30. Juni 2022

Die übersehenen Kinder

Und wieder titelt eine Zeitung: Autofahrerin übersieht Mädchen auf dem Rad und fährt davon. 

So geschehen auf einer Fußgängerfurt am Ortseingang von Sillenbuch, die eine Sechsjährige überqueren wollte. Die Autofahrerin fuhr sie an, stieg aus, entschuldigte sich und fuhr dann weiter. 

Die Polizei spricht nicht von "übersehen". Das hat die Zeitung dazu erfunden, ansonsten hält sie sich an die Pressemeldung der Polizei. Dort wird das Kind vom Auto nur "touchiert", statt angefahren. Wie das wohl vor sich ging? Das Kind hat immerhin leichte Verletzungen erlitten. Es wird also mit dem Fahrrad umgefallen sein. Auch die Autofahrerin hat ja bemerkt, dass etwas gerumst hat. Da ist "touchiert" doch etwas verharmlosend.

Das Wort Unfallflucht oder Fahrerflucht (unerlaubtes Entfernen vom Unfallort) fällt auch nicht in der Pressemeldung der Polizei, demzufolge auch nicht in der Zeitungsmeldung. Das ist es aber, was die Autofahrerin begangen hat. Das ist ein Straftatbestand, dafür kann man sogar ins Gefängnis kommen. Es scheint gar nicht so schlimm, was die Autofahrerin gemacht hat: "übersehen, touchiert, entschuldigt". 

Wie aber kann man an dieser Stelle überhaupt ein Kind auf einem Fahrrad übersehen?, frage ich mich. Da ist doch eine Ampel! 

28. Juni 2022

Schilderblödsinn

Könnte man die Verkehrszeichen nicht so aufstellen, dass sie widerspruchsfrei sind? Sollte man es nicht eigentlich tun? 

Als am Wochenende das Heusteigviertelfest stattfand, standen an der Mozartstraße diese Schilder. Lassen wir mal die Halteverbotsschilder beiseite, die vor allem links auch nicht besonders sinnvoll herumstehen, und betrachten die beiden auf der Fahrbahn links und rechts der Schranke. Das eine, links, verbietet die Durchfahrt für jegliches Fahrzeug, das Räder hat (ausgenommen einem Leiterwagen). Rechts von der Schranke steht ein Achtungsschild mit dem Zusatzschild "Achtung Fußgänger, Schrittgeschwindigkeit". 

Ja, was denn nun? Wenn ich rechts zwischen Bordstein und Straßengastronomie reinradle, dann muss ich nur Schrittgeschwindigkeit fahren, wenn ich aber links von der Schranke einbiege, dann muss ich absteigen. Oder wie? Und wie erkläre ich das der Polizei, falls sie mich vom Fahrrad holt? 

26. Juni 2022

Baumbeetparker stören den Radverkehr

Es gibt Straßen mit Parkbuchten, weil die Fahrbahnen zu schmal sind zum Parken. Es gibt neuerdings auch immer mehr Straßen mit Baumbeeten, die den Rest der Parkplätze zu Parkstreifen machen. 

Zum Beispiel die Möhringer Straße zwischen Marienplatz und Böheimstraße. Da stehen immer wieder Autos an den Baumbeeten, machen die Fahrbahn eng und zwingen Radfahrende zu bremsen und manchmal sogar abzusteigen, wenn ein Auto entgegenkommt. Außerdem fahren Autos an diesem geparkten Autos vorbei und kommen mir als Radfahrerin zuweilen gefährlich schnell und rücksichtslos auf meiner Fahrbahnseite entgegen, und wieder muss ich bremsen und sogar anhalten, obgleich ich Vorrang hätte. Kurz: Diese Baumbeetparkerei ist ärgerlich und nicht ganz ungefährlich, vor allem in einer Fahrradstraße. Blogleser Manuel und Matthias haben mir auch ihre Fotos zu dem Thema geschickt, das ich heute aufgreife: Dürfen Autos überhaupt so geparkt werden? 

24. Juni 2022

Schwerer Abbiegeunfall in der Heilbronner Straße

Am Dienstagmorgen gegen halb elf hat ein Autofahrer beim Einbiegen auf ein Firmengelände auf dem Radweg einen Radfahrer angefahren und schwer verletzt. 

Nach Angaben der Polizei fuhr der Radfahrer linksseitig auf den Radweg der Heilbronner Straße Richtung Zuffenhausen. Der Autofahrer war Richtung Pragsattel unterwegs. Radfahrende haben entlang der Heilbronnerstraße und auch an dieser Stelle einen per weißer Linie vom Gehweg getrennten Zweirichtungsradweg, der baulich und per Grünstreifen von der Fahrbahn getrennt ist. Dieser Radweg wird immer wieder von Grundstückseinfahren gekreuzt. Der Mercedesfahrer wollte an der Hausnummer 932 (Karte unten) nach rechts auf ein Firmengelände einbiegen und hat offensichtlich nicht geschaut, ob von links (entgegen seiner eigenen Fahrtrichtung) ein Radfahrer kommt. Den hätte er durchaus gut sehen können, wenn er gewollt hätte. Die Polizei sucht Zeug:innen. 

Solche neben der Autofahrbahn herlaufende Zweirichtungsradwege sind gefährlich, gerade weil sich Radfahrende auf ihnen besonders sicher fühlen. 

22. Juni 2022

Ausflugsparkplätze für Pedelecs

Am Schloss Achberg in Oberschwaben gibt es nicht nur Radparkplätze, sondern auch eine Gelegenheit, die Pedelecs aufzuladen.

Ein paar Meter weiter steht an der Ecke auch eine Radservice-Säule, wo man Räder reparieren kann.  Man kann die Räder an den Ständern anschließen, den Akku rausnehmen und in die Box zum Aufladen legen, zwei passen in jede Box rein. Den Schlüssel zieht man dann ab. Sechs Akkus können so gleichzeitig aufgeladen werden. 

Eine schöne Infrastruktur, die im Sommer vermutlich auch genutzt wird, wenn die Leute mir ihren Rädern auf Tour sind. (Die Fotos stammen aus dem Winter). Die meisten Pedelec-Touren dürften allerdings auf Entfernungen (30 - 90 km) ausgelegt sein, die die Akkus bewältigen. Von Autos will man diesen Platz freihalten, wie man sieht.

20. Juni 2022

Wem gehört die Fahrradstraße?

Wenn ein Transporter die Fahrradstraße blockiert, kümmert sich die Polizei; allerdings nur, wenn ein Auto nicht mehr durchkommt. 

So habe ich es an einem Montag im Mai erlebt, als ich mit dem Rad Richtung Marienplatz die Tübinger Straße entlang kam. Vor mir stand dieser BMW. Um den in zweiter Reihe stehenden Transporter fuhren munter die Autofahrer vom Marienplatz drum herum mir entgegen. Als ich einem sagte, er habe keine Vorfahrt, das Hindernis stehe auf seiner Seite, sagte er, die Autofahrerin (in dem BMW) traue sich nicht durch. Aha. Deshalb also warte ich hier. Eine  Autofahrerin traut sich nicht zwischen geparkten Autos und dem Transporter in zweiter Reihe durchzufahren und blockiert nun auch die Fahrradstraße. Super! 

18. Juni 2022

Mit beschränkter Haftung

In Sonnenberg gibt es seit einem Jahr in der Degerlocherstraße an der Stadtbahnhaltestelle sehr naturverbundene Radabstellbügel. 

Die Bügel wurden von der Stuttgarter Straßenabahngesellschaft aufgestellt, nicht von der Stadt. Eine nette Geste. Aber eben auch nur eine Geste. Sie am Bahndamm in der Wiese. Da darf sich die Radlerin nasse Füße holen, wenn sie nach einem Regen morgens das Fahrrad dort anschließt. Gemäht kann zwischen den Bügeln auch nur schwer werden. Aber man will sich ja nicht beschweren, immerhin lässt sich hier ein Rad festmachen. 

Haftung aber übernimmt die Bahn nicht. Nicht dass ich erwarten würde, dass irgendwer Haftung für mein an einem Radbügel angeschlossenes Fahrrad übernähme. Aber es ist komplizierter:

16. Juni 2022

Die Mär vom starken und schwachen Verkehrsteilnehmer

Begriffe beeinflussen Weltverständis. Eine Begrifflichkeit im Zusammenhang mit der Organisation unseres Verkehrs, die mir falsch vorkommt, ist die vom "starken und schwachen Verkehrsteilnehmer".  

Stärke ist in unserer Gesellschaft ein positiv besetzter Begriff, Schwäche ein negativ besetzter. Schwache brauchen Nachsicht und meistens auch Hilfe. Starke brauchen gar nichts. Sie können  nett und hilfsbereit sein, müssen es aber nicht. Schwache haben keine Wahl, sie sind die Opfer des willkürlichen Handelns anderer.

Als schwach werden im Straßenverkehr diejenigen bezeichnet, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs sind, eigentlich alle, die nicht im Auto sitzen. Als stark bezeichnet man Autos oder deren Fahrer:innen oder beides zusammen. Nun sind Autofahrende ja nicht per se stark oder Radfahrende und Fußgänger:innen schwach. Sie sind es nur im Zusammenspiel der Verkehrsmittel. Das Auto und sein Fahrer kann töten, ein Mensch zu Fuß oder ein Radfahrer kann einen Menschen im Auto nicht töten. Also ist das einzige Zeichen der Stärke eines Autofahrers das Auto. Und unsere Schwäche ist, dass wir nicht im Auto unterwegs sind. Wenn es Starke und Schwache gibt, ist Gleichberechtigung ein Mythos. Andernfalls hätten die Schwachen so viele Rechte, dass sie nicht schwach sind. Autofahrende dominieren in Deutschland, egal, ob sie im Recht sind oder nicht. Andere, die nicht in Autos sitzen, müssen ihnen überall und immer den Weg freimachen, sonst sterben sie oder werden schwer verletzt. Sie sind Opfer. Und Opfer verachten wir erst recht. Wir glauben, sie seien irgendwie selber mit schuld. 

Und genau so konstruieren wir unseren Straßenverkehr.

14. Juni 2022

Freie Fahrt an der Rosensteinbrücke

Nicht für Autos, sondern für Radfahrende gibt es endlich freie Fahrt am Rosensteinbunker. Die Rosensteinbrücke ist so baufällig, dass sie für Autos  gesperrt werden musste. 

Damit wird die elende Radlerampel überflüssig, die die Pendler:innen und an den Wochenenden hunderte Ausflügler:innen winkelig über die weitläufige Auto-Kreuzung geschleust hat. Man wartete immer viel zu lang auf viel zu engen Flächen. Viele versuchten deswegen ihr Glück auf dem Fugängerüberweg mit Z-Schranke an den Gleisen. Manche begaben sich sogar in Lebensgefahr. Jetzt wartet man gar nicht mehr. Man fährt einfach so durch - innerhalb der Sperrschranken - über die Fahrbahnen und Gleise. Und auch vor dem Rosensteinbunker gibt es endlich Platz, weil wir die Fahrbahn benutzen können, statt und auf dem engen Gehweg zu begegnen. 

Das kann ruhig immer so bleiben.

12. Juni 2022

Wer weiß, wo die Radservice-Säulen sind?

Fahrradservice an der Strecke ist eine große Hilfe Manchmal gibt es Fahrrad-Servicesäulen mit Werkzeug und Luftpumpe, wo man zumindest ein Herrenrad auch mal aufhängen kann, damit man nicht gebückt basteln muss.

Diese hier am Wasen in der Nähe des Abgangs von der König-Karls-Brücke ist relativ neu. Und offenbar wurde sie auch gleich gebraucht. Ich sehe inzwischen immer öfter solche Reparatursäulen oder Radstationen in Gebrauch. Allerdings muss man wissen, wo sie sind, um entscheiden zu können, ob man sie mit dem defekten Rad anfahren kann oder ob es sich lohnt, dorthin zu schieben. 

10. Juni 2022

RiS hat Geburtstag

Heute wird Radfahren in Stuttgart 9 Jahre alt. Seit 2013 poste ich meine Sicht auf das Radfahren in Stuttgart und manchmal auch anderswo in diesem Blog. 

Der Artikel vom 10. Juni 2013 ist nicht mehr erhalten, ich habe ihn irgendwann gelöscht (aber ein Kommentator hat mir den Link jetzt geschickt), als es eine Havarie gab. Er handelte von der Frage, warum Radfahrende immer - also so oft - bei Rot fahren. Die Antwort: Weil sich die Infrastruktur so oft ändert - mal Radweg, mal Radstreifen, mal Gehweg, mal Fahrbahn, mal Autoampel, mal Fußgängerampel, dann wieder Radlerampel, dass Radfahrende sich angewöhnt haben, sich ihren Weg zu suchen und mehr auf den Verkehr als auf die Verkehrszeichen achten. 

In den neun Jahren habe ich knapp 1800 Post geschrieben, auf die 3,22 Millionen Mal zugegriffen wurde. 

8. Juni 2022

Radfahren macht intelligent

Das Portal Fahrrad. de bezeichnet Radfahren sogar als Wunderheilmittel. Es stärkt Lunge und Herz, baut Muskeln auf, schont die Gelenke und hält die Blutgefäße geschmeidig. Es macht aber auch glücklicher und steigert sogar die Intelligenz. 

Eine Tübinger Studie, über die ich schon 2018 berichtet habe, kann nachweisen, dass eine halbe Stunde radeln bei leichten Depressionen hilft, weil es die Blutwerte normalisiert, die für Depressionen verantwortlich sind. Eine gleichmäßige fließende Bewegung mit leichter körperlicher Anstrengung sorgt für Glückshormone. Im Gehirn werden nach einer halben Stunde Bewegung Botenstoffe produziert, die bei der Entstehung neuer Nervenzellen helfen. Deshalb fördert Radfahrend nicht nur positive Gefühle, sondern auch die Denklust, Konzentration und sogar Intelligenz. Wer zur Arbeit radelt, kommt erfrischt an. Und wer dann auch noch auf seinem Weg viel Grün um sich hat, tut der Seele noch etwas Gutes dazu, denn Natur senkt den Stress. 

Dass Kinder, die mit dem Fahrrad zu Schule fahren, besser in Mathe sind, weiß man schon länger aus Studien in Kopenhagen. Radfahren macht morgens wach, bringt den Stoffwechsel in Schwung, und  fördert vor allem das räumliche Sehen, Reaktionsfähigkeit, Balance und die Koordination. Außerdem stärkt  Radfahrend das kindliche Freiheitsgefühl und das Verantwortungsbewusstsein. (Nichts schadet Kindern so sehr wie mit dem Auto in die Schule gefahren zu werden.) 

6. Juni 2022

So geht Fahrradstraße - Esslingen

Blogleser Reinhard ist immer wieder in Esslingen unterwegs und genießt die Fahrradstraße dort. 

Die Hindenburgstraße zwischen Altstadt und Oberesslingen war bis vor ein paar Jahren noch eine Autostraße mit einer Rechts- vor Links-Regelung. Jetzt ist sie eine lange durchgängige Fahrradstraße mit zwei modalen Filtern. Es dürfen zwar Autos dort fahren, aber mit Pollern wird der Durchgangsverkehr  unterbunden. Das beruhigt die Straße enorm. Es ist Reinhard mit Leichtigkeit gelungen, Fotos zu machen, auf denen keine fahrenden Autos zu sehen sind (Siehe unten). 

Mit dem Rad kann man auf knapp zwei Kilometer fast unbehelligt geradeaus radeln. Eine Wellness-Oase, findet Reinhard, der mir Fotos geschickt hat. 

4. Juni 2022

Das Problem mit den S-Pedelecs

Es gibt kaum Strecken, auf denen sie fahren können. Radwege sind verboten und viele Überlandstraßen im Grunde viel zu gefährlich, vor allem nachts. 

S-Pedelecs bekommen Motorkraft bis zu einer Geschwindigkeit von 45 km/h, während Pedelecs ab 25 km/h ohne Motor fahren. Eine Österreichische Studie hat jedoch gezeigt, dass S-Pedelcs nicht so schnell gefahren werden, wie sie können, sondern in der Stadt mit durchschnittlich 28.7 km/h und außerorts mit durchschnittlich 31,7 km/h unterwegs sind. Für Pedelecs lagen die Werte bei 23,9 bzw. 24,6 km/h. 

Mit S-Pedelecs ist man also nur etwas schneller unterwegs als mit normalen Pedelecs.

2. Juni 2022

Neue Fahrradweiche macht es einfacher

Wo sich die Olgastraße in die Neue Weinsteige und die Filderstraße teilt, wurde der Schutzstreifen neu gemacht und eine Fahrradweiche angelegt. 

Wenn man sich das alte Bild mit dem vorigen Zustand ganz unten anschaut, sieht man: Der Schutzstreifen wurde vom Bordstein weg in die Fahrbahn verlegt und neue Parkplätze geschaffen, zu denen der Schutzstreifen immerhin einen Sicherheitsabstand hält. Die Fahrbahn wurde dadurch schmaler. Die rote Fahrradweiche stellt optisch klar, dass der Linksabbiegeverkehr die Hauptrichtung ist, und alle, die in die Filderstraße wollen, den Radstreifen queren. 

Vorher streckte man vor dieser Gabelung so früh wie möglich den linken Arm raus und verließ dabei schon sehr früh den Schutzstreifen Richtung Fahrbahnmitte, damit allen nachfolgenden Autofahrer:innen klar war, dass man nach links hoch will. Manche schossen dann rechts an einem vorbei geradeaus in die Filderstraße.