31. Juli 2025

An jeder Abbiegung droht Radfahrenden Gefahr

Das hat die Stuttgart Zeitung festgestellt und bezieht sich dabei auf den Abbiegezusammenstoß auf der auf der Kaltentaler Abfahrt. 

In Kaltental fuhr am Freitag, dem 30. Mai, eine Radfahrerin auf dem Radfahrnstreifen bergab in Richtung Engelboldstraße. Ein Autofahrer (oder eine Fahrerin) fuhr ebenfalls bergab. Er oder sie muss vorher an der Radfahrerin vorbei gefahren sein, hat aber - wie üblich - beim Abbiegen bereits völlig vergessen, dass es diesen Menschen auf dem Fahrrad gibt, bog ab und streife dabei die Radfahrerin, die stürzte und sich leicht verletzte. An ihrem Fahrrad entstand außerdem Schaden. Der Fahrer oder die Fahrerin kümmerte das nicht, er oder sie fuhr davon. Womöglich, ohne im rechten seitlichen Rückspiegel den Sturz der Radlerin überhaupt bemerkt zu haben. Manche Autofahrende wollen Radfahrende nicht sehen und sehen sie deshalb auch nicht. 

Mit beachtenswerter Nachdrücklichkeit kümmert sich die Stuttgarter Zeitung gerade um Belange und Themen des Radverkehrs. Und statt sich bei diesem Zusammensstoß mit der Frage zu beschäftigen, ob die Radlerin Warnweste oder Helm trug oder nicht, bemerkt die Autorin ganz richtig:  "Am Steuer eines Autos muss man auf einer einspurigen Straße kaum eine Gefahr befürchten, wenn man geradeaus fährt. Anders sieht es für Verkehrsteilnehmende aus, die keine schützende Karosserie um sich haben: Radfahrerinnen und Radfahrer. Immer wieder passiert es, dass sie beim Abbiegen von Autos (eigentlich Autofahrer:innen) angefahren werden, obwohl diese ihnen Vorrang gewähren müssten." 

29. Juli 2025

E-Bike ist der falsche Begriff

Das, was der Handel  zuhauf als E-Bikes verkauft, sind eigentlich Pedelecs. Also Fahrräder, die man mit eigener Körperkraft bewegen muss, auch wenn man eine Elektrounterstützung bekommt. 

Ein E-Bike ist eigentlich eine Art Mofa, ein Kraftfahrzeug mit Drehgriff (auch Gasgriff genannt) für Beschleunigung, ohne dass man in die Pedale treten muss. Es darf nicht schneller als 25 km/h fahren. Ein Pedelec ist immer noch ein Fahrrad, wenn auch mit Elektrounterstützung bis 25 km/h beim Pedalieren (Pedal Electric Cycle). Damit kann und darf man aber auch schneller fahren, dann halt ohne Elektrounterstützung. Man muss sich also immer auch selber anstrengen. Manche Pedelecs haben zusätzlich eine Anfahrhilfe (über einen Drehgriff), die aber nur bis 6 km/h Speed gibt (Elektrorollstuhlgeschwindigkeit). Es ist durchaus keine Pedanterie, wenn man sich auf die richtigen Begriffe besinnt. Denn, wie VeloTotal bebemerkt, birgt die falsche Begrifflichkeit das Risiko, dass die Politik es nicht so genau nimmt und das Pedelec unter dem Begriff E-Bike eines Tages als Kraftfahrzeug einstuft. Das hätte erhebliche Konsequenzen: Versicherungspflicht, Führerschein, Zulassungsprozesse und Fahrverbote auf Radwegen. 

Und das sind die Unterschiede: 

27. Juli 2025

Notorisches Falschparken im Landschaftsschutzgebiet

Die Nätherstraße in Stuttgart Ost, die von der Wangener Straße Richtung Hedelfingen abgeht, ist für Kraftfahrzeuge gesperrt. Sie ist zugleich ein wichtiger Teil der Radroute zwischen Landhausstraße und Hedelfingen. 

Der Abschnitt ist als Naturschutzgebiet (tatsächlich ist es ein Landschaftsschutzgebiet) ausgeschildert. Deshalb ist der Weg nachts nicht beleuchtet, weshalb er nicht für die Hauptradroute 2 geeignet ist. Die Hauptradroute 2 soll mit Radfahrstreifen entlang der Wangenener Straße geführt werden. Davon ist derzeit noch nichts sichtbar (siehe Plankarte unten). Wir biegen vor allem tagsüber in der Regel in die Nätherstraße ein. Und das werden wir auch künftig tun.

Doch dieser Abschnitt ist auf 220 Metern Länge Stoßstange an Stoßstange zugeparkt. Dabei ist ganz klar: Hier darf mit Autos oder Motorrädern weder reingefahren noch geparkt werden. Das zeigt das Schild "Verbot für Kraftfahrzeuge".  Dieser Weg führt zudem ja auch noch durch ein Naturschutzgebiet. In Naturschutzgebieten darf grundsätzlich nicht Auto oder Motorrad gefahren werden. Die Autos stehen  hier zudem alle mit den rechten Reifen auf Erde und Grün. Auch das Zusatzeichen "Anlieger frei" erlaubt das nicht. 

25. Juli 2025

Die neue Radbrücke in Böblingen

Am Dienstag wurde die neue Radbrücke am Ende der Radschnellverbindung von Rohr nach Böblingen eröffnet. 

Die Brücke verbindet das Ende der Römerstraße mit der Waldburgstraße aufseiten Böblingens und überbrückt die Panzerstraße. Nach Angaben des Landrats, der bei der Eröffnung sprach, soll es beim Überqueren der Panzerstraße Zusammenstöße von Radfahrenden mit Autos gegeben haben, die hier sehr schnell herankommen. Es gibt eine Querungshilfe, aber die muss man auch erst mal finden. Wer hier zum ersten Mal ankam, fand sie vermutlich nicht. 

Die Suche fällt jetzt weg. Man sieht den Brückenaufgang sofort und radelt auf zweihundert Metern Länge in sanftem Bogen über die Panzerstraße. Das ist schön und gut gemacht. 

23. Juli 2025

Danke - das Loch ist zu

Anfang Mai habe ich über ein kleines Hindernis auf der Hautradroute 1 vor dem Anstieg zum Ferdinand-Leitner-Steg Richtung Oper geschrieben:  Das Schlagloch. 

Auf die Details kommt es an, habe ich gesagt. Sie zeigen, dass die Stadt ihre Radfahrenden schätzt.  

Nun hat die Stadt das kleine Loch zugemacht. Und zwar nicht einfach nur mit Asphalt zugeschüttet und damit einen neuen Hubbel erzeugt, sondern richtig plan und eben. Also wirklich gut gemacht. Mit viel Verständnis dafür, dass ein Mensch auf dem Fahrrad, der hier den Schwung der Abfahrt mitnimmt, um hochzukommen, von einer kleinen Unebenheit durchaus aus dem Gleichgewicht geworfen werden kann. 

Übrigens vermute ich, dass jemand eine Gelbe Karte geschrieben hat, auf die die Stadt reagiert hat. 

Und so sah es vorher aus.  Alle Radfahrenden, die sich auskennen, zielten stets knapp links oder rechts an dem viereckigen Loch vorbei. 

21. Juli 2025

Hauptradroute für Tage einfach mal gesperrt

Jedes Jahr zum Marienplatzfest wird der Abschnitt der Tübinger Straße zwischen Kolbstraße und Marienplatz komplett für den Fahrverkehr gesperrt, also auch für Fahrräder. Ich finde, das geht so nicht mehr. 

Das ist so, als würde man die B14 für vier Tage für den Autoverkehr sperren und den Autofahrenden sehr weite Umleitungen über Stuttgart Degerloch anbieten, damit sie nach Heslach kommen. Ungefähr so weit - und steil - sind die Umleitungen für Radfahrende, die lückenhaft ausgeschildert sind. Wer von der Kolbstraße runter kommt, sieht erst unten, dass er oder sie nicht nach links zum Marienplatz abbiegen kann und anders hätte radeln müssen. Aber Umleitungen sind ohnehin nicht mehr die Lösung für die Hauptradroute 1, auf der in diesen Tagen Tausende Radfahrende auf ihren Pendlerstrecken unterwegs sind.  Der Radverkehr muss von der Stadt endlich als Verkehr ernstgenommen werden. Im kommenden Jahr baucht es ein Konzept, dass die Flüssigkeit des Radverkehrs - also die Durchfahrt auf der Hauptradroute 1 - sicherstellt. Der Radverkehr ist keine Verfügungsmasse für Feste und Feiern. 

