15. März 2023

Schikanen gegen Radfahrer:innen

Schikanen ist das, was eine Macht einer Minderheit auferlegt, um ihr das Leben schwer zu machen. Da gibt es für den Radverkehr tolle Ideen. 

Autos werden schnell und laut gefahren, aber nicht Autofahrende, sondern Radfahrende wegen Raserei mit Einschränkungen belegt. So geschehen im August in Düsseldorf, wo die FDP ein Tempolimit forderte, aber eben nicht für Autofahrende auf der Autobahn, sondern für Radfahrende, und zwar von 10 km/h für einen Radweg, der auf der Schadowstraße durch eine Fußgängerzone gelegt wurde. Auf der Mittelfahrbahn gibt es ein paar Radzeichen, aber offenbar sehen und akzeptieren Fußgänger:innen die nicht. Vermutlich weil der Antrag zu scheitern drohte, zog die FDP ihn Ende August zurück. Jetzt könnte man ja was machen, um die Grenzen zwischen Radweg und Gehwegen deutlicher zu kennzeichnen. Aber Farbe will man aus stadtgestalterischen Gründen nicht einsetzen. Und so geht, auch nachdem ein Radfahrer nicht mehr bremsen konnte, als ein Kind auf den Radweg trat und es schwer verletzte, die Diskussion über rasende Radler weiter, womit Radfahrende gemeint sind, die vermutlich mit Tempo 20 auf einem Radweg fahren. 

Tempo 10 auf einem Radweg gibt es aber natürlich schon. 

13. März 2023

Fahrradstau im Fahrradparadies

"Die Niederlande ist beides, ein Paradies fürs Radfahren und fürs Autofahren. Denn viele kurze Strecken werden zu Fuß, per Fahrrad oder mit dem öffentlichen Nahverkehr zurückgelegt, so gibt es mehr Platz auf den Fahrbahnen für diejenigen, die mit dem Auto fahren wollen (oder müssen)."  

Das behauptet die Dutch Cycling Embassy auf Facebook. Auch ich sage immer wieder: Radwege sind gut für Autofahrende, denn sie sorgen dafür, dass Radfahrende auf definierten Spuren fahren. Und jeder, der Rad fährt statt Auto, verkürzt den Autostau. In den Niederlanden wird immer noch gern und viel Auto gefahren, aber eben auch gern und viel Fahrrad. Beide haben eine ausgebaute Infrastruktur. Allerdings hat auch das seine Tücken. Dass für einen Ausländer (in diesem Fall einen US-Amerikaner) das Radfahren in Amsterdam eher stressig als paradiesisch ist, beschreibt dieser Bericht (Englisch) sehr anschaulich: Es sind viele, sie radeln für den Beobachter von außen unberechenbar und gefährlich. Zudem sind Fahrradparkplätze knapp und Räder werden geklaut. Anderseits gibt es auch begründete Begeisterung über die Radkultur der Niederlanden. 

Dass Amsterdam kein Fußgänger:innen-Paradies sei, habe ich schon öfter gehört.

11. März 2023

Fundstück Fahrradkultur

Wie transportiert man eine Person zum Arzt, die gerade nicht laufen kann? So. 

Sie hat sich offenbar den rechten Knöchel verletzt, er steckt in einer Schiene, eine längere Strecke kann sie so nicht zu Fuß gehen. Aber ein Fahrrad ist ja fast wie ein Rollstuhl. Sie sitzt auf dem Rad und bremst, er geht neben ihr und schiebt, wo nötig, und hält sie fest, denn bei Schrittgeschwindigkeit fällt man leicht um. 

Übrigens, interessante Frage: Dürfen die auf dem Gehweg unterwegs sein? Er schiebt das Fahrrad. Zwar sitzt da jemand drauf, aber sie fährt nicht aktiv. Also ja. Und in so einem Fall wäre ich sehr nachsichtig. 


 

10. März 2023

Den Bambusfahrradrahmen selber bauen in Stuttgart

Das Bambus-Lastenrad, auf das ich im Dezember 2021 hingewiesen habe, fährt jetzt. Einige weitere sind auch entstanden. 

Im April bietet das Werkstatthaus Stuttgart wieder einen Kurs an, in dem man seinen/ihren eigenen Bambusrahmen für ein Fahrrad bauen kann. Man kann sich jetzt anmelden.  

In dem Kurs kann jeder einen Rahmen für ein voll funktionstüchtiges Fahrrad bauen. Bambus ist stabil (ich fahre seit zwei Jahren ein Bambusrad) und besitzt dennoch eine gewisse Eigenfederung. Und es ist ein nachwachsender Rohstoff, der anders als Stahl oder Aluminium keine Energie zur Herstellung benötigt. Rahmengröße und Symmetrie werden individuell angepasst. Wegen der Knoten und der Verbindungen, die geleimt werden, entstehen jeweils hochwertige Unikate. Es wird angepasst, verklebt, laminiert, geschliffen und lackiert und wer dann das vollständige Fahrrad mit Reifen und Bremsen aufbauen will, bekommt Rat und Hilfe. 

Das Werkstatthaus Stuttgart teilt mit: Am Samstag, dem 25.03.2023 findet um 15:00 Uhr eine Vorbesprechung für den Workshop statt, bei der wir nebst einer allgemeinen Einführung, die Rahmensymmetrie und die Rahmengröße festlegen.
Kosten (inklusive alle Werkstoffe/Bauteile für den Rahmen): 600 Euro. Für Nichtverdiener: 500 Euro
wöchentlich Freitag/Samstag, 5 Termine. Freitags 18-22 Uhr, Samstags 14-19 Uhr
KONTAKT/Anmeldung: bildhauerei@werkstatthaus.net




8. März 2023

Die Ampel, die für Radler:innen nicht grün wird

Radelt man die Geißeichstraße Richtung Killesberg, dann wird man vor der Ampel an der Gaußstraße auf eine Nebenfahrbahn hinausgeleitet und landet an einer Ampel, die nicht grün wird. 

Ich sehe zwar jede Menge Induktionsschleifen  im Asphalt, aber auf mein Bambus-Rad mit Pedelecmotor haben sie nicht reagiert. Eine Weile stehen ist man ja gewöhnt. Aber wenn die Autos parallel auf der Geißeichstraße vier mal Grün kriegen und Starten und bei mir die Fußgängerampel immer noch auf Grün steht und meine Ampel auf Rot, kommen einem doch Zweifel, ob es die Stadt so übel mit uns meinen kann. In meinem Fall kam kein Auto, das mir hätte Grün verschaffen können. Es half auch nicht, dass ich mein Rad mehrmals über die Schleifen bewegte. Schließlich habe ich das Fahrrad über den Gehweg geschoben und in der Gaußstraße hinter der Ecke wieder auf die Fahrbahn gesetzt. 

7. März 2023

Die leidigen Fahrradschlösser

Sie sind ein ungelöstes Problem, dessen sich die Fahrradindustrie auch gar nicht annimmt. Man muss sie immer extra dazu kaufen. Und es gibt für sie eigentlich keinen guten Platz am Fahrrad. 

Und sie sind umständlich zu handhaben. Wir transportieren sie in Taschen und müssen sie herauskramen. Immer müssen wir viele Handgriffe tun, um ein Fahrrad ab- und wieder aufzuschließen. Fast immer müssen wir uns dabei bücken. Eigentlich erstaunlich, dass die Fahrradindustrie sich so gar nicht dafür interessiert, wie wir unsere Fahrräder gegen Diebstahl sichern können und nicht längst serienmäßig Schließsysteme ins Fahrrad integriert hat. Jedes Auto und jedes Moped kann einfach abgeschlossen werden, aber ein Fahrrad nicht. Da kramen und bücken wir uns und fummeln herum. 

5. März 2023

Radfahren triggert

Ich habe schon oft darüber geschrieben, dass das Fahrrad das dritte Element zwischen Auto- und Fußverkehr ist und deshalb hin- und hergeschoben und von Autofahrenden und Fußgänger:innen als störend empfunden wird. 

Der Radentscheid Bonn hat auf seiner Seite dem Gedanken unter dem Titel "Radfahren triggert - Und das ist auch gut so" einen Aspekt hinzugefügt, den ich interessant finde. Ausgangspunkt ist die Frage, warum Radfahrende Irritationen (manchmal sogar Aggressionen) auslösen. Wenn sie mit dem Rad etwas tun, was andere nur mit dem Auto tun, zum Beispiel den Wochenendeinkauf machen oder ins Büro fahren oder zum Opernbesuch, wird dieses Verhalten vom Autoabhängigen als abweichendes Verhalten bemerkt und irritiert zumindest unbewusst. Es ist aber nicht komplett absurd, sondern eigentlich vernünftig, und deshalb löst es bei etlichen eine Selbstrechtfertigungsreaktion aus. Schließlich ist ja allen bekannt, dass Radfahren besser für die Umwelt, für den von Autos vollgestopften Stadtverkehr, für einen selbst und für die eigenen Kinder ist. Und fast alle teilen den Wunsch nach einer weniger autogerechten und ruhigeren Stadt. Allerdings müssten sie dafür ihre eigenen Gewohnheiten ändern. Und das tun die meisten Menschen nicht gern. Radfahren löst dann bestimmte Abwehrmechanismen aus, es triggert. 

3. März 2023

Prinz Harrys Enthüllungsbuch und das Radfahren

Es ist schon eine Weile her, dass sich die Öffentlichkeit über Prinz Harry und sein Enthüllungsbuch den Kopf zerbrach. Und mit Radfahren hat das ja nun gar nix zu tun. Oder doch? 

Die Zeit ließ Patrik Schwarz darüber nachdenken, inwiefern der Gestus des Buchs symptomatisch für die Rechthaber-Schlachten unsere Zeit sei. Der Artikel ist am 11. Januar unter dem Titel "Das Prinzip Harry" erschienen und befindet sich leider hinter der Bezahlschranke. Und mit Radfahren hat er nichts zu tun. Doch, hat er.  

1. März 2023

Das Fahrrad hat den bequemsten Kofferraum

Hinter dem Kassentresen werkelt die Verkäuferin oder der Verkäufer, scannt den Preiscode, tippt in die Kasse, legt alles hübsch zusammen und bückt sich routiniert nach der Einkaufstüte (heutzutage aus Papier und sperrig). Und dann entspinnt sich ein immer ähnlicher Dialog. 

"Ich brauche keine Tragetasche, vielen Dank", sage ich. Besorgnis bis Entsetzen in den Augen hinter dem Tresen. "Aber dann packe ich sie Ihnen die Sachen wenigstens ein", sagt sie/er. "Vielen Dank, aber das ist nicht nötig", sage ich. Ja will  die Kundin jetzt wirklich mit den Jeans, Schuhen oder dem Pullover unterm Arm durch die Straßen wandern? "Mein Rad steht vor der Tür", erkläre ich deshalb manchmal, obgleich ich vermute, dass sich für sie nicht erschließt, warum ich keine Verpackung brauchte. Nie fragt jemand nach. Letztlich ist es ihnen vermutlich egal.