29. September 2025

Hurra, Volksfest! - Alles zugepollert

Zum Frühling- und Volksfest auf dem Cannstatter Wasen müssen die Leute vor Männern geschützt werden, die das Auto als Waffe benutzen und in Menschenmengen fahren. 

Allerdings werden schon seit etlichen Jahren Sperren an der Abfahrt vom Radweg König-Karls-Brücke zum Wasen und auf der anderen Seite der Hall of Fame auf dem Neckardam auf Höhe der Garagen aufgestellt, wenn Volksfest und Frühlingsfest ist. Früher eher, um Radfahrende auszubremsen, oft verbunden mit dem Verkehrszeichen "Radfahrer absteigen". Zum diesjährigen Frühlingsfest gab es in der Hall of Fame noch eine städtische Campagne, die unterstellte, das Radfahrende nicht auf Fußgänger:innen achten. Die ist zum Volksfest dankenswerterweise ausgefallen. 

Jetzt geht es im Grunde gar nicht mehr um uns. Zum Frühlingsfest wurden schwere Terrorsperren aufgestellt, durch die man durchradeln konnte. Diese Poller hat man nach dem Frühlingsfest auf dem Neckardamm stehen lassen, mit dem Ergebnis, dass bei einer Begegnung von Radfahrenden, einer warten musste, bevor der/die andere durch war. Diese Poller sind jetzt aus irgdendwelchen Gründen zusätzlich mit rotweißen Sperrgittern verkleidet, die die Durchfahrt nur noch an einer Stelle erlauben und dort noch enger machen (siehe Foto ganz unten). Jetzt müssen auch Fußänger:innen warten, wenn ein Radler kommt oder umgekehrt. (Man fragt sich echt, warum?) 

Die Sperre am Abgang von der König-Karls-Bücke zum Wasen ist jedoch erstmals seit vielen Jahren tatsächlich radverkehrsgerecht gestaltet.

27. September 2025

Wir müssen anders über Verkehrstote berichten

Über die Sprache, mit der wir in den Medien Kollisionen im Straßenverkehr beschreiben, habe ich schon oft geschrieben. 

Hinter diesem Link verbirgt sich die Stichwortsuche zu dem Thema in meinem Blog. 

Jetzt haben Fachleute des Forschungsinstituts für Nachhaltigkeit (RiFS), des Centre for Development and Environment der Universität Bern und des Instituts für Sprachwissenschaft der Universität Wien sowie Expert:innen von Polizei, Mobilitätsplanung und Medien die Unfallberichterstattung analysiert und einen Leitfaden entwickelt. Darüber berichtet die Seite Utopia. Den von ihnen entwickelten Sprachkompass gibt es hier als pdf. 

Für diejenigen, die meine Blogartikel regelmäßig lesen (z.B. diesen), bietet er keine wesentlichen neuen Erkenntnisse. Aber er hat eine größere Reichweite als meine Artikel, und das ist gut. Grundsätzlich gilt, dass man Zusammenstöße nicht als Schicksal, sondern als menschengemacht darstellen muss. Also nicht "Unfall", sondern "Kollision", "Zusammenstoß" oder "Crash". Das "Auto" sollte nicht für den Autofahrer oder die Autofahrerin stehen. Ein Auto "gerät" nicht einfach so auf die Gegenfahrbahn, es sitzt ja jemand drin, der es lenkt, und dieser Mensch "fährt" auf die Gegenfahrbahn (egal ob absichtlich oder unabsichtlich). Auch die üblichen Konstruktionen wie "es kam zur Kollision", lenken davon ab, dass in oder auf den Fahgzeugen Menschen saßen, deren Handeln den Zusammenstoß verursacht hat. Und wenn wir lesen "die Fußgängerin wurde angefahren", erfahren wir eben nicht, wer sie angefahren hat, wer also aktiv war. Eine aktive Sprache, die Handelnde klar benennt (ohne sie vorzuverurteilen), ist die bessere Wahl: "Autofahrer tötet Fußgängerin/Radfahrer/E-Sooterfahrer." 

25. September 2025

Die Kühle Spur - der Klimawandelradweg

Der Fahrradtourismus bringt Gemeinden richtig Geld ein. Deshalb kümmern man sich in Tourismusgegenden auch um attraktive Radwege. 