Und es stellt sich schon die Frage, ob eine Fahrradstraße als Lager für die Versorgung des Marienplatzfests missbraucht werden darf. Es ist eine Straße, die man nicht einfach dem Verkehr entziehen kann, was man im Fall einer Auto-Hauptverkehrsachse auch niemals tun würde. 

So bitte nie wieder! 

19. Juli 2025

Skrupellos mit Motor

Dass Mopedfahrer sich für Radfahrer halten und gegen die Einbahnstraße über die Radfuhrt in die Tübinger Straße fahren, regt ja schon keinen mehr auf, so oft passiert das. Aber dass ein Autofahrer sich für einen Fußgänger hält und ungeniert die Verkehrsinsel benutzt, um nach links abzubiegen ist schon bemerkenswert. 

Das Foto stammt von Blogleser Simon, der die Szene am Vormittag des 17. Juli am Charlottenplatz beobachtet hat. Von wo der Böblinger gekommen ist, konnte er nicht beobachten. Der Fahrer hat jedenfalls mitten auf dem Aufstellplatz auf der Seite für Radfahrende den Verkehr abgewartet, der die Charlottenstraße herabkam und ist dann in die Planie Richtung Tunnel/Schlossplatz) abgebogen. Dass schwer Motorisierte Fußgängerbereiche befahren, passiert gar nicht so selten, denn ich habe mehrere Fotos davon. 

17. Juli 2025

Zwei Unis sammeln Regelverstöße im Straßenverkehr

Die Universität Freiburg und die Bundeswehruniversität München haben im Juni dafür die Plattform regelverstöße.de eingerichtet.  

Dort kann man - wie der NDR auch berichtet - bundesweit eintragen, was einem so aufgefallen ist im Straßenverkehr vor Ort, also Regelverstöße durch den Pkw-Verkehr, Radverkehr oder Fußverkehr ,die im besten Fall durch bauliche Maßnahmen oder andere Ampelschaltungen behoben werden könnten. Vermutlich werden die Einträge von Radfahrenden überwiegen (in Stuttgart ist das derzeit noch so), weil die im Straßenverkehr am stärksten durch Autofahrende gefährdet werden und viele ein Bewusstsein dafür haben, dass sich was ändern muss in unserer Verkehrswelt.  Der aggressive Autoverkehr drängt etliche Radfahrende auf die Gehwege ab, wo sie dann selbst den Regelverstoß begehen, dort nicht fahren zu dürfen, oder, wenn er freigegeben ist, dort zu schnelle (nicht Schrittgeschwindigkeit) zu fahren. Ein wissenschaftliche Auswertung wäre sicher gut, aber dafür muss die Datenlage noch sehr viel besser werden. Diese Seite wird aber eher zufällig gefunden. Und die Mühe machen muss man sich auch, da was einzutragen, und zwar so, dass es auch auswertbar ist, also ohne Übertreibungen und Hasstiraden. 

Wer Regelverstöße melden will, kann das hier tun. Allerdings kostet jede einzelne Meldung Zeit, und es gibt in den Listen zum Anklicken auch Kategorien, die fehlen, beispielsweise der Begriff "Schutzstreifen".  Dafür kann man am Schluss einen Text schreiben. Der Schwabtunnel, die Waldburgstraße, die eigentlich autofreie Eberhardstraße, die Alte Weinsteige oder die elend langsame Ampel Waldeck sind schon drin. 

Situationen die aus dem Verstoß gegen Paragraf 1 der StVO, also Rücksicht und Vorsicht, entstehen, sind auch schwer zu kategorisieren.  Und das allgemeine nicht besonders fahrradfreundliche Klima in Stuttgart lässt sich auch nicht ankreuzen.  

15. Juli 2025

Landstraßen mit dem Rad queren ist riskant

Die Stuttgarter Zeitung hat einen differenzierten Artikel über Senior:innen auf Pedelecs veröffentlicht, die vor allem auf Landstraßen unverhältnismäßig oft Opfer von meist selbstverschuldeten Zusammenstößen mit Autos werden. 

