31. Mai 2026

Die konfliktreichste Radstrecke Stuttgarts - Alte Weinsteige

Die vielen Radfahrenden, die die Alte Weinsteige hoch fahren, haben reichlich Gegenverkehr, der von oben runter kommt, und zwar nicht nur Radverkehr, sondern Autoverkehr. 

Der darf von Haigst runter nur bis zu den Parkplätzen an der Wielandshöhe fahren. Weiter darf er nicht, denn da steht ein Einfahrtsverbot, das rote runde Schild mit dem weißen Querstreich, das auch am Ausgang von Einbahnstraßen steht. Dem Radverkehr und den Taxifahrenden ist die Einfahrt erlaubt. Es gibt sogar eine Halbschranke, die nur selten geschlossen ist und dann das Verbot verdeutlicht. Halbschranken sind für den Bergabradverkehr stets gefährlich. Zudem kümmert die Schranke recht viele Autofahrende nicht, die wissen, dass das eine unechte Einbahnstraße ist. Sie nutzen sie als Abkürzung von der Neuen Weinsteige ins Lehenviertel vor allem zu Hauptverkehrszeiten abends. Dann fahren zusätzlich noch viele Autofahrende hoch, obgleich das zwischen 15 und 19 Uhr ebenfalls verboten ist (hier ein paar Zahlen). Die Alte Weinsteige ist schon längst zu einem rechtsfreien Raum geworden. 

Der verbotene Autoverkehr zwingt uns häufig in Konflikte.

29. Mai 2026

Murks hat lange Bestand

Es ist beachtlich, wie lange sich schlechte provisorische Lösungen für den Radverkehr halten. Auf den Hintergrund-Luftbildkarten von StuttgartMaps ist diese Komplikation in der Schlosstraße am Berliner Platz ab 2009 zu sehen. 

Jedes Mal, wenn ich die Schlossstraße entlang radle und an der großen Kreuzung mit der Fritz-Elsas-Straße am Berliner Platz auf die beiden Erklärschilder und diese originelle Spurenführung stoße, frage ich mich, wie man das eigentlich kapieren soll, wenn man zum ersten Mal hier ist. Und auch ich bin kürzlich falsch gefahren, nämlich zuerst hoch auf den Gehweg und dann wieder runter auf die Rechtsabbiege- und Geradeauspur fürs Fahrrad, weil ich in die Fritz-Elsas-Straße einbiegen wollte. Wer hier nach links Richtung Liederhalle möchte, muss wiederum hoch auf den Gehweg und sich dann an der reinen Fußgängerampel aufstellen und sich durch einen Z-Übergang über die Gleise wursteln. 

27. Mai 2026

Der systematische Betrug - Gehwege als Radwege

Symbolbild
Nach meinem Artikel über den strukturellen Regelverstoß, zu dem uns die Städte und ihr Mangel an geeigneter Radinfrastruktur zwingen, hat mir Blogleser Leonard aus Garching geschrieben. 

Durch die Stadt Garching bei München werden Radfahrende hauptsächlich auf freigegebenen Gehwegen (stellenweise auch auf der Fahrbahn) geführt, weil man bei der Sanierung der Straße 2012 den Radverkehr komplett vergessen hatte. Dabei radelt man auch durch den Wartebereich von Bushaltestellen. Nachdem Leonard eine Weile auf der Fahrbahn geradelt ist, nimmt er jetzt den Gehweg, weil er zwei Mal fast überfahren und mehrmals extrem knapp überholt wurde (strafendes Überholen). Und natürlich fährt er auf dem Gehweg nicht Schrittgeschwindigkeit. Schließlich ist die Ortsdurchfahrt ein paar Kilometer lang und er hat sich ja fürs Radfahren entschieden, nicht fürs zu Fuß Gehen. Zwischen den Gehwegecken einer Straßeneinmündung wurden die gestrichelten Linien gezogen und inzwischen wohl auch Fahrrapiktogramme angebracht - so wie wir das in Stuttgart bei freigegebenen Gehwegen auch kennen. Sie kommen damit für Radfahrende und für Autofahrende wie Radwege daher. Und Fußgänger:innen hassen es. 

