17. Dezember 2021

In Stuttgart werden Fahrräder zu eng überholt

In Stuttgart werden Radfahrende in drei von vier Fällen zu knapp überholt. Die Stuttgarter Zeitung hat im Rahmen des Projekts "Radort Stuttgart" dazu eine umfangreiche Untersuchung gemacht. 

100 Radfahrende wurden mit den Kesselbox-Sensoren ausgestattet, die den Überholabstand messen, und sollten damit ihre üblichen Strecken fahren. In drei Viertel der Fälle wurden sie mit weniger als den erforderlichen 1,50 Metern Abstand überholt, in 2 Prozent der Fälle waren es weniger als 50 Zentimeter zwischen Lenker und Außenspiegel.  Insgesamt 27 Prozent der Autofahrenden überholten mit einem Abstand von weniger als einem Meter.

  • 26 Przent hielten sich an mindestens 150 Zentimeter Abstand
  • 47 Prozent überholten mit einem Abstand von zwischen 100 und 150 Zentimetern
  • 25 Prozent fanden 50 bis 100 Zentimeter ausreichend
  • 2 Prozen schrappten mit unter 50 Zentimeter Abstand an den Radfahrenden vorbei

15. Dezember 2021

Reparatur des Ferdinand-Leitner-Stegs verschoben

Tja, der Ferdinand-Leitner-Steg kann nun doch dieses Jahr nicht mehr saniert werden. 

Ihr werdet bemerkt haben, dass die Baustelle samt gigantischer Umleitung, die ich angekündigt habe, nicht kam. 

Der Grund ist, dass eine Kolonne der beauftragten Baufirma positiv auf Corona getestet wurde und ausfällt. Für nächstes Jahr muss ein Termin erst gefunden werden. Der Untergrund hatte sich abgesenkt, wodurch an den Brückenaufgängen ein Absatz entstanden ist. 


13. Dezember 2021

So ein Käse wieder mal!

"Radfahrer absteigen" ist kein Schild der StVO. Auch wenn es hier sehr gebieterisch anmutet, es ist nicht nur ungültig, sondern auch sinnlos. 

Es steht an der Baustelle, die die Kreuzung Wannenstraße/Gebelsbergstraße in Stuttgart-Süd blockiert. Wer die Wannenstraße runter kommt, muss hier nach links, kann nicht geradeaus weiterfahren. Die Frage ist nur: Warum, um Himmels Willen, sollen Radfahrende hier absteigen und schieben? Mitten auf der Fahrbahn? Oder denken die Baustellenbeschilderer, sie sollten auf den Gehweg hoch und dort schieben? Oder dass Radler hiergenerlle  auf dem Gehweg radeln und das hier aus irgendeinem Grund nicht tun sollten? 

Diese Schild "Radfahrer absteigen" gehört aus dem Arsenal der Schilderwut rausgenommen und verschrottet. 

11. Dezember 2021

Radfahrer des Jahres 2021 ist Cem Ödzedmir

Das ist schön, schließlich wurde er in Stuttgart direkt in den Bundestag gewählt. Aber es ist auch ein bisschen traurig. 

Özdemirs Radfahrt zur Vereidigung als Agrarminister beim Bundespräsidenten, erregte in den Medien ein riesiges Aufsehen. Im Grunde gab es an diesem Tag nur ein Thema, das alle Leitmedien mit Foto behandelten: Ein Abgeordneter im schwarzen Anzug zieht sich eine Wetterjacke über und setzt sich einen Helm auf, um zum Bundespräsidenten zu radeln. Wir sahen die Limousinen der anderen, die sich auf denselben Weg machten und den Herrn auf dem Fahrrad doch etwas nach rechts abdrängten, was nicht nett aussah. Cem Özdemir sagte: "Es geht schneller", und war als erster dort. Hinterher klemmte er die Urkunde auf den Gepäckträger. Der coolste Minister ever. Die heute-Show setzte ihm auf dem Foto der Vereidigung einen Helm auf und bemerkte: "Jetzt übertreibt er's aber." 

9. Dezember 2021

Die teure Anarchie des Autoverkehrs

Dass der Autoverkehr uns als Gesellschaft viel Geld kostet, wissen wir. Das sind direkte Kosten für Straßenbau und -unterhalt, aber auch indirekte Kosten für Gesundheit, Lärmschutz, Umweltschutz.
 

Radfahrende dagegen bringen Geld ein, weil sie gesünder sind und sehr viel weniger Schäden verursachen, auch wenn ein Radweg mal ein paar Millionen kostet. Die Aufregung darüber ist dann regelmäßig groß, während die mindestens 16-fach höheren Kosten für dieselbe Strecke Autostraße selten Entrüstung auslösen. Darauf hat Daniel Doerk aus Osnabrück in seinem Blog "it started with es fight" hingewiesen. Er weist aber auf noch etwas hin: auf die Kosten, die die Allgemeinheit tragen muss, weil Autofahrende sich partout nicht an die Regeln halten wollen. 

