30. Dezember 2023

90 Prozent der Leute wollen keine Parkplätze vor der Haustür

Oberbillwerder ist ein Stadtteil von Hamburg-Bergedorf, der noch nicht existiert. Er ist aber bereits geplant. Das ist so ähnlich wie unser Rosensteinquartier, das dort entstehen soll, wo heute noch die Eisenbahngleise liegen. Auch in Stuttgart wird es autoarm geplant. 

Oberbillwerder in Hamburg wurde von einer Bürgerbeteiligung begleitet und ist vielen Hamburger:innen auch bekannt. Forsa hat kürzlich eine ausführliche und repräsentative Umfrage unter 1.003 Hamburger:innen gemacht. Das für uns interessanteste Ergebnis: Eine überwältigende Mehrheit wünscht sich lieber viel Grün vor der Haustür, kaum jemand will Parkplätze am Haus. 

28. Dezember 2023

Von Saula zur Paula - Wie sie die Radfahrenden lieben lernte

Diese Geschichte handelt von der Frage, warum Yvette Caster aufgehört hat, sich über Radfahrende zu beschweren, mit Bussen und Bahnen fährt und sich wünscht, es gebe mehr Radfahrende. 

Sie ist im Guardian erschienen und kann hier auf Englisch nachgelesen werden. Caster erzählt, dass sie 2015 einen im Rückblick blöden Artikel für die online-Ausgabe eines Publikationsorgans schrieb. Sein Titel lautete übersetzt: "Radfahrer sind eine Bedrohung und sollten aus dem Straßenverkehr verbannt werden." (hier auf Englisch). 

Er fing (übersetzt) so an: "Er, und ja, es ist fast immer ein Er, ein glatzköpfiger MAMI (Middle-aged Man In Lycra), der vor sich hin schwitzt, den Verkehr aufhält, Unfälle verursacht und generell eine totale Belastung auf der modernen Straße darstellt. Wo soll man anfangen mit dem Aufzählen, was alles falsch ist an Fahrrädern und am Radfahren und der Tatsache, dass Radfahren auf einer ruhigen Spur entlang einer überfüllten Londoner Straße erlaubt sind? Es gibt so viele Dinge, dass auch ein Mensch mit halbem Hirn einsehen muss, dass sie absurd sind." Sie führte damals aus, dass abgesehen von der Gefahr, die von ihnen für Fußgänger:innen und Autos ausgehen, Radfahrende einfach albern aussehen. Das Fahrrad sei ein Transportmittel für Clowns, Possenreißer und Boris Johnson.

26. Dezember 2023

Die Parkplatzverschwörung

Sie besteht in Hannover im Bezirk Südstadt-Bult aus SPD, CDU und FDP und hat kurz vor Weihnachten beschlossen, die älteste Fahrradstraße abzuschaffen, damit Autobesitzer:innen ihre Parkplätze behalten. 

Das berichtet die HAZ hinter der Bezahlschranke. Die Stadt Hannover hatte nach einem Gerichtsurteil alle  Fahrradstaßen überprüft, um sie zu verbessern. Die Ergebnisse mit den vorgeschlagenen Maßnahmen wurden nur im Stadtbezirk Südstadt-Bult abgelehnt. Dort stellte man den Erhalt von Autoabstellplätzen über die Sicherheit der Radfahrenden mit der Konsequenz, dass mehrere Fahrradstraßen aufgegeben werden müssen. Ihr derzeitiger Zustand und Standard ist so schlecht, dass dies für Radfahrende keinen Unterschied macht. Im Grunde geht es darum, sie zu echten Fahrradstraßen zu machen. Übrigens hat auch in Stuttgart eine Koalition aus SPD, CDU und FDP (und AfD) eine neue Fahrradstraße in Stuttgart Ost abgelehnt, nur um Parkplätze für Autobesitzende zu erhalten. Die Geschichte aus Hannover geht so:

24. Dezember 2023

Auch die Weihnachtsfrau fährt Fahrrad

Ich wünsche euch geruhsame Feiertage mit netten Leuten, gutem Essen und schönen Ausflügen in die Natur mit dem Fahrrad oder zu Fuß. 

Und heute wünsche ich euch auch schon ein gutes neues Jahr, euch persönlich den Erfolg, den ihr euch wünscht, in jedem Fall aber Glück. 

Christine 



Das Ende des Rad-Airbags aus Schweden

Hövding, der Hersteller des Airbag-Helms für Radfahrende, ist insolvent. Der Grund ist das Verkaufsverbot einer schwedischen Behörde. Das Gerichtsurteil, das es aufhob, kam zu spät. 

Das berichtet der Spiegel. Der Insolvenzantrag wurde am Donnerstag, dem 21. Dezember eingereicht. Die schwedische Verbraucherschutzbehörde hatte Anfang November den Verkauf der Hövding-Airbags gestoppt und die Firma zum Rückruf verpflichtet. Nach Angaben der Firma schützt der Airbag achtmal besser vor Gehirnerschütterungen als normale Helme. Er löst in Sekundenbruchtteilen aus, wenn man mit dem Rad kippt, und schützt dann auch den Hals. Allerdings schützt der Airbag, den man als Halskrause trägt, nicht, wenn man beim Radeln mit dem Kopf gegen einen Ast oder ein Schild stößt. Davor warnte auch Höfding. Er schützt auch nicht, wenn man beispielsweise direkt von einem Bus angefahren wird, und das bemängelte die Verbraucherschutzbehörde. Ein weiterer Grund war, dass es beim neuesten Modell 3 offenbar Softwareprobleme gab, die aber seit Herbst 2022 laut Unternehmen behoben sein sollen. Das schwedische Fernsehen hatte jedoch im Frühjahr 2023 berichtet, Hövding habe weiterhin wissentlich Produkte mit Sicherheitsproblemen verkauft. Daraufhin hatte sich die schwedische Verbraucherschutzbehörde eingeschaltet.

22. Dezember 2023

Erfreuliche Baustelle an der Augsburger Straße

Selten freut man sich über eine Baustelle, aber eine, die es in der Augsburger Straße in Untertürkheim gab, erfreute Blogleserin Petra. Inzwischen ist sie leider wieder abgebaut. 

Auf ihrem "deprimierend schlechten Weg zur Arbeit (Oberesslingen-Untertürkheim)" gab "es bausstellenbedingt temporär einen sehr guten geschützten Radweg" Richtung Cannstatt, schreibt Petra vom VCD Esslingen. Denn an der Nordseite der Augsburger Straße zwischen Am Weinberg und dem Kreisverkehr Hafenstraße wurde der gemeinsame Geh- und Radweg saniert. Für Radfahrende wurden deshalb die Parkplätze in einen durch Schwellen und Baken geschützten Radstreifen umgewandelt. Da radelte es sich angenehm, ohne dass man Fußgänger:innen stören musste. So hätte das ruhig bleiben können. 

20. Dezember 2023

Über den Hegelplatz zum Herdweg - neue Verkehrsführung

Die Radstreifen auf der Holzgartenstaße endeten bislang an der Ampel am Hegelplatz. Jetzt wird der Radverkehr in den Herdweg weitergeführt. 

Und zwar zunächst als Radfahrstreifen zwischen dem Busstreifen rechts und dem Autostreifen links. Vorher konnten Autofahrende hier auf zwei Spuren geradeaus fahren, jetzt ist eine Spur dem Radverkehr gewidmet. Nach wenigen Metern endet die linke Fahrspur, damit endet auch der Radstreifen. Die Autofahrenden müssen sich nach rechts auf die jetzt einzige Richtungsfahrspur fädeln. Auf der machen sogenannte Scharrows deutlich, dass Rad gefahren wird. 

18. Dezember 2023

Wenn das Pflaster blöder ist als die Gravelspur

Ich radle die Platanenallee im Schlossgarten ja deshalb nicht, weil ich den Weg zu uneben finde. Genauer, weil man in Abschnitten über  Schmuckpflaster rattern muss. 

Das finden offenbar auch noch viele andere Radfahrende unangenehm. Deshalb hat sich an einer Stelle nebendran eine Umfahrungsspur über die Grünfläche gebildet, die ich im Sommer mal fotografiert habe. 

Eigentlich ist die Strecke ja ganz schön und wäre eine ideale Radstrecke, gäbe es nicht diese Hindernisse. Und würde sie bei Dunkelheit beleuchtet. Denn die Menschen, die hier zu Fuß unterwegs sind, vornehmlich in schwarzer Kleidung, sehe ich mit meiner Radbeleuchtung, die ordnungsgemäß eingestellt ist, halt leider nur extrem schlecht, also erst im letzten Moment. Außerdem hat sie am Ende ja die 90-Grad-Kurve auf Schmuckpflaster, in deren Rillen Rennradler:innen mit dünnen Reifen auch schon mal hängenbleiben und stürzen. 

Für mich ist diese Strecke immer ein Beispiel dafür, wie man es nicht machen darf, wenn man möchte, dass Radfahrende eine bestimmte Strecke lieber nutzen als die andere, die in diesem Fall durch viele Spaziergänger:innen führt: enge Kurven, schlechtes Pflaster, keine Beleuchtung. 

16. Dezember 2023

Wie kommt man mit dem Rad über den Charlottenplatz

Auf der Fahrbahn dürfen Radfahrende nicht links abbiegen, mit einer Ausnahme. Sie dürfen den Charlottenplatz nur geradeaus überqueren, ebenfalls mit einer Ausnahme. Wer sich nicht auskennt, flucht.  

Ich kenne mich inzwischen als Radlerin in Stuttgart so gut aus, dass sich mir Frage, wie ich fahren muss, wenn ich nach links will, gar nicht mehr stellt. Aber wer neu hier radelt, braucht lange und viele Versuche, bis er oder sie einen halbwegs akzeptablen Weg fürs Fahrrad gefunden hat. Das ist ein Grundproblem von Stuttgarts Radrouten. Man muss sich sehr gut auskennen. Und immer wieder steht man an einer Stelle, wo es nicht weitergeht. Der Charlottenplatz war eine der ersten großen Kreuzungen, über die ich zu Beginn des Blogs 2013 einen langen Artikel geschrieben habe. Verbessert hat sich ein bisschen was, wegen der Baustelle ist manches schlechter. 

Besonders übel: 

14. Dezember 2023

Klingenstraße wird fahrradfreundlicher

In der Klingenstraße wird es zwar keine Fahrradstraße geben, aber dafür wird sie in beide Richtungen mit Fahrrädern durchgängig befahrbar sein.

Die Klingenstraße verbindet in Stuttgart-Ost die Gablenberger Hauptstraße mit der Ostendstraße. Dabei überquert sie die Wagenburg- und Talstraße. Sie ist eine Wohnstraße, deshalb eigentlich gut fürs Radfahren geeignet, wäre sie nicht so zugeparkt und wären auch die Ecken nicht so von Autos zugestellt. Außerdem ist sie bergauf, ungefähr ab der Hälfte, eine Einbahnstraße in Gegenrichtng, die nicht für Radfahrende freigegeben ist. Den Antrag diverser Gemeinderatsfraktionen, sie in eine Fahrradstraße umzuwandeln, gibt es schon lange.

 

Inzwischen hat auch der Bezirksbeirat Ost über die Vorschläge der Stadt und die Anträge beraten. Eine Fahrradstraße lehnt er ab, weil dafür zu viele Parkplätze wegfallen würden. Deshalb lehnte auch die SPD im zuständigen Ausschuss des Gemeinderats (STA) den Antrag für eine Fahrradstraße ab, weshalb Grüne, Linke und Puls keine Mehrheit für eine Fahrradstraße bekamen. 

12. Dezember 2023

Stuttgarter Ecken warten sehnlichst auf Poller

In der Liststraße in Stuttgart Süd sind an zwei Kreuzungen die sogenannten Stuttgarter Ecken entstanden. Sie wurden schraffiert und im Anschluss mit kleinen Flächen für Lastenräder oder E-Scooter markiert. 

Mit dieser Maßnahme sollen die Ecken von Falschparkern freigehalten werden, damit Schulkinder, aber auch ältere Menschen und solche mit Kinderwagen leichter über die Straße gehen können, auch deshalb, weil sie besser sehen, was kommt. Auch uns Radfahrenden nützt das, denn wir sehen beim Heranrollen besser in die Seitenstraßen hinein. Grundsätzlich darf auf Ecken ohnehin nicht geparkt werden. Vom Schnittpunkt er Verlängerungslinien der beiden Straßen, die sich kreuzen, müssen 5 Meter Abstand gehalten werden. Die Sperrflächen verdeutlichen dies. Sperrflächen dürfen nicht überfahren werden, und zwar auch nicht beim Wenden oder so, also unter keinen Umständen. 

Auch Radparken auf Sperrflächen ist verboten. Wir sehen auf dem Foto oben (mehr schlecht als recht)  auch ein Lastenfahrrad auf der Sperrfläche parken, links neben dem Motorrad, das da ebenfalls steht. Auch das ist nicht erlaubt! Aber wieso hat man hier keine Fahrradparkplätze (mit oder ohne Bügel) eingerichtet?

10. Dezember 2023

Schön oder praktisch - Geschenke für Radfahrende

Weihnachten naht. Was schenken wir uns selbst und anderen, die Rad fahren? 

Die meisten, die regelmäßig radeln, haben, was sie brauchen. Radbücher, Tassen mit Radfaufdruck und ähnliches sind nicht unbedingt die beste Idee. Will man ernsthaft etwas schenken, sollte man vorher fragen. Regenkleidung suchen Radelnde sich besser selbst aus, aber ein Gutschein dafür ist eine Option. Handschuhe gehen immer, vorausgesetzt, man kennt die Handgröße der Person. Dieses Jahr sind mir ein paar Dinge aufgefallen, die ich interessant finde, darunter (siehe unten) ein Call-me-Aufkleber fürs Fahrrad, der es erlaubt, sich mit dir in Verbindung zu setzen, ohne dass du deinen Namen und deine Telefonnummer aufs Rad kleben musst. 

Und noch eine Vorausbemerkung: Ich erhalte von niemandem Geld dafür, dass ich Produkte vorstelle. Ich mache keine Werbung. Ich schreibe nur über das, was mich interessiert.  

8. Dezember 2023

Radfahrende verhindern Autostau

Sogar ein Mainstream-Blatt wie der Focus hat es jetzt erkannt und teilt es seiner Leserschaft mit: Je mehr Menschen Rad fahren, desto besser ist das auch für die Autofahrenden. 

Der Focus bezieht es zwar auf E-Räder, die es auch weniger Sportlichen erlauben, mit dem Rad überall hin zu fahren, aber es gilt natürlich grundsätzlich. Auch wenn manche Autofahrende den Umstieg aufs Pedelec als Kampfansage empfinden, so der Focus, bringt es für sie eigentlich nur Vorteile. 

Uns sind die Argumente natürlich bekannt:

6. Dezember 2023

Die abendliche Blockade der Hauptradroute 1

Jeden Abend zwischen 17 und 19 Uhr das Gleiche. Gaaanz viele Radfahrende auf der Hauptradroute 1 wollen an der Matthäuskirche die Schreiberstraße überqueren. Autos blockieren den Überweg. 

Die Stadt hat die Ampelphasen für den Rad- und Fußverkehr vor einiger Zeit verändert. Ich habe mal gemessen, dass die Rotphase 1:40 Minuten dauert, dann aber 40 Sekunden lang Grün ist. Die Grünphase ist damit deutlich verlängert worden. 

Doch zur Hauptverkehszeit stauen sich die Autos. Und viele Autofahrende denken gar nicht daran, die Fläche des Fußgänger- und Radüberwegs freizuhalten, wenn sie dahinter die Autos bereits stehen sehen. Sie fahren drauf und bleiben darauf stehen. Die Radfahrenden und Fußgänger:innen bekommen Grün und müssen sich zwischen den querstehenden Autos durchschlängeln. Währenddessen starten die Autofahrenden übrigens auch und fahren weiter. Wie man auf dem zweiten Foto sieht. 

4. Dezember 2023

Schützenplatz jetzt schön

Aus dem Massenparkplatz in der Kernerstraße in Stuttgart Mitte ist ein schöner Platz geworden. Lange hat es gedauert, aber es zeigt: Bürgerschaftliches Engagement lohnt sich. 

Bis zum April 2023 war der Schützenplatz, wo sich Kernstraße, Schützenstraße und die Sängerstaffel treffen, gar kein Platz, sondern - wie fast jeder Platz in Stuttgart - eine Asphaltfläche, die komplett von Autos belegt war. Seit April 2023 ist er ein Platz für Menschen. Fast alle Parkplätze sind weg, die Autofahrenden haben nur noch eine schmale Straße zur Verfügung, um den Platz zu überqueren, es stehen Bänke dort und reichlich Radabstellanlagen, die auch genutzt werden. Außerdem gibt es einen öffentlichen Trinkbrunnen. 

2. Dezember 2023

Winterdienst auf Radwegen in Stuttgart

Seit 2018 haben wir in Stuttgart einen Winterdienst auf Radwegen, der langsam aber stetig ausgeweitet wird. Der Winterdienst auf Straßen für Autos kostet die Stadt 4,1 Millionen Euro, der auf Geh- und Radwegen kostet 1,7 Millionen Euro.

Die Süddeutsche Zeitung berichtete Ende November darüber, dass in München das Winterradeln sicherer werden wolle. Die Revolution habe begonnen, heißt es da. Es soll Strecken mit einem "optimierten Winterdienst" geben, die es offenbar bisher nicht gab. Auf den sieben Fahrradstraßen soll nicht mehr Split, sondern Salz gestreut werden. Und auf den Fahrradstraßenschildern soll dies durch eine grüne Schneeflocke gekennzeichnet werden. Ob die Fahrradstraßen auch vorrangig geräumt werden, lässt der Zeitungsartikel offen. In Stuttgart werden bereits die meisten Fahrradwege und Fahrradstraßen geräumt, allerdings nicht vorrangig. In Schweden hat man übrigens vor einigen Jahren angefangen, zuerst die Gehwege zur räumen, weil mehr Menschen (viele Frauen) zu Fuß gehen als Auto fahren und dann seltener stürzten und sich verletzten. Aber soweit sind wir noch lange nicht. 

Und so funktioniert das in Stuttgart im Einzelnen: