5. Dezember 2021

Stuttgarter bauen Bambus-Lastenrad

Eine Gruppe aktiver Bambusradbastler hat im Werkstatthaus Stuttgart ein Bambus-Lastenrad gebaut. 

Der Rahmen ist fertig und soll nun Motor und Akku bekommen. Über ein Nachhaltigkeits-Crowdfunding der Stadtwerke Stuttgart sammelt die Gruppe jetzt Geld das Projekt, damit das Bambus-Lastenrad im kommenden Jahr auch fahren kann. 

Es wäre das erste Bambuslastenrad in Stuttgart (und vermutlich neben meinem Bambusrad auch das zweite Bambusrad überhaupt, das in Stuttgart fährt). Bambus ist ein leichter und zugleich stabiler Werkstoff. Man sagt gern: "Leicht wie Karbon, fest wie Stahl". Immerhin ist damit der Fahrradrahmen aus einem nachwachsenden Rohstoff gefertigt (und nicht aus energieintesivem Aluminium oder Stahl), auch wenn viele andere Komponenten aus anderen, weniger nachhaltigen Materialien bestehen. 

3. Dezember 2021

Entweder Radwege oder Tempo 30


Darauf läuft es hinaus, wenn wir ernsthaft Radfahrende im Straßenverkehr schützen wollen vor zu schnellen und schweren Autos mit zu unaufmerksamen und ungeduldigen Autofahrenden. 

Die Badische Zeitung hat ihr Interview mit der  Fahrradprofessorin Jana Kühl mit der offenbar skandalträchtigeren Forderung überschrieben: "Deutschlands erste Radprofessorin will Tempo 30 in allen Städten." Eigentlich aber geht es darum, wie wir aus der Emotionalisierung im Straßenverkehr herauskommen. Radfahrende, so Jana Kühl, haben keinen Schutz, kein Blech, keine Hülle rundherum. Ihre Radwege sind schlecht, gar nicht da oder enden plötzlich. 

Radfahrende müssen gleich von Anfang an um ihren Platz auf den Straßen kämpfen. Autofahrende reagieren gereizt und glauben, sie müssten ihrerseits ihren Platz verteidigen, sie möchten nicht durch Fahrräder ausgebremst werden. Außerdem kommen Radfahrer von überall her und sind plötzlich da. Das stresst. Jana Kühl meint, das werde sich nicht legen, solange Radfahrende nicht ihren geschützten Platz auf der Straße haben, möglichst abgetrennt von dem Raum für Autos.
Auf die Frage, wie sich diese Konflikte sonst noch entschärfen ließen, antwortet sie: "Sie gleichen die Geschwindigkeit von Auto- und Radverkehr an." Also Tempo 30 in allen Städten. 

1. Dezember 2021

Ich radle gern im Winter

Im Winter radelt doch keiner. Radfahren ist ein Schönwetterding, sagen  vor allem die, die für den Radverkehr nichts tun wollen. 

Aber im Winter radeln schon deutlich weniger Menschen. Die Rad-Ratgeber verzweifeln an der Wasser- und Schneescheu der Radfahrenden, die sommers zu Zehntausenden die Radwege bevölkern.
Und jedes Jahr wieder ploppen die Argumente auf, warum man auch im Winter das Radfahren nicht sein lassen sollte (Spaß, Fitness, Gesundheit). Aber zu Recht haben wir auch Angst vor vereisten Stellen und verschneiten Radwegen, denn weggerutscht ist man schnell. Und das tut weh. Anderseits sind die Schneetage in Stuttgart auch wieder rar, und es regnet auch weniger als beispielsweise in der Fahrradstadt Münster. Selten sinken die Temperaturen für länger unter minus 10 Grad. Also spricht nichts dagegen, auch im Dezember, Januar, Februar und März Rad zu fahren. 

29. November 2021

Wenn die Autotür plötzlich vor dem Radfahrer aufgeht ...

Immer noch sehe ich viele auch sichtlich erfahrene Radfahrer:innen arg dicht entlang geparkter Autos entlang radeln. 

Wenn jetzt einer, der in einem geparkten Fahrzeug sitzt, die Tür aufmacht, dann haut er den Radler oder die Radlerin vom Sattel. Nur selten kann man noch bremsen oder gar ausweichen. Dooring-Unfälle sind nicht selten und ungeheuer gefährlich, sie führen meist zu gravierenden Verletzungen und zuweilen enden sie sogar tödlich. Schuld ist immer der Mensch, der aus dem Auto aussteigt, denn, so steht es in der StVO § 1: „Wer ein- oder aussteigt, muss sich so verhalten, dass eine Gefährdung anderer am Verkehr Teilnehmenden ausgeschlossen ist.“ 

Oft sind die Bedingungen schuld daran, dass wir zu dicht an geparkten Autos entlang radeln:

27. November 2021

Achtung - Ferdinand-Leitner-Steg gesperrt!

