30. Dezember 2023

90 Prozent der Leute wollen keine Parkplätze vor der Haustür

Oberbillwerder ist ein Stadtteil von Hamburg-Bergedorf, der noch nicht existiert. Er ist aber bereits geplant. Das ist so ähnlich wie unser Rosensteinquartier, das dort entstehen soll, wo heute noch die Eisenbahngleise liegen. Auch in Stuttgart wird es autoarm geplant. 

Oberbillwerder in Hamburg wurde von einer Bürgerbeteiligung begleitet und ist vielen Hamburger:innen auch bekannt. Forsa hat kürzlich eine ausführliche und repräsentative Umfrage unter 1.003 Hamburger:innen gemacht. Das für uns interessanteste Ergebnis: Eine überwältigende Mehrheit wünscht sich lieber viel Grün vor der Haustür, kaum jemand will Parkplätze am Haus. 

28. Dezember 2023

Von Saula zur Paula - Wie sie die Radfahrenden lieben lernte

Diese Geschichte handelt von der Frage, warum Yvette Caster aufgehört hat, sich über Radfahrende zu beschweren, mit Bussen und Bahnen fährt und sich wünscht, es gebe mehr Radfahrende. 

Sie ist im Guardian erschienen und kann hier auf Englisch nachgelesen werden. Caster erzählt, dass sie 2015 einen im Rückblick blöden Artikel für die online-Ausgabe eines Publikationsorgans schrieb. Sein Titel lautete übersetzt: "Radfahrer sind eine Bedrohung und sollten aus dem Straßenverkehr verbannt werden." (hier auf Englisch). 

Er fing (übersetzt) so an: "Er, und ja, es ist fast immer ein Er, ein glatzköpfiger MAMI (Middle-aged Man In Lycra), der vor sich hin schwitzt, den Verkehr aufhält, Unfälle verursacht und generell eine totale Belastung auf der modernen Straße darstellt. Wo soll man anfangen mit dem Aufzählen, was alles falsch ist an Fahrrädern und am Radfahren und der Tatsache, dass Radfahren auf einer ruhigen Spur entlang einer überfüllten Londoner Straße erlaubt sind? Es gibt so viele Dinge, dass auch ein Mensch mit halbem Hirn einsehen muss, dass sie absurd sind." Sie führte damals aus, dass abgesehen von der Gefahr, die von ihnen für Fußgänger:innen und Autos ausgehen, Radfahrende einfach albern aussehen. Das Fahrrad sei ein Transportmittel für Clowns, Possenreißer und Boris Johnson.

26. Dezember 2023

Die Parkplatzverschwörung

Sie besteht in Hannover im Bezirk Südstadt-Bult aus SPD, CDU und FDP und hat kurz vor Weihnachten beschlossen, die älteste Fahrradstraße abzuschaffen, damit Autobesitzer:innen ihre Parkplätze behalten. 

Das berichtet die HAZ hinter der Bezahlschranke. Die Stadt Hannover hatte nach einem Gerichtsurteil alle  Fahrradstaßen überprüft, um sie zu verbessern. Die Ergebnisse mit den vorgeschlagenen Maßnahmen wurden nur im Stadtbezirk Südstadt-Bult abgelehnt. Dort stellte man den Erhalt von Autoabstellplätzen über die Sicherheit der Radfahrenden mit der Konsequenz, dass mehrere Fahrradstraßen aufgegeben werden müssen. Ihr derzeitiger Zustand und Standard ist so schlecht, dass dies für Radfahrende keinen Unterschied macht. Im Grunde geht es darum, sie zu echten Fahrradstraßen zu machen. Übrigens hat auch in Stuttgart eine Koalition aus SPD, CDU und FDP (und AfD) eine neue Fahrradstraße in Stuttgart Ost abgelehnt, nur um Parkplätze für Autobesitzende zu erhalten. Die Geschichte aus Hannover geht so:

24. Dezember 2023

Auch die Weihnachtsfrau fährt Fahrrad

Ich wünsche euch geruhsame Feiertage mit netten Leuten, gutem Essen und schönen Ausflügen in die Natur mit dem Fahrrad oder zu Fuß. 

Und heute wünsche ich euch auch schon ein gutes neues Jahr, euch persönlich den Erfolg, den ihr euch wünscht, in jedem Fall aber Glück. 

Christine 



Das Ende des Rad-Airbags aus Schweden

Hövding, der Hersteller des Airbag-Helms für Radfahrende, ist insolvent. Der Grund ist das Verkaufsverbot einer schwedischen Behörde. Das Gerichtsurteil, das es aufhob, kam zu spät. 

Das berichtet der Spiegel. Der Insolvenzantrag wurde am Donnerstag, dem 21. Dezember eingereicht. Die schwedische Verbraucherschutzbehörde hatte Anfang November den Verkauf der Hövding-Airbags gestoppt und die Firma zum Rückruf verpflichtet. Nach Angaben der Firma schützt der Airbag achtmal besser vor Gehirnerschütterungen als normale Helme. Er löst in Sekundenbruchtteilen aus, wenn man mit dem Rad kippt, und schützt dann auch den Hals. Allerdings schützt der Airbag, den man als Halskrause trägt, nicht, wenn man beim Radeln mit dem Kopf gegen einen Ast oder ein Schild stößt. Davor warnte auch Höfding. Er schützt auch nicht, wenn man beispielsweise direkt von einem Bus angefahren wird, und das bemängelte die Verbraucherschutzbehörde. Ein weiterer Grund war, dass es beim neuesten Modell 3 offenbar Softwareprobleme gab, die aber seit Herbst 2022 laut Unternehmen behoben sein sollen. Das schwedische Fernsehen hatte jedoch im Frühjahr 2023 berichtet, Hövding habe weiterhin wissentlich Produkte mit Sicherheitsproblemen verkauft. Daraufhin hatte sich die schwedische Verbraucherschutzbehörde eingeschaltet.

22. Dezember 2023

Erfreuliche Baustelle an der Augsburger Straße

Selten freut man sich über eine Baustelle, aber eine, die es in der Augsburger Straße in Untertürkheim gab, erfreute Blogleserin Petra. Inzwischen ist sie leider wieder abgebaut. 

Auf ihrem "deprimierend schlechten Weg zur Arbeit (Oberesslingen-Untertürkheim)" gab "es bausstellenbedingt temporär einen sehr guten geschützten Radweg" Richtung Cannstatt, schreibt Petra vom VCD Esslingen. Denn an der Nordseite der Augsburger Straße zwischen Am Weinberg und dem Kreisverkehr Hafenstraße wurde der gemeinsame Geh- und Radweg saniert. Für Radfahrende wurden deshalb die Parkplätze in einen durch Schwellen und Baken geschützten Radstreifen umgewandelt. Da radelte es sich angenehm, ohne dass man Fußgänger:innen stören musste. So hätte das ruhig bleiben können. 

20. Dezember 2023

Über den Hegelplatz zum Herdweg - neue Verkehrsführung

Die Radstreifen auf der Holzgartenstaße endeten bislang an der Ampel am Hegelplatz. Jetzt wird der Radverkehr in den Herdweg weitergeführt. 

