4. Mai 2025

Gilt das Schild? Oder wurde die Fahrradstraße grundlos gesperrt?

Die Fahrradstraße Eberhardstaße war Samstagnachmittag für sämtlichen Fahrzeugverkehr gesperrt. Aus gutem Grund. Aber leider war sie es schon am Freitag davor. Einen Grund dafür gab es nicht. 

Ich bin Freitagnachmittag da reingeraten und fragte mich: Ist das noch vom 1. Mai am Donnerstag übrig geblieben oder steht das für etwas, das am Wochenende kommt? Das Internet gab mir die Antwort: Am Samstagnachmittag findet/fand die Griechische Parade statt, von 12 bis 17 Uhr. Warum aber stehen die Sperren schon am Vortag, wenn auch offen? Und warum  verbietet das Verkehrszeichen weißer Kreis mit runden Rand uns die Durchfahrt?   Umleitungsschilder standen auch da. Gültig oder nicht? Nach verwirrten Zögern bog der größte Teil des Fahrradverkehrs auf seiner Hauptradroute 1 in die Eberhardstraße ab, während Fußgänger:innen übrigens auf ganzer Breite auf der Fahrbahn die Baustelle am Tablattrum umrundeten und die Radfahrenden, die der Umleitung folgen wollten, behinderten.

2. Mai 2025

Auf die Details kommt es an

Es ist nur ein kleines viereckiges Schlagloch, das seit Jahren auf der Hauptradroute 1 liegt, genau vor dem Anstieg zum Ferdinand-Leitner-Steg Richtung Oper. Aber an solchen Details zeigt sich, ob eine Stadt ihre Radfahrenden wertschätzt oder eben nicht. 

Alle, die hier radeln - tausende Radler:innen täglich - haben sich angewöhnt, akkurat an dem Viereck vorbei zu fahren, wenn sie den Schwung der Anfahrt mit in den Anstieg nehmen wollen, obgleich es genau in der Fahrlinie liegt, die man nehmen würde, wäre es dort nicht. Auf jeder Fahrt gilt es darauf zu achten, nicht in dieses kleine Schlagloch zu fahren, jedes Mal, Tag für Tag, Monat für Monat, Jahr für Jahr. In einem Winkel des Gehirns frage ich mich jedes Mal, wenn ich da vorbei ziele, warum das ausgefräste Quadrat niemand zu macht. 

30. April 2025

Von der Schwierigkeit, den Berufsverkehr zu ändern

Die Universität St. Gallen hat Betriebe, Organisationen und Arbeitnehmer:innen in Deutschland und der Schweiz befragt, wie sie zur Arbeit fahren. 

Sie wollten herausfinden, wieviel Interesse Arbeitgeber:innen haben, die Mobilität zu verändern, und ob ihre Angestellten die Angebote annehmen würden. Die Erkenntnisse für die Schweiz und für Deutschland wurden kürzlich veröffentlicht  und von allen Leitmedien aufgegriffen. Die Tagesschau schreibt, Diensträder und Jobtickets würden zwar häufig von Firmen angeboten, fänden aber keinen Anklang bei den Angestellten. Für den Arbeitsweg steigen in Deutschland 70 Prozent der Leute ins Auto oder auf Motorräder, 83 Prozent davon sind mit Verbrennern unterwegs. Der Berufsverkehr mit dem Auto macht immerhin 40 Prozent des gesamten Verkehrs aus, und er verursacht 25 Prozent des CO2-Ausstoßes im Personentransport. 

Ein Manko scheint die Kommunikation zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer:innen zu sein.

28. April 2025

In welcher Farbe wird man am besten gesehen?

Wer leuchtend grüne Kleidung anhat, wird auf Fahrrad am besten gesehen. Das behauptet die Seite Francevelo, leider ohne die zugrunde liegende Studie anzugeben. 

Die meisten Warnwesten sind gelb, manche mit leichtem Grünstich, aber das ist offenbar gar nicht die beste Farbe, um von Autofahrenden auf weitere Entfernung erkannt zu werden. Während vom Auto aus ein gelb gekleideter Radfahrer auf 37 Meter erkannt wird, sind es bei einer grün gekleideten Radlerin schon 130 Meter (siehe Grafik unten). Woher diese Zahlen kommen (im Original sind "foot" angegeben), habe ich bislang noch nicht herausgefunden. Allerdings liegt dem keine neue Erkenntnis zugrunde, sondern gängiges Wissen, wenn auch nicht sonderlich bekanntes Wissen. Unsere gesunden Augen haben halt besonders viele Rezeptoren für Grün, weil das in der Natur die wichtigste Farbe ist. 

26. April 2025

Bambus-Fahrrad selber bauen - jetzt anmelden!

Im Werkstatthaus findet erneut ein Kurs zum Bau eines Bambusfahrradrahmens statt. Blogleser Stefan hat mich gebeten, folgenden Text zu veröffentlichen: 

In diesem Kurs bauen wir mit dir den Rahmen für dein voll funktionstüchtiges Gravelbike (oder Trekkingrad) mit Scheibenbremse und Schaltung. 

Bambus ist ein nachwachsender Rohstoff mit hervorragenden Eigenschaften für den Rahmenbau. Das Material ist sehr stabil und besitzt dennoch eine gewisse Eigenfederung. Rahmengöße und Symmetrie werden individuell angepasst. Durch den natürlichen Wuchs des Bambus, sowie die jeweilige Bearbeitung und Gestaltung der Verbindungen entsteht ein hochwertiges Unikat. Wir werden für den Rahmenbau erforderliche, handwerkliche Techniken anwenden wie sägen, Teile in eine Rahmenlehre einpassen, verkleben, Gewebe einlaminieren, schleifen und lackieren. Optional unterstützen wir gerne beim Aufbau deines vollständigen Fahrrads mit Rat und Tat. 

Am Samstag den 17. Mai 2025 findet um 15:00 Uhr eine Vorbesprechung für den Workshop statt.

24. April 2025

Stadt sucht Schuldige - Rad sucht Weg

Es ist Frühlingsfest auf dem Cannstatter Wasen. Mehr Menschen als sonst laufen von der Stadtbahnhaltestelle durch die Hall of Fame zum Wasen und zurück. Mehr sind auf der Rampe vom Radweg König-Karls-Brücke unterwegs. 

Kennen wir, ist zwei Mal im Jahr so: zum Volksfest und zum Frühlingsfest. Früher wurden da munter Schilder aufgestellt mit "Radfahrer absteigen", Sperren stehen uns im Weg, jedes Jahr martialischere. Feste erfordern Maßnahmen. Ich würde das auch gar nicht weiter kommentieren, hätte die Stadt jetzt nicht auf einmal auf den Boden in der Hall of Fame, den von mir schon mal kritisierten Satz "Rad nimmt Rücksicht" mit Kreide auf den Boden gesprüht. Als ob wir Radfahrenden routinemäßig durch bedirndelte und belederhoste Gruppen heizen würden. Die Mahnung haben Aktivisten zum Anlass genommen, darunter zu sprühen: "... und suche Radweg". Recht haben sie. 

Wo ist eigentlich unser Radweg? Es gibt hier keinen einzigen (es gibt nur freigegebene Fußwege), während sich oben ein Dutzend Autofahrspuren kreuzen, auf denen man teils mit dem Rad gar nicht fahren darf. Mit dem Auto kann man in jede Richtung fahren, und zwar ohne dass man Rücksicht auf Wasenbesuchende nehmen muss. 

22. April 2025

Wer Auto statt Rad fährt, schadet auch sich selbst

Es gibt eine Verbindung im Gehirn zwischen  motorischen Zentren und dem wichtigsten Belohnungssystem, das Dopamin ausschüttet. Bewegung macht glücklich. 

Die Neurowissenschaften gehen mittlerweile  davon aus, dass der menschliche Geist es lohnend findet, zu gehen, zu laufen, zu radeln, zu schwimmen und so weiter. Die Dopaminausschüttung erzeugt ein enormes Wohlgefühl. Für die menschliche Entwicklung war das entscheidend, so trieb es uns, unsere Umgebung zu erkunden und Neues zu entdecken. Längst weiß man, dass Kinder besser durch Belohnung lernen als durch Bestrafung. Die Freude, etwas zu können (Rad fahren, schwimmen, rechnen) ist Ergebnis der Dopaminausschüttung, der Dopaminkick wiederum ist Antrieb, etwas zu können. Bestrafung schüttet ebenfalls Neurotransmitter aus, die aber hemmen und zwar durchaus auch die Motorik. Das zeigt uns: Tu das nicht noch mal!

Dass eine Autofahrt aus der Vorstadt zum nächsten Supermarkt oder ins Stadtzentrum glücklich macht, werden wohl die wenigsten Menschen behaupten.

20. April 2025

Notbremssysteme in Autos sind blind für Warnwesten

Offenbar erkennen Notbremssysteme in Autos Menschen in Warnwesten nicht immer zuverlässig und reagieren nicht. 

Das geht aus einer Studie des Sicherheitsinstituts der US-Versicherer ( IIHS) hervor, über verschiedene Medien, darunter die Motorzeitung berichten. Offenbar machen reflektierende Streifen Radfahrende oder Fußgänger:innen für die Sensoren, die ein Hindernis erkennen und eigenständig bremsen, unsichtbar. Die Reflexionen irritieren die Kameras. Eine komplett schwarz gekleidete Person bei Dunkelheit wurde von den Systemen besser erkannt. 

Für das menschliche Auge sind im Dunkeln Menschen mit reflektierender Kleidung allerdings besser erkennbar als Leute in dunkler Kleidung, und wer Auto fährt, sollte ja vor allem selber gucken und sich nicht auf Notfallbremssysteme verlassen (die übrigens tagsüber gut funktionieren). 

In den USA haben Untersuchungen des IIHS allerdings auch gezeigt, dass sich Zusammenstöße von Autofahrenden mit Fußgänger:innen durch die Notbremssysteme in Autos um fast 30 Prozent senken ließen, allerdings nicht bei Nacht, da helfen diese Systeme kaum. Leider ereignen sich die meisten folgenschweren Fußgängerunfälle bei Nacht.

18. April 2025

Wie kommen wir in Stuttgart schneller zu Radgaragen?

Wer ein Auto hat, darf es wohnortnah im öffentlichen  Raum abstellen. Aber wohin mit dem Fahrrad? Der Weg zur Arbeit oder zum Einkaufen beginnt immer vor der eignen Haustür. Und deshalb beginnt die Mobilitätswende dort, wo wir wohnen. 

Essenziell sind für Radfahrende Radabstellanlagen und Fahrradgaragen, wo sie ihre Fahrzeuge sicher unterbringen können. Denn nicht alle, die gerne mit dem Fahrrad, vor allem dem schweren Pedelec fahren möchten, können Räder in den Keller tragen oder auf dem eigenen Grundstück abstellen. Und den Bau einer Radgarage auf dem eigenen Grundstück kann sich auch nicht jeder leisten (Foto). Tatsächlich aber nimmt der Radverkehr zu, sobald geklärt ist, wo man das Rad abstellen kann, ohne dass es nass geregnet oder Vandalismus oder Diebstahl ausgesetzt ist. Das Anschließen von Rädern an Schildermasten, Zäunen oder Hausgittern ist keine Lösung, zumal die Räder damit den Gehweg verengen und Fußgänger:innen behindern. 

Da das mit den Fahrradgaragen in Stuttgart nicht gar nicht gut vorankommt, darf jetzt die Leipziger Start-up-Firma VeloDepo in Stuttgart den langwierigen Weg durch die politischen Instanzen und Verwaltungsebenen antreten und dann - vielleicht - welche aufstellen.