Dieser Tage wird man mit dem Fahrrad nicht über den Steg zwischen Oper und Planetarium im  Schlossgarten fahren können. Schieben aber geht. 

Der Grund: Es hat sich der Boden abgesenkt, deshalb haben sich auf den Rampen auf der Seite des Planetariums Absätze gebildet, die auch nicht gut für uns Radfahrende sind. Die sollen kommende Woche  niveliert werden. Vermulich schon diese Woche wird dafür jeweils eine der beiden gegabelten Rampen gesperrt, Fußgänger:innen werden über die andere geleitet, das Radfahren wird verboten, aber schiebend kommt man durch. Das Ganze soll zwei bis drei Tage dauern.

25. November 2021

Der Ideologievorwurf

 Bei Debatten über Klimaschutz und das Fahrradfahren höre ich oft die Begriffe "Radlobby" und "Ideologie", "Verbotsideologie" oder "Ideologie der Radlobbyisten". 

Mein erster Gedanke ist dann immer: Ja, und du, welcher Ideologie folgst du eigentlich? Der Ideologievorwurf ist eine Form, den politischen Gegner oder die Gegnerin pauschaul abzuwerten und seine/ihre Ansichten als von vorn herein falsch und nicht auf die Wirklichkeit bezogen zu diffamieren. Um eine inhaltliche Auseinandersetzung geht es da nicht, sondern um eine persönliche Abwertung. Das wird auch allgemein so von denjenigen definiert, die sich wissenschaftlich mit diesem rhetorischen Mittel des Ideologievorwurfs befassen. 

23. November 2021

Mit Schutzstreifen kommt niemand klar

Mit diesen sogenannten Schutzstreifen können Autofahrende nicht umgehen. Sie fahren regelmäßig darauf, und sie stellen Fahrzeuge darauf ab. 

Fahren darf man auf Schutzsteifen, wenn der Gegenverkehr es erfordert und sonst kein Platz ist. Dabei darf man Radfahrende nicht behindern oder gefährden. Wenn man sich diese Situation anschaut, sieht man, dass Radfahrende vor lauter Auto auf dem Schutzstreifen gar nicht durchkommen würden. Autofahrende würden auch gar nicht sehen, dass sich von hinten ein Radfahrer nähert, der auf seiner Spur schneller radeln kann als die Autos gerade fahren, weil sie sich gegenseitig blockieren oder zum Abbiegen anhalten. 

21. November 2021

Politik sieht Parkdruck, aber keinen Raddruck

Lenzhalde: vier Spuren für Autos
Das neue Zauberwort in der Mobilitätswende heißt Parkdruck. Es wird immer dann verwendet, wenn wegen eines Radwegs Parkplätze wegfallen sollen. Sonst nicht. 

In der Hohenheimer Straße gab es nämlich keinen Parkdruck, denn da musste die Fahrbahn hochzu zweispurig befahrbar gemacht werden. Dort wohnen in mehrstöckigen Häusern einer fast nahtlosen Wohnbebauung sehr viele Leute, denen man unterstellen könnte, das sie Autos haben, die sie irgendwo parken müssen. Allerdings nicht vor ihrer Haustür. Die müssen andere Straßen nehmen. In der Lenzhalde oder in der Talstraße oder wo auch immer man Radstreifen oder Radwege einrichten will, wohnen auch Leute. Die haben mehr Glück, denn es geht ja nur um Radwege oder Radstreifen. Und da gilt: Parkdruck ist immer ein gutes Argument. 

Parkdruck ist also die Weigerung, Straßenraum für den Radverkehr von geparkten Autos freizuräumen. Einen Radfahrdruck gibt es dagegen nicht. Er würde die Notwendigkeit bezeichnen, den Straßenraum zugunsten von Radstreifen von geparkten Autos freizuräumen.

19. November 2021

Der Beschützer-Instinkt des Autofahrers

"Oh, das ist aber gefährlich", sagt sich ein Autofahrer und hält Abstand von der Radfahrerin. 

Es regnet, die Ampel wird grün, ein Radler versucht im Anfahren den Regenschirm aufzuspannen. Es gelingt ihm nicht, er radelt auf einen Schutzstreifen weiter, den flatternden Schirm in der Hand. "Das ist aber gefährlich!," sagt der Autofahrer, fährt langsam und hält Abstand. Ich habe mich verfahren und komme an der Jahnstraße raus, auf der von rechts und links die Autos fahren. Ich will rüber, aber es gibt keine Lücke  im Autoverkehr, also radle ich auf der Fahrbahn zur nächsten Linksabbiegemöglichkeit, stelle mich auf den Mittelstreifen und strecke die Hand raus. "Das ist aber gefährlich!", denkt sich ein Autofahrer, der mir entgegenkommt, und hält an, damit ich nach links abbiegen kann.