Sie sind gut ausgeschildert und praktikabel befahrbar. In Brandenburgt hat man sich jetzt bundesweit ins Gespräch gebracht. Man einen Radweg ausgewiesen, der den heißen Sommern angepasst sein soll. Er heißt die "Kühle Spur" und wurde bis Mitte August von etlichen Medien erwähnt. Eine geschickte touristische Werbung. Die kühle Spur ist dreißig Kilometer lang, der ganze Radrundweg 43 Kilometer. 

Entwickelt wurde sie vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandforschung und der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg. Man wollte zeigen, wie Radwege künftig gestaltet sein sollten, um sich der Klimaerhitzung anzupassen. Wald ist dafür nützlich. Wo er nicht ist, müssen Bäume oder hohe Hecken gepflanzt werden, die Schatten spenden. Außerdem gibt es Trinkbrunnen und Bademöglichkeiten. Mit Drohnen und Wärmebildern ermittelten die Forschenden die Temperaturen in Wäldern, an Baumreihen und in Siedlungsflächen. Sie identifizierten Hot Spots und Cold Spots (kann man auf dieser Seite auf einem Bild sehen.) Der Radweg führt überwiegend entlang kühlerer Strecken. Dafür braucht man allerdings keine Drohnen mit Wärmebildkameras, das wissen die meisten Menschen auch so: Stadtstraßen heiß, Wald kühl, Schattenbäume besser als eine freie Fläche unter sengender Sonne. 

Wie der Radweg sich tatsächlich anfühlt, kann ich nicht beurteilen. Aber Bäume helfen immer, selbst, wenn sie einzeln stehen, die umgebende Luft abzukühlen. Man muss sie aber schnell pflanzen, denn es dauert Jahrzehnte, bis sie so groß sind, dass sie Schatten spenden. Was auch für unsere Städte und städtischen Radwege gilt. 

Der geförderte und forcierte Radtourismus ist allerdings janusköpfig. Denn in den meisten Fällen reisen die Leute nicht mit Rädern zu ihrem Urlaubsort an, sondern im besseren Fall mit dem Zug, meistens aber mit dem Auto. Die Seite "Lausitzer Seenland" empfiehlt direkt die Anreise zum Radweg mit dem  Pkw und bietet kostenlose Parkplätze an. Hm!


23. September 2025

Regeln folgen der Macht

So resümiert die taz einen Artikel über Regeln im Straßenverkehr, die dem Autoverkehr dienen, nicht aber dem Radverkehr oder dem Fußverkehr. 

Der Artikel geht der Frage nach, ob Regeln wirklich für alle da sind. Gemeint ist damit: Nützt ein Regelwerk allen gleichermaßen und schränkt es alle gleichermaßen ein?  Beim Straßenverkehr kann ich die Frage mit Nein beantworten. Er ist seit den 40er Jahren so organisiert, dass der Autoverkehr möglichst hindernisfrei rollen kann. Der Autoverkehr wird intern geregelt (durch Ampeln, Vorfahrtsregeln und Geschwindigkeitsbegrenzungen), aber so, dass der Autofahrer die so wenig Verzögerungen wie möglich hinnehmen muss. Nur kurz wird der Autoverkehr mal angehalten, damit der Fußverkehr eine viel befahrene Straße queren kann. Er hat Kraftfahrstraßen, Autobahnen und Schnellstraßen zur Verfügung, auf denen sich nichts anderes befinden darf als Autos, die schneller fahren können als 60 km/h. Die Wege für Autos durchschneiden und zerstören Landschaften und hindern Menschen ohne Autos (und übrigens auch Wildtiere) über Kilometer daran, auf die andere Seite zu gelangen. Der Fußverkehr darf nur an den Rändern der Straßen gehen, wenn es einen Gehweg gibt. Er hat zwar manchmal Fußgängerzonen, aber da fahren immer auch Autos rein. Der Radverkehr wird zwischen Fahrbahnen, Gehwegen und Radwegen hin und her geschoben und befindet sich immer in Gefahr, auf der Fahrbahn oder einem Radweg von Autofahrenden missachtet zu werden. 

Anlass für die taz-Überlegung ist ein Zebrastreifen, den Bürger:innen in Dresden an der Stelle auf eine Straße gemalt haben, wo viele Schüler:innen hinüber müssen.

21. September 2025

Der Fahrradtunnel von Zürich

Quer unter dem Hauptbahnhof von Zürich führt ein Fahrradtunnel hindurch, der Radfahrenden weite Umwege um das langgestreckte Bahnhofsgelände erspart, die sie sich zudem überwiegend mit dem Autoverkehr zu teilen hätten. 

Ich habe über den Tunnel schon berichtet. Er entstand aufgrund einer Fehlplanung in den 80er Jahren für eine Stadtautobahn, die nie gebaut wurde, und wurde aufgrund bürgerschaftlichen Engagements zu einem Fahrradtunnel umgebaut, der im Mai 2025 feierlich eröffnet wurde. Ich war jetzt in Zürich und habe mir den Tunnel angeschaut. Zu Fuß kommt man nicht rein, also habe ich für die Durchfahrt ein dort herumstehendes Leihfahrrad genommen. Der Tunnel verbindet mit seinen beiden Einfahrten die Kasernenstraße im Süden mit dem Siehl-Quai im Norden und ist ungefähr 150 Meter lang. Unten befindet sich der Zugang zu einer großen Fahrradgarage. (Das Moped darf da übrigens nicht fahren.)

19. September 2025

Wir haben mal miteinander geredet

Am vergangenen Mittwoch hat meine erste Radfahren-in-Stuttgart-Sprechstunde stattgefunden. Treffpunkt war in der Eberhardstraße. 

Ich saß ab 18 Uhr auf einer Bank, und musste keine Minute warten, da kam auch schon der erste. Zwei Menschen kamen insgesamt (später noch ein dritter), beide ausgesprochene Vielradler, die mit Biobikes unterwegs sind und sehr lange Strecken radeln. Es ehrt mich, dass routinierte und ziemlich furchtlose Fahrbahnradler und Bio-Bike-Vielradler meinen Blog lesen. Wir haben uns nicht nur über meinen Blog unterhalten, der beiden gefällt, auch wenn sie nicht immer meiner Meinung sind. (Ich finde andere Meinungen und Perspektiven immer interessant, wenn sie uns alle voranbringen.) Sie fanden beide, dass ich ruhig jeden zweiten Tag posten soll, nicht seltener. 

Und wir haben über die Strecken gesprochen, die wir so fahren. Der eine fährt regelmäßig von Böblingen in den Stuttgarter Stdttkessel runter, 25 km, eine Stunde. Zurück nimmt er die S-Bahn. Der andere war zum ersten Mal in der Eberhardstraße, denn seine Alltagswege macht er oben in der Gegend von Kemnat, außerdem radelt er mit dem Liegerad Langstreckentouren. Ich freue mich sehr, zwei meiner Blogleser persönlich kennengelernt zu haben. Eine Idee für einen Blogbeitrag habe ich auch bekommen. Vielen Dank, dass ihr da wart. Mir hat es Spaß gemacht. 

Wenn ihr Interesse habt, werde ich entweder im Oktober oder im November wieder so ein einstündiges Treffen vorschlagen. Ich nehme in den Kommentaren gerne Vorschläge für den Ort (Stadtteil) und einen Wochentag entgegen, auch Bekundungen, dass ihr das für grundsätzlich ein gute Idee haltet. Wenn ich nichts von euch hlese, dann mache ich dennoch wieder einen Vorschlag und schaue, was passiert. 

17. September 2025

Pedelecfahrten ersetzen mehr als die Hälfte der Autofahrten

Pedelecs sind Fahrräder und werden bei der Verkehrsplanung gemeinsam gedacht. Allerdings werden sie unterschiedlich eingesetzt. Gerade E-Räder ersetzen deutlich öfter Autofahrten als Normalräder. 

Die taz berichtet (leider mit der unklaren Begrifflichkeit "E-Bike") über eine aufwendige Studie im International Journal of Sustainable Transportation, die auf Daten aus dem Jahr 2017 basiert, und findet es "überraschend", dass E-Räder deutlich mehr Autofahrten ersetzen als gedacht, und dass sie deshalb mehr sind als "schnellere Fahrräder". Fast jede zweite Fahrt (42,1 Prozent), die mit einem Pedelec gemacht wird, ersetzt eine Fahrt, die der Mensch sonst mit dem Auto gemacht hätte. Bezogen auf die zurückgelegten Kilometer sind es sogar sogar 63,2 Prozent. Fahrräder ohne E-Antrieb ersetzen knapp 20 Prozent der Autofahrten. Und die Datengrundlage ist acht Jahre alt. Inzwischen hat sich die Zahl der Pedelecs sicher mehr als verdoppelt und sie ersetzen vermutlich noch mehr Autofahrten. Insbesondere Lastenfahrräder.  2017 nutzten nach Ansicht der Studienautoren vor allem Menschen mit besonderem Interesse und Bedarf das E-Rad, heute ist das Spektrum der Nutzer:innen viel breiter. 