7. Dezember 2021

Straßen ohne Radweg müssen gesperrt werden

vier Spuren Autos, nichts für Fahrräder
Das sagte Andreas Klein vom Wissenschaftszentrum im WDR 5. Seiner Ansicht nach dürfen keine Straßen mehr gebaut werden, die keinen sicheren Radweg oder Radstreifen haben. 

Und die Straßen, die keinen haben, sagte er, müssten für den Verkehr gesperrt werden, damit klar werde, dass neben dem Auto das Fahrrad ein selbstverständliches Verkehrsmittel ist. 

Ich würde es anders formulieren: Straßen, die keinen sicheren Radstreifen oder Radweg haben, müssen für den Autoverkehr gesperrt werden, der Radverkehr darf sie weiter benutzen. Straßen, die für Autos mehrere Spuren haben, aber keine für den Radverkehr, geben eine Fahrspur ab. Übrigens haben die meisten Straßen für den Autoverkehr mehr als zwei Spuren reserviert, nämlich zwei Fahrspuren und an den Straßenrändern zwei Parkspuren. 

5. Dezember 2021

Stuttgarter bauen Bambus-Lastenrad

Eine Gruppe aktiver Bambusradbastler hat im Werkstatthaus Stuttgart ein Bambus-Lastenrad gebaut. 

Der Rahmen ist fertig und soll nun Motor und Akku bekommen. Über ein Nachhaltigkeits-Crowdfunding der Stadtwerke Stuttgart sammelt die Gruppe jetzt Geld das Projekt, damit das Bambus-Lastenrad im kommenden Jahr auch fahren kann. 

Es wäre das erste Bambuslastenrad in Stuttgart (und vermutlich neben meinem Bambusrad auch das zweite Bambusrad überhaupt, das in Stuttgart fährt). Bambus ist ein leichter und zugleich stabiler Werkstoff. Man sagt gern: "Leicht wie Karbon, fest wie Stahl". Immerhin ist damit der Fahrradrahmen aus einem nachwachsenden Rohstoff gefertigt (und nicht aus energieintesivem Aluminium oder Stahl), auch wenn viele andere Komponenten aus anderen, weniger nachhaltigen Materialien bestehen. 

3. Dezember 2021

Entweder Radwege oder Tempo 30


Darauf läuft es hinaus, wenn wir ernsthaft Radfahrende im Straßenverkehr schützen wollen vor zu schnellen und schweren Autos mit zu unaufmerksamen und ungeduldigen Autofahrenden. 

Die Badische Zeitung hat ihr Interview mit der  Fahrradprofessorin Jana Kühl mit der offenbar skandalträchtigeren Forderung überschrieben: "Deutschlands erste Radprofessorin will Tempo 30 in allen Städten." Eigentlich aber geht es darum, wie wir aus der Emotionalisierung im Straßenverkehr herauskommen. Radfahrende, so Jana Kühl, haben keinen Schutz, kein Blech, keine Hülle rundherum. Ihre Radwege sind schlecht, gar nicht da oder enden plötzlich. 

Radfahrende müssen gleich von Anfang an um ihren Platz auf den Straßen kämpfen. Autofahrende reagieren gereizt und glauben, sie müssten ihrerseits ihren Platz verteidigen, sie möchten nicht durch Fahrräder ausgebremst werden. Außerdem kommen Radfahrer von überall her und sind plötzlich da. Das stresst. Jana Kühl meint, das werde sich nicht legen, solange Radfahrende nicht ihren geschützten Platz auf der Straße haben, möglichst abgetrennt von dem Raum für Autos.
Auf die Frage, wie sich diese Konflikte sonst noch entschärfen ließen, antwortet sie: "Sie gleichen die Geschwindigkeit von Auto- und Radverkehr an." Also Tempo 30 in allen Städten. 

1. Dezember 2021

Ich radle gern im Winter

Im Winter radelt doch keiner. Radfahren ist ein Schönwetterding, sagen  vor allem die, die für den Radverkehr nichts tun wollen. 

Aber im Winter radeln schon deutlich weniger Menschen. Die Rad-Ratgeber verzweifeln an der Wasser- und Schneescheu der Radfahrenden, die sommers zu Zehntausenden die Radwege bevölkern.
Und jedes Jahr wieder ploppen die Argumente auf, warum man auch im Winter das Radfahren nicht sein lassen sollte (Spaß, Fitness, Gesundheit). Aber zu Recht haben wir auch Angst vor vereisten Stellen und verschneiten Radwegen, denn weggerutscht ist man schnell. Und das tut weh. Anderseits sind die Schneetage in Stuttgart auch wieder rar, und es regnet auch weniger als beispielsweise in der Fahrradstadt Münster. Selten sinken die Temperaturen für länger unter minus 10 Grad. Also spricht nichts dagegen, auch im Dezember, Januar, Februar und März Rad zu fahren.