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4. Juli 2026

Das Auto ist schon okay, das Fahrrad eigentlich nicht

In den Medien wird über Verkehr tendenziell eher aus Autoperspektive berichtet. Das hat Folgen für die Darstellung des Radverkehrs und für die Einstellung zum Radverkehr. 

In Deutschland wird reichlich über den Autoverkehr geschrieben. Dabei geht es mehrheitlich um die Probleme der Autofahrenden mit ihrem Verkehr, um Baustellen, Steckensperrungen, Autostau, schlechte Straßen, marode Brücken oder Radfahrstreifen, also um das berühmte "Verkehrschaos", bei dem immer nur der Autoverkehr gemeint ist. Seltener geht es darum, welche Probleme der Autoverkehr anderen macht, Anwohnenden, Radfahrenden, Fußgänger:innen oder der Natur durch Lärm, Abgase, Raserei oder Falschparken. Autofahrende werden tendenziell eher als unter Problemen leidend dargestellt. Dass der Autoverkehr für andere oder unsere Gesellschaft und Ökonomie problematisch ist, interessiert die Medien nicht sonderlich. 

Es wird auch gerne und viel über den Radverkehr geschrieben, doch in diesen Artikeln geht es meistens darum, dass Radfahrende anderen Probleme bereiten, also um "Kampfradler", Fehlverhalten, Regelverstöße oder Platzanspruch (Radwege, die Parkplätze kosten) und die Kosten für Radinfrastruktur als zu hoch. Ein weiteres riesige Themenfeld ist die Sicherheit der Radfahrenden, verbunden mit Risiken und Radunfällen. Die Radfahrenden werden tendenziell eher als gesellschaftliches Problem dargestellt. Dass sie selber Probleme haben, die man ernst nehmen könnte (Hindernisse, Unterbrechungen der Radinfrastruktur, Aggression von Autofahrenden), interessiert nicht sonderlich. 

19. November 2021

Der Beschützer-Instinkt des Autofahrers

"Oh, das ist aber gefährlich", sagt sich ein Autofahrer und hält Abstand von der Radfahrerin. 

Es regnet, die Ampel wird grün, ein Radler versucht im Anfahren den Regenschirm aufzuspannen. Es gelingt ihm nicht, er radelt auf einen Schutzstreifen weiter, den flatternden Schirm in der Hand. "Das ist aber gefährlich!," sagt der Autofahrer, fährt langsam und hält Abstand. Ich habe mich verfahren und komme an der Jahnstraße raus, auf der von rechts und links die Autos fahren. Ich will rüber, aber es gibt keine Lücke  im Autoverkehr, also radle ich auf der Fahrbahn zur nächsten Linksabbiegemöglichkeit, stelle mich auf den Mittelstreifen und strecke die Hand raus. "Das ist aber gefährlich!", denkt sich ein Autofahrer, der mir entgegenkommt, und hält an, damit ich nach links abbiegen kann. 

14. Mai 2023

Die fahren doch alle bei Rot!

Sowohl Autofahrende als auch Radfahrende und Fußgänger:innen begehen Rotlichtverstöße, und zwar in ungefähr ähnlicher Menge. 

Aber anders als Autofahrende und Fußgänger:innen werden Radfahrende mit drei verschiedenen Ampelsystemen konfrontiert: der Autoampel (hoch oben und groß), der Radlerampel (klein und weiter unten, dafür oft nicht in Blickrichtung) und der Fußgängerampel mit Radzeichen (auf der anderen Straßenseite stehend und ohne Gelbphase). Sie müssen an jeder Kreuzung herausfinden, welche Ampel für sie gilt. 