Die Zeitung schreibt, oftmals seien es beim Überqueren von Landstraßen mit E-Rädern die Frauen, die ihren Männern folgen, obgleich ein Auto kommt, und das auch noch sehr schnell. Über die Gefahren beim Radeln zu mehreren habe ich bereits geschrieben. Der vorausfahrende Radler sieht für sich eine freie Straße und die Gelegenheit und fährt  beispielsweise aus dem Feldweg über eine Landstraße. Damit bringt er jedoch die Nachfolgenden in Gefahr. Denn die befinden sich im Vertrauensmodus hinter einem Anführer und Entscheider. Sie wollen dranbleiben, gucken nicht oder schaffen es nicht, sich mental blitzschnell vom Voranfahrenden zu lösen, eine eigene Entscheidung zu treffen, anzuhalten und den Verkehr abzuwarten. Das passiert auch Jugendlichen. Es passiert aber eben auch bei radelnden Paaren im Rentenalter. Da die meist Pedelecs fahren, entsteht der Eindruck, als seien die Pedelec-Fahrenden im Vergleich zu Normalradfahrenden besonders gefährdet. Würden sie Normalräder fahren, bestünden allerdings die gleichen Gefahren. Es stimmt aber auch, dass die Senior:innen vielfach gar nicht mehr Rad fahren würden, gäbe es diese Räder mit E-Unterstützung nicht. In den allermeisten Fällen verlaufen all diese Radfahrten übrigens unfallfrei, und mit Pedelcs radeln ist gesund, hält mobil und ermöglicht Teilhabe im Alter, ist also gut. Es darf also nicht darum gehen, Pedelecs zur Hauptgefahr und stilisieren und zu verdammen. Autofahren ist gefährlicher, wenn auch nicht für die Senior:innen selbst, so doch für andere. 

Die Polizei sucht im Zeitungsartikel allerdings aufs Pedelec bezogene Erklärungen:

13. Juli 2025

Das andere Fahrradland - Tübingen

Tübingen ist beim Fahrradklimatest des ADFC auf Platz 3 der fahrradfreundlichsten Städte Deutschlands gelandet. Die Radbrücken kommen gut an. Und die Radfahrenden fühlen sich mehrheitlich sicher. 

Blogleser Jörg hat Ende Mai eine Radfahrt nacht Tübingen unternommen und fühlte sich wie in einem anderen Land. 

Er schreibt: "Irgendwie ist es nicht zu glauben, dass dieselben Bundes- und Landesgesetze wie in Stuttgart gelten. Es gibt ganz viele Fahrradstraßen, durchgängige Radführungen, wenn auch zum Teil chaotisch, aber doch vorhanden. Am Ortsrand geht es weiter, asphaltierte Wege mit weißen Rändern außerorts. Auch neben Landstraßen wird für die Radfahrenden Geld ausgegeben und Boden versiegelt." Auch im Landkreis Böblingen fand er es noch ganz gut. Der Radweg Schönaich bis zum Radschnellweg neben der viel befahrenen Landstraße ist gut asphaltiert. Die Brücke auf Böblinger Seite des Radschnellwegs ist auch bald fertig. "Aber an der Stadtgrenze Stuttgart gelten andere Gesetze und schon ist der Mist da", stellte er fest. 

Er hat mir ein paar seiner Fotos zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür. 

11. Juli 2025

Wut auf Radfahrende zieht immer

Der Bayrische Rundfunk hat einen Beitrag veröffentlicht, in dem es um einen Radschnellweg geht und um die "Wut auf die Rennradler". 

Allerdings sind es nicht die Berufsradpendler:innen, die sich über Rennradler:innen ärgern, sondern - wie sollte es auch anders sein - die Menschen in Autos, (die aussteigen müssen und dann zu Fuß unterwegs sind), die ihre Wut rauslassen dürfen gegen "rasende Radler".  Es sollen sogar bereits Nägel auf den Radschnellweg geworfen worden sein. Und Autofahrende beschweren sich, dass sie vor lauter Radler:innen nicht mehr aus einer Garage fahren könnten. Den BR-Beitrag kann man hier nachlesen. Wieder einmal wird der Radverkehr problematisiert, eigentlich skandalisiert und der Wut preisgegeben, in einem Maß, in dem der Autoverkehr nie problematisiert wird, obgleich er die eigentliche tödliche Gefahr für alle darstellt, die nicht im Auto sitzen.  

Ich habe deshalb mal kurz die Perspektive gewechselt und im BR-Text das Fahrrad durch das Auto ersetzt, was auch deshalb naheliegt, weil die Medien gerne bei Radschnellwegen von "Fahrradautobahn" oder "Autobahn für Radfahrer" reden und schreiben: 

9. Juli 2025

Framing - so beschönigen wir den Autoverkehr

Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat hat Mitte Mai an einen Polizisten der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster den den DVR-Förderpreis für seine Masterarbeit über das Framing in der Presseberichterstattung der Polizei verliehen. 