Und zwar zunächst als Radfahrstreifen zwischen dem Busstreifen rechts und dem Autostreifen links. Vorher konnten Autofahrende hier auf zwei Spuren geradeaus fahren, jetzt ist eine Spur dem Radverkehr gewidmet. Nach wenigen Metern endet die linke Fahrspur, damit endet auch der Radstreifen. Die Autofahrenden müssen sich nach rechts auf die jetzt einzige Richtungsfahrspur fädeln. Auf der machen sogenannte Scharrows deutlich, dass Rad gefahren wird. 

18. Dezember 2023

Wenn das Pflaster blöder ist als die Gravelspur

Ich radle die Platanenallee im Schlossgarten ja deshalb nicht, weil ich den Weg zu uneben finde. Genauer, weil man in Abschnitten über  Schmuckpflaster rattern muss. 

Das finden offenbar auch noch viele andere Radfahrende unangenehm. Deshalb hat sich an einer Stelle nebendran eine Umfahrungsspur über die Grünfläche gebildet, die ich im Sommer mal fotografiert habe. 

Eigentlich ist die Strecke ja ganz schön und wäre eine ideale Radstrecke, gäbe es nicht diese Hindernisse. Und würde sie bei Dunkelheit beleuchtet. Denn die Menschen, die hier zu Fuß unterwegs sind, vornehmlich in schwarzer Kleidung, sehe ich mit meiner Radbeleuchtung, die ordnungsgemäß eingestellt ist, halt leider nur extrem schlecht, also erst im letzten Moment. Außerdem hat sie am Ende ja die 90-Grad-Kurve auf Schmuckpflaster, in deren Rillen Rennradler:innen mit dünnen Reifen auch schon mal hängenbleiben und stürzen. 

Für mich ist diese Strecke immer ein Beispiel dafür, wie man es nicht machen darf, wenn man möchte, dass Radfahrende eine bestimmte Strecke lieber nutzen als die andere, die in diesem Fall durch viele Spaziergänger:innen führt: enge Kurven, schlechtes Pflaster, keine Beleuchtung. 

16. Dezember 2023

Wie kommt man mit dem Rad über den Charlottenplatz

Auf der Fahrbahn dürfen Radfahrende nicht links abbiegen, mit einer Ausnahme. Sie dürfen den Charlottenplatz nur geradeaus überqueren, ebenfalls mit einer Ausnahme. Wer sich nicht auskennt, flucht.  

Ich kenne mich inzwischen als Radlerin in Stuttgart so gut aus, dass sich mir Frage, wie ich fahren muss, wenn ich nach links will, gar nicht mehr stellt. Aber wer neu hier radelt, braucht lange und viele Versuche, bis er oder sie einen halbwegs akzeptablen Weg fürs Fahrrad gefunden hat. Das ist ein Grundproblem von Stuttgarts Radrouten. Man muss sich sehr gut auskennen. Und immer wieder steht man an einer Stelle, wo es nicht weitergeht. Der Charlottenplatz war eine der ersten großen Kreuzungen, über die ich zu Beginn des Blogs 2013 einen langen Artikel geschrieben habe. Verbessert hat sich ein bisschen was, wegen der Baustelle ist manches schlechter. 

Besonders übel: 

14. Dezember 2023

Klingenstraße wird fahrradfreundlicher

In der Klingenstraße wird es zwar keine Fahrradstraße geben, aber dafür wird sie in beide Richtungen mit Fahrrädern durchgängig befahrbar sein.

Die Klingenstraße verbindet in Stuttgart-Ost die Gablenberger Hauptstraße mit der Ostendstraße. Dabei überquert sie die Wagenburg- und Talstraße. Sie ist eine Wohnstraße, deshalb eigentlich gut fürs Radfahren geeignet, wäre sie nicht so zugeparkt und wären auch die Ecken nicht so von Autos zugestellt. Außerdem ist sie bergauf, ungefähr ab der Hälfte, eine Einbahnstraße in Gegenrichtng, die nicht für Radfahrende freigegeben ist. Den Antrag diverser Gemeinderatsfraktionen, sie in eine Fahrradstraße umzuwandeln, gibt es schon lange.

 

Inzwischen hat auch der Bezirksbeirat Ost über die Vorschläge der Stadt und die Anträge beraten. Eine Fahrradstraße lehnt er ab, weil dafür zu viele Parkplätze wegfallen würden. Deshalb lehnte auch die SPD im zuständigen Ausschuss des Gemeinderats (STA) den Antrag für eine Fahrradstraße ab, weshalb Grüne, Linke und Puls keine Mehrheit für eine Fahrradstraße bekamen. 

12. Dezember 2023

Stuttgarter Ecken warten sehnlichst auf Poller

In der Liststraße in Stuttgart Süd sind an zwei Kreuzungen die sogenannten Stuttgarter Ecken entstanden. Sie wurden schraffiert und im Anschluss mit kleinen Flächen für Lastenräder oder E-Scooter markiert. 

Mit dieser Maßnahme sollen die Ecken von Falschparkern freigehalten werden, damit Schulkinder, aber auch ältere Menschen und solche mit Kinderwagen leichter über die Straße gehen können, auch deshalb, weil sie besser sehen, was kommt. Auch uns Radfahrenden nützt das, denn wir sehen beim Heranrollen besser in die Seitenstraßen hinein. Grundsätzlich darf auf Ecken ohnehin nicht geparkt werden. Vom Schnittpunkt er Verlängerungslinien der beiden Straßen, die sich kreuzen, müssen 5 Meter Abstand gehalten werden. Die Sperrflächen verdeutlichen dies. Sperrflächen dürfen nicht überfahren werden, und zwar auch nicht beim Wenden oder so, also unter keinen Umständen. 

Auch Radparken auf Sperrflächen ist verboten. Wir sehen auf dem Foto oben (mehr schlecht als recht)  auch ein Lastenfahrrad auf der Sperrfläche parken, links neben dem Motorrad, das da ebenfalls steht. Auch das ist nicht erlaubt! Aber wieso hat man hier keine Fahrradparkplätze (mit oder ohne Bügel) eingerichtet?

10. Dezember 2023

Schön oder praktisch - Geschenke für Radfahrende

Weihnachten naht. Was schenken wir uns selbst und anderen, die Rad fahren? 

Die meisten, die regelmäßig radeln, haben, was sie brauchen. Radbücher, Tassen mit Radfaufdruck und ähnliches sind nicht unbedingt die beste Idee. Will man ernsthaft etwas schenken, sollte man vorher fragen. Regenkleidung suchen Radelnde sich besser selbst aus, aber ein Gutschein dafür ist eine Option. Handschuhe gehen immer, vorausgesetzt, man kennt die Handgröße der Person. Dieses Jahr sind mir ein paar Dinge aufgefallen, die ich interessant finde, darunter (siehe unten) ein Call-me-Aufkleber fürs Fahrrad, der es erlaubt, sich mit dir in Verbindung zu setzen, ohne dass du deinen Namen und deine Telefonnummer aufs Rad kleben musst. 

Und noch eine Vorausbemerkung: Ich erhalte von niemandem Geld dafür, dass ich Produkte vorstelle. Ich mache keine Werbung. Ich schreibe nur über das, was mich interessiert.  

8. Dezember 2023

Radfahrende verhindern Autostau

Sogar ein Mainstream-Blatt wie der Focus hat es jetzt erkannt und teilt es seiner Leserschaft mit: Je mehr Menschen Rad fahren, desto besser ist das auch für die Autofahrenden. 