Auch Autofahrende halten ungern an roten Ampeln. Sie heizen frappierend häufig bei schon Rot noch durch, sogar dann noch, wenn die Ampel schon mehr als 1 Sekunde auf Rot steht. In Berlin passiert das an 19 Ampeln mit Blitzer ca. 5 Mal am Tag. Rechnet man das auf die 2000 Ampelanlagen hoch, dann sind es schon 10.000 Mal.  Statistiken zu Unfällen nach Rotlichtverstößen von Autofahrenden habe ich nicht gefunden. Für den Radverkehr hat der ADFC Berlin gerechnet: In Berlin waren im Jahr 2015 Radfahrende für 229 Unfälle verantwortlich, weil sie eine rote Ampel missachteten. Dies sei ein Anteil von 3 Prozent, also sehr wenig. Auch eine solche Rechnung gibt es für den Autoverkehr nicht. Autofahrenden werden Rotlichtfahrten ja auch nicht so laut und vehement vorgeworfen wie Radfahrenden, obgleich sie häufig geschehen und lebensgefährlich für Radfahrende und Fußgänger:innen sind. Wenn Menschen hinterm Steuer ein Rotlicht nicht sehen oder nicht darauf achten, dann sterben Menschen, so wie hier oder hier.

Auch Fußgängerinnen gehen gern bei Rot. Der Rotlichtverstoß eines Fußgängers ist aber nicht zu vergleichen mit dem Rotlichtverstoß eines Autofahrers. 

10. November 2025

Einfach verbieten, was durch den Autoverkehr gefährdet wird?

Verbieten wir doch einfach denen, die besonders oft Opfer des Autoverkehrs werden, die Teilnahme am Straßenverkehr.

Das ist die Konsequenz aus Überlegungen, die in Frankfurt angestellt werden, Nachtfahrten von E-Scootern zu verbieten, weil sie besonders oft in Crashs mit Autos verwickelt sind. Diesen Zusammenhang stellt jedenfalls die Frankfurter Neue Presse her. In Frankfurt hatte im Juli ein Autofahrer unter Drogen zwei 23-jährige Zwillinge, die "verbotenerweise zu zweit auf einem S-Scooter fuhren", mit seinem Auto getötet. Wobei auch das Fahren unter Drogen und das Töten von anderen mit dem Auto verboten ist, was aber der Zeitungsbericht nicht so klar herausstellt. 

Nun werden auch Menschen zu Fuß oft Opfer von Autofahrenden, die nichts sehen und nichts sehen wollen. Also müssten wir auch das zu Fuß Gehen verbieten, insbesondere nachts, wo sie auf Gehwegen kaum sichtbar sind, wenn sie schwarze Kleidung tragen. Nur zum Schutz der Fußgänger:innen natürlich. Übrigens auch das Motorradfahren. Und natürlich das Radfahren. Und überhaupt alles, was bei Autofahrenden das Risiko erhöht, alkoholisiert, unter Drogen oder im Tran, unaufmerksam, abgelenkt oder zu schnell fahrend Mitmenschen, die nicht in Autos sitzen, das Leben zu nehmen. 

25. Juli 2016

Tödlicher Radlerunfall in Sindelfingen.

Den Meldungen zufolge war der Fünfzigjährige auf der Böblinger Straße Richtung Böblingen unterwegs. Ein Lastwagenfahrer wollte aus der Carl-Zeiß-Straße einbiegen und überfuhr den Radfahrer, der für ihn von links kam und Vorfahrt hatte. 

Ich kenne die Örtlichkeit nicht, habe sie mir aber auf Google-Maps angeschaut. Man sieht, dass Radler nicht auf der Böblinger Straße fahren, sondern auf dem Gehweg der Böbglinger Straße. An der Carl-Zeiß-Straße ist von Gehwegecke zu Gehwegecke ein roter Radstreifen gelegt. Nach Angaben der Polizei war der Radfahrer auf genau diesem roten Streifen unterwegs.

11. Januar 2019

Erster Abbiegeunfall in Stuttgart

Er ereignete sich Dienstragfrüh auf dem Radweg Holzstraße. Ein Autofahrer bog in die Rosenstraße ein, ohne auf den Radverkehr zu achten. Die Radfahrerin wurde leicht verletzt.

Blogleser Benjamin kam zufällig vorbei, als der Fahrer und die verunfallte Radfahrerin schon bei der Polizei im Auto saßen, und machte dieses Foto. Er hat später bei der Polizei angerufen und folgende Auskunft bekommen: Der Unfall passierte gegen acht Uhr. Die Radfahrerin kam von der Marktstraße her und fuhr Richtung Charlottenplatz. Der Autofahrer fuhr auf der Fahrbahn in Gegenrichtung, bog über den Radweg und in die Rosenstraße ein (die für Autos verboten ist), nahm der Radfahrerin die Vorfahrt und stieß mit ihr zusammen. Sie stürzte, wurde leicht verletzt, musste aber nicht ins Krankenhaus. Der Sachschaden beträgt 900 Euro. Wie das Foto nahelegt, war er wahrscheinlich mit ordentlich Schwung unterwegs und kam erst hinter dem Radweg zum Stehen.

30. November 2024

Ach so, deshalb fährst du nicht Fahrrad?

Die Seite Radbonus hat sechs Gründe aufgelistet, die gegen das Radfahren sprechen. Dazu gehört das Wetter, die Anstrengung und die Schnelligkeit, mit der man ankommt. 

Aber das lest ihr am besten im Original, und ernst gemeint ist es natürlich nicht, weil ja nichts gegen das Radfahren spricht, sofern man es kann. Es gibt aber auch ernst gemeine Aufzählungen von Nachteilen, die eine Radfahrt zur Arbeit haben sollen, zum Beispiel: "Ein gravierender Nachteil ist die Unfallgefahr, sei es in einem städtischen oder ländlichen Gebiet." 

Und schon sind wir beim "Radfahren ist gefährlich". Ja, ist es, nämlich ungefähr so gefährlich wie Autofahren oder zu Fuß gehen, und weniger gefährlich als schwimmen gehen oder Treppen steigen oder im Haushalt arbeiten (siehe hier). Das Risiko, auf dem Fahrrad eine Verletzung zu erleiden, ist vermutlich etwas höher als beim Autofahren. Der Spiegel nennt ein dreieinhalbmal höheres Todesrisiko und beruft sich dabei auf die Unfallversicherer, die Radfahren generell für irre gefährlich halten. Das scheint mir aber nicht haltbar. Transparente Statistiken dazu habe ich noch nicht gefunden. 

Aber, wenn es so wäre, was würde das überhaupt real bedeuten?

22. November 2017

Warum wir Straßenverkehrsregeln missachten

 Fußgänger auf Radweg 
Endlich habe ich Grün an der langsamsten Ampel Stuttgarts. Aber den Fußgängern hat ihr Rot zu lange gedauert, sie sind gerade alle losgelaufen. Ich schlängle mich durch sie hindurch.

Würden Fußgänger so vor startende Autos laufen? Ein Auto steht auf dem Radstreifen. Würde der Autofahrer auch eine Autospur so blockieren? Die Ampel ist Rot, aber ein Radfahrer schaut sich kurz um und fährt weiter. Würde er das als Autofahrer auch tun?

Regelverstöße nerven ... aber immer nur die anderen, die gerade keinen begehen. Fußgänger missachten hauptsächlich rote Fußgängerampeln oder queren die Straße zehn Meter neben der Fußgängerfurt oder dem Zebrastreifen. Autofahrer missachten am Häufigsten Geschwindigkeitsbegrenzungen und Park- und Halteverbote. Radfahrer ähneln den Fußgängern im Missachten roter Ampeln und nehmen es nicht so genau mit der Einbahnrichtung von Radwegen und Radstreifen. Lästig ist jeder Regelverstoß für andere. Meistens übrigens nur lästig, manchmal auch gefährlich.

30. März 2018

Kreisverkehre bleiben gefährlich

Innerorts gelten einstreifige Kreisverkehre als sichere Knotenpunkte. Allerdings profitieren Radfahrende davon am wenigsten. Ganz im Gegenteil. Das hat eine Studie der UdV (Unfallforschung der Versicherer) festgestellt. 

In der Regel sehen sie so aus, dass Radfahrende auf Gehwegen und parallel zu den Zebrastreifen gelegten Radstreifen um ihn herum geführt werden, oft ohne Benutzungspflicht. Die meisten Radler glauben, sie müssten den Streifen folgen und geraten in Gefahr, wenn Autofahrer aus dem Kreisverkehr ausfahren. Sie sehen die Radler nicht. Sie sehen sie auch deshalb nicht, weil auf dem Gehweg fahrende Radler meistens alle beide Richtungen benutzen und für die Reaktionsfähigkeit von Autofahrenden, die vom Kreisverkehr ohnehin gestresst sind, viel zu schnell kommen.

27. Mai 2016

Gefährliche Übergänge zwischen Gehweg und Fahrbahn - Unfallberichte


Ein Blick auf die Polizeimeldungen zu Unfällen zeigt, dass Radfahrer auf Gehwegen und beim Übergang von Gehwegen auf Fahrbahnen das größte Risiko haben, einen Unfall zu erleiden. 

Kopfverletzungen sind dabei eine große Gefahr, übrigens auch, wenn man einen Helm trägt. Es könnte sein, dass der Helm dann aber das Leben des Radlers gerettet hat. 

Ich beschreibe hier kurz die Radlerunfälle der letzten fünf Monate in Stuttgart, die ich gefunden habe.

15. August 2021

Vor Kreisverkehren kann man nicht genug warnen

Kreisverkehre sind gefährlich für Radfahrende. In Backnang ist am Montag, den 9. August ein siebenjähriger Junge von einem Auto auf dem Zebrastreifen tödlich verletzt worden. 

Der 19-jährige Autofahrer fuhr auf der Sulzacher Straße Richtung Stadtmitte. Er kam an den Kreisverkehr bei der Talstraße, in die er einbiegen wollte. Er fuhr in den Kreisel und die nächste Ausfahrt raus. Dort führt ein Zebrastreifen über die beiden Fahrbahnen (mit Mittelinsel). Zwei Jungs überquerten ihn auf Fahrrädern. Sie kamen aus Sicht des Autofahrers von links. Er sah aber wohl weder den einen, noch den anderen Jungen. Während der erste noch rüber kam, prallte der Autofahrer gegen den zweiten. Der Junge wurde mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus gebracht, starb aber. Für die Familie ist das furchtbar, unerträglich und unbegreiflich. Die Eltern und Geschwister werden darüber in ihrem Leben nicht hinwegkommen. 

Ich schaue mir nach solch schrecklichen Unfällen immer die Situation an und versuche zu verstehen, was passiert ist.

1. Februar 2023

Die Lüge von der Gefährlichkeit des Radfahrens

Das Fahrrad sei das tödlichste Verkehrsmittel, titelte einst der Spiegel. Nein, ist es nicht: Das Auto ist das tödlichste Verkehrsmittel.  

Die Medien neigen grundsätzlich dazu, Radfahren als gefährlich hinzustellen und uns mit Ratschlägen zu bedrängen, die unser Risiko mindern sollen, getötet zu werden (Warnwesten, Glitzerkleidung, Helme). So entsteht der Eindruck, als seien wir Radfahrende hauptverantwortlich dafür, dass Autofahrende uns verletzen oder töten. Das spiegelt sich auch in zahllosen Polizei- und Pressemeldungen über Zusammenstöße von Autofahrenden mit Fußgänger:innen oder Radfahrenden wider, übrigens aus wirtschaftspolitischen Gründen. Die Folge: Viele Menschen, die hauptsächlich Auto fahren, halten Radfahren für so riskant für ihr eigenes Leben, dass sie es als Fortbewegungsmittel für den Weg zu Arbeit ausklammern. Berichte in den Medien (auch hier im Blog) über getötete Radfahrer:innen tragen ein Übriges zur Angst bei. Wobei im Gegensatz dazu Berichte über getötete Fußgänger:innen nicht dazu führen, dass man das eigene zu Fuß Gehen infrage stellt. Und das hat einen guten Grund. 

1. Juni 2014

Fahrradunfälle - gefährliche Situationen


Gestern gab es bei Dornstadt nahe Ulm einen tödlichen Radunfall. Wie oft passiert das eigentlich? Und was ist für Radfahrer besonders gefährlich? Ich habe mir die Radunfälle der ersten fünf Monate dieses Jahres in Baden-Württemberg angeschaut. 

Die meisten Radler haben Angst, wenn sie auf der Fahrbahn unterwegs sind. Mehr Gefahr droht ihnen allerdings auf Radwegen. Und von ihnen selbst.

In den Presseportalen der Landespolizeidirektionen habe ich bis Januar zurückrechechiert.

Demnach gab es im Land in den ersten fünf Monaten vier tödliche Radlerunfälle (siehe unten). Das Baden-Württembergische Verkehrsministerium legte im März eine Unfallstatistik für das vergangene Jahr vor. Derzufolge gab es im Land 436 Unfälle mit Radfahrern (ein Rückgang um 18 gegenüber 2012). 298 Radler verletzten sich dabei leicht, 60 schwer. (Von Todesfällen lese ich da nichts.) In 21 Fällen ist in den Unfalldaten notiert, dass es sich um Pedelec-Fahrer handelte. Die Unfälle wurden zu 55 % (240 Fälle) von den Radfahrern selbst verursacht, bei 77 Unfällen handelte es sich um Alleinunfälle.

In Baden-Württemeberg ereigneten sich vom 1. Januar 2014 bis jetzt rund 70 Rader-Unfälle. Schaut man sich diese Unfälle an, erkennt man, dass Autos für Radfahrer gefährlich sind, vor allem, wenn Autofahrer abbiegen wollen. Genauso gefährlich sind allerdings die Radfahrer für sich selbst.

11. August 2026

Hass aufs Fahrrad schadet dem Autoverkehr selbst

Radwege und Radstreifen dienen eigentlich dem Komfort des Autoverkehrs. Aus Gründen der Sicherheit sind sie nicht unbedingt nötig. Sie fühlen sich allerdings sicherer an. 

Vernünftige Stadtpolitiker:innen und Verwaltungen setzen zu Recht auf Radwege und Radfahrstreifen, um mehr Leute, vor allem Kinder, Jugendliche und Alte aufs Fahrrad zu bringen. Es gilt als gefährlich, sich mit dem Rad unter Autos zu mischen. Es kann tatsächlioch auch gefährlich werden, wenn ein Autofahrer einen Radfahrer nicht vor sich sieht und ihn oder sie totfährt. Allerdings sind auch Radwege gefährlich, wenn ein Autofahrer über sie hinweg abbiegt und dabei eine Radlerin oder einen Radler anfährt oder gar tötet. Und das passiert leider unverhältnismäßig oft, öfter als Zusammenstöße im Längsverkehr auf einer Fahrbahn. 

Das Fahrbahn-Radeln ist vor allem stressig. Denn wir bekommen direkt die Aggressionen mancher Autofahrender zu spüren, sie fahren schnell an uns heran, überholen uns knapp, scheren zu schnell wieder ein. Strafendes Überholen nennen wir Radler:innen das. Dazu habe ich und haben vermutlich auch andere routinierte Radfahrende nicht immer Lust. Unerfahrene trauen sich unter solchen Bedingungen aber gar auf die Straßen. Sie brauchen Radwege und Radstreifen, eine Trennung vom Autoverkehr. Ohne Radrouten, die sich sicher anfühlen, erreichen wir in unserer Stadt diejenigen nicht, die Angst haben vor dem Autoverkehr, aber eigentlich gern Rad fahren würden. Sicherer, als wir denken, sind wir aber auch auf Fahrbahnen unterwegs. Diese These untermauert Thomas Schlüter eindrucksvoll auf seinem Blog über Radverkehrsunfälle und Zusammenstöße. 

7. Januar 2018

Wie radeln die in Hamburg, mal gucken

In Hamburg radeln viele. Aber die Stadt ist auch gefährlich, weil es schon sehr lange sehr viele Radwege gibt, und die verlaufen eben alle über Gehwege.

Eine typische Hamburger Kreuzung sieht man hier (Lübeckertortamm, Steindamm, Berliner To, Lohmühlensgtr.). Die Radwege sind zwar rot, aber sie führen immer auch mitten durch die Aufstellplätze für Fußgänger an den Fußgängerampeln. Sie liegen nicht nahe an den Autofahrbahnen, sodass Autofahrer die Radfahrenden gar nicht neben sich kommen und vorbeifahren sehen. Der Radler taucht dann unvermutet vor dem Kühler des abbiegenden Autofahrers auf.

7. Februar 2020

Unfallursache Falschparken

Der ruhende Verkehr verursacht viele Unfälle. Nach Angaben des Verkehrsministeriums Baden-Württemberg waren es 2018 im Land 1.745 Unfälle mit Personenschaden oder schwerem Sachschaden, 14 Prozent mehr als 2015.

Die Dunkelziffer leichterer Unfälle dürfte erheblich sein, bis zu zwei Drittel höher. Statistisch machen die erfassten Unfälle durch Falschparker etwa 5,4  Prozent aller Verkehrsunfälle mit Personenschaden in Ba-Wü aus. Deshalb informiert das Verkehrministerium auf seiner Seite über die Gefahren.

1. Mai 2026

Eine Anmerkung zu den jährlichen Unfallzahlen

Jedes Jahr das gleiche: Die Zahl der im Straßenverkehr - meist von Autofahrenden - getöteten Radfahrer:innen steigt. 2025 waren es 462 Menschen, 3,8 Prozent mehr als im Vorjahr. 

Das ist nicht gut, doch in manchen Medienbeiträgen klingt es schon fast triumphal: Haben wir es nicht immer gesagt, Radfahren ist gefährlich, besonders, wenn Alte Pedelecs fahren. Pedelecs sind gefährlich. 

Die taz sucht hat sogar nach einer weiteren Schreckenszahl gesucht und ist auf 20,6 Prozent Zunahme von getöteten Radfahrenden gekommen, allerdings halt in den letzten zehn Jahren. Auch das ist zu viel, aber der Radverkehr hat sich seitdem gewandelt. Immerhin macht die taz deutlich, dass die Radinfrastruktur nicht immer weniger passt. 

Jedes Jahr stellen die Medien heraus, wie viele Pedelec-Fahrende unter den Opfern sind. 217 der Getöteten waren 2025 mit Pedelecs gefahren. 2015 waren das noch 36 gewesen. Pedelecs waren damals allerdings viel weniger verbreitet, weshalb auch weniger Ältere Fahrrad fuhren. 65 Prozent der Geöteten waren 2025 über 65 Jahre. Kein Wunder, es radeln ja auch mehr. So werden Jahr für Jahr das Pedelec und das Alter problematisiert und für die steigendenden Zahlen bei den Verkehrstoten unter den Radfahrenden verantwortlich gemacht. Man schanzt ihnen die Verantwortung für eine Verkehrssituation zu, die dem Auto Raum und Geschwindigkeiten verschafft, das Fahrrad aber Platz nur zögern zugesteht. Die Alten auf Pedelecs werden skandalisiert, aber nicht die Autofahrenden und ihr zu schnelles und unaufmerksames Fahren. "Fast jeder zweite getötete Radfahrer saß auf eine Pedelec", titelte die FAZ, aber niemand titelt, "alle neun Stunden stirbt ein Mensch wegen Raserei" und nur wenige Medien nehmen auch mal deshalb den Autoverkehr in den Fokus. 

Ist Radfahren also gefährlich? Nein, das ist es nicht. Auch für ältere Pedelec-Radelnde nicht. Es ist sogar viel ungefährlicher als vieles andere, was wir so machen. Am riskantesten ist unser Lebensstil mit Bewegungsmangel und falscher Ernährung. 340.000 Menschen sterben jährlich an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Im vergangenen Jahr kamen 43.000 Menschen durch einen akutem Herzinfarkt ums Leben. 10.400 Menschen begingen 2024 Suizid. Und auch der Autoverkehr ist gefährlicher für Autofahrende selbst als das Radfahren für Radfahrende. Rund 1.200 Menschen sterben jährlich bei Unfällen in ihren eigenen Autos. Das Risiko für Autofahrende, bei einem Verkehrsunfall zu sterben, liegt bei 0,7 Prozent, das von Radfahrenden bei 0,4 Prozent, wie die vpv-Versicherungen feststellt. Das von Fußgängern liegt demnach unverhältnismäßig hoch, nämlich bei 1,5 Prozent. 

27. April 2015

Es gibt solche und solche Radler

Manche fahren auf Fahrbahnen, manche lieber auf Gehwegen. Und beide verstehen einander nicht. 

Gehwegradler fahren mit der Seele eines Fußgängers. Sie fühlen sich von Autos auf der Straße bedroht. Dazu gehören auch Wochenendradler wie die hier, die bestens ausgerüstet auf dem verbotenen Gehweg kommen. Für sie ist Radfahren ein Freizeitsport, den man fern von Autos unter Fußgängern ausübt. Die kommen gar nicht auf die Idee, dass sie ein Verkehrsmittel fahren.

22. April 2025

Wer Auto statt Rad fährt, schadet auch sich selbst

Es gibt eine Verbindung im Gehirn zwischen  motorischen Zentren und dem wichtigsten Belohnungssystem, das Dopamin ausschüttet. Bewegung macht glücklich. 

Die Neurowissenschaften gehen mittlerweile  davon aus, dass der menschliche Geist es lohnend findet, zu gehen, zu laufen, zu radeln, zu schwimmen und so weiter. Die Dopaminausschüttung erzeugt ein enormes Wohlgefühl. Für die menschliche Entwicklung war das entscheidend, so trieb es uns, unsere Umgebung zu erkunden und Neues zu entdecken. Längst weiß man, dass Kinder besser durch Belohnung lernen als durch Bestrafung. Die Freude, etwas zu können (Rad fahren, schwimmen, rechnen) ist Ergebnis der Dopaminausschüttung, der Dopaminkick wiederum ist Antrieb, etwas zu können. Bestrafung schüttet ebenfalls Neurotransmitter aus, die aber hemmen und zwar durchaus auch die Motorik. Das zeigt uns: Tu das nicht noch mal!

Dass eine Autofahrt aus der Vorstadt zum nächsten Supermarkt oder ins Stadtzentrum glücklich macht, werden wohl die wenigsten Menschen behaupten.

28. August 2024

Radfahrer stirbt im Kreisverkehr in Wangen im Allgäu

Im Mai habe ich kritisch über eine neue Radverkehrsanlage mit Kreisverkehr in Wangen im Allgäu geschrieben. Jetzt hat sich dort ein für den Radfahrer tödlicher Zusammenstoß mit einem Lkw ereignet. 

Wie die Schwäbische Zeitung berichtet, war am vergangenen Donnerstag um halb acht ein Mann mit seinem Pedelec auf dem Kreisel unterwegs, als ein Lastwagenfahrer nach rechts aus dem Kreisverkehr hinausfahren wollte. Er sah den Radfahrer nicht und überfuhr in. Die Schwäbische Zeitung beschäftigt sich vor allem mit den Gaffern, die sich den Ort anschauten und stellt zum Schluss die Frage, wie gefährlich Kreisverkehre für Radfahrende eigentlich sind. Die Polizei antwortet, sie seien genauso sicher oder eben gefährlich wie alle Kreuzungen, wo Autofahrer abbiegen und man solle "mittig im Kreisverkehr" radeln, damit die Autofahrenden einen immer vor sich haben und niemals rechts neben sich. So könne er nicht überholt werden und sei für alle Verkehrsteilnehmenden besser zu erkennen. Wir sind also wieder mal gehalten, selbst für unsere Sicherheit zu sorgen.