31. Dezember 2021

Guten Rutsch!

Ich wünsche euch ein gutes Jahr 2022. 

Allzeit sichere Fahrt und immer zwei Armlängen Abstand links von euch!

Hinter mir liegt ein Jahr, in dem meine Cousine in Dresden ums Leben kam, weil ein Lkw-Fahrer ihre Vorfahrt auf dem Radstreifen missachtete. Und ich wurde selber von einem Autofahrer umgefahren, der meinen Vorrang missachtete. 

Ich wünsche allen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, dass sie damit letztlich klarkommen und weiterhin ohne Angst und mit Vergnügen Fahrrad fahren. 

In Stuttgart wurden im ablaufenden Jahr viele kleine Infrastrukturmaßnahmen auf die Straße gebracht.

29. Dezember 2021

Die vergessene Autobahn durch Sonnenberg

In Sonnenberg liegt breit und ausladend eine echte Autostadtruine, die zu nichts nütze ist und allmählich verfällt.  

In den sechziger Jahren hat man eine riesige vierspurige Verbindung von der B27 von Tübingen am Waldfriedhof vorbei in den Süden hinunter geplant. Die gigantischen Autobahnauf- und Abfahrten kann man in Sonnenberg noch besichtigen. 

In alle Richtungen an der Dreieckskreuzung Peregrinastraße, Laustraße sind mittlerweile Abbiegespuren stillgelegt. Die Ausfahrt ins Wohngebiet über die Güntherstraße Richtung Löffenstraße in Degerloch ist gesperrt. 

Und da ruht die Zubringeranlage nun und nimmt Sonnenberg eine ganze Menge Platz weg für einen Autoverkehr, der diese Zu- und Abfahrten gar nicht braucht.

27. Dezember 2021

Der rollende Gehstock

Das Fahrrad ist ein rollender Gehstock, meint das Urban Cycling Institute. Und Fahrradstädte sind inklusive Städte. 

Die 65-75-Jährigen in den Niederlanden legen ein Drittel ihrer Wege mit dem Fahrrad zurück. Und durchaus nicht immer mit Dreirädern. Manchmal ist es tatsächlich leichter, mit dem Rad zu fahren als zu Fuß zu gehen. Das Fahrrad belastet Knie und Füße weniger als das Gehen, weil man nie das ganze Körpergewicht auf ein Bein verlagern muss. Ich kenne einige Menschen, die weite Strecken mit dem Rad fahren, aber keine zwanzig Meter schmerzfrei gehen können. Das Fahrrad ist für sie ein Rollator oder eben ein rollender Gehstock, mit dem auch noch sehr viel weiter kommt als nur zu Fuß.

25. Dezember 2021

Mit Blöff-Blitzer gegen rasende Radler

Erst werden die Radfahrtouristen angelockt, dann sind sie der Tourismusorganisation zu schnell, und sie stellt eine Blitzerattrappe auf und hält Radfahrende an, von denen sie der Meinung ist, dass sie zu schnell waren. 

Diese Radfahrer:innen heißen dann "rasende E-Bike-Fahrer". Und das Gebiet heißt Naturschutzgebiet Geltinger Birk und liegt östlich von Flensburg in Schleswig Holstein. Frau Simons von der Ostseefjord Schlei Gmbh, die für die touristische Vermarktung der Gegend zuständig ist, ist jedenfalls im Sommer aufgefallen, dass Pedelec-Radler:innen - aber verutlich nicht nur die - Chaos auf den Wegen im Naturschutzgebiet stiften. Dort sind bei schönem Wetter sicherlich viele Fußgänger:innen und viele Radler:innen unterwegs. Es komme immer wieder zu Beinahezusammenstößen, meint die Tourismus-GmbH nun und hat mal schnell eine Blitzer-Attrappe aufgestellt. Ein paar Meter später werden die Radler:innen (ausschließlich Pedelec-Radler:innen?) angehalten und ermahnt, die nach Ansicht der dort stehenden Personen zu schnell waren. Sie seien auch ganz einsichtig, heißt es. Wie das aussieht, sieht man hier, auch wenn das Foto gestellt ist. 

23. Dezember 2021

E-Lastenradförderung - eine Stuttgarter Erfolgsgeschichte

900 von der Stadt geförderte E-Lastenräder fahren inzwischen in Stuttgart herum. Sie sind seit 2018 fast eine Million Kilometer gefahren und haben 229 Tonnen CO2 eingespart. 

Nach Angaben der Stadt gab es seit 2018 bislang 1.200 Anträge auf Förderung, von denen fast alle positiv beschieden werden konnten. 1,07 Millionen Euro hat die Stadt in die Förderung bisher investiert. Am meisten Anträge wurden im Jahr 2020 gesetllt. Die Lieferengpässe, verursacht durch die Pandemie, führen allerdings dazu, dass bisher noch nicht alle Räder ausgeliefert werden konnten. Hinzu kam ein  Förderprogramme für Menschen, die sich kein E-Lastenrad kaufen können, weil der Eigenanteil zu hoch ist, sich aber eines bei der Neuen Arbeit dauerhaft leihen können sollen. Davon machten bisher 121 Familien Gebrauch. Außerdem gibt es ein Förderprogramm zum Erwerb von E-Trikes, also E-Dreirädern für Mobilitätseingeschränkte.

Im Juli dieses Jahres hat die Stadt die Lastenradbesitzer:innen befragt, um mehr über die Gründe für den Kauf von Lastenrädern erfahren.

21. Dezember 2021

Pfusch am Botnanger Sattel

Am Botnanger Sattel sind die Fahrbahn- und Radmarkierungen neu gemacht worden. Eine Sache ist besser, anderes ist nicht gut. Masten stehen uns im Weg

Der Radstreifen aus der Botnanger Straße geradeaus Richtung Botnang wurde entschärft. Hier wichen vorher Autofahrende den Linksabbiegern immer über den Radstreifen aus und lehrten Radfahrende das Fürchten. Jetzt gibt es eine Linksabbiegespur für Autos und die Busspur biegt gut markiert Richtung Kräherwald ab. Aus der Busspur heraus fahren Radler geradeaus weiter (nächstes Foto rechts oben in der Collage). Das ist besser als vorher. 

Allerdings stehen uns hier Schilder- und Ampelmasten im Weg. 

19. Dezember 2021

Wer Rad fährt, liebt es

Das Auto ist das beliebteste Verkehrsmittel, titelt die Zeit und bezieht sich auf die Ergebnisse der Studie Mobilität in Deutschland, die von 2017 ist, also vier Jahre alt. 

