31. Dezember 2019

Tschüss, altes Jahrzehnt!

Es hat mehr für uns Radfahrende gebracht, als es verhieß. Un im kommenden Jahr ändert sich sogar ein bisschen was für uns zum Vorteil. 

Parken auf Radstreifen wird härter bestraft, der 1,5-m-Sicherheitsabstand gilt, der grüne Pfeil wird legalisiert und es gibt ein neues Fahrradzonenschild.


Und hier die Neuregelungen im Einzelnen:

29. Dezember 2019

Die erste Fahrradgarage steht

Wir haben es in der Zeitung und in den sozialen Medien gesehen: Am Österreichischen Platz steht die erste große Fahrradgarage. 

Sie befindet sich, weit zurückgesetzt unter der Brücke, dort, wo die Treppen herab kommen, auf der Gerberseite. Am Hauptbahnhof sollen solche Garagen folgen. Und in Wohngebiete sollen auch welche hinkommen, wenngleich man sich nicht vorstellen kann, dass es so große, vor allem so hohe sein werden, jedenfalls nicht am Straßenrand. Mit dieser Garage soll erprobt werden, ob und wie sie von Radfahrenden angenommen und benutzt wird.

27. Dezember 2019

Wie darf ich denn hier mit dem Rad fahren?

Darf ich hier rechts abbiegen oder nicht? Den Autofahrenden ist es verboten. Aber uns Radfahrenden auch? Begeben wir uns auf Indiziensuche. 

Die Situation: Man kommt mit dem Rad die Schickardtstraße (vom Schwabtunnel her) runter und möchte rechts in die Böblinger Straße Richtung Heslach/Südheim/Kaltental abbiegen. Den Autofahrenden wird über die Fahrspuren und Ampeln angeziegt, dass sie hier nur geradeaus und links fahren dürfen.

Aber es gibt ja diese Busspur. Dort steht nun aber rechts aller Fahrbahnen ein Schild, das nur das Geradeausfahren erlaubt.

25. Dezember 2019

Man kann wieder über den Rosensteinsteg fahren

Endlich wieder offen: Der Rosensteinsteg zwischen Leuze und Rosensteinpark. 

Er ist als gemeinsamer Geh- und Radweg ausgewiesen. Inzwischen stehen auch die richtigen Schilder dort. Der Steg schafft am Schwanenplatztunnel auf Cannstatter Seite einen Übergang von der Berger Seite zur Wilhelma-Seite über die Stadtautobahn und die Stadtbahngleise hinweg. Finde ich super.

23. Dezember 2019

Feiert schön und radelt weiter!

Ich wünsche euch schöne Festtage und einen guten Jahresbeginn. 

Das kommende Jahr wird für uns Radfahrende in Stuttgart spannend.

Immer mehr fahren Fahrrad in Stuttgart. An der König-Karls-Brücke haben wir die Million geknackt.

Und zum ersten Mal haben wir richtig viel Geld und Men-Power in den Ämtern für den Radverkehr bei den Haushaltsberatungen beschlossen Ihr, die Radlerinnen und Radler von Stuttgart, habt euch außerdem eine sachkundige Beteiligung im Mobilitätsausschuss erkämpft. Zum ersten Mal reden Radfahrende in politischen Gremien in Stuttgart mit. Dennoch werden wir auch Geduld brauchen. Es werden nicht gleich im Februar die Radwege und Radfahrestreifen aufploppen, aber die Planung ist in vollem Gang. Ich bin selber echt gespannt, wie wir vorankommen.

Allzeit gute Fahrt euch allen!

21. Dezember 2019

Des Radlers 7. Sinn - Radinfrastruktur-Schnipsel

Radrouten sind Bastelarbeit. Da was hingepeppt, dort was abgeschnitten, hier was zurechtgebogen. 

Parkplätze, Grünflächen, Bäume, Fahrbahnen sind den Radfahrenden im Weg, Radstreifen enden abrupt, werden in blitzkurze Radstreifchen umgeleitet auf einen Gehweg oder auf eine Fahrbahn. Radfahren ist Pfadfindertum. An jeder Ecke muss man sich orientieren, um herauszufinden, wie es für Menschen auf dem Fahrrad weitergeht. 

Da ist oftmals viel siebter Sinn gefragt. Man muss nämlich auf ganz wenigen Metern erkennen, wie sich die Stadt mein Fortkommen gedacht hat, und entscheiden, wie ich den Weg fahre.

19. Dezember 2019

Eine kleine Kommune denkt groß fürs Fahrrad

Kirchheim bei München gibt 26 Euro pro Einwohner/in für den Radverkehr aus. 