25. Mai 2026

Mit App die Radsicherheit messen

Die TU Berlin hat vor einigen Jahren eine Handy-App für Radfahrende entwickelt, die eine Fahrt und damit auch gefährliche Situationen misst und dokumentiert. 

Die App heißt SimRa (Sicherheit im Radverkehr) und findet sich im Apple Shop und im Google Play Store. Sie ist zwar für Berlin entwickelt, und die Daten kann man (wenn man will) an die TU Berlin schicken, aber sie lässt sich genauso gut in Stuttgart oder in jeder anderen Stadt nutzen, weil sie per GPS feststellt, wo man ist. Man muss natürlich Lust haben, sie vor jeder Radfahrt zu starten. 

Sie zeichnet auf, an welchen Stellen wir halten, warten, plötzlich bremsen, beschleunigen oder einen Ausweichschlenker machen müssen. Schließt man die Fahrt ab, fragt sie manchmal, warum man an einer Stelle gebremst hat oder ausgewichen ist. Solche Daten sind nach Einschätzung der Uni aussagekräftiger als Unfallstatistiken. Sie können helfen, die Radinfrastruktur zu verbessern, wenn eine Stadt das will und sie nutzt. 

2022 hat SimRa den 1. Deutschen Fahrradpreis in der Kategorie Service und Kommunikation gewonnen. Für Stuttgart zeichnet auf der Seite Jan Lutz als Ansprechpartner. 

 

 

 

23. Mai 2026

Pluralistische Ignoranz und Radfahren

Das Wort pluralistische Ignoranz bedeutet, dass man selber denkt, die Mehrheit der Menschen verhalte sich anders - meist asozialer - als man selbst. Tatsächlich aber ticken in den meisten Fällen die meisten Menschen so wie man selber auch. 

Dieser Fehleinschätzung begegnen wir Radfahrenden sehr oft und wir begehen sie auch oft.  Beispiel: Ein Radler (es hätte auch eine Fußgängerin sein können) erklärt mir, an den Zebrastreifen in der Eberhardstraße halte doch kein Radler an. Gefragt, ob er selbst immer anhält oder zumindest langsam tut, damit Fußgänger:innen rüber können, bekräftigt er absolut glaubwürdig, natürlich bremse er und halte auch. So auch ich. Ich mache immer langsam, sodass alle, die wollen, über den Zebrastreifen gehen können, und halte gegebenenfalls an. Abgesehen von den Fällen, wo eine Verkehrssituation mich den Fußgänger nicht rechtzeitig hat wahrnehmen lassen oder wo ich seine Gehabsicht falsch eingeschätzt habe. Passiert sicher nicht nur mir, sondern auch anderen. 

21. Mai 2026

Neuer Bordstein bringt Verschlechterung fürs Fahrrad

Die weit verbreiteten drei-Zentimeter-Bordsteine sind Hindernisse für den Radverkehr, vor allem dann, wenn sie tatsächlich fünf Zentimeter hoch sind. 

Beispielsweise in Heumaden in der Korianderstraße, wo es an der Bildäckerstraße (bei der Kirche) auf den Radweg Richtung Böckelstraße hoch geht (Karte unten). Da wurde unlängst ein alter hoher kantiger Bordstein durch einen niedrigeren abgerundeten Bordstein ersetzt. Der Vorteil der vorigen Lösung war aber: Es gab eine Asphaltanrampung (Bild 2). Die gibt es jetzt nicht mehr. Und deshalb gibt es jetzt  einen Rums. Denn der Bordstein ist nicht nur drei Zentimeter, sondern grob gemessen, fünf Zentimeter hoch. Der Straßenbelag senkt sich zum Bordstein hin ab, und bei Regen sammelt sich da Wasser. Auch der angesammelte Dreck verhindert, dass wir genau sehen können, wie hoch der Bordstein ist. Das kann beim Einbiegen und schräger Anfahrt dann auch mal zu einem Sturz führen, vor allem, wenn es dunkel ist. 

19. Mai 2026

Wird das Königsträßle Fahrradstraße?

Seit sechs Jahren diskutiert die Lokalpolitik darüber, ob das Königsträßle, das in Degerloch die Waldau mit Schönberg verbindet, Fahrradstraße werden soll, kann und darf.  Heute steht im zuständigen Gemeindratsausschuss  STA eine Entscheidung an. 

Fahrradstraße bedeutet Tempo 30.  Auf der Waldau gilt derzeit Tempo 30 und außerhalb im Wald Tempo 40. Und an Sonn- und Feiertagen darf dort gar nicht mit dem Auto gefahren werden. Dem Gemeinderat wurde am 5. Mai von der Verwaltung ein Kompromissvorschlag vorgelegt, wonach das Königsträßle bis zum Haus des Waldes Fahrradstraße wird und auf der Reststrecke bis Schönberg 40 km/h gefahren werden darf. Das Sonntagsfahrverbot bleibt.  Das sehen der ADFC und Teile des Gemeinderats anders. Denn eigentlich ist die gerade Strecke durch den Wald eine gute Radfahrstrecke, die auch von Jugendlichen genutzt werden kann, die auf der Waldau Sport machen oder zur Schule gehen. Und natürlich von Radpendelnden und Alltagsradfahrten zwischen Schönberg, Birkach, Plieningen und Stadtmitte. Der Radverkehr auf dieser Strecke (Hauptradroute 3) wird noch zunehmen, wenn entlang der Jahn- und Pischekstraße der Radweg fertig ist. 

17. Mai 2026

Nur eine Kleinigkeit, aber hilfreich

An der Ecke Marktstraße/Eberhardstraße, wo ein Teil des Schwabenzentrums abgerissen wurde und Bauzäune stehen, hat sich etwas verbessert. 

Die Werbeplanen an den Bauzäunen wurden vor ungefähr zwei Wochen entfernt. 

Jetzt können Radfahrende in beide Richtungen sehen, ob hinter der Ecke ein Fahrrad (oder verbotenerweise ein Auto) herankommt. Sie tauchen nicht mehr so unvermutet vor einem auf. Zwar sollte man unübersichtliche Kurven mit dem Fahrrad nicht schneiden (und die meisten habe ich hier als sehr aufmerksame erlebt), aber mit dem Rad legt man sich halt dann doch mal gern ein bisschen in die Kurve. Alle, die hier radeln, können nun weiter voraus blicken als bisher, und das ist immer gut.  

Vielen Dank dafür. Und danke an den (mir bekannten) Stadtrat der Grünen, der sich darum kümmern wollte.  

15. Mai 2026

So haben wir aber nicht gewettet

Im Schlossgarten ist der Grillplatz mit angrenzender Picknickfläche zu beiden Seiten des gemeinsamen Rad- und Fußwegs fertiggestellt. Eine schöne Aufenthaltsfläche. 

Allerdings haben wir uns das nicht nicht so vorgestellt, dass nun sofort Leute mit ihrem Auto hinfahren, völlig regelwidrig und verbotenerweise über einen Rad- und Gehweg, und am Grillplatz parken. Diese beiden Autos habe ich am Dienstag, dem 12. Mai um 19 Uhr dort stehen sehen. 

Wir sind es ja gewohnt, dass etliche Fahrer solcher großen, dicken und aggressiv gestalteten Autos keinen Respekt von Radwegen und Gehwegen haben und die gesamte Stadtfläche als Fahrwege und Parkplatz missverstehen, aber dass die jetzt auch so schnell den Weg mitten in den Schlossgarten gefunden haben, finde ich schon erschreckend. Sie sind dabei einige hundert Meter über einen gemeinsamen Geh- und Radweg gefahren, und das obgleich Autos niemals weder auf einem Radweg noch auf einem Gehweg gefahren oder geparkt werden dürfen. Der gesamte Schlossgarten ist per Verkehrszeichen als gemeinsamer Geh- und Radweg ausgewiesen. Nur an wenigen Stellen verlaufen Geh- und Radweg mal getrennt. 

Ich hoffe, das reißt nicht ein, und wenn doch, dass die Polizei hier abends und am Wochenende rigoros kontrolliert und Bußen verhängt. Es reicht schon, dass immer wieder Autos von Landtagsabgeordneten illegal auf dem Rad- und Gehweg an der Oper stehen, ohne dass dem wirklich Einhalt geboten wird (obgleich es einen Parkplatz und eine Tiefgarage gibt). Der Schlossgarten muss nicht auch noch voller Autos stehen. Das zeigt eindrucksvoll auch dieses Video von Blogleserin Annette, das sie am Tag der Wahl des neuen Ministerpräsidenten aufgenommen hat. Es ist im Bereich des Rad- und Fußwegs alles in ungeheuerlichem Ausmaß zugeparkt. Und das geht halt auch nicht. 

13. Mai 2026

Wenn sich Rad- und Fußweg kreuzen

In Wangen im Allgäu kreuzen sich in der Grünanlage ein ausgeschildeter Radweg und ein ausgeschildeter Gehweg. Ich frage mich, wer Vorrang hat, wenn Radfahrer und Fußgängerin gleichzeitig an der Kreuzung ankommen. 

Muss die Fußgängerin warten oder der Radler? Beachten wir als Radfahrende Paragraf 1 der StVO, der Rücksichtnahme und Vorsicht verlangt, dann dürfte es nicht zu Zusammenstößen zwischen Menschen zu Fuß und Menschen auf Fahrrädern kommen. Denn alle würden aufeinander achten, ins besondere wir Radfahrende auf den Fußverkehr. Anderseits: Blöde Dinge passieren. Ein Fußgänger guckt nicht, eine Radlerin sieht ihn bei Regen nicht rechtzeitig, ein Kind rennt einer Gruppe von Spazierengehenden voraus und plötzlich über den Radweg. Eigentlich passiert immer alles, was passieren kann. Und dann stellt sich die Frage: Wer hätte hier jetzt eigentlich Vorfahrt oder Vorrang gehabt? Wer haftet? 

11. Mai 2026

Umfrage der Stadt Stuttgart zum Radverkehr

Die Stadt Stuttgart hat vor einiger Zeit ihre Bürger:innen befragt, wie sie sich durch die Stadt bewegen. Wobei es nicht ums Autofahren, sondern ums Radfahren und zu Fuß gehen ging. 

Der Blick auf die  Umfrageergebnisse ist interessant. Demnach gehen 71 Prozent hauptsächlich, also fast täglich zu Fuß, 85 Prozent derer, die teilgenommen haben, fahren Fahrrad (einschließlich Pedelec), 46 Prozent nutzen den ÖPNV und 17 Prozent hauptsächlich das Auto, 12 Prozent kombinieren die Verkehrsarten. 

Da das keine repräsentative Umfrage ist, spiegelt das nicht die Mobilitätsrealität in Stuttgart wider. Den Fragen, die folgen (und die man sich auf der Seite anschauen kann), merkt man allerdings an, dass jemand den Fragebogen gemacht hat, der oder die schon sehr genau die Knackpunkte kennt: zu lange Wartezeiten an Ampeln, Unsicherheit auf Radwegen, lückenhafte Radinfrastruktur. Den Ergebnissen zufolge nutzen 81 Prozent das Fahrrad in der Freizeit und 78 Prozent fahren damit zum Einkaufen. 61 Prozent fahren zur Arbeit mit dem Fahrrad. 

9. Mai 2026

Fahrräder kreuzweise parken?

Das Europaviertel wird in Bahnhofs- und Banknähe vom motorisierten Verkehr beherrscht. Autos schieben sich durch die Straße Am Hauptbahnhof und blockieren sich gegenseitig und damit auch den Radverkehr. Motorräder parken die Fußgängerfläche voll. 

Fürs Fahrrad gibt es hier so gut wie keinen Platz 

Besonders originell sind die Radabstellanlagen im Karoline-Kaulla-Weg auf der Ostseite der LBBW. Hier hat man - wer auch immer - mal schnell Felgenkiller-Einheiten hingeworfen, und das sehr platzsparend,  nämlich im rechten Winkel zueinander. Die Leute, die sie platziert haben, haben vermutlich noch niemals ein Fahrrad gesehen und wissen nicht, dass die länger sind als breit. Oder sie haben sich  über uns lustig gemacht. 

7. Mai 2026

Sonntagsfahrer auf der für Autos gesperrten Hofener Straße

Die meisten Sonntagsfahrer:innen sitzen auf dem Fahrrad und genießen es, dass die Hofener Straße am Neckar seit dem 1. Mai wieder an Sonn- und Feiertagen für den Auto- und Motorradverkehr gesperrt ist. 

Die meisten haben auch kapiert, dass an diesen Tagen der Gehweg verboten und alleine den vielen Spaziergänger:innen und Jogger:innen vorbehalten ist. 

Leider aber wollen es viele Autofahrende weder kapieren noch akzeptieren, dass sie an den Sperren und Verbotsschildern nicht vorbei fahren dürfen. Am vergangenen Sonntag kamen sie, als ich da radelte, in verblüffenden Massen von beiden Seiten, überholten  teils knapp, schüchterten Radfahrende mit ihren Kindern ein, versuchten trotz Rad-Gegenverkehrs zu überholen und wollten überhaupt nicht einsehen, dass man hier Sonntags nicht Auto fährt (außer den Winzern und Anwohnenden). 

6. Mai 2026

Zieh dich cool an, wenn du Rad fährst

Auf schwarzen Rädern, über den Lenker gebeugt, mit Helm, Schutzweste und Rucksack, so kommen viele Radfahrer daher. Meist Männer zwischen 35 und 65. Sie zeigen uns: Zum Radfahren muss man sich einkleiden und panzern.

In den Augen von Fußgänger/innen und vielen Autofahrenden verkörpern diese Gestalten den Kampfradler, den gesichtslosen Radler, der sich an keine Regeln hält und überall fährt.

In den Niederlanden oder in Dänemark fahren alle Fahrrad, vom Kind bis zur alten Dame, alle in ihren Alltagsklamotten, im Kleid, im Rock, im Nadelstreifenanzug, im Wintermantel, mit Highheels. Und vor allem ohne Helm!

5. Mai 2026

Stuttgart fragt uns Radler:innen um Rat

Stuttgart hat am vergangenen Donnerstag die Auftaktveranstaltung für eine umfangreiche Bügerbeteiligung an einem erweiterten Radverkehrskonzept abgehalten. 

Das Radverkehrskonzept von 2009 soll fortgeschrieben und den modernen Gegebenheiten und Standards angepasst werden. Der  Findungsprozess wird begleitet von den Büros DialogWerke, PTV Transport Consult  und Mobycon, die auf mich einen kompetenten Eindruck gemacht haben und reichlich Erfahrung mitbtingen, sich allerdings im Stuttgarter Radverkehr nicht auskennen und jetzt erst einmal fleißige radeln müssen. Zudem präsentierten sich bei der Veranstaltung - wie so oft im Verkehrsplanungsbereich - ausschließlich Männer. Es ist aber wichtig, dass die Mobilität von Frauen und deren Bedürfnisse ebenfalls in den Blick genommen wird, vor allem die Erwartungen derer, die gerne im Alltag Rad fahren würden, sich aber nicht trauen, weil sie (von ihren Autos aus) keine Radwege sehen und den Autoverkehr gefährlich und zu stressig finden. Auf die kommt es mit an, wenn wir das Potenzial von 40 bis 60 Prozent derer ausschöpfen wollen, die wegen fehlender bequemer, durchgängiger und sicherer Radwege bislang nicht radeln. Es ist zu befürchten, dass auch das Beteiligungsportal mehr Männer als Frauen erreicht. 

Bis 5. Juni sind wir gefragt, die wir Rad fahren, egal, ob viel oder wenig oder vielleicht auch kaum. Vielleicht haben wir auch eine Wunschstrecke, die wir gern radeln würden. 

3. Mai 2026

Velo Queens' Kessel Ride statt Fancy Women Bike Ride

Den von Istambuler Frauen initiierten internationalen Fancy Women Bike Ride gibt es nicht mehr. Drei Mal haben wir in Stuttgart mitgemacht und Spaß gehabt. 

Aber jetzt gibt es neu in Stuttgart den Velo Queens' Kessel Ride am 14. Juni 2026.

Die Initiative kommt aus der offenen ADFC-Frauenradgruppe "Keine fährt alleine", zu der ich auch gehöre. Wir organisieren die Ausfahrt  für Frauen* und bereiten sie vor. Als Schirmherrin hat die Stuttgarter Bundestagsabgeordnete Simone Fischer zugesagt. 

Start ist am Sonntag, dem l4. Juni um 15 Uhr am Marienplatz bei jedem Wetter. 

Die Rundtour durch den Kessel meidet steile Steigungen und endet auch wieder am Marienplatz. Die Frauenraddemeo ist inklusiv. Alle können mit. Herzlich eingeladen sind alle Frauen, aber auch Kinder, Männer und Diverse, jedoch fahren nicht sie, sondern wir Frauen vorn. Die Ausfahrt ist bunt und politisch. Personen und Räder können aufgebrezelt werden, müssen es aber nicht. Wir zeigen, dass wir da sind. 

1. Mai 2026

Eine Anmerkung zu den jährlichen Unfallzahlen

Jedes Jahr das gleiche: Die Zahl der im Straßenverkehr - meist von Autofahrenden - getöteten Radfahrer:innen steigt. 2025 waren es 462 Menschen, 3,8 Prozent mehr als im Vorjahr. 

Das ist nicht gut, doch in manchen Medienbeiträgen klingt es schon fast triumphal: Haben wir es nicht immer gesagt, Radfahren ist gefährlich, besonders, wenn Alte Pedelecs fahren. Pedelecs sind gefährlich. 

Die taz sucht hat sogar nach einer weiteren Schreckenszahl gesucht und ist auf 20,6 Prozent Zunahme von getöteten Radfahrenden gekommen, allerdings halt in den letzten zehn Jahren. Auch das ist zu viel, aber der Radverkehr hat sich seitdem gewandelt. Immerhin macht die taz deutlich, dass die Radinfrastruktur nicht immer weniger passt. 

Jedes Jahr stellen die Medien heraus, wie viele Pedelec-Fahrende unter den Opfern sind. 217 der Getöteten waren 2025 mit Pedelecs gefahren. 2015 waren das noch 36 gewesen. Pedelecs waren damals allerdings viel weniger verbreitet, weshalb auch weniger Ältere Fahrrad fuhren. 65 Prozent der Geöteten waren 2025 über 65 Jahre. Kein Wunder, es radeln ja auch mehr. So werden Jahr für Jahr das Pedelec und das Alter problematisiert und für die steigendenden Zahlen bei den Verkehrstoten unter den Radfahrenden verantwortlich gemacht. Man schanzt ihnen die Verantwortung für eine Verkehrssituation zu, die dem Auto Raum und Geschwindigkeiten verschafft, das Fahrrad aber Platz nur zögern zugesteht. Die Alten auf Pedelecs werden skandalisiert, aber nicht die Autofahrenden und ihr zu schnelles und unaufmerksames Fahren. "Fast jeder zweite getötete Radfahrer saß auf eine Pedelec", titelte die FAZ, aber niemand titelt, "alle neun Stunden stirbt ein Mensch wegen Raserei" und nur wenige Medien nehmen auch mal deshalb den Autoverkehr in den Fokus. 

Ist Radfahren also gefährlich? Nein, das ist es nicht. Auch für ältere Pedelec-Radelnde nicht. Es ist sogar viel ungefährlicher als vieles andere, was wir so machen. Am riskantesten ist unser Lebensstil mit Bewegungsmangel und falscher Ernährung. 340.000 Menschen sterben jährlich an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Im vergangenen Jahr kamen 43.000 Menschen durch einen akutem Herzinfarkt ums Leben. 10.400 Menschen begingen 2024 Suizid. Und auch der Autoverkehr ist gefährlicher für Autofahrende selbst als das Radfahren für Radfahrende. Rund 1.200 Menschen sterben jährlich bei Unfällen in ihren eigenen Autos. Das Risiko für Autofahrende, bei einem Verkehrsunfall zu sterben, liegt bei 0,7 Prozent, das von Radfahrenden bei 0,4 Prozent, wie die vpv-Versicherungen feststellt. Das von Fußgängern liegt demnach unverhältnismäßig hoch, nämlich bei 1,5 Prozent.