In Deutschland fahren im Durchschnitt 57 Prozent der Leute mit dem Auto ihre wöchentlichen Strecken, 22 Prozent gehen zu Fuß, 11 Prozent fahren mit dem Rad und 10 Prozent mit Bussen und Bahnen. An Wochenenden wird mehr gelaufen und Rad und weniger Auto gefahren. Ohne Zweifel gibt es Menschen, die wahnsinnig gern Auto fahren, ich frage mich aber, ob all die Menschen, die heute Auto fahren, dies auch gern tun und nicht nur als gutwillig akzeptierte Notwendigkeit empfinden. Im ländlichen Raum ist der öffentliche Verkehr unterirdisch und die Strecken fürs Radfahren oft zu lang. In Städten sind Jugendliche dagegen eher weniger aufs Auto fixiert als früher. In Deutschland kommen auf 1.000 Einwohner:innen 527 Autos. Und fast jeder Haushalt hat ein Fahrrad.

17. Dezember 2021

In Stuttgart werden Fahrräder zu eng überholt

In Stuttgart werden Radfahrende in drei von vier Fällen zu knapp überholt. Die Stuttgarter Zeitung hat im Rahmen des Projekts "Radort Stuttgart" dazu eine umfangreiche Untersuchung gemacht. 

100 Radfahrende wurden mit den Kesselbox-Sensoren ausgestattet, die den Überholabstand messen, und sollten damit ihre üblichen Strecken fahren. In drei Viertel der Fälle wurden sie mit weniger als den erforderlichen 1,50 Metern Abstand überholt, in 2 Prozent der Fälle waren es weniger als 50 Zentimeter zwischen Lenker und Außenspiegel.  Insgesamt 27 Prozent der Autofahrenden überholten mit einem Abstand von weniger als einem Meter.

  • 26 Przent hielten sich an mindestens 150 Zentimeter Abstand
  • 47 Prozent überholten mit einem Abstand von zwischen 100 und 150 Zentimetern
  • 25 Prozent fanden 50 bis 100 Zentimeter ausreichend
  • 2 Prozen schrappten mit unter 50 Zentimeter Abstand an den Radfahrenden vorbei

15. Dezember 2021

Reparatur des Ferdinand-Leitner-Stegs verschoben

Tja, der Ferdinand-Leitner-Steg kann nun doch dieses Jahr nicht mehr saniert werden. 

Ihr werdet bemerkt haben, dass die Baustelle samt gigantischer Umleitung, die ich angekündigt habe, nicht kam. 

Der Grund ist, dass eine Kolonne der beauftragten Baufirma positiv auf Corona getestet wurde und ausfällt. Für nächstes Jahr muss ein Termin erst gefunden werden. Der Untergrund hatte sich abgesenkt, wodurch an den Brückenaufgängen ein Absatz entstanden ist. 


13. Dezember 2021

So ein Käse wieder mal!

"Radfahrer absteigen" ist kein Schild der StVO. Auch wenn es hier sehr gebieterisch anmutet, es ist nicht nur ungültig, sondern auch sinnlos. 

Es steht an der Baustelle, die die Kreuzung Wannenstraße/Gebelsbergstraße in Stuttgart-Süd blockiert. Wer die Wannenstraße runter kommt, muss hier nach links, kann nicht geradeaus weiterfahren. Die Frage ist nur: Warum, um Himmels Willen, sollen Radfahrende hier absteigen und schieben? Mitten auf der Fahrbahn? Oder denken die Baustellenbeschilderer, sie sollten auf den Gehweg hoch und dort schieben? Oder dass Radler hiergenerlle  auf dem Gehweg radeln und das hier aus irgendeinem Grund nicht tun sollten? 

Diese Schild "Radfahrer absteigen" gehört aus dem Arsenal der Schilderwut rausgenommen und verschrottet. 

11. Dezember 2021

Radfahrer des Jahres 2021 ist Cem Ödzedmir

Das ist schön, schließlich wurde er in Stuttgart direkt in den Bundestag gewählt. Aber es ist auch ein bisschen traurig. 

Özdemirs Radfahrt zur Vereidigung als Agrarminister beim Bundespräsidenten, erregte in den Medien ein riesiges Aufsehen. Im Grunde gab es an diesem Tag nur ein Thema, das alle Leitmedien mit Foto behandelten: Ein Abgeordneter im schwarzen Anzug zieht sich eine Wetterjacke über und setzt sich einen Helm auf, um zum Bundespräsidenten zu radeln. Wir sahen die Limousinen der anderen, die sich auf denselben Weg machten und den Herrn auf dem Fahrrad doch etwas nach rechts abdrängten, was nicht nett aussah. Cem Özdemir sagte: "Es geht schneller", und war als erster dort. Hinterher klemmte er die Urkunde auf den Gepäckträger. Der coolste Minister ever. Die heute-Show setzte ihm auf dem Foto der Vereidigung einen Helm auf und bemerkte: "Jetzt übertreibt er's aber." 

9. Dezember 2021

Die teure Anarchie des Autoverkehrs

Dass der Autoverkehr uns als Gesellschaft viel Geld kostet, wissen wir. Das sind direkte Kosten für Straßenbau und -unterhalt, aber auch indirekte Kosten für Gesundheit, Lärmschutz, Umweltschutz.
 

Radfahrende dagegen bringen Geld ein, weil sie gesünder sind und sehr viel weniger Schäden verursachen, auch wenn ein Radweg mal ein paar Millionen kostet. Die Aufregung darüber ist dann regelmäßig groß, während die mindestens 16-fach höheren Kosten für dieselbe Strecke Autostraße selten Entrüstung auslösen. Darauf hat Daniel Doerk aus Osnabrück in seinem Blog "it started with es fight" hingewiesen. Er weist aber auf noch etwas hin: auf die Kosten, die die Allgemeinheit tragen muss, weil Autofahrende sich partout nicht an die Regeln halten wollen. 

7. Dezember 2021

Straßen ohne Radweg müssen gesperrt werden

vier Spuren Autos, nichts für Fahrräder
Das sagte Andreas Klein vom Wissenschaftszentrum im WDR 5. Seiner Ansicht nach dürfen keine Straßen mehr gebaut werden, die keinen sicheren Radweg oder Radstreifen haben. 

Und die Straßen, die keinen haben, sagte er, müssten für den Verkehr gesperrt werden, damit klar werde, dass neben dem Auto das Fahrrad ein selbstverständliches Verkehrsmittel ist. 

Ich würde es anders formulieren: Straßen, die keinen sicheren Radstreifen oder Radweg haben, müssen für den Autoverkehr gesperrt werden, der Radverkehr darf sie weiter benutzen. Straßen, die für Autos mehrere Spuren haben, aber keine für den Radverkehr, geben eine Fahrspur ab. Übrigens haben die meisten Straßen für den Autoverkehr mehr als zwei Spuren reserviert, nämlich zwei Fahrspuren und an den Straßenrändern zwei Parkspuren. 

5. Dezember 2021

Stuttgarter bauen Bambus-Lastenrad

Eine Gruppe aktiver Bambusradbastler hat im Werkstatthaus Stuttgart ein Bambus-Lastenrad gebaut. 

Der Rahmen ist fertig und soll nun Motor und Akku bekommen. Über ein Nachhaltigkeits-Crowdfunding der Stadtwerke Stuttgart sammelt die Gruppe jetzt Geld das Projekt, damit das Bambus-Lastenrad im kommenden Jahr auch fahren kann. 

