31. Oktober 2020

Sieben Professuren für den Radverkehr

Der Bund unterstüzt sieben Professuren für den Radverkehr in Deutschland. Wie die Zeit berichtet, beteiligt ich auch ein Fahrradhersteller finanziell an der Grundlagenforschung.

8,3 Millionen werden dafür in den kommenden fünf Jahren ausgegeben. Die Stadt wurde in den letzten siebzig Jahren nur noch fürs Auto geplant, Spezialist:innen für andere Mobilitätsformen wie Fahrrad, zu Fuß und mit Bussen und Bahnen fehlen. In der Regel wird immer noch fürs Auto geplant, ist der Platz dafür festgelegt, dann kommt das Erschrecken: "Oje, wir müssen doch noch Radwege machen und der Bus fährt das auch." Dann hat man schnell eine gemeinsame Bus- und Radspur. Natürlich ist das heute nicht mehr ganz so extrem. Zumindest in Stuttgart werden Radverbindungen inzwischen mitgeplant, etwa, wenn es um die Anbindung des Eiermann-Campus an Vaihingen geht. 

29. Oktober 2020

Autofahrer stellen fest: Radstreifen sind zu schmal

Der Allgemeine Deutsche Automobilclub hat festgestellt, dass viele Radwege und Radfahrstreifen zu schmal sind. Zuweilen entsprächen sie nicht einmal der Mindestbreite, so der ADAC

Stimmt. Auch in Stuttgart gibt es Radinfrastrukturen, die zu schmal sind. Teils sind sie uralt und würden heute so nicht mehr angelegt werden, teils handelt sich um so genannte Schutzstreifen. Dass Radwege und Radstreifen nicht attraktiv sind, dies festzustellen, fällt übrigens gerade den Autofans und der Autolobby sehr leicht. Es dient als Argument gegen das Radfahren.  "Man kann doch gar nicht Radfahren in Stuttgart", höre ich dann. Der ADAC fordert zwar bessere Radwege, stellt aber eben auch gleich klar, dass der Verkehrsraum keineswegs durch "vorschnelle" Pop-Up-Radwege "umverteilt" werden solle.

27. Oktober 2020

Bei Regen radelt doch niemand - stimmt nicht

Sechs von zehn Radfahrenden nehmen auch bei Regen das Fahrrad auf dem Weg zur Arbeit. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung in der Schweiz. 

Sie wurde gemacht, um die Behauptung der Radgegner:innen zu widerlegen, die wir auch bei uns oft hören, bei schlechtem Wetter radle ja niemand, und dann müssten die Öffentlichen Verkehrsmittel sie transportieren und dafür entsprechend ausgebaut werden. Das behaupten Initiativen, die verhindern wollen, dass es in Zürich fünfzig Kilomter weitgehend autofreie Fahrradstraßen ausgewiesen werden. Darüber wird es  eine Volksabstimmung geben. Autolobbyisten laufen dagegen Sturm. Sie behaupten, bei Regen würden höchstens noch ein Viertel der Radler:innen fahren, die sonst bei schönem Wetter fahren. Und das stimmt nicht.

26. Oktober 2020

Radgaragen am Hauptbahnhof aufgestellt

Am Bahnhof gibt es neue Radgaragen. Gegenüber dem Bahnhof aufseiten der Ladengeschäfte sind vier Container aufgestellt. Jeder Container fasst zwanzig Fahrräder.

Sie funktionieren wie die unter der Paulinenbrücke, die schon ein Jahr lang eher zu Testzwecken steht, denn sonderlich viel genutzt wird sie nicht. In die oberen Reihen kann man nur Fahrräder stellen, die nicht mehr als 18 kg wiegen, also die meisten Pedelcs nicht. Es wird interessant sein, zu sehen, ob es hier zu Konflikten oder Engpässen kommt. 

25. Oktober 2020

Fahrrad statt Ersatzwagen

Eine gute Idee. Die Schwabengarage bietet Kund:innen, die ihr Auto zur Repatatur bringen, auch Fahrrädeer an. 

Sie haben ein Pedelec für Frauen und eins für Männer dort stehen. Manchmal ist es ja so, dass der Weg von der Werkstatt zur Arbeit ein kurzer ist, den man gut mit dem Fahrrad bewältigen kann, man kommt sogar viel schneller zum Ziel als mit öffentlichen Verkehrsmitteln und meist auch als mit einem Leihwagen. Auch für Menschen, die die meisten Wege in der Stadt mit dem Fahrrad machen, aber noch ein Auto haben, das zum Tüv muss, ist das ein gutes Angebot.

 



23. Oktober 2020

Ortseingangsschilder für den Radverkehr - gute Sache

In Zuffenhausen und Stammheim passt zwar die Infrastruktur nicht so richtig zum Sicherheitsgefühl von Radfahrenden, die fahren lieber auf Gehwegen, oder fehlt ganz. Aber eines ist top: die Wegweisung.

All die hübschen Umwege über Nebenstraßen, die uns Radler:innen von dern Hauptverkehrsstraßen fern halten sollen, sind inzwischen an fast jeder Ecke auch hilfreich ausgeschidlert. Und besonders nett finde ich die Ortseingangsschilder, die man für uns Radfahrende aufgehängt hat, weiß-grün und rechteckig. Vom  Feldweg kommend, erfahre ich, dass ich jetzt in Stammheim angekommen bin. Sehr gut. 

21. Oktober 2020

Nur mal schnell zum Bäcker

Radfahrende sind auch keine anderen Menschen als Autofahrende. Auch sie stellen ihr Rad gern mal direkt vor dem Laden ab. 

Es ist erlaubt, Fährräder auf dem Gehweg abzustellen, wenn sie niemanden behindern. Das kann aber auch Ansichtssache sein. Hier sehen wir ein Fahrrad vor dem Hafendörfer in der Eberhardstraße. Es gibt Radständer, die aber eigentlich nur eine Werbefläche sind. Könnte man aber benutzen. Davor stehen Regioräder, wo auch meist eine Lücke fürs Fahrrad ist. So wie das Rad hier steht, können sich nicht zwei Menschen an den Außentisch setzen. (Wollen offenbar gerade keine.) 

19. Oktober 2020

Automatische Fahrradgarage in Reutlingen

Bei Bosch Global in Reutlingen ist Anfang Oktober eine automatische Fahrrad-Garage eröffnet worden. 

Man muss nur sein Fahrrad hinein schieben, dann wird es verarztet, also alleine in der Garage verstaut. In den Turm passen 122 Fahrräder. So ermuntert der Betrieb seine Mitarbeiter:innen, mit dem Fahrrad zu Arbeit zu kommen. Unterstützt wurde das Projekt mit Fördergeldern des Landesverkehrsministeriums mit 275.000 Euro.

Na, wann ist bei uns in Stuttgart die erste Firma so weit und stellt so einen Parkautomaten für Fahrräder auf? 

17. Oktober 2020

Fahrradpanik in Feuerbach und Weilimdorf

Der Gemeinderat hat es zwar beschlossen, aber die Bezirke lehnen es ab: Fahrradstraßen. So geschehen in Feuerbach und Weilimdorf.

Und zwar mit dem Argument, Fahrradstraßen seien gefährlich für Fußgänger:innen. Ach so? Da, wo Autos fahren sind Radfahrer:innen saugefährlich für Fußgänger:innen, insbesondere Kinder, nämlich auf der Fahrbahn? Hingegen sind sie nicht gefährlich, wenn sie auf Gehwege geschickt werden und dort radeln, wie es etwa auf der Theo zwischen Kienestraße und Bolzstraße geschieht oder auch gern vor Schulen? Sehr schräg!

Darum geht es: Der Zielbeschluss Fahrradstadt sieht vor, dass in allen Stadtteilen meindestens eine Fahrradstraße ausgewiesen wird. Nun kam die Verwaltung mit einer konkreten Planung nach Feuerbach und Weilimdorf.

15. Oktober 2020

Darf man auf den Gleisen weiterradeln?

Wer die Nordbahnhofstraße stadtauswärts hoch radelt, stößt auf dieses Schild. Der Autoverkehr muss nach rechts abbiegen, aber Radfahrende dürfen weiterfahren

Blogleser Wolfgang hat mir diese Fotos geschickt, verbunden mit der Frage, ob man hier tatsächlich auf den Gleisen radeln soll. 

Man soll und man kann. Unter dem Einfahrtverboten-Schild hängt eine Freigabe für Radfahrende. Sie meint nicht eine Fahrt auf dem Gehweg, sondern auf der Fahrbahn, die hier von Schienen belegt ist.

13. Oktober 2020

Pop-DOWN--Rad-Streifen

Der Pop-Up-Radstreifen auf der Theodor-Heuss-Straße verschwindet wieder. Er wird "demarkiert". 

Es wird also alles wieder so, wie es vorher war, mit kleinen Verbesserungen allerdings. 

So werden die Parkplätze auf der Theo jeweils reichts von den Radstreifen nicht wieder hergestellt. Dort darf nicht mehr privat geparkt werden und wir radeln  auf dem zu schmalen Radstreifen wenigstens nicht mehr in der Dooring-Zone. Die Flächen werden teils durch Radabstellanlagen oder anderes belegt. Die alten Radfahrstreifen werden rot oder vielleicht auch blau eingefärbt. Und ab Kienestraße, wo der Streifen (Richtung Bahnhof)  endet, sollen Radzeichen mittig auf den rechten Fahrstreifen gemalt werden, um Radfahrenden und Autofahrenden zu zeigen, dass hier Rad gefahren wird. Die Ausleitung aus dem Radstreifen Richtung Rotebühplatz zur Ampelanlage soll etwas leichter befahrbar werden, ein Poller kommt weg, damit auch Lastenräder durchkommen. 

Alles nix Großes, es ist auch nur eine Übergangslösung bis zum Bau der dort geplanten breiten geschützten Radfahrstreifen, für die die Verwaltung noch in diesem Jahr eine konkrete Planung vorlegen wird, nachdem der Gemeindrat sie im Prinzip schon beschlossen hat.

11. Oktober 2020

Der Schaltkastenstreich

In der Böblinger Straße in Heslach ist das neue Jugendhaus mit der Stadtteilbibliothek fertig. Alles sehr schön, nur nicht für Fußgänger:innen und Radfahrende. 

Denn mitten auf dem Gehweg steht ein Schaltkasten. Er macht den schönen neuen und breiten Gehweg schmal. Mit dem Kinderwagen kommt man nier nicht durch, mit dem Rollstuhl schon gleich gar nicht. Außerdem sieht es grottenhässlich aus. Da beauftragt man einen Architekten, da beschäftigt sich die Politik mit der Gestalt des Gebäudes, und dann steht davor so ein Trum, das Graffiti anzieht, weil es eben hässlich ist. Das hat schon was von Schildbürgerstreich, oder Schaltkastenstreich.

9. Oktober 2020

Silence Ride für Weilimdorf

Zweirat und ADFC stellen ein Ghostbike für den getöten Radfahrer in Weilimdorf auf. Das geschieht heute Abend. Abfahrt 16:30 Uhr am Feuerseeplatz. 

Anfang September ist es zu einem Abbiegeunfall in Weilimdorf gekommen. Der 72-jährige Radfahrer wurde schwerst verletzt und verstarb später. Eine BMW-Fahrerin war von der Rappachstraße nach rechts in die Engelbergstarße eingogen und hatte dabei den Radfahrer umgefahren, der geradeaus fuhr. So meldet es die Stuttgarter Zeitung unter dem Titel "Radfahrer stößt mit Auto zusammen", ohne mehr Einzelheiten zu nennen. Tatsächlich scheint es genau umgekehrt gewesen zu sein. Die Autofahrerin ist mit dem Radfarher zusammengestoßen, den Fehler hat vermutlich sie gemacht.

Hier der Zeitplan des Zweirats und ADFC für den Ghost-Bike-Fahrt nach Weilimdorf.

7. Oktober 2020

Das Fahrrad vor Diebstahl schützen

Je mehr Fahrräder bei uns in Stuttgart unterwegs sind, darunter viele neue, desto mehr wird jetzt auch geklaut. Der perfekte Diebstahlschutz fehlt noch. Aber man kann einiges tun, um das zu verhindern. 

Wer klaut? Es klauen Banden, die Fahrräder in den Osten verkaufen, es klauen Leute, die gerade schnell ein Fahrrad brauchen, und es klaut der neidische Nachbar. Am besten kann man sich gegen Gelegenheitsdiebe schützen. Man schließt das Fahrrad mit einem stabilen Faltschloss oder einer stabilen Kette an einem Radbügel an. Wenn man das Rad länger oder über Nacht draußen stehen lässt, dann ist ein zweites Schloss gut, etwa ein Felgenschloss. Zwei Schlösser knacken, vor allem, wenn eines davon ein Zahlenschloss und das andere eines für einen Schlüssel ist, das macht niemand auf die Schnelle. Mit Bolzenschneidern kriegt kriegt man allerdings alles auf. Je schwerer die Kette, desto größer muss der Bolzenschneider sein.

5. Oktober 2020

Das verkehrte Augenmaß

Derzeit ist viel von Augenmaß die Rede. Wir ahnen, bei welchem Thema. Ausbau des Radverkehrs mit Augenmaß. Dieses Augenmaß ist begrenzt durch den Rahmen einer Windschutzscheibe. 

Mit diesem Augenmaß sieht man breite Straßten von breiten Autos besetzt. Am Straßenrand parken überall Autos. Es gibt aber auch ein anderes Augenmaß. Das denkt sich den Verkehrsraum von der Hauswand aus, aus der Perspektive eines Fußgängers oder einer Fußgängerin, am besten eines Kindes. Unter diesem Blickwinkel stehen keine Autos mehr am Straßenrand, die dem Kind den Blick verstellen, wenn es die Straße überqueren will. Wir sehen neben dem  Gehweg Fahrräder fahren, dann kommt die Stadtbahn oder ein Bus. Und erst dann sehen wir Autos. Und die parken nicht am Straßenradn, sondern auf Privatgrundstücken und in Tiefgaragen und Parkhäusern.

Die Zeit eröffnet diesen neuen Blick unter Berufung auf einen Bundestagsantrag der Grünen. Der Antrag lautet, dass Autos nur noch dort abgesstellt werden dürfen, wo das Parken ausdrücklich erlaubt ist. Bislang ist es nämlich umgekehrt. Überall, wo kein Verbotsschild steht, darf am Bordstein (nur einem hohen Bordstein) geparkt werden.

3. Oktober 2020

Die hohe Kunst des Radfahrens

Radfahren kann jeder und jede. Nö. Manche können's nicht, manche wollen's nicht, weil sie es mental nicht schaffen. Was ein und dasselbe ist.

Die, die es in der Kindheit nicht gelernt haben, könnten es lernen, wenn sie wollten, aber sie wollen nicht. Sie haben Angst. Schlicht Angst. Große Angst. Angst haben ist ja auch sehr schick. Wozu sie überwinden, wenn sie mich an dem hindert, was ich eh nicht machen will: Radfahren. Angst ist gemütlich. Sie führt direkt ins Auto. Dabei ist nichts ist so leicht zu überwinden wie Angst. Beispielsweise durch Gewöhnung. Spinnenphobien, Klaustrophobie in Fahrstühlen, Velophobie sind leicht zu heilen. Man setzt die Patient:innen den Angstauslösern aus. Aber manche brauchen ihre Angst, umd "ich kann nicht" sagen zu können.

1. Oktober 2020

Wann gilt das Tempolimit auch für Radfahrende?

Berlin führt auf der für Autos gesperrten Friedrichstaße eine Geschwindigkeitsbegegrenzung für Fahrräder ein. Berlin ist der Meinung, damit Neuland zu betreten. 

Aber wir in Stuttgart haben schon lange ein Tempo-20-Schild nur für Radfahrende stehen, nämlich in der Lautensschlager Straße, wenn man von der Bolzstraße her gegen die Einbahnrichtung fährt. Das Foto oben habe ich 2014 aufgenommen. In Berlin will man die Radler:innen auch kontrollieren. Allerdings radeln eh die meisten dort nicht schneller als 20 km/h (Berlin ist keine Stadt der Pedelecs wie Stuttgart) und würde man mit Messgeräten kontrollieren, müssten sie eine Toleranz von 10 km/h einrechnen und der Radler schon mit mehr als 30 km/h unterwegs sein. So schnell fahren höchsten eins paar Renndadler:innen in einer Innenstadt.