30. Oktober 2022

Ein ganz normaler Beinahecrash mit Radbeteiligung

Manchmal sehe ich schon, was gleich passieren wird und zücke die Kamera. Eine Radlerin kommt die Gutenbergstraße Richtung Johannesstraße entlang, ein Auto fährt knapp hinter ihr, und ein Radler fährt auf beide zu. 

Der wird jetzt sicher gleich überholen, denke ich, und das wird knapp, denn der Autofahrer wird das Überholmanöver nicht abbrechen, nur weil ein Fahrrad entgegenkommt. Tat er auch nicht. Er zog hastig nach rechts und kam der Radlerin sehr nahe, die bremste. Der entgegenkommende Radfahrer musste auch bremsen. 

Eine alltägliche Situation für uns im Autostraßenverkehr. Manche Autofahrende können keine 30 Sekunden hinter einem Radfahrer bleiben, sie riskieren die Gesundheit und Leben anderer, um vorbeizukommen, und zwar sofort, am besten ungebremst. Und noch etwas Bemerkenswertes gab es dabei. 

28. Oktober 2022

Ja, was ist denn das jetzt wieder?

Nein, dies ist kein innovativer Kreisverkehr, der uns Radler:innen auf einem Radststreifen durch den Mittelkreis schickt. 

Dieser Kreisverkehr ist in Fellbach an der Kreuzung Kappelbergstraße/Gartenstraße neu hergestellt worden. Die rote Markierung bedeutet irgendwas. Wir sehen eine durchgezogene Linie, die man nicht überfahren darf, die Fläche ist aber nicht schraffiert. Vermutlich soll das Ganze signalisieren, dass Autofahrer ihre Autos nicht durch die Mitte schießen lassen, sondern außen herum lenken sollen. Was aber viele auch doch nicht sonderlich kümmert. Ein langer Lkw soll hier offensichtlich aber auch herumkommen, sein Hänger überfährt dann den Innenring. 

Wer hier aber mit dem Rad ankommt, könnte ins Grübeln geraten.

26. Oktober 2022

Radlerfalle mit Ausweg

Wer über die Heilbronner Straße hinweg zum Bahnhof oder vom Bahnhof Richtung Westen will, radelt Jägerstraße. 

Sie führt parallel zur Kriegsbwergstraße, auf der man nicht radeln will und auf der man vor allem nicht über die Kreuzung am Hauptbahnhof kommt, weil die für Radfahrende verboten ist. 

Wenn wir uns der Heilbronner Straße nähern, dann radeln wir an einer Reihe in Gegenrichtung geparkter Autos entlang und stoßen auf dieses ein wenig an eine Falle erinnerndes Arrangement. Rechts auf dem Gehweg hängt ein Schild mit einer Zeichnung, die uns sagt: Irgendwie nach rechts, weil Geradeaus verboten. 

24. Oktober 2022

Das Schilder-Rätsel von Sonnenberg

In Sonnenberg gibt es eine verlotterte Radverkehrsanlage. Hier radelt doch niemand, dachte ich. Aber dann kam mir auf dem Gehweg ein Radler entgegen. Diese Radspur hat er nicht benutzt. 

Schön ist, dass Radfahrende der Laustraße über einen Freiabbieger folgen können, der für Autos gesperrt ist. Sie müssen nicht an der Ampel warten. Doch wenn man sich die ganze Sache genauer anschaut, tauchen einige Fragen auf. 

Aber der Reihe nach: Radfahrenden, die die Waldfriedhofstecke hochgeächzt sind oder die Heinestraße entlang aus Degerloch kommen und in Sonnenberg auf der Laustraße Richtung Rembrandstraße (Kremlerstraße, Hallenbad etc.) weiter wollen, müssen hier lang (siehe Karte unten). 

22. Oktober 2022

Sprechen wir über die wahren Gewaltverhältnisse im Straßenverkehr

Taxi steht auf dem Radweg, Taxifahrer droht Radler
Noch mal Sprache: Wir brauchen eine andere, um die Verhältnisse im Straßenverkehr so zu beschreiben, dass die Mobilitätswende in Gang kommt und gelingt. 

Es geht um unsere Worte "Unfall", "autofrei" und "Parkplatz". Wie ich schon mal ausführte, ist das Wort "Unfall" irreführend. Dennoch habe ich es nach meinem eigenen Artikel 2018 darüber selber immer wieder gebraucht. 

2021 hat Dirk von Schneidemesser in einem Vortrag und Artikel für das Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS) erneut und weitreichender über unsere Sprache nachgedacht. Er wiederum knüpft an eine NDR-Sendung über die Formulierungen der Polizei an. In den USA und in Großbritannien wird an Leitlinien für die Berichterstattung über Verekehrskollisionen gearbeitet. Sie empfehlen statt "accident" das Wort "crash" zu verwenden. Unser "Unfall" bedeutet eigentlich Missgeschick, Unglück, und "accident" ist ein Ereignis, das zufällig geschieht. Beide Worte machen aus einem "Autofahrer fuhr kleines Kind tot" (Kind bei Unfall getötet) oder "Lkw-Fahrer tötete Radlerin beim Abbiegen" (Tödlicher Unfall einer Radfahrerin) ein Ereignis, an dem kein Autofahrer oder Lkw-Fahrer beteiligt war, schon gar nicht schuldhaft. Aber auch für den "Unfall"-Fahrer, also den Verursacher bedeutet das Wort Entlastung, denn es klingt so, als sei der Tötungsakt über den Fahrer oder die Fahrerin des Autos ohne sein/ ihr Zutun hereingebrochen, er/sie war eigentlich gar nicht beteiligt. Folgerichtig ist für die Medien und die Leser:innen ganz leicht, die Schuld oder Teilschuld sofort beim Opfer zu suchen (zu schnell, nicht aufgepasst, trug keinen Helm). Und das Mitleid mit dem Autofahrer ist groß. 

20. Oktober 2022

Pop-up-Bike-Lane-Upgrading

Andere Städte würden daraus eine Pressemitteilung machen: Erster Pop-up-Radweg aus der Corona-Zeit wird verstetigt. 

In der Holzgartenstraße wird das Provisorium ummarkiert zu dauerhaften Radfahrstreifen. Ein schönes Beispiel, wie ein doch damals recht spontaner Verkehrsversuch gelingt und zu einer festen Einrichtung wird. Und ein Beweis, dass Stuttgart das auch kann: Was probieren und zufrieden sein. 

Vom Hospitalviertel Richtung Hegelplatz bleibt die eine von beiden Fahrspuren ein breiter und durchgängiger Radfahrstreifen. Aus den gelben Markierungen sind weiße geworden und die Trennlinie zum Autoverkehr hat einen türkisfarbenen Parallelstreifen bekommen. Türkis ist in Stuttgart die Farbe der Radinfrastruktur. 

18. Oktober 2022

Notorisch kritische Situationen

Es ist nie gut, wenn ein Radweg gekreuzt wird von Tiefgarageneinfahrten oder Straßen für Autos. Der Radweg Holzstraße funktioniert an der Dorotheenstraße nicht gut. 

Obgleich der Radweg eigentlich seit Jahren etabliert ist, fahren erstaunlich viele Autofahrende ziemlich ungebremst drüber, wenn sie aus der Dorotheenstraße nach rechts in die Holzstraße einbiegen wollen. Oder sie stehen quer auf dem Radweg, weil sie den Autoverkehr abwarten müssen. Dass sie damit den Radverkehr, der hier Vorrang hat, ausbremsen und sogar gefährden, merken sie oft nicht einmal. Die Nachtfotos entstanden innerhalb von fünf Minuten gegen 19:25 Uhr am Mittwoch, den 12. Oktober. 

Leider geben dabei auch die Taxifahrer und Busfahrer gar kein gutes Bild ab.

16. Oktober 2022

Erster Wagen der neuen Zacke fährt

Der erste von drei neuen Wagen der Zacke ist Anfang Oktober auf die Strecke zwischen Marienplatz und Degerloch gegangen. 

Einweihung war am 8. Oktober auf dem Marienplatz. Die weiteren drei neuen Triebwagen der Zahnradbahn gehen im März auf die Schiene. Derzeit fährt also nur dieser und teilt sich die Strecke mit einer alten Bahn. Der neue Wagen ist daran erkennbar, dass die Frontscheibe nicht senkrecht ist, sondern nach oben zurückweicht. 

Vorteil für uns Radfahrende ist, dass der Fahrradwagen wirklich groß ist, doppelt so groß wie der alte. Er kann 21 Fahrräder nach Degerloch hoch schaffen. Nicht nur abends von heimkehrenden Pendler:innen wird die Fahrradmitnahme für die Strecke Alte Weinsteige gerne genutzt, sondern auch von Mountainbikern, die in Degerloch den Trail runter gefahren sind und wieder rauf wollen. Auch am Wochenende schieben viele Radausflügler:innen ihre Räder auf den Fahrradwagen, um auf den Fildern herumzuradeln. 

14. Oktober 2022

Eine zufällige Beobachtung

Manchmal stehe ich an einer roten Radlerampel und schaue zu, was die Autofahrenden so machen. Da ich lange stehen muss, habe ich viel Zeit. Ich kann das Handy in die Hand nehmen und fotografieren. 

Ich habe es längst wieder weggesteckt, wenn ich endlich Grün bekomme. Als ich an der Ampel Kolbstraße wartete, sah diesen Autofahrer in dem blauen Auto. Er kommt vom Österreichischen Platz her und muss eigentlich auf der Hauptstätter Straße Richtung Marienplatz und Heslacher Tunnel weiterfahren. Linksabbiegen ist verboten. Er will aber nach links in die Kolbstraße einbiegen und muss den gesamten Gegenverkehr abwarten. Dabei telefoniert er bei offenem Fenster und spricht laut ins Smartphone (schwer verboten!), das er vor sich in der Hand hält. Er hat auf der linken Spur angehalten (schwer verboten!). Alle anderen Autofahrer müssen nach rechts wechseln, um an ihm vorbeizufahren. Ein Lkw-Fahrer tut das nicht, sondern fährt links vorbei, auf der linken Spur des Gegenverkehrs, der ebenfalls die ganze Zeit Grün hat (Collage unten, Bild rechts oben). Während er weiterhin ins Handy spricht, ergibt sich eine Lücke und der Autofahrer biegt ab. Wäre in diesem Moment ein Kind bei Grün über die Fußgängerfurt vor mir gegangen, hätte er es erwischt, denn mehr als zwei Entscheidungen gleichzeitig kann das Gehirn nicht treffen (und eine davon ist telefonieren), allemal nicht schnell genug, um einen Unfall zu verhindern. 

12. Oktober 2022

Das Problem mit dem Herdweg - Teil 2

Der Herdweg ist in Stuttgart vor allem als sehr steile Straße bekannt, die zum Kräherwald hoch führt. Runter radeln darf man ihn durchgehend, hoch nicht. 

Er ist nämlich Einbahnstraße bergab. Viele Radfahrende würden gern hinter der Bahnbrücke (Bild 2) den kürzesten, wenn auch steilen Weg, über den Herdweg nach oben nehmen. Aber die Einfahrt ist für Autos und auch für Radfahrende verboten. Es gibt keine Radfreigabe. 

Mit Blogleser Achim zusammen haben ich mir die Situation angeschaut. Er und der Zweirat möchten eine Radfreigabe erreichen und haben Gespräche geführt, aber die Vertretungen der Stadt und die Polizei sehen Probleme. 

10. Oktober 2022

So lachen Autofahrer die Stadt Stuttgart aus

Kaum ist im Europaviertel die Fläche der Fußgängerzone zwischen Hotel, Stadtbibliothek und Milaneo frei von Baustelle, parken dort Autos. 

Anfangs standen sie hier am Sonntag, weil Autofahrende sonntags davon ausgehen, dass nicht kontrolliert wird. Offenbar wird hier aber nie kontrolliert, denn inzwischen (innerhalb weniger Wochen) parken hier Autos (meistens teure und große), egal zu welcher Zeit man durchläuft oder durchradelt. Es ist eindeutig verboten, aber etliche Autofahrende betrachten jede freie und ebene Fläche als ihre Fläche, wo sie meistens ungestraft und dann auch immer kostenlos parken können. Sie missachten Bordstein und Verkehrszeichen. und lachen sich ins Fäustchen. Sie lachen auch die Stadt aus, die so schöne Flächen bereitstellt, ohne sich drum zu kümmern, was dort passiert, und ihr Lachen klingt in meinen Ohren ziemlich hämisch. 
Ich bin allerdings not amused. So was darf doch nicht passieren. 

8. Oktober 2022

Wird jetzt was besser auf Marfas Schulweg?

Vielleicht erinnert ihr euch an meinen Bericht von vor einem Jahr über die Schulweg-Radfahrt von Fila (die eigentlich Marfa heißt) von Stuttgart Ost hinüber zum Dillmanngymnasium. Eine Radfahrt praktisch ohne Radinfrastruktur. 

Sie ist an dem Thema drangeblieben. Am Mittwochmorgen (5. Oktober) gab es eine verkehrspolitische Radtour des ADFC mit der Fahrradbeauftragen und Vertreter:innen der Ämter für die Schulwegplanung und Radplanung. Eigentlich hätte OB Nopper mitradeln sollen, aber für ihn war dann Martin Körner dabei, Leiter Referat Strategische Planung und Nachhaltige Mobilität. Außerdem waren dabei Regio-TV, Die Stadt mit Kamera und die Stuttgarter Zeitung. (Der Artikel dazu "Heikler Schulweg" erschein am 6. Okt.) 

Marfa erläuterte die vielen - wirklich sehr vielen - Problemstellen ihres täglichen Schulwegs per Fahrrad, die vor einem Jahr auch mir erklärt hat. Das Dillmanngymnasium unterstützte die Info-Aktion, und es stellte sich heraus, dass doch recht viele Schüler:innen in Marfas Nähe wohnen, dieser Rad-Schulweg ist also gar kein Einzelfall.

6. Oktober 2022

Das Problem mit dem Herdweg - Teil 1

Auf der Holzgartenstraße radelt man auf einem breiten Radstreifen auf den Hegelplatz zu. Dahinter, auf dem Herdweg, ist die Situation ungeklärt. 

Radelt man auf der Fahrbahn, wird man von Autos überholt, die von der linken auf die rechte Spur fahren müssen und das unbedingt schaffen wollen, bevor es bergauf einspurig wird und sie hinter den Radler:innen festhängen. Das erzeugt Stress bei Radfahrenden (bei Autofahrenden auch). Andere fahren bei der Bushaltestelle auf den sehr breiten Gehweg, der für Radfahrende inzwischen freigegeben ist. 

Bergauf ist das nicht so problematisch, aber Radfahrende, die hier runter kommen - auch sie dürfen auf diesem Gehweg fahren - sind schneller unterwegs, obgleich sie hier nur Schrittgeschwindigkeit fahren dürfen, was aber unmöglich ist. Es gibt zudem - wie auf allen Gehwegen, so auch hier - eine richtige Gefahrenstelle, auf der auch schon Radfahrende - wie mir Blogleser Achim erklärte - von Autofahrern angefahren und verletzt wurden. 

4. Oktober 2022

Fahrradiebstahl schwerer machen

Wer das Fahrrad nicht im Haus unterbringen kann - hinter einer verschlossenen Haustür und abgeschlossen, am besten angeschlossen -, stelle es am Schildermast unter einer Laterne auf der Straße ab. 

Das größte Risiko für Fahrradklau besteht in Hinterhöfen, erklärt dieser Artikel, aber auch an Bahnhöfen, wo viele Räder herumstehen. Der Schildermast am Straßenrand ist hingegen kein schlechter Platz, weil öffentlich und von allen Seiten sichtbar. 

Abschließen ist übrigens immer eine gute Idee, auch wenn man es nur kurz abstellt, um beim Bäcker oder in die Apotheke zu gehen.

2. Oktober 2022

Es könnte so einfach sein

Einfach mal an Radfahrende denken! Diese Sperre stand im August in Wangen im Allgäu, hätte aber auch so in Stuttgart stehen können. 

Für Autos ist die Durchfahrt gesperrt, denn es werden an einem Kreisverkehr die Zebrastreifen markiert. Radfahrende können die Strecke aber noch gut befahren. Sie kommen vom Kreisverkehr her und befinden sich auf einem frisch markierten sogenannten Schutzstreifen. Sie könnten auch zwischen Bordstein und Sperre durchradeln wenn - ja wenn! - da nicht ein Schildersockel ohne Schild genau im Zwischenraum läge.