30. Oktober 2026

Tempo 40 halbiert die Unfallzahlen

Tempo 40 wurde in Stuttgart an Steigungsstrecken eingeführt, um die Luftschadstoffe zu senken. Auch Heilbronn und Reutlingen senkten an vielen Straßen das Tempo von 50 auf 40. Und prompt ging die Zahl der Schwerverletzten um zwei Drittel zurück. 

Wie der SWR und die Neue Pressegesellschaft (StZ und StN) berichten war in Stuttgart ein Rückgang um 67 Prozent zu verzeichnen, in Heilbronn um 71 Prozent und in Reutlingen um 70 Prozent.  Ausgewertet wurden Straßen, auf denen zwischen 2019 und 2021 die Höchstgeschwindigkeit von 50 auf 40 km/h gesenkt wurde, und Unfälle, an denen mindestens ein:e Autofahrer:in beteiligt war. Grundlage waren die Daten des Statistischen Landesamts. Besonders die Unfälle mit Schwerverletzten gingen drastisch zurück. Aber es verringerten sich auch deutlich die Unfälle mit Leichtverletzten. Aus der Grafik auf der Seite des SWR kann ich grob auf einen Rückgang um 40 Prozent schließen. 

28. Oktober 2026

Der neue Vaihinger Steg nach einem Jahr

Erstaunlich, wie lange manches dauert, bis es fertig ist. Immerhin ist der neue Fauststeg über die Rottweiler Straße schon ein Jahr lang befahrbar. 

Aber ein bisschen unfertig sieht die Auffahrt zum Steg über die Kaltentaler Abfahrt von der Faust-/Paradiesstraße immer noch aus.  Immerhin ist jetzt das Pflaster komplett. Aber es fehlt wohl noch ein Geländer. Das provisorische Verkehrszeichen "Gehweg, Rad frei" ist von der rechten auf die linke Seite gewandert. 

Was aber besonders auffällt: An dem Handlauf sind Fahrräder angeschlossen. Offensichtlich fehlen hier, in der Nähe der Stadtbahnhaltestelle, Radbügel. Mobile Radbügel gab es mal in der Fauststraße, Ecke Ernst-Kachel-Straße (Foto habe ich leider keines). Die gibt es aber nicht mehr. Jetzt parken da Autos (Bild 2). Wenn die Kaltentaler Abfahrt saniert worden ist (was im November passieren könnte und vermutlich auch für uns Radler:innen mit Behinderungen einhergeht), sollen in Bezug zur Haltestelle wieder Radbügel aufgestellt werden. 

26. Oktober 2026

Nicht alle können Rad fahren. Aber wie viele sind das?

Nicht alle können Rad fahren, höre und lese ich oft, wenn ich darüber rede oder schreibe, dass mindestens die Hälfte aller Alltagswege in der Stadt mit dem Fahrrad, statt mit dem Auto bewältigt werden könnten. 

Knapp die Hälfte aller Arbeitswege sind kürzer als 10 km (für ein Pedelec keine lange Strecke). Einkaufen, Kinder zur Kita bringen, Oma und Opa versorgen, Freund:innen besuchen, das alles ist innerhalb einer Stadt wie Stuttgart viel öfter mit dem Fahrrad möglich, als es getan wird. Aber es können halt nicht alle Fahrrad fahren, erklärt man mir dann. Es können aber auch nicht alle Auto fahren, erwidere ich. 

Wieviele sind das eigentlich? 

24. Oktober 2026

Tempo 30 wirkt, auch wenn sich viele nicht daran halten

Tempo 30 auf städtischen Hauptverklehrsstraßen schützt uns auch dann, wenn sich die meisten Autofahrenden nicht daran halten. Denn es wird aufmerksamer gefahren. 

Die UDV (Unfallforschung der Versicherer) hat 84 Abschnitte von Hauptverkehrsstraßen untersucht, auf denen zuvor 50 km/h gefahren werden durfte und dann Tempo 30 angeordnet wurde, und festgestellt, dass dort Zusammenstöße unter Autofahrenden, mit Straßenbahnen oder mit Radfahrenden und Fußgänger:innen deutlich zurückgingen, obgleich sich viele gar nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzung hielten. Es passieren nicht nur weniger Unfälle, sondern vor allem weniger schwere Unfälle als bei Tempo 50. Nur ein Viertel der Autofahrenden hielten sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung, die Hälfte fuhr schneller als 36 km/h und jeder siebte mehr als 47 km/h. Dennoch wirkten die Schilder, denn, so die Erkenntnis der UDV, solche Tempo-30-Schilder an Abschnitten von Hauptverkehrsstraßen haben eine Signalwirkung. Die meisten fahren nicht deutlich langsamer, aber deutlich aufmerksamer. 

22. Oktober 2026

Sachsen testet Schutzstreifen auf Landstraße

Wenn entlang einer Landstraße ein Radweg nicht oder nicht so schnell gebaut werden kann, weil der Grunderwerb scheitert oder Geld fehlt, dann sollen Radfahrende dennoch geschützt radeln können.

Das war der Gedanke für einen Verkehrsversuch, der im September begonnen hat und zweieinhalb Jahre unter wissenschaftlicher Begleitung laufen soll. Wie der ADFC Sachsen berichtet, geht es um einen ein Kilometer langen Straßenabschnitt zwischen Merkwitz und Seegeritz bei Taucha (Karte weiter unten, rote Linie). Wie das Land Sachsen selber mitteilt, wurde die Fahrbahn bereits verbreitert, ein baulich getrennter Radweg, um den man sich seit Jahren bemüht habe, scheiterte aber am Grunderwerb. Ein örtlicher Landwirt wollte die wenigen dazu nötigen Meter partout nicht verkaufen. 

Aber eine Verbesserung für den Radverkehr (auch für Schüler:innen) sollte es dennoch geben. Links und rechts der Fahrbahn wurden deshalb Schutzstreifen markiert, teils  mit roter Farbe unterlegt. Am Straßenrand steht für Autofahrende ein Schild, das erklärt, dass es sich um einen Verkehrsversuch handelt, und wie die Regeln hier sind: Autofahrende dürfen die Schutzstreifen nicht befahren, nur bei Gegenverkehr dürfen sie auf sie ausweichen, sofern sie keine Radfahrenden gefährden oder ausbremsen. Bis sie überholen können, müssen sie hinter den Radfahrenden bleiben. Es stehen dort ein Tempo-50-Schild und ein Überholverbotsschild (nicht aber das für ein Überholverbot von Fahrrädern). 

20. Oktober 2026

Eine große Mehrheit wünscht sich eine bessere Radinfrastruktur

Das ist eines von vielen Ergebnissen der TÜV-Mobilitätsstudie, die dieses Jahr erschienen ist. 

Der Studie zufolge sagen 89 Prozent der Befragten, dass für ihre Lebensqualität und Sicherheit Fuß- und Radwege sicher und durchgängig ausgebaut sein müssten. Das sind acht Prozentpunkte mehr als diejenigen, die ausreichend Abstellflächen für Autos fordern. Noch wichtiger ist ihnen übrigens, dass öffentliche Verkehrsmittel zuverlässig funktionieren. 71 Prozent wünschen sich, dass der Verkehrslärm reduziert wird und 67 Prozent möchten, dass klimafreundliche Mobilitätsangebote gefördert werden. 

83 Prozent fordern als verkehrspolitische Maßnahme den Ausbau sicherer Fahrradwege und Radparkplätze. 56 Prozent halten das Radfahren an ihrem Wohnort für unsicher bis sehr unsicher.

18. Oktober 2026

Spielstraße mit parkenden Autos

Im Februar habe ich über die Gestaltung der Spielstraße in der Steinhausenstraße geschrieben. Damals waren zwar die Straßenmöbel und die Markierungen schon da, aber es fehlte die Beschilderung. 

Die ist inzwischen da. Der Bereich im Stuttgarter Westen ist als verkehrsberuhigte Straße ausgeschildert, den Straßenraum müssen sich Autofahrende mit Menschen zu Fuß und spielenden Kindern teilen. Es handelt sich um eine Ecke an einem Spielplatz, wo nur Wohnhäuser stehen. Die Stadt hat auf der Fahrbahn einige Parkplätze markiert.  Ich war da an einem Donnerstagvormittag, weshalb auf der Straße niemand unterwegs war, allerdings stand das übliche Stadtgerümpel herum: E-Scooter und Autos, von denen zwei nicht auf der markierten Parkfläche standen, obgleich markierte Stellflächen frei waren. 

16. Oktober 2026

Pedelec-Akkubrände sind extrem selten

Ja, Akkus können sich überhitzen und brennen. Aber Pedelec-Akkubrände sind extrem selten. Die Wahrscheinlichkeit, dass so ein Akku brennt, liegt im Promille- oder Subpromillebereich. 

Die Presse dramatisiert die Gefahr von Fahrrad-Akku-Bränden gern. (Jedoch nicht die vonStaubsaugerakkus). Doch das Risiko, dass ein Marken-Akku brennt, liegt bei 1 zu einer Million, wahrscheinlich aber noch weit darunter. Gefährlicher können günstige Importe und online-Umrüstsätze ohne integriertes Batteriemanagementsystem sein. Riskant ist auch, man mit nicht kompatiblen Netzteilen lädt. Kritisch wird es allerdings, wenn der Akku einen üblen Sturz hinter sich hat. Das merkt man aber sofort, wenn der Akku beim Laden oder während der Fahrt so heiß wird, dass man ihn kaum noch anfassen kann. (Weitere Kennzeichen: es riecht süßlich und verbrannt, es knistert oder knallt im Akku, der Akku bläht sich auf und was es noch so an unüblichem Akkuverhalten gibt.) Und wohin dann damit? Man bringt den defekten Akku in den Fahrradfachhandel, der gesetzlich verpflichtet ist, Altakkus kostenlos zurückzunehmen, und zwar egal, ob man das Fahrrad dort gekauft hat oder nicht. Bringt man ihn in einen Wertstoffhof, sollte man dem Personal Bescheid sagen, damit es den Akku in einer Sicherheitsbox lagern kann. 

Hersteller wie Bosch schützen ihre Akkus durch diverse Maßnahmen vor dem Durchrennen.

14. Oktober 2026

Sehr lange Rot an der Feuerwehrausfahrt am Österreichischen Platz

Vorgestern habe ich zum ersten Mal die Feuerwehr aus ihrem Interimsquartier am Österreichischen Platz mit Blaulicht und Martinshorn herausfahren sehen. Ein Wagen fuhr Richtung Rotebühlplatz. 

Die Ampel war gerade rot geworden. Ich stand dort zuerst mit einem E-Scooter-Fahrer, der nach mir kam, und dann mit zwei Radfahrerinnen. Und ich stand lange. Das Rotlicht auf der Ampel mit nur zwei Streuscheiben wollte und wollte nicht ausgehen,  obgleich der Feuerwehrwagen schon lange weg war. Der E-Scooter-Fahrer stieg von seinem Gerät ab, schob es rechts an der Ampel vorbei und stieg wieder auf und fuhr. 

Die beiden Radfahrerinnen warteten mit mir noch eine Weile weiter. Die eine hatte, als sie ankam gesagt: "Ach, hier ist auch Rot." Das heißt, sie hatte schon an der Fahrradschleuse an der Feinstraße (Bild weiter unten) rot gesehen. Entweder war sie weitergeradelt oder die Ampel war auf Rot gesprungen, als sie gerade durchfuhr oder das Rotlicht war schon wieder verloschen. Die andere Radlerin entschloss sich dann, loszufahren, obgleich unsere Ampel noch rot war, die zweite folgte ihr. Ich wartete dann noch ein Weilchen bis die Schwarzampel endlich schwarz wurde und ich fahren konnte. 

12. Oktober 2026

Es gibt sehr nette Autofahrende

Es gibt viele ganz reizende Autofahrer:innen: Sie bleiben in großem Abstand hinter mir als Radlerin,  um mich nicht zu bedrängen oder zu hetzen. Und wenn sie überholen können, halten sie großen Seitenabstand zu mir. 

Die meisten Autofahrenden gefährden uns Radfahrende tatsächlich nicht. Wir nehmen sie aber gar nicht besonders wahr, sie sind Teil des Straßenverkehrs, in dem wir uns mit dem Fahrrad bewegen. Wir merken uns auch keine anderen Radfahrenden, keine Fußgänger:innen und keine Autofahrenden, mit den es nicht zu einem Konflikt kommt. Und das sind auf all unseren Wegen die allermeisten. Ich merke mir aber sehr wohl Autofahrende, die sich mir gegenüber besonders aufmerksam oder nobel verhalten, besonders in solchen Situationen, wo ich halt auch immer wieder Konflikte erlebe:

10. Oktober 2026

Pedelecs haben meist eine Schiebehilfe

E-Räder sind deutlich schwerer als Normalräder, vor allem, wenn sie noch mit Packtaschen ausgestattet sind. Treppen hoch tragen geht gar nicht. Aber auch ein Pedelec mal eben nur drei Stufen hoch schieben, ist durchaus ein Kraftakt. 

Auch wenn man mit modernen Pedelecs eigentlich jeden Anstieg hochkommt, mag sich die eine oder der andere entschließen, das Rad den steilsten Abschnitt doch hoch zu schieben. Oder der steile Pfad ist so schmal, dass man lieber schiebt. Und das wird anstrengend. 

Deshalb haben Pedelecs eine Schiebehilfe, die bis zu einer Geschwindigkeit von 4 bis 6 km/h das Rad antreibt (man kann sich vom Rad damit zu Fuß regelrecht den Hang hoch ziehen lassen). Sie Funktion ist aber meistens irgendwo versteckt, und wenn man sie selten nutzt, dann fällt einem meist nicht ein, welche Taste das jetzt war, wenn man es braucht. Hat man ein Smartphone dabei, kann kann man immerhin noch mal kurz recherchieren. 

8. Oktober 2026

Teurer Radweg zu teuer?

Der Kreistag Böblingen wollte das Alltagsradeln unterstützen und hat beschlossen, zwischen Aidlingen und Dagersheim die krasse Steigung des Radwegs zu entschärfen. 

Ein Foto vom neuen Radweg gibt es hier in dem Artikel der Stuttgarter Zeitung. Mein Foto rechts stammt aus dem Insta-Video des ADFC. 

Jetzt beschweren sich etliche Leute öffentlichkeitswirksam, darunter auch Radfahrende, darüber, dass der Radweg zu viel gekostet habe und unnötig gewesen sei. Auch weil der neue Radwegabschnitt von 370 Metern Länge in eine Böschung gelegt wurde. Damit der Hang darüber hält, waren teure Stützbauten notwendig. Deswegen kostete der Abschnitt des Radwegs so viel, wie einen Autostraßenabschnitt (ohne Komplikationen) normalerweise kostet. Allerdings hat diese Autostraße ja auch mal was gekostet. 

6. Oktober 2026

Neuordung am Max-Eyth-See mit ein paar Fehlern

Der Radverkehr rund um den Max-Eyth-See ist neu geordnet. Jetzt stehen auch die Verkehrszeichen. Zumindest fast alle. 

Die Bodenmalerei gibt es schon seit Juni. Ohne Verkehrszeichen war sie nur eine Empfehlung. Jetzt aber kann die Polizei falsch Radelnde anhalten und bebußen. 

Der Neckardamm ist nun endgültig für den Radverkehr gesperrt. Kommt man von der Hofener Straße her und ist unter der Aubrücke durchgefahren, wo die Geländer zum Neckar erhöht wurden (was für Radstrecken  vorgeschrieben ist), dann erkennt man als Radfahrer:in unmissverständlich: Geradeaus geht es nicht weiter. Da steht ein blaues Gehwegzeichen und eine weiß-rote Umlaufsperre erschwert die Weiterfahrt. Der Radwegpfeil zeigt auf dem Boden und auf einem Wegweiser nach rechts auf den Klinkerweg, der bislang Sonntags für den Radverkehr gesperrt war. 

