Im Londoner Bezirk Lambeth sollte ein Knotenpunkt für den öffentlichen Verkehr geschaffen werden. Dafür brauchte man Straßenraum, der bisher den Autos vorbehalten war. Vauxhall Cross liegt an einer der Stellen, an der man die Themse überquert, hier kreisten Autos über mehrspurige Kreisverkehre, es gab Bushaltstellen und U-Bahnhöfe, die aber nicht miteinander verbunden waren. Fußgänger:innen mussten unterirdisch und oberirdisch mehrspurige Autobahnen queren, Radwege gab es gar keine. In dem Stadtviertel wohnen hauptsächlich Menschen, die sich kein Auto leisten können, aber knapp 10.000 Autos rollten hier zu Spitzenzeiten pro Stunde durch. Es sah also ganz anders aus, als auf dem Google-Maps-Foto von heute.
Computermodelle zeigten, dass es zu einem gigantischen Verkehrschaos kommen würde, wenn man hier zugunsten des öffentlichen Nahverkehrs, des Fußverkehrs und des Radverkehrs den Autoverkehr um 20 Prozent verringern wollte. Die Verkehrsingenieur:innen waren dagegen. Die Befürworter verwiesen auf das Phänomen der Verkehrsverpuffung (Traffic Evaporation) und die Forschungsarbeit von Goodwin, Hass-Klau und Cairns "Traffic Impact of Highway Capacity Reductions", 1998.
Das Verkehrschaos blieb aus. Ein Experiment, bei dem der Autoverkehr erst einmal um 15 Prozent reduziert wurde, zeigte, dass auch in benachbarten Bezirken nicht mehr Autos fuhren, und in Spitzenzeiten ging der Autoverkehr um zusätzlichen 2 bis 8 Prozent zurück, die Staus wurden kürzer. Ein Teil der Autos schien irgendwie verpufft zu sein. Sie waren einfach weg.