In seinem Bericht darüber verwendet der DRV selbst bereits nicht mehr das Wort "Unfall" oder "Verkehrsunfall", sondern "Verkehrskollision". Mehr als neunzig Prozent der Zusammenstöße seien auf menschliches Versagen zurückzuführen, heißt es. Fehlverhalten müsse klar benannt werden, damit (Auto-)Fahrende ihr Verhalten ändern. Der DVR fordert einen Kulturwandel in der Berichterstattung über das Geschehen im Straßenverkehr. Die Masterarbeit selbst ist mir nicht zugänglich. Sie stammt aus dem Jahr 2023. Ich habe immer wieder über das Thema geschrieben, sei es über die Mär vom starken und schwachen Verkehrsteilnehmer, über die tückische Doppeldeutigkeit des Bergriffs der "Verkehrsopfer" oder wie unsere Sprache die wahren Gewaltverhältnisse im Straßenverkehr verschleiert und die Verkehrswende verhindert. Zum Framing gehört auch, dass Radfahren in Artikeln regelmäßig als gefährlich (für einen selbst) dargestellt wird, Autofahren aber nie als gefährlich für andere, die nicht im Auto sitzen. Gleichzeitig wird der Radverkehr in den Medien oft als rowdyhaft, also rücksichtlos und gefährlich für Fußgänger:innen angeprangert, obgleich die tödlichen Gefahren vom Autoverkehr ausgehen. 

Es gibt aber auch ein softeres und beinahe unmerkliches Framing, mit dem wir in unserer Gesellschaft die Dominanz des Autoverkehrs über unser ganzes Leben als unabänderlich bestätigen. Etwa wenn der Autoverkehr als als Naturgewalt beschrieben und damit suggeriert wird, dass man ihm nachgeben, ihn fließen lassen muss. Darüber ließe sich eine Dissertation schreiben. Hier nur ein paar Beispiele für Soft-Framing: 

7. Juli 2025

Tempo 30 - pardoxer Widerstand gegen Vorteile

Tempo 30 flächendeckend in der Stadt, also auch auf Hauptverkehrsstraßen, bringt auch Vorteile für Autofahrende. Für alle anderen sowieso. 

Das hat ein Modellprojekt in niedersächsischen Kommunen ergeben. Den Modellversuch hätte man eigentlich gar nicht machen müssen, denn man weiß seit langem, dass der Autoverkehr in Städten sich weniger staut und besser fließt, wenn nicht schneller als 30 km/h gefahren wird. Das ist ohnehin die Durchschnittsgeschwindigkeit eines Autos in einer Stadt, alle Ampelhalts und Hindernisse mit eingerechnet. Deshalb ist man mit dem Fahrrad in der Regel schneller am Ziel. Außerdem bessert sich die Luftqualität und die Anwohner:innen müssen weniger Lärm erdulden. Die Zusammenstöße von Autofahrenden mit Fußgänger:innen oder Radfahrenden wurden zwar auf den Versuchsstrecken nicht weniger, aber die Verletzungen waren nicht so schwer. 

Währenddessen Pforzheim: Da hatte man Tempo 30 eingeführt und hebt es nun tagsüber wieder auf. Auf Hauptverkehrsstraßen darf dann wieder 50 km/h gefahren werden. Die Begründung dafür ist, dass man "Staus vermeiden" wolle. Das ist sicherlich kein haltbarer Grund, sondern eher eine Ausrede, um den konservativen Autofahrenden das vertraute Gaspedal-Gefühl zurückzugeben. Rational ist es nicht. Denn je höher die Geschwindigkeit, desto größer die Gefahr von Staus, die aus den Verzögerungen des Abbremsens und wieder Anfahrens entstehen.

5. Juli 2025

Zürich kapituliert vor dem Autoverkehr

Quelle: Apple Karten
In Zürich gibt es seit einem Jahr eine Fahrradstraße, dort Veloroute genannt, die theoretisch frei vom Autoverkehr sein müsste. So hat es das Stimmvolk  beschlossen. 

Es ist aber nicht so. Zur Hauptverkehrszeit stauen sich die Autos auf der Fahrradstraße, Radfahrende kommen nicht mehr durch, stehen im Autostau oder weichen auf die Gehwege aus. Es handelt sich um die Bullingerstraße, die ein Meilenstein für den städtischen Radverkehr werden sollte. Aber davon sieht man heute nur grüne Streifen am Straßenrand, sonst nichts. Von Anfang an schaffte es die Stadt nicht, die Velostraße vom Autoverkehr zu befreien. Sie wollte wohl einfach nicht, obgleich 70 Prozent des Stimmvolks für ein 50 Kilometer langes und grundsätzlich vom Autoverkehr befreites Volovorzugsroutennetz in Zürich gestimmt hatte. 

