18. Juni 2019

Die Kostenwahrheit

Radverkehr bringt einer Großstadt und ihren Einwohner/innen etwa die Summe in Millionenhöhe ein, die der Autoverkehr sie andererseits kostet.

Das hat eine Studie ergeben, die der Radentscheid München in Auftrag gegeben hat. Das ist zwar nicht neu,  ich habe darüber schon oft geschrieben, aber es ist am Beispiel München jetzt konkret errechnet worden. Verkehr verursacht nämlich Kosten, nicht nur für Planung, Infrastruktur und Personal, die in Finanzhaushalten auftauchen, sondern auch versteckte Kosten, die auf alle umgelegt werden, etwa Kosten für Unfälle, Luftverschmutzung, Lärmschutz und Klimafolgen, aber auch Zeitverlust im Stau.

16. Juni 2019

Des Fahrrads zweites Leben

Beim Vorbeirradeln habe ich zufällig die Oldtimer-Fahrradwerkstatt von Christoph Preussler entdeckt. 

Wer Retro liebt, und zwar echtes Retro, findet hier sein oder ihr Fahrrad. Oder das schon ewig gesuchte Ersatzteil.

Die Oldtimer-Fahrradwerkstatt liegt an der Neckartalstraße in der Nähe der Krefelder Straße gegenüber vom Mühlsteg und wird von Christoph Preussler betrieben. Er kümmert sich um alte und historische Fahrräder. Interessant dürfte für Besitzer liebgewonnener alter Räder auch das Ersatzteillager sein. Hier gibt es alles, was es woanders nicht mehr gibt. Preusslers Sammlung von Ersatzteilen geht zurück bis in die 30er und 40er Jahre des vorigen Jahrhunderts, die meisten Teile im Bestand stammen aus den 50ern. Sein Konzept heißt: Zweileben Bikes. Etwa fünfzig Räder befinden sich derzeit verkaufsfertig im Laden, zweihundertfünfzig warten auf Renovierung.

14. Juni 2019

So geht Fahrradförderung in Unternehmen

Das badische Unternehmen FSM in Kirchzarten ist das fahrradfreundlichste Unternehmen Deutschlands.

Hier radelt der Geschäftsführer selbst und motiviert seine Mitarbeiter/innen, mit dem Fahrrad zur Arbeit zu kommen. FSM ist das erste Unternehmen überhaupt, dass das ADFC-Siegel in der höchsten Stufe Gold erhalten hat. Das kommt gut an bei jüngeren Mitarbeiter/innen und hilft gegen Fachkräftemangel, so die Einschätzung des Unternehmens. Das Unternehmen liegt elf Kilometer vom Freiburger Stadtzentrum entfernt. Es bietet ein Dienstrad-Leasing an. Es hat Duschen und eine große Umkleidekabine für Radler geschaffen. Außerdem gibt es eine große beleuchtete und abschließbare Fahrradgarage, in der auch Werkzeug zur Verfügung steht. Eine gute Investition in die Gesundheit der Arbeitnehmer/innen, findet das Unternehmen.

12. Juni 2019

Aufs Zweirad nur mit Zylinder

Viele von uns haben Martin Hauge mit seiner nachgebauten Draisine bei den Rad-Aktionstagen und bei der Eröffnung des Radschnellwegs Römerstraße erlebt. 

Der Mann im Gehrock mit Zylinder erweckt die Erinnerung an Karl Drais wieder zum Leben, den Erfinder des Fahrrads. Wir können draufsteigen und damit losfahren. Ich durfte auch mal. Den Stock, den man auf dem Foto sieht, benutzt er als improvisisierten Fahrradständer. Die Hand hat er auf eine senkrechte Schraube aufgestützt, mit der man diesen Sitz noch um Etliches hochdrehen kann, für langbeinige Menschen. 

10. Juni 2019

Die Speiche in Vaihingen schließt

Der ADFC hat erfahren, dass die Speiche in Vaihingen Ende August schließt. Und zwar für immer.

Nach vierzig Jahren wurde dem Fahrradhändler der Mietvertrag gekündigt, so der ADFC auf Twitter. Der Besitzer möchte dem Vernehmen nach das Haus abreißen und Wohnungen bauen.

Die Speiche gehört auch zu den Stuttgarter Fahrradläden mit einer Treppe am Eingang. Komischerweise sind Fahrrädläden immer in dafür ungeeigneten Ladenräumen untergebracht. Das Haus, in dem sich die Speiche befindet, war vorher eine Eisenwarenandlung.

8. Juni 2019

Bundesverkehrsministerium will neue Regelungen für Radfahrende

Offenbar will das Bundesverkehrsministerium die Straßenverkehrsordnung in dem Sinne ändern, wie es schon die Länder gefordert haben.

Darüber berichtet Bike-Bild und stellt auch die geplanten Änderungen zum Vorteil von Radfahrenden vor. Und hier der Link auf die Seite des BMVI.

  • Halteverbot auf Schutzstreifen und höheres Bußgeld für Parken in zweiter Reihe. (Auf Schutzstreifen darf man heute zwar nicht parken, aber immerhin noch halten.) 
  • Mindestüberhoabstand von Fahrrädern innerorts auf 1,5 Meter und außerords auf 2 Meter in der StVO festschreiben. (Bisher heißt es da nur "ausreichend Seitenabstand".)

6. Juni 2019

Das Kreuz mit den Bettelampeln

Bedarfsampeln mögen eine sinnvolle Lösung sein, wenn Fußgänger/innen oder Radfahrende selten sind. Für Radfahrende stehen sie aber oft ungeschickt.

Die meisten Fußgänger/innen sind daran gewöhnt, auch Radler landen an solchen Masten. Oft sind die Drücker aber so installiert, dass man vom Fahrrad komplett absteigen muss, um sie zu erreichen. So wie hier der Drücker an der Löffelstraße in Degerloch, wo es über die Heinestraße geht.

Als Radlerin will ich aber nicht vollständig aus meiner Radlerhaltung auf dem Sattel herausgeholt werden und gezwungen sein, mit beiden Füßen auf den Boden zu gehen, und das Rad zu einem Mast hinschieben und danach wieder neu ausrichten müssen. Ich will an den Drücker fahren und ihn erreichen können, indem ich nur, wie beim Halten üblich, einen Fuß auf den Boden stelle.

4. Juni 2019

Radahrende müssen nie links abbiegen

Möhringen
Ausgerechnet so ein kleines und wendiges Fahrzeug wie ein Fahrrad wird auf Strecken geschickt, von denen man nicht links abbiegen kann.

Als mein Vater sich in den sechziger Jahren den ersten VW-Käfer kaufte, suchte er sich für die Heimfahrt eine Strecke aus, wo er nur rechts abbiegen musste. Das Linksabbiegen schien ihm zu stressig. Radfahrende bekommen vielerorts nur solche Strecken angeboten.

Ich frage mich schon lange, wieso Verkehrsplaner davon ausgehen, dass Radfahrende nur einen einzigen Radweg brauchen, der sie von einem Punk A zu einem Punkt B bringt. Als ob alle Radfahrenden dasselbe Ziel hätten. Und als ob es keine Ziele gäbe, die auf der linken Seite der Strecke lägen. Linksabbiegen ist für Radfahrende an vielen Stellen in Stuttgart unmöglich oder schwierig, denn die Radstreifen oder Radwege entlang der Fahrbahnen verlaufen nur geradeaus.

2. Juni 2019

Eine erschreckende Geschichte

Liebe Autofahrer/innen, kommt zu euch! Haltet Abstand! Es sind Kinder! Auf Twitter hat Marie folgende krasse Geschichte erzählt: 

"Zwerg (Laufrad) fährt neben mir auf der Straße, der Fußweg wird durch Schüler verstopft, die ihm keinen Platz machen. Wir fahren in einer Tempo 30 Zone. Auf der anderen Straßenseite parken Autos. Ich fahre mittig (auf) unserer Spur, habe den Anhänger hinter (mir). Es sind nur wenige Meter! Der Zwerg fährt ordentlich neben meinem Rad. Von hinten nähert sich ein Auto mit hoher Geschwindigkeit. Bremst und lässt hinter uns mehrfach den Motor aufheulen. Es ist kein Platz zum Überholen. Ich zeige an, das wir (nach links) abbiegen wollen. Noch 4 Meter, dann sind wir weg. Kaum ist die Reihe der parkendes Autos vorbei, quetscht sich das hinter uns fahrende Auto links an mir vorbei. Wir sind schon am (links) Abbiegen. Ich schreie dem Zwerg sein Stoppsignal zu, er steht, 30 cm von dem Auto entfernt. Eine Frau sitzt darin, auf dem Beifahrersitz ein Kind.

1. Juni 2019

Radschnellverbindung Böblingen Sutttgart eröffnet

So, jetzt haben wir sie, unsere erste Radschnellverbindung nach Stuttgart und damit sogar den ersten Radschnellweg in Baden-Württemberg.

Am Freitagvormittag war Eröffnung und Anreadeln mit Landrat Bernhard, Verkehrsminister Hermann, dem Böblinger OB Belz, der ADFC-Vorsitzenden Zühlke, dem SWR und hundertünfzig Radfahrenden. Nach einer Vorführung auf Einrädern, wiesen der Landrat und der Verkehrsminister darauf hin, wie schnell es von der Idee zur Umsetzung ging. 

31. Mai 2019

Wo will der Hund mit dem Fahrrad hin?

Das Schild steht in Ravensburg, wenn Markt ist. 

Klar: Fahrräder beißen und Hunde sind groß und sperrig. Oder umgekehrt?

Oder meinen die nur die Menschen, die zum Fahrrad auch noch einen Hund dabei haben oder zum Hund ein Fahrrad? Und führt man ein Fahrrad auch dann mit, wenn man drauf sitzt? Oder fährt man es dann? Okay, das Verkehrszeichen verbietet jeglichen rollenden und bellenden Verkehr. Ausgenommen Kinderwagen, Leiterwagen. Und Pferde, aber die wiehern ja.

29. Mai 2019

Ich bin wieder drin

Ich habe ich es wieder in den Gemeinderat geschafft. Jedenfalls nach dem vorläufigen Endergebnis. 

Ich danke allen, die mich gewählt haben und allen, die unermüdlich für mich geworben haben

Ihr habt mich auf Platz 16 von 16 grünen Sitzen gewählt. Unsere Fahrradpolitik geht weiter. Sie wird, auch wenn die Grünen im Gemeinderat stärkste Fraktion geworden sind, dennoch weiterhin für eine Mehrheit bei anderen Parteien suchen müssen. Bisher waren die Linke und SÖS und Junge Liste und die SPD mit dabei. Jetzt kommen noch zwei Stadtisten dazu. Das macht Hoffnung. Und vielleicht werden auch die anderen Parteien bald begreifen, dass der Autoverkehr in der Stadt keine Zukunft hat, sondern Mobilität anders besser funktioniert.

Wir, also ich mit meinem Blog Radfahren in Stuttgart, und alle, die wir in Stuttgart Fahrrad fahren, darunter der ADFC, der Zweirat, der VCD, die Critical Mass werden uns weiter für eine Verbesserung der Radinfrastruktur einsetzen und daran arbeiten, dass aus Stuttgart eine echte Fahrradsstadt wird.

Radeln wir's an.

27. Mai 2019

Die Zählstelle in Cannstatt

Wo ist die Zählstelle auf der Waiblinger Straße in Cannstatt? Diese Frage tauchte im Plenum des Radforums im Mai auf.

Die meisten wissen, dass an der König-Karls-Brücke beim Leuze eine Zählstelle gibt, weil dort eine Anzeige steht. Einige dürften auch wissen, dass es auch auf dem Radweg entlang der Böblinger Straße in Heslach, bergauf kurz vor dem Waldeck eine weitere Zählstelle gibt, erkennbar an den Romben im Asphalt, unter denen die Induktionsleitungen liegen.

Radschnellweg Römerstaße wird am Freitag eröffnet

Und zwar am 31. Mai um 11 Uhr. Es ist die erste Radschnellverbindung nach Stuttgart, die fertig ist.


Hier der Link mit Ortsangabe. Man trifft sich gewissermaßen auf halber Strecke zwischen Böblingen und Vahingen auf der Römerstraße, die gerne auch Panzerstraße genannt wird.

Sindelfingen brachte die Idee vor drei Jahren auf, diese Kopfsteinpflasterstrecke zu ertüchtigen, das Landesverkehrsministerium nahm sie auf. Man wollte, dass Radfahrende eine schnelle Verbindung zwischen Vaihingen und Sindelfingen, Böblingen erhalten, damit sie mit dem Fahrrad bequem pendeln können. Auch bei Nacht und auch im Winter. Das Kopfsteinpflaster sollte mit einer Asphaltschicht bedekt und eine mit dem Radler mitlaufende Beleuchtung eingerichtet werden, damit der Wald frühmorgens im Winter und abends nicht gar so finster ist. Spatenstich war im vergangenen Jahr.

25. Mai 2019

Wenns ums Auto geht, verlieren wir den Verstand

Niemand muss Fahrrad fahren, aber wer will, soll es bequem und vergnüngt können. Das könnte das Ziel einer Stadtplanung und Politk fürs Fahrrad sein. Ist es aber nicht.

Unsere Radinfrastruktur wurde bisher halbherzig geplant und gebaut. Viele fürchten sich auf ihr. Aus anderen Städten wissen wir aber, dass Menschen das Angebot einer guten Radinfrastruktur gerne nutzen. Sie steigen vom Auto aufs Fahrrad um. Das Potenzial ist riesig, auch bei uns in Stuttgart. Wir schöpfen es aber nicht ab. Unsere Politik ist da in höchstem Maß irrational und extrem unwirtschaftlich. Sie verschwendet Steuergelder für den Autoverkehr und das auch noch zu unser aller Nachteil. Der Autoverkehr kostet uns Milliarden, die von den Autofahrenden nicht übernommen werden, doch jeder in in den Radverkehr investierte Euro bringt einen Gewinn für uns alle von zwischen 2 und 38 Euro. Es wäre also vernünftig, in den Radverkehr zu investieren. Wer die Zahlen in allen Einzelheiten lesen will, der findet sie in diesem Artikel von David Binnig im Blog RennRad.

Was macht den Autoverkehr so unwirtschaftlich?

24. Mai 2019

Der größte Trick der Autoindustrie war es ...

Basisbild: Wikipedia
... der Welt weiß zu machen, Rad fahren und zu Fuß gehen passten nicht zusammen. 

Diesen Satz hat Modacity auf Englisch auf Twitter gepostet. (The greatest trick the auto industry ever pulled was convincing the world walking and cycling can’t coexist.)  Die beiden erzählen in dem Post, dass sie seit sie in eine Fahrradstadt (Delft) umgezogen sind, mehr zu Fuß gehen als jemals vorher in ihrem Leben, weil die Straßen nicht von Autos verstopft sind. Da macht man gerne Spaziergänge. Aber stimmt der Satz? Aber was erzählt uns die Autoindustrie eigentlich über uns? 

23. Mai 2019

Wir können das, wenn wir wollen

Neckartalstraße, S-Münster
Kopenhagen war einst genauso Autosstadt wie wir das sind. Dann hat man angefangen, das Radfahren bequemer zu machen als das Autofahren. Und jetzt fahren mehr Leute mit dem Rad in der Stadt herum als mit dem Auto. 

Wir sind dreißig Jahre zurück, was die Mobilitätswende betrifft, aber anders als die Kopenhagener könnten wir es schneller schaffen, weil wir auf deren Erfahrungen zurückgreifen können. Welche das sind, hat der Tagesspiegel hier dargestellt. Ich fasse das unten zusammen.

Am Sonntag sind Gemeinderats- und Europawahlen. Die Zusammensetzung des Gemeinderats ist entscheidend dafür, ob in Stuttgart die Radpolitik fortgesetzt wird, die wir mit dem Zielbeschluss fahrradfreundliches Stuttgart massiv angestoßen haben. Zwar hat der OB den Auftrag, in seinem Haushaltplan im Herbst die Gelder bereitzustellen und die Verwaltung so zu organisieren, dass es mit der Radinfrastruktur schneller geht, aber wenn der Gemeinderat bei den Haushaltsberatungen dagegen stimmt, weil es für eine moderne Mobilität keine Mehrheit gibt oder weil eine grundsätzliche Oppositions-, Wut- und Ablehnungsstimmung herrscht, dann nützt uns das nichts.

22. Mai 2019

Wie geht es weiter mit der Hauptradroute 2?

Es bleibt spannend bei der HRR2 Wangen, Hedelfingen. 

Nachdem die Bezirksbeiräte wie hier umfassend geschildert die Planung zuerst in einer nicht-öffentlichen Sitzung gut geheißen und in einer öffentlichen wenige Monate später abgelehnt hatten, war sie Montag und Dienstag gerneut Thema in den Bezirksbeiräten, verbunden mit einer Mitteilung des Baubürgermeisters, warum sie entgegen dem Votum der Ortsvertretungen gebaut werden muss.

Nachtrag, Freitag, 24.5.: Die HRR2 wurde vom Gemeinderat am Donnerstag (23.5.) mit 31 Stimmen Mehrheit beschlossen. Für sie stimmten Grüne, SPD und SöSlinke-Plus, ohne den Exstadtisten. Ich als Rednerin für die Grünen und Christoph Ozasek für die Linke wiesen darauf hin, dass sie ein Kompromis ist und nicht dem Standard entspricht, den wir im Zielbeschluss für ein fahrradfreundliches Stuttgart beschlossen haben.

21. Mai 2019

Einbahnstraßen dürfen den Radverkehr nicht behindern

Die Freigabe von Einbahnstraßen in Gegenrichtung für Radfahrende, ist eine preiswerte und wirkungsvolle Maßnahme zur Erleichterung des Radverkehrs. 

Beispielsweise könnte dann ich in Zuffenhausen Richtung Stuttgart-Zentrum die Ludwigsburger Straße ohne Radstreifen mit ihren Autostaus durch die Nebenstraßen umfahren. Hier sind aber bislang keine Einbahnstaßen für Radler freigegeben. Blogleser Ralph hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass man diese Freigaben nicht als Kann-Vorschrift betrachten müsste, sondern als den Normalfall.

In den Verwaltungsvorschriften zu Paragraph 45, Abs. 9 der StVO heißt es, dass Verbote, die den fließenden Verkehr ausbremsen oder unterbinden, nur erlaubt sind, wo eine besondere Gefahrenlage besteht.* Bernd Sluka folgert daraus auf seiner Internetseite: "Den fließenden Radverkehr in einer Richtung zu verbieten ist damit zwingend nur bei Vorliegen einer besonderen, das allgemeine Verkehrsrisiko übersteigenden Gefahrenlage zulässig. Da Radverkehr in beiden Richtungen regelmäßig die Unfallzahlen nicht erhöht, sondern sogar senkt, wäre für eine Einbahnstraße unter Einbeziehung des Radverkehrs im Einzelfall nachzuweisen, dass hier wirklich eine atypische, besondere Situation gegeben ist. Ansonsten ist das Verbot des Radverkehrs in einer Fahrtrichtung rechtlich unzulässig."

20. Mai 2019

Falschparken muss teurer werden

Falschparken kostet zu wenig in Deutschland. Einige Verkehrsverbände haben jetzt gefordert, die Bußgelder fürs Parken auf Gehwegen und Radwegen anzuheben. Und zwar auf mindestens 100 Euro.

Auch einen Punkt in Flensburg fordern der Fußgängerverband FUSS e.V., der VCD (Verkehrsclub Deutschland, der klassischerweise alle Mobilitätsformen vertritt) und der Bundesverband Carsharing. Sie wollen, dass das Bundesverkehrsministium den Bußgeldkatalog anpasst. Falschparken ist in Deutschland EU-weit am billigsten.

19. Mai 2019

Mit den Radstreifen von gestern den Radverkehr von morgen hinkriegen, geht nicht

Die Vorschriften und Empfehlungen für den Bau von Radwegen und Radstreifen sind nicht mehr zeitgemäß. Denn sie berücksichtigen den Überholabstand von 1,5 Metern nicht. 

Darauf hat Andreas Braun im Tagesspiegel hingewiesen. Ich sage schon lange, dass die in den ERA (Empfehlungen für den Radverkehr) festgehaltenen Standart- und Mindestbreiten dem Radverkehr nicht gewachsen sind, den wir mit unserer Radinfrastruktur erzeugen wollen. Sie reichen gerade für den Status Quo, also für vereinzelte Radfahrende, nicht aber für viele und unterschiedlich schnelle einschließlich der E-Scooter.

17. Mai 2019

Eine gute Radinfrastruktur hilft gegen Regelverstöße

Rotlichtverstoß
Autofahrende missachten sehr viel häufiger die Regeln als Radfahrende. Und wo es keine Radinfrastruktur gibt, verletzen auch mehr Radler die Verkehrsregeln.

Das ist das Ergebnis einer Studie im Auftrag der dänischen Regierung. Demnach verletzten nur 5 Prozent der Radfahrenden die Verkehrsregeln, während das 66 Proznet der Autofahrenden taten. Wie kommt es dann, dass man nur uns Radlern ständig vorhält, wir hielten uns an keine Regeln? Die Vermutung: Die Verstöße von Radfahrer/innen sieht man halt gut, auf dem Gehweg radeln, zum Beispiel. Die von Autofahrenden dagegen sieht man meistens nicht, beispielsweise zu hohe Geschwindigkeit, Handy am Steuer oder noch schnell bei Rot über die Haltelinie fahren.

16. Mai 2019

Wenn man die Magstadter Straße überqueren muss

Vor allem im Sommer radeln unglaublich viele Pendler durch Stuttgarts Wälder. 

Sie sind zwischen Botnang und Vaihingen unterwegs oder sie radeln von und nach Weilimdorf. Stuttgart fehlt es an Radtangenten. Entweder man radelt jedes Mal in den Kessel und drüben wieder rauf, oder man erarbeitet sich nach und nach die für einen selbst beste (Sommer-)Strecke durch den Wald. Und dabei träumt man ein bisschen von einem Tangential-Radschnellweg, wenigstens einem! Das aber scheint derzeit völlig unmöglich: Waldwege asphaltieren, also versiegeln, das genehmigt niemand, nicht für Radfahrende.

Sehr viele Radler queren dabei jeden Morgen und jeden Abend die Magstadter Straße an dieser Stelle. Und da könnte man schon was machen, damit es weniger gefährlich ist. 

15. Mai 2019

Alles oder nichts ist keine Option für die Zukunft

Am Dienstag, 21. Mai, hätte im UTA über die Hauptradroute 2, Wangen-Hedelfingen entschieden werden sollen.

Das haben CDU und SPD in den Bezirksbeiräten Wangen und Hedelfingen am Montagabend torpediert. Die Planung, die Anfang des Jahres genau dort bereits fast einstimming angenommen worden war, wurde mit Zweidrittelmehrheit nun wieder abgelehnt. Verschiedenen Berichten zufolge ging es SPD und CDU darum, die Entscheidung auf bis nach der Kommunalwahl zu verschieben. Warum auch immer.

Im UTA (Ausschuss für Umwelt und Technik) hätte sogar die CDU zustimmen wollen, so unser Stand bis Montagabend. Nun hat selbst die SPD deutlich gemacht, dass sie nicht für einen Ausbau des Radverkehrs in vernünftigem Maß ist, wenn es konkret wird, obgleich sie beim Zielbeschluss für ein Fahrradfreundliche Stuttgart noch mit dabei war.   


Die HRR2 ist nun erneut im Bezirksbeirat behandel worden und soll am 23. Mai im Gemeindrat abgestimmt werden.

14. Mai 2019

Im SUV gefangen

Als ich 2006 vom Auto aufs Pedelec umstieg, war mir nicht klar, dass ich mich damit aus der motorwarmen Mehrheitskultur verabschiede.

Ohnehin bin ich in vielen Aspekten nicht mehrheitsfähig. War ich nie. Aber ich war wenigstens Autofahrerin, seitdem ich mir vor vierzig Jahren als junge Frau das erste Auto zulegte: einsteigen, wegfahren, nicht auf Stadtbahnen warten müssen, nach Mitternacht heimkommen könnnen. Es schien bequem. Es wirkt bis heute bequem, mit dem Auto durch Stuttgart zu fahren. Es gibt grüne Welle, viele Fahrspuren und überall Parkplätze. Manchmal halt auch Stau, aber das ist das Autofahrerinnenabenteuer, von dem man immer gut erzählen kann und dafür ein mitfühlendes Stöhnen erhält.

Als Frau, die Fahrrad fährt und sich nicht den SUV zugelgt hat, habe ich mich von dem Freiheitsbegriff verabschiedet, der sich so verbissen ans Auto koppelt, aber auch von dem Sicherheitsbedürfnis, das viele Frauen entwickeln.

13. Mai 2019

Radabstellanlagen schaffen Radverkehr

Möhringen Bahnhof
Unverdrossen fahren Menschen mit dem Fahrrad, auch wenn die Radparkplätze nicht mehr reichen. Geländer sind keine gute Alternative.

In der Innenstadt sind zahlreiche Abstellanlagen entstanden, hauptsächlich, um das Falschparken von Autos zu verhindern. Sie zeigen jedoch ganz deutlich, dass sie gebraucht werden, vor allem, dort, wo auch die Läden sind. Parkplätze weg und Radabstellanlagen hin, das erzeugt Radverkehr und ermuntert Menschen, die kleinen Einkaufswege mit dem Fahrrrad zu machen. Wo es keine Radabstellanlagen gibt, fahren auch nur wenige mit dem Fahrrad hin. Vorreiter war übrigens der Marienplatz mit seinen zahlreichen Radastellanlagen, die von Anfang an voll waren. Inzwischens sind sie überfüllt.

12. Mai 2019

Welchen Verkehrzeichen können wir noch glauben?

Wir mögen dieses Schild nicht. Auch deshalb nicht, weil es gerne völlig sinnfrei irgendwo herumsteht. So wie hier gleich an zwei Stellen.

Das hier am Rotebühlplatz Richtung Finanzamt  verbietet Fußgänger/innen und Radler/innen zur Fußgängerfurt zu gehen oder zu fahren. Und warum?

Tatsächlich ist es verdreht aufgestellt und soll eigentlich zeigen, dass man nicht quer (von hier aus gesehen rechts) rüber zur Ecke gehen kann, weil dort gebaut wird. Wobei die Sperre gerade weggeräumt war und die Leute nach rechts über die Fahrbahnen gingen.

Falsch aufgestellte Radverbotsschilder führen aber dazu, dass wir überhaupt keines dieser Schilder mehr beachten. Man kann ja nie wissen, ob es zufällig richtig steht oder zufällig nicht. Und hier noch eine zweite echte Kuriosität, auf die mich zwei Blogleser aufmerksam gemacht haben, die was von Verkehrszeichen verstehen.

11. Mai 2019

Grausige Kreuzung - eine Viertelstundenreportage an der Cottastraße

An einem regnerischem Abend gegen 18 Uhr habe ich sieben Ampelphasen an der Cottastraße Richtung Heutsteig beobachtet.

Sieben Ampelphalsen, sechs mit Radlern. Das ist viel. Offensichtlich ist die Querung der Hauptstätterstraße hier für Radfahrende wichtig, bei ihnen beliebt ist sie sicher nicht. Die Kreuzung ist schwierig. Einen Aufstellplatz für Radler gibt es nicht. Auf die Sperrfläche rechts dürfen sie sich eigentlich nicht stellen. Von einer Radlerampel, die etwas früher Grün gibt, keine Spur. Die Viertel-Stunden-Reportage offenbart die Probleme:

Manche Radler landen links der Autoschlange, so wie die beiden Radler oben auf dem Foto, die bei Grün dann schräg nach rechts vor die startenden Autofahrer fahren, die rechts oder links abbiegen.

9. Mai 2019

Eine seltsame Perspektive

In Cannstatt hat ein Autofahrer bei einem Parkmanöver einen Radfahrer angefahren und schwer verletzt. Ein Zeitungsbericht verkehrt das ins Gegenteil: Der Radler rammt das Auto.

Wenn ich die Polizeimeldung lese, glaube ich, dass folgendes passiert ist: Der Radfahrer radelt die Starße entlang. Ein Auto kommt ihm entgegen, der Fahrer zieht urplötzlich auf seine, des Radlers, Fahrspur hinüber. Der Radler prallt gegen das Auto. Nach meiner Einschätzung hatte er keine reelle Chance, den Unfall zu vermeiden, er konnte nicht damit rechnen, dass der Autofahrer auf die Gegenfahrbahn kommt und ihm direkt vors Vorderrad fährt. Ob das so war, das darzutellen machen sich weder die Polizei, noch die Zeitung die Mühe.

8. Mai 2019

Wie man bei Radfahrern Parkgebühren kassiert - ein Gedankenexperiment

Da schlägt einer vor, bei Radfahrenden Parkgebühren zu kassieren, damit Gerechtigkeit zwischen Autofahrenden und Radlern herrscht, und die Medien berichten.

Endlich sagt's mal einer, einer von der CDU. Das Auto werde verteufelt. Dagegen müsse man was tun. Und so ist ihm die Idee gekommen, den Radfahrenden das Radfahren, vor allem das Abstellen von Rädern, zu vergällen. Wer es abstellt, muss zahlen. So der Vorschlag des Düsseldorfer CDU-Manns im Verkehrsausschuss. Ein hämisch erleichtertes Raunen geht durch die Medien. Die lieben monströse Vorschläge. Und sowieso: Die blöden Radler, denen soll es nicht besser gehen als den Autofahrenden. Aber ist das auch praktisch durchführbar?

7. Mai 2019

Jetzt redet ihr - heute ist Radforum

Herzogstraße
Heute Abend ist Radforum (Plenum) im Stuttgarter Rathaus, 18 Uhr im Kleinen Sitzungssaal im 3. Stock.

Jeder und jede kann kommen. Üblicherweise stellen die Gruppen des Radforums bei diesem Treffen ihre Arbeit vor. Üblicherweise ist auch der Baubürgermeister dabei. Den könnt ihr direkt fragen. Vielleicht sind ja auch mal ein paar mehr Stadträt/innen (außer mir) da. Vielleicht ergibt sich eine interessante Diskussion. Bedarf gibt es.

Greenpeace hat gerade eine interaktive Karte online gestellt, auf der wir aufgefordert werden, die gefährlichsten Orte für Radfahrende in unserer Stadt zu markieren und kurz zu beschreiben. Auch hier kann jede/r mitmachen. Für Stuttgart gibt es schon etliche Einträge. Ich habe es ausprobiert. Greenpeace prüft die Einträge und stellt sie dann online.

5. Mai 2019

Ich muss euch eine irre Geschichte erzählen

Im Bezirksbeirat Süd war am vergangenen Dienstag wieder mal die Neue Weinsteige dran. Und das, was skandalisierend immer Radweg genannt wird.

Da müssen dringend die Stützmauern und die Geländer saniert werden. Und weil man den Gehweg so nicht wieder bauen darf wie er ist (zu schmal, nicht begehbar, weil zugeparkt) wird er zwei Meter breit hergestellt. Da dürfen dann auch Radler hoch fahren. Man hat uns die Bauabschnitte vorgestellt. Daran blöd: Es dauert alles, fertig ist das Ganze erst so 2024.

Aber das war nicht der Punkt. Wieder mal ging es um die Parkplätze.

4. Mai 2019

Komunalomat hat den Radverkehr vergessen

Die Stuttgarter Zeitung und die Stuttgarter Nachrichten richten bei Wahlen immer Wahlomaten ein. Für die Kommunalwahl gibt es das als Komunalomat. Aber der taugt nicht für uns Radfahrer. 

Denn er enthält keine einzige These zum Radverkehr. Gar keine. Es wird gefragt, ob man die gerichtlichen Dieselfahrverbote missachten soll oder ob der Öffentliche Nahverkehr kostenlos sein soll, immer verbunden mit den vier Möglichkeiten zu antworten: "Zustimmung" - "Abelehnung" - "Neutral" - "Überspringen". Aber eine These zum Radverkehr gibt es nicht.

3. Mai 2019

Vom Wegzaubern der Radfahrer an Baustellen

Eine der vom Gemeinderat beschlossenen Forderungen des Zielbeschlusses "Fahrradfreundliches Stuttgart" ist, dass die Radinfrastruktur immer frei gehalten werden muss. 

Das bedeutet: Immer! Und es bedeutet eben auch, dass eine Baustelle Radstrecken nicht einfach unterbrechen darf, ohne dass eine fahrbare Alternative angeboten wird. Das hat das Stuttgarter Stadtparlament, der Gemeinderat, so beschlossen. Das muss von der Verwaltung so umgesetzt werden.

Fürs Fahrrad muss es immer eine Weiterführung geben, so wie für Autos. Wegzaubern geht nicht, wird aber in Stuttgart immer wieder versucht. 

Ich habe vor ein paar Tagen über die Komplettsperrung des Arlbergstraßentunnels für Radler berichtet. Darunger hat Blogleser Jürgen dieses Foto von der Württembergstraße auf Höhe der Haltestelle Aspen zwischen Untertürkheim und Fellbach gepostet.

1. Mai 2019

Es geht zu langsam

Überall in Deutschland verkündet die Politik, der Radverkehr müsse ausgebaut werden, doch dann entsteht pro Jahr höchstens ein kleiner Abschnitt. 

Das ist in Berlin so, wo es ein Mobilitätsgesetz gibt, es mit dem Radwegbau aber auch nicht vorangeht. In Stuttgart haben wir einen ebenso sensationellen Zielbeschluss für den raschen und umfassenden Ausbau des Radverkehrs gefasst. Binnen zehn Jahren soll unser Radhauptroutennetz, das es seit 2009 gibt, fertig sein. Derzeit fertig sind von den rund 60 Routen zwar viele kleine Abschnitte aber nur zwei komplette Hauptradrouten. Das muss schneller gehen.

29. April 2019

Und wieder: Zum Teufel mit den Radlern - Untertürkheim

In der Arlbergstraße in Untertürkheim wird irgendwas unter der Bahnbrücke gebaut. Kurzerhand hat man dafür den Zweirichtungs-Radweg dicht gemacht. Ersatzlos. 

Wer hier linksseitig radelt, kommt nicht auf die rechte Fahrbahn rüber. Und auf der anderen Seite kommt man auch nicht vom Radweg runter auf die Fahrbahn. Radfahrende müssen sich hier in Luft auflösen. Oder schieben.

Nebendran verläuft eine Fußgängerunterführung. Da steht ein Fußgängerschild, das sagt, dass man hier nicht Rad fahren darf. Darunter hängt das Schild "Radfahrer absteigen". Darauf hat mich Blogleser Alex aufmerksam gemacht, der auch die Fotos geschickt hat.

27. April 2019

45 Gründe fürs Radfahren

Die zählt Carlton Reid hier auf, darunter die üblichen wie, länger leben und attraktiver aussehen. 

Viele der Gründe kennen wir. Aber wussten wir schon, dass Radfahrer/innen auch die besseren Autofahrer/innen sind? Oder dass sich sogar dann bessere Luft atmen als Autofahrende, wenn sie an einer viel befahrenen Straße unterwegs sind? Oder dass sie fliegen können?

Ich habe die Liste aus dem Englischen weniger übersetzt als vielmehr ins Deutsche übertragen und dabei zusammengefasst und mir die ausführliche Nennung der Quellen für die Studienergebnisse gespart. Die findet ihr im Originaltext. Und hier meine Version:

25. April 2019

Autofahrer haften, wenn ein Radler stürzt, weil er ausweichen muss

Autofahrende haften ja immer mit, wenn ein Radfahrender durch den Zusammenstoß mit ihrem Auto zu Schaden kam oder sein Fahrrad beschädigt wurde, egal, ob der Radler was falsch gemacht hat oder nicht.

Schon das wissen viele Autofahrer/innen nicht. Nun hat ein Gericht festgestellt, dass ein Autofahrer zur Hälfte haftet, wenn ein Radler stürzt, selbst wenn es nicht zu einer Berührung mit dem Auto gekommen ist.

Im vorliegenden Fall fuhr ein Radfahrer auf einem Feldweg. Ihm kam ein Auto entgegen, dessen Fahrerin ihn zwang, auf den matschigen Seitenstreifen auszuweichen. Als er zurück auf den Feldweg fahren wollte, stürzte er und verletzte sich.

24. April 2019

Abbiegeunfall in Stuttgart

Ein Autofahrer biegt ab, bringt eine 19-jährige Radlerin zu Fall und begeht Fahrerflucht. 

Der Unfall ereignete sich gestern Mittag (23. April). Der Autofahrer bog von der Rotebühlstraße nach rechts in die Paulinenstraße ab. So wie die Polizei das schildert, fuhr die Radlerin geradeaus, wurde von dem 84-Jährigen mit dem Auto gestreift und stürzte. Der Autofahrer konnte später ermittelt werden. Offenbar hatte er die Radfahrerin nicht gesehen, und womöglich hat er sogar von dem Unfall nichts mitbekommen. (Die Polizei sucht Zeug/innen)

Schaut man sich die Stelle an, liegt die Vermutung nahe, dass die Radlerin auf dem erlaubten (für Radler freigegeenen) Gehweg kam (was die Polizei nicht sagt) und die Fußgängerfurt nahm, um Richtung Innenstadt zu fahren. 

23. April 2019

Gastronomie drängt Fußweg auf den Radweg

Die Fußgängerzone mit Radweg entlang der Holzstraße beim Dorotheenquartier ist ja schon ziemlich verunglückt.

Der Radweg wird gern zugeparkt. Lieferfahrzeuge fahren auf ihm herum. Und jetzt ist noch diese Außengaststätte dazu gekommen.

Bisher haben Fußgänger/innen den Radweg der Hauptraderoute 1 ganz gut respektiert. Es sei denn, ein Auto parkt wieder mal die Fußgängerfläche zu. Aber nun haben Tische, Stühle und Sonnenschirme den Fußgängerplatz auf ganzer Breite erobert. Zu Fuß Gehende  haben gar keine andere Wahl mehr, als über den Radweg auszuweichen, wenn sie sich nicht sklavisch korrekt zwischen den beiden Blindenleitlinien entlang quetschen wollen. Und wer sich als Blinder mit dem Stock an der Leitlinie orientiert, landet im Blumenkübel. Das tut weh.

21. April 2019

Die strukturelle Gewalt des Straßenverkehrs

„Es liegt in der Natur des Radfahrers, dass er 90 Prozent der für ihn geltenden Regeln ignoriert“, behauptet der 73-jährige Vorsitzende des Bundes der Fußgänger, Irrgang. 

Das gefällt der Presse natürlich. Eigentlich ging es aber um die E-Scooter-Bedrohung auf Gehwegen.

Diese Aussage (und Schlagzeile) fand viel Beifall. Ich weiß nicht, ob Irrgang alle Radler meinte und was "die Natur des Radfahrers" ist, und ich weiß nicht, wie viele Regeln für Radfahrende Herr Irrgang kennt. Vermutlich bezieht er sich auf genau zwei, die immer genannt werden, wenn es um die Regeln geht, die Radler angeblich nie einhalten: "Radfahrer fahren immer bei Rot" und "Radfahrer fahren immer auf dem Gehweg". Vermutlich hat er keine Vorstellung, wie unglaublich viele Regeln Radfahrrende beherrschen müssen. Denn Radfahrende sind auf Fahrbahnen unterwegs, aber auch auf Radwegen, Radfahrstreifen, Schutzstreifen, Waldwegen und freigegebenen Gehwegen und sehen sich Autoampeln, Fußgängerampeln, Fußgänger-/Radampeln und Radampeln gegenüber, und für alles gelten ganz dezidierte Regeln. Für Autofahrende und Zufußgehende sind die Regeln viel einfacher.

Der Fußgänger, das geknechtete Wesen im Straßenverkehr

19. April 2019

Autofahrer gefährdet Radler, aber Radler bekommt Verwarnung


Ein Radler wird knapp überholt, zeigt den Autofahrer an und bekommt einen Bußgeldescheid, weil er das Rechtsfahrgebot nicht eingehalten habe.

Eine neue Studie zeigt: Radfahrer werden vor allem von Lkw- und Busfahrern, aber auch von vielen Autofahrern zu eng überholt. Die Dooring-Gefahr wird hingegen unterschätzt (unten mehr dazu). Wie können wir Radler uns schützen? Offenbar gar nicht.

Es ist nicht das erste Mal, dass ich Kenntnis von einem Gewaltakt eines Autofahrers erhalte, der damit endet, dass die in die Enge getriebenen Radfahrenden die Anzeige bekommen.

17. April 2019

Betrunkener Radler verletzt Fußgängerin auf zu enger Baustellenumleitung

In Cannstatt hat ein alkoholisierter Radfahrer eine Fußgängerin umgefahren. Beide verletzten sich so schwer, dass sie ins Krankenhaus kamen. 

Die Stuttgarter Zeitung berichtet unter Berufung auf die Polizei, der Radler sei  "verbotswidrig" auf dem Geheweg unterwegs gewesen. 

Doch diese Aussage der Polizei ist falsch. Nach ihrer Darstellung fuhr der Radler am Sonntagabend auf dem Gehweg der König-Karl-Straße auf die Bahnunterführung (Kleemannstraße) zu. Und genau hier ist der Gehweg freigegeben. Blogleser Peter hat dieses Foto am drauffolgenden Dienstag gemacht.

Denn hier ist seit Monaten der Radfahrstreifen wegen einer Baustelle verschwunden, über die ich auch schon berichtet habe. Damit die Autos ungehindert auf zwei Spuren fahren können, werden Radler auf den Gehweg geleitet. Natürlich alles kriminell eng. Eine Zumutung für Radler auf ihrer Hauptradroute 1 und für Fußgänger/innen. Nur ganz mutige oder masochistische Radler werfen sich hier in den Autoverkehr, der entweder steht (und damit steht auch der Radler im Stau) oder gehetzt den Radler hetzt. Fußgänger haben diese Wahl nicht.

16. April 2019

Rad hängt sich auf

An der Wand geparkt oder Kunstinstallation? Oder beides? Das ist Radparkplatzkunst am Bau. 

Ein Keller ist nicht vorhanden oder mit viel zu steiler Treppe ausgestattet. Gehwege sind auch eng, da kann man Fahrräder auch in die Höhe parken. Stört Fußgänger/innen weniger und die Dinger sind hübsch aufgeräumt. Die stehende Fahrräder sind an Haken mit Ringen an der Wand angekettet. Die leichteren hängen oben. Gut gelöst und hübsch.

14. April 2019

Stuttgarter Schelmenstück - Radlerumleitung durch U-Bahn-Station

Hui, Spiralrampe runter, durch die querenden Bahnreisenden schlingern, Strampel, Spiralrampe wieder rauf. 

Das Stuttgarter Kuriosum ist nur für eine Woche zu besichtigen und zu befahren. Also beeilen, angucken, staunen! Ohnehin ist die gesamte Radlerumleitung der Hammer.

Am Neckartor wird die Fahrbahn mit einem Straßenbelag versehen, der Stickstoffdioxid reduzieren soll. Autos können stadteinwärts noch fahren, stadtauswärts aber nicht, sie werden über die Neckarstraße in die Heilmannstraße umgeleitet, zweispurig. Deshalb ist rundum alles für Fußgänger/innen und Radfahrende kurzerhand dicht gemacht worden. Wir sehen uns einem Verhau von roten Gittern und einem Wald von gelben Umleitungsschildern gegenüber. Die Radspur auf der Neckarstaßre Richtung Zentrum endet beim Autohaus.

13. April 2019

Radfahren ist Dünger fürs Gehirn

Für mich ist das Radfahren wie ein Kurzurlaub. Und ich komme erfrischt und tatendurstig an meinem Ziel an. Eine Erfahrung, die viele Radfahrende machen. 

Radfahren ist gesund, wissen wir. Aber es ist auch extrem gut für's Gehirn. Schon eine Stunde pro Woche auf einem Fahrradergometer (oder Fahrrad) erhöht nachhaltig die Ausschüttung von Neurotrophinen, also Wachstumsfaktoren in Muskulatur und Gehirn. Das Eiweiß BDNF sorgt dafür, dass Nervenzellen und neue Verknüfpungen zwischen den Nervenzellen entstehen. Je mehr Gehirnzellen und je mehr neuronale Verbindungen, desto besser die geistige Leistungsfähigkeit eines Menschen. Wer drei bis fünf mal die Woche sechs bis zehn Kilometer zur Arbeit radelt (und zurück) hat bereits irre viel für sein Gehirn getan. Das belohnt ihn ode sie mit Einfällen, Gedächtnisleistungen und Selbstvertrauen.

11. April 2019

Stuttgarter Gehäcksel

Der Radfahrstreifen inVaihingen entlang der Möhringer Landstraße und auf der Vahinger Straßen von Möhringen ist sichtlich in die Jahre gekommen und hat seine Tücken.

Inzwischen sind die weißen Begrenzungstreifen abgefahren und brüchig. Und man sieht der Gestaltung an, dass seine Planung eher aus vor-ERA-Zeiten stammt. Vor sechs Jahren habe ich schon mal über ihn geschrieben. Da war er frischer und später in Möhringen auf der Vaihinger Staße noch teils im Bau. Er ist 2 Meter breit. Autos haben 3 Meter für sich. Das geht allerdings nicht lange so.

10. April 2019

Fahrradklimatest des ADFC - die Angst nimmt zu

Der ADFC hat am Dienstag die Ergebnisse der Umfragen zum Fahrradklima in deutschen Städten vorgelegt. Der Test wird alle zwei Jahre gemacht.

In Stuttgart hat sich die Einschätzund der Radfahrenden nicht verändert. Die Stadt bekommt fast überall schelchte Noten zwischen 4 und 5.

Stuttgart liegt unter den Großstädten von über 500.000 Einwohnern hinter Leipzig auf Platz 10 von 14. Besonders bemängelt werden die fehlende Kontrolle von Falschmarkern (5,2) auf Radwegen und Radstreifen. Schlecht schneidet auch ab, dass wir hier viel zu viel im Mischverkehr mit Autos (4,9) radeln müssen und unsere Radinfrastruktur schmal und eng ist. Tiefpunkt ist das schlechtes Baustellenmanagment (5) für Radfahrende. Auch die Sicherheit kommt nicht gut weg (4,5). In Stuttgart werden Radfahrende nicht wirklich akzeptiert und es fahren zu wenige Alte und Junge mit dem Fahrrad, so die Einschätzung der rund 1.300 Menschen, die den Fragebogen ausgefüllt haben.

9. April 2019

Welche Privilegien denn? - Der Vorschlag der Länder

Das sind die 15 Vorschläge der Länder, die den Radverkehr sicherer machen, aber auch erleichtern sollen. 

Auch wenn CDU und FDP zetern, dies sei eine Privilegierung von Radfahrenden und die Radrowdies stünden schon auf den Startpedalen, so enthalten die Vorschläge der Länder-Verkehrsminister zum größten Teil Maßnahmen, die eh schon gelten, nur nicht explizit. Bisher sind Radfahrende (wie Fußgänger/innen) im Straßenverkehr unteprivelegiert, sie müssen fast immer zurückstehen, lange warten, haben kaum Raum. Das Auto dominiert komplett unsere Straßen und Städte. Es ist geradezu irrsinnig privilegiert. Die Vorschläge schaffen nicht einmal annähernd Gerechtigkeit, denn über Ampelschaltungen und Durchgängigkeit und Schutz von Radwegen sagen sie nichts. Innovative Ideen, die die Mobilitätsbesonderheiten des Radfahrens berücksichtigen, fehlen völlig. Hier die 15 Punkte im Einzelnen wie sie Spiegel-online veröffentlicht hat, kommentiert von mir.


7. April 2019

Revolution auf der Straße - die E-Scooter kommen

Elektro-Tretroller werden in wenigen Wochen bei uns legal gefahren werden dürfen. Das Bundeskabinett hat eine entsprechende Verordnung beschlossen. Der Bundestag wird wohl zustimmen.

Entgegen der ersten Pläne ist kein Mofaführerschein dafür nötig. Einen Helm muss man auch nicht aufsetzen. Mit E-Scootern, die bis zu 20 km/h schnell sind, muss man auf Radwegen und Radstreifen fahren und, wo keine sind, auf der Straße (allerdings außerhalb geschlossener Ortschaften darf man nicht auf der Straße rollern). Gehwege sind verboten außer für solche, die nur bis zu 12 km/h schnell sind. Fußgänger/innen dürfen aber weder erschreckt noch behindert werden. An Ampeln gelten die Fußgängerzeichen. Ich nehme mal an, aber ausdrücklich geregelt ist das nicht, die langsamen E-Scooter haben dann auch auf Zebrastreifen Vorrang vor Autofahrern. Und man braucht eine Haftpflichtversicherung dafür und den entsprechenden Aufkleber, der irgendwo angebracht sein muss. Das wird lustig auf unseren Straßen.