Der Weg ist jetzt als gemeinsamer Geh- und Radweg ausgeschildert. Das heißt, es muss nicht mehr Schrittgeschwindigkeit gefahren werden, allerdings müssen Radfahrende auf diesen Mischwegen unbedingt Rücksicht auf Fußgänger:innen nehmen und ihre Geschwindigkeit anpassen. Der Klinkerweg ist breit, wenn auch wegen des Pflasters ziemlich uneben und ruckelig. Wenn man ihm folgt (sich rechts hält), führt er ebenso wie der Dammweg am Max-Eyth-See vorbei, nur eben auf der anderen Seite, und stößt vor der Marina am Hofener Wehr wieder auf den Nackardamm. Der Weg durch den Jachthafen mit den Gebäuden und dem neuen Gebärude der DLRG sieht für mich so aus wie vorher, mit Umlaufsperren und Schrittgeschwindigkeitsgebot. Auf dem Boden ist ein Fußgängerzeichen, aber ich habe keine Beschilderung gesehen, die das Radeln verbietet (geht ja auch nicht anders). Hinter der Marina  trennt sich der Weg in Gehweg und Radweg auf. 

4. Oktober 2026

Die Waldburgstraße ist weg

Es ist schon beeindruckend, wenn eine wichtige Straße komplett unter einer Baustelle verschwindet. In der Waldburgstraße, die Teil der Hauptradroute 1 ist, werden Rohre und Leitungen neu verlegt. 

Die Straße ist über gut fünfhundert Metern auf ganzer Fläche weg. Nur einen schmalen Gehweg gibt es noch auf der rechten Seite bergab.  In der Krehlstraße kann man mit dem Rad gerade ein Stück reinfahren, kommt aber nicht bis oben durch. Der erste Abschnitt zwischen Schwarzäckerstraße und Krehlstraße soll Ende Oktober fertig werden, der zweite Abschnitt zwischen Krehlstraße und Hopfenrain Ende Dezember. Das Ganze kostet 2,5 Millionen Euro. Die Anwohner:innen sind nicht glücklich, wie man sich denken kann, fallen doch alle Parkplätze derzeit weg und von Parkplatz in der Seitensraße zum Gartentörchen gibt es einen längeren Fußmarsch. Auch der Bus fährt nicht, und die Schulkinder müssen weiter laufen. Selbstverständlich gibt es auch für uns Radfahrende Unbequemlichkeiten, aber es gibt eine Umleitung, die - wie ich finde - auf dem Rad fahrend ganz bequem zu bewältigen ist. 

2. Oktober 2026

Die lustige Fahrrad-Ampel von Scharnhausen

Blogleser Johannes hat mich auf eine Ampelanlage aufmerksam gemacht, die auf den Fildern bei Scharnhausen steht. Um zum Drücker zu kommen, muss man vom Fahrrad absteigen und zum Mast gehen. 

Die Ampel steht dort, wo die Plieninger Straße in die Scharnhauser Straße übergeht und soll es ermöglichen, dass man von den Feldern vom Flugplatz her kommend auf der Reutlinger Straße Richtung Norden nach Heumaden, Ruit und Kemnat oder nach rechts Richtung Scharnhausen oder aber nach links in die für den Pkw-Verkehr gesperrte Scharnhauser Straße fahren kann. 

Der Mast mit der Ampel, dem Stoppzeichen und dem Drücker steht allerdings im Grünen eine Fahrradlänge neben dem Feldweg, der in die Straße einmündet.

30. September 2026

Der Nesenbach in der Möhringer Straße ist tatsächlich sturzgefährlich

Ich finde es auch schön, dass man den Nesenbach im Kessel ausgegraben und an zwei Stellen in neue Rinnen verlegt hat. Wenngleich es sich nicht wirklich nur um den Nesenbach handelt, sondern um drei Bäche. 

Problematisch ist aber die Stelle in der Möhringer Straße am Marienplatz. Wie ich schon am 10. September geschrieben habe: Der Übergang von der Gehwegfläche mit dem Gitter über dem Bach zur neuen Bachrrinne ist gefährlich. Und offenbar sind bereits Leute gestürzt. Die Stuttgarter Zeitung schreibt in einem Artikel von vorgestern, der Bach habe sich bereits als Stolperfalle erwiesen. Vor allem bei Radfahrenden, die ihren gewohnten Fahrweg durch den freigegebenen Fußgängerbereich zum Marienplatz verfolgen, komme es zu brenzlichen Situationen. Eine Anliegerin hat der Zeitung berichtet, dass mindestens einmal der Rettungswagen habe gerufen werden müssen, nachdem ein Radfahrer in die Rinne gefahren und gestützt sei. Die Stelle, wo die Gitterabdeckung endet und die Rinne beginnt, ist ist halt ziemlich überraschend und zudem sehr beengt. Auf der einen Seit steht ein Laternenmast, und der Ausweg am Laternenmast vorbei wird durch dort immer stehende Müllkontainer verengt, und auf der andren Seite der Rinne macht eine Bambeetbegrenzung den Weg schmal. Zu schmal für Kinderwagen. Fürs Fahrrad sehr schmal, man kann mit dem Lenker an dem Mast hängenblieben, für geschobene Fahrräder zu schmal, denn nebeneinander passen Mensch und Fahrrad da nicht durch. 

28. September 2026

Es ist fast immer der falsche Sattel

Pedelecs werden gerne fürs Radeln in aufrechter Sitzposition verkauft. Aber dann lastet das gesamte Körpergewicht auf dem Sattel und damit auf einer Fläche so groß wie die eine Handfläche. Und leider werden Pedelecs meist mit einem Billigsattel verkauft.

Der Rahmen, Motor und Elektronik beim Pedelec sind Hightech, der Sattel aber meistens nicht. Und das merken wir nicht beim Probefahren, sondern erst bei der ersten längeren Tour. Der Hintern oder Rücken tun weh, Nerven und Blutgefäße werden abgeklemmt, die Genitalien werden taub. Abgesehen davon, dass die Hersteller am Sattel sparen, kommt noch hinzu, dass Radbauer selten was von Sätteln verstehen. Das zumindest behauptet ein anonymer Fahrraddesigner der Seite Kaufvergleich.

Auf einem Rennrad verteilt sich das Gewicht auf Lenker, Pedale und Sattel. Je aufrechter die Sitzposition auf dem Rad, desto bedeutender wird die Beschaffenheit und Form des Sattels. Wenn auf einem Sattel - also auf unseren Sitzknochen - ein Gewicht von 70 bis 90 Kilo lasten, dann muss der passen. Die im Laden mitgekauften Sättel passen so gut wie nie.

26. September 2026

Sackgasse fürs Fahrrad


Zwischen Ferdinand-Leitner-Steg und Oper führt an der Baustelle für ein neues Haus an der Königstraße ein Bypass zur Königstraße. Wichtig für Fußgänger:innen, die früher durch die Theaterpassage gehen konnten. 

Sie ist auch für den Radverkehr freigegeben. Wenn man vom Steg Richtung Oper runter kommt, biegt man gleich nach rechts ab. Dann sieht man die Passage, die als Gehweg mit Rad frei ausgeschildert ist. Da Fußgänger:innen sie gern nehmen und sie viele uneinsehbare Ecken hat, empfiehlt es sich, die vorgegebene Schrittgeschwindigkeit auch tatsächlich einzuhalten. Man kommt an der Königstraße raus und sieht dann das blaue Gehwegschild, aber ohne Radfreigabe. Auf dem Fahrrad geht es also nicht weiter.

24. September 2026

Wir tun es alle: Verkehrsregeln in den Wind schießen

Die Frankfurter Rundschau ist geschockt. Sie ist es nicht wirklich, aber der Titel soll halt Interesse erwecken: Warum Deutsche im Auto ihre eigenen Regeln brechen. 

Nicht näher benannte Forscher (Frauen waren wohl nicht darunter) der Björn-Steiger-Stiftung hätten herausgefunden, dass riskantes Autofahren und Regelbrüche nicht die Ausnahme seien, sondern die Regel. "Autofahrer (Fahrerinnen werden nicht erwähnt) ordnen sich überwiegend nicht dem Gesetz oder einer sozialen Norm unter", heißt es im Artikel. Die meisten der für die Studie befragten geben Zeitdruck an. Die jüngere Generation gibt außerdem zu, dass sie das Handy nicht weglegt, weil ihr die Kommunikation übers Handy während der Fahrt notwendig erscheint. 

Übrigens irrt die Zeitung: Es sind nicht "ihre eigenen Regeln", die Autofahrende brechen, sondern eben Regeln, sie sie selbst nicht aufgestellt haben und nicht als ihre eigenen empfinden, sondern eher als Behinderung oder Schikane. Nun hat aber auch jedes Gesellschaftsspiel Spielregeln, die man nicht selbst aufgestellt hat, aber dennoch beim gemeinsamen Spiel befolgt. Warum also beim Autofahren nicht? 

22. September 2026

Auch ein Unfall auf dem Arbeitweg mit dem Fahrrad ist ein Dienstunfall

Ein Beamter radelt 20 km zur Arbeit. Eines Morgens sticht ihn eine Biene, der Stich entzündet sich. Es entstehen Behandlungskosten. Sein Dienstherr lehnt die Unfallfürsorge ab, will nicht zahlen. 

Die Behörde argumentiert: Wer 20 km radelt, tue das aus Eigennutz, um sportlich fit zu bleiben. Das sei Privatsache. Außerdem seien Bienenstiche allgemeines Lebensrisiko. Insbesondere, wenn man durch Felder und Wiesen radelt. Dort sei man auf eigenes Risiko unterwegs. Es ging um Kosten von 2.120 Euro. 

Das Oberlandesgericht Nordrhein-Westfalen hat klar entschieden: Die Argumente des Dienstherrn gelten nicht. Auch ein Beamter hat die freie Wahl, mit welchem Verkehrsmittel er (oder sie) zur Arbeit fährt, mit dem Auto, dem Bus, der Bahn oder eben mit dem Fahrrad. Und auch dann, wenn der Weg durch die freie Natur führt (Autofahrende können schließlich im Wald auch einen Wildunfall haben). Der Dienstherr hat die mit jedem Verkehrsmittel verbundenen Risiken grundsätzlich hinzunehmen. 

Das Argument, bei einer so weiten Strecke, sei sportliches Training das Hauptmotiv der Radfahrt, verwarf das OLG: Schließlich könne jemand, der mit dem Bus fährt, dabei Zeitung lesen und sich privat bilden. Trotzdem ist diese Fahrt als Arbeitsweg versichert. Letztlich ist das Hauptziel der Fahrt entscheidend, und das ist der Arbeitsbeginn. 

20. September 2026

Warum ist der Radverkehr so umständlich organisiert?

Manchmal scheint mir: Der Gesetzgeber hat bis heute nicht begriffen, was Radfahren ist, oder er weiß es, will es aber nicht unterstützen.

Alle, die anfangen zu radeln, wundern sich, wie umständlich die Wege fürs Rad im Vergleich zu den Wegen fürs Auto organisiert sind. Sie stellen sich (und damit auch mir) oft die Fragen, die routinierte Alltagsradler:innen gar nicht mehr stellen, weil sie schon lange wissen, wie man halbwegs gut durchkommt. Radfahren ist etwas grundsätzlich anderes als Autofahren. Wir sitzen zwar auf Fahrzeugen, aber die sind langsamer, wendiger und viel schmaler und kürzer als Autos. Wir haben einen Rundumblick und hören gut, können uns also mit anderen Menschen auf der Straße schnell verständigen. Und wir fahren viel aufmerksamer als Autofahrende. Und von uns geht, verglichen mit dem Auto, kaum eine Gefahr für andere aus. Oft steckt man uns mit Fußgänger:innen auf dieselben Flächen, obgleich wir zu schnell für die Menschen zu Fuß sind. Deren Geschwindigkeit soll dann der Maßstab für uns sein.

Nach vielen Jahren des Radelns in Stuttgart frage ich mich immer noch:

18. September 2026

Wenn der E-Scooter mit dem Fahrrad gleichgestellt wird

Ab 1. März 2027 werden Verkehrsregeln für den E-Scooter an die von Fahrrädern anngeglichen. Das heißt, sie dürfen dann auch auf Gehwegen gefahren werden, die für den Radverkehr freigegeben sind. 

Auf Waldwegen allerdings dürfen sie auch künftig nicht fahren. Entgegen einer Einbahnstraße, die für den Radverkehr freigegeben ist, dürfen E-Scooter-Fahrende wiederum heute schon fahren. Der Grund, warum die Gleichstellung bei der Gehwegfreigabe noch dauert, ist der, dass die Städte und Gemeinden Zeit haben sollen, ihre freigegeben Gehwege daraufhin anzuschauen, ob deren Breite ausreicht für Fahrräder, E-Scooter und Fußgänger:innen im Mischverkehr. Gegebenenfalls sollten sie eine Gehwegfreigabe für den Radverkehr (und damit E-Scooter-Verkehr) aufheben, oder ein Extra-Schild aufhängen, das nur den E-Scooter-Verkehr verbietet. E-Scooter müssen auf solchen freigegebenen Gehwegen strikt Schrittgeschwindigkeit fahren, so wie Fahrräder auch, was aber praktisch nicht geht. Was auf zwei Rädern rollt, muss ausblanaciert werden, und 3 bis 4 km/h sind dafür zu langsam. Daran hält sich also niemand, weil es nicht geht. Selbstverständlich fahren auch schon heute E-Scooter-Fahrende auf freigebenen Gehwegen, beispielsweise auf dem Neckardamm, und das so schnell wie sie können, nämlich mit 20 km/h. Sie fahren auch durch die Fußgängerzonen, und zwar wesentlich öfter als Radfahrende. 

Es ist ein grundsätzlicher Fehler, Gehwege als Teil der Fahrzeug-Infrastruktur (Radinfrastruktur) zu planen und auszuweisen.

16. September 2026

Faktencheck: Ist Radfahren klimaschädlicher als Autofahren?

Fast alles, was wir Menschen tun, ist umwelt- und klimaschädlich, zum Beispiel Fleisch essen, Auto fahren, Rad fahren, zu Fuß gehen, Fleisch essen. Und selbst verständlich ist die Produktion von E-Autos nicht CO2-neutral, genauso wenig wie die von Fahrrädern oder Schuhen oder Regenschirmen. 

Autoreifenabrieb schadet der Atemluft, Brems- und Reifenabrieb von Fahrrädern auch, vermutlich sogar Schuhsolenabrieb. Und wer sich anstrengt, atmet CO2 aus. Doch das eine Verhalten ist eben weniger klimaschädlich oder umweltzerstörerisch als das andere. Auf die graduellen Unterschiede kommt es an, und die sind teils groß. Jüngst schlossen Benziner-Fans mit innerlichem Hurra aus einer Studie der TU München, dass man weiter mit fossilen Brennstoffen durch die Welt dieseln kann, weil E-Autos bei der Herstellung ja doch nicht CO2-neutral sind. Hat eigentlich auch nie jemand behauptet. Sie reduzieren den CO2- Ausstoß gegenüber fossil betriebenen Autos demzufolge aber immerhin um 41 Prozent (mehr dazu weiter unten). Aber das soll hier nicht das Hauptthema sein. Schon 2022 geisterte ein Artikel durch die Medien, der behauptete: Radfahren sei klimaschädlicher als Autofahren. Damals habe ich diesen Artikel zerlegt. Zum Wiederlesen: 

14. September 2026

Ablenkung am Lenker nimmt zu

Das ist ein Ergebnis einer Studie der Unfallforschung der Versicherer (UDV) über Aggressionen im Straßenverkehr, die Mitte August veröffentlicht wurde. 

Die Presse hat sich vor allem für die Aggressionen interessiert. Ich finde aber die Ablenkung am Lenker allerdings beunruhigender. Dazu mehr unten. 

In der Zusammenfassung der Studie heißt es: Fast alle 23 ermittelten Werte für aggressives Verhalten hätten in den zurückliegenden drei Jahren zugenommen. So müsse sich jeder zweite Autofahrer sofort abreagieren, wenn er/sie sich geärgert hat, man drängelt, schneidet beim Überholen, bremst andere absichtlich aus oder überholt auf der Autobahn rechts. Die einzelnen Prozentzahlen kann man sich hier im Link zu den Tabellen der Studie anschauen. 

12. September 2026

Unser Verkehrssystem benachteiligt Frauen

Unsere Städte sind nicht für Frauen geplant und gebaut, sondern für Männer. Was auch daran liegt, dass in den zuständigen Ämtern Männer das Sagen haben. 

Frauen haben weniger Freiheit in der Mobilität als Männer. So lautet der Titel des Landes Baden-Württemberg über den Bericht über eine Studie zum Mobilitätsverhalten. 

Der Studie zufolge haben Frauen komplexere Wegeketten und begleiten öfter andere Personen, oft Kinder oder Großeltern. Doch unser Verkehrssystem unterstützt sie dabei nicht. U-Bahnen mit Treppen und irgendwo einem Aufzug, der nicht funtkoniert, behindern Frauen mit Kindern und Kinderwagen, aber auch Rollstuhlfahrende und Menschen mit Rollatoren. Frauen müssen ihre Wege mit Kindern in Öffentlichen Verkehrsmitteln richtigehend planen: Wo funktioniert der Aufzug, wo können sie halbwegs treppenfrei umsteigen? Unsere Städte und Verkehrswege sind nicht für Frauen geplant, die Familienarbeit machen. Und sie werden von Männern geplant. Auch wenn in den Abteilungen von Planungsämtern Frauen sitzen, solange sie eine Minderheit sind und solange die Chefs alle Männer sind, werden und können sie keine Verkehrsplanung vorschlagen und durchsetzen, die die besondere Lebenswirklichkeit von Frauen berücksichtigt: Sicherheit, Barrierefreiheit und Platz und Sicherheit für Kinder auf Gehwegen und Radwegen. 

Euch regelmäßigen Leser:innen meines Blogs ist das nicht neu. Der öffentliche Raum ist nicht für Frauen konstruiert, sondern für Männer. Autostraßen dienen dem Berufsverkehr, nicht den Wegen, die Frauen machen. Frauen verursachen zugleich weniger Unfälle und begehen weniger Verkehrsdelikte, sie stellen im öffentlichen Raum eine geringere Gefahr für andere dar, fühlen sich selbst aber oftmals in Gefahr. Verkehrsminister Hermann kommentiert  die Studie so: "Es darf nicht als normal angesehen werden, dass zum Beispiel ein 16-jähriges Mädchen nur dann am Abend aus dem Haus darf, wenn ein Elternteil sie hinterher abholen kann. Unsicherheit im öffentlichen Raum können wir als Gesellschaft nicht akzeptieren." Frauen wagen sich tatsächlich nicht überall hin, bleiben zu Hause, verzichten auf Unternehmungen (was statistisch nicht erfasst wird) und trauen sich auch weniger, Fahrrad zu fahren, wenn die Infrastruktur fehlt. Für Frauen ist das Auto eine Schutzhülle. Sie haben allerdings weniger oft ein Auto zur Verfügung als Männer. Auch wenn die Angst nicht immer faktisch begründet sein mag, so haben Frauen durchaus gute Gründe, mehr Angst vor Belästigung zu haben als Männer. Und ihre Wege durch die Stadt sind hindernisreicher. Das könnte man ändern, wenn man wollte. 

10. September 2026

Achtung, Nesenbach! Sturzgefährlich!


Seit Ende August fließt der Nesenbach in schmalen Rinnen wieder oberirdisch, so auch in der Möhringer Straße, in der Fußgängerzone beim Alten Rewe, die für den Radverkehr freigegeben ist. 

Wie die Stadt auf ihrer Seite schreibt, soll ein von vielen lang gehegter Wunsch gewesen sein, dass man den Bach wieder sieht. Der Gemeinderat hat es vor zwei Haushalten auch beschlossen. Damit da Frischwasser fließt, mussten die Quellen von Nesenbach, Eisenbach und Heideklingenbach in einer gesonderten Leitung vom Abwasser getrennt werden, das mit dem Nesenbach zum Neckar fließt. Am Marktplatz fließt das Bachwasser dann in den Eckensee. Später soll es bis zu den Seen im Schlossgarten weiterfließen. 

In der Möhringer Straße zum Marienplatz hin haben wir auch so ein Bächle und damit eine gefährliche Falle. Und das sie nass ist, macht die Sache nicht lustiger. Vor allem nicht für Blinde. Denn Blindenleitsystheme fehlen komplett. Mit dem Kinderwagen oder Fahrrad kommt man auch nur noch auf einer Seite durch. 

8. September 2026

Gemeinsam radeln fördert Radeln

Kidical Mass Stuttgart
In Barcelona begann 2020 die Sache mit dem Bicibús, dem Bike Bus oder Fahrrad-Bus. Kinder mit und ohne Eltern sammeln sich und radeln gemeinsam zur Schule. Inzwischen gibt es das für 431 Strecken in 17 Ländern für 35.000 Kinder pro Woche. 

Das berichtet City Lab Barcelona. Der Bicibús hat sich von einem lokalen Experiment zu einer weltweiten Bewegung gemausert. Familien erleben ihre Städte anders, weil sie sich erst in geschützten Gruppen und dann alleine trauen, mit dem Fahrrad zu fahren. Eine Doktorarbeit hat das Phänomen in Barcelona, Zaragoza und Lissabon untersucht. Sie wollte herausfinden, wie sich Rad-Busse auf die Nutzung des Fahrrads auswirken, welche Faktoren dabei zum Tragen kommen und wie die Politik sie unterstützen können. 

6. September 2026

Woran man erfahrene und unerfahrene Radler:innen erkennt

Kürzlich radelte ich hinter einem Bioradler her. Er kam zügig einen mäßigen Anstiege hinauf, er streckte den Arm raus, als er nach links abbiegen wollte und schaute sich sogar vorher um. Und er radelte nicht so dicht an geparkten Autos entlang. 

Er war offensichtlich nicht nur ein trittstarker, sondern auch ein sehr geübter und erfahrener Radler. Einer der schon Jahrzente durch Stuttgart radelt und vermutlich auch gerne sportlich in seiner Freizeit. Ich fragte mich dann, woran ich routinierte Radler:innen eigentlich erkenne. 

  • Sie wissen, dass sie nicht alleine auf den Straßen sind und hinter ihnen auch noch andere Radfahrende kommen können Deshalb gucken sie sich vor dem (Links-)Abbiegen nach hinten um und geben Handzeichen. 
  • Sie gucken sich auch nach hinten um, bevor sie auf einem Weg Fußgänger:innen überholen. 
  • Sie halten die Fahrlinie, die sie gewählt haben, schlingern nicht, umrunden aber Löcher und Gullideckel in der Fahrbahn. (Die Ideallinie beim Radfahren ist immer die knapp links oder rechts an Fahrbahnunebenheiten (Gullideckeln, Asphaltschäden) vorbei.)
  • Sie radeln nicht so dicht an geparkten Autos entlang, dass ich Angst um sie kriege, weil sie offensichtlich nicht ahnen, wie schnell eine Fahrertür aufgeht und wie hoch das Risiko ist, hineinzufahren. Das kann mir nicht egal sein, denn wenn ich Zeugin eines Dooringunfalls werde, muss ich anhalten, mich womöglich um eine:n Schwerstverletzte:n kümmern und bleiben, bis Krankenwagen und Polizei kommen. 
  • Sie haben eine hohe bis mittelhohe Trittfrequenz, auf dem Normalrad sowieso, aber eben auch auf dem Pedelec. 
  • Das Fahrrad ist technisch in Ordnung. Es hatLicht am Rad - egal, ob als Tagfahrlicht oder nicht -, die Kette schleift und rasselt nicht, nichts klappert. Das Vorderlicht ist richtig eingestellt und blendet Entgegenkommende nicht. 
  • Ihr Sitzposition sieht stimmig aus, sie haben den Sattel weder zu hoch noch zu niedrig eingestellt. Sie kommen beim Halten an Ampeln mit dem dem Fuß (der Zehenpartie) auf den Boden. 
  • Sie radeln vorausschauend, nehmen also Tempo raus, wenn sie sich eine Zebrastreifen oder einer Ampel nähern, sie fahren nirgends schnell rann, bremsen nicht heftig ab, um dann forciert wieder zu starten. Sie können einschätzen, was vor ihnen passiert. 
  • Sie überholen mich nicht rechts. Und wenn sie mich links überholen, dann in Abstand und vielleicht sogar mit einem kurzen Klingelzeichen oder auch Hüsteln vorher. 
  • Sie tragen angemessene Kleidung, auf Cityfahrten bequeme Alltagskleidung, auf sportlichen Ausflügen Radsportkleidung. 
  • Oder sie fahren Lastenrad. Lastenräder fährt man häufig, meist täglich, weil sie für den Kindertransport gekauft wurden, und man fährt sie so, dass die Kinder nicht in Gefahr geraten. 

4. September 2026

Uneindeutigkeit der Radwegführung birgt Unfallrisiko

In der Facebook-Gruppe "Radfahren in Wien" beschreibt ein Autor eine Situation, die für ihn beinahe zu einem Zusammenstoß mit einem Auto geführt hätte. 

Ein von der Hüttelbergstraße in die Wegerichstraße abbiegender Autofahrer hätte ihn beinahe abgeschossen. Er konnte gerade noch rechtzeitig bremsen. Er glaubte, er fahre auf eine Radüberfahrt entlang einer Hauptstraße, der Autofahrer glaubte, er habe hier Vorrang, weil dies keine Radüberfahrt sei. An der stelle habe es vier Wochen zuvor einen Zusammenstoß gegeben, und die Polizei habe festgestellt, dass Radfahrende hier Vorfahrt-achten-haben, weil der Radweg per Schild vor der Einbiegung endet und erst danach wieder beginnt. In Österreich ist verhält es sich mit den Radüberfahrten anders als bei uns in Deutschland. 

Wir haben als Radfahrende auf einem Radweg entlang einer Vorrangstraße auch dann Vorrang vor dem querenden Autoverkehr, wenn keine Radfurt auf der Einmündung markiert ist. In Österreich ist das nicht so. Da haben Autofahrende Vorrang, wenn es keine Markierungen gibt. Solchen Radfurten muss man sich in Österreich zudem langsam mit dem Fahrrad nähern, nicht schneller als mit 10 km/h. Das sollte man wissen, wenn man aus Deutschland kommt und in Österreich radelt. 

2. September 2026

Befragung zum 12. ADFC-Fahrradklimatest hat begonnen

In diesem Jahr liegt nach Aussagen des ADFC der Schwerpunkt bei der Jugend- und Kindermobilität. Es gibt neu einen Fahrradklimatest für Jugendliche.  

Der übliche Fahrradklimatest für alle, besteht natürlich weiterhin. An den Befragungen teilnehmen kann man hier unter diesem Link. Man bekommt dann per Mail einen Zugang und kann loslegen. In dem Fahrradklimatest für junge Menschen sollen 10 bis 20-Jährige mit fünf Fragen zu ihren Radfahrgewohnheiten befragt werden. Auch Verwaltungen haben in einer Befragung die Möglichkeit, ihre Anstrengungen zur Radverkehrsförderungen zu dokumentieren. 

Die Ergebnisse der drei Befragungen werden im Frühjahr 2027 veröffentlicht. Der ADFC will damit Verkehrsplaner:innen und politisch Verantwortlichen helfen, Vergleiche zu anderen Orten zu ziehen und eigene Schwächen zu identifizieren. Je mehr Menschen mitmachen, desto aussagekräftiger wird das Ergebnis. Also gleich machen und euren Nachbar:innen davon erzählen und sie einladen mitzumachen, auch wenn sie vielleicht gar nicht so viel Rad fahren. Das hat ja auch Gründe, die womöglich mit der fehlenden oder als unsicher empfundenen Infrastruktur zu tun haben, die man mitteilen kann. 

Gestern war der Server übrigens so überlastet, dass die Befragung bei drei Versuchen nicht funktionierte und schließlich abbrach. Wenn euch das auch passiert, dann macht die Befragung zu einer Zeit, wo wahrscheinlich nicht mehr viele am Computer sitzen oder wartet ein paar Tage. Aber nicht vergessen! 


31. August 2026

Fahrradparken schwer oder leicht gemacht

Fahrräder kann man fast überall hinstellen. Und ein Gestänge findet sich oft auch noch, wo man es anketten kann. Manche Radabstellanlagen sind dagegen schwerer nutzbar. 

Auch wenn es langsam besser wird mit Radabstellanlagen an wichtigen Zielen und in der Innenstadt schon ziemlich gut ist, so sieht es an vielen Zielen noch kümmerlich aus. Keinerlei Radabstellanlagen habe ich bisher am Eingang zum Waldfriedhof gefunden. Wenn sie sich irgendwo befinden, dann nicht dort, wo man sie als heranrollende Radlerin sieht. Es scheint auch nicht nur mir so zu gehen, wenn man sich dieses Arrangement am Eingang anschaut. 

29. August 2026

Radverkehr simulieren, dann planen und umsetzen

Die TH Dresden hat ein online-Tool entwickelt, mit dem Kommunen simulieren können, wie sich Radverkehrsanlagen auf den Radverkehr auswirken. 

Oft hören wir bei der Diskussion eines geplanten Radwegs oder Radfahrstreifens von der konservativen Politik: "Da radelt doch keiner." Logisch, so wie es auf der Straße derzeit aussieht. Und logisch, wenn man zum Radweg kaum stressfrei hinkommt (wie hier auf den neuen Radweg Pischekstraße Richtung Degerloch, Foto) und er ohne Fortführung endet. Aber es würden viele radeln, wenn es eine anständige Radverkehrsanlage gäbe, die sicher ist und sich auch so anfühlt. Aber stimmt das auch? Lohnt es sich, an einer bestimmten Straße einen Radfahrstreifen zu planen oder nicht? Um das zu simulieren und zu testen hat die TU Dresden ein Online-Tool für Kommunen entwickelt. 

27. August 2026

Was Radfahrer zu Radfahrerinnen nicht sagen sollten

Vieles ist gut oder nett gemeint, kommt aber nicht gut an, was männliche Radfahrer zu radelnden Frauen so sagen, egal, ob es nützliche Tipps oder vermeintliche Komplimente sind. 

Ich weiß, das Thema ist heikel, weil wir uns nicht gern bei Fehlern ertappen lassen. Alle, die das hier lesen, gehören selbstverständlich nicht zu den Menschen, um die es hier geht. Ich erlebe unsere Radcommunity in Stuttgart als ziemlich respektvoll auch und gerade mir als Frau gegenüber. Ich höre aber von radelnden Frauen durchaus auch Geschichten über missglückte oder für sie ärgerliche Kommunikation. 

"Ich fahre aber im E-Modus", versichert ein männlicher Pedelec-Radler auf langer Tour einen Alpenpass hoch einer Frau, die auf einem Standardrad mit reiner Muskelkraft hoch radelt. Abgesehen davon, wie albern das ist, möchte sie das eigentlich auch gar nicht wissen, denn es ist ihr völlig egal, ob er sich insgeheim schämt, weil sie als Frau mit reiner Muskelkraft fährt, während er sich von einem Motor helfen lässt. 

25. August 2026

RAD FILM FEST in Stuttgart

Das 1. RAD FILM FEST in Stuttgart soll am 25. September steigen und bis Sonntag, den 27. September dauern. Es findet auf dem Vorplatz von St. Maria, gegenüber dem Österreichischen Platz statt. 

Nach Angaben der Veranstalter:innen zelebriert es das Fahrrad als Antrieb für Begegnung, Abenteuer und soziale Teilhabe. Die ehrenamtliche Initiative bietet ein für die Besucher:innen kostenloses Festival für Filmkunst und Begegnung an. Es gibt ein kuratietes Filmprogramm, Lesungen, Workshops und Diskussionsunden. 

Das Fahrrad als Traummaschine und globaler Gleichmacher, schreiben die Macher:innen in ihrer Pressemitteilung. Weite heißt es: "Im Zentrum des Festivals stehen Experimental, Spiel- und Dokumentarfilme, die individuelle Geschichten und komplexe Themen künstlerisch anspruchsvoll auf die Leinwand bringen. Dabei spannt das Programm einen Bogen vom unmittelbaren, urbanen Umfeld über fahrradkulturelle Abenteuer in der Ferne bis hin zu globalen Fragestellungen. Zusätzlich greift das Festival die historischen und sozialen Werte des Radfahrens auf: als Traummaschine der Emanzipation und Befreiung, als „ewiger Underdog" der Mobilität, der Grenzen überwindet, Gedanken beflügelt und Autonomie verleiht."

Am Samstag wird der Film Kesselrollen gezeigt, danach, so gegen 17 Uhr, soll es ein Gespräch mit den Macher:innen und mir geben über die Fortschritte oder auch fehlenden Fortschritte beim Stuttgarter Radverkehr. 

Bis 6. September können noch Filme eingereicht werden. Das genaue Festival-Progamm wird danach veröffentlicht (Ich vermute, dass man sich dafür an folgende E-Mail-Adresse wenden kann: info.radfilmfest@gmail.com




23. August 2026

Mich angeschaut und trotzem übersehen?

In der Presse ist gern von "übersehen" eines Radfahrers oder einer Radfahrerin die Rede. Es gibt Hinweise darauf, dass viele Autofahrende uns nicht sehen, weil sie uns nicht auf dem Schirm haben. Aber selbst, wenn sie uns anschauen, haben sie uns manchmal nicht gesehen. 

Alle Autofahrenden haben gelernt, andere Autos zu sehen, auch im Augenwinkel und im Rückspiegel. Denn wenn es kracht, haben sie mindestens einen Blechschaden und viel Ärger. Autofahrende respektieren andere Autofahrende sehr. Aber schon bei Stadtbahnen versagt dieser selektive Respekt bei nicht wenigen völlig. Sonst könnte es nicht im Schnitt jede Woche passieren, dass ein Autofahrer oder eine Fahrerin beim verbotenen Abbiegen über Stadtbahngleise die riesige gelbe Stadtbahn "übersieht", also nicht sieht und reinkracht. 

Mir fällt aber auch auf, dass manche Autofahrende mich manchmal durchaus sehen - sie haben das Gesicht mir zugewandt -, und sich trotzdem so verhalten, als hätten sie mich nicht gesehen. Es kommt zu einer eigenartigen paradoxen Reaktion: Sie sehen mich und nehmen mir die Vorfahrt. (Das Foto oben zeigt eine gefahrlose Situation.) 

21. August 2026

Auch im ländlichen Raum braucht man nicht immer das Auto

Auch auf dem Land geht viel mehr mit Fahrrädern, als man immer denkt. Zur Arbeit hat man vielleicht einen Weg von 20 bis 90 km. Andere Wege sind dagegen oft sogar kürzer als in der Stadt. 

Auf dem Land fällt der Umstieg manchen erstaunlich schwer, denn, weil man meint, ohne Auto gehe nichts, stehen (je nach Alter der Kinder) oftmals zwei bis drei Autos auf dem Hof, in der Straße oder auf dem Grundstück. Und dann nimmt man es auch für die kurzen Fahrten in den Ort zum Bäcker oder für Einkäufe. Für 800 Meter zum Friedhof oder einen Kilometer in die Ortsmitte müsste man allerdings nicht das Auto nehmen. Das geht sogar besser mit dem Fahrrad. Aber gerade in ländlicheren Gegenden, wo öffentliche Verkehrsmittel fehlen oder selten fahren, hat man sich daran gewöhnt, für alles, was man zu weit zum Gehen findet, ins Auto zu steigen. Die meisten Städte - wie hier Wangen im Allgäu - bieten nicht nur an den Rändern des Ortskerns riesige Autoabstellflächen an, sondern gestatten auch das Parken in den Alstadtgassen (Foto). Allerdings nimmt beispielsweise auch in Wangen der Radverkehr deutlich zu. Viel mehr als noch vor einigen Jahren kommen jetzt mit dem Rad, wenn mittwochs Wochenmarkt ist. Und dass man auch längere Arbeitswege durchaus mit Pedelecs schaffen kann - und mit deutlich mehr Vergnügen und Wohlbefinden als mit dem Auto - schilderte eine Familie aus Bayern hier B24. Die fährt Rad, auch weit, und hat eins von zwei Autos abgeschafft. 

Die hohen Spritpreise scheinen derzeit mehr Menschen dazu zu zu bewegen, für kurze Alltagsstrecken doch mal das Fahrrad zu nehmen. 

19. August 2026

Wer macht Chaos und wer hat das Chaos?

Beim Autoverkehr spricht man von Chaos, wenn er sich selbst durch seine Menge und Masse blockiert. Radfahrende haben fast immer Chaos. Radwege enden plötzlich, werden durch Gehwegfreigaben unterbrochen, verraten uns auf den ersten Blick ihre Fortführung nicht. Autos stehen auf Radfahrstreifen, Fußgänger:innen irren über Radwege.  

"Wie sehr ich Berlin auch liebe: Ich konnte das Chaos kaum fassen, als ich vor 15 Jahren von Kopenhagen hierher zog. Fehlende Radwege. Zerlöcherte Radwege. Radwege, die plötzlich enden oder vor Bäumen abrupt abknicken," sagte ein Däne in einem Interview mit der Zeit (Bezahlschranke). Er wundert sich, dass Fahrräder in Berlin als Problem und nicht als Lösung gesehen werden. Das Lastenradfahren werde in der Presse regelrecht dämonisiert als etwas, was sich das rotgrünverwöhnte Biobürgertum fahre, das uns unsere Autos wegnehmen wolle. 

Auch ich wundere mich schon lange darüber, dass in Deutschland der Radverkehr nicht als Lösung für die Verkehrsprobleme im Stadtkessel gesehen wird, sondern als Problem.

17. August 2026

Zum Wiederlesen: Aus 12 Gründen sind wir echt gut

Ich fürchte, wir müssen es zugeben: Radfahrende verhalten sich wirklich meist sozialer und umweltfreundlicher als Autofahrende. 

Auch wenn es gar nicht in ihrer Absicht liegt, denn die meisten fahren Rad, weil es ihnen selbst Vorteile bringt, weil sie es bequem und schön finden. Dennoch tun wir der Gesellschaft Gutes. 

  1. Wir tun was gegen die Klimakrise. Wir produzieren auf unseren Fahrten weniger CO2 als Leute, die Auto fahren. 
  2. Wir machen Städte lebenswerter. Wir nehmen weniger Platz ein, wir machen kaum Lärm und haben keinen Blechpanzer um uns herum, sind ansprechbar und zeigen uns als lebendige Menschen. 
  3. Wir sind gut für den Autoverkehr. Denn wer Rad fährt, ist nicht mit dem Auto unterwegs und entlastet so die Straßen, auf denen dann die besser durchkommen, die mit den Auto fahren wollen oder müssen. Wären alle, die heute Radfahren, in Autos unterwegs, käme der Stadtverkehr schnell zum Erliegen. 

15. August 2026

Autofahrende lieben den Stau - anderfalls würden viele Rad fahren

Rund 120 Stunden stehen Autofahrende durchschnittlich im Jahr bei uns im Stau. Radfahren wäre die Lösung, aber so einfach steigt es sich nicht um aufs Fahrrad. 

Fünf Tage im Jahr verbringen wir also  im Stau. Wer an 180 Tagen im Jahr morgens und abends zur Hauptverkehrszeit zur Arbeit und nach Hause fährt, braucht für den Weg fünfzig Prozent mehr Zeit als außerhalb der Rushhour.  

Wenn man davon ausgeht, dass jemand bei staufreier Straße 30 Minuten für den Weg braucht, braucht er/sie im abendlichen und morgendlichen Berufsverkehr dafür grob gerechnet 45 Minuten. Auf 180 Tage hochgerechnet sind das 90 Stunden Stauzeit, also immer noch fast vier volle Tage, die Nacht mit eingerechnet (oder 11 Arbeitstage), die er oder sie in einem Auto sitzt, das nur sehr langsam vorankommt. Vier oder fünf Tage und Nächte im Jahr sind ein kurzer Urlaub. 

13. August 2026

Das ewige Kabelschloss

Um den Mast der Fußgängerampel des Überwegs beim SWR über die Kuhnstraße schlingt sich seit über zehn Jahren ein Kabelschloss für Fahrräder. 

Es liegt inzwischen am Fuß ges Masts und wirkt wie eingewachsen. Und es ruht dort schon sehr lange. Zum ersten Mal habe ich es 2015 fotografiert (Foto unten). Damals schlang sich das Kabel weiter oben um den Mast. Im Lauf der über zehn Jahre ist es nach unten gerutscht. Niemand hat es offensichtlich jemals wieder benutzt. Niemand angefasst. Und interessanterweise hat es auch in all den vielen Jahren niemand von der Straßenreinigung oder Müllabfuhr entfernt. Hat man es nie gesehen, nie wahrgenommen oder ist der Respekt vor privaten Besitz im öffentlichen Raum so groß? Oder hat man einfach nie einen Bolzenschneider dabei? 

11. August 2026

Hass aufs Fahrrad schadet dem Autoverkehr selbst

Radwege und Radstreifen dienen eigentlich dem Komfort des Autoverkehrs. Aus Gründen der Sicherheit sind sie nicht unbedingt nötig. Sie fühlen sich allerdings sicherer an. 

Vernünftige Stadtpolitiker:innen und Verwaltungen setzen zu Recht auf Radwege und Radfahrstreifen, um mehr Leute, vor allem Kinder, Jugendliche und Alte aufs Fahrrad zu bringen. Es gilt als gefährlich, sich mit dem Rad unter Autos zu mischen. Es kann tatsächlioch auch gefährlich werden, wenn ein Autofahrer einen Radfahrer nicht vor sich sieht und ihn oder sie totfährt. Allerdings sind auch Radwege gefährlich, wenn ein Autofahrer über sie hinweg abbiegt und dabei eine Radlerin oder einen Radler anfährt oder gar tötet. Und das passiert leider unverhältnismäßig oft, öfter als Zusammenstöße im Längsverkehr auf einer Fahrbahn. 

Das Fahrbahn-Radeln ist vor allem stressig. Denn wir bekommen direkt die Aggressionen mancher Autofahrender zu spüren, sie fahren schnell an uns heran, überholen uns knapp, scheren zu schnell wieder ein. Strafendes Überholen nennen wir Radler:innen das. Dazu habe ich und haben vermutlich auch andere routinierte Radfahrende nicht immer Lust. Unerfahrene trauen sich unter solchen Bedingungen aber gar auf die Straßen. Sie brauchen Radwege und Radstreifen, eine Trennung vom Autoverkehr. Ohne Radrouten, die sich sicher anfühlen, erreichen wir in unserer Stadt diejenigen nicht, die Angst haben vor dem Autoverkehr, aber eigentlich gern Rad fahren würden. Sicherer, als wir denken, sind wir aber auch auf Fahrbahnen unterwegs. Diese These untermauert Thomas Schlüter eindrucksvoll auf seinem Blog über Radverkehrsunfälle und Zusammenstöße. 

9. August 2026

Geschüzte Radfahrstreifen gibt es in Stuttgart nicht

In München gibt es im Verhältnis zu den Autostraßen die meisten geschützten Radfahrstreifen. Wie der ADFC auf Facebook berichtet, ist das Netz von protected Bike Lanes 862 km lang. 

Das entspricht laut ADFC  37 Prozent des gesamten Straßennetzes. Hamburg kommt zwar auf 1291 km geschützter Radinfrastruktur, aber das sind nur (aber immerhin!) 33 Prozent des Straßennetzes. Dazu zählen auch Radwege, die von der Fahrbahn getrennt auf Gehwegniveau verlaufen. Protected Bike Lanes sind Radfahrstreifen auf Fahrbahnniveau, die durch Poller oder Betonelemente vom Autoverkehr getrennt sind. Mal schnell mit dem Auto auf den Radfahrstreifen fahren und anhalten ist nicht möglich. Sie lassen sich, verglichen mit einem Radweg (auf Gehwegniveau), schnell und kostengünstig herstellen. Sie ermuntern Menschen, das Fahrrad statt des Autos zu nehmen, weil sie Schutz bieten. Radfahren ist dann nicht davon abhängig, dass sie Autofahrende regelkonform verhalten und den Radfahrstreifen respektieren. 

In Stuttgart gibt es ein paar Kilometer reine Radwege, aber mit ist keine einzige protected Bike Lane bekannt. 

7. August 2026

Zum Wiederlesen: Ein Kodex für Radfahrende

Für Alltagsradler:innen gibt es keinen Kodex. Wenn es so was gibt, dann im Radrennsport oder für in Vereinen organisierte Mountainbiker:innen. Oder er wird mal kurz von einem Radverleiher erstellt. 

Die Kodexe, die ich gesehen habe, mischen munter Eigenschutz-Aspekte wie Helme und Tagfahrlicht mit dem Verhalten auf der Straße oder Fahrradbeherrschung und mit Vorfahrtsregeln. Manchmal denke ich mir, es wäre doch auch für uns Alltagsradler:innen gut, wenn wir uns auf einen Kodex verständigen würden, den wir untereinander hochhalten.

Und das ist das, was mir am Wichtigsten erscheint:

5. August 2026

Der paradoxe Widerstand gegen Vorteile für alle - Tempo 30

Tempo 30 flächendeckend in der Stadt, also auch auf Hauptverkehrsstraßen, bringt auch Vorteile für Autofahrende. Für alle anderen sowieso. 

Das hat ein Modellprojekt in niedersächsischen Kommunen ergeben. Den Modellversuch hätte man eigentlich gar nicht machen müssen, denn man weiß seit langem, dass der Autoverkehr in Städten sich weniger staut und besser fließt, wenn nicht schneller als 30 km/h gefahren wird. Das ist ohnehin die Durchschnittsgeschwindigkeit eines Autos in einer Stadt, alle Ampelhalts und Hindernisse mit eingerechnet. Deshalb ist man mit dem Fahrrad in der Regel schneller am Ziel. Außerdem bessert sich die Luftqualität und die Anwohner:innen müssen weniger Lärm erdulden. Die Zusammenstöße von Autofahrenden mit Fußgänger:innen oder Radfahrenden wurden zwar auf den Versuchsstrecken nicht weniger, aber die Verletzungen waren nicht so schwer. 

3. August 2026

Die Müllabfuhr darf das

Gegen eine Einbahnstraße fahren, auf der linken Straßenseite fahren und halten, das darf die Müllabfuhr.  (Zum Wiederlesen) 

Paragraf 35 Absatz 6 der Straßenverkehrsordnung* erlaubt es Müllfahrzeugen wie Baufahrzeugen oder Straßenreinigern, auf allen Straßen und Straßenteilen und auf jeder Straßenseite in jeder Richtung zu allen Zeiten zu fahren und zu halten, wenn ihr Einsatz das erfordert. Denn die Müllabfuhr erledigt hoheitliche Aufgaben. 

Für Autofahrende bedeutet das, dass sie manchmal länger warten müssen, bis sie an einem Müllfahrzeug vorbeikommen. Und Warten ist leider nicht das, was Autofahrende gut können. Das gilt übrigens auch für Radfahrnde, die noch leichter in Versuchung geraten, das Müllauto über den Gehweg zu umfahren. Damit bringen sie (wie übrigens auch Autofahrende) die Müllleute in Gefahr, die mit Mülltonnen hinter dem Müllauto oder einem Haus hervorkommen. 2018 hat mir die AWS (Abfallwirtschaft Stuttgart) deshalb mal einen Brief geschrieben, in dem sie mich bat, Radfahrende darauf aufmerksam zu machen, dass sie auf Kollisionskurs mit Müllleuten fahren (Foto oben). Weder Radfahrende, noch Autofahrende dürfen Gehwege benutzen, um ein haltendes Auto zu umzufahren. Sollten sie dennoch tun, dann sollten sie es wenigstens unbedingt sehr, sehr langsam und aufmerksam tun. Wir Radfahrende können übrigens kurz absteigen und schieben. Ein unschätzbarer Vorteil gegenüber Autofahrenden. 

Sonderrechte haben auch Polizist:innen in Polizeiautos. Allerdings nicht immer.