Es wäre das erste Bambuslastenrad in Stuttgart (und vermutlich neben meinem Bambusrad auch das zweite Bambusrad überhaupt, das in Stuttgart fährt). Bambus ist ein leichter und zugleich stabiler Werkstoff. Man sagt gern: "Leicht wie Karbon, fest wie Stahl". Immerhin ist damit der Fahrradrahmen aus einem nachwachsenden Rohstoff gefertigt (und nicht aus energieintesivem Aluminium oder Stahl), auch wenn viele andere Komponenten aus anderen, weniger nachhaltigen Materialien bestehen. 

3. Dezember 2021

Entweder Radwege oder Tempo 30


Darauf läuft es hinaus, wenn wir ernsthaft Radfahrende im Straßenverkehr schützen wollen vor zu schnellen und schweren Autos mit zu unaufmerksamen und ungeduldigen Autofahrenden. 

Die Badische Zeitung hat ihr Interview mit der  Fahrradprofessorin Jana Kühl mit der offenbar skandalträchtigeren Forderung überschrieben: "Deutschlands erste Radprofessorin will Tempo 30 in allen Städten." Eigentlich aber geht es darum, wie wir aus der Emotionalisierung im Straßenverkehr herauskommen. Radfahrende, so Jana Kühl, haben keinen Schutz, kein Blech, keine Hülle rundherum. Ihre Radwege sind schlecht, gar nicht da oder enden plötzlich. 

Radfahrende müssen gleich von Anfang an um ihren Platz auf den Straßen kämpfen. Autofahrende reagieren gereizt und glauben, sie müssten ihrerseits ihren Platz verteidigen, sie möchten nicht durch Fahrräder ausgebremst werden. Außerdem kommen Radfahrer von überall her und sind plötzlich da. Das stresst. Jana Kühl meint, das werde sich nicht legen, solange Radfahrende nicht ihren geschützten Platz auf der Straße haben, möglichst abgetrennt von dem Raum für Autos.
Auf die Frage, wie sich diese Konflikte sonst noch entschärfen ließen, antwortet sie: "Sie gleichen die Geschwindigkeit von Auto- und Radverkehr an." Also Tempo 30 in allen Städten. 

1. Dezember 2021

Ich radle gern im Winter

Im Winter radelt doch keiner. Radfahren ist ein Schönwetterding, sagen  vor allem die, die für den Radverkehr nichts tun wollen. 

Aber im Winter radeln schon deutlich weniger Menschen. Die Rad-Ratgeber verzweifeln an der Wasser- und Schneescheu der Radfahrenden, die sommers zu Zehntausenden die Radwege bevölkern.
Und jedes Jahr wieder ploppen die Argumente auf, warum man auch im Winter das Radfahren nicht sein lassen sollte (Spaß, Fitness, Gesundheit). Aber zu Recht haben wir auch Angst vor vereisten Stellen und verschneiten Radwegen, denn weggerutscht ist man schnell. Und das tut weh. Anderseits sind die Schneetage in Stuttgart auch wieder rar, und es regnet auch weniger als beispielsweise in der Fahrradstadt Münster. Selten sinken die Temperaturen für länger unter minus 10 Grad. Also spricht nichts dagegen, auch im Dezember, Januar, Februar und März Rad zu fahren. 

29. November 2021

Wenn die Autotür plötzlich vor dem Radfahrer aufgeht ...

Immer noch sehe ich viele auch sichtlich erfahrene Radfahrer:innen arg dicht entlang geparkter Autos entlang radeln. 

Wenn jetzt einer, der in einem geparkten Fahrzeug sitzt, die Tür aufmacht, dann haut er den Radler oder die Radlerin vom Sattel. Nur selten kann man noch bremsen oder gar ausweichen. Dooring-Unfälle sind nicht selten und ungeheuer gefährlich, sie führen meist zu gravierenden Verletzungen und zuweilen enden sie sogar tödlich. Schuld ist immer der Mensch, der aus dem Auto aussteigt, denn, so steht es in der StVO § 1: „Wer ein- oder aussteigt, muss sich so verhalten, dass eine Gefährdung anderer am Verkehr Teilnehmenden ausgeschlossen ist.“ 

Oft sind die Bedingungen schuld daran, dass wir zu dicht an geparkten Autos entlang radeln:

27. November 2021

Achtung - Ferdinand-Leitner-Steg gesperrt!

Dieser Tage wird man mit dem Fahrrad nicht über den Steg zwischen Oper und Planetarium im  Schlossgarten fahren können. Schieben aber geht. 

Der Grund: Es hat sich der Boden abgesenkt, deshalb haben sich auf den Rampen auf der Seite des Planetariums Absätze gebildet, die auch nicht gut für uns Radfahrende sind. Die sollen kommende Woche  niveliert werden. Vermulich schon diese Woche wird dafür jeweils eine der beiden gegabelten Rampen gesperrt, Fußgänger:innen werden über die andere geleitet, das Radfahren wird verboten, aber schiebend kommt man durch. Das Ganze soll zwei bis drei Tage dauern.

25. November 2021

Der Ideologievorwurf

 Bei Debatten über Klimaschutz und das Fahrradfahren höre ich oft die Begriffe "Radlobby" und "Ideologie", "Verbotsideologie" oder "Ideologie der Radlobbyisten". 

Mein erster Gedanke ist dann immer: Ja, und du, welcher Ideologie folgst du eigentlich? Der Ideologievorwurf ist eine Form, den politischen Gegner oder die Gegnerin pauschaul abzuwerten und seine/ihre Ansichten als von vorn herein falsch und nicht auf die Wirklichkeit bezogen zu diffamieren. Um eine inhaltliche Auseinandersetzung geht es da nicht, sondern um eine persönliche Abwertung. Das wird auch allgemein so von denjenigen definiert, die sich wissenschaftlich mit diesem rhetorischen Mittel des Ideologievorwurfs befassen. 

23. November 2021

Mit Schutzstreifen kommt niemand klar

Mit diesen sogenannten Schutzstreifen können Autofahrende nicht umgehen. Sie fahren regelmäßig darauf, und sie stellen Fahrzeuge darauf ab. 

Fahren darf man auf Schutzsteifen, wenn der Gegenverkehr es erfordert und sonst kein Platz ist. Dabei darf man Radfahrende nicht behindern oder gefährden. Wenn man sich diese Situation anschaut, sieht man, dass Radfahrende vor lauter Auto auf dem Schutzstreifen gar nicht durchkommen würden. Autofahrende würden auch gar nicht sehen, dass sich von hinten ein Radfahrer nähert, der auf seiner Spur schneller radeln kann als die Autos gerade fahren, weil sie sich gegenseitig blockieren oder zum Abbiegen anhalten. 

