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26. Dezember 2023

Die Parkplatzverschwörung

Sie besteht in Hannover im Bezirk Südstadt-Bult aus SPD, CDU und FDP und hat kurz vor Weihnachten beschlossen, die älteste Fahrradstraße abzuschaffen, damit Autobesitzer:innen ihre Parkplätze behalten. 

Das berichtet die HAZ hinter der Bezahlschranke. Die Stadt Hannover hatte nach einem Gerichtsurteil alle  Fahrradstaßen überprüft, um sie zu verbessern. Die Ergebnisse mit den vorgeschlagenen Maßnahmen wurden nur im Stadtbezirk Südstadt-Bult abgelehnt. Dort stellte man den Erhalt von Autoabstellplätzen über die Sicherheit der Radfahrenden mit der Konsequenz, dass mehrere Fahrradstraßen aufgegeben werden müssen. Ihr derzeitiger Zustand und Standard ist so schlecht, dass dies für Radfahrende keinen Unterschied macht. Im Grunde geht es darum, sie zu echten Fahrradstraßen zu machen. Übrigens hat auch in Stuttgart eine Koalition aus SPD, CDU und FDP (und AfD) eine neue Fahrradstraße in Stuttgart Ost abgelehnt, nur um Parkplätze für Autobesitzende zu erhalten. Die Geschichte aus Hannover geht so:

3. Februar 2022

Wer gegen Radverkehr klagt, bekommt mehr Radverkehr

Fahrradstraßen sind aus einem mir nicht ganz nachvollziehbarem Grund unbeliebt bei Anwohner:innen. In Hannover hat ein Kläger zwei Mal Recht bekommen. Mit dem Ergebnis, dass aus einer halbherzigen Fahrradstraße eine echte Fahrradstraße wird. 

Die Kleefelder Straße in Hannover war als Fahrradstraße ausgewiesen, es fuhren aber Autos und es parkten viele am Straßenrand. Vorteile für Radfahrende waren eigentlich nicht erkennbar. Wenn eine Stadt aber eine Fahrradstraße ausweist, dann muss sie für Radfahrende einen Gewinn bringen. Wenn das nicht so ist, dann darf das ganze keine Fahrradstraße sein, stellte das Verwaltungsgericht fest.  

Schon 2019 hatte ein Anwohner gegen die Fahrradstraße geklagt. Er fand, dass die Fahrradstraße eine Rennbahn geworden sei, die Wegnahme von einigen Parkplätzen führe dazu, dass gerast werde.

1. Mai 2022

Langzeitstudie zu Fahrradunfällen

Die Uni Hannover sucht Leute, die bei der Langzeitstudie zu Fahrradunfällen teilnehmen. 

Sie geht über ein Jahr, und nachdem man die Einstiegsumfrage zu den Fahrgewohnheiten und zum allgemeinen Gesundheitstustand gemacht hat, geht es in der folgenden Umfrage um konkrete Unfälle oder kritische Situationen.

Hier ist der Eröffnungslink für die erste Umfrage. Danach kommt eine Mail mit dem zweiten Link.  Erleidet man binnen dieses Jahres einen Unfall kann man ihn per E-Mail (mailto:Sportmedizin-ebike@mh-hannover.de) unter dem Jahr sofort melden. 

Ziel ist es vor allem, die Dunkelziffer zu erfassen. 


26. November 2018

Nicht das Opfer bestrafen, bitte!

Ein Vorschlag der Dekra geht an der grausamen Wirklichkeit vorbei. Sie möchte erreichen, dass Radfahrer nicht mehr rechts von Autos zur Ampel vorfahren dürfen.  

Die Dekra meint, das rechts von stehenden Autos Vorfahren sei die Ursache für die fürchterlichen Abbiegeunfälle, bei denen Radfahrende viel zu oft sterben oder schwerst verletzt werden. Das ist aber nicht so. Das ist der falsche Ansatz.

7. Januar 2024

Auch moderates Radfahren macht Menschen jünger

Dass Radfahren gesund ist für Körper und Geist, wissen alle, die regemäßig Rad fahren. Die anderen, die das nicht tun, zucken mit den Achseln und steigen ins Auto.

Die einen sind zu jung, um an die Gesundheit zu denken, die andern fühlen sich zu alt für das Abenteuer auf dem Fahrrad in der Großstadt, und wieder anderen trotzen jeglicher Vernunft. Es wäre aber gut für alle, sich im Alltag mehr zu bewegen und Radfahren ist das einfachste Mittel. Vieleicht kann man manche Menschen  mit der Aussicht locken, dass Radfahren - und zwar auf eine moderate alltagstaugliche Art - offenbar konkret die Zellen verjüngt und die Alterung deutlich bremsen kann. Darüber hat die Zeit schon 2018 berichtet, was mir damals offenbar entgangen ist. 

Zunächst einmal erwies sich in eine Studie  der Medizinischen Hochschule Hannover das Pedelec-Fahren als genauso effizient wie Normalradfahren.

22. März 2025

Stuttgart auf Platz 1 fürs Farradpendeln?

Dieses Ergebnis in einer Veröffentlichung der Firma Canyon hat uns Radfahrende und viele Medien überrascht. 


Wie Utopia berichtet "überzeugt Stuttgart auf ganzer Linie", denn es gibt fast 300 fast komplett barrierefreie Bahnhöfe, über 18:000 Fahrradabstellplätze, was für die Kombi Bahn und Rad gut ist. Außerdem gibt es bei uns eine vergleichsweise geringe Zahl an Crashs oder Unfällen. Und während Autofahrende jährlich in Stuttgart "79 STunden im Stau gefangen sind", kommen Radfahrende meist schneller ans Ziel. Nur mit den Radwegen haben wir es nicht so.

Man soll die eigene Stadt ja nicht schlechter reden als sie ist. Immerhin haben wir eine meist gut ausgebaute Haupradroute 1 und kommen radial meist ganz gut in die Stadt. Das nützt Pendler:innen. Und wir haben fünf bis sieben ampelfreie Kilometer durch den Schlossgarten. Wir vermissen zwar Fahrradgaragen und Abstellplätze am Hauptbahnhof (und am neu gestalteten Cannstatter Bahnhof), aber es stimmt, es gibt viele Stellplätze beispielsweise in Vaihingen am Bahnhof.  Aber wie kommen die darauf, dass wir für Menschen, die mit Rädern zu Arbeit pendeln, die besten sind? 

19. März 2021

Wir wollen uns sicher und akzeptiert fühlen - Fahrradklimatest des ADFC

Die Ergebnisse des Fahrardklimatests des ADFC für das vergangene Jahr sind da. Grundsätzlich hat sich nicht viel verändert. 

Es tut sich nicht viel in Sachen Ausbau, die Planung dauert zu lange, man sieht nur wenig neue Radinfrastruktur auf der Straße. Immer noch massiv bemängelt wird, dass die Städte lasch mit Falschparkern umgehen und die Baustellenumleitungen viel zu wünschen übrig lassen. Am wichtigsten sind den Radfahrenden ein gutes Sicherheitsgefühl (81 %), die Akzeptanz durch andere Verkerkehrsteilnehmende (80 %) und ein konfliktfreies Miteinadner von Auto- und Radverkehr (70%). Und da gibt es immer noch viel zu tun. Die Breite der Radwege und -streifen wird von Jahr zu Jahr kritischer bewertet. Die Radfahrenden wollen immer dringender eine sichere und bequeme Radinfrastruktur. Auch in den Gewinnerstädten ist noch viel Luft nach oben. 

26. April 2023

Vier Minus für den Radverkehr in Stuttgart

Der Fahrradklimatest des ADFC ist da. Und Stuttgart schneidet nicht gut ab. Bei der 10. Ausgabe haben rund 245.000 Radfahrende mitgemacht, 1114 Städte und Gemeinden wurden bewertet. Ein Rekord. 

