19. Februar 2017

Von unserer aller Großzügigkeit bei Verkehrsregeln


Radfahrende halten sich doch an keine Regeln, so die landläufige Meinung vor allem derer, die selbst gar nicht oder nur selten Rad fahren. Wobei die Regeln aber auch vielen gar nicht so genau bekannt sind. 

Die meisten, die Radler für Rowdies halten, gehen davon aus, dass andere Verkehrsteilnehmer die Regeln nicht oder viel seltener brechen. Dass das ein Irrtum ist, können wir täglich in Stuttgart beobachten. Vollgeparkte Gehwege, Autos, die verkehrtherum durch Einbahnstraßen brettern, Halteverbote missachten, bei Dunkelrot über die Ampel rasen, Kreuzungen blockieren und so weiter. Radler dagegen umfahren rote Ampeln und sind auch gern mal als Geisterradler auf der falschen Straßenseite unterwegs. Und Fußgänger gehen gern bei Rot.

17. Februar 2017

Zebrastreifen mit Radspur - wer hat wo Vorrang?

Manchmal führen Radwege über Zebrastreifen. Bei uns haben sie in den meisten Fällen, die ich kenne, nebendran dann diesen Radstreifen. 

Radler sollten genau darauf achten, dass sie auf dem Streifen fahren, nicht auf dem Zebrastreifen, denn das entscheidet über Schuld oder Unschuld bei einem Unfall mit einem Auto.

Denn ein Radler, der auf einem Zebrastreifen eine Fahrbahn überquert, hat anders als Fußgänger keinen Vorrang vor Autofahrern. In der StVO ist nicht geregelt, ob Radler auf Zebrastreifen absteigen müssen oder nicht. Klar ist nur, sie sind auf dem Rad sitzend keine Fußgänger. Deshalb ist das Radeln über Zebrastreifen gefährlich.

Steigt der Radlerab, wird er zum Fußgänger und hat Vorrang. Das gilt - einem alten Gerichtsurteil zufolge  - auch wenn er einen Fuß aufs Pedal stellt und sich mit dem anderen Fuß rollermäßig am Boden abstößt. Nähert sich ein Autofahrer mit nachweislich nicht langsamer Geschwindigkeit einem Zebrastreifen und fährt dort einen Radler an, so wird der Schaden dann aber doch immerhin hälftig aufgeteilt (AG Köln, 266 C 135/83). Aber das muss man halt auch vor Gericht nachweisen können. 

Auf dem parallelen Radstreifen (egal ob rot oder nicht) hat der Radfahrer allerdings Vorrang. Er sollte aber auch genau dort fahren. Wird der auf dem Zebrastreifen angefahren, war er im Unrecht, wird er auf dem Radstreifen angefahren, war der Autofahrer im Unrecht. Da kommt es bei er Unfallaufnahme im Zweifelsfall auf Zentimeter an. Und auf eine Klarstellung der Polizei gegenüber.

Eigentlich nicht so kompliziert, denn Autofahrer müssen eigentlich wissen, dass sie auf Sicherheitsstreifen (Radstreifen mit gestrichelter Linie) nur dann fahren dürfen, wenn sie keinen Radfahrer gefährden. Das gilt für Sicherheitsstreifen im Längsverkehr, aber eben auch dann, wenn sie über eine Spur schwenken oder parallel zum Fußgängerüberweg eine Fahrbahn kreuzen.

Sieht man oft an Kreisverkehren so wie hier am Fasanenhof. (Wobei aus dem Kreisverkehr ausbiegende Autos sowieso warten müssen, egal, was auf der Fahrbahn aufgemalt ist). Gefährlich ist es für Radler trotzdem, hier außen herum zu radeln. Innen auf der Fahrbahn ist es für sie viel ungefährlicher. Dann allerdings müssen auch Radfahrer an der querenden Radspur halten, wenn sie aus dem Kreisverkehr rausfahren.

Allerdings, ob der Radler auf dem Radsstreifen auch Vorrang hat, wenn ein anderer Radler auf der Fahrbahn auf den Kreisverkehr zufährt? Tja, das ist wieder so eine höchst knifflige Frage, deren Unlösbarkeit damit zu tun hat, dass wir Radler mal wie Fußgänger, mal wie Autos behandeln und dass sich dann der Auto-Modus-Radler und der Fußgänger-Modus-Radler auch mal begegnen, zum Beispiel hier. (Ich würde sagen: Auto sein, den Radler als Fußgänger behandeln und durchlassen.)

Und wie müssen sich Radfahrende verhalten, wenn sie sich auf der Fahrbahn wie ein Auto einem Zebrastreifen nähern? Auch wieder genau so wie Autofahrer. Langsam tun, die Gehwege mustern und halten, wenn ein Fußgänger erkennbar den Zebrastreifen überqueren will. Genausowenig wie ein Autofahrer darf ein Radler beschleunigen, um noch vorher durchzubrettern.

Radler haben es allerdings leichter als Autofahrer. Sie müssen nicht unbedingt zum Stillstand abbremsen. Sie rollen langsam heran, lassen den Fußgänger losgehen und rollen hinter ihm vorbei, dies alles in mäßiger Geschwindigkeit. Auf dem Foto sieht man, dass beide - Fußgänger und Radlerin - sich anschauen und wissen, was sie tun. Auf keinen Fall darf macn man vor einem Fußgänger vorbeisausen. Und auch nicht knapp hinter ihm. Vor allem ältere Menschen erschrecken dann zu Tode.


Auf diesem Foto sieht man ein Auto am Zebrastreifen stehen. Muss es, weil es breit ist und die Fußgängerin länger braucht, bis sie vor dem Kühler vorbei ist. Am zweiten Zebrastreifen sieht man einen Radler, der ganz weit rechts wieterfährt, während ganz links die Fußgänger schon losgelaufen sind. Auch hier ist kein Konflikt sichtbar, alle sehen einander.



15. Februar 2017

Schwabtunnel für Radler und Fußgänger angehmer machen

Die Stuttgarter Zeitung hat im Innenstadt-Teil am Montag von einer Sitzung des Bezirksbeirats Süd berichtet, in der es auch um den Schwabtunnel ging.

Ein Antrag der Grünen, der auch im Bezirksbeirat West beraten wird, fordert die Verwaltung auf, zu prüfen, wie der Radverkehr durch den Schwabtunnel so geregelt werden kann, dass Fußgänger auf den Gehwegen nicht von Radfahrenden gestresst werden.

Derzeit ist es so, dass die Gehwege nicht für Radler freigeben sind. Radfahrer fahren auf der Fahrbahn durch den Tunnel. Leider trauen sich das manche vor allem bergauf nicht, weshalb sie dann auf die Tunnelgewege ausweichen. Regelwidrig. Es ist nicht bekannt, dass es im Tunnel zu Unfällen gekommen wäre, weder auf den Gehwegen, noch auf der Fahrbahn. Aber es gehört leider wieder mal Radlermut dazu, auf der Fahrbahn zu radeln. Ich mache das.

13. Februar 2017

Verständnis eines Staatsanwalts für Autofahrer

Zum Beispiel hier in Möhringen
Ein Staatsanwalt stellt das Verfahren wegen Nötigung gegen einen Autofahrer ein, mit dem erstaunlichen Argument, der Ärger des Autofahrers über die Radler sei nachvollziehbar. Und wozu Radwege da sind, scheint ihm auch nicht ganz klar zu sein. 

Eines vorweg: fast immer verlaufen kleinere und größere Konflikte unter Verkehrsteilnehmern friedlich. Wir alle gleichen die Fehler aus, die andere Verkersteilnehmer machen, egal ob Fußgänger, die smartphone-blind über die Straße gehen, Autofahrer, die rückwärts fahren und einen Radler übersehen oder Radfahrer, die überraschend irgendwo auftauchen, wo sie nicht hätten auftauchen dürfen.

11. Februar 2017

Gobax - das robuste Transportfahrrad aus Mössingen

Ich bin jetzt einige hundert Kilometer dieses Fahrrad von Gobax gefahren. Und ich bin begeistert. Das Rad hat einiges, was andere Pedelecs nicht haben, und was es für mich als Stadtfahrzeug praktisch macht.

Nicht für jeden, aber für mich! Das Auffälligste ist, dass es keine Gangschaltung hat. Ich bin ja eh ein Fan von Nabenschaltung in der Stadt, weil man da nach einer Schnellbremsung im Stehen runterschalten kann, bevor man wieder startet. Dieses Fahrrad  hat gar nicht erst eine. Und trotzdem startet es schnell. Die Startpower kommt vom Motor. Für die steilen Stuttgarter Berge, beispielsweise die Alte Weinsteige, brauche ich allerdings dann doch noch einen zweiten, kleineren Gang. Der kommt mit einer Schlumpfschaltung dazu.

9. Februar 2017

Warum manche zu Geisterradlern werden

Immer wieder kommt es vor, dass Radler auf der linken Fahrbahnseite auf einem Radstreifen oder einer Radspur fahren. Manchmal Umwegfaulheit, meist aber ein Irrtum. 

Hier an der Kolbstraße passiert der Irrtum häufig. Er passiert auch, weil sich Radler in Stuttgart nie ganz sicher sein können, ob sie nicht mal eben auf die linke Fahrbahnseite geführt werden oder über einen Gehweg oder sonst wo lang. Da kommt es dann zu schwerwiegenden Irrtümern vor allem bei den Radlern, die sich in der Gegend nicht auskennen.

7. Februar 2017

Morgen Abend Radforum im Rathaus


Diesmal geht es in der Projektgruppe Infrastruktur um Feuerbach, und zwar um die Abschnitte Tunnelstraße und Siemensstraße. 

Dort geht es für Radler teils wirklich eng zu.

Ein weiteres Thema ist der Vorplatz Hauptbahnhof (Foto), wo man als Radler ja eigentlich gar nicht mehr durchkommt zwischen Taxis, wild haltenden Autos und Fußgängern, obgleich dies ein Teilstück der Radroute 4 ist. Der VCD hat außerdem das Thema Geißeichstraße und andere Routen im Wald eingebracht.

Der Termin: Mittwoch, 8.Februar, 18 Uhr im Rathaus Stuttgart, Raum 406.
Beim Radforum ist grundsätzlich jede und jeder willkommen.

5. Februar 2017

Radfahren und Rabatt kriegen

Rad-Bonus ist eine App, auf der man Prozente sammelt für den Einkauf bei bislang einem halben Dutzend E-Shops. 

Gute Idee, denn Autofahrer bekommen ja auch einen Bonus, wenn sie in bestimmten Läden einkaufen, nämlich eine Vergütung ihres Parkscheins.

Und sogar Stadtbahn-Fahrer bekommen Geld zurück, wenn sie den Fahrschein in Museen und in bestimmten Läden vorlegen. Nur die Fußgänger und Radfahrer bekommen nie etwas. Obgleich sie das die am wenigsten luftbelastendste und leiseste Fortbewegungsart darstellen. Da setzt jetzt immerhin für Radler diese App an.

3. Februar 2017

Radverkehr wird zum Standortfaktor

Die Zukunftsstadt ist Fahrrad-City, schreibt der Haupt- und Geschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebunds, Gerd Landsberg in der Huffington-Post.
  Weiter heißt es: "Umweltfreundliche Mobilität wird in den Städten und Gemeinden zum Standortfaktor. Auch ohne staatliche Subventionen erobert das Fahrrad, insbesondere das E-Bike, zunehmend unsere Kommunen. Die Menschen erwarten, dass diese umweltfreundliche Form der Mobilität mit einer entsprechenden Infrastruktur gefördert wird. (...) In den Innenstädten sind gerade solche Geschäfte erfolgreich, die ihrem Fahrradkunden einen sicheren Abstellplatz bieten und ein fahrradfreundliches Klima schaffen.

1. Februar 2017

Öl, Handys und Licht - beliebte Fehler

Manche Radler hört man hinter sich rasseln und denkt sich: Vielleicht Kette mal wieder ölen?

Andere sieht man auf platten Reifen den Berg hinauf eiern. Mit etwas mehr Luft wäre es leichter für sie. Es gibt kleine und große Fehler, beliebt sind sie alle. Am beliebtesten sicher das das auf dem Gehweg Radeln, obgleich er gar nicht freigegeben ist.

Gern genommen wird aber auch wie schon erwähnt: Zu wenig Luft in den Reifen. Schadet dem Gummi und bremst. Zu wenig Öl auf der Kette macht die Kette kaputt. Außerdem treppelt es sich schwerer. Hier noch ein paar Beispiele:

30. Januar 2017

Abbiegen? - Nö, das lass mal.

Radwege verhindern oft das Abbiegen. Sie sind Geradeauswege. So auch der Geh-/Radweg am Kräherwald.

Der Asphalt wurde hier neu gemacht. Leider ist er nun doch verpflichtend und nicht nur ein Angebot für Radfahrende, die nicht auf der Fahrbahn radeln wollen. Der Vorteil der Fahrbahn ist hier, dass man jederzeit, so wie die Autos, links oder rechts abbiegen kann.

So ein Radweg fern der Fahrbahn ist ja ganz schön. Und der hier ist wenig befahren und es gibt auch wenige Fußgänger. Aber er ist eben auch arg umständlich für Radler, die nur ein Stück an der Kräherwaldstraße entlang fahren wollen.

28. Januar 2017

Da geht's uns ja noch gut

Im romantischen Lautertal, im Osten des Landkreises Göpingen, gibt es eine ehemalige Bahnlinie, die als Geh-Radweg genutzt wird und von Süßen über Donzdorf nach Weisenstein führt.

Donzdorf hat allerdings auf einer Strecke von anderthalb Kilometer elf (!) Hindernisse eingebaut, nämlich Umlaufsperren.

Blogleser Dirk vom ADFC Göppingen hat mir die Geschichte und die Fotos geschickt. Er hat eine online-Umfrage durchgeführt, bei der ihm 25 Stürze gemeldet wurden, bei zweien musste sogar der Notarzt kommen. Es dürfte eine hohe Dunkelziffer von Radlern geben, die mit Lenker hängen bleiben und stürzen.