Ich höre oft das Argument, es sei unsozial, wenn man Parkplätze verteuert oder eine City-Maut einführt, kurz das Autofahren teurer macht. Dann könnten sich arme Leute das Auto nicht mehr leisten. Kürzlich argumentierte eine Bürgerin in einem Fernsehbericht gegen Anwohnerparktgebüren von 300 Euro im Jahr damit, dass sich Rentner:innen, die von der Grundischerung lebten, das nicht leisten könnten. Die Grundrente beträgt derzeit ungefähr 1.100 Euro. Ein Kleinwagen kostet ungefähr 300 Euro im Monat, ein Mittelklassewagen 400, wenn man nicht mehr als 15.000 km pro Jahr fährt (darin eingerechnet, Werkstatt, Reifen, TÜV, Steuern, Versicherung etc.). Es dürften sich also nicht viele, die von der Grundsicherung leben, überhaupt ein Auto leisten können. Sie dürften sich aber sehr freuen, wenn der öffentliche Nahverkehr bezahlbar ist, erreichbar ist und vor allem oft genug fährt. Das Deutschlandticket kostet derzeit 49 Euro (Bonus-Card 24,50 €) im Monat. Ein Elektrodreirad ist in der Anschaffung zwar so teuer wie ein Gebrauchtwagen, aber im Unterhalt sehr viel billiger. Dafür aber bräuchte es eine Radinfrastruktur, die keine Angst macht. Auch die Krankenpflegerin würde sich freuen, wenn der ÖV auch nachts zuverlässig fährt, damit sie für die Nachtschichten kein Auto braucht, das viel von ihrem Einkommen auffrisst. Oder über sichere, gut beleuchtete und im Winter geräumte Radwege, damit sie den Weg mit dem Fahrrad zurücklegen kann.
Mir kommt es so vor, als erinnerten sich die finanziell gut gestellten Leute immer erst dann der finanziell Benachteiligten, wenn sie selbst fürchten, ein Privileg zu verlieren, das mit ihrer Autonutzung zusammenhängt.