Die, die Umfrage ausgefüllt haben, sind zu 63 Prozent fast täglich mit dem Rad unterwegs, 91 Prozent radeln mindestens einmal die Woche. Mehr als 90 Prozent fahren auch Auto. Die Durchschnittsnote aller Städte lag 2022 bei 3,96. Das ist geringfügig schlechter als im Jahr davor. Siegerin wurde Bremen mit der note 3,6 bei den Großstädten über eine halbe Million Einwohner:innen, knapp gefolgt Frankfurt und Hannover. Bei den Städten über 200.000 Einwohner:innen rückt Münster (3,0) wieder an den ersten Platz, gefolgt von Karlsruhe und Freiburg. Die beste Note hat mit 2,0 hat wieder mal Wettringen im Münsterland als Kleinstadt bis 20.000 Einwohner:innen erhalten, hat sich damit allerdings verschlechtert. Stuttgart liegt mit der Gesamtnote von 4,2 auf Platz 11 der Großstädte und hat sich weder verbessert noch verschlechtert.

25. August 2020

Es ist noch nichts geschwätzt

Oder anders gesagt: Autofreie Innenstädte lösen Panik in unserer autoverliebten Gesellschaft aus und scheitern immer wieder an der Angst der Politik.

Was der neue grüne OB von Hannover erlebt, ist durchaus typsich und gilt auch für Stuttgart. Sobald Straßrenrandparkplätze im Innenstadtbereich reduziert und einzelne kleine Straßen für den Autoverkehr gesperrt werden sollen, treten die Händler:innen und deren Verbände auf den Plan und beschwören den Untergang des Innenstadthandels. Die Gedankenwelt, in der sie und die ihnen verbundenen politischen Parteien leben, sieht aus wie in den Neunziger Jahren und beinhaltet die Sehnsucht nach den siebziger Jahren. Das heißt: Man fährt mit dem Auto in die Innenstadt und stellt es am besten mitten auf einem Marktplatz ab, zumindest aber am Straßenrand vor der Drogerie, wo man ein Schampoo kaufen möchte.

Wenn das nicht geht, wird das Schampoo im Internet bestellt, so die Dauerdrohung.

9. Oktober 2014

Endlich gefunden! - der Shop für radelnde Frauen

Velogold
Radfahren ist ursprünglich eine Männerwelt. Und in den Radlerläden gibt es alles fürs sportliche Fahren: Shirts, Radlerhosen, Regenjacken, Regenhosen, Rennradlerschuhe, Helme ...

Aber nichts, was speziell für Frauen gemacht wäre, die auf Rädern ohne Stange fahren, für Alltagsradlerinnen mit Rock zum Beispie, also Helme, die nicht nach Kampfradler und Fallschirmspringer aussehen; praktikable Regensachen, die man sich auf der Straße schnell anziehen kann, wenn der Regenschauer einen erwischt; irgendwas, was verhindert, dass der Rock zum Kinn hochflattert ...

2. Februar 2024

Geparkte Autos in der Fahrradstraße

Die Fahrradstraße Möhringer Straße wird über die Tannenstraße, die ebenfalls Fahrradstraße ist, mit der Böblinger Straße verbunden. 

Dort parken bergauf jede Menge Autos und machen die Fahrbahn so schmal, dass ein Begegnungsverkehr Auto Fahrrad nicht mehr möglich ist. Radfahrende müssen in der Regel absteigen. Das ärgert. Aber dürfen die Autos da überhaupt geparkt werden? Ja, sie dürfen, antwortet die Stadt. 

Wo keine Park- oder Halteverbotsschilder stehen, darf in der Fahrradstraße geparkt werden. Der blaue Strich bedeutet verkehrsrechtlich gar nichts, er markiert nur farblich die Fahrradstraße. Anders ist das mit der gelben Linie, die man auf dem Foto bei den Radbügeln sieht. In Österreich bedeutet  sie Halte- und Parkverbot. Es sie hier bedeutet, ist unklar.  Und was ist mit dem Parken an den Baumbeeten? 

25. April 2018

Radeln im Vertrauen auf Regeln kann tödlich sein

Zu den grauenvollsten Unfällen gehören jene, bei denen ein abbiegender Lkw-Fahrer ein Kind auf dem Fahrrad überfährt. Immer, wenn das passiert, stelle ich mir die Frage, ob wir es uns leisten können, unsere Kinder nicht vor dem Autoverkehr zu schützen.

Diese Unfälle passieren genau dort, wo Radfahrende sich absolut regelkonform verhalten, nämlich dann, wenn sie auf einem Radweg an einer Kreuzung Grün bekommen, zusammen mit den Fußgänger/innen, und losfahren. Im Vertrauen darauf, dass der Autofahrer seine Verantwortung wahrnimmt und guckt, bevor er rechts abbiegt. Diese Unfälle gehen mit schwersten Verletzungen für den Radler einher, nicht aber für den Autofahrer, sie enden oft sogar tödlich. Und die Unfallfahrer werden nicht einmal sonderlich streng bestraft.  Der ADFC und ich auch haben die diesjährigen Unfälle mal gezählt. Ich habe 16 gefunden. Unter den Opfern sind mehr Frauen als Männer.

23. Januar 2025

Warum der Fahrrad-Führerschein ein Social-Media-Tiger ist

Die Forderung nach Fahrradführerscheinen und Fahrradsteuern taucht in einer bestimmten Ecke der sozialen Medien immer wieder auf. Das gipfelte im vergangenen Jahr sogar in er Behauptung, in diesem Jahr - 2025 - komme der Fahrradführerschein. 

Das ist eine Falschbehauptung. Irrig ist auch der dahinter liegende Gedankengang, eine Führerscheinprüfung für Menschen, die Rad fahren, würde die Regeltreue erhöhen. Denn das tut auch der Führerschein für Autofahrende samt gut sichtbarem Kennzeichen nicht. Auch aus anderen Gründen ist ein Fahrradführerschein Unsinn. 

24. Januar 2023

Fahrrecht statt Fahrpflicht auf Radwegen

Viele Radfahrer:innen dürften wissen, dass Radwege benutzungspflichtig sind, wenn an ihnen die blauen Schilder stehen, auf denen ein Radzeichen zu sehen ist. 

Nur unter ganz bestimmten Bedingungen erlischt diese Benutzungspflicht. Auf manchen Radwegen wollen manche aber eigentlich lieber nicht radeln, weil man an jeder Einmündung in gefährliche Konflikte mit unachtsamen Autofahrenden geraten kann. Überzeugte Fahrbahnradler:innen fluchen über die Benutzungspflicht, die das Radfahren komplizierter macht. Die meisten fühlen sich allerdings auf Fahrbahnen so unwohl, dass sie unbedingt auf baulich getrennten Radwegen fahren wollen. Wir wissen, dass vom Autoverkehr getrennte Radführungen den Radverkehr steigern. Fehlen sie, radeln viele gar nicht, weil sie sich unsicher fühlen. Fußgänger:innen müssen auf Gehwegen gehen, wenn es sie gibt, Radfahrende müssen auf Radwegen fahren, wenn sie so beschildert sind. Aber ist das noch zeitgemäß? Gerade in Anbetracht der Tatsache, dass Radwege nicht sicherer sind als Radfahrstreifen oder das Radeln im Längsverkehr mit den Autos. 

15. September 2023

Warum Leonardo das Fahrrad nicht erfand

Das Fahrrad ist ein Zwischending. So beginnt Elmar Schenkel seinen Essay "Cyclomanie" übers Radfahren in der Literatur. 

Auto, Eisenbahn und Flugzeuge gehörten zum Drama und großem Roman, dem Fahrrad aber, das nicht auf Autobahnen fahren darf und dennoch zwischen Autos auftaucht, sei wie dem "hybriden Essay" eine Zwischenstellung eigen. 

Gleichzeitig teilten Radfahrer (Radfahrerinnen kannte man 2008 noch nicht) sich oft, ob legal oder nicht, Fußwege mit Fußgängern und Reitwege mit Reitern. "Überhaupt schlängeln sie sich manchmal durch das Gesetz." Der Autor stellt fest, das Fahrrad sei in einer "Zeit nach der elektronischen Sintflut" vorsintflutlich anmute, "eine gleitende Paradoxie. Aber es übertrumpft alle komplizierte Maschinerie in einem wichtigen, eines Tages vielleicht überlebenswichtigem Punkt: Es hat die beste Ratio von Energieverbrauch. Gebe ich einem Radfahrer ein Pfund Speck, so kommt er mit den Kalorien entscheidend weiter als alle anderen Fahrzeuge und Tiere dieser Erde." 

Das Trauma der Erfindung des Laufrads und Fahrrads wirkt bis heute nach. Immer schon hatte es etwas von einer Teufelsmaschine, einem Hexenbesen oder einem Umsturzvehikel