Seit 2015 entstanden in der 13-000-Seelen-Stadt ein Radverkehrskonzept, Radrouten, eine Fahrradmagistrale durch den Ortspark und drei Brücken über die Staatsstaße für Fußgänger/innen und Radfahrende. Am Rathaus hängt ein Pannen-Automat, wo man sich bei einer Panne einen passenden Schlauch für acht Euro ziehen können. Die Kommune denkt, so der ADFC, bei der Verkehrsplatung zuerst an das Rad nicht an das Auto. Der Radvekehrsanteil liegt jetzt bei einem Drittel. Alle Achtung!

18. Dezember 2019

Die Million an der König-Karls-Brücke ist geknackt

1 002 093 Radfahrende haben bis gestern Mitternacht die Zählstelle passiert. 

X-tof ist gestern früh aufgestanden, um die Million zu dokumentieren und berichtet darüber.

Das war deshalb möglich, weil die Zahl der Radler am Vorabend bei 999 330 stand. Damit war klar, es mussten gestern noch 670 Radler*innen vorbei kommen. Das sollte locker zu schaffen sein. Also fuhr X-tof hin und zählte. Und fotografierte auch.

17. Dezember 2019

Auf dem Schulweg ist Radfahren sicherer als das Elterntaxi

Alle Jahre wieder: Die Unfälle von Radfahrenden nehmen zu. Ja, stimmt. Es fahren ja auch viel mehr Leute Fahrrad, und die Radinfrastruktur passt dazu nicht mehr. Sie ist zu eng und winkelig.

Die Zahlen täuschen allerdings etwas. So sind beispielsweise Schulwege sicherer geworden für Rad fahrende Schüler/innen. Der Handreichung für Radverkehrsbeauftragte zufolge verunglückten 1990 in Deutschland fast 17.000 Rad fahrende Kinder, 107 von ihnen tödlich. 2015 waren es noch gut 9.000 und 17 von ihnen tödlich. Gerade für Kinder ist das im Auto zur Schule gebracht Werden gefährlicher als Rad fahren oder zu Fuß gehen.

15. Dezember 2019

Das Fahrrad erobert das Autoland

Das Fahrrad nimmt in Deutschland an Beliebtheit zu, vor allem unter jüngeren Leuten. 

Das zeigt der Fahrradmonitor 2019. Demnach fahren 44 Prozent der Menschen regelmäßig Fahrrad. 2017 sagten das 41 Prozent und 2015 noch 38 Prozent. Bei 70 Prozent ist das Fahrrad in der Freizeit beliebt, und hier gab es einen Sprung um sieben Prozentpunkte. In der von Sinus durchgeführten repräsentativen Befragung gaben 65 Prozent der Leute an, dass sie gerne als Fahrrad nutzen (das waren zehn Prozentpunkte mehr als 2010).  Das Auto hat gleichzeitig an Beliebtheit um ähnliche Werte abgenommen. Immerhin 41 Prozent der Befragten würden das Fahrrad in Zunkunft gerne häufiger nutzen, unter den Jüngeren sind es sogar 63 Prozent.

13. Dezember 2019

Sie wissen nicht, was sie tun

Vielen Autofahrenden ist nicht ganz klar, wie breit und gefährlich ihre Autos sind. Ganz viele Autofahrende überholen Radler/innen zu knapp, wie diese Untersuchung auch wieder zeigt. 

Bei Autoffahrenden beobachte ich einen Grundirrtum. Viele glauben, dass sie verpflichtet sind, an einem langsameren Fahrzeug vorbeizufahren, koste es, was es wolle. Sie glauben das auch deshalb, weil sie sich durch gedachte oder tatsächliche nachfolgende Autos unter Druck gesetzt fühlen. Sie wollen nicht, dass jemand hinter ihnen flucht: "Nun fahr doch!"

Ich radle oft die Lehenstraße hoch. Und immer stellt sich die Frage, wird der hinter mir sich an mir vorbeiquetschen oder bleibt er dahinter, zumal die meisten sowieso gleich wieder in eine Seitenstraße abbiegen. Da gab es kürzlich mal ein aufschlussreiches Gespräch mit einem Überholer.

11. Dezember 2019

Die Kunstgalerie für Radfahrende

Würde ich nicht Rad fahren, würde ich diesen Ort nicht kennen: unterirdisch, abgeschieden, düster, aber immer beleuchtet und wildbunt. 

Alle Radfahrende kennen ihn, die auch nur einmal von Stuttgart über die König-Karls-Brücke oder von Ungtertürkheim zum Neckardamm Richtung Max-Eyth-See geradelt sind, oder in Gegenrichtung. Viele Wochenendausflügler, Hunderte Radpendler/innen. Autofahrende sehen ihn nie. Fußgänger/innen nur manchmal.

9. Dezember 2019

Schnee- und eisfreie Radrouten in Stuttgart

Am Morgen der Blick aus dem Fenster: Oh, es hat geschneit. Schön! Aber ist meine Radstrecke auch geräumt?
 
Das Tiefbauramt Stuttgart wird auch diesen Winter wieder viele Radwege und Radrouten räumen lassen. Dabei wird Sole und Granulat zum Einsatz kommen. So ist es beschlossen. Das Geld dafür kommt noch aus dem Haushaltsbeschluss von vor zwei Jahren. Mit dem neuen Zielbeschluss für ein fahrradfreundliches Stuttgart, der derzeit im Haushalt verhandelt wird, müssen ab kommenden Winter dann alle Radwege, Radstreifen etc. geräumt werden.

Dies gilt jetzt schon für diesen Winter: Falls ihr beim ersten, zweiten oder dritten Schnee auf Radwege oder viel beradelte Strecken stoßt, die nicht geräumt worden sind, bitte mir schreiben und sagen, wo das ist. Ein Foto wäre auch nicht schlecht. Entweder der Räumdienst hat hier versagt oder die Stellen sollen dann sofort in den Katalog aufgenommen werden. Das hat mir der Tiefbaubürgermeister zugesagt.

Übrigens: Forscher der Technischen Universität Dresden suchen noch nach einem Streumittel für Radwege im Winter, das weder das Fahrrad, noch die Umwelt schädigt. 

7. Dezember 2019

Linksabbiegerin verletzt Radlerin schwer

Am Dienstagabend wurde Jana Heimel beim Geradeaus-Radeln von einer Linksabbiegerin im Auto erfasst und schwer verletzt. 

Jana Heimel ist die Gründerin von Stuttgart by Bike und leitet derzeit als Professorin in Heilbronn das Froschungaprojekt PendlerRatD, in dem untersucht wird, welche Anreize es braucht, damit mehr Menschen per Fahrrad pendeln. Für Radfahrende mehr Verständnis wecken, das sieht sie als ihre Aufgabe.

Jana war am Montag kurz nach 23 Uhr auf dem Heimweg zu ihrer Stuttgarter Wohnung und fuhr von der Ostendstaße her kommend die Klingenstraße entlang. An der Kreuzung mit der Talstaße wollte sie geradeaus weiter fahren. Das geschieht in dieser Richtung von einem Schutzstreifen mit vorgezogenen Aufstellplatz aus.

5. Dezember 2019

Straßenrandparkplätze weg - Umsatz steigt

Erst sind alle dagegen, dann sind alle dafür. Aufofreie Stadtviertel oder Straßen bringen dem Handel Gewinn. 

In Stuttgart haben wir jetzt mit der Eberhardstraße die erste autofreie Innenstadtstraße. Mal sehen, wie es läuft. Die Dorotheenstraße, an der die Markthalle liegt, wird die nächste sein. Auch hier sind die Händler/innen bislang dagegen.

3. Dezember 2019

Falsche Vorstellungen übers Radfahren

Der ADFC hat mal so alle Mythen zusammengestellt, die Menschen am Radfahren hindern. 

Beispielsweise, es sei gefährlich, man solle reflektierende Kleidung tragen oder wegen der Radler entstünden Autosstaus. Aber auch unter Radfahrenden selber kursieren Mythen. Ich greife von den rund 30 Punkten ein paar heraus.

1. Dezember 2019

Jeder hat das Recht, nach Hause zu kommen

Das heißt: Der Straßenverkehr muss so sicher sein, dass jeder und jede gesund nach Hause kommt.

Er stammt aus niederländischen Leitlinien einer nachhaltigen Sicherheit. Sie wurden 1992 aufgestellt und entsprechen dem, was wir heute als "Vision Zero" bezeichnen, das Ziel jeglicher Straßenverkehrsgestaltung, dass es keine Unfälle mit Verletzten oder gar Toten gibt. Was das bedeutet, kann man erfühlen, wenn man von woanders in die Niederlande zieht, meint zumindest Melissa Bruntlett. Sie lebte mit ihren Kindern in Kandada und dachte, dort könne sie gut Rad fahren. Aber als sie in die Niederlande zog, hatte sie ein Aha-Erlebnis: So geht Radfarhen wirklich.

Dort müssen Straßen so gestaltet sein, dass es nahezu ausgeschlossen ist, dass es zu einem Unfall mit Toten oder Verletzten kommt. Und zwar von vorn herein, nicht erst, nachdem es Tote oder Verletzte gegeben hat. Dem liegen fünf Prinzipien zugrunde: