per se stark oder Radfahrende und Fußgänger:innen schwach. Sie sind es nur im Zusammenspiel der Verkehrsmittel. Das Auto und sein Fahrer kann töten, ein Mensch zu Fuß oder ein Radfahrer kann einen Menschen im Auto nicht töten. Also ist das einzige Zeichen der Stärke eines Autofahrers das Auto. Und unsere Schwäche ist, dass wir nicht im Auto unterwegs sind. Wenn es Starke und Schwache gibt, ist Gleichberechtigung ein Mythos. Andernfalls hätten die Schwachen so viele Rechte, dass sie nicht schwach sind. Autofahrende dominieren in Deutschland, egal, ob sie im Recht sind oder nicht. Andere, die nicht in Autos sitzen, müssen ihnen überall und immer den Weg freimachen, sonst sterben sie oder werden schwer verletzt. Sie sind Opfer. Und Opfer verachten wir erst recht. Wir glauben, sie seien irgendwie selber mit schuld. 

Und genau so konstruieren wir unseren Straßenverkehr.

Den Autos viele Fahrspuren, von denen man Fußgänger:innen mit strengen Regeln und Radfahrende, wenn es irgend geht, fernhält, und zwar - so heißt es dann - zu ihrem eigenen Schutz. Wo sich Autofahrerwege mit denen der Radfahrenden kreuzen, herrscht für Radfahrende Gefahr. (Für Fußgänger:innen gilt das auch.) Polizei und Politik ermahnen gerne die Radfahrenden aufzupassen (und sich mit Helmen und Warnwesten zu schützen), auch wenn sie Vorrang hätten, denn was nütze es, Recht zu haben, wenn man tot ist oder im Krankenhaus liegt. Und für Radfahrende werden dann Warnungen und Langsam-fahr-Gebote eingerichtet, nicht etwa für die Autofahrenden, die blicklos abbiegen, und eigentlich  anhalten müssten. 

Da der Schutz sogenannter Schwacher auf Freiwilligkeit beruht, kann der Starke, in dem Fall der Autofahrer, selber bestimmen, ob ihm das wichtig ist oder nicht. Er kann auch selber bestimmen, ob die Schutzbereiche, der Gehweg, den Fußgänger:innen gehören oder nicht doch auch ihm. Der Fußgänger kann ja ausweichen. Den Autofahrer schützt die gesellschaftliche Übereinkunft, dass das Auto ihn ermächtigt, Raum zu beanspruchen. Ein Auto lässt sich halt von der Fußgängerin mit Kinderwagen auch nicht vom Gehweg runterschieben. Es ist stärker. 

Weil Schutz immer eine freiwillige Geste des Stärkeren ist, können Stadtverwaltungen und politische Gremien selbst bestimmen, wie viele Maßnahmen ergriffen werden, um dem Gefährlichen  Raum und die Machtfülle zu beschneiden. Dürfen Autofahrende über einen Radweg oder eine Radspur abbiegen oder nicht? Lässt man den Freiabbieger offen, obgleich es dort schon zahlreiche Radunfälle gegeben hat? Und wie konsequent setzt man die Verkehrsregeln auch durch? Wie oft wird abgeschleppt? Was gilt als Gefährdung, was als Behinderung? 

Bei uns ist es keine Gefährdung, wenn ein Radfahrer um ein auf dem Radstreifen geparktes Auto herumfahren und sich dafür in den fließenden Autoverkehr einordnen muss. Der Radler kann halten, absteigen, warten, wieder aufsteigen, antreten und drum herum fahren. Die Verkehrsregel ist eindeutig. (Allerdings auch für den Falschparker, denn er darf nicht auf Radstreifen stehen, auch nicht mal kurz.) 

Würde unsere Gesellschaft und ihre politischen Vertreter:innen und ihre Beamt:innen nicht nur Verkehrsverstöße konsequent verhindern, sondern auch noch dafür sorgen, dass Autofahrer:innen, die einen Radweg oder einen Zebrastreifen kreuzen, keine andere Wahl haben, als anzuhalten, dann wäre der Starke auf einmal ein Schwacher. Er kann nicht mehr bestimmen, wie er sich den anderen gegenüber verhält: er muss halten, er kann nicht auf Radwegen oder Gehwegen parken. 

Aber genau das tut man meistens nicht oder nur dann, wenn zu oft Kinder (sozusagen die Schwächsten unserer Verkehrsgesellschaft) an einer bestimmten Stelle sterben. Selbst das Befahren und Beparken von Gehwegen, Fußgängerzonen oder Radstreifen wird kaum geahndet, weil so viele (auch die Polizei) viel zu viel Verständnis für Autofahrende haben, die "ja irgendwo parken müssen" und mit ihrem Auto überall hin fahren können müssen. Wären Fußgänger:innen und Radler:innen in der Vorstellung von uns allen und der Verkehrsplaner:innen die Starken, also die Privilegierten, die bestimmen, dann sähe unser Straßenverkehr ganz anders aus. 

Denn insgeheim wollen die meisten lieber aufseiten der Starken und selber stark sein oder für stark gehalten werden. Mit den Schwachen identifizieren wir uns nicht so gern, und zu denen wollen wir auch nicht gehören. Für Schwache werden Sozialprogramme aufgelegt, sie bekommen Hilfen, aber nur Minimalhilfen, nur das Nötigste, und man appelliert (auch mit Strafmaßnahmen) an sie, sich selbst zu helfen, Geld zu verdienen, die Seiten zu wechseln, dazuzugehören. Und wenn sie schon schwach sind und nichts für sich tun können, erwartet man Bescheidenheit bei den Forderungen und Dankbarkeit für ein bisschen Hilfe. Solange wir die Zu Fuß gehenden und Radfahrenden insgeheim ein wenig als Schwache verachten, erwarten wir von ihnen Bescheidenheit und Zufriedenheit mit dem, was man ihnen gönnt, um auf Gehwegen geparkte Autos können sie herumgehen, und der Radfahrer kann an einer Einbiegung für Autos auch mal warten. Da fällt ihm doch kein Zacken aus der Krone. Kein Wunder also, dass die Autofahrenden mit Zähnen und Klauen darum kämpfen, die Stärkeren zu blieben, die diktieren, wie es auf unseren Straßen zugeht. 

Die Begrifflichkeit, mit der wir Straßenverkehr betrachten, drängt uns in die Rolle der Schwachen, der Bittsteller:innen. Deshalb stehen wir auch bei politischen Diskussionen beständig im Verdacht, zu unverschämt zu fordern, das Augenmaß zu verlieren, ideologisch zu agieren, es zu übertreiben und nicht mit dem zufrieden zu sein, was man uns anbietet. Gleichzeitig werden wir - mehr oder weniger insgeheim - auch ökonomisch als schwach angesehen. Daher die immer wieder aufflackernde Forderung, wir sollten unsere Radwege selber finanzieren, also endlich Steuern zahlen (gemeint ist ein Äquivalent zur Fahrzeugsteuer und Steuern auf Benzin), so als ob die Autofahrenden tatsächlich ihre Infrastruktur selber finanzieren würden, und sie nicht mit Milliarden von uns allen - auch denen, die keine Autos haben - subventioniert würde. Das Auto ist in unserer deutschen Gesellschaft selbst ein Symbol für ökonomische Stärke, der persönlichen und der gesamtwirtschaftlichen. Deshalb beschwören seine Parteigänger:innen auch stets den wirtschaftlichen Untergang, wenn Radfahrende für mehr Radinfrastruktur argumentieren: Daimler und Porsche müssen ihre Fahrzeuge verkaufen können, sonst verarmt Stuttgart. Wer Rad fährt, so die These, kann sich kein Auto leisten und trägt nichts zum Wohlstand unserer Stadt bei. Folglich dürfen wir Radler:innen auch keine Ansprüche stellen. Wobei der Mensch mit teurem Pedelec (der auch ein teures Auto fahren könnte und ein entsprechendes soziales Selbstverständnis hat) auf den arroganten Autoverkehr stößt, und auf einmal erlebt, was es heißt, unterprivilegiert zu sein, also ein Schwacher, der sich in acht nehmen muss. Das steigert die Wut, und dann brüllen sich Radler und Autofahrer an. Der Radler verliert aber immer, denn wenn die Polizei kommt, geht es meistens zum Nachteil des Radfahrers (oder der Radlerin) aus: Er/sie hat den Verkehr (sprich den Fahrer dieses Autos) behindert oder genötigt und das Geh-beiseite-Fahrverbot (Rechtsfahrverbot) missachtet. Während auf der Autobahn (Autos unter sich) Drängler verfolgt und bestraft werden, wiegt auf einer Fahrbahn, die sich ein Auto mit einem Fahrrad teilen muss,  das Drängeln weniger schwer als das Vergehen, mit dem Rad nicht weit genug rechts gefahren zu sein. Auch der rechtswidrig enge Überholvorgang wiegt weniger schwer als die Tatsache, dass der Radler nicht so weit rechts fuhr, damit das Auto (knapp!) vorbeikam, und der Radfahrer bekommt erst mal den Bußgeldbescheid (ich kenne wenigstens einen Fall). 

Auch viele Reaktionen auf das Verhalten von Radfahrenden erklären sich daraus, dass Autofahrende sich für die gesellschaftlich, wirtschaftlich und physisch Starken halten und deshalb meinen, sie seien der Maßstab und könnten bestimmen, wer sich an die Regeln halten muss und wer nicht. Darum herrscht auch regelmäßig Aufregung, wenn wir rechts am Stau nach vorne zur Ampel radeln. Wieso drängeln die sich vor? Dürfen die das überhaupt? Deshalb achten Autofahrende auch genau auf unser Verhalten und behaupten, wir würden ständig bei Rot fahren, was Autofahrende selbst viel häufiger tun, aber das finden sie nicht schlimm, weil sie ja die Regeln machen und sich gegenseitig die Verstöße verzeihen. Deshalb appelliert die Kampagne der Stadt "Rad nimmt Rücksicht" an uns, mit der für Schwache gebotenen Demut und Bescheidenheit die Wege zu benutzen, die man uns anbietet und zugesteht, während man in einer ersten Kampagne Autofahrenden nur eine einzelne Regel der StVO im Bezug zu Radfahrenden erklärte. Deshalb werden Radfahrende schnell als "rasende Radler" gesehen, denn dafür, dass sie schwach sind, fahren sie viel zu schnell und selbstbewusst, das ist nicht in Ordnung. Und deshalb sehen viele Autofahrende die Radfahrenden oft auch gar nicht, weil man auf schwache Menschen nicht achten muss und sie nur dann zum Zuge kommen lässt, wenn man in gönnerhafter Stimmung ist. 

Unsere Verkehrspolitik in Deutschland ist gönnerhaft den Fußgänger:innen und Radfahrenden gegenüber. Das bedeutet, dass man nur dann, wenn Platz übrig ist, den der Starke, der Autofahrer nicht braucht oder zur brauchen behauptet, etwas für uns tut. Muss man selber auf etwas verzichten und Einbußen an Raum und Bequemlichkeit hinnehmen, dann hört es auf mit dem Gönnen, dann wird mit harten Bandagen um jeden Parkplatz und jede Fahrspur gekämpft. Die Radfahrer sollen doch Nebenstraßen oder Park- und Waldstrecken fahren, das ist für sie auch viel schöner, höre ich dann. Mit anderen Worten: Geht weg! Ich will euch nicht sehen. Das darf der Starke, denn er bestimmt, wie er die Welt wahrnimmt und ob er Schwache sehen will oder nicht. Schwache dagegen können der Weltsicht des Starken nicht entgehen, sie müssen sie kennen und zum Selbstschutz ausgleichen, sonst kommen sie unter die Räder. Sie können auch protestieren, demonstrieren, sich beschweren und fordern, aber sie haben nicht die Macht, die Realität zu verändern, wenn der Starke es nicht zulässt. 

Seit längerem vermeide ich deshalb zunehmend die Begriffe "starker" oder "schwacher" Verkehrsteilnehmer. Sie zementieren in unseren Köpfen ein Machtverhältnis. Ich möchte nicht mehr um institutionellen Schutz betteln, ich möchte, dass allen klar wird, dass er ein Gebot der Gleichbehandlung ist. Leider verändert das die Verkehrswelt erst einmal nicht. Wir können trotzdem weiterhin nur fordern, argumentieren und kämpfen um jeden Meter Radverkehrsanlagen, und besonders um die, die uns nicht in Gefahr bringen. Dabei sind wir Menschen zu Fuß und auf Fahrrädern die Mehrheit auf den Straßen, Autofahrende sind nur eine laute Minderheit, die viel Platz für sich beansprucht, weil die Privilegien, die sie in den letzten Jahrzehnten bekommen hat, sie in der Illusion bestärkt hat, die Starken zu sein, die bestimmen, wie es aussieht in unseren Städten. 

Auch wenn Worte und Begriffe nicht gleich die Welt ändern, so beeinflussen sie doch - je öfter wir sie gebrauchen - das Bewusstsein und Denken über bestimmte Verhältnisse. Jede Debatte über politische Hoheiten ist immer eine Debatte um Worte, also um Definitionshoheit. Die Debatte über Geschlechtergerechtigkeit in der Sprache (die Anfang der 80er Jahre begann), zeigt, dass dann, wenn man darauf achtet, dass Frauen in der Sprache vorkommen, man auch anfängt, darauf zu achten, dass sie in der Kunst, in der Politik und in Ämtern öfter vorkommen als bisher. Interessanterweise steht bei uns oft das Auto für die Person (ein Auto fuhr ein Kind an). Das Auto handelt, es regiert auf unseren Straßen, Kinder und Radfahrer sind sozusagen die natürlichen Opfer. Wenn wir aber davon sprechen, dass eine Autofahrerin eine ältere Frau anfuhr, wird der Unfall zu einer Interaktion zweier Menschen. Wenn wir von Menschen in Autos und Menschen zu Fuß oder auf Fahrrädern sprechen und schreiben, dann haben wir bereits Augenhöhe hergestellt, denn Menschen sind dies ja alle, und alle Menschen sind gleich.  

Der enorme Wert, den Radfahren für die Gesellschaft und die städtische Ökonomie hat, wird auch solange von der autozentrierten Gesellschaft nicht erkannt oder bestritten, solange wir als schwache Verkehrsteilnehmer:innen gesehen werden, denn Schwache leisten ja nichts. Würde man den Wohlstandswert des Radfahrens und zu Fuß Gehens positiv sehen und (außerhalb von Sonntagsreden) hochalten, wären wir auf einmal die politisch und ökonomisch Starken, die man umschmeicheln will und denen man Platz anbietet. Wir tun mehr für den lokalen Handel, weil wir nicht so viel Geld ins Auto stecken müssen. Körperlich stärker als Autofahrende sind wir sehr oft sowieso, wir sind nämlich gut trainiert, gesünder, hellwach und aufmerksam und haben den längeren Atem. Das aber spielt im politischen Alltagsgeschäft kaum je eine Rolle, wenn es um Parkplätze und Autofahrspuren geht. Was ein sicheres Zeichen ist, dass man uns "Schwachen" eben nichts zutraut, was der Gesellschaft nützt. Händler:innen werden bei der Reduktion von Parkplätzen nicht müde zu klagen, ihnen blieben die Kund:innen weg, sie überschätzen die Zahl der Kund:innen, die mit dem Auto kommen maßlos, und unterschätzen die Menschen, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad kommen, sie erscheinen ihnen völlig unwichtig: Radfahrende und Menschen, die mit Öffentlichen und zu Fuß kommen, erscheinen eben vielen Ladeninhaber:innen als wenig solvent, als sozial schwach.  

Tatsächlich sind Radfahrende und zu Fuß Gehende die starken Verkehrsteilnehmer:innen, nicht die Autofahrenden, denn die sitzen ja nur mit eingeschlafenen Gehirn in halbautomatisierten Fahrzeugen und sind selbst zum Blinken zu faul. Sie tragen nichts zum Wohlstand einer Stadt bei, sie verursachen nur Kosten, Krach und schlechte Luft und verschlingen zudem enorm viel Men-Power bei der Polizei, die die Unfälle, die sie verursachen, täglich abarbeiten muss. Radfahrende aber haben Geld, sie radeln langsam und sehen Schaufenster, sie können überall anhalten, das Rad abstellen und einkaufen, sie sind körperlich und geistig mobil, sie kennen ihre Stadt extrem gut, und sie haben oft auch eine Idee, wie die Stadt sein könnte, damit sich Menschen in ihr wohlfühlen, etwas dazu beitragen, tun sie heute schon. 

Nachtrag: Aus der Diskussion in den Kommentarfeldern ergibt sich, dass ich eigentlich nach neuen Begriffen hätte suchen müssen. In der Schweiz benutzt man, wie Frank mitgeteilt hat, das den Begriff "langsamer Verkehr", was aber fürs Fahrrad in die Irre führt, denn mit dem ist man auf kurzen Strecken schneller. Marmotte bringt den  französischen Begriff "utilisateur(s) vulnérable(s)'" ins Spiel, aber das "verletzlich/vulnerabel" rückt uns wieder in die Position der unterlegenen und Hilfbsbedürftigen. Auch das Spiel mit Abkürzungen (siehe Kommentar von Karl g. Fahr) finde ich interessant, es dürfte dabei aber Vermittlungsschwierigkeiten geben. Ich suche Begriffe, die sich in politisches Sprechen und Schreiben integrieren lassen.

Im Zuge dieser Diskussion ist mir bewusst geworden, dass man im Grunde von "gepanzerten und ungepanzerten Verkehrsteilnehmer:innen" sprechen müsste. Panzer ist kein positiv besetzter Begriff, macht aber gleichzeitig die rein physische Stärke und Vernichtungskraft deutlich. Auch möglich: "hochenergetische und niedrigenergetische Verkehrsteilnehmer:innen". 

27 Kommentare:

  1. ach ja. stimmt alles. vielen dank.
    lösung gibt's
    (sorry für die evtl zu kritisierende wortwahl - wurde aber damals von der stadt also von den menschen dort geändert:

    https://www.buergerhaushalt-stuttgart.de/vorschlag/11024

    wurde nicht weiter verfolgt?
    hm.
    sind ja auch sonst keine aktuellen themen angesprochen.

    früher habe ich immer gesagt, dass es dem russen egal sein wird, wenn er kommt.
    mache ich seit gut einem vierteljahr auch nicht mehr.

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    1. Der Vorschlag lautete, den Verkehr durch Drohnen überwachen. Das konnte nicht weiter vefolgt werden, denn es ist äußerst schwierig in Deutschland eine generelle Überwachung durch Dauerfilmkameras zu installieren, Datenschützer bekommen da regelmäßig vor Gericht Recht. Es ist ja nicht einmal erlaubt, dass die Polizei eine Dashcam dauerhaft laufen lässt, sie darf nur angestellt werden, wenn sie einen Verkehrsregelverstoß sieht und dokumentieren will.

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  2. Du schreibst häufig von "wir" und "alle", ein Beispiel:
    "Selbst das Befahren und Beparken von Gehwegen, Fußgängerzonen oder Radstreifen wird kaum geahndet, weil alle (auch die Polizei) viel zu viel Verständnis für Autofahrende haben, die "ja irgendwo parken müssen" und mit ihrem Auto überall hin fahren können müssen."
    Damit negierst Du aber, daß es auch Leute gibt, die das anders sehen. Die haben nur keine Chance, wenn die Polizei das eben wie beschrieben sieht. Sprache zu thematisieren ist wichtig, aber Generalisierungen per "wir" und "alle" sind problematisch.

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    1. Hast ha Recht. Im Grunde entsteht zwar kein Missverständnis, aber ich habe die Formulierung verändert.

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  3. Edouard Tavinor16. Juni 2022 um 07:29

    Liebe Christine, Danke für diesen Beitrag! Ich finde ihn prima :) ich fühle mich gesehen und verstanden.

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  4. Sehr guter Beitrag! Jetzt müssen wir uns noch überlegen, welche Wortwahl alternativ verwendet werden sollte und diese auch entsprechend verwenden, in der Hoffnung, dass sie sich irgendwann durchsetzt. Den "Langsamverkehr" aus der Schweiz finde ich übrigens ebenfalls nicht gut gewählt. Von Tür zu Tür ist man per Rad ja oft schneller als per Auto.

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  5. Den "Langsamvekehr" in der Schweiz kannte ich noch nicht. Die Bezeichnung ist auch nicht ganz glücklich, wie du ja auch bemerkst, zumal wir "langsam" ja auch nicht als positiven Begriffe pflegen. Momentan wähle ich umständliche Formulierungen wie "Menschen zu Fuß und auf dem Fahrrad", ein kurzer ist mir noch nicht eingefallen. Aber vielleicht findet sich einer, je mehr wir es vermeiden, die gängigen Begriffe "stark" und "schwach" zu verwenden.

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  6. Menschen
    - auf Fahrrädern / Radfahrer bzw. Radfahrerin
    - zu Fuß / Fußgänger bzw. Radfahrerin
    - in Autos /Autofahrer bzw. Autofahrerin



    - Autoverkehr / Motorisierter Individualverkehr
    - Radverkehr
    - Fußverkehr

    Und wenn es denn mal in einem entsprechenden Kontext thematisiert werden muss, könnte man in Anlehnung zum französischen Begriff 'utilisateur(s) vulnérable(s)' bei Radfahrern und Fußgängern von "verwundbaren/verletzlichen Verkehrsteilnehmer(n) sprechen, und als Gegensatz dazu bei Autofahrern den Begriff eines "gefährdenden Verkehrsteilnehmers" einführen.