Pro Velo Züric kritisierte das von Anfang an. Nach gut zwei Jahren hat sich immer noch nichts geändert, der Autoverkehr staut sich auf der Straße und blockiert den Radfahrenden die Durchfahrt. Die Stadt hat zwar ein Konzept erarbeitet, wie der Kraftfahrzeugverkehr aus der Bullingerstraße rauskommt, aber nicht umgesetzt, denn man befürchtet, dass der Autoverkehr sich dorthin verlagert, wo er den öffentlichen Nahverkehr behindern würde, also die Straßenbahn. 



3. Juli 2025

Die Fahrradbranche in und um Stuttgart herum

Es gibt einen Branchenatlas für Radlogistik, also für Unternehmen, die Lastenräder herstellen,  Kurierdienste oder Akkuwechselstationen anbieten oder städtische Monilität konzipieren. 

Auf dem seit einem Jahr eingerichteten "Atlas der Radlogistik" gibt es 450 Einträge und für Stuttgart acht. Die Liste im Atlas ist nicht vollständig und sie enthält auch Unternehmen, deren Internetseite nicht mehr zugänglich ist, oder die doch ihre Kundschaft eher in der Autoindustrie suchen. Die Interessen der Fahrradwirtschaft in Deutschland vertritt der Verband Zukunft Fahrrad und hat nach eigenen Angaben 100 Mitglieder. Ich habe mich mal in Stuttgart und Umgebung umgeschaut. Die hier aufgeführten Unternehmen kümmern sich um Hardware, also Lastenräder, Spezialfahrräder und Pedelecs, aber auch um die Software, also Fahrradelektronik, Antriebe und Bremskraftverstärker oder um die Organisation der Firmenlogistik und des Transports von Waren auf der letzten Meile. Hier meine Liste: 

1. Juli 2025

Selbstjustiz von Autofahrern verstört Radfahrende

Die Beinsteiner Straße in Weinstadt bei Waiblingen ist Teil des Radnetzes Baden-Württemberg. Es handelt sich um einen schmale Straße am Rand eines Wohngebiets, die im Westen einen Feldwegcharakter hat.  Seit Jahren ist die Straße zugeparkt. 

Dort hat sich ein von der Presse (Waiblinger Zeitung; hinter der Bezahlschranke) aufmerksam begleiteter für uns in Deutschland leider typischer Konflikt um öffentliche Autoabstellflächen entfaltet, der in Selbstjustiz mündete: Anwohnende - offensichtlich Autobesitzer:innen -  haben die im April aufgestellten Parkverbotsschilder umgedreht oder ganz umgelegt. Da die nur zur Bekräftigung eines ohnehin geltenden, aber seit Jahren nicht beachteten und nicht geahndeten Parkverbots dort stehen, nützt deren Entfernung nichts. Das Parkverbot kann trotzdem geahndet werden. Die Stadt Waiblingen, die für diese Straße in Weingarten zuständig ist, droht nun mit Strafanzeige. Denn das Entfernen von Verkehrszeichen ist keine Ordnungswidrigkeit, sondern ein Straftat. Selbstjustiz kann keine Stadt, kein Staat, keine rechtsstaatlich verfasste Gesellschaft dulden, sie stellt all unsere Übereinkünfte für ein friedliches Zusammenleben infrage. Dass Autofahrende Schilder abmontieren, die ihnen nicht passen, ist keine Seltenheit. Das war auch bei den Überholverbotsschildern  in der Böblinger Straße in Kaltental der Fall, die auch nur die bestehende Regel bekräftigten. Auch die ostentative Missachtung von Verkehrszeichen ist nicht selten und passiert derzeit beispielsweise im Schwabtunnel in Stuttgart. 

Auf mich wirkt das Verhalten dieser Autofahrer:innen beängstigend aggressiv und ziemlich verstörend. So sieht das auch Blogleser Miran, der mich auf diese Geschichte aufmerksam gemacht hat. Was ist das für eine Mentalität bei manchen Autofahrenden, dass sie keinerlei Regeln mehr akzeptieren wollen, die ihnen nicht passen? 

Aber von Anfang an: