27. Februar 2023

Kürzestradstreifen

Es gibt einige blitzkurze Radstreifenelemente in Stuttgart, darunter der in der Leuschner Straße, einem Sträßchen parallel zur Schlossstraße, wenn man sich der Büchsenstraße nähert. 

Solche Markierungen wirken zwar irgendwie lachhaft, sind aber durchaus hilfreich und zeigen, dass die Stadt Radfahrenden Übergänge von und auf Gehwege erleichtern will. 

Die Leuschner Straße ist für uns freigegebene Einbahnstraße in Gegenrichtung, noch teils mit Kopfsteinpflaster versehen und eng. Radelt man auf die Ampelanlage an der Büchsenstraße zu, stößt man darauf. Der Schipsel soll uns auf den Gehweg und zur Fußgängerampel leiten. Wenn wir nach links Richtung Holzgartenstraße abbiegen wollen, müssen wir bei Fußgängergrün auf den Aufstellplatz hüpfen, das Rad händisch um 90 Grad drehen und auf Autogrün warten. 

25. Februar 2023

Radfahren ist die energieeffizienteste Fortbewegung

Radfahren braucht noch weniger Energie als das zu Fuß Gehen, es ist sogar effizienter als die Fortbewegung von Tieren. 

Das Radfahren ist energetisch etwa fünfmal so günstig wie das Gehen und erlaubt dabei die doppelte Geschwindigkeit. Das geht aus Berechnungen der Uni Münster hervor. Die Energie, die wir dafür brauchen, beziehen wir aus der Nahrung und damit aus nachwachsenden Rohstoffen. Lässt sich eine Person in einem Auto transportieren, dann schafft sie mit der gleichen Energiezufuhr 85 Meter, mit der ein Radfahrer fast 5 km weit kommt. Der Energiebedarf ist um den Faktor 36 höher. Und das Auto braucht dafür meistens fossile Brennstoffe. 

23. Februar 2023

Wissenschaftlich nachgewiesen: Schnelles und enges Überholen ist gefährlich

Es ist wohl bezeichnend für unsere autohörige Gesellschaft, dass wir etwas wissenschaftlich nachweisen müssen, was wir eigentlich alle wissen, weil es zu unseren Grunderfahrungen gehört. 

Fährt etwas Großes schnell und dicht an uns vorbei, dann gibt es einen Rums. Das liegt am Luftdruck, der erst vom Gefährt vor sich hergeschoben wird und uns trifft und plötzlich in den Sog umschlägt, den das Fahrzeug hinter sich erzeugt. Wir kennen das, wenn wir am Bahnsteig stehen und und ein Zug durch den Bahnhof rauscht. Oder wenn ein Auto auf der Autobahn mit 250 an uns vorbeirast. Das knallt richtig. Genauso ergeht es Radfahrenden, an denen ein Auto vorbei ballert, je schneller und je dichter am Radfahrer, um so mehr Luftdruck und Sog schütteln uns durch, der Schock kommt noch dazu. Dass es stresst, ist klar, aber gefährlich ist es auch, denn ob man dabei immer den Lenker in der Spur hält, ist fraglich. Diesen Luftdruck-Effekt hat 2021 das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) wissenschaftlich untersucht.

21. Februar 2023

Aus zwölf Gründen sind wir echt gut

Ich fürchte, wir müssen es nun zugeben: Radfahrende sind doch die besseren Menschen. 

Auch wenn es gar nicht in ihrer Absicht liegt, denn die meisten fahren Rad, weil es für sie selber Vorteile bringt. Dennoch tun wir der Gesellschaft viel Gutes. 

  1. Wir tun was gegen den Klimawandel. Wir bemühen uns, unseren Teil dazu beizutragen, dass weniger CO2 ausgestoßen wird. 
  2. Wir machen Städte lebenswerter. Wir nehmen weniger Platz ein, wir machen kaum Lärm und haben keinen Blechpanzer um uns herum, sind ansprechbar und zeigen uns als lebendige Menschen. 
  3. Wir sind gut für den Autoverkehr. Denn wer Rad fährt, ist nicht mit dem Auto unterwegs und entlastet so die Straßen, auf denen dann die besser durchkommen, die mit den Auto fahren wollen oder müssen. Währen alle, die heute Radfahren, in Autos unterwegs, käme der Stadtverkehr schnell zum Erliegen. 

19. Februar 2023

Zum Wiederlesen: Radler:innen löst euch in Luft auf!

Wenn Radfahrer:innen auf Fahrbahnen fahren, empfinden eingefleischte Autofahrende das als Demonstration. Wenn sie auf Gehwegen fahren, schimpfen Fußgänger:innen darüber, dass Radler überall fahren und keine Rücksicht nehmen.

Viele sind aber auch gegen Radstreifen auf Fahrbahnen. Und man will es zugleich den Fußverkehr in der Stadt stärken und Fußgänger:innen mehr Platz geben. Und schwupp, sind wir Radfahrende schon wieder außen vor. Man will uns nicht haben, weder auf Fahrbahnen, noch auf Gehwegen.

Radfahrende sind die Lästigen, die Bösen, die Ideologinnen, die Kampfradler, die Vogelfreien, die Gehassten, die Gejagten, die Verscheuchten, die Unerwünschten. Löst euch gefälligst in Luft auf! Existiert nicht!

17. Februar 2023

Regenvorfahrt für Radfahrende in Oldenburg

In Oldenburg gibt es seit November eine Fahrradampel, die bei Regen schneller grün wird, so die Pressemeldungen. Sie befindet sich auf der Fahrradstraße Quellenweg. Das Signalprogramm wird mit aktuellen Wetterdaten gespeist. 

Wobei das nicht so ganz stimmt, es gibt nämlich keine Ampel für Radfahrende. Schaut man sich den NDR-Bericht und die Situation auf Karten an, sieht man, dass es auf der Vorfahrtsstraße (Uhlhornsweg), die den Quellenweg schneidet, beampelte Fußgängerfurten gibt. Radfahrende müssen vor dem Queren durch einen Blick auf die Fußgängerampeln herausfinden, ob die Autos Rot haben und anhalten. Für regenfreie Tage haben sie einen Drücker an einem Mast.

15. Februar 2023

Jetzt darf, wer will, auf der Fahrbahn radeln

Eben noch da, nun ist es weg: Das Schild für Radfahrende, das am Rotebühlplatz das Linksabbiegen Richtung Rotebühlstraße verbot. 

Wie man auf dem Foto oben sieht, befand es sich auf der Verkehrsinsel über dem blauen Pfeil. Unter ihm hing ein Pfeil, der nach links zeigte, auf weißem Grund. Ein bisschen rätselhaft war immer, was der eigentlich bedeutet? Dass man, wenn man links abgebogen ist, auf ein Fahrverbot für Radfahrende stößt, oder dass man hier nicht auf der Fahrbahn links abbiegen darf. Wir vermuteten immer letzteres. Dann hätte aber das Verkehrszeichen nicht links neben der Fahrbahn stehen dürfen. Anordnungen müssen rechts stehen. 

Egal. Ein Rätselraten weniger. Wer mag, kann also die Fahrbahn nehmen. 

13. Februar 2023

Tun wir uns selber mal was Gutes!

Radfahren ist extrem gut für unseren Körper, aber auch extrem gut für unser Gehirn und unsere psychische Gesundheit, was ja eigentlich alles zusammengehört. 

Morgenstimmung Filderebene
Ich schreibe darüber immer wieder, weil man es gar nicht oft genug sagen kann. Wer sich aktiv bei Wind und Wetter bewegt, ist gesünder und glücklicher. Und dabei geht es nicht um exzessive sportliche Höchstleistungen, sondern um unsere Alltagsmobilität auf einem angenehmen Anstrengungs-Level. Haben wir dann noch zum Beispiel winterliche Abenteuer erlebt, von denen wir erzählen können, sind wir guter Stimmung. 

Die Universität für Bodenkultur in Wien ermittelte, dass beim Radfahren und Pedale Treten das Hormon FGF21 produziert wird. Dieses Hormon hemmt  die Lust auf Süßes und auf Alkohol und hat somit eine positive Wirkung auf unseren Stoffwechsel und hilft beispielsweise, Diabetes 2 zu verhindern. Man nimmt nicht unbedingt durch das Radfahren selbst ab, sondern indirekt dadurch, dass man zufriedener ist und weniger Zuckerkram essen möchte. 

11. Februar 2023

S-Pedelecs könnten der Mobilitätswende wirklich nutzen

Belgien ist das einzige EU-Land, in dem immer mehr Menschen Speed-Pedelecs fahren. Die Zahl stieg von 1.800 im Jahr 2016 auf ca. 52.000 im Jahr 2021. 2022 dürfen noch mal 10.000 dazugekommen sein. 

Denn in Belgien hat man sich die schnellen Pedelecs, die bis 45 km/h beim Treten eine Unterstützung bekommen, genauer angeschaut und freundliche Regelungen für sie gefunden. In allen anderen Ländern Europas setzt man sie einfach mit Mopeds gleich und vergisst sie komplett. Das bedeutet auch bei uns in Deutschland, dass man mit einem S-Pedelec nicht auf einem Radweg oder Radfahrstreifen fahren darf. Auch entlang einer Landstraße darf man nicht den parallelen Radweg nehmen. Man muss immer auf Autofahrbahnen radeln. Zwischen Stuttgart und Cannstatt gibt es beispielsweise keinen direkten Weg für S-Pedelecs. Die Radwege am Leuze sind verboten, die Cannstatter Straße und der Schwanenplatztunnel sind Kraftfahrstraße und auch verboten. Der Umweg führt über andere Stadtteile. Über diese Probleme für S-Pedelec-Fahrer.innen habe ich schon letztes Jahr berichtet. Blogleserin Anja, die mich damals anschrieb, hat inzwischen mit dem lesenswerten und informativen Blog pro-s-pedelec begonnen und dort auch auf einen Podcast-Beitrag, in dem sie in Tübingens OB Palmer zu Wort kommen, und politische Initiativen oder Studien und  verlinkt. 

9. Februar 2023

Gelacht, gelocht - grandiose Ideen für den Radverkehr

Charlottenplatz Stuttgart - schön wär's
Was ist eigentlich aus all den schwebenden, schwimmenden oder unterirdischen Radwegen geworden, über die ich in den Medien immer wieder gelesen habe? 

Gestoppel ist in Deutschland unser Radfahralltag.  Dabei sehen wir seit 2014 neidvoll nach Eindhoven mit seinem schwebenden Kreisvekehr für Radfahrende als Symbol für tolle und innovative Radinfrastruktur. In Kopenhagen wurde zu der Zeit die Schlange (Cycelslangen) gebaut, die ein Wahrzeichen für die Fahrradstadt geworden ist. Damals überschlugen sich Städte mit Ideen, für eine großzügige und auffällige Radinfrastruktur. Davon finde ich aber knapp zehn Jahre später nur Projektionsbilder, denn geworden ist aus den meisten Ideen nix.

7. Februar 2023

Radfahren hilft Kindern gegen Kurzsichtigkeit

Wir wissen es eigentlich, aber erschreckend ist es trotzdem: Viel zu viele Menschen bewegen sich praktisch gar nicht mehr. Und die Kinder machen es ihnen nach. 

Radfahren.de dröselt das unter der Überschrift "Radfahren macht schlau" detailliert auf. Der Artikel beginnt mit der Erfahrung, die wir Radler:innen oft machen: Radfahren befreit den Kopf und regt das Denken an, macht uns kreativer und hält uns gesünder als die Büro- und Automenschen. Kinder, die mit dem Rad zur Schule fahren, sind besser unter anderem in Mathe, sozialer und fitter. Bewegung und Koordination, aber auch Verantwortung und Aufmerksamkeit für die Umgebung stärken ihre kognitive Entwicklung. Das Lebensmotto vieler Erwachsener scheint aber zu lauten: Bloß nicht bewegen!

5. Februar 2023

Land erlaubt Schutzstreifen auf Landstraßen

Foto AGFK BW
Baden-Württemberg ermöglicht Schutzstreifen an Landstraßen, wenn auf ihnen nicht mehr als 5.000 motorisierte Fahrzeuge pro Tag (3.5 pro Minute) fahren. Schutzstreifen waren bisher nur in Städten erlaubt. 

Wie groß muss die Verzweiflung über die Trägheit der Kommunen, Radwege entlang von Landstraßen zu bauen, sein, damit ein Verkehrsministerium mit Radfahrexpertise auf die Idee kommt, die Kommunen wenigsten zu so genannten Schutzstreifen zu drängen, weil sonst nix vorangeht? Alltagsradler:innen "brauchen rasch ein ein landesweites, lückenloses und attraktives Radwegenetz mit einer guten Qualität", heißt es auf der Internetseite des Verkehrsministeriums.  Diese Radstreifen mit gestrichelter linken Seitenlinie dürften auch nur in Verbindung mit Tempolimits angelegt werden und der Bau eigenständiger Radwege habe weiterhin Vorrang. Sinnvoll oder nicht? Der ADFC lehnt das ab, eine Studie will zeigen, dass es hilft. 

3. Februar 2023

Allmählich kommen die Radabstellanlagen

Die Mobilitätswende beginnt vor der eigenen Haustür. Deshalb sind Fahrradabstellanlagen in dicht besiedelten Wohnviertel so wichtig. 

In der Tulpenstraße in Stuttgart Süd im Lehenviertel sind weitere vor Längerem vom Bezirksbeirat Süd vorgeschlagene Radabstellanlagen gebaut worden. Sie belegen zwei Autostellplätze. Obgleich sie noch nicht lange da sind, stehen bereits Fahrräder dort. Natürlich auch ein Moped, denn auch Moped- und Motorradfahrende hätten gern Abstellmöglichkeiten auf den Fahrbahnen. Sie dürfen ja eigentlich nicht auf Gehwegen abgestellt werden. In Radabstellanlagen aber auch nicht. 

1. Februar 2023

Die Lüge von der Gefährlichkeit des Radfahrens

Das Fahrrad sei das tödlichste Verkehrsmittel, titelte einst der Spiegel. Nein, ist es nicht: Das Auto ist das tödlichste Verkehrsmittel.  

Die Medien neigen grundsätzlich dazu, Radfahren als gefährlich hinzustellen und uns mit Ratschlägen zu bedrängen, die unser Risiko mindern sollen, getötet zu werden (Warnwesten, Glitzerkleidung, Helme). So entsteht der Eindruck, als seien wir Radfahrende hauptverantwortlich dafür, dass Autofahrende uns verletzen oder töten. Das spiegelt sich auch in zahllosen Polizei- und Pressemeldungen über Zusammenstöße von Autofahrenden mit Fußgänger:innen oder Radfahrenden wider, übrigens aus wirtschaftspolitischen Gründen. Die Folge: Viele Menschen, die hauptsächlich Auto fahren, halten Radfahren für so riskant für ihr eigenes Leben, dass sie es als Fortbewegungsmittel für den Weg zu Arbeit ausklammern. Berichte in den Medien (auch hier im Blog) über getötete Radfahrer:innen tragen ein Übriges zur Angst bei. Wobei im Gegensatz dazu Berichte über getötete Fußgänger:innen nicht dazu führen, dass man das eigene zu Fuß Gehen infrage stellt. Und das hat einen guten Grund.