21. November 2021

Politik sieht Parkdruck, aber keinen Raddruck

Lenzhalde: vier Spuren für Autos
Das neue Zauberwort in der Mobilitätswende heißt Parkdruck. Es wird immer dann verwendet, wenn wegen eines Radwegs Parkplätze wegfallen sollen. Sonst nicht. 

In der Hohenheimer Straße gab es nämlich keinen Parkdruck, denn da musste die Fahrbahn hochzu zweispurig befahrbar gemacht werden. Dort wohnen in mehrstöckigen Häusern einer fast nahtlosen Wohnbebauung sehr viele Leute, denen man unterstellen könnte, das sie Autos haben, die sie irgendwo parken müssen. Allerdings nicht vor ihrer Haustür. Die müssen andere Straßen nehmen. In der Lenzhalde oder in der Talstraße oder wo auch immer man Radstreifen oder Radwege einrichten will, wohnen auch Leute. Die haben mehr Glück, denn es geht ja nur um Radwege oder Radstreifen. Und da gilt: Parkdruck ist immer ein gutes Argument. 

Parkdruck ist also die Weigerung, Straßenraum für den Radverkehr von geparkten Autos freizuräumen. Einen Radfahrdruck gibt es dagegen nicht. Er würde die Notwendigkeit bezeichnen, den Straßenraum zugunsten von Radstreifen von geparkten Autos freizuräumen.

19. November 2021

Der Beschützer-Instinkt des Autofahrers

"Oh, das ist aber gefährlich", sagt sich ein Autofahrer und hält Abstand von der Radfahrerin. 

Es regnet, die Ampel wird grün, ein Radler versucht im Anfahren den Regenschirm aufzuspannen. Es gelingt ihm nicht, er radelt auf einen Schutzstreifen weiter, den flatternden Schirm in der Hand. "Das ist aber gefährlich!," sagt der Autofahrer, fährt langsam und hält Abstand. Ich habe mich verfahren und komme an der Jahnstraße raus, auf der von rechts und links die Autos fahren. Ich will rüber, aber es gibt keine Lücke  im Autoverkehr, also radle ich auf der Fahrbahn zur nächsten Linksabbiegemöglichkeit, stelle mich auf den Mittelstreifen und strecke die Hand raus. "Das ist aber gefährlich!", denkt sich ein Autofahrer, der mir entgegenkommt, und hält an, damit ich nach links abbiegen kann. 

17. November 2021

So wenig Platz kriegen Radfahrende in der Stadt

Mehr als die Hälfte der Mobilitätsflächen in einer Stadt sind dem Autoverkehr vorbehalten. Er fährt und parkt auf fast 60 Prozent der asphaltierten Fläche. 

Der Radverkehr quetscht sich auf 3 Prozent und Fußgänger:innen tummeln sich auf rund 33 Prozent. 

Andere Verkehrsarten, z.B. Bahnen, belegen etwa 6 Prozent der Fläche. Das hat der Flächengerechtigkeits-Report 2014 für Berlin festgestellt. In Berlin lag demnach der Radverkehrsanteil 2014 schon bei 15 Prozent, in Stuttgart könnte er 10 bis 12 Prozent betragen, es radeln aber sehr viel mehr auf unseren Straßen als noch vor einigen Jahren, gleichzeitig hat aber auch der Autoverkehr zugenommen. In einer Stadt wird dennoch in der Regel nur jeder dritte Weg (33 Prozent) mit dem Auto zurückgelegt, für Autos aber stellen unsere Städte dennoch den meisten Platz zur Verfügung, auch deshalb, weil sie, wenn sie nicht gefahren werden, irgendwo herumstehen müssen. Autos brauchen auf unseren Straßen auch deshalb so viel Platz, weil sie mit 40 bis 50 km/h gefahren werden und Bremsweg-Abstände einhalten müssen, die sich verkürzen, wenn sie mit 30 km/h gefahren würden. 

15. November 2021

Die beneidenswerte Leichtigkeit des Radfahrens

Radler:innen halten sich für Gutmenschen und glauben deshalb, sie müssten sich an keine Regeln halten, höre ich immer wieder. 

Fühlen wir uns wirklich als Gutmenschen und brettern darum über Rot? Unsere Gefühle beim Radfahren sind doch eher andere: Leichte Unsicherheit, Vorsicht, Wachsamkeit, manchmal Todesschrecken, aber auch Vergnügen, unterwegs zu sein, und Spaß an der Bewegung, am Wetter, an den Gerüchen. Und immer wieder, wenn ich durch Stuttgart radle, denke ich: "Musste das jetzt sein?", "Du hast mich doch gesehen!", "O Gott, wenn ich jetzt bei Grün losgeradelt wäre, hätte der mich erwischt.", "Hilfe, das war knapp!"

13. November 2021

Der Leuzetunnelumweg verschwindet im Frühjahr 2022


Derzeit kurven wir ja um die Tunnelbaustelle auf dem Radweg beim Leuze herum, was das Zeug hält. Diese Umleitung blieb viel zu lange, weil der Tunnelbau wegen eines Rechtsstreits stockte. 

Jetzt ist ein Ende absehbar. Ab Frühjahr kommenden Jahres müssen wir keine lange Schleife (gelbe Linie) mehr fahren, sondern kriegen eine direktere Verbindung vom Brunnen zur König-Karls-Brücke (rote Linie). Ende 2023 wird die Route dann auf den ursprünglichen geraden Weg englang der König-Karl-Straße zurückverlegt (blaue Linie). Die Frage stellt sich allerdings, warum die das dann doch noch so lange dauert. Und noch ein Problem gibt es. 

11. November 2021

So kriegen wir die Ecken schnell autofrei

Zugeparkte Kreuzungsecken, das war einmal. Zumindest an einigen Ecken in Frankfurt. Blogleser Peter hat mir diese Fotos geschickt. 

Die Lösung ist einfach und billig. Gehwegnasen sind vielleicht schöner, aber sie müssen teuer gebaut werden (und ihre Planung und Umsetzung dauert lange), und Autofahrende stellen sich dann auch an die noch hin, weil sie einen Bordstein sehen. 

Frankfurt zeigt: Man malt die Ecke ab, stellt drei Poller auf und ein oder zwei Radbügel und schon haben wir auch noch Platz für Fahrräder. Sie müssen nicht auf den Gehweg gestellt werden, wenn man man schnell zum Bäcker muss. 

9. November 2021

Autofahrer bügelt mich um

Diesmal hat es mich erwischt. Und das, obgleich ich weiß, dass die Stelle am Rosensteinbunker in Cannstatt gefährlich ist. 

Ich war am Sonntag von der Wilhelmsbrücke in Cannstatt kommend entlang des Neckars unterwegs, bin an der Rosensteinbrücke auf den Geh-/Radweg nach links in Richtung der Radlerampel am Rosensteinbunker abgebogen. Der Mercedes stand in der Freiabbiegerspur der Badstraße (Karte unten), der Fahrer wollte nach rechts zur Rosensteinbrücke abbiegen. Er stand mit den Vorderreifen auf dem roten Radstreifen. Ich sehe die Beifahrerin, die mich anguckt, und fahre. In dem Moment sehe ich, dass der Fahrer nur nach links schaut und offenbar eine Lücke im Verkehr erspäht hat, denn er startet. Er stößt mich mit meinem Fahrrad um, ich kann mich mit den rechten Fuß abfangen, stürze aber übers Lenkrad und kriege es in die Rippen. Sehr schmerzhaft. 

7. November 2021

Ds Inselbad hat neue Fahrradbügel

Früher befanden sich die Radabstellbügel zusammengedrängt unter Bäumen, und viele waren es auch nicht. Jetzt ist Platz geschaffen worden für viele Radbügel. 

So können, wenn die Freibadsaison wieder beginnt, ganz viele Leute mit ihren Fahrrädern zum Inselbad in Untertürkheim kommen und sie bequem und sicher abstellen. Das Foto hat mir Blogleser Alex geschickt.  

Übrigens sind auch am Mineralbad Berg reichlich Radbügel neue geschaffen worden. Sehr schön. 

5. November 2021

Gleisanlagen für Radfahrende sicherer machen

Quelle
In Bochum stürzen Radfahrende auf einer bestsimmten Straße immer wieder in Straßenbahnschienen. Das sind Unfälle, die meist zu schweren Verletzungen führen.

Bochum will die Schienen dort jetzt mit Gummilippen versehen. Sie halten das Gewicht der Radfahrenden aus, werden von Straßenbahnrädern aber eingedrückt. Logisch, dass diese Gummilippen nicht ewig halten. Erste Versuche mit solchen Systemen schon 2013 in der Schweiz, über die ich auch berichtet habe, gingen deshalb schief. Das neue System soll den Belastungen jetzt standhalten. Ich gehe mal davon aus, dass Bochum eines verwendet, das nicht nach wenigen Jahren oder gar Monaten kaputt ist und die Gefahren noch vergrößert. 

3. November 2021

Immer schön radeln auf der Gulli-Linie

Es gilt das Rechtsfahrgebot. Am rechten Fahrbahnrand sammeln sich aber die Gulli- und Kanaldeckel, kombiniert mit Straßenschäden. Wir müssen Slalom fahren oder den Lenker festhalten und hoppeln.

Der rechte Straßenraum wird ja recht steifmütterlich behandelt, meistens sieht man ihn nicht, denn er ist zugeparkt. Aber wenn nicht, dann lieg dort der Radstreifen, und wenn man Pech hat, dann ist es nur ein alter vernachlässigter Schutzstreifen, so wie auf der Böblinger Straße bergauf. Und so radeln wir fast immer überall auf der Gulli-Linie. So auch hier über den sehr schmalen Radüberwegsstreifen an der Schreiberstraße beim Alten Feuerwehrhaus in Heslach. Immerhin die Hauptradorute 1, wo auch noch Radler:innen entgegen kommen. 

1. November 2021

Pedelec-Mobbing ist unsportlich

Es gibt etwas völlig Unnötiges, und zwar die Verachtung für Pedelecradler:innen: Ein Pedelec sei kein Fahrrad, die Leute, die so was fahren, seien keine Radfahrer. 

Stimmt, ich bin keine Radfahrerin, ich fahre seit 2006 Pedelec. Es ersetzt mir das Auto in der Stadt. Mein Sport ist ein anderer, nicht das Radfahren. Ich radle nicht aus sportlichen Gründen und auch nicht, um andere mit Passfahrten und Welt-Umradelungen zu beeindrucken. Ich radle, weil es die bequemste und schönste Art ist, sich in der Stadt auf Strecken bis 25 km zu bewegen. 

Hier auf meinem Blog haben wir diese Gegnerschaft bisher vermeiden können. Aber ich hatte jetzt den ersten anonymen Kommentar, der sich verächtlich über die Leute geäußert hat, die "meinen, ein Pedelec sei ein Fahrrad" und die ihn oder sie (vermutlich ihn) stören. Ich habe auch schon gehört, dass radfahrende Männer sich über eine Arbeitskollegin ständig lustig machen, die mit einem Pedelec fährt. Nicht schön. Und vor allem unnötig wie ein Kropf. 

30. Oktober 2021

Filas Feingefühl für Gefahr

Filas rund vier Kilometer langer Schulweg vom Stuttgarter Osten hinüber zum Dillmanngymnasium führt über genau null Meter Radinfrastruktur. 

Fila (Name geändert) ist 13 Jahre alt. Weil die Bus- und Bahnverbindungen von der Ameisenstraße zum Dillmanngymnasium zu langwierig und umständlich sind und auch die Eltern gern Rad fahren, fährt Fila seit zwei Jahren mit dem Fahrrad zur Schule. Und weil es auf dem Rückweg ordentlich den Berg hochgeht, hat sie ein eigenes Pedelec. 

Und jetzt erklärt sie mir die Tücken des Stuttgarter Radverkehrs. Denn radfahrenden Kindern und Jugendlichen wird es nicht leicht gemacht. Sie müssen sich ihren Weg suchen und mit sehr viel Voraussicht und Disziplin radeln. Autofahrende gehen da nicht immer ganz so vorsichtig mit ihnen um. 

28. Oktober 2021

Kennzeichnungspflicht für Fahrräder ist Quatsch

Immer wieder, wenn ich über tödliches Fehlverhalten von Autofahrenden schreibe, taucht vor allem in Facebook die Forderung auf, Fahrräder hätten ja keine Kennzeichen, sollten sie aber haben. 

Abgesehen vom logischen Zusammenhang: Warum eigentlich? Steckt dahinter die Hoffnung, man könne einen Radfahrer bei der Polizei anzeigen, der gerade vor den eigenen Augen bei Rot über eine Ampel gefahren ist? Oder der oder die gerade einen Fußgänger zu Fall gebracht und weggeradelt ist? Im ersten Fall wäre es reines Anschwärzen, im zweiten Fall das absolut legitime Bedürfnis eines Unfallflüchtigen habhaft zu werden, damit er die Haftung übernimmt. Oder glaubt man wirklich, Kennzeichen führten zu weniger Regelverstößen?

Kennzeichen sind eigentlich Versicherungsnachweise für Betreiber:innen von gefährlichen und potenziell tödlichen Maschinen.

26. Oktober 2021

Welche Konsequenzen hat der schwere Radunfall auf dem Radweg Holzstraße?

Radwege sind gefährlich, wenn Autos sie kreuzen müssen. Das gilt besonders für den Radweg Holzstraße, der acht Mal überquert wird.

Am Samstag hat auf dem Radweg Holzstraße vor der Einfahrt zum Dorotheen-Parkhaus eine Autofahrerin eine Radfahrerin umgefahren und dabei schwer verletzt. Ich kam zufällig zehn Minuten danach dort entlang, sah zwei Krankenwagen, Polizei und mehrere Autos auf dem Radweg herumstehen. Ich stieg ab, schob mein Rad da durch und sah dabei eine Frau am Boden in der Trage der Sanitäter und ein leichtes Fahrrad mit verbogenem Vorderrad. Erst als ich durch war, drehte ich mich um und machte dieses Foto, das weder Opfer noch Unfallsituation zeigt. (Es ist nicht nur geschmacklos, sondern auch verboten, verunglückte Personen und Unfallstellen zu fotografieren.) 

Am Montag fand sich dann die Polizeimeldung im Presseportal der Polizei. Und wenn man das liest, wird einem wieder einmal schlecht. Was richten Autofahrende nur an, in ihrer Hast und ihrem Egoismus und der Blindheit, mit der sie ihre schweren Fahrzeuge rangieren? 

24. Oktober 2021

Das Unrechtsregime des Autoverkehrs

Ich radle die Alte Weinsteige hoch, zwei Autos kommen mir entgegen, ihre Fahrer sind am roten Schild mit weißem Querbalken ungerührt vorbei gefahren. 

Einer sucht nicht mal eine Lücke in der geparkten Autoreihe auf seiner Seite, sondern hält auf mich zu, obgleich die Fahrbahn für uns beide nicht breit genug ist. In einem ähnlichen Fall hat sich einmal eine Radlerin geweigert, Platz zu machen. Auto und Rad standen sich zwanzig Minuten gegenüber, bis die Polizei kam. Die Radlerin war zwar im Recht, aber weil es für sie unkomplizierter war, Platz zu machen, als für den Autofahrer bis zu einer Parklücke zurückzusetzen, musste sie ihr Fahrrad beiseite heben, damit der Autofahrer weiterfahren konnte. Und eine Radlerin wurde in Stuttgart in so einer Situation sogar geschlagen, erhielt aber keinen Beistand von Polizei und Staatsanwalt. So feixt am Ende der, der den Regelverstoß begangen hat, weil er im großen, dicken und unflexiblen Auto sitzt, und es knickt das Rechtsgefühl der Radfahrerin. Hupt ein Autofahrer eine Radlerin an den Rand, wird nicht er wegen Nötigung von der Polizei ermahnt, sondern die Radlerin, die anhält und ihn fragt, was er für ein Problem hat. 

Wir hören immer wieder Ermahnungen, lieber auf unsre Vorfahrt zu verzichten, weil wir halt keinen Blechpanzer um uns herum haben, aber wir hören keine unermüdlichen Appelle an Autofahrende, auf ihre Vorfahrt uns Radfahrenden gegenüber zu verzichten, weil sie die gefährlicheren sind. 

22. Oktober 2021

Wer hat Vorfahrt?

Das ist eine der kompliziertesten Kreuzungen auf der Hauptradroute 1, doch da sie fast nur von Radfahrenden befahren wird, merkt man es nicht. Denn Radfahrende arrangieren sich per Blickkontakt. 

Wir sehen das Ende, bzw. den Beginn des Radwegs Holzstraße an der Einmündung der Marktstraße. Der Radweg ist rot markiert, die Fahrbahn der Einmündung blau. Die blaue Farbe soll Autofahrenden signalisieren, dass sie falsch sind, wenn sie hier reinfahren. Für Autos (ausgenommen Taxis, Lieferverkehr bis 11 und Behinderte mit Ausweis) ist die Fahrradstraße hier und in der Eberhardstraße verboten. Das sagen die Verkehrszeichen. 

Aber wer hat nun hier Vorfahrt? 

20. Oktober 2021

Wenn Autofahrende die sozialen Kosten ihrer Fahrten bezahlen müssten ...

Schweizer Wissenschaftler wollten wissen, ob Leute vom Auto auf Öffentliche und Fahrrad umsteigen, wenn sie die realen Kosten ihrer Fahrten bezahlen müssen. 

Wir wissen, dass die Autofahrenden hoch subventioniert herumfahren, für sie werden Straßen gebaut und sie verursachen Umwelt- und Gesundheitsschäden (die sogenannten externen Kosten), für die sie selbst nicht aufkommen müssen, weil die Gesellschaft sie übernimmt. 

Wie die Neue Züricher Zeitung berichtet, reicht es nicht, wenn die Autofahrenden nur wissen, dass ihr Fahrverhalten schädlich ist und sie und die Gesellschaft viel Geld kostet. Es hilft aber, wenn man sie wenigstens zu 10 Prozent an den Kosten beteiligt. Man nennt eine lenkende personalisierte Bepreisung aller externer Kosten im Verkehr Pigovian  Transport Pricing. Ein Teilaspekt des Mobility Pricing ist, dass man das Fahren zu Hauptverkehrszeiten teurer machen möchte. Denn, wenn weniger Leute zur gleichen Zeit fahren, braucht man nicht so breite Straßen oder so viele Bahnen für Hauptverkehrszeiten vorzuhalten, die den Rest der Zeit ungenutzt sind. Dafür hat der Schweizer Bundesrat die rechtlichen Mittel bereitgestellt. Die zweite Frage ist, wie verhalten sich Leute, wenn man die Verkehrsmittel realistisch bepreist? Im Auftrag des Bundesamts für Straßen führten Forschende der Universität Basel, der ETH Zürich und der Züricher Hochschule für Angewandte Wissenschaften mit rund 3.700 Personen in Ballungsräumen ein Experiment durch, die an mindestens zwei Tagen in der Woche ihr Auto benutzten. Nach Einschätzung der Universität Basel ist das die größte Studie dieser Art. 

Und das ging so:

18. Oktober 2021

Die Ampel, an der Autofahrer Grün anfordern müssen

Es gibt in Stuttgart eine Ampel für Radfahrende und Fußgänger:innen, die prinzipiell auf Grün steht. Autofahrende müssen für sich Grün anfordern. 

Sie befindet sich, wenn man vom Schlossgarten Richtung Eisenbahnbrücke und Budapester Platz radelt, dort, wo man die Einmündung der Straße Am Schlossgarten queren muss. Oder wenn man andersherum vom Milaneo kommend unter der Eisenbahnbrücke durchgefahren ist und an diese Einmündung kommt. 

Natürlich steht sie nicht immer auf Grün für uns, weil es eben auch Autofahrende gibt, die in die Sackgasse reinfahren oder aus ihr herausfahren wollen und für sich Grün angefordert haben. 

16. Oktober 2021

Chaos mit Bordstein am Bahnhof

Der Übergang am Bahnhof im Verlauf der Lautenschlagerstraße ist fertig. Die Verkehrsinsel wurde vebreitert und gelb über die Fahrbahnseite, die eh niemand mehr fahren durfte, geführt.  

Und nun alles besser? Ich habe mir ja auch immer überlegt, wie man die Radler- und Fußgängerströme an diesem Übergang entzerrt, und dass es eigentlich geschickter wäre, die Radfahrenden bekämen - anders als vorher - die Stadtauswärtsseite (zur Friedrichstraße hin) und die Fußgänger:innen die Stadtseite. Habe das aber immer verworfen, weil sie die Ströme dann eben anders kreuzen, aber immer noch durcheinander gehen. Und so ist es jetzt. 

Und es ist doch ein ziemliches Chaos. 

14. Oktober 2021

Begegnung in der Einbahnstraße

Ich darf verkehrtherum nicht durch jede Einbahnstraße radeln, aber wenn ein Zusatzschild mir die Einfahrt freigibt, dann darf ich. Aber muss ein mir ein entgegenkommender Autofahrer auch Platz lassen, damit ich in Ruhe radeln kann? 

Ja, muss er. Auf dem Fahrrad habe ich normale Fahrrechte. Autofahrer übersehen zwar die Zusatzschilder unter den Einbahnpfeilen meist, die ihnen zeigen, dass hier Radverkehr entgegenkommt, aber sie müssen dennoch immer mit Radverkehr rechnen, rechts fahren und mir Platz lassen. Ohnehin sollten solche Einbahnstraßen mindestens 3,50 Meter breit sein, sodass Rad und Auto aneinander vorbei kommen. Und weil es dennoch etwas eng zugeht, muss der Autofahrer auch langsam machen (StVO § 3), damit ich nicht gefährdet werde. Grundsätzlich müssen beide Fahrzeuge die Geschwindigkeit verringern, wenn sie nicht mit mindestens einem Meter Abstand zwischen sich und angemessenem Abstand zu parkenden Autos oder dem Straßenrand aneinander vorbei kommen. Das gilt auch für Einbahnstraßen.

Und was ist, wenn es so eng ist, dass wir nicht aneinander vorbeikommen, ohne dass eine:r von uns anhalten muss?

12. Oktober 2021

Vollsperrung der Hauptradroute im Feuerbacher Tal

An der Feuerbacher Talstraße bin ich am Sonntag auf eine neue Sperrund der Hauptradroute F (Feuerbach) gestoßen. Sie unterbricht den Radweg vollständig. 

Das ist seit 4. Oktober so. Wenn man aus Feuerbach kommt und Richtung Botnang radelt, dann stößt man am Biergarten im Tal an ein Hinweisschild, dass in 300 Metern alles dicht ist, und wird per Umleitungsschild nach links auf einem obskuren (regenrutschig aussehenden) Kopfsteinpflasterweg hinauf in den Wald geschickt. Ich mag mir nicht ausmalen, wie es dann da oben auf befestigten oder unbefestigten Wegen unterhalb des Bismarckturms durch den Wald geht, bis man wieder runter darf auf den Radweg. 

10. Oktober 2021

Die meisten Autos brauchen keine Parkplätze auf der Straße.

Seit Wochen werden im Mühlrain Glasfaserleitungen verlegt, Wochen herrscht auf über hundert Metern ein Parkverbot. Die Straßenränder sind leer, und ich frage mich: Wo sind all die Autos hin? 

Auch in den Anschlusstraßen wird nicht mehr geparkt, eher weniger, es sind immer mehr freie Parkpätze zu sehen, auch dort, wo noch geparkt werden kann. Autos verschwinden sang und klanglos, wenn Parkplätze verschwinden. Ein Phänomen. 

Eine Studie in Darmstadt gibt eine Antwort: Zwei Drittel der Autos, die am Straßenrands stehen, könnten in Garagen oder auf Stellplätzen auf dem eigenen Grundstück stehen. Sie stehen aber nicht in der Garage. Die Gründe sind: Das Auto passt nicht mehr rein (SUV), in der Garage stehen die Fahrräder und allerlei Gerümpel, die Garage wird als Werkstatt genutzt, das Garagentor auf und zu Machen ist zu umständlich oder der Weg von der Garage zur Haustür zu weit. Deshalb finden dann Leute, die keine Garage haben, keinen Parkplatz mehr, Besuch auch nicht, Handwerker auch nicht, und es wird auf Gehwegen geparkt. 

8. Oktober 2021

Der Heilige Parkplatz

Menschen bekommen Panik, wenn Parkplätze wegfallen sollen, die Zeitung schreibt und treibt die Aufregung voran. Es gründen sich Bürgeriniitatinen zur Rettung der Parkplätze. Der Parkplatz ist Zentrum und Quintesenz unseres Lebens. 

Parteien positionieren sich und tragen alles zusammen, was man an Argumenten vorbringen kann, damit die Rettung der Parkplätze nicht wie Egoismus aussieht: Die Handwerker müssen doch parken, die Behinderten müssen parken, alte Menschen müssen parken und kurze Wege haben zur Markthalle, zum Laden. Auch die Pflegedienste - selten erwähnt - müssen ihre Autos abstellen. Menschen müssen zu Ärzten, und brauchen Parkplätze am Straßenrand.  Der Parkplatz ist doch eigentlich eine Sozialeinrichtung, ein soziales Netz. Auch für den Handel, denn wer kommt noch in den Laden, wenn er nicht parken kann. Niemand mehr. Ohne Parkplatz müssen Läden dicht machen, wird der Bäcker, die Metzgerin arbeitslos. Nur der Parkplatz garantiert unseren Wohhlstand. Und vor allem ich brauche einen Parkplatz, meinen Parkplatz. Das Leben ist mir vergällt, wenn ich am Abend ewig Parkplatz suchen muss. Der Parkplatz dient meiner Seelenruhe, unser aller Seelenruhe.

6. Oktober 2021

E-Trikes sind im Kommen

Die Stadt hat ein Förderprogramm für E-Trikes aufgelegt. Das sind Dreiräder mit Pedelec-Motor. Sie erleichtern das Radeln für Menschen, die das Gleichgewicht nicht mehr so gut halten können oder körperliche Beeinträchtigungen haben. 

Während der Mobilitätswoche waren am Sonntag auf der Dorotheenstraße neben dem Karlsplatz viele Varianten solcher Räder zu sehen. Man konnte sie auch ausprobieren. Der Andrang war beeindruckend. Es gibt leichte Räder für Menschen, die zwar nicht mehr so gut laufen, aber noch gut Radfahren können und mit dem Trike ihre Einkäufe erledigen und ihre Spazierfahrten machen können. 

4. Oktober 2021

Blutstreifen und Vorfahrtsfragen


Rot asphaltierte Radstreifen sehen immer so aus, als hätten wir darauf Vorrang. Das ist aber nicht deshalb so, weil die Fläche rot markiert ist. Fahrbahnfarbe allein schafft keine Verkehrsregel. 

Dass wir auf roten Radstreifen oft Vorrang haben, liegt daran, dass die Streifen dort rot sind, wo wir kreuzendem Verkehr gegenüber sowieso vorfahrtsberechtigt sind. Hingegen bedeutet die Rotmarkierung auf einem ganzen Kreuzungsbereich - wie auf dem Foto in Fellbach - nicht, dass wir bei einem Ausfall der Ampelanlage überall Vorrang hätten. 

Wir haben dagegen immer Vorrang an Einmündungen von Seitenstraßen in Vorrangstraßen mit Radstreifen, wenn wir parallel zur Vorrangstraße unterwegs sind. Komplizierter wird es, wenn Radstreifen parallel zu einem Zebrastreifen fern einer Kreuzung rot markiert sind.

