31. Juli 2024

Nutzen Sie unseren Parkplatz!

Wie kommt man da hin, zur Kirche, zum Sportplatz, zum Treffen im Biergarten, zur Kultur? Auf fast allen Seiten von viel besuchten Einrichtungen findet man unter "Anfahrt" oder "Anreise" Beschreibungen für den Autoverkehr. 

Die Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln wird in der Regel auch noch dargestellt, zum Teil auch sehr detailliert. Manchmal wird auch der Fußweg zum Ziel noch beschrieben. Aber die Frage, wie man mit dem Fahrrad hinkommt, und ob es am Ziel Fahrradbügel oder gar geschützte Radparkplätze gibt, wird oftmals nicht beantwortet. 

Zum Beispiel:

29. Juli 2024

Schiefe Mobilitäts-Bilder im Fernsehen

In unseren Fernsehserien kommen unverhältnismäßig viele Autos und Autofahrten vor. Zuweilen werden sie regelrecht inszeniert. 

Fahrrad fährt nur der schrullige Kommissar oder Privatdetektiv, und wenn es ernst wird, steigt er ins Auto um. Mit Stadtbahnen oder Bussen fährt kaum jemand. E-Scooter kommen gar nicht vor. 

Die Verkehrswelt, die beispielsweise im "Tatort" dargestellt wird, ist aus dem vorigen Jahrhundert, benzinreich und vom Auto dominiert. Das hat eine Studie über "Mobilität in den Medien" ergeben, die vom Umweltbundesamt in Auftrag gegeben und 2021 teilweise veröffentlicht wurde. Die Autor:innen haben Veröffentlichungen über Mobilität ausgewertert und bei diversen Fernsehserien die in Fimszenen dargestellte Mobiltät ausgezählt. Je jünger die Zielgruppe, so ein Ergebnis, desto eher werden umweltfreundliche Arten der Fortbewegung gezeigt, Radfahren und zu Fuß Gehen.

27. Juli 2024

Warum diese Wut vieler Autofahrender auf Radfahrende?

Falsche Erwartungen und eine zu optimistische Planung führen zu Frust im Auto, sagt der Kognitionswissenschaflter Rul von Stülpnagel der Zeit (Bezahlschranke). Der Frust entlädt sich gegen andere. 

Vermutlich meint er: Man hat sich gedacht, man steigt ein, fährt schnell hin, steigt aus und ist da. Aber dann steht man plötzlich Stau, gerät in Stress, weil man zu spät kommen wird, und sieht einen Radfahrer sich am eigenen Auto vorbei nach vorne zur Ampel schlängelt. Die Parkplatzsuche dauert dann auch länger. Und dabei sieht man ein Fahrrad an einem Mast auf dem Gehweg gleich neben der Tür abgestellt. 

Radfahrende haben die Freiheit, die Autofahrende sich wünschen. Mit dem Fahrrad ist man nie in einem Stau gefangen, man kommt fast überall durch, ist unabhängig von der Verkehrslage und kommt immer pünktlich an. Man muss nie Parkplatz suchen. Das Auto garantierte eben nicht die Freiheit, für das es in unserer Kultur steht, zu jeder beliebigen Zeit einzusteigen, zügig zum Ziel zu rollen, es abzustellen und angekommen zu sein. Im morgendlichen und abendlichen Berufsverkehr steht man im Stau, die Parkplatzsuche kostet Zeit und Nerven, für den Parkplatz muss man bezahlen. Währenddessen rollen die Radfahrenden leicht und tänzerisch an einem vorbei, so als gälten für sie die Regeln des schwerfälligen Autoverkehrs nicht (weshalb auch viele behaupten, Radfahrende hielten sich an keine Regeln). Dem gestressten Autofahrer erscheint die Leichtigkeit des Radfahrens als Provokation. Und wenn es ihm dann auch noch Radwege und Fahrradstreifen leichter machen, an der Autoschlange vorbeizurollen, fühlen sich Autofahrende benachteiligt. 

25. Juli 2024

Warum parken die auf dem Gehweg?

Die Falkenstraße in Stuttgart-Sonnenberg wurde neu gemacht: Fahrbahn und Gehweg, alles fein und schön glatt. 

Die Wohnstraße ist Richtung Möhringen Einbahnstraße und als solche in Gegenrichtung für den Radverkehr freigeben. Viel Radverkehr ist hier nicht, viel Autoverkehr auch nicht. Faszinierend ist es für mich zu sehen, wie sich die Autofahrenden verhalten. Sie parken alle linksseitig. Niemand parkt am rechten Bordstein, obgleich das nicht verboten ist. Als die Gehwegbordsteine noch hoch waren, parkte man auf der Fahrbahn, jetzt, da sie teils keine drei Zentimeter hoch und abgerundet sind, stehen in diesem Abschnitt (zwischen Fuchs- und Haldenwaldstraße) alle mit den linken Reifen auf dem Gehweg.  

Das erleichtert zwar den Begegnungsverkehr mit Radfahrenden. Aber nötig ist es nicht. Warum die Bordsteine hier keine mehr sind, erschließt sich mir nicht. Es sei denn, sie sollen als Parkverbot fungieren. Denn eigentlich darf an abgesenkten Bordsteinen niemand parken (kostet aber nur 10 Euro).

23. Juli 2024

Wenn die Seele ihren Weg findet

Radfahren bei Nacht ist aufregend. Besonders, wenn die Straßenbeleuchtung aufhört. Dann sind wir plötzlich allein in einer schwarzen Blase und folgen dem wackligen Schein unserer Beleuchtung. 

Ich radle eher selten bei Dunkelheit (im Winter natürlich öfter als im Sommer), und wenn, dann bin auf auf dem Heimweg und fahre durch bekannte, jetzt stillere Straßen. Es sind weniger Radfahrende unterwegs, der Autoverkehr hat weitgehend aufgehört, riesige Kreuzungen liegen verwaist vor mir, an den Masten tanzen die Ampeln von Rot auf Grün und Gelb zu Rot, irgendwo am anderen Ende fährt ein Auto. Die Nebenstraßen sind still, alle Autos sind geparkt, die Leute zuhause. Manchmal quert ein Fuchs die Fahrbahn. 

21. Juli 2024

Blockiert unsere Sprache die Verkehrswende?

Positive Bilder und Begriffe sind wichtig, wenn wir unsere Städte menschlicher machen wollen. Das Auto hat unsere Sprache und Vorstellungskraft jedoch so korrumpiert, dass das beinahe unmöglich erscheint. 

Bekannt ist das Beispiel der "gesperrten Straßen". Selbstverständlich nehmen wir an, dass sie für Autos gesperrt sind. Denn die Straße ist für uns ein Raum, der einzig und allein Menschen vorbehalten ist, die Auto fahren und ihre Autos abstellen. Gesperrt ist sie derzeit tatsächlich immer für Menschen zu Fuß, für spielende Kinder, für nachbarschaftliche Treffen, für Ballspiele, für Tische und Stühle. Die Formulierung, die dem entgegenwirken will, lautet: "Die Straße wird geöffnet für Menschen". Weniger bekannt ist die Tücke des Begriffs "autofrei" ("autofreie Straßen", "autofreie Innenstadt").

19. Juli 2024

Der gute Radweg

In Deutschland könnten wir den Radverkehr verdreifachen, wenn wir unser Radinfrastruktur so ausbauen, dass niemand mehr Radfahren als gefährlich empfindet. Das ist bekannt. 

Das Geld für Radwege muss allerdings überlegt ausgegeben werden. Nur Farbe und Pfeile auf der Fahrbahn, Kreisverkehre im Mischverkehr und Fahrradweichen sind wenig hilfreich. Wenn Radwege oder Radstreifen urplötzlich aufhören und Radfahrende sich zwischen schnellen Autos wiederfinden, schreckt das ab. Wenn Radwege oft von Autofahrenden gekreuzt werden, erhöht das die Gefahr von Zusammenstößen. Und dann heißt es: Radfahren ist gefährlich. Die Seite We Love Cycling zeigt krasse Beispiele, wie unüberlegt, lieblos und zynisch Radwege angelegt werden können, im Zickzack, durch Fußgängeraufstellplätze, plötzlich endend. Solche Beispiele haben wir auch in Stuttgart, bis hin zu Radspuren, die gegen ein Gerüst führen, weshalb ich hier ein paar Bilder einfüge, die die fünf Punkte, die Discerning Cyclists für eine gute Radinfrastruktur auflistet, konterkarieren. 

17. Juli 2024

Das Opfer - die Verkehrsopfer

Das Wort "Opfer" kommt in unserem Sprechen und Schreiben über den Straßenverkehr vor. Es gibt Verkehrsopfer und Unfallopfer. 

Und es werden auch mal Parkplätze oder eine Fahrspur "geopfert", womöglich sogar für die "Verkehrssicherheit". Solche "Opfer"- das impliziert diese Formulierung - sind unnötig, denn "Opfer" sind so gut wie immer "sinnlos" und damit unnötig. 

Dass der Autoverkehr regelmäßig Menschen opfert, lesen wir so nicht. Niemand sagt, dass "wir dem Autoverkehr über zweitausend Menschen im Jahr opfern". Jedoch taucht das Substantiv für die so Geopferten als "Verkehrsopfer" oder "Unfallopfer" auf. Die Konzentration auf das Objekt der Opferung, das Opfer, hat den Vorteil, dass wir keine Akteure benennen müssen, keine handelnden Personen, keine Täter:innen, nicht die Priester:innen, die ihm Namen einer Gottheit das Opfer verlangen. Auch der Autoverkehr, der Menschen opfert, ist übrigens letztlich keine handelnde Person (wenngleich ein System, das wir aufrecht erhalten). Also bleiben nur noch die Opfer des Straßenverkehrs übrig. 

Wir benutzen das Wort so, als hätten wir kein anderes Wort dafür. Im Englischen wird unterschieden zwischen "victim" (Leidtragende:r Geschädigte:r, Verunglückte:r) und "sacrifice" (Opfer als Akt) und "to be sacrificed" (geopfert werden), also zwischen dem religiös-kulturellen Akt des Opferns und den Folgen eines Unglücks oder Gewaltakts. Dass wir diesen Unterschied im Deutschen nicht machen, hat Folgen für unsere Akzeptanz von Opfern im Straßenverkehr. 

15. Juli 2024

Der stille Konflikt an der Oper

Konflikte oder gar Zusammenstöße zwischen Fußgänger:innen und Radfahrenden soll es an der Außengastro der Staatstheater im vergangenen Jahr nicht gegeben haben. Zumindest keine, die polizeibekannt wurden. 

So lautet einem Bericht der Stuttgarter Zeitung zufolge die Antwort des Wirtschaftsministeriums auf eine Anfrage des grünen Radexperten Hermino Katzenstein. Auch für dieses Jahr erwartet man keine Konflikte oder gar Zusammenstöße auf der Hauptradroute 1, die dort die Hälfte ihres Platzes verloren hat. Dennoch sei das Konfliktpotenzial im Oberen Schlossgarten ein ständiges Thema, und man werde sich im Austausch mit der Stadt weiter dafür einsetzen, dass die Hauptradroute 1 eine Alternative bekommt. Und zwar zügig. Katzenstein forderte, die HRR1 schnell an die B14 zu verlegen. Das wird allerdings nicht so schnell geschehen, schätze ich. 

Die Alternativroute zum 5 km ampelfreien Schlossgarten muss auch, so meine ich, attraktiv sein.

13. Juli 2024

In Stuttgart ist der Park Parkplatz

Parken kommt von Park, eigentlich aus dem Englischen von "the park", eingezäunter Bereich, Pferch, großer Garten. Deshalb stellt man Autos am besten im Park ab. Schließlich heißt es ja parken. 

Das illustrieren die an der Oper im Schlossgarten abgestellten Limousinen an einem Plenartag im Landtag sehr eindrücklich. Hier stehen immer mal wieder Limousinen auch länger, aber dieses Mal waren es besonders viele und sie standen lange. Die Autos (genauer, die Fahrer:innen und Insass:innen dieser Autos) nehmen den Fußgänger:innen den Platz weg und nebenbei auch den Radfahrenden auf der Hauptradroute 1, die sich bei ihrer Fahrt um die Oper herum eine immer kleinere Fläche mit immer mehr Fußgänger:innen teilen müssen. Ein schönes Beispiel, wie der Autoverkehr den Fuß- und Radverkehr zusammenpfercht.

Vor allem aber ist es illegal: Sie haben ihre Autos hinter dem Verkehrszeichen "Fußgängerzone - Rad frei" (Foto unten) abgestellt, also in einer Fußgängerzone. Das ist verboten. Es ist ein Verstoß gegen die Verkehrsregeln, der mit 55 Euro Bußgeld bestraft wird. Aus gutem Grund. Fußgängerzonen sind keine Autozonen.

11. Juli 2024

Der größte wirtschaftliche Unsinn sind Parkplätze

Viel Autoverkehr ist ein Standortnachteil für Städte. Das haben Politiker:innen in Städten wie London, Brüssel, Mailand und Paris verstanden. Wir allerdings noch nicht. 

Der Stadtgeograf und Zukunftsforscher Stefan Carsten sagt in einem langen Interview mit der Onlineplattform Utopia: "Ein Parklatz ist der widersinnigste Ort, den sich eine Stadt leisten kann." Gerade dem Einzelhandel, der bei uns verbissen um jeden Parkplatz vor dem Laden kämpft, schadet der Parkplatz und nützt jeder Fahrradstellplatz und jeder Fußgängerweg vor der Tür. Parkplätze am Straßenrand im Konsumbereich einer Stadt bedeuten nämlich auch Parkplatzsuchverkehr, der ungefähr 30 bis 40 Prozent des Autoverkehrs in Straßen ausmacht, wo Leute eigentlich flanieren und sich aufhalten wollen. Der Umsatz einer Einkaufsstraße wird zu 91 Prozent mit Fußgänger:innen (ÖV-Nutzer:innen) und Radfahrenden gemacht. Autofahrende kaufen vielleicht bei einem Besuch mehr, aber Fußgänger:innen und Radfahrende kommen öfter und geben in Summe mehr Geld im Einzelhandel aus. Auch Carsten geht es nicht darum, alle Autos aus den Städten zu verbannen. Derzeit aber belegt der Autoverkehr in unseren Städten rund 50 bis 60 Prozent des öffentlichen Raums. Wie man auf dem Foto sieht, sind die Autos in dieser Einkaufsstraße einer Kleinstadt so dominant, dass kaum ein Mensch mehr zu Fuß unterwegs ist. Aber nur die zu Fuß kaufen ein, Autos nicht. Die paar Menschen, die hier aus ihren Autos ausgestiegen sind, um schnell was abzuholen oder zur Apotheke zu gehen, machen die Menge an Menschen nicht wett, die sonst hier schlendern und in die Läden gehen würden. 

9. Juli 2024

Manche Verkehrzeichen gelten in Stuttgart nicht für den Radverkehr

Offensichtlich haben in  Stuttgart Verkehrszeichen ein andere Bedeutung als im Rest der Republik. 
Das Durchfahrt-verboten-Schild gilt jedenfalls offensichtlich gerade nicht für den Radverkehr.

Denn einfach mal rabiat 65 Meter der Fahrradstraße als Teil der Hauptradoute 1 für eine Festivität auf dem Marienplatz sperren - und das für mehrere Tage-, geht ja nicht. Eine Umleitung ist nicht ausgeschildert, es scheint also niemand zu erwarten, dass Radfahrende anders fahren. Mit dem Rad zum Marienplatz (letztlich Richtung Möhringer Straße, Heslach, Vaihingen) kann man von hier aus auch gar nicht anders fahren, es sei denn man fährt bergauf und bergab einen Umweg von 1,4 km oder kenntnisreich über Fußgängerbereiche und Ampelanlagen gut 600 Meter. Das ist aber, wie gesagt, nicht ausgeschildert. Und das ist kein Einzelfall, auch wenn es jetzt während der EM gehäuft vorkommt. 

7. Juli 2024

Vorfahrt oder nicht - was gilt auf Radwegen?

Wir radeln auf dem prominent geführten Radweg, von rechts kommt ein Radfahrer von irgendeiner Zufahrt. Wer hat Vorfahrt? 

Beispielsweise hier auf der König-Karlsbrücke: Die Rampe vom Wasen kommen immer wieder Radfahrende herauf, die meist nach links auf den Radweg der HRR1 auf der König-Karlsbrücke einbiegen wollen. Eigentlich gilt immer rechts vor links, wenn es nicht anders ausgeschildert ist. Auch dann, wenn der Radfahrer aus einem kleinen, unauffälligem Weg kommt. So hat zumindest das Landgericht Wuppertal 2015 geurteilt (LG Wuppertal, 6.11.2015, 9S218/15). In diesem Fall fuhr einer auf einem schönen Panoramaradweg und von rechts kam einer von rechts aus einem weniger gut ausgebauten Radweg, der auch noch Poller an der Einmündung hatte. Gilt das aber auch, wenn die Zufahrt mit einem Bordstein und zwei weißen Begrenzungs-Linien abgesetzt ist, wie auf der König-Karls-Brücke?

5. Juli 2024

Fußgängerzone voller Autos

Die Seelbergstraße in Cannstatt ist auf dem letzten Abschnitt zum Wilhelmsplatz hin Fußgängerzone geworden, die für für Fahrräder und E-Scooter freigegeben ist.  

Es handelt sich um einen Verkehrsversuch, dem das übliche Geschrei vorausging, das die Läden ihre Kund:innen nicht mehr empfangen können und alte Menschen keinen Parkplatz mehr direkt vor dem Arzt finden (als ob sie den je dort gefunden hätten) und vielleicht ein paar Schritte laufen müssen. Viele Autofahrende juckt die Öffnung der Straße für Fußgänger:innen auch nicht im Geringsten, sie ignorieren die Fußgängerzone, suchen einen Parkplatz oder fahren einfach nur durch.  

3. Juli 2024

No Rain, yes Rain - Radfahren, wenn es regnet

Ich radle auch bei Regen, und das gar nicht mal so untern. Man braucht nur den richtigen Regenschutz. 

Nach meiner idealen Regenbekleidung suche ich allerdings noch. Irgendwie geht ja alles, aber alles hat auch Nachteile. Ich habe viel ausprobiert. Angefangen habe ich mit Regenhosen und Regenjacke mit Kapuze. Aber entweder die Hitze staut sich darunter und man wird von innen nass, oder die Hosen halten auf Dauer die äußere Nässe nicht davon ab, durchzudringen. Und nasse Knie sind nicht gut für einen Arbeitstag von acht Stunden in einem Büro. Außerdem ist es umständlich am Straßenrand, erst die Jacke, dann die Hose anzuziehen, wenn er Regenguss einen unterwegs erwischt und man schnell unter die trocken Haube will. Je mehr Reißverschlüsse, desto blöder. 

Also Poncho. Der aber flattert und schützt die Beine nur unvollkommen. Der Hersteller No Rain Copenhagen hat mir nun aber einen seiner Ponchos (67 Euro) angeboten, damit ich ihn mal teste. 

1. Juli 2024

Muss erst was passieren?

Das ist die falsche Frage, wenn es um gefährliche Stellen im Straßenverkehr geht. Meistens passiert nichts, vor allem nicht an den Stellen, wo alle vorhersagen, dass etwas passiert. Aber Menschen haben Angst. 

Zum Beispiel, der Gehweg auf einem Schulweg wird regelmäßig zugeparkt, die Kinder müssen auf der Fahrbahn laufen, die Mutter findet, dort werde schneller als mit den erlaubten 30 km/h gefahren, die Elternschaft verlangt von der Politik und Stadtverwaltung einen freien Gehweg, die Stadt antwortet, das Gehwegparken sei zwar illegal, aber es sei ja bisher nichts passiert. Müssen die Eltern sich ernstlich wünschen müssen, dass etwas passiert, damit die Stadt das Verkehrsrecht durchsetzt? In Potsdam mussten 2018 Kinder nach der Schule auf einem schmalen Gehweg auf dem Bus warten. Die Elternschaft und Ortsvorsteher fanden das gefährlich, wenn Lkw hier viel zu schnell langfahren, Kinder springen herum und geraten auch mal auf die Fahrbahn. Es sei ja noch nichts passiert, argumentierte die Verwaltung, doch dann gab es vor Abschluss des Schuljahres 2018 zwei Unfälle mit Kindern. Dass sich daraufhin was geändert hätte, ist nicht dokumentiert. Schulwegechecks gibt es inzwischen vielerorts, und sie alle zeigen Gefahrenstellen auf und werfen genau diese Frage auf. Manchmal auch, weil etwas passiert ist, weil ein Kind angefahren wurde. 

Und was passiert, wenn dann was passiert ist?