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    1. wie wäre es mit:
      EN ergetisch und
      G esellschaftsvertäglich
      E igenmobile
      L eistungsträger

      vs

      parasitär-mobile Gefährder*innen?

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    2. Lieber Marmotte, für "Vulnerable" oder "Verletzliche" bin ich auch nicht so, denn es rückt uns wieder in die Position der Unterlegenen. Im Grunde wäre "Gepanzerte und ungepanzerte Verkehrsteilnehmer:innen" das passendste.

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  7. Etwas mit "Energie" würde es m.E. treffen.

    Es gibt wohl derzeit keine größere Energieverschwendung, als ein Auto dann zu bewegen, wenn man den gleichen Zweck auch anders erreichen kann. Ich hab mal ausgerechnet, dass "wir" (in D) allein dadurch *täglich* etwa 12 Mio. Liter Sprit (oder ca. 80 Mio kWh Energie) sparen könnten, wenn bei unserem offiziellen "Besetzungsgrad" von Autos die unnützen Beifahrersitze und Rückbänke aus den Autos ausgebaut würden. Da müsste der Habeck doch eigentlich dahinschmelzen?

    Zweitens ist es die (kinetische) Energie, die den Radfahrer/Fußgänger zum (physikalisch) schwächeren Verkehrsteilnehmer macht. Bei 60 km/h ist die Wahrscheinlichkeit für einen Fußgänger, beim Aufprall zu sterben 100%. Bei 30 km/h irgendwas mit 30%. Genau Zahlen kann man im INet finden.

    Drittens verwandelt jeder Liter Sprit (oder die entsprechenden kWh aus Kohle) beim Verbrennen 10.000 Liter Atemluft in toxische Abgase. Das ist die Menge, die ein Mensch am Tag zum Atmen braucht. Wir könnten ja mal die Besatzung der ISS oder eines U-Boots fragen, wieviel ihnen ein Tag Atmen wert ist. Tatsächlich nur 1,50 Euro? Wohl kaum.

    S. Schwager, Fürstenfeldbruck, Bayern

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    1. Also "hochenergetischer Verkehr" gegen "niedrigenergetischer Verkehr" Auch nicht schlecht.

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  8. Ich würds den
    - L ow T oxic
    - E nergy S aving
    - V ision Z ero C ompatiple
    Traffic nennen. Kurz: LifePreserving Traffic vs. LifeDestroying Traffic.

    Deutsche, knackige Übersetzungen finden und den "ewig gestrigen" in den Stadtparlamenten und Behörden bei jeder Gelegenheit um die Ohren hauen.
    :-)

    S. Schwager, Fürstenfeldbruck, Bayern

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  9. Nicht toxischer Verkehr im Gegensatz zu Toxischer Verkehr.
    Lebenserhaltender Verkehr im Gegensatz zu Lebenszerstörender Verkehr.
    Energiesparender Verkehr im Gegensatz zu Energieverschwendender Verkehr.

    Nicht schlecht...

    Oder auch:
    Ressourcensparender Verkehr im Gegensatz zu Ressourcenverschwendender Verkehr.

    Lebensqualität erhaltender Verkehr im Gegensatz zu Lebensqualität zerstörender Verkehr.

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    1. Es gibt übrigens noch den Begriff der "aktiven Mobilität". Also einfach Aktive und Passive?
      Wenn es speziell um das Thema der Gefährdung geht, ist aber das mit den Gepanzerten und Ungepanzerten gut gewählt.

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    2. Bei "gepanzert" / "ungepanzert" stelle ich mal diese Kollision zur Diskussion: Leute in 2 Autos, eines ein Kleinwagen, eines ein 750 er BMW, also ein schwererer PKW. Der Fahrer des letzteren fährt mit bis zu 132 kmh im Stadtverkehr. Die Fahrerin des Kleinwagens ist gelähmt und hat das Locked-in Syndrom, ein Zitat aus dem Artikel: "Maximale Einsamkeit im eigenen Körper."

      https://www.tagesspiegel.de/berlin/die-bestie-entfesselt-berliner-kudamm-raser-zu-knapp-vier-jahren-haft-verurteilt/27091592.html

      So, wie ich die Unterscheidung von "gepanzert" und "ungepanzert" in der Diskussion hier verstehe, wären die beiden Frauen im Kleinwagen "gepanzert". Das passt meiner Meinung nach hier überhaupt nicht. Nach meinem (derzeitigen) Sprachempfinden wäre die "aktive Mobilität" ein recht guter Begriff: Allerdings schwingt darin auch "ein Fahrrad ist ein Sportgerät und kein Fahrzeug für den Alltag" mit. Vielleicht doch einfach "Radfahrer:in" und "Fußgänger:in".

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    3. Nachtrag:
      Ich habe den Fall mit dem Kleinwagen und dem schweren PKW erwähnt, weil die Fahrerin des Kleinwagens gelähmt ist, während die drei Insassen des BMW fortgelaufen sind und es wochenlange Ermittlungen gab, bis der eigentiche Fahrer ermittelt war.

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    4. Man spricht auch gern von "selbstaktiver Monilität", aber was ist dann die andere`"passive Mobilität"? Also hätten wir "selbstaktive Verkehrsteilnehmer:innen" und "passive Verkehrsteilnehmer:innen". Wo gehören jetzt aber die E-Scooter-Fahrer:innen rein? Selbstaktiv sind sie ja nicht, aber dennoch ungepanzert oder eben ungeschützt. Gar nicht so leicht, hier politiktaugliche Begriffe zu finden.

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  10. Joerg
    für mich gibt es die Gefährlichen und Luftverpester. Man kann aus den Eigenschaften Namen erzeugen, so wie man es gerne tut um Menschen zu stigmatisieren. Nun ist es aber tatsächlich so das Energie die zu Verletzung zum Teil sogar zu tödlichen Verletzungen führt in der Regel von Kfz herrührt. Um so schwerer und größer sie sind, umso geringere Geschwindigkeiten reichen für die Gefährdung.
    Nicht Städte sind laut, Autos sind laut.

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  11. Jörg
    Nachtrag: Man könnte vom Gefährder sprechen.

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    1. Also der "gefährliche Verkehrsteilnehmer" und der "ungefährliche", der "gefährdende Verkehrsteilnehmer" und der "gefährdete"? Hm.

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  12. Als Fussgänger und ab und an Autofahrer und wiederwilliger PedelecFahrer fühle ich mich hier veräppelt.
    Als 3x von "Fahrradfahrenden" unbeachtet Geschädigten ebenfalls.

    Als Fussgänger fühle ich mich von Radlern vor allem bedrängt. Und vor allem will ich nicht in den selben Topf wie diese Rowdies geworfen sehen.

    Gruß
    Maria

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    1. Durch was fühlst du dich genau veräppelt? Ich weiß schon, dass es auch zwischen Radfahrenden und Fußgänger:innen ein empfundenes Gefälle gibt, Fußgänger:innen fühlen sich durch Radfahrende gefährdet. (In Wahrheit ist das größere Risiko für Fußgänger:innen das Auto und ihre Fahrer:innen.) Mit dem Auto kann man einen anderen Menschen töten, ohne selbst dabei verletzt zu werden, mit dem Fahrrad ist das nicht möglich, aber beide, Menschen zu Fuß und auf dem Fahrrad befinden sich in Gefahr, von einem Menschen im Auto geötet oder schwer verletzt werden, während von ihnen für den Menschen im Auto kaum eine Gefahr ausgeht. Ich suche nach Begriffen, die das ausdrücken, ohne aus dem einen einen Starken und dem anderen einen Schwachen zu machen.

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  13. "sitzen ja nur mit eingeschlafenen Gehirn in halbautomatisierten Fahrzeugen und sind selbst zum Blinken zu faul". Das finde ich eine Super-Fromulierung.
    Ich kann mir das nicht leisten, weil von den Unaufmerksamen zuviele auf der Straße unterwegs sind. Da bin ich echt egoistisch, da geht mir meine Sicherheit vor.
    Karin

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    1. Das ist etwas, was Fußgänger:innen oft nicht verstehen: Wir Radelnden sind aufmerksamer als Autofahrende, weil wir es sein müssen. Hier mein Post dazu: https://dasfahrradblog.blogspot.com/2017/07/radfahren-ist-intelligent-und-halt.html

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