Für mich ist die Erkenntnis der Studie jetzt nicht so überraschend, denn ich beobachte schon lange bei mir und in meinem Umfeld, dass Pedelecs tatsächlich sehr oft wie Autos genutzt werden, also für Alltagsfahrten, die man vorher mit dem Auto gemacht hat. Und ich erlebe, dass Leute sich ein Pedelec kaufen, um damit zur Arbeit zu fahren, weil sie erkannt haben, dass der Weg eigentlich gar nicht so lang ist und dass es unbequem ist, vor Ort Parkplätze fürs Auto zu suchen. 

Pedelecs sind eine andere Fahrzeugsorte

15. September 2025

Bitte nicht nachmachen!

Kann man machen, sollte man aber nicht: aus einem E-Scooter und einem Einkaufswagen ein Kleinstkraftfahrzeug bauen. 

Dieses Gefährt mit sechs Rädern mit zwei Insassinnen habe ich auf einem Radweg auf dem ehemaligen Landesgartenschaugelände in Wangen im Allgäu gesehen. Es kam mir entgegen, während die Frau, die auf dem Foto hinten sitzt, gerade gelenkig in den Einkaufswagen einstieg, und fuhr dann zügig auf abschüssiger Strecke an mir vorbei.

Der Einkaufswagen ist auf den E-Scooter aufgesetzt, die Reibung offenbar groß genug, um ihn darauf zu halten. Vorne drin sitzt auf eine junge Frau mit angezogenen Knien, die den E-Scooter lenkt und den Gashebel betätigt, hinten sitzt die Beifahrerin. 

Ich hoffe, bis auf die Straßen sind sie damit nicht gekommen, aber wer weiß. 

Wenige Tage später hat mir nämlich jemand berichtet, er habe in einer Wohnstraße auch so ein Gefährt gesehen. Der Einkaufswagen hing am Ende des E-Scooters, ein Junge saß darin, der andere Jugendliche lenkte stehend den E-Scooter. Scheint in Wangen im Allgäu gerade in zu sein.  



13. September 2025

Der sicherste Weg zur Schule ist nicht das Auto

Die Schule beginnt kommende Woche wieder in Baden-Württemberg. Und vielen Eltern stellt sich vermutlich die Frage: Wie kommen die Kinder so sicher wie möglich dorthin? Zu Fuß, auf dem eigenen Rad, im Lastenrad oder im Auto? 

Deshalb gucke ich jetzt mal nach dem Risiko einzelner Verkehrsarten für Kinder in unserer Autowelt. Und eines vorneweg: Den meisten Eltern dürfte nicht klar sein, dass es für ihre Kinder am gefährlichsten ist, wenn sie mit dem Auto zur Schule gefahren werden. Sie vermuten eher, das es andere Autos (und deren Fahrer:innen) sind, die für ihre Kinder gefährlich werden, wenn sie sich draußen allein zu Fuß oder auf Fahrrädern bewegen. Das ist aber nicht so. Die Wahrscheinlichkeit im Auto zu verunglücken ist für Kinder am höchsten. 

Nach einer Statistik des Statistischen Bundesamts werden in ganz Deutschland im Jahr gut 28.000 Kinder im Autoverkehr verletzt. Das ist bei gut 10 Millionen Kindern unter 14 Jahren eine Wahrscheinlichkeit von 0,25 Prozent. Die Polizeistatistik nennt für das Jahr 2024 in Stuttgart 84 im Straßenverkehr verletzte Kinder. Das sind bei 94.000 Schulkindern 0,09 Prozent. 53 Kinder wurden 2024 in ganz Deutschland durch Autofahrende getötet, 9 mehr als im Vorjahr. Die meisten Verkehrsunfälle mit Kindern geschehen auf dem Schulweg. Von den Verletzten (und Getöteten) saßen 35 Prozent im Auto, bei den unter 6-Jährigen waren es 53 Prozent. 33 Prozent saßen auf dem Fahrrad und 21 Prozent gingen zu Fuß, als sie von Autofahrenden angefahren wurden. 

Wieviele Kinder sitzen aber nun in Autos oder fahren Fahrrad? Man könnte ja meinen, die meisten Kinder würden von Elterntaxis zur Schule gebracht, weshalb auch mehr in Autos verletzt werden.

11. September 2025

Reden wir mal miteinander

Manchmal werde ich auf der Straße beim Abschließen des Fahrrads angesprochen: "Sind Sie nicht die Fahrradbloggerin?" Ich freue mich dann, meine Leser:innen kennenzulernen.

Deshalb kam mir die Idee, so etwas wie eine Radfahren-in-Stuttgart-Sprechstunde anzubieten. Ich bin dann eine Stunde vor Ort und, wer Zeit und Lust hat, kommt vorbei und wir reden. Über eure Radstrecken, über Probleme auf euren Strecken, worüber ich mal schreiben soll oder über irgendwas anderes. Das könnten wir so einmal pro Monat oder alle zwei Monate machen, jedes mal an einem anderen Treffpunkt und Wochentag, damit alle, die wollen, die Gelegenheit haben zu kommen. 

Als ersten Termin für eine RiS-Sprechstunde schlage ich Mittwoch, den 17. September 18 bis 19 Uhr in der Eberhardstaße vor. Ich werde mich bei den Sitzelementen vor den Häusern 31 und 33 aufhalten. 

Falls es regnet, könnten wir uns unter die Vordächer der Gebäude zurückziehen. 


9. September 2025

Der Frauenanteil bei Verkehrsdelikten viel geringer

Falschparker auf dem Zebrastreifen
Der Straßenverkehr ist ein Kriminalitätsschwerpunkt, habe ich vor einem knappen Jahr geschrieben. Jede vierte bei Gericht verurteilte Straftat betrifft den Verkehr. Wie bei allen Straftaten gibt es auch bei Verkehrsdelikten  enorme Unterschiede zwischen Männern und Frauen. 

Das Kraftfahrtbundesamt listet jedes Jahr die "Verkehrsauffälligkeiten" auf und hat das auch für das Jahr 2024 getan. Demnach wurden 238.223 Straftaten registriert, darunter Alkoholverstöße (fast 78.000), Unfallflucht (ca. 33.000) oder Kraftfahrzeugrennen (1.912). Ordnungswidrigkeiten wurden 3,88 Millionen vermerkt, darunter Alkohol, Drogen, Radarwarngeräte, Rotlichtfahrten, Handynutzung.  (Übers Falschparken habe ich nichts gelesen.) Als häufigste Ordnungswidrigkeit der Männer werden Geschwindigkeitsübertretungen (1,8 Millonen) genannt. Auch bei den Frauen sind sie die häufigste Ordnungswidrigkeit (547,000), allerdings liegen sie bei nur knapp ein Drittel der der Männer. 

Ich habe keinen Zugang zu den Statistiken, die für das Jahr 2024 die Delikt-Häufigkeit nach Männern und Frauen im Straßenverkehr auflisten. Aber ZDF Info hat das in einem Insta-Video optisch hübsch aufbereitet. Demnach ist das Verhältnis von Männern zu Frauen bei 

7. September 2025

Warum nutzen wir in Deutschland das Potenzial des S-Pedelecs nicht?

In Deutschland sind S-Pedelecs selten. Bei ihnen wird die Kraftzugabe erst ab 45 km/h blockiert, nicht schon bei 25 km/h. Unsere Verkehrsregeln stehen der Nutzung des S-Pedelecs aber entgegen. 

Sie dürfen bei uns nur dort fahren, wo auch Autos erlaubt sind (ausgenommen Kraftfahrstraßen), also auf Fahrbahnen, nicht etwa auf Radwegen oder Feldwegen (es sei denn die sind für Autos freigegeben) oder Waldwegen. Sie werden wie Mofas behandelt. Da sie aber nicht so aussehen, sondern wie Fahrräder, werden S-Pedelec-Fahrende von Autofahrenden oftmals angehupt und knapp überholt, weil sie meinen, die müssten auf dem Radweg fahren. 

In Deutschland sind deshalb nur 0,5 Prozent der E-Fahrräder Speed-Pedelecs, in der Schweiz ist der Anteil bereits auf 25 Prozent gestiegen. Dort dürfen sie nicht nur, sondern müssen  - wo vorhanden - auf Velowegen fahren. Mit abgestelltem Motor dürfen sie auch durch freigegebene Fußgängerzonen (oder Wege mit Mofa-Verbot) gefahren werden. In der Schweiz sieht Pro Velo in den S-Pedelecs das Potenzial, Autofahrten und Fahrten mit Bus und Bahn zu ersetzen, denn vielfach bieten sie die schnellste Möglichkeit von einem Punkt zum anderen zu kommen.

5. September 2025

Die Alternative zum ausladenden Fahrradbügel

Es gibt Radbügel, und es gibt elegantere Möglichkeiten, das Fahrrad abzustellen und anzuschließen. 

An einer Hauswand nehmen diese beiden durchbrochenen Pfeiler nur wenig Platz weg und bieten Besucher:innen trotzdem die Chance, das Fahrrad ordentlich abzustellen und anzuschließen. Gesehen in Wangen im Allgäu. Steht kein Fahrrad dort und bemerkt man sie überhaupt, dann fragt man sich, wozu die da sind. Ich dachte immer, damit das dort einparkende Auto nicht die Hauswand streift. Vielleicht fast zu originell, als dass man als Radler:in von alleine darauf kommen würde, dass man das Fahrrad daran anschließen kann. 

3. September 2025

Null Verkehrstote in Helsinki - wie geht das?

In der finnischen Hauptstadt Helsinki hat es im Juni vergangenen Jahres zuletzt einen tödlichen Verkehrsunfall gegeben. Auch im Jahr 2019 kam kein Mensch im Straßenverkehr ums Leben. 

Des meldeten die Medien Anfang August. Einmütig berichten alle, dass mittlerweile in mehr als der Hälfte der Straßen Tempo 30 gilt. Helsinki ist so groß wie Stuttgart. Allerdings, in Stuttgart gilt Tempo 30 nach Angaben der Stadt für etwa 70 Prozent der Straßen, und auf vielen Hauptverkehrsachsen darf nur 40 km/h gefahren werden. Daran kann es also nicht allein liegen, dass in Helsinki ein Jahr lang keine Mensch im Verkehr getötet wurde. In Stuttgart war der Verkehr 2024 für den Tod von sieben Menschen verantwortlich, darunter zwei Fußgänger, ein Motorradfahrer, ein Leichtkraftradfahrer, ein E-Scooterfahrer und eine Beifahrerin im Auto. 

Als weiterer Grund für Null Verkehrstote innerhalb eines Jahres, wird genannt, dass die Polizei die Einhaltung der Verkehrsregeln strenger überwacht. Vor allem scheint man in Finnland sehr viele Alkoholkontrollen zu machen. Durchfahrtsverbote werden mit Kameras überwacht. Außerdem investiert Helsinki in die Infrastruktur für Menschen zu Fuß und auf Fahrrädern.

1. September 2025

Der lange Kampf des Radlers um ein richtiges Verkehrszeichen

Blogleser Stefan pendelt mit dem Fahrrad zwischen Tübingen und Reutlingen. Dabei muss er durch Wannweil.  Zweieinhalb Jahre lang versuchte er, die Gemeinde dazu zu bewegen, dass sie eine falsche Beschilderung ändert. Nun hat er es geschafft. 

Die Ausgangssituation bis vor wenigen Tagen: Man radelt in Wannweil Richtung Tübingen auf der Fahrbahn der Hauptstraße durch einen Kreisverkehr und soll dann auf der Kirchentellinsfurter Straße fünfzig Meter nach der Ausfahrt aus dem Kreisverkehr auf den Gehweg hoch fahren, weil da das Verkehrszeichen "gemischter Geh- und Radweg" steht, der zudem als Zweirichtungsradweg ausgewiesen ist. Das Schild steht vor der Stelle, wo der Gehweg durch ein Baumbeet verengt wird. Allein das ist ärgerlich, würde Stefan doch lieber auf der Fahrbahn weiter radeln. 

Doch nun wird es wild.