27. Februar 2022

Der selbstleuchtende Radweg

Es ist finster, Straßenbeleuchtung gibt es nicht, ich sehe mit der Radbeleuchtung gerade mal zehn Meter weit und ahne nicht, wei es weitergeht. Nicht so in Duisburg und im Wallis, da leuchten die Markierungen des Radwegs.  

Duisburg scheint die einzige Stadt in Deutschland zu sein, die Radfahrenden selbstleuchtende Radwegmarkierungen für die Dunkelheit anbietet. Der Radweg befindet sich im Landschaftspark Nord auf dem Grünen Pfad auf 2,6 Kilometern Länge, der offenbar durch finsteres ländliches Gelände führt. Diese Firma macht so was, von ihrer Seite stammt auch das Foto. In Polen leuchtet sogar ein ganzer Radweg. Auch woanders gibt es da schöne Ideen. 

Im Schweizer Kanton  Wallis wird nun ein selbstleuchtender Radstreifen auf einer Strecke von einem Kilometer länge getestet.

25. Februar 2022

Gute Baustellenumleitung

Kanalarbeiten an der Nätherstraße machen sie als Radlerstrecke seit Mitte vergangenen Jahres unpassierbar. Aber für Radfahrende wurde eine gute Umleitung eingerichtet. 

Und weil wir gerne nur das Negative besprechen, will ich hier auch mal loben. 

Wer von der Landhausstraße her kommt und gewohnt war, nach der Stadtbahnhaltestelle nach rechts in die feldwegartige Nätherstarße abzubiegen, kann das seit einem halben Jahr nicht mehr tun. Aber es geht nahtlos weiter, auf einem Radfahrstreifen, der physisch von der Fahrbahn der Wangener Straße abgetrennt wurde. 

23. Februar 2022

Schrittgeschwindigkeit fürs Fahrrad ist Unfug

Da kann man auch gleich zu Fuß gehen. Eine Radinfrastruktur, die hauptsächlich auf freigegebene Gehwege setzt, ist im Grunde fahrradfeindlich. 

Kein Radfahrer fährt im Fußgängertempo, denn würde er/sie das tun, bräuchte er/sie die dreifache Zeit. Deshalb hält sich kein einziger Radfahrer, keine Radfahrerin an diese Regel, dass auf fürs Fahrrad freigegebenen Gehwegen nur Schrittgeschwindigkeit gefahren werden darf. Übrigens auch die Radstaffel der Polizei fährt zu schnell, wie ich kürzlich beobachten konnte (Bild). Diese Regel ist schlichtweg nicht einzuhalten. Und weil das so ist, schickt die Stadt alle Radler:innen auf solchen Strecken in die Illegalität. Klar müssen Fußgänger:innen geschützt werden. An ihnen müssen wir langsam vorbeifahren. Wenn wir Radfahrende aber gar keine andere praktikable Strecke angeboten bekommen, dann müsste es wenigstens erlaubt sein, dort schneller zu radeln, wo kein Fußgänger zu sehen ist. Das ist aber eben auch nicht erlaubt. 

Und allein gelassen werden wir mit der Schrittgeschwindigkeit auch noch, denn sie ist nirgendwo gesetzlich definiert. 

21. Februar 2022

Bei jedem Wetter

Es stimmt schon lange nicht mehr, dass Radfahren eine Schönwetter-Mobilität ist. In Stuttgart wird bei Regen und Schnee auch geradelt. Nicht ganz so viel wie im Sommer, aber sichtbar viel. 

Dabei nehmen Berufsradpendler:innen eine ganze Menge Unwirtlichkeit in Kauf, wie man an den Radspuren eines Morgens im Februar an den Waldstrecken sieht, die am Birkenkopf vorbei führen. Die Radfahrenden kommen die Geißeichstraße hoch und fahren Richtung Südheim, Heslach, Dachswald oder Vaihingen weiter oder umgekehrt. 


19. Februar 2022

Deutscher Fahrradpreis geht wieder nach Stuttgart


Das Stuttgarter Projekt OpenBikeSensor hat einen von zwei ersten Preisen des Deutschen Fahrradpreises in der Sparte Kommunikation gewonnen. 

Der andere erste Preis ging an das Projekt SimRa: Sicherheit im Radverkehr. Das sind beides Projekte, die commutitybasierte Datenerhebungen machen. SimRa, das ich auch gelegentlich nutze, sammelt beim Radfahren Daten über kritische Situationen, plötzliche Bremsmanöver oder Ausweichschlenker, die man nach der Fahrt beschreiben kann. Der OpenBikeSensor - ein Stuttgarter Verein mit Sitz in der Liststraße - misst Überholabstände der Autofahrenden zum Fahrrad.

17. Februar 2022

Die Mobilitätswende entscheidet sich in Wohngebieten

Drei Viertel aller Wege, die wir unternehmen, beginnen zu Hause oder enden zu Hause. Das bedeutet: Wo wir wohnen, entscheidet darüber, welche Verkehrsmittel wir hauptsächlich nutzen. 

Bei mir zum Beispiel gibt es jede Menge Parkplätze, alles ist zugeparkt. Lange Zeit bin ich morgens ins Auto gestiegen und zur Arbeit gefahren und abends zurück. Seit 2006 steige ich aufs Fahrrad, fahre irgendwohin und dann nach Hause zurück. Ich habe Glück, ich kann mein Pedelec in meinem Wohnhaus bequem unterbringen, und die anderen Leute, die in diesem Haus auch leben, können sogar eine Lastenfahrrad unterstellen. Wäre das nicht so, würde ich vielleicht heute noch ständig Auto fahren, und nicht fast alles mit dem Fahrrad machen. Also brauchen wir für Fahrräder die Abstell-Infrastruktur.

15. Februar 2022

Stadt Stuttgart macht eine Frau glücklich

Sie ist bis vor zehn Jahren viel Rad gefahren. Dann aber bekam sie gesundheitliche Probleme. Wegen Schwindelanfällen konnte sie kein Zweirad mehr fahren. 

Sie hat bereits einmal ein Dreirad ausprobiert, aber das war nix, es war zu ungewohnt für eine Radlerin. Aber dieses von Vanraam aus den Niederlanden war schon bei der ersten Probefahrt perfekt.  E-Dreiräder sind teuer. Das überlegt man sich. Der Gemeinderat hat beschlossen, eine E-Dreirad-Förderung für genau solche Fälle einzurichten. Dieses Rad kostet so zwischen 5000 und 8000  Euro, von der Stadt Stuttgart gibt es 1.500 Euro dazu. Da haben sie und ihr Mann sich dann für den Kauf entschieden. Und nun ist sie total glücklich. 

Endlich kann sie sich wieder mit eigener Kraft durch die Stadt bewegen. Auch die steile Hasenbergsteige kommt sie damit hinauf. Auch die Alte Weinsteige dürfte kein Problem sein. So kommt sie durch die ganze Stadt und kann sportlich und beweglich bleiben. 

"War es denn schwierigi mit demAntrag?", wollte ich wissen.

13. Februar 2022

Achtung, Baustellensperre auf der Tübinger Straße!

Ab morgen, Montag, soll auf der Tübinger Straße beim Gerber eine Baustelle eingerichtet werden. 

Dann gilt eine  Einbahnstraßrenregelung. Ich kann nur hoffen, dass die nicht auch für Radfahrende gilt. Das werden sehen. 

Das schadhafte Wackel- und Klapperpflaster soll im Kreuzungsbereich Christophsstraße/Tübinger Straße durch Asphalt ersetzt werden (siehe Karte unten). Erst einmal kommt nach Angaben der Stadt schwarzer Asphalt dorthin, dann wird der Belag in einem weiteren Schritt aufgehellt. Das Ganze soll bis Ende März dauern, und weil man bei Regen und Frost nicht asphaltieren kann, können sich die konkreten Arbeiten auch verzögern. 

Die Tübinger Straße soll von der Sophienstraße bis zur Eberhardstraße Einbahnstraße werden, die Christophstraße wird vor der Tübinger Straße gesperrt. Keinen Hinweis haben wir heute, ob die Einbahnregelung auch für Radfahrende gilt.

11. Februar 2022

Wer hat das Überholverbot geklaut?

Drei von sechs Überholverbots-Schilder an der Böblinger Straße in Kaltental sind weg. Vermutlich geklaut. 

Allerdings auch ohne Verkehrszeichen gilt hier ein Überholverbot: Autofahrende dürfen Radfahrende auf dem Schutzstreifen nicht überholen, wenn sie  keine 1,5 Meter Überholabstand einhalten können. Dies hat das Verkehrszeichen bekräftigt. Allerdings sind die Bußgelder höher, wenn man mit Überholverbotsschild erwischt wird. 

Falls es nicht Schildersammler waren, sondern Leute, die sich über das Überholverbot ärgern, beweist die Aktion, dass Autofahrende die Grundregel des Sicherheitsabstands nicht kennen. Das Aufstellen solcher reinen Bekräftigungsschilder führt offensichtlich dazu, dass Autofahrende denken, wo sie es nicht stehen, dürften sie Radfahrende überholen, egal ob der Platz für den Sicherheitsabstand reicht oder nicht. Als ich kürzlich mit einem weiteren Radler die Kaltentaler Abfahrt hoch fuhr, und zwar ganz links auf dem Schutzstreifen, hupte uns ein Mercedesfahrer an, der meinte, wir müssten ihm jetzt mal Platz machen. Wir hielten an, und ich deutete auf das Überholverbotsschild. Daraufhin hob er entschuldigen die Hand und blieb in der Folge brav hinter uns. Ein deutliches Zeichen, dass ihm nicht nur die Verkehrsregel unbekannt war, sondern er auch das Verkehrszeichen nicht bemerkt oder beachtet hatte. 

9. Februar 2022

Mehr Radler- und Fußgängerrechte in GB

London, GoogleMaps
In Großbritannien schlagen die Wellen hoch. Denn es gibt neue Verkehrsregeln, einen neuen Highway-Code. Der verschafft Radfahrenden und Fußgänger:innen mehr Rechte im Straßenverkehr. 

Wir haben im Vorfeld von einer Umkehr der Hierarchie gelesen: zuerst Fußgänger, dann Radfahrer, dann Reiter, dann Autos. Die rechte Presse schäumt vor Wut und vermutet einen Freibrief für Radfahrende und Fußgänger:innen, sich kreuz und quer auf Fahrbahnen zu bewegen, während Autofahrende nun für jeden Unfall verantwortlich gemacht werden. Radfahrer:innen werden mitten auf der Straße fahren und das auch noch nebeneinander. Radwege werde niemand mehr benutzen. 

Stimmt so nicht, ist - wie immer, wenn eine Autogesellschaft Privilegien in Frage gestellt sieht - maßlos übertrieben. Und für uns in Deutschland wären die neuen Regeln ohnehin nicht die ganz große Revolution. Bei uns gilt vieles schon. Eine Umkehr der Hierarchie ist beileibe nicht, wenn man sich die Neuerungen im Einzelnen anschaut, die der Guardian darstellt und einordnet. 

Sich Sicherheitsraum nehmen ist erlaubt.

7. Februar 2022

Eine Gravitationsanomalie in Stuttgart

Dieser Weg geht eindeutig bergauf. Radelt man ihn aber, hat man nicht das Gefühl, dass es bergauf geht. Es geht unerwartet leicht. 

Handelt es sich um ein Phänomen, das als Gravitationsanomalie bekannt ist?  Es gibt weltweit Orte, wo Kugeln bergauf rollen oder Menschen in einiger Entfernung größer erscheinen als in der Nähe, wo Bäume komisch wachsen. Unweit von Rom gibt es eine Landstraße, wo Flaschen oder Kugeln eine schwache Steigung hinauf rollen. Das erzeugte Ende der neunziger Jahre in den Medien einige Aufregung. 

Haben wir in Stuttgart so was tatsächlich auch?

5. Februar 2022

Hallo, Schatz!

Radler:innen ham's gut. Autofahrende müssen immer parken, aussteigen, ein paar Schritte gehen, wenn sie schnell jemanden besuchen oder was anschauen wollen. 

Radfahrende sehen was, halten an, reden. Und zu einer Ladentür kommt man auch, ohne das Fahrrad loslassen zu müssen.  

Dieser Radler öffnet die Tür zu einem Friseurladen und ruft "Hallo, Schatz!" hinein, bespricht kurz etwas und fährt dann weiter. 

Radfahrende können auch, ohne das Fahrgerät zu verlassen, mal schnell die Angebote an einem Ladeneingang durchschauen. 

3. Februar 2022

Wer gegen Radverkehr klagt, bekommt mehr Radverkehr

Fahrradstraßen sind aus einem mir nicht ganz nachvollziehbarem Grund unbeliebt bei Anwohner:innen. In Hannover hat ein Kläger zwei Mal Recht bekommen. Mit dem Ergebnis, dass aus einer halbherzigen Fahrradstraße eine echte Fahrradstraße wird. 

Die Kleefelder Straße in Hannover war als Fahrradstraße ausgewiesen, es fuhren aber Autos und es parkten viele am Straßenrand. Vorteile für Radfahrende waren eigentlich nicht erkennbar. Wenn eine Stadt aber eine Fahrradstraße ausweist, dann muss sie für Radfahrende einen Gewinn bringen. Wenn das nicht so ist, dann darf das ganze keine Fahrradstraße sein, stellte das Verwaltungsgericht fest.  

Schon 2019 hatte ein Anwohner gegen die Fahrradstraße geklagt. Er fand, dass die Fahrradstraße eine Rennbahn geworden sei, die Wegnahme von einigen Parkplätzen führe dazu, dass gerast werde.

1. Februar 2022

Ein Unfallkind am Pranger?

Mitte Januar wurde ein Kind von einem Autofahrer angefahren und schwer verletzt. Laut Polizeimeldung trat das Mädchen hinter einem geparkten Auto hervor. Auch die Stuttgarter Zeitung schreibt das. 

Das provoziert den Gedanken: Soll man nicht machen! Und bei ganz Abgebrühten: Selber schuld.  Und das ist furchtbar, denn ein Kind ist verletzt, Eltern sind entsetzt und in Sorge, eine Familie leidet, weil ein Kind einen Fehler gemacht hat. Kinder machen Fehler, Erwachsene übrigens auch. Unser Autoverkehr verzeiht keine Fehler. Und wenn man sich den Ort anschaut, wo der Unfall geschehen ist, dann stellt sich das, vor allem aus der Perspektive von Kinderaugen doch nicht so einfach dar. 

Entsetzt war ich, als ich den Twitter-Post und den Blog-Post von X-Tof las.