Der Focus bezieht es zwar auf E-Räder, die es auch weniger Sportlichen erlauben, mit dem Rad überall hin zu fahren, aber es gilt natürlich grundsätzlich. Auch wenn manche Autofahrende den Umstieg aufs Pedelec als Kampfansage empfinden, so der Focus, bringt es für sie eigentlich nur Vorteile. 

Uns sind die Argumente natürlich bekannt:

6. Dezember 2023

Die abendliche Blockade der Hauptradroute 1

Jeden Abend zwischen 17 und 19 Uhr das Gleiche. Gaaanz viele Radfahrende auf der Hauptradroute 1 wollen an der Matthäuskirche die Schreiberstraße überqueren. Autos blockieren den Überweg. 

Die Stadt hat die Ampelphasen für den Rad- und Fußverkehr vor einiger Zeit verändert. Ich habe mal gemessen, dass die Rotphase 1:40 Minuten dauert, dann aber 40 Sekunden lang Grün ist. Die Grünphase ist damit deutlich verlängert worden. 

Doch zur Hauptverkehszeit stauen sich die Autos. Und viele Autofahrende denken gar nicht daran, die Fläche des Fußgänger- und Radüberwegs freizuhalten, wenn sie dahinter die Autos bereits stehen sehen. Sie fahren drauf und bleiben darauf stehen. Die Radfahrenden und Fußgänger:innen bekommen Grün und müssen sich zwischen den querstehenden Autos durchschlängeln. Währenddessen starten die Autofahrenden übrigens auch und fahren weiter. Wie man auf dem zweiten Foto sieht. 

4. Dezember 2023

Schützenplatz jetzt schön

Aus dem Massenparkplatz in der Kernerstraße in Stuttgart Mitte ist ein schöner Platz geworden. Lange hat es gedauert, aber es zeigt: Bürgerschaftliches Engagement lohnt sich. 

Bis zum April 2023 war der Schützenplatz, wo sich Kernstraße, Schützenstraße und die Sängerstaffel treffen, gar kein Platz, sondern - wie fast jeder Platz in Stuttgart - eine Asphaltfläche, die komplett von Autos belegt war. Seit April 2023 ist er ein Platz für Menschen. Fast alle Parkplätze sind weg, die Autofahrenden haben nur noch eine schmale Straße zur Verfügung, um den Platz zu überqueren, es stehen Bänke dort und reichlich Radabstellanlagen, die auch genutzt werden. Außerdem gibt es einen öffentlichen Trinkbrunnen. 

2. Dezember 2023

Winterdienst auf Radwegen in Stuttgart

Seit 2018 haben wir in Stuttgart einen Winterdienst auf Radwegen, der langsam aber stetig ausgeweitet wird. Der Winterdienst auf Straßen für Autos kostet die Stadt 4,1 Millionen Euro, der auf Geh- und Radwegen kostet 1,7 Millionen Euro.

Die Süddeutsche Zeitung berichtete Ende November darüber, dass in München das Winterradeln sicherer werden wolle. Die Revolution habe begonnen, heißt es da. Es soll Strecken mit einem "optimierten Winterdienst" geben, die es offenbar bisher nicht gab. Auf den sieben Fahrradstraßen soll nicht mehr Split, sondern Salz gestreut werden. Und auf den Fahrradstraßenschildern soll dies durch eine grüne Schneeflocke gekennzeichnet werden. Ob die Fahrradstraßen auch vorrangig geräumt werden, lässt der Zeitungsartikel offen. In Stuttgart werden bereits die meisten Fahrradwege und Fahrradstraßen geräumt, allerdings nicht vorrangig. In Schweden hat man übrigens vor einigen Jahren angefangen, zuerst die Gehwege zur räumen, weil mehr Menschen (viele Frauen) zu Fuß gehen als Auto fahren und dann seltener stürzten und sich verletzten. Aber soweit sind wir noch lange nicht. 

Und so funktioniert das in Stuttgart im Einzelnen: 

30. November 2023

Verkehrsreform kommt erst mal nicht

Der Bundesrat mit seiner CDU-Mehrheit in diversen Landesregierungen hat vergangene Woche die Reform der StVO gestoppt, die Verbesserungen für den Fuß- und Radverkehr vorsah. Das hat einige ziemlich überrascht. 

Die Neuregelungen sollten Städten und Gemeinden mehr Spielraum geben, wenn sie Bussspuren, Radfahrstreifen oder Tempo-30-Zonen einrichten wollen. Die Ziele des Klimaschutzes, der Gesundheit und der städtebaulichen Entwicklung sollten bei der Organisation des Verkehrs berücksichtig werden können. Doch vorerst gilt nun weiter, dass die Flüssigkeit des (Auto-)Verkehrs Vorrang hat. Wie der Spiegel berichtet, war unter anderem vorgesehen, dass eine Stadt einen Zebrastreifen anordnen kann, ohne vorher nachweisen zu müssen, dass an der Stelle ständig Fußgänger:innen angefahren werden. Dies hätte eine Einschränkung des zum laut StVO stetigen Fließen berechtigten Autoverkehrs bedeutet. 

28. November 2023

Parksensoren verringern Falschparken

Stuttgart schraffiert Ecken, Lübeck setzt Sensoren ein, um das Eckenparken zu verhindern.

In der Liststraße, Ecke Römerstraße im Stuttgarter Süden sind vier neue sogenannte Stuttgarter Ecken entstanden. Die Stadt hat die Ecken als Sperrflächen markiert. Zwar darf auf Ecken kein Auto parken oder halten, aber die Schraffuren unterstreichen das noch einmal. Denn gerade im Lehenviertel sind, wie auch in anderen engen Wohngebieten, die Ecken regulär zugeparkt. Auf den Ecken halten viele, die in die Bäckereien wollen. 

Mal sehen, wie das jetzt funktioniert. An einem Abend fand ich bereits ein Auto mit Böblinger Kennzeichen auf einer Schraffur stehend vor. Überwacht werden muss das Ganze also in jedem Fall. 

Die Stadt Lübeck macht es anders, sie nutzt Sensoren.

26. November 2023

Wer Rad fährt, ist sozialer eingestellt

Wir wissen, dass Radfahrende von ihrer nächsten Umgebung mehr wahrnehmen als Menschen, die in Autos durch Straßen fahren. Eine Studie legt nahe, dass Radfahrende auch mehr Verantwortung fürs Gemeinwohl übernehmen. 

Wie der idw berichtet, waren Umfragen in der deutschen städtischen Bevölkerung Basis dieser Studie. In Großstädten leben viele verschiedene Menschen. Un die Frage war, wie sich das Mobilitätsverhalten auf den Zusammenhalt in der Nachbarschaft auswirkt. Die Studie betrachtete vier Aspekte der Gemeinwohlorientierung: politische Partizipation, soziale Beteiligung an Organisationen, Nachbarschaftssolidarität und nachbarschaftliche Hilfsbereitschaft. Es zeigte sich, dass Radfahren die einzige Variable war, die einen signifikanten positiven Einfluss auf diese vier Aspekte hat.

Das kann ich an mir selbst beobachten:

24. November 2023

Warum es sich lohnt, im Winter Rad zu fahren

Mittlerweile sind bei nicht sommerlichem Wetter auch bei uns sehr viel mehr Radfahrende unterwegs als noch vor fünf oder sechs Jahren.

Ich finde ja, im Winter ist das Radfahren noch erholsamer als im Sommer. Im Sommer sind viele von uns sowieso mehr draußen, im Winter aber neigen wir dazu, bei Regen rauszuschauen, aber nicht rauszugehen oder dann doch lieber den Regenschirm zu nehmen und zur nächsten Stadtbahnhaltestelle zu gehen und uns fahren zu lassen oder das eigene Auto zu nehmen. 

Nachdem ich in der regenreichen letzten Woche eigentlich ständig bei Regen mit dem Rad unterwegs war - Regenklamotten an und wieder aus - habe ich mal wieder gedacht: Wie gut, dass ich bei den üblichen Stadtstrecken gar nicht darüber nachdenke, ein anderes Verkehrsmittel zu nehmen, sondern einfach radle. Es tropft, es regnet, es rauscht, die Luft ist kalt, und ich komme erfrischt und angeregt am Ziel an. 

Für Radfahren gilt, was diese Seite über die Psychologie des Zufußgehenes auflistet. 

22. November 2023

Wer ist gegen eine autoarme Innenstadt?

Und noch mal das Thema Autos eEinzelhandel. Denn darüber können wir gar nicht oft genug reden. Sehr sensibel geht Terra-X der Frage nach, ob eine Innenstadt ohne Autos erstrebenswert ist oder nicht. 

Änderungen passieren nicht von alleine, und in unserer Gesellschaft scheint es einen Konsens darüber zu geben, dass alles so bleiben soll, wie es ist. Vor allem ältere Menschen hängen am Auto, auch weil es ihnen schwerer fällt, in und aus Stadtbahnen zu springen oder längere Strecken zu Fuß zu gehen. Jüngere Menschen, vor allem die mit Kindern wünschen sich dagegen weniger Autos und vieleicht sogar autofreie Innenstädte. Entscheidend ist, dass die Alternativen zum Auto vorhanden sind, dass sie attraktiv und bequem sind und zuverässig funktionieren. 

Oft wehren sich Einzelhändler:innen und Restaurantbesitzer:innen gegen weniger Autos in der Innenstadt. Doch eine attraktivere Innenstadt könnte eben auch eine neue Kundschaft anziehen. Aus Daten einer amerikanischen App geht hervor, dass Restaurants in autoarmen Gebieten besser bewertet werden als die dort, wo Autoverkehr herrscht.  Dieselbe App hat auch herausgefunden, dann in den USA dort, wo im Zuge der Corona-Pandemie Autoverbote eingeführt, aber nicht mehr aufgehoben wruden, sich die Restaurant-Betriebe dort nach der Pandemie schneller wirtschaftlich erholt haben als woanders. 

20. November 2023

Gute Nachricht: Die Radspur entlang der B37 wird verstetigt

Zum ersten Mal hat das Bundesverkehrsministerium eine Fahrradspur entlang einer Bundesstraße genehmigt. Der bisher provisorische Radweg entlang der Schlierbacher Straße von Heidelberg-Schlierbach nach Neckargemünd kann bleiben. 

Am 21. Juli habe ich schon mal über den Radweg berichtet. Und zwar so: 

Radweg an B37 bei Heidelberg in Gefahr

Bislang ist er nur ein provisorischer Radweg entlang der Schlierbacher Straße von Heidelberg-Schlierbach nach Neckargmünd. Aber er wird begeistert angenommen.
 
Laut SWR hat sich auf der 3,6 km langen Radstrecke in wenigen Monaten seit Eröffnung von 76 auf 300 pro Tag erhöht. Der Zweirichtungsradweg wurde im Mai 2021 eingerichtet, für ihn fiel eine von zwei Richtungsfahrspuren für den Autoverkehr weg. Dieser Radweg stellt, wie aus den Facebookkomentaren zu ersehen, eine echt Alternative zum Autofahren dar. Der Radweg war sogleich so erfolgreich, dass laut einemBericht der Grünen vom 31. März 2022, eigentlich verbreitert werden müsste, damit die vielen Radler:innen aneinander vorbei kommen. Heidelberg und das Land Baden-Württemberg wollen diesen Radweg nun dauerhaft einrichten.

18. November 2023

Endlich legal mit dem Rad geradaus

Im Zuge der der Erneuerung der Ampelanlage an der Kreuzung Böblinger Straße/Schickhardt-Straße ist nun auch das Fahrrad-frei Schild aufgehängt worden. 

Mit dem Fahrrad darf man nämlich geradeaus die Böblinger Straße weiterfahren, Autofahrende müssen links oder rechts abbiegen. 2019 habe ich beschrieben, dass Radfahrende das zwar dürfen, aber nicht, wenn sie an der Ampel stehen. Denn unter den Abbiegegeboten hing kein Schild, das die Geradeausfahrt für Radfahrende freigab. 

Jetzt ist es da. Wir können also legal geradeaus radeln. 

Dass man in die Böblinger Straße fahren darf, sah man bisher nur, wenn man drüben war oder über die Kreuzung hinweg guckte. 

16. November 2023

Wann könnren wir mit dem Rad endlich unterm Flughafen durchfahren?

Eine Lösung ist nicht in Sicht. Es wird ein Gutachten nach dem anderen erstellt. Denn die Politik traut sich nicht so recht, den Autoverkehr zugunsten des Radverkehrs einzuschränken. 

Ich habe im März schon ausführlich über den Höllentunnel am Flughafen auf der Gemarkung Leinfelden-Echterdingen berichtet. Jetzt hat das Radbündnis Filder einen Offenen Brief geschrieben. (Siehe unten)

Eigentlich hat sich am Sachstand nichts geändert. Allerdings kämpften die Autofraktionen verbissen um die 500 Meter, obgleich sie drum herum viele gut ausgebaute Straßen haben, die sie praktisch ohne Zeitverlust ebenfalls zum Ziel führen. Die Radfahrenden hingegen müssen, um diese 500 Meter zu überwinden, einen Umweg von 5 km teils über Feldwege radeln. Der Gehweg, den man für den Radverkehr freigegeben hat, ist nämlich so schmal, dass sie hier keine zwei Radfahrende begegnen können, ohne dass sich die Lenker verhaken. Da radelt man nur einmal und ein zweites Mal nur ausnahmsweise. 

14. November 2023

Räder überholen mit 60 km/h erlaubt?

Foto: Blogleser Matthias
Die Straße Oberer Kirchhaldenweg führt durch den Glemswald und verbindet Botnang mit der Solitude. Sie ist so um die 5 Meter breit. 

Nach Ende des Ortsschilds Botnang gilt hier eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 60 km/h. Blogleser Matthias hat mich auf die Situation aufmerksam gemacht. Er radelt dort oft. Und er war dort spazieren, als an einem Samstagnachmittag im September ein Porschefahrer Richtung Botnang so raste, dass er in einer Kurve die Kontrolle verlor und frontal mit einem anderen Auto zusammenstieß. An beiden Fahrzeugen entstand Totalschaden, der Porschefahrer blieb unverletzt, die beiden Insass:innen des anderen Fahrzeugs wurden leicht verletzt. Dass nicht Spaziergänger:innen betroffen waren, ist reiner Zufall. Im Gegensatz zu den Insass:innen unserer heutigen Autos, denen kaum etwas passiert ist, wären die Menschen zu Fuß oder auf Rädern tot oder schwerst verletzt gewesen.

Es ist aber nicht nur ein Problem, dass auf solchen Straßen 60 km/h gefahren werden darf. Es ist auch ein Problem, dass diese Straßen oftmals eigentlich zu schmal sind, als dass man in dem Tempo mit dem Auto Radfahrende überholen dürfte.

12. November 2023

Die Schönheit des Radfahrens

Ich finde ja, der Herbst ist die farbenprächtigste Jahreszeit und deshalb für mich die schönste. Die Augen feiern. Vor allem, wenn wir zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs sind. 

Draußen sein und sich draußen bewegen macht glücklich. Gerade dann, wenn es wegen Kälte oder Regen Überwindung gekostet hat, nicht das Auto zu nehmen, sondern das Fahrrad. Manchmal tun mir die Leute leid, die sich diese Erfahrung im Alltag nicht gönnen. Eine Viertelstunde Kurzurlaub für Sinne und Kopf auf dem Weg zu Arbeit oder nach Hause, auf dem Weg zum Einkaufen oder zu irgendeinem Termin. 

Licht tut den Augen gut. Gerade im Winter fehlt uns Licht, weil wir tagsüber in Innenräumen tätig sind, und weil es abends früh dunkel wird. Intensive Farben sehen, Wolken sich auftürmen sehen, das Wasser glitzern sehen hilft uns, unser Augenmerk auf die Welt außerhalb von uns zu richten, weg von eigenen Gedanken und Sorgen. 

Bewegung tut dem Herz-Kreislaufsystem gut. Das Hirn ist besser durchblutet. Wir sind insgesamt ausgeglichener. Gerade im Winter freuen sich Körper und Geist, wenn sie aktiv sein können. Das nehmen sie mit in den Tag oder in den Abend und sogar mit in die Nacht. Denn Menschen, die tagsüber Licht und Bewegung genossen haben, schlafen besser. 

Radfahrend tut der Umwelt und der Stadt, in der wir leben  gut, denn wenn wir Rad fahren, fahren wir schon mal nicht mit dem Auto. Ein Auto weniger, das Krach macht und CO2 und Feinstaub produziert. 


10. November 2023

Parkplätze vor dem Laden sind schlecht fürs Geschäft

So fasst der Spiegel zusammen, was wir schon länger wissen und worüber ich auch immer wieder geschrieben habe. Leider niet unter dieser schönen Überschrift, die es auf den Punkt bringt.  

Immer wenn Parkplätze am Straßenrand von Konsumstraßen verschwinden sollen, fürchtet der Einzelhandel um seine Kundschaft. Eine neue Studie aus Aachen bekräftigt, dass sie zu Unrecht Angst haben. Schon frühere Studien haben gezeigt, dass weniger Parkplätze entlang der Ladenzeilen sich entweder gar nicht oder positiv aufs Geschäft auswirken. Wo viele Autos parken (und ein entsprechender Parkplatzsuchverkehr herrscht) bleiben Menschen weg. Und die paar Leute, die aus dem Auto aussteigen und eine Kleinigkeit kaufen, bringen viel weniger Umsatz als viele Fußgänger:innen und viele Radfahrende, die andernfalls hier unterwegs wären. Übrigens kaufen Radfahrende öfter und mehr im lokalen Handel ein als Menschen, die in Autos kommen. 

Entscheidend, so die Studie aus Aachen, ist allerding, dass es rund um eine Einkaufscity oder den Ortskern eines kleineren Ortes reichlich Parkplätze gibt, meistens in Gestalt von Parkhäusern.

8. November 2023

Wir wissen, was Radfahren sicher macht, machen es aber nicht

Auf Facebook beschreibt Ludger  einen Radurlaub in den Niederlanden. Und er fragt sich: Was kann man an moderner und einladender Radinfrastruktur in Deutschland nicht verstehen? 

Er habe in den Niederlanden kaum je eine Ampel gehabt und wenn, dann habe er nie länger als eine Minute stehen müssen, er habe keinen Beinaheunfall gehabt und wahnsinnig tolle Kreisverkehre, Fahrradbrücken und Tunnel und insgesamt eine Radinfrastruktur erlebt, die zum Radfahren einlädt. In den Niederlanden wird ständig daran gearbeitet, Radfahren besser und sicherer zu machen. 

Und was machen wir in Stuttgart? Wir bauen die nächste Fahrradweiche oder Fahrradschleuse. In Deutschland gibt es kein Programm, das Radfahren besser und sicherer macht. Wenn es bei uns um Sicherheit geht, werden immer Helme und reflektierende Kleidung genannt. Die Industrie entwickelt gerade Helme, die blinken und leuchten und verkauft das als Sicherheit. Dabei verhindert ein Helm keinen Fahrradunfall, er kann unter Umständen nur die Folgen etwas mildern. Die Sicherheit im Straßenverkehr wird weitgehend den Radfahrenden selbst überlassen, Tipps gibt es reichlich. Die Deutsche Verkehrswacht bringt es in einem Beitrag von 2018 auf den Punkt: Man hat keine Ahnung, jeder findet für seine Auffassung Belege und Studien, zusammenpassende wissenschaftliche Studien fehlen. Währenddessen steigt die Zahl der Radunfälle (vor allem mit Pedelecs) kontinuierlich an. 

Im Grunde weiß jeder und jede, wo sie oder er am liebsten radelt.

6. November 2023

Carsplaining

Wenn jemand, der nie Rad fährt, uns erklärt, dass Radfahren sicher sei, wenn wir auch mal zurückstecken würden, um Zusammenstöße von Autos mit uns zu vermeiden, und wenn wir uns edlich mal an die Verkehrsregeln halten würden, dann nennt man das Carsplaining.

 
Das ist ein Begriff aus dem Englischen, der analog zu dem bekannten Begriff "Mansplaning verwendet wird. Mansplaining beschreibt ein Verhalten von Männern, die dazu neigen, Frauen in herablassender Art die Welt zu erklären, insbesondere auch das, was Frauen wollen und brauchen. Das hat übrigens mit einem Machtverhältnis zu tun. Auf der Straße haben Autofahrende die Macht, in der Gesellschaft die Männer. 
 
Eine Vairante von Carsplaining, der ich sehr oft begegne, ist die Aussage: "Ich fahre ja selber Rad, aber ...."

4. November 2023

Nur für Anlieger frei - Darf man da mit dem Fahrrad durchfahren?

Anlass für diesen Artikel ist die Frage eines Radlers, der durch ein Anliegrstraße gefahren ist, von der Polizei angehalten wurde und die Hälfte des Bußgelds (25 Euro) bezahlen musste, das für Autofahrende fällig wird.

Ob man durch eine Anliegerstraße radeln darf,  hängt von dem Schild ab, das über dem weißen Schild mit "Anlieger frei" hängt. Zeigt das runde Schild mit rotem Rand in der weißen Fläche ein Motorrad und ein Auto, dann dürfen nur Menschen mit Kraftfahrzeugen in diese Straße fahren, die Anlieger:innen sind oder ein Anliegen haben. Für Radfahrende gibt es hier keine Beschränkung, sie dürfen durchradeln. 

Hängt aber das weiße runde Schild mit rotem Rand (Durchfahrt verboten) an der Straßeneinfahrt, dann darf hier nichts fahren, auch Menschen auf Fahrrädern nicht. (Auch nicht auf dem Gehweg!.) Von allem was Räder hat, ist nur der Handkarren, umgangsprachlich Leiterwagen, noch erlaubt. Will man aber mit dem Fahrrad jemanden in der Straße besuchen, was anliefern oder abholen, dann darf man mit dem Fahrras (genauso wie mit dem Auto) hinein und auch wieder hinaus radeln. 

2. November 2023

Wien installiert hunderte Grünpfeile für Radfahrende

Quelle: Fahrrad Wien
Die Stadt Wien ist schön länger gut unterwegs in Sachen Radverkehrsförderung. Auch wenn die Autofahrenden nicht unbedingt fahrradfreundlicher sind als bei uns, scheint es der Stadt wichtig zu sein, dass Radfahrende bequem vorankommen. 

Mindestens 330 Ampeln sind in Wien bereits mit Schildern ausgestattet, die es Radfahrenden erlauben, bei Rot nach rechts abzubiegen oder geradeaus zu fahren, nachdem sie kurz angehalten haben. Dass sie anhalten müssen, steht auf den Schildern drauf, anders als bei uns in Deutschland. Auch in Stuttgart gibt es ein paar wenige sogenannte Grünpfeile. Die Verkehrsregeln hinter ihnen müssen Radfahrende aber kennen: Anhalten, gucken, dann darf man auch bei Rot abbiegen. Einen Grünpfeil für Geradeausfahrten kenne ich in Stuttgart nicht. Aber immer, wenn ich auf der Neckarstraße stadteinwärts an der Ampel Hackstraße stehe und auf den Schutzstreifen gucke, der vor mir weiter geht, denke ich mir, hier könnte man einen Grüpfeil für Radfahrende anbringen.

31. Oktober 2023

Sind wir abhängig von der Autoindustrie?

Wenn wir über mehr Radverkehr und weniger Autoverkehr in Stuttgart reden, höre ich immer wieder, wir seien wirtschaftlich abhängig von Mercedes-Benz, weshalb bei uns in der Stadt viele Autos fahren müssten. 

Das klingt für mich so, als lebe Mercedes von den Autos, die die Stuttgarter:innen kaufen und fahren, und wenn dienun  auf Fahrräder umstiegen oder man mit dem Auto nicht mehr in Stuttgart in jede Straße reinfahren dürfe, ginge unsere Autoindustrie ein und Stuttgart ginge wirtschaftlich unter. 

Die Autos, die in Deutschland produziert werden, werden allerdings zu 77 Prozent exportiert, also gar nicht bei uns verkauft. 40 Prozent gehen nach China, das allerdings keine Verbrenner mehr abnimmt und wo unsere E-Autos nicht reüssieren können. Und wenn dann die günstigen E-Autos aus China zu uns kommen, wird unsere Autoindustrie alt aussehen. Was auf dem Weltmarkt passiert, wird Mercedes und Co sehr viel mehr beeinflussen als unsere Radverkehrspolitik. Der Ausbau Radverkehrs in Stuttgart wird gar keinen Einfluss haben.  

29. Oktober 2023

Das Schutzblech schützt bei Regen

Allerdings nicht immer. Es hängt davon ab, wie weit sie um die Reifen reichen, ob Füße, Antriebssstrang oder nachfolgende Radfahrende trocken bleiben. 

Die meisten Alltagsräder und Citybikes haben von vorn herein Schutzbleche, die weit genug um die Laufräder herumgehen, um wirkungsvoll Kette und Kurbel oder Füße vor Spritzwasser zu schützen. Wie genau Schutzbleche aussehen müssen, damit sie auch ihren Zweck erfüllen, stellt diese Seite mit Bildern dar. Ist jetzt nicht das wichtigste Thema (wichtiger ist, dass das vordere Radlicht nicht zu hoch eingestellt ist, damit es Entgegenkommende nicht blendet, aber das ist ein anderes Thema), denn nass wird man bei Regen sowieso. Allerdings ist es besser fürs Rad, allemal, wenn es eines mit Elektromotor ist, wenn der Motor, Kurbel und Kette nicht auch noch mit Spritzwasser vom Vorderreifen zugeschaufelt werden. 

27. Oktober 2023

Velogleise werden getestet, aber nicht gebaut

Wenn Radfahrende in Stadtbahngleise geraten, stürzen sie. Das geht meist mit schweren Verletzungen einher. Es sind auch schon Radfsahrende dabei zu Tode gekommen.

Es gibt schon lange die Möglichkeit, die Rillen mit Gummi so zu verschließen, dass Radfahrende darüber fahren können, während Stadtbahngleise den Gummi runterdrücken und ebenfalls fahren können.Bochum hat 2021 verkündet, es wolle Velogleise einführen. Seitdem wartet man darauf. Im März erfahren wir, das die Stadt das Projekt vorerst nicht weiterverfolge. Und das dass ganze werde teurer als gedacht. Basel testet auch wieder so ein Gleis. Aber wird das jemals kommen? Ich habe da meine Zweifel. 

25. Oktober 2023

Verwirrende Ampel am Rotebühlplatz

Noch mal zurück zur Neugestaltung der Kreuzung Rotebühlplatz mit der Theo. Über die neuen Radstreifenmarkierung Richung Fritz-Elsas-Straße habe ich schon berichtet. 

Dabei kam die Frage auf, wie klar oder unklar die Situation für Radfahrende ist, die aus dem Western von der Rotbühlstraße her kommen und nach der Kreuzung geradeaus auf dem neuen breiten Radweg fahren wollen. Sie sehen sich nämlich einer Radlerampel gegeüber, die rechts von ihnen neben einer Aufstellläche für indirektes Linksabbiegen in die Fritz-Elsas-Straße steht. Die Streuscheiben der kleinen Ampel haben keine Richtungspfeile. Die Ampel selbst sagt uns also nicht, dass sei nur für Linkssabbieger gilt. Und da sie rechts der Geradeausfahrenden steht, scheint sie zu gelten. Das aber kann nicht sein, weil man ja gerade mit den Autos Grün bekommen hat, die ungebremst in die Theo fahren. 

Dass die Ampel für Geradeausradler:innen nicht gilt, können wir nur aus den Bodenmarkierungen vor der Ampel entnehmen. Es gibt nämlich keinen Haltestreifen.

23. Oktober 2023

Menschen sind ja nicht doof

Ich habe über das Phänomen der Traffic Evaporation, der (Auto-)Verkehrsverpuffung, schon mal berichtet. Das Difu hat internationale Untersuchungen gesichtet und bestätigt: Wenn man eine Straße oder einen Block für Autos sperrt, gibt es nicht mehr Staus rundherum, sondern weniger oder keine.

Der Text des Deutschen Instituts für Urbanistik empfehle ich all jenen zum Lesen, die behaupten, der Autoverkehr sei wie Wasser und suche sich immer und stur andere Wege, wenn man einen Durchgang blockiert. Menschen sind nicht wie Wasser. Sie haben einen Verstand, können sich entscheiden und ändern ihr Verhalten. Wenn es schöner und leichter ist, zu Fuß zu gehen oder mit dem Rad zu fahren, dann tun viele das lieber als mit dem Auto zu fahren. Die anderen fahren weiter mit dem Auto, haben es aber leichter, weil mehr Leute anders unterwegs sind.

Gute Maßnahemn können den Autoverkehr in umliegenden Straßen sogar halbieren.

21. Oktober 2023

Ein Fahrradlift fürs Autodach

Foto von Pender
Die meisten fahren ihre Fahrräder mit dem Auto auf einem Fahrradträger am Heck in den Urlaub oder zur Fahrradtour.  Denn sie auf einen Dachgepäckträger zu wuchten ist allemal bei Pedelecs heftig. 

Der Nachteil der fahrradträger fürs Heck ist, dass ans neue Auto der alte meist nicht passt und man einen neuen kaufen muss. Die Firma Pender bietet einen E-Bike-Lifter an, einen hydraulsichen Hebearm, mit dem man ohne eigene Körperkrafat ein Fahrrad auf den Dachgepäckträger kriegt. Auslieferung soll jetzt ab September sein. Auf dem Video kann man sich anschauen, wie es geht. Ein Hebearm kostet allerdings knapp 750 Euro. Und für zwei Fahrräder braucht man zwei, denn die Räder werden mit dem Hebearm auf dem Dach auch fixiert. Ob sie auf jeden Dachgepäckträger passen, kann ich nicht beurteilen, sie sollten aber, weshalb man sie beim Autowechsel weiterverwenden kann, nachdem man sich fürs neue Auto ebenfalls einen Dachgepäckträger gekauft hat. 

19. Oktober 2023

Baustellenmurks an der Wilhelmsbrücke

Wenn man in der Cannstatter Vorstadt die Brückenstraße runter zur Kreuzung an der Neckartalstaße radelt und sie zur Wilhelmsbrücke überqueren will, stößt man auf dieses Schild. 

Das Foto hat mir Blogleser Peter geschickt. Auf den gelben Markierungen für den Radstreifen geradeaus steht seit ein paar Wochen ein Schild, auf dem steht, dass Radfahrende zu Fuß den Gehweg benutzen sollen. An den Bahngleisen steht außerdem ein Schild, dass Radfahren geradeaus zur Brücke verbietet.  Und wie geht das jetzt? Ich bin auf dem Radstreifen angekommen, und soll jetzt quer über den Rechtsabbiegestreifen zum Gehweg radeln, dabei absteigen und das Rad den Bordstein hoch schieben? Dies zu tun, wenn die Autos (und ich) Grün haben, wäre nicht angeraten. Also auf das Grün der querenden  Fußgängerfurt warten. Bin ich in weiser Voraussicht schon auf der rechten Abbiegespur unterwegs, dann kann ich auch nur bei Grün radeln, soll dann aber bremsen, absteigen und das Rad auf den Gehweg hochschieben, während die Autos abbiegen wollen. Echt jetzt? 

Und was machen eigentlich die, die mit großen Lastenrädern, E-Dreirädern, Liegerädern und Handbikes unterwegs sind, die man nicht schieben kann oder die sie nicht schieben können? 

17. Oktober 2023

Wenn Poller fehlen, fahren Autofahrer weiter

Seit einigen Wochen ist die Radschleuse Tübinger-, Ecke Feinstraße wieder so hergerichtet, wie sie vor der Baustelle war. Die Radfahrstreifen führen links und rechts an einer Verkehrsinsel vorbei. 

Alles sehr hübsch. Leider fehlen die Poller an der Verkehrsinsel. Und schon haben etliche Autofahrende für sich entdeckt, dass man jetzt auf der Tübinger Straße wieder vom Marienplatz bis zum Gerber mit durchbrausen kann. Ich habe am Sonntag dort einen Autofahrer mit auswärtigem Kennzeichen (nicht das Auto auf dem Foto) getroffen, dem ich sagte, hier dürfe er nicht fahren. Er wollte wissen, woran er das erkennt. Es war ihm übrigens egal, er drehte nicht um, sondern fuhr weiter. 

15. Oktober 2023

E-Räder und gute Infrastruktur helfen Frauen aufs Fahrrad

Pedelecs, auch E-Bikes genannt, erhöhen den Anteil von Frauen, die Fahrrad fahren. Und wo nur wenige Menschen Fahrrad fahren, ist der Anteil von Frauen noch einmal deutlich niedriger als der von Männern.

Das haben Forschende beim Blick auf Neuseeland ermittlt. Fehlt die Radinfrastruktur und müssen Menschen sich die Flächen mit einem starken Autoverkehr teilen und sich dort durchsetzen, sind eher männliche assoziierte Eigenschaften gefragt: eine gute Fitness, gute Radbeherrschung, Bereitschaft zum Schnellfahren und Risikotoleanz. Über diese Eigenschaften definieren sich deutlich weniger Frauen als Männer. Sie bevorzugen Radwege, die vom Autoverkehr getrennt sind oder deutlich weniger Durchsetzungsstärke erfordern. Wenn Frauen sich Pedelecs kaufen können, dann fahren auch deutlich mehr Frauen Fahrrad. Denn es macht das Radfahren unter Fitnessaspekten leichter. Sie müssen sich allerdings die Anschaffung teuer Pedelecs leisten können.

Die TU Dresden hat sich die Frage gestellt, ob Radfahren eine Gender-Frage ist.

13. Oktober 2023

Sharrows auf der Schickardtstraße helfen nicht

Ein Verkehrsversuch funktioniert vermutlich nur, wenn man ihn den Teilnehmenden auch erklärt. Auf der Schickardtstraße sind bergauf zum Schwabtunnel gelbe Sharrows auf die Fahrbahn gemalt worden. Aber was heißt das jetzt?

Die Sharrows auf der Fahrbahn sollen allen - Radfahrenden und Autofahrenden - zeigen, dass hier Radfahrende unterwegs sind und sein sollen und dass sie sich dabei den nötigen Platz auf der Fahrbahn nehmen können und auch müssen.

Ich habe mich da gegen 18 Uhr eine Weile hingestellt und die Situation auch von der Terrasse des Generationenhauses aus beobachtet. Die Straße ist eigentlich wichtig für Radfahrende, die vom Süden in den Westen fahren wollen. Aber sie wird ungern benutzt. Sie ist unangenehm, weil Autofahrende dazu neigen, viel zu eng zu überholen. Leider auch im Tunnel. Die Radfahrenden nehmen den Überholdruck vorweg und fahren ziemlich dicht am rechten Bordstein. Daran ändern die Sharrows nichts.

11. Oktober 2023

Das radfahrende Museum

Uwe fährt Fahrrad. Aber nur mit solchen vom Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts. Ich traf ihn an einem sonnigen Sonntag im Schlossgarten. 

Er sagte mir, das Rad sei ein Stürmer von 1930. Über zweihundert historische Fahrräder besitzt er, etliche von vor dem ersten Weltkrieg, darunter alte Adler, alte Falter und ein Penny Farthing, auch Witwenmacher genannt, ein Hochrad, das er fahren kann und auch gelegentlich fährt. 

Seine Liebe zu historischen Fahrrädern begann in seiner Kindheit in den siebziger Jahren. Er hatte eine Tante, die ein altes Fahrrad hatte und ihm auslieh. Er fand, es fahre sich besser als die damals neumodischen Räder. Ende der neunziger Jahre kam ihm wieder ein altes Fahrrad unter, das er kaufte. Und dann wurden es sehr schnell immer mehr. Er reiste durch die ganze Republik, um Vorkriegsfahrräder zu kaufen. Inzwischen sind es über zweihundert, die er bei sich zu Hause und in verschiedenen Schuppen lagert. Es dürfte eine der größten Sammlungen alter Fahrräder in Deutschland sein. 

9. Oktober 2023

Wenn Lastwagenfahrer einfach mal neue Verkehsregeln aufstellen

Blogleserin Wibke hat mir einen Brief geschrieben, in dem sie sich über Warnaufkleber auf Tansportern, Bussen und Lkw wundert, die sich an Radfahrende richten. 

Sie hat mit auch ein Foto geschickt. Man sieht einen Lkw, auf dem rechts ein Dreieck klebt, auf dem steht: "Fahr niemals rechts vorbei!" Darunter das Signet der Dekra. Sie hat aber auch Amazon-Fahrzeuge gesehen, auf denen ein Aufkleber mit einem Fahrrad und der Ansage klebt, dass Radfahrende beim links-Vorbeifahren am stehenden Fahrzeug aufpassen sollen. 

Auch wenn wir Radfahrende uns im Eigeninteresse immer der Gefahr bewusst sein müssen, die von Lkw-Fahrern für uns ausgeht, die beim Abbiegen nicht in die Rückspiegel gucken, so zeigt sich hier wieder der Versuch, die Opfer für die Fehler der Autofahrenden verantwortlich zu machen. Und zwar, weil es den Lkw- oder Bus-Fahrern offenbar lästig ist, wenn sie sich ständig vergewissern müssen, ob am rechten Straßenrand (wo der Autoverkehr die Radfahrenden ja so gerne haben will (nicht in der Mitte)) ein Radler oder eine Radlerin unterwegs ist. Aber dürfen Autofahrende - und dazu gehören Lkw-Fahrende auch - einfach so per Aufkleber Befehle an Verkehrsteilnehmende erteilen? Fahrt nicht an mir vorbei! Überholt mich nicht! 

7. Oktober 2023

Radfahrende sind keine Verlegenheitsfußgänger:innen

Eine Radlerin fährt an eine rote Ampel heran und wartet. Die Ampel wird aber nicht grün. Sie wartet nach eigener Aussage minutenlang. Dann fährt sie vorsichtig los, obwohl noch rot ist. Die Polizei erwischt sie und kassiert ein Bußgeld von 100 Euro. 

So geschehen in Hamburg. Wie der Spiegel berichtet, sah die Polizei einen vorsätzlichen Rotlichtverstoß. Die Radfahrerin sah das nicht so und fragte sich, was sie tun soll, wenn eine Ampel nicht grün wird. Sie wehrte sich gegen das Bußgeld, die Behörde bestand auf der Zahlung und sie ging vor Gericht. Das Amtsgericht gab den Behörden Recht. Die Radlerin hätte schließlich auch ihr Rad über den parallelen Fußgängerüberweg schieben können. Dagegen legte sie Beschwerde beim Oberlandesgericht ein. Und das sah die Angelegenheit sehr viel differenzierter und verwies die Sache ans Amtsgericht zurück. Die Geldbuße muss zumindest reduziert werden. 

Zwei Argumente sind für uns Radfahrende sehr interessant, vor allem das zweite: 

5. Oktober 2023

Ohne Versenkpoller für die Hofener Straße geht es nicht

Die Hofener Straße in Cannstatt entlang des Neckars war am 3. Oktober für dieses Jahr zum letzten Mal für Autos gesperrt und für Radfahrende reserviert. Die Sperrung beginnt am 1. Mai und gilt nur für den Sonntag. 

Grund ist, dass man Spaziergehenden den Gehweg von Radfahrenden freihalten will. Gerade an sonnigen Sonntagen sind hier viele Menschen zu Fuß, aber auch sehr viele Menschen auf Fahrrädern unterwegs. Das klappt, aber es klappt nicht besonders gut. Viele Radfahrende checken nicht, dass sie an diesen Tagen auf die Fahrbahn müssen, weil der Gehweg (per Verkehrszeichen!) dann für sie verboten ist. Autofahrende checken durchaus, dass die Durchfahrt verboten ist: Es stehen Schranken mit eindeutigen Verkehrszeichen an beiden Enden der Straße. Viele wenden dann, viele aber wollen das nicht akzeptieren. Sie umrunden sie Sperren und fahren weiter. Reinfahren dürfen die Weinbaunern. Und die dürften sich freuen, dass sonntags die Hofener Straße für den Autoverkehr gesperrt ist. So können sie ihre Fahrzeuge bei der Lese massenhaft am Straßenrand abstellen. Was ja auch nur den Radverkehr behindert. 

Die Durchfahrt mit Autos aber ist verboten. Das interessiert notorische Verkehrsregel-Missachtende allerdings nicht. Und statt sich dem Tempo der vielen Radfahrenden anzupassen, versuchen dann auch noch etliche Autofahrer bei erster Gelegenheit zu überholen. 

3. Oktober 2023

Kommt in die Pötte mit dem Radverkehr, es eilt!

Fancy Women Bike Ride im Schwanenplatzunntel
Wenn wir für 35 % all unserer Fahrten ein Fahrrad statt Auto, Bus oder Bahn nutzen würden, könnten wir den Earth Overshoot Day um 9 Tage nach hinten verschieben.

Das hat Earthovershoot-Day errechnet. Damit die Leute Fahrrad fahren statt motorisiert, fügt die Seite an, braucht es allerdings eine einladende und durchgängige Radinfrastruktur. 

Dieses Jahr war der Weltüberlastungstag der 2. August. Ab diesem Tag verbrauchen wir mehr Ressourcen als die Erde hat. Der Deutsche Erdüberlastungstag liegt im Mai, wir verhalten uns so, als hätten wir 3 Erden zur Verfügung, die Weltbevölkerung verbraucht im Jahr 1,7 Erden. Dabei schlägt vor allem der CO2-Fußabruck zu Buche. Paradoxerweise können die Folgen der Klimaerhitzung in Deutschland dazu führen, dass mehr Menschen länger im Jahr Fahrrad fahren, denn das Fahrrad ist bei uns (noch) ein Schönwetter-Fahrzeug.

1. Oktober 2023

Das Fahrrad am Bahnhof parken

In Karlsruhe sieht man, wie wichtig es ist, dass Fahrräder gleisnah an Hauptbahnhöfen abgestellt werden können. 

Karlsruhe hat den Bahnhofsvorplatz weitgehend von Autos befreit. Es gibt einen überdachten Fahrradparkplatz, der knallvoll ist. Hier stehen auch viele Räder für längere Zeit, was man an den zahlreichen Zetteln (Collage weiter unten) sieht, die die Stadt regelmäßig verteilt mit der ultimativen Aufforderung, das Rad zu entfernen, damit Platz für die Räder derjenigen ist, die ihr Rad am Morgen abstellen und am Abend damit wieder wegfahren wollen. 

29. September 2023

Autos sind teuer auch für die, die keines haben

Ein Auto kostet deutsche Steuerzahler:innen jährlich 5000 Euro. Würde nicht die Allgemeinheit den Autobesitz subventionieren, könnten sich selbst Gutverdienende kein Auto leisten. 

Wer ein Auto hat und fährt, zahlt privat schon eine ganze Menge Geld, meistens ohne dass es ihm oder ihr so richtig bewusst wird. Vor allem die Werkstattkosten werden unterschätzt, wie eine Studie herausfand. Aber die privaten Kosten decken nur ungefähr gut die Hälfte bis zwei Drittel der Kosten ab, die Autofahrende verursachen. In ihrer Studie haben Mobilitätsforschende wieder einmal nachgerechnet, was die Allgemeinzeit für Straßenbau, Straßenerhalt, öffentliche Stellplätze und Umwelt- und Gesundheitsschäden oder die Zulassung von Fahrlehrer:innen bezahlt.