2. Oktober 2021

Warum fährst du nicht Fahrrad?

Etwa die Hälfte der Menschen in Deutschland steigt nie oder nur sehr selten aufs Fahrrad. Bei den Frauen sind es 55 Prozent, bei den Männern 46 Prozent
. Das sind die ersten Daten der RadAktiv-Studie der Uni München.

Die Forscher:innen wollen wissen, warum Menschen im Alltag nicht Rad fahren, obwohl sie ein Fahrrad besitzen (nur ungefähr 13 Prozent der Bundesbürger:innen haben kein Fahrrad). Angst, Ablehnung und Ortswechsel scheinen die Hauptgründe zu sein. Mehr Frauen als Männer radeln nicht, und je älter der Mensch, desto weniger nutzt er das Rad. Nach Einschätzung von Professorin Rau ist das ein Zeichen dafür, dass die Radinfrastruktur noch zu unsicher ist. "Der Frauenanteil wächst mit steigender Sicherheit", sagt sie. 

Das soziale Umfeld scheint eine große Rolle zu spielen.

30. September 2021

Fahrradunfälle gehen im Land zurück

In Baden-Württemberg scheint die Zahl der Radfahrenden, die im Straßenverkehr einen Unfall erleiden, rückläufig zu sein. Bei Pedelec-Radler:innen gibt es keine nennenswerte Veränderung. An der Zahl der Getöteten änderte sich nichts. 

25 Radfahrende starben in der ersten Jahreshälfte in Baden-Württemberg. Wie das Pressereferat des Statistischen Landesamts mitteilt, verunglückten von Januar bis Juni dieses Jahres rund 4.100 Personen mit einem Fahrrad. Das sind 800 weniger als im gleichen Zeitraum 2020. Im Jahr 2019, vor der Corona-Pandemie, lag die Zahl bei 4.362 und damit über dem von diesem Halbjahr. 

28. September 2021

Baustellenumweg Bahnhof

Baustellen sind immer lästig. Besonders ist es die am Hauptbahnhof. Sie unterbricht sämtliche Rad-Pendler-Routinen und zwingt zu sehr großen Umwegen. 

Der Fußgänger- und Radübergang am Ende der Lautenschlagerstraße zum Bahnhof wurde gesperrt. Fußgänger:innen und Radler:innen sind verratzt und müssen weite Umwege machen. Kommt man die Lautenschlagerstraße entlang auf den Bahnhof zu, rasselt man in Sperren. 

Gut ausgeschildert ist die Umleitungsstrecke ja, vorausgesetzt, man sieht das erste Schild kurz vor der Kronenstraße, das doch recht weit vom Fahrbahnrand entfernt steht. Beim ersten Mal habe ich es nicht gesehen, bei der zweiten Fahrt habe ich danach gesucht und es gesehen.  Und dann geht die Schnitzeljagd los. 

26. September 2021

Die seltsame Verkehrsverpuffung

Quelle, Google Maps
Im Londoner Bezirk Lambeth sollte ein Knotenpunkt für den öffentlichen Verkehr geschaffen werden. Dafür brauchte man Straßenraum, der bisher den Autos vorbehalten war. 

Vauxhall Cross liegt an einer der Stellen, an der man die Themse überquert, hier kreisten Autos über mehrspurige Kreisverkehre, es gab Bushaltstellen und U-Bahnhöfe, die aber nicht miteinander verbunden waren. Fußgänger:innen mussten unterirdisch und oberirdisch mehrspurige Autobahnen queren, Radwege gab es gar keine. In dem Stadtviertel wohnen hauptsächlich Menschen, die sich kein Auto leisten können, aber knapp 10.000 Autos rollten hier zu Spitzenzeiten pro Stunde durch. Es sah also ganz anders aus, als auf dem Google-Maps-Foto von heute.

Computermodelle zeigten, dass es zu einem gigantischen Verkehrschaos kommen würde, wenn man hier  zugunsten des öffentlichen Nahverkehrs, des Fußverkehrs und des Radverkehrs den Autoverkehr um 20 Prozent verringern wollte. Die Verkehrsingenieur:innen waren dagegen. Die Befürworter verwiesen auf das Phänomen der Verkehrsverpuffung (Traffic Evaporation) und die Forschungsarbeit von Goodwin, Hass-Klau und Cairns "Traffic Impact of Highway Capacity Reductions", 1998. 

Das Verkehrschaos blieb aus. Ein Experiment, bei dem der Autoverkehr erst einmal um 15 Prozent reduziert wurde, zeigte, dass auch in benachbarten Bezirken nicht mehr Autos fuhren, und in Spitzenzeiten ging der Autoverkehr um zusätzlichen 2 bis 8 Prozent zurück, die Staus wurden kürzer. Ein Teil der Autos schien irgendwie verpufft zu sein. Sie waren einfach weg. 

24. September 2021

Wieso übersehen wir so oft die Straßenbahn?

Die Dinger sind doch nun wirklich groß. Das Übersehen von anderen Verkehrsmitteln als dem Auto scheint in unserem Straßenverkehr aber weit verbreitet zu sein. 

In Stuttgart hat am Donnerstagabend, den 19. August, eine E-Scooter-Fahrerin beim Leuze die Stadtbahnschienen überquert und ist von einer anfahrenden Bahn erwischt worden. Wer zu der Zeit auf dem Radweg unterwegs war, hat die Sperrung auf dem Radweg mitbekommen. Gefühlt beinahe wöchentlich biegt ein Autofahrer in Stuttgart regelwidrig über die Stadtbahngleise ab und wird von der Bahn erfasst. Solche Unfälle sind auch in anderen Städten häufig. Weniger oft passiert das Radfahrenden. Aber es passiert (wie hier kürzlich in Mannheim oder hier in Dresden) und endet nicht selten auch tödlich, allemal aber mit schweren Verletzungen. Im vergangenen Jahr starb in Ostfildern eine 16-jähriger Radler, der die Schienen überquerte, ohne die Bahn zu sehen. 

Dass wir Radfahrenden nicht gesehen werden, ist ein bekanntes Phänomen. Autofahrende achten nicht auf uns, sie achten auf alles mögliche andere. Worauf man nicht achtet, sieht man nicht. Das hat die Londoner Verkehrsbehörde mit einem Test-Video Autofahrenden vorgeführt. Auf dem Video soll man zwei Baseballmannschaften zusehen und übersieht dabei ein weiteres Element im Video.  Obgleich Radfahrende und Autofahrende nach eigener Einschätzung aufmerksam unterwegs sind, achten sie doch mehr auf ihr Fahrzeug, den Weg vor sich, auf die Instrumente und auf das, was sie als nächstes vorhaben. Je bekannter der Weg ist, desto eher sind wir von etwas überrascht, was dort sonst nie erscheint. 

Sporadische Erscheinung werden ausgeblendet.