30. Januar 2022

Der Radweg durchs Parkhaus

Am Flughafen gibt es eine Kuriosität. Wer mit dem Fahrrad die Autobahn überqueren will, radelt durchs Parkhaus. 

Das ist keine Hauptstrecke, dafür ist die Anbindung zu schlecht, aber es ist die kürzeste Verbindung zwischen dem westlichen Bernhausen oder dem östlichen Echterdingen und Plieningen und Hohenheim. Allerdings so richtig geschickt ist da nichts organisiert. Und der Radweg ist natürlich kein Radweg, sondern ein freigegebener Gehweg, wo man Schrittgeschwindigkeit fahren muss.

Immerhin gibt es auf diesem Gelände rund um den Flughafen eine Wegweisung für Radfahrende, auch wenn die Schilder nicht immer in die richtige Richtung zeigen. 

28. Januar 2022

Die sich um Radfahrende kümmert

Jana Heimel, die in Heilbronn eine Hochschulprofessur hat, und die wir in Stuttgart gut kennen, hat es mit ihrem Projekt PendlerRatD in die Zeit geschafft. Andrea Reidl geht der Frage nach, "wie aus Autofahrern Radfahrer werden".

Jana Heimel hat es mit ihrem Projekt nämlich gezeigt. Wir wissen, dass es ein riesiges Potenzial von Menschen gibt, die das Auto stehen lassen würden, wenn es ihnen leichter gemacht würde. Jana Heimel und ihrem Projekt gelang es, in den vergangenen drei Jahren 401 Autofahrende (85 Prozent der Teilnehmenden) in Radfahrende zu verwandeln. Die Leute, die bei dem Projekt teilnahmen, kamen aus verschiedenen Berufen und bekamen ein Pedelec samt Ausrüstung einschließlich Regencape und weitere Hilfen. Die Versuchsteilnehmer:innen waren zwischen einem und sieben Monaten mit ihren Rädern unterwegs und bekamen auch kleine Belohnungen. Sie legten im Schnitt 34 Kilometer pro Strecke zurück. 

Der erste Schritt ist es also, es denen, die überlegen, ein Angebot zu machen und sich um sie zu kümmern.

26. Januar 2022

Temporäre Spielstraßen - eine Chance für Kinder

Spielstraßen sind wichtig für Kinder. Sie müssen nämlich auch mal draußen spielen können, herumradeln, herumrennen, Fange und Balls spielen. 

Wir brauche also mehr davon. Doch das ist, wie immer, wenn es ums Auto und um Parkplätze geht, gar nicht so eifach. Wenn eine Anwohnerschaft anfängt (und es muss die Mehrheit der Anwohner:innen sein), für einen verkehrsberuhigten Bereich zum Spielen zu kämpfen, sind die Kinder groß, wenn die Stadt endlich anfängt, den Bereich umzubauen. In Deutschland kann man nämlich nicht einfach Schilder aufstellen, man muss auch den Straßenbereich verändern, sodass ein Autofahrer gleich merkt, dass er jetzt in einen völlig anderen Bereich einfährt. Das kostet Geld, das muss geplant, beschlossen und baulich umgesetzt werden. Eine schnelle Lösung für die Kinder einer Straße ist das nicht. 

Es gibt aber eine schnellere Möglichkeit. 

24. Januar 2022

Man kann durchaus das Fahrrad neu erfinden

Der Ingenieur Paul Jaray hatte Pech. Er erfand 1921 das Fahrrad neu, aber es gab tödliche Unfälle, und die Produktion wurde zwei Jahre später wieder eingestellt.

Deshalb hat das interessante Fahrrad nie eine Chance bekommen, sich im Alltag über die Jahre samt Weiterentwicklungen zu bewähren, obgleich man es damals für das Fahrrad der Zukunft hielt. Vorgestellt wurde es in der Feuerbacher Heide, der Jubel war groß. 

Man soll damit nämlich viel besser die Stuttgarter Berge hochgekommen sein als mit den Rädern, die wir heute so fahren (Pedelecs ausgenommen). Jaray war ein eher schmächtiger Mann, aber er fuhr den andern Radlern bergauf davon. Es sollen in den Hesperus-Werken in Cannstatt bis 1923 rund 4000 Exemplare gebaut worden sein, und darum gibt es noch einige (weniger als 100). Eines war bei der Ausstellung 200 Jahre Fahrrad 2017 in Mannheim zu sehen, wo auch ich es fotografiert habe. 

Das besondere an dem J-Rad, auch Sesselrad genannt:

22. Januar 2022

Die Rosensteintreppe

Immerhin die Fußgänger:innen kommen jetzt bequem auf der neuen Brücke zwischen dem Sailerwasen und dem Rosensteinpark hin und her. Die Stadt hat vor einigen Wochen die Verbindung per Treppe provisorisch komplettiert. 

Schon länger kann man auf der untergehängten Geh- und Radbrücke vom Neckardamm über den Neckar radeln, landete dann aber im Baustellengewirr am Anleger der weißen Flotte und musste sich den Weg auf die Wilhelma-Seite über die Neckartalstraße suchen (drüben darf man gar nicht radeln). Jetzt kommt man immerhin schon mal auf dem Rosensteinsteg ganz rüber, steht dann allerdings vor einer Treppe, die direkt zum Rosensteinpark hochführt. 

20. Januar 2022

So viele Autofahrer fahren illegal auf der Amstetter Straße

Überall in Stuttgart missachten Autofahrende Durchfahrtssperren und fahren einfach trotzdem. 

Anwohner:innen verzweifeln und Radfahrende ärgern sich, weil nichts geschieht, um den illegalen Autoverkehr zu unterbinden. 

Das ist auf der Alten Weinsteige so, wo eine Aktion knapp 100 Fahrzeuge in anderthalb Stunden gezählt hat, die wegen der Nachmittagssperrzeit weder rauf fahren durften, noch wegen der Verbotsschilder runter.  

Einen regen illegalen Autoverkehr gibt es auch auf der Amstetter Straße in Hedelfingen. Hier darf man nicht durchfahren. Es tun aber trotzdem viele, teils über 120 pro Stunde. Ein Anwohner listete auf: 

18. Januar 2022

Wenn wir vor 30 Jahren angefangen hätten ...

1991 veröffentlichte der Spiegel die  Titelgeschichte "Autos raus!", die nichts an Aktualität verloren hat. Erstaunlich, wie unendlich langsam wir lernen. 

Aus dem Artikel geht hervor, dass der Spiegel schon damals seine Mitarbeiter:innen ermunterte, mit der U-Bahn oder mit dem Fahrrad zu Arbeit zu kommen. Wer seinen Autostellplatz im Verlag aufgab, bekam die Hälfte zum Fahrschein dazu. Denn ein Autostellplatz kostet einen Betrieb in den meisten Fällen deutlich mehr als die Subvention für alternative Verkehrsmittel. Bei seinen Recherchen in großen Städten fand der Autor des Artikels nach eigener Angabe kaum einen Verkehrsplaner oder Kommunalpolitiker, der nicht über den drohenden Verkehrskollaps in Städten jammerte, traf aber nur einen, der den Autoverkehr konsequent einschränken wollte, nämlich den Züricher Stadtrat Aschenbacher. 1991 begann man in Zürich in Wohngebietsstraßen Tempo 30 einzuführen. Seit Jahrzehnten wissen wir, was wir tun müssten, um Städte leiser und lebenswerter zu machen, als sie es derzeit sind. Aber wir drücken uns davor. 

Hauptursache für die tägliche Verstopfung der Städte vor allem morgens und abends sind die Pendler:innen.

16. Januar 2022

Neue Schilder an der Böblinger Straße

Quelle twitter Pressemittilung
In Stuttgart gibt es ein neues Verkehrszeichen, lese ich in einer Mitteilung der Stadt. Nämlich dieses: Autos dürfen Fahrräder hier nicht überholen. 

So neu ist es aber gar nicht. Es stand bereits an einer Verengung wegen einer Baustelle an der Olgastraße bergauf (Foto weiter unten). Wurde aber von Autofahrenden nicht sonderlich beachtet.

Neu ist nicht das Verkehrszeichen, sondern Stelle. Diese Schilder stehen  seit Freitag an der Böblinger Straße, der Kaltentaler Abfahrt, wo die Fahrbahn mit dem Schutzstreifen nicht breit genug ist, um mit 1,5 Metern Abstand ein Fahrrad zu überholen. Bisher lautete die Argumentation der Stadt gegen das Schild an der Kaltentaler Abfahrt, dass ja das Überholen von Fahrrädern laut StVO dort ohnehin verboten sei, weil die Fahrbahn zu schmal ist.

14. Januar 2022

Wie wir Straßen konsumieren

Straßen werden konsumiert. Das ist der Grund, warum ein Ausbau des Straßennetzes nicht zu weniger Stau, sondern zu mehr Autoverkehr führt. 

Umgekehrt würde der Ausbau der Radinfrastruktur zu mehr Radverkehr führen. Menschen in unserer Konsumgesellschaft sehen sehr genau, was sich lohnt, was Geld spart, weil es Zeit und Material spart. 

Es ist ein von mir schon oft benanntes Paradoxon (das Jevons-Paradoxon oder auch Braess-Paradoxon), dass neue oder verbreiterte Straßen zu mehr Stau führen. Und das liegt an unserem Konsumverhalten. Eine neue Autobahn, eine verbreiterte Schnellstraße oder eine Umgehungsstraße ist zunächst leer, man kommt gut durch, ist schnell da, spart Zeit und Geld. Das spricht sich rum. Ein gutes Angebot erzeugt Nachfrage. Und innerhalb eines Dreivierteljahrs ist die neue Straße genauso voll wie die alte schmale Straße und wieder stehen alle im Stau. Umgekehrt führt der Rückbau von Straßen nicht zu mehr Stau, sondern zu einem Rückgang des Autoverkehrs. Er verpufft regelrecht, er ist einfach weg. Denn der Mensch ist flexibel und richtet sein Verhalten nach den Gegebenheiten. 

12. Januar 2022

Der Radbus von Barcelona

In Bardelona gibt es jeden Morgen eine Kidical Mass, nämlich einen Rad-Bus, mit dem Schulkinder per Fahrrad zu ihren Schulen gebracht werden. 

Die Polizei schützt den Tross, der auch an roten Ampeln geschlossen durchfahren kann. Die Süddeutsche Zeitung berichtet ausführlich darüber. In Barcelona sind in den letzten Jahren entlang der Hauptstraßen auch viele Radfahrspuren entstanden. Sie werden zwar durch flache Hindernisse vom Autoverkehr abgegrenzt, aber eben auch nicht immer respektiert, vor allem von Motorradfahrern nicht, die auf dem Radstreifen entlang düsen. Viele Eltern haben Angst, ihre Kinder alleine mit dem Fahrrad zur Schule radeln zu lassen. Dier Bicibús deckt drei Schulen ab, ist jeden Morgen ein schönes Event, und man kann nur hoffen, dass er Schule macht auch bei anderen Schulen. 

In Stuttgart sehe ich morgens immer mehr Eltern, die mtit ihren Kindern auf Fahrrädern zu Schule fahren. Ein:e Erwachsene:r radelt neben oder vor einem Kind und führt es durch die Fährnisse des Stuttgarter Autoverkehrs.

10. Januar 2022

Es läuft nicht rund in unserer Verkehrswelt

Autofahrer kommen nur langsam vorwärts, Radfahrende haben zu viele Unfälle und Fußgänger:innen fühlen sich untergebuttert. 

Die FAZ hat eine kleine Analyse der Zustände auf unseren Straßen gemacht, in der sich auch die Aussage befindet, dass Stuttgart für Radfahrende die unfallstsrächtigste deutsche Stadt ist. Die Aussage beruht auf einer 2018 veröffentlichten Statistik, die wiederum noch älter ist. Demnach kamen auf eine Millionen Radfahrten kommen 12 Unfälle, in Berlin sind es 10,2, in Frankfurt 9,6, in Amsterdam aber eben nur 1,2 und in Kopenagen nur 0,7 Unfälle auf eine Million Fahrten. Obgleich die Gründe vielfältig sind, scheint mir, dass es vor allem daran liegt, dass bei uns eine vom Autoverkehr oder Fußverkehr getrennte Radverkehrsführung so gut wie gar nicht gibt. Auch wenn die Datenerhebung schon viele Jahre alt ist, hat sich in Stuttgart in derselben Zeit eben auch nichts Entscheidendes für den Radverkehr geändert.

8. Januar 2022

Warum in Stuttgart Leute auf Radwegen gehen müssen

Die Stadt hat das falsche Radweg-Schild gegen das Schild für einen mit dem Fußverkehr gemischten Radweg ausgetauscht.

Jetzt können Fußgänger:innen legal von der Königstraße aus der Theaterpassage heraus zur Oper gehen. 

Das ist schön! 

Wendet man den Blick nach rechts, fragt man sich allerdings, warum, wenn jemand von der Stadt schon mal an der Ecke war, man nicht auch das andere falsche Schild ausgetauscht hat.

6. Januar 2022

Autos vergiften den öffentlichen Raum

Öffentlicher Raum ist wertvoll, derzeit nutzen ihn in Städten aber vor allem Autofahrende. Sie fahren und sie stellen ihre Autos auf der Straße ab. Das könnte man mit Park- und Fahrgebühren ändern.

In fast jedem Wohngebiet geören drei bis vier Spuren auf einer Fahrbahn den Autos, für Fahrräder gibt es fast nichts und für Fußgägner:innen mal mehr oder weniger schmae Fußwege, auf denen auch noch Parkscheinautomaten, Schilder, Bänke, Mopeds, Fahrräder und oft auch Autos stehen. Kinder können nicht spielen, Alte kommen mit ihren Rollatoren nicht durch, Eltern mit Kinderwagen machen einen Hindernislauf. Draußen vor der Tür scheint wirklich alles dem Auto zu gehören. Eltern fahren mit ihren Kindern dann mit dem Auto irgendwo raus, damit sie spielen können. Dafür brauche sie dann wieder ein Auto, das draußen herumsteht. Ein Teufelskreis, der zu von Autos blockierten Innenständten führt.

Die Subvention für Autobesitzende muss verringert werden. Wir werden in diesem Jahr in Stuttgart in der Politik und in der Öffentlichkeit darüber diskutieren, wie viel Autobesitzer:innen für das Abstellen oder Fahren ihrer Autos auf den Straßen bezahlen sollten und müssen.

4. Januar 2022

Die neue Zacke kann mehr Fahrräder transportieren

Für uns Radler:innen hat die Zahnradbahn eine besondere Bedeutung, denn seit 30 Jahren sie bringt auf einem vorgestellten Wagen kostenlos Fahrräder vom Marienplatz nach Degerloch hoch. Leider immer nur zehn auf einmal. 

Das führt im Sommer oft zu Engpässen, wenn die Downhill-Biker ihre Räder nach Degerloch hoch transportieren lassen wollen, um in Degerloch wieder in den Trial einzusteigen. Berufspendler:innen, die sich abends auf dem Heimweg die Alte Weinsteige hochbringen lassen wollten, bekamen ihre Fahrräder nicht mehr auf den Wagen. 

Das soll sich ab März ändern.

2. Januar 2022

Bettelampel für Autofahrer:innen

Karslruhe hat an zwei Stellen Fußgängerampeln und Fuß-und Radampeln so geschaltet, dass sie für den Autoverkehr zunächst auf Rot stehen. Fußgänger:innen und Radfahrende haben also, so die Formulierung, dauergrün. 

Das hat ein reges Medienecho erzeugt. Es handelt sich um einen Pilotversuch, der schnell ausgewertet werden soll. Karlsruhe will erklärtermaßen die Attraktivität des Fußverkehrs fördern. Eine Bachalor-Arbeit soll herausfinden, wie sich das Verhalten der Verkehrsteilnehmer:innen ändert und ob dies zum Besseren geschieht, was auch immer als besser betrachtet wird. Autofahre, die sich den Überquerungen nähern, fordern durch die Annäherung für sich Grün an. Reihen sich mehrer Autos auf, ist für Autofahrende länger Grün. Kommt keines, bleibt die Ampel für Fußgänger:innen und Radfahernde Grün. Wenn in reger Folge mehrer Autofahrende Grün anfordern, wird ein regelmäßiger Wechsel innerhalb von 45 Sekunden antiviert. Dann kriegen Fußgänger:innen 7 Sekunden (zuzüglich Räumzeit) und Autos maximal 27 Sekunden Grün. Sowas ist nur machbar, wenn auf solchen Straßen eher selten Autos fahren. Sonst bringt es den Fußgänger:innen und Radfahrenden eher nichts. Insofern bin ich gespannt auf die Auswertung durch die Bachalor-Arbeit, wer hier tatsächlich Vorteile hat.