Blinker am Rad klingt nützlich, aber noch sind Räder mit Blinker eine Seltenheit. Ich selber habe auch keine, habe mir aber mal angeschaut, was es so auf dem Markt gibt. Ein deutlicher Sicherheitsgewinn sind sie bei Tag wohl eher nicht, bei Dunkelheit vielleicht schon, wenn andere den rausgestreckten Arm wegen dunkler Kleidung nicht so gut sehen können. Bei Tageslicht sind sie wohl ebenfalls gut sichtbar, einfach weil sie blinken und die Augen von Autofahrenden und Radfahrenden auf blinkende orangefarbene Signale gedrillt sind.
Es gibt auch durchaus Situationen für uns Radfahrende, wo das Arm Rausstrecken schwierig wird.
Zum Beispiel bei einer Bergabfahrt, wenn man beide Hände an den Bremsen haben will und vor dem Abbiegen bremsen muss. Dann erfordert das loslassen und Arm rausstecken durchaus Kraft im anderen Arm und der Hand am Lenker, um ihn zu halten und zu bremsen. Das Arm Raustrecken mag auch älteren Radfahrenden weniger leicht fallen als jungen und sportlichen. Die meisten von uns werden das mit dem Arm Rausstrecken in kibbeligen Situationen bleibenlassen. Aber mir ist es mal passiert, dass ich bei einer Abfahrt Fußgänger:innen vor mir anzeigen musste, dass ich an dem Abzweig nach rechts abbiege, wo sie gerade auf der Fahrbahn herumstanden. Ich habe es mit einem Kopfnicken gemacht und wurde zum Glück verstanden. Abgesehen davon, dass Richtungsanzeigen Pflicht sind, ist es auch immer gut, wenn wir anderen Verkehrsteilnehmenden anzeigen, wo wir hin wollen. Dann wissen die, ob sie bremsen müssen oder weiterfahren können. Das Armrausstrecken ist leider nicht weit verbreitet. Und ob wir Radelnden einen Blinker wirklich jedes Mal benutzen würden, wenn wir die Richtung ändern wollen, bezweifle ich. Ein Drittel der Autofahrenden tut es auch nicht, obgleich der Blinkerhebel mühelos erreichbar ist.Blinker am Fahrrad: Es gibt drei Grundvarianten: vier Blinker und zwei Blinker zum Aufladen und kabelgebundene Systeme fürs Pedelec.
- Das System mit vier Blinkern. Sie werden am Lenker oder der vorderen Gabel und am Gepäckträger angebracht. Am Lenker befindet sich eine Bedieneinheit mit Tasten für den Daumen. Die fünf Elemente sind über Bluetooth verbunden, nicht über Kabel. Die Installation ist einfach. Man muss alle Teile aber in regelmäßigen Abständen abnehmen und aufladen, wofür es USB-Fünferkabel gibt. Die Schätzungen gehen von einmal pro Woche bis vielleicht einmal alle paar Wochen. Da sie während der Fahrt bereit sein müssen, verbrauchen sie auch dann Strom, wenn man nicht blinkt. Gut ist, wenn sie sich von alleine ausstellen, sobald das Rad eine Weile steht, und erst wieder anspringen, wenn man es bewegt, so wie dieses System (Video zur Installation und Funktion vorhanden). Manche haben auch noch eine laute Hupe dabei, so wie dieses.
- Zwei Blinker an den Enden der Lenkergriffe, die man jeweils direkt bedient, also mit dem linken oder rechten äußeren Handballen. Dafür muss der Lenker allerdings ziemlich gerade sein, damit man die Lichter auch von hinten sieht. Ein Rennlenker geht nicht. Die Blinker machen den Lenker um etliche Zentimeter breiter (was bei breiten Downhilllenkern nicht empfehlenswert ist). Das Risiko besteht, dass die Blinkerleuchten zu Bruch gehen, wenn man mit dem Lenker irgendwo streift oder das Rad umfällt. Aufladen muss man die auch, und das muss man bei diesem System am Lenker machen, also mit Steckdose in der Nähe des Fahrrads oder mit einer Powerbank. Diese Lenkerstecker haben eine Batterie, die man wechseln kann. Noch ein Stück weiter geht dieses System aus der Schweiz, das die Blinker mit zwei Frontscheinwerfern kombiniert. Die beiden Seitenteile sind einzeln entnehmbar und aufladbar. Das System wird neuerdings auch ohne Scheinwerfer angeboten. Teurer aber eleganter und weniger auskragend ist dieses System. Die Blinker muss man allerdings über Kabel am Mittelmotor des Pedelecs anschließen.
- Kabelgebundene Systeme. Beide Systeme mit zwei oder vier Blinkern nur für Pedelecs gibt es auch für eine Stromquelle am Rad. Das bedeutet, dass viele Kabel gezogen werden müssen. Die Installation würden die meisten wohl in einer Radwerkstatt machen lassen. Der Vorteil, man muss Blinker und Bedieneinheit nicht aufladen.
Blinkersysteme kosten so zwischen 40 und 200 Euro, es gibt sie immer mal wieder auch bei einzelnen Online-Händlern als Sonderangebote.
Aber man schaue sich vorher den eigenen Lenker genau an. Ich habe an meinem beispielsweise keinen Platz fürs Anbringen der Bedieneinheit, die ja vom Lenkergriff aus mit dem Daumen erreichbar sein muss. An der Stelle befinden sich bei mir links der Display fürs Pedelec und rechts Gangschaltung, Handbremse und Klingel (die ja auch erreichbar sein muss). Und wenn man Blinker hat, die am Lenkerende eingesteckt werden, müssen die Deckel der Griffe entfernbar sein, oder man muss neue Griffe kaufen (und die alten auch vom Lenker abkriegen). Außerdem muss man die Hand - allemal wenn man wie viele Frauen keine großen Hände hat - immer noch nach außen schieben, um mit dem Handballen oder irgendwie anders auf die Blinker zu drücken, und damit entfernen sich bei mir die Finger von der Bremse. Ordentlich bremsen und den Blinkerdrücker erreichen, dürfte für mich schwierig werden.
Blinker am Arm: Eine andere Lösung hat ein anderer Hersteller gefunden. Der bietet Manschetten für den Oberarm mit Blinkern an. Den Blinker aktiviert man, indem man den entsprechenden Ellbogen rasch nach oben stößt. Und mit so einem Flügelflattern macht man ihn nach dem Abbiegevorgang auch wieder aus. Der Vorteil: Dieser Blinker wird gut gesehen und man muss ihn nicht mit der Hand aktivieren. Die Hände bleiben fest am Lenker. Der Nachteil: Man muss vor dem Radfahren wieder mal was am Körper anbringen und danach wieder abmachen und irgendwo verstauen. Und da die Flasher sehr teuer sind muss man sie eigentlich immer mitnehmen, wenn man das Rad irgendwo zurücklässt. Das System hat übrigens integrierte weiße Lichter nach vorn und Rotlichter mit Bremslicht nach hinten, die aber die Beleuchtung am Fahrrad nicht ersetzen. Rechtlich befinden wir uns mit diesen Oberarmblinkern auch in einer Grauzone. Da Blinker laut StVO-Zulassung fest am Rad verbaut sein müssen, ersetzen eigentlich nicht das Handzeichen. Arm rausstrecken wäre immer noch nötig.
Blinker am Helm: Es gibt schon länger auch smarte Helme mit Lichtern und Blinklichtern vorn und hinten. Sie brauchen am Lenker eine Bedieneinheit, und dafür muss es am Lenker dann auch den Platz geben, der mit dem Daumen erreichbar ist. Der Helmblinker ist zudem nicht sichtbar oder schwer deutbar, wenn man den Kopf dreht. Und beim Radfahren dreht man ja durchaus den Kopf, etwa, wenn man dorthin schaut, wohin man abbiegen will, oder wenn man nach links und rechts schaut, weil man nach links in eine Straße einbiegen will. Rein rechtlich ersetzt der Blinker am Helm aber nicht das Handzeichen vor dem Richtungswechsel.
Eigentlich brauchen wir Pedelecs für den Alltag mit ab Werk eingebauten Blinkern. Und die müssen dann auch auf der Pedelec-Bedieneinheit über einfache Tasten angesteuert werden können. Das wird sicher kommen, ist aber derzeit noch eher die Ausnahme. Am ehesten sind S-Pedelecs bereits mit Blinkern ausgerüstet.

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen