31. Dezember 2018

Das lächelnde Gesicht Stuttgarts



Ein schönes neues Radlerjahr wünsche ich euch. Es wird viel passieren. Der Radentscheid ist auf dem Weg und ihr könnt einen neuen Gemeinderat wählen. 

Ich bin zum Optimismus entschlossen. Für uns Radfahrenden kann es nur besser werden. Wir werden immer mehr auf Stuttgarts Straßen. Dreihundert neue Lastenräder sind im kommenden Jahr im Kesselt unterwegs, für die Familien eine städtische Förderung erhalten haben. Das Projekt Parkhäuschen für Fahrräder in Wohngebieten hat begonnen. Der Radentscheid befeuert die Diskussion über den Radverkehr im Gemeinderat. Wir Radlerinnen und Radler  von Stuttgart  haben mit vielen witzigen und lebendigen Aktionen von uns reden gemacht. Wir sind im Gespräch. Radfahrende sind keine Sonderlinge, die Wind und Wetter und hupenden Autofahrern trotzen, sondern das sind wir alle. Wir Radfahrende - ihr alle und ich - zeigen jeden Tag, dass es geht und Spaß macht.

Wir geben dem zugestauten Kessel Bewegung, Leben und ein lächelndes Gesicht.
In diesem Sinn: Radeln wir's an, rollen wir gut durchs Jahr 2019

30. Dezember 2018

Der alltägliche kleine Wahnsinn

Autos dominieren derartig und nehmen so viel Platz in Anspruch, dass Radfahrende manchmal über Gehwege ausweichen. Hier ein ein paar kleine Beobachtungen: 

Die Augustenstraße ist so etwas wie eine undeklarierte Fahrradstraße. Sie liegt zwischen der Rotebühlstraße und der Reinsburgstraße und ist sozusagen die ruhigste Variante der drei Straßen, die von der Paulinenstraße ganz weit in den Westen hinauf führen.

Aber so ruhig ist sie auch wieder nicht, und es wird natürlich überall geparkt, auch dort, wo man nicht parken darf, etwa hier vor dem Merlin an der Gehwegnase mit den Fahrradständern, völlig ungeachtet der Baustelle auf der anderen Straßenseite, die die Fahrbahn verengt.

29. Dezember 2018

Zum Wiederlesen: Radler in deutschen Schilderwäldern

Foto: Göttsche 
In den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts kam die Diskussion auf, Fahrräder von der Fahrbahn zu verbannen. Der Grund war politisch.

Das Fahrrad war ein Massenverkehrsmittel der Arbeiter. Man wollte den damals geringen motorisierten Individualverkehr unterstützen und sagte: Fort mit allem anderen von der Straße. Die Nationalsozialisten haben das Mehrklassensystem im Straßenverkehr in Gesetze gegossen, nach dem Prinzip, der Stärkere hat Vorrecht.

28. Dezember 2018

Degerloch entwirren

Der Bezirksbeirat von Degerloch hat viele gute Ideen für eine Neuordnung des Verkehrs. Vor allem möchte man die Epplestraße als Ladenstraße aufwerten. 

Das heißt: Parkplätze weg, das Ganze in einen Shared Space umwandeln (wobei ich da jetzt schon sagen kann, dass eifrig regelwidrig geparkt werden wird nach dem Motto "nur mal schnell zum ...") und die Einbahnstraßenführung rund um dieses Zentrum überprüfen. Das berichtet ausführlich die Stuttgarter Zeitung.

26. Dezember 2018

Ist denn Weihnachten nur für Autofahrer?

Am 24. Dezember parkten mindestens vier Autos mitten auf dem Radweg Holzstraße, teils über Stunden.

Diese vier standen da so dick und fett, dass ich um 12:35 Uhr die Polizei (Innenstadtrevier) anrief. Währenddessen fuhr einer weg. Der Beamte sagte mir, zwanzig Minuten würde es aber schon dauern, bis jemand käme. Nach zehn Minuten kam ein Streifenwagen, hielt kurz, fuhr zur Ampel vor und dann weg. Der Pförtner der Breuninger-Garage erzählte mir, da seien schon drei Streifenwagen vorbeigekommen, aber dass die da parken, das interessiere die nicht.

24. Dezember 2018

Unser aller Mobilitätsegoismus

Verkehrsfragen werden am liebsten als Konkurrenz diskutiert, als Kampf um Raum und das eigene ungestörte und schnelle Vorankommen. 

Derzeit nimmt die Konkurrenz um den Gehweg zu. Denn dem Auto will man keine Fläche wegnehmen. Deshalb landen Parkscheinautomaten und Radständer auf dem Gehweg. Autos parken dort. Fahrräder stehen da, Schildermasten sowieso. Und oft schickt man auch noch die Radfahrenden auf Gehwege, weil man auf der Fahrbahn kein angemessene Radinfrastruktur planen und anlegen will. Die Zufußgehenden haben zunehmend den Eindruck, dass der Radverkehr nur auf ihre Kosten geht. Dabei wird der Radverkehr hin und her geschubst zwischen Fahrbahn und Gehweg. Niemand will ihn haben. Aber wir leben hier nun einmal alle miteinander.

22. Dezember 2018

Bürgerpolizei?

Wie ist das eigentlich, wenn ich ein Foto von einem Falschparker auf dem Radweg mache und es an die Polizei oder ans Ordnungsamt schicke? 

Es werden immer mehr, die das tun, darüber berichtet auch der SWR. Denn die Polizei kommt offensichtlich nicht hinterher bei den Unmengen Ordnungswidrigkeiten, die Autofahrende begehen, indem sie auf Gehwegen parken, sodass Fußgänger auf die Fahrbahn runter müssen, oder Radstreifen zuparken, sodass Radler in den fließenden Verkehr ausscheren müssen. 2014 startete Heinrich Strößenreuther (Berliner Radentscheid) die App Wegeheld, mit deren Hilfe man vom Handy aus Autos, die einen behindern, direkt ans Ordnungsamt der Stadt mit Foto, Kommentar und eigener Adresse melden kann. Ist das Denunziation oder Bürgerengagement? Die App macht den Ordnungsämtern auf jeden Fall mehr Arbeit. Und das Stuttgarter Orndungsamt reagiert auch auf diese Wegeheldanzeigen.

20. Dezember 2018

Erster Lastenradparkplatz in Stuttgart

In der Gutenbergstraße vor dem Plattsalat gibt es Stuttgarts ersten Straßenrandparkplatz, der Lastenrädern vorbehalten ist.

"Bitte für Lastenräder freihalten", heißt es auf dem Schild an der Einfahrt. Diese Bitte richtet sich an andere Radfahrer/innen, nicht an Autofahrende, denn ein Auto parken kann man dort nicht mehr. Die Grünen im Bezirksbeirat West hatten im Oktober - allerdings vor einem Jahr (!) - beantragt, dass zwei Pkw-Stellplätze in Stellplätze für vier Lastenräder umgewandelt werden.

18. Dezember 2018

Warum Autofahrer von Radwegen träumen

Ich frage mich oft, warum die Liebhaber des Autofahrens nicht drängender den Ausbau von Radwegen und Radstreifen fordern.

Fahren Autofahrer denn wirklich so gern mit 10 bis 25 km/h hinter einem oder zwei Fahrrädern her? Beispielsweise auf der Böheimstraße oder die Alte Weinsteige hinauf. Vorbei kommt man nicht, und die ganze Zeit steht man unter Stress, weil man unbedingt vorbei will.

Das müsste nicht sein, wenn es Radwege oder Radstreifen gäbe. Dann würden die Radler auf ihrer Fläche fahren und der Autofahrer auf seiner, beide in dem Tempo, das sie fahren wollen. Dann wäre alles ganz easy, für den Autofahrer und für den Radfahrer, wie man in der Neckarstraße (auf dem sehr kurzen Abschnitt) schön sieht.

16. Dezember 2018

Wo sollen Elektrokleinstfahrzeuge fahren?

Bestimmt nicht auf dem Gehweg. Aber auf dem Radweg und auf Radstreifen haben sie eigentlich auch nichts verloren. Sollen wir uns unsere schmalen Wege künftig mit E-Scootern, Segways, Hooverboards und E-Skateboards teilen?

E-Scooter mögen unserem Fahrverhalten noch ähneln, aber alle anderen Kleinfahrzeuge tun das nicht. Etwa solche, wo einer auf einem kleinen Board (Self Balance Scooter) steht und über Gewichtsverlagerung steuert und bremst. Solche Fahrzeuge werden zu einem zusätzlichen Hindernis, wenn sie langsamer fahren, oder zu einer Gefahr, wenn sie zu schnell sind, weil sie anders fahren, anders bremsen, anders abbiegen als wir.

Das ist der Konflikt. 

15. Dezember 2018

Kinotipp - mit dem Fahrrad durch Afrika

Mit dem Rad zum Kino, dann rein in den Film "Anderswo. Allein in Afrika." Der Film läuft derzeit noch für ein paar Tage im EM-Kino

Blogleser Anselm Pahnke, der eigentlich in Hamburg lebt, ist von Kapstadt losgeradelt und befand auf einmal auf dem langen und abenteuerlichen Weg durch Afrika, fernab der Touristenstraßen. Er hat alles erlebt, den Horror der Einsamkeit und die Schönheit der Gastfreundschaft.

Anselm schreibt mir: "Ein Film über eine Entdeckungsreise, die Suche nach dem Abenteuer und nach dem Ich. Nur mit dem Fahrrad bin ich durch den afrikanischen Kontinent gefahren. 15.000
Kilometer, 414 Tage, 15 Länder. Ich habe weder Bus noch Bahn genutzt und während der kompletten Reise darauf verzichtet, Trinkwasser zu kaufen. Denn ich wollte Afrika erleben, wie es wirklich ist. Menschen und der Natur aus unmittelbarer Nähe erleben. Gefilmt habe ich die gesamte Reise selbst. Inmitten der Herausforderungen wuchs in ihm Begeisterung für diesen riesigen Kontinent, ein 
tiefes Vertrauen in seine Mitmenschen und mich selbst, sowie die Einsicht, dass man allein nicht einsam sein muss."

Schööön.

14. Dezember 2018

Die absolut untaugliche Radinfrstruktur

Es gibt einige Stellen in Stuttgart, wo die Fahrbahnmalerei für Radler nicht befahrbar ist.  Die Abbiegespur für Radlfahrende auf der Herzogstraße gehört dazu. 

Wer hier so radelt, wie vom Ordnungsamt vorgesehen, läuft Gefahr, von einem aus der Rotebühlstraße einbiegenden Auto auf den Kühler genommen zu werden.

Ich habe schon mal darüber geschrieben, hatte aber die Situation bei weitem noch nicht erfasst. Und es gab eine Gelbe Karte an die Stadt. (Die Antwort ging nicht an mich, deshalb zitiere ich sie hier auch nicht.) Ich habe mich also mal wieder hingestellt, diesmal nur 9 Minuten, und Fotos gemacht. Und das sieht gar nicht gut aus.

13. Dezember 2018

Radentscheid übergibt 35.000 Unterschriften an den OB



Es war ein großer Pressetermin auf der Rathaustreppe.  Regio-TV und SWR waren dabei.

Auch viele Stadträt/innen und noch mehr Aktive des Radentscheids. 15.000 Unterschriften mehr als die  20.000, die für ein Volksbegehren notwendig sind,  konnten OB Fritz Kuhn übergeben werden.

Jetzt prüft die Stadt die rechtliche Zulässigkeit der elf Forderungen für eine bessere Radinfrastruktur in Stuttgart. Dann könnte es zu einem Volksentscheid kommen. Am Sonntagnachtmittag wird im Merlin gefeiert.

Wir sehen uns heute auf der Radhaustreppe

Das Paket ist gepackt. 

Heute Mittag 13 Uhr überreicht der Radentscheid Stuttgarts Oberbürgermeister Kuhn die Unterschriftenlisten, mit denen ein Volksentscheid über eine Verbesserung des Radverkehrs in Stuttgart in Gang gesetzt werden sollen. 

Der Radentscheid hat in den letzten Tagen bei den Sammelstellen die letzten gut gefüllten Unterschriftenlisten eingesammelt. In der Zeitung war zu lesen, dass es wohl mindestens 30.000 Unterschriften gibt (es müssen mindestens 20.000 sein). Risiko ist nur, dass zu viele Stimmen ungültig sein könnten, weil die Unterschreiber nicht in Stuttgart wohnen oder zu jung sind oder weil man sie Namen und Adressen nicht lesen kann.


Sind die Unterschriften beim Statistischen Landesamt abgegeben, wird dort überprüft, ob Namen und Adressen stimmen und den Kriterien entsprechen. Dann prüft die Stadt, ob der Bürgerentscheid in der Form mit den Forderungen rechtlich zulässig ist. Und dann sehen wir mal weiter.

Treffpunkt für alle, die dabei sein wollen: Heute 12:45 Uhr an der Rathaustreppe. 

12. Dezember 2018

Eigentlich wollen die meisten Rad fahren

Nach Untersuchungen des Instituts für innovative Städte, gibt es in Städten sechzig Prozent, die am Radfahren interessiert sind. Wie würden radeln, wenn es attraktiv wäre und nicht unsicher erscheinen würde. 

Wie ich auf einem Seminar der Evangelischen Kirche in Bad Boll über Mobilität erfahren habe, gibt es überall rund 2 Prozent furchtlose Radler. Sie fahren Rad, egal, wie die Infrastruktur aussieht. Sie ziehen es meist auch vor, auf der Fahrbahn zu radeln und lehnen meiner Erfahrung nach Radwege und Radstreifen ab, zumindest, wenn sie verpflichtend sind. 5 Prozent radeln gewohnheitsmäßig und gern. 33 Prozent lehnen das Radfahren für sich selbst ab. Aber es gibt einen riesigen Pool von Menschen (rund 60 Prozent), die man fürs Radfahren gewinnen könnte.

10. Dezember 2018

Radfahren ist total unvernünftig

Das Bundesumweltamt hat zusammengetragen, welche volkswirtschaftlichen, gesundheitlichen und persönlichen Vorteile das Radfahren hat. 

Eigentlich wissen wir das alles. Nur kriegen wir es irgendwie politisch und gesellschaftlich nicht in Gang.

Parallel zur politischen Trägheit entwickelt sich Radfahren zu einem Trend. Man zeigt sich gern mit einem schicken und/oder coolen Fahrrad. Man gehört gerne zu einer wachsenden Radlergemeinde, man fährt die Critical Mass mit. Die Diskrepanz zwischen der Lust aufs Fahrradfahren und einer Stadtpolitik fürs Auto ist gerade in Stuttgart besonders spürbar. Dieser Sommer hat uns zudem sehr deutlich gemacht, dass wir die Klimakrise ernst nehmen müssen, weil sie uns alle trifft. Erfahrungen zeigen leider, dass rationale Argumente fürs Radfahren schwach sind, wenn sie ans schlechte Gewissen appellieren. Stärker sind Argumente, die Gefühle hervorrufen und deshalb ein bisschen irrational sind.

8. Dezember 2018

Stresemannstraße, die Zweite

Wir haben über den Vorschlag der Verwaltung für eine Radspur auf der Stresemannstraße ausführlich und sehr sachlich diskutiert

Blogleser Michael hat auch geplant und für die Aufteilung von Gehweg, Radstreifen und Autofahrbahn diesen Vorschlag gemacht. Auch wenn man die Parkplätze nur auf einer Seite wegnehmen würde, wäre schon viel gewonnen.

6. Dezember 2018

Winterdienst auf Radwegen in Stuttgart

Diesen Winter wird der Winterdienst auf Radrouten massiv erweitert. Auf meinen Antrag hatte der Gemeinderat dafür bei den Haushaltsberatungen vor einem Jahr dafür das Geld bereitgestellt. 

Für Dezember bis März stehen nun gut 320.000 Euro mehr als bisher zur Verfügung. Der AWS beauftragt einen privaten Räumdienst damit, die ausgewählte Hauptradrouten erster Ordnung vom Eis und Schnee frei zu halten. Dabei soll getestet werden, welche Taumittel auf Radwegen die besten sind (also, Rückmeldung von euch an die Stadt per Gelber Karte ist sinnvoll). Die gewonnen Erkenntnisse sollen dann in die Satzungsänderung für Radwege einfließen. Winterdienstlich betreut werden alle fertigen Hauptradrouten und zehn weitere Radwegabschnitte:

5. Dezember 2018

Muss jede Radinfrastruktur kritisiert werden?

Vorgestern hat die Stadt im Bezirksbeirat Nord die Planung für die Stresemannstraße vorgestellt. Es gab offenbar einen Riesenkrach. Lasst uns mal darüber diskutieren, so sachlich und lösungsorientiert wie möglich.

Entlang der Stresemannstraße werden Radler derzeit auf die Gehwege verbannt. Richtung Killesberg sieht der Radweg so aus (inzwischen frisch asphaltiert). Links parken Autos, dann kommt der Trennstreifen zum Gehweg, auf dem stehen Lichtmasten. Mir hat es immer gegraust, wenn ich da lang radeln musste. Man fährt direkt in der Dooringzone, und Beifahrer/innen sind noch weniger gewohnt, zuerst rückwärts zu schauen, bevor sie eine Seitentür aufstoßen. Außerdem radelte man praktisch unsichtbar für Autofahrende.

3. Dezember 2018

Radfahrern Angst machen, das muss aufhören.

So genannte Schutzstreifen, auch Mischverkehrsstreifen genannt, werden für Radfahrende zum Stress, weil rechts Autos parken und links Autos viel zu knapp überholen. Aber auch in Nebenstraßen wird zu knapp überholt. 

Und weil wir in Stuttgart nur wenige Radwege haben (auch nicht wirklich viele Radstreifen, und wenn dann, etwa auf der Theodor-Heuss-Straße alte und viel zu schmale), müssen wir oft und viel auf Fahrbahnen radeln. Die meisten Autofahrer sind rücksichtsvoll, drängeln nicht und überholen mit genügend Abstand. Viele jedoch tun das nicht. Sie überholen, sobald sie eine Lücke für sich und ihr Auto zwischen mir, der Radlerin und dem Gegenverkehr sehen, oft mit einem Abstand von nicht mehr als einem Meter, manchmal so eng, dass ich den rechten Außenspiegel anfassen könnte.

2. Dezember 2018

Hier würde ich nie Rad fahren!

Eine Freundin von mir hatte im Sommer Besuch aus Bremen. Man hat die Fahrräder genommen, um dem Besuch Stuttgart zu zeigen. 

Der Besuch aus Bremen war einigermaßen verblüfft. Ein ratloser Blick auf der Suche nach dem Radweg: "Was da lang? Ihr müsst ja hier ständig Bordsteine rauf und runter." Umsichtig leitete meine Freundin sich durch die Fährnisse der Stadt, immerhin kennt sie sich blendend aus und weiß wie es weitergeht. Das Entsetzen der Bremerin wurde dabei immer größer.

28. November 2018

Radfahren ist wie Wahrsagen

Radfahrende müssen vorhersehen können, was in fünf Sekunden passiert. Sie nehmen vielfältige Feinabstimmungen vor, um Zusammenstöße zu vermeiden. 

Das macht kein andere Verkehrsteilnehmer in diesem Maß.

Zum Beispiel: Ich muss am Bahnhof über die Fußgänger-/Radampel. Die Lichtzeichen sind immer noch gesetzwidrig falsch und zeigen nur ein Fußgänger-Männchen. Auf der Fläche, die mit einem Radzeichen gekennzeichnet ist, sammeln sich die Fußgänger mit Koffern und Kinderwagen. Ein Radfahrer stellt sich am Rand des Fußgängerbereichs auf, eine Radlerin wartet hinter der Barriere der Fußgänger/innen. Wenn Grün wird, setzt sich alles in Bewegung. Ich schaue allen Fußgänger/innen in die Augen und versuche abzuschätzen, ob sie mich sehen, und durchlassen und zu welcher Seite sie ausweichen. Zugleich schätze ich ab, wohin die Radfahrer wollen. Alles geht chaotisch durcheinander, dann sind alle drüben. 

27. November 2018

Endspurt Radentscheid! Stuttgart

Die Initiative Radentscheid teilt mit: Die Auswertung der ersten Unterschriften hat ergeben, dass die Quote der ungültigen Stimmen leider zu hoch ist. 

Wir haben zig tausend Unterschriften, aber sehr viele Menschen, die den Radentscheid unterstützen, sind zu jung, wohnen erst seit kurzem oder im Nebenwohnsitz hier. Oder haben zu unleserlich geschrieben. Daher sammeln wir noch weiter, damit wir deutlich über die 20.000 gültigen Unterschriften kommen. Wir können es schaffen, aber dafür muss jetzt jede/r noch ein paar Unterschriften sammeln und sei es nur eine Liste.
Macht mit bei unserer Radentscheid-Challenge: 10 Tage = 1000 Stimmen."

26. November 2018

Nicht das Opfer bestrafen, bitte!

Ein Vorschlag der Dekra geht an der grausamen Wirklichkeit vorbei. Sie möchte erreichen, dass Radfahrer nicht mehr rechts von Autos zur Ampel vorfahren dürfen.  

Die Dekra meint, das rechts von stehenden Autos Vorfahren sei die Ursache für die fürchterlichen Abbiegeunfälle, bei denen Radfahrende viel zu oft sterben oder schwerst verletzt werden. Das ist aber nicht so. Das ist der falsche Ansatz.

24. November 2018

Autos auf Autos brauchen ganz viel Platz

Regelmäßig nutzen Autotransporter den Radweg Heilbronner Straße vor dem Autohaus Toyota als Parkplatz zum Entladen. Blogleser Ingo hat dafür zahlreiche Beispiele. 

Für Radfahrende und Fußgänger wird es hier regelmäßig sehr eng. Ein Fahrer aus der Tschechei, darauf angesprochen, zeigte zu seiner Entlastung den Frachtschein, den ihm den Toyota Logistic Services Frankreich ausgestellt hat. Darauf steht: "Unloading of vehicles should not be done on the B10/B27 (...) but on the connecting sidewalk/cycle track." (Lastwagen sollten auf der B10/B27 ... entladen werden, und zwar auf dem angeschlossenen Fußweg/Radweg.)

22. November 2018

Seitenabstandsmessgeräte zeigen: Viele Autofahrende überholen viel zu knapp

Die österreichische Polizei hat auf Fahrrädern Tests mit einem Seitenabstandsmesser gemacht, wie im vergangen Jahr in Zeitungsartikeln zu lesen war. Man wollte wissen, in welchem Abstand Autofahrende Fahrräder überholen. 

Ich habe bei der zuständigen Polizeibehörde in Salzburg nachgefragt, weil ich wissen wollte, was dabei herausgekommen ist, und freundliche Antworten bekommen. Daraus geht hervor, dass in den österreichischen Fahrschulen gelehrt wird, dass von Radfahrenden 1 Meter Abstand gehalten werden sollte, zu dem man für jeden Stundenkilometer einen Zentimeter dazuzählen muss. Das wären bei Tempo 50 dann 1,50 Meter (bei Tempo 70 schon 1,70 Meter). In der StVO ist das allerdings nicht so konkret festgeschrieben, weshalb die Polizei keine Strafen verhängen könne. Dennoch hat die Stadt Salzburg ein paar Mal per Fahrrad mit Hilfe des am Lenker angebrachten Messgeräts Messungen durchgeführt.

20. November 2018

Halblegal, illegal - wo sich an Ampeln aufstellen?

Wo stellen wir uns an der Ampel auf? Was dürfen wir, was nicht?

Blogleser B. berichtet, dass er hier an der Cottastraße von städtischen Vollzugsdienst getadelt wurde, weil er rechts neben den Autos vorgefahren war und sich auf der schraffierten Fläche aufgestellt hatte.

In der Tat, hier darf kein Fahrzeug stehen, und Fahrräder sind Fahrzeuge. Dort nicht zu stehen ist auch gar kein Problem, wenn kein Auto an der Ampel wartet oder wenn es keinen Autostau zur dieser Ampel hin gibt. Aber wie das zweite Foto zeigt, muss man dort stehen, wenn Autos warten.

18. November 2018

Denkfehler Fahrradkennzeichen

Fahrradkennzeichen werden immer wieder wütend gefordert und hochemotional abgelehnt. Die Zeit-online hat die Diskussion in einem Artikel wieder aufgemacht und das Für und Wider abwiegen lassen. 

Grundtenor von Pro: Wenn wir Radler endlich im Straßenverkehr anerkannt würden und unsere sicheren und bequemen Wege bekommen wie die Autofahrenden, dann würden wir auch ein Kennzeichen in Kauf nehmen. Und vielleicht würden sich so manche Radler dann endlich an die Regeln halten.

Grundtenor von Contra: Autofahrer haben Kennzeichen, werden geblitzt und angezeigt, trotzdem halten sich viele nicht an die Regeln, parken falsch, fahren bei Rot über die Ampel, töten beim Abbiegen Radfahrende. Und es gehört zur Kultur des Radfahrens, dass sich Radler/innen in den von Autos vollgefüllten Städten durchschlängeln. Nummernschilder schaffen keine "Waffengleichheit" zwischen Autofahrenden und Radfahrenden.

Was bei der Diskussion außer Acht gelassen wurde:

15. November 2018

Wo bleibt die Radinfrastruktur für die vielen Radler?

Rund 1 211 000 Radfahrende passierten bis zum 14. November die Zählstellen. Bis zum Jahresende dürfte das eine Zunahme von 20 Prozent sein. Aber die Infrastruktur hinkt hinterher. 

Das stellt die Stuttgarter Zeitung fest und kommentiert es auch. Der Radverkehr in Stuttgart liegt auf Rekordhoch. Mitverantwortlich dürfte der lange Sommer sein. Aber viele, die das Fahrrad für sich neu entdeckt haben, fahren auch jetzt noch und werden den Winter über fahren. In Stuttgart steigt der Radverkehr unaufhaltsam. Auch das Budget für den Radverkehr ist auf Rekordniveau gestiegen. Allerdings vermissen wir, wenn wir auf unsere täglichen Wege gucken, den Fortschritt beim Ausbau der Radinfrastruktur. Viele Projekte, die ich als Pläne aus den Bezirksbeiräten und dem UTA kenne, sind weder letztes Jahr noch in diesem Jahr angegangen worden. An der Umsetzung hapert es enorm in Stuttgart.

Bitte auf dem Radfahrstreifen parken

In Aalen sollen ab heute bis Sonntag Radfahrstreifen als Parkplätze freigegeben werden. Das berichtet die Schwäbische Zeitung

Mehr Geringschätzung für den Radverkehr entlang der Rombacher Straße geht kaum. Grund ist eine Messe. Aus einer Pressemitteilung der Grünen im Aalener Gemeinderat, die die Schwäbische Zeitung zitiert, geht hervor, dass die Stadt im Ostalbkreis offenbar immer wieder während der Messen diese Radfahrstreifen als Parkplätze ausweist.

14. November 2018

Stuttgarter Chaos

Gepflegtes Chaos - das ist das Ergebnis der bisherigen Maßnahmen für oder gegen den Fahrradverkehr am Marienplatz, vor allem aufseiten des alten Rewe.

Hier kommt durch eine äußerst enge Passage, die für Radler nur freigegeben ist, die Hauptradroute 1 zum Marienplatz. Radler stehen dann an dieser Fußgänger-Radlerampel mit Drücker. Sie springt schnell auf Grün, sofern nicht gerade Hauptverkehrszeit ist. Die Fußgängerfurt ist verbreitert worden, damit die Ströme aneinander vorbeikommen.

13. November 2018

Die Sache mit den Fahrradgaragen

Die ist jetzt angelaufen. Bei den Haushaltsberatungen vor einem Jahr hat der Gemeinderat ja Geld für Fahrradgaragen in Wohngebieten bereitgestellt. 

Sie sollen in dicht besiedelten Gebieten wie dem Westen von Anwohner/innen für wenig Geld angemietet werden können, die ihr Fahrrad draußen abstellen müssen, weil sie keine Garage haben oder keinen Keller oder das Pedelec nicht in den Keller tragen können.

12. November 2018

Radabstellen leicht gemacht

Da ist man in Chile in der Atacama-Wüste doch schon ein bisschen weiter als wir vielerorts in Stuttgart. 

Blogleser David hat mir aus dem Valle de la Luna dieses Foto geschickt. Der mit dem Rad anreisende Tourist kann sein Fahrrad sicher an Bügeln anschließen. Muss auch sein, denn Laternenmasten, Bäume, Geländer oder Fenstergitter gibt es hier keine.

Sehr gut.

10. November 2018

Stuttgarter Familien stürzen sich auf Lastenradförderung

Dreihundert Familien haben im Oktober den Zuschuss der Stadt beim Kauf des Lastenrads in Höhe von insgesamt 2.000 Euro beantragt. Jetzt muss der Gemeinderat nachlegen. 

Das Geld, das die Grünen im Haushalt für die Förderung für Familien beantragt haben, betrug eine Viertelmillion Euro. Das reicht nur für 165 Familien und Lastenräder. Die Stadt hat aber festgelegt, dass alle, die sich im Oktober anmelden, auch Geld bekommen. Erst ab November sollte das Windhundprinzip gelten (wer zuerst kommt, kriegt zuerst). Ich hatte schon den Verdacht, dass es im Oktober schon mehr sein würden, als wir fördern können.  Die Grünen wollen aber, dass alle die volle Summe bekommen.

8. November 2018

Radfahrer absteigen!

Das ist ein Schild, das in der Straßenverkehrsordnung nicht vorkommt.  Es ist allerdings im Verkehrszeichenkatalog unter Teil 7, Zusatzzeichen aufgeführt. Dennoch bedeutet es nichts. 

Eine Zuwiderhandlung wird nicht bestraft, es gibt nichts dazu im Bußgeldkatalog. Die Bedeutung des Zeichens bleibt damit nebulös, wie Bernd Sluka in seiner unnachahmliche Art ausführt. Es handelt sich nämlich um ein Zusatzzeichen (also so etwas wie "Rad frei" unter dem Fußgängerschild), das unter einem Gebots- oder Verbotsschild hängen muss und dort Radfahrenden etwas erlaubt, was der Anordnung des Verkehrszeichens widerspricht.

7. November 2018

Anarchie auf der Alten Weinsteige

Der Städtische Vollzugsdienst hat auf Antrag des Bezirksbeirats Süd den Autoverkehr kontrolliert, der zumeist völlig regelwidrig die Alte Weinsteige rauf und runter fährt. 

Die Alte Weinsteige ist eine wichtige Radstrecke, denn es gibt eigentlich keine andere direkte Verbindung von Stuttgart Mitte und Süd nach Degerloch hinauf. Wer selbst nur im Auto sitzt, kann sich das nicht vorstellen, aber ich sehe: Es fahren viel mit ihren Pedelecs hoch, übrigens auch immer noch viele mit Normalrädern, die die sportliche Herausforderung suchen. Noch mehr radeln da hinunter. Der Autoverkehr auf der einseitig zugeparkten schmalen Straße bringt Radler/innen hier regelmäßig in Bedrängnis.

6. November 2018

Ich fahre doch nur Fahrrad

Ich bin keine Radfahrerin, ich fahre nur Fahrrad. Das Rad ist für mich ein Verkehrsmittel, mit dem ich besser in die Stadt und durch die Stadt komme. Nicht mehr und nicht weniger.

Meine Entscheidung fürs Fahrrad fiel vor zwölf Jahren, als es Pedelecs gab, mit denen ich meinen Berg hochkomme. Schnell habe ich gemerkt, dass Radfahren mehr ist als nur eine Bewegung von A nach B. Es ist eine Lebensart, eine Freiheit und, leider für viele, hauptsächlich Nicht-Radler, auch noch ein politisches Statement. Und das macht es schwierig.

5. November 2018

Bitte Wenden!


Verkehrwendekonferenz Süd
Freitag, 16. November 2018, 12.30 - 19.00 Uhr Gewerkschaftshaus, Stuttgart

Theoretisch wissen wir, wie Verkehrswende geht - aber wie gehen wir sie praktisch an? Wie sieht die lebenswerte Stadt der Zukunft aus? Wie kommt mehr Bewegung auf die Straßen und in Veränderungsprozesse? Wie begeistern wir Menschen für andere Mobilitätsformen?

Die „Verkehrswendekonferenz Süd“ lädt alle Bürger/innen, Initiativen und Fachleute ein, die sich nicht nur in Stuttgart, sondern in ganz Baden-Württemberg und darüber hinaus für die Verkehrswende interessieren bzw. engagieren. Hier  kann man sich anmelden. Es sind dabei, unter anderen:

3. November 2018

Ein schönes Ampel-Rätsel

Blogleser Michael aus Gablenberg hat der Sammlung von kuriosen Ampeln für Radfahrende noch eine hinzugefügt. Jeden Tag, wenn er die Aspergstraße hochfährt und an die Planckstraße kommt, fragt er sich, wie er sich verhalten muss. 

Die Autos haben eine Haltelinie,  von der aus sie auf die Autoampel schauen. Der Radler sieht hinter dem Fußgängerüberweg (und damit knapp hinter der Autoampel) aber einen Aufstellplatz für Radler. Soll er nun dorthin fahren, an der roten Autoampel vorbei? Vor allem aber durch die Fußgänger hindurch, die gerade grün haben? Tut er das, sieht er rechts (weißer Pfeil auf dem Foto) auf dem Gehweg eine kleine Radlerampel. Aha. Also ist er richtig. Beide Ampeln werden gleichzeitig grün.

Michael hält jedoch vorsichtshalber an der roten Autoampel, also an der Haltelinie für Autos. Muss er das?

2. November 2018

Radrouten bremsen Radler aus

Warum kriegen wir Radfahrenden immer die winkligen Strecken mit Z-Übergängen angeboten? Das bremst uns jedes Mal total aus. 

Wer von Degerloch nach Möhringen will, hat viele Möglichkeiten. Die Wegweiser aus dem Degerlocher Zentrum schickt Radfahrende durch die Löwenstraße in die Schöfflenstraße auf die eine von zwei Brücken, die über die B27 führen. Ist man drüber, sieht man sich diesem kleinen Radlerpfeil gegenüber.

30. Oktober 2018

Gullilöcher auf Gefällestrecke - Gefahr schnell beseitigt


Von Sonnenberg kann man die Christian-Belser-Straße nach Heslach runter sausen. Ziemlich steil. 

Bisher war das ein Schlaglochparadies, jetzt wurde sie asphaltiert und enthält nur noch eine Gefahrenstelle. Denn die Gullis wurden nicht angehoben auf Fahrbahnniveau, sie bilden Löcher im Asphalt. Sie liegen, wie Blogleser C. nachgemessen hat, bis zu fünf 6 Zentimeter tiefer als der Belag. Das Gefälle beträgt hier zehn Prozent.

29. Oktober 2018

Das Paradoxon des Radverkehrs

Radwege und Radstreifen dienen dem Komfort des Autoverkehrs. Aus Gründen der Sicherheit sind sie unnötig. Sie fühlen sich nur sicherer an. Das ist das große Paradoxon der Radverkehrsförderung. 

Wir setzen auf Radwege, um mehr Leute, vor allem Kinder, Jugendliche und Alte aufs Fahrrad zu bringen. Es gilt als gefährlich, sich mit dem Rad unter Autos zu mischen.  Aber eigentlich ist es nur stressig. Denn wir bekommen direkt die Aggressionen mancher Autofahrender zu spüren, wir werden manchmal knapp überholt. Tatsächlich trauen sich Unerfahrene eben nicht auf die Fahrbahnen. Sie träumen von Radwegen und Radstreifen. Und sie brauchen sie auch. Ohne Radrouten, die sich sicher anfühlen, erreichen wir in unsere Stadt diejenigen nicht, die Angst haben vor dem Autoverkehr, aber eigentlich gern Rad fahren würden. Sicherer, als wir denken, sind wir auf Fahrbahnen unterwegs. Diese These untermauert Thomas Schlüter eindrucksvoll auf seinem Blog über Radverkehrsunfälle und Zusammenstöße. Also bitte erst lesen, dann diskutieren!

27. Oktober 2018

So kann man was machen

Man kann ja eh nix tun ... die da oben! Stimmt nicht. Man kann sehr wohl was tun.  In Stuttgart gibt es einige sogar recht wirkungsvolle Methoden. Das muss nicht mal viel Zeit kosten. Man muss es nur machen. 

Dich stört, dass der Radweg deiner Kinder zu Schule von eine Baustelle unterbrochen wird, dass das Laub auf dem Radstreifen nicht verschwindet, dass ständig Autos auf dem Gehweg vor deiner Tür parken, dass an einem Bordstein eine Schwelle für Kinderwagen oder Rollatoren fehlt ... Bürger/innen haben derzeit mehr Macht und finden mehr Gehör als jemals zuvor. Bei Fahrradthemen kannst du dich an mich wenden. Du kannst eine Gelbe Karte an die Stadt schreiben, du kannst zum Bezirksbeirat gehen, du kannst den Stadträt/innen schreiben.  Du kannst Aktionen machen und Demos planen. Wie das geht und wie es wirkt, beschreibe ich jetzt.

Das einfachste Mittel ist:
Die Gelbe Karte. 

25. Oktober 2018

Radstreifen für Hartgesottene - Viertelstundenreportage vom Wilhelmsplatz

Am Wilhelmsplatz in Stuttgart (nicht in Cannstatt) sind die Radstreifen neu gemacht und teils neu verlegt worden. 

Kommt man vom Tagblattturm wird man an  der Fußgängerampel immer noch mitten in die Fußgänger auf den uralten roten Radweg geleitet.
Da spazieren jede Menge Leute. Die Radampel ist jetzt klein und steht einem vor der Nase. Schön.
Gar nicht schön ist es aber, wenn man von der anderen Seite kommt. Das ist ein Parcour für Fortgeschrittene. Und einer Ampel, an der man gut 3 Minuten steht.

23. Oktober 2018

Wohin mit dem Fahrrad am Friedhof?

Man kann auch mit dem Fahrrad zum Friedhof fahren. Dort findet man dann allerdings oft keine Radabstellanlagen. 

Zum Beispiel am Friedhof Steinhaldenfeld gibt es zwar viel Platz am Haupttor, aber gar nichts, um ein Fahrrad anzuschließen. Es bleibt nur das Zaungitter. (Sieht super aus.) Man kann es auch mit den Schubkarrenhaltern versuchen.

Nicht alle Hinterbliebenen und Friedhofsbesucher/innen müssen unbedingt mit Autos oder öffentlichen Verkehrsmitteln kommen, es gibt auch welche, die Fahrrad fahren können und wollen. Man muss ja keine Massen an Radabstellanlagen aufstellen, aber ein paar wären nicht schlecht.

22. Oktober 2018

Ein Pflegedienst will mehr Touren mit dem Fahrrad fahren

Pflegedienste sind viel unterwegs, meist im Auto. Sechs Frauen der Häuslichen Kinderkrankenpflege e.V. Stuttgart wollen das anders machen. 

Darum haben wir uns am Samstagnachmittag an der Kirche St. Maria bei der Paulinenbrücke getroffen zum Radfahren und zum Reden. Zuerst ging es auf Pedelecs von Conny Krieger und Extra Energy zu einer kleinen Tour durch den Stuttgarter Süden: Achtung, nicht zu dicht an geparkten Autos radeln, Dooring-Gefahr! Und im Kreisverkehr nie am äußeren Rad fahren, sondern mitten auf der Spur drum herum! Und natürlich stand auf dem Radstreifen zum Kreisverkehr an der Olgastraße ein Auto. Ja, da darf man auf der Fahrbahn drum herum fahren. 

21. Oktober 2018

Und so stehen wir und stehen und stehen ...

Wer entlang der Heilbronner Straße in Fahrtrichtung rechts von Zuffenhausen zum Pragsattel radelt, stößt auf diese Baustelle. Der Radweg ist nicht mehr befahrbar. 

Also rüber über die Fußgängerampel (ohne Radzeichen auf der Streuscheibe) auf die andere Seite. Allerdings reicht die Grünphase nicht aus. Als ich mich durch die Z-Schranke gequält hatte, sprang die Ampel für die andere Fahrbahn auf Rot. Und da stand ich nun. 1 Minute .... 2 Minuten ... 3 Minuten ... 4 Minuten ...

19. Oktober 2018

Er stößt keine Abgase aus, er atmet sie nur ein

Die Stuttgarter Zeitung berichtet von einem Treffen mit Leser/innen-Beirät/innen, bei dem es auch ums Radfahren in Stuttgart geht. Ein Beirat radelt täglich von Botnang nach Fellbach und zurück.

Er lässt inzwischen das Auto stehen und bevorzugt das Pedelec, weil es damit schneller geht. Aber er beschwert sich darüber, dass die Stadt den Radfahrenden keine Strecken fernab von Autos anbietet. Seitdem erlebe er den Feinstaub neu, zitiert ihn die Zeitung, "man beißt auf Diesel". Darüber solle die Zeitung mehr berichten.

Ich kann ihn nur beglückwünschen, dass er diese weite Strecke (ca. 16 km,) mit dem Fahrrad fährt und nicht mehr mit dem Auto. Was ihm im Auto nicht aufgefallen ist: Er hat auf jeder Strecke die 1,5- bis 3-fache Menge an Luftgiften eingeatmet, während er in der Kabine saß und sich durch den Stau quälte.

18. Oktober 2018

Das Schild ist weg

Das verblasste Radweg-Schild an der Ecke Böblinger/Schikardstraße in Heslach ist weg.

Offenbar war es doch nur ein vergessenes Schild, keines, das noch eine Bedeutung hatte.

Die Verwaltung hat es nun abgenommen. Vielen Dank dafür. Jetzt muss noch ein Zusatzschild hin, das Radlern die Geradeausfahrt in die Böblinger Straße erlaubt. Und es muss da eine anständige Radführung her, die die Radler rechts an den Autos entlang nach vorn zur Ampel führt, damit sie nicht im Autostau stehen. Am besten samt Radlerampel, die das Geradeausfahren auf der Böblinger Straße den Radfahrenden erlaubt.

17. Oktober 2018

Verkehrsunfall ist das falsche Wort

"Im toten Winkel der Sprache", so titelt das Neue Deutschland einen Artikel über das Wort "Unfall", das wir verwenden, wenn jemand im Straßenverkehr von einem anderen Fahrer getötet oder verletzt wird. 

In dem Artikel heißt es: "Diese absurde Verwendung des Wortes 'Unfall' verschleiert die Todesursache: dass jedes Todesopfer im Verkehr daran stirbt, dass jemand zu schnell oder unter Alkoholeinfluss gefahren ist, während der Fahrt Mitteilungen verschickt oder auf andere Weise die Tragödie verursacht hat. Alles verschwindet im toten Winkel der Sprache, wenn das Wort 'Unfall' zur Routine wird. Diese Apathie verwundert: Flugzeuge stürzen ab, Schiffe havarieren. Nur auf unseren Straßen ist alles offenbar Gottes Wille, sind alle Gesetze der Physik aufgehoben. Die Bezeichnung 'Verkehrsunfall' signalisiert, dass nichts und niemand wirklich Schuld an einem Zusammenstoß hatte." (Neues Deutschland)

In den USA vermeiden Polizei, Behörden und Medien teilweise inzwischen das Wort "Unfall" (accident) und verwenden stattdessen Worte wie "